If anyone can hear me…

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Also, mir geht es gerade sehr gut. Ich bin vollgegessen mit Chips, Pistazien, überbackenen Nudeln und Spargel, Sonnenblumenkernen, Milch und Cuarenta y tres, Muffins und Honigwaffeln. Sollte man eigentlich nach einer normalen Bandprobe nicht unbedingt erwarten, aber 1) seit wann sind wir normal, und 2) haben Sarah und Chris und ich nach der Probe noch eine ganze Weile zusammengesessen und Sarahs fertige Bachelorarbeit gefeiert. Das alles – und ein ganzer, riesiger, langer Nachmittag voll Probe – hat dazu geführt, dass mein Kopf mit vielen Dingen angefüllt ist und nicht zu sehr von Sachen belastet wird.

Anders als noch heute Vormittag. Da hatte ich ein ganz krasses Erlebnis im Bus zur Uni. Und zwar war ich auf dem Weg zu Baskisch, war am Morgen schon im Syntax-Tutorium gewesen, dementsprechend früh aufgestanden, dementsprechend KO, hatte dementsprechend eine meiner noch von Silvester übriggebliebenen Energy-Brausetabletten konsumiert, welche gerade anfing zu wirken, war dementsprechend kribbelig und hyper und dementsprechend glücklich über All I Want, das gerade in meiner random Wiedergabe lief. Und dementsprechend kurz davor, ganz entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, immer alles anzuhören, egal was (außer dem Redundant Song natürlich, verständlicherweise), das extrem sanfte und langsame Lied aus Twin Peaks, das danach kam, einfach weiterzudrücken.

Zumal ich erst dachte, es wäre das Twin Peaks Theme, das instrumentale vom Anfang der CD.

Da hörte ich also:

Das hier.

Um dann einen kurzen inneren Disput mit mir auszuführen und mir an dessen Ende zu sagen, nein, du hörst das jetzt, es wird bestimmt auch interessant, mal zu sehen, wie du auf sowas reagierst, wenn du Energy getrunken hast.

Und dann auf einmal spricht diese Stimme zu mir.

Das hier.

Das hat mich so richtig unvorbereitet getroffen, wie ein Schlag, wie eine Warnung übernatürlichen Ursprungs. Als ob sie den Konflikt belauscht hätte, den ich unterschwellig dabeibin, mit mir auszutragen.

Und, um sicherzugehen, dass ich sie verstanden hatte, noch einmal.

Das hier.

Ich war so überwältigt, ich habe ihr nur entgegnet, ich versuche es ja, ich versuche es doch.

Das hier.

– sagte sie zu dieser unspezifizierten dritten Person, die jeder Mensch wohl bei sich im Kopf anders definiert und welche bei mir aus gegebenem Anlass eine recht starke Assoziation mit einem Ereignis von vor ein paar Nächten hervorrief.

Sie singt dann weiter: The sky is still blue, the clouds come and go, but something is different – zu der Zeit hatte der Bus die Uni schon erreicht und ich war ganz benommen am Aussteigen – are we falling in love?
Wenigstens das konnte ich ihr klar beantworten, nein, ziemlich eindeutig nicht. Ziemlich eindeutig nicht.

Ich war zu früh für Baskisch angekommen und hatte ein paar Minuten Zeit, mich auf der Bank vor dem Raum zu regenerieren. David, der auch zu früh war und mit dem ich mich über die Türkischkurse an der Uni unterhalten habe, war mir dabei unwissentlich behilflich. Er macht Türkisch I dieses Semester und ich habe ihn ausgefragt, ob unser Dozent mit ihnen genauso chaotisch umgeht wie mit all seinen anderen Kursen. Die Antwort kannte ich eh, aber es ist immer so amüsant, über dieses Unikat von einem Menschen mit Anderen zu reden.

Nachher habe ich mir aber doch noch weiter Gedanken gemacht, und tue es immer noch, natürlich. Und als ich gegen Ende der Basksichstunde kurz aufs Klo gegangen bin, hatte ich plötzlich wieder die Zeilen aus 80 im Kopf, If anyone can hear me slap some sense in me. Aber wer soll mich schon hören. Wer soll mir schon helfen. Das muss ich für mich selbst schaffen.

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