Was geschafft wurde, was zu tun bleibt.

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So sieht also das Leben gerade aus:

Ich hänge auf dem Boden im wenig gemütlichen Hausflur, ein zu kurzes LAN-Kabel weit von der Internetbuchse weg, und habe die letzten anderthalb Stunden damit verbracht, Susmita von einer Todespanik abzubringen, die etwas mit nächtlichem Klopfen an ihrer Terrassentür und meinem Zwischenmieter zu tun hat und als deren Resultat es uns nur in Folge von Schwerstarbeit gelang, sie dazu zu befähigen, die Tür ihres Zimmers zu öffnen und aufs Klo zu gehen.

Robert und ich haben stundenlang versucht, mein WLAN wieder zum Laufen zu bekommen, aber es soll einfach nicht sein.

Im Oldesloer Bürgerbüro darf sich nach Betriebsschluss kein Mitarbeiter in sein Konto einloggen, selbst dann nicht, wenn es sich um eine übernatürlich liebe Angestellte handelt, die man zuvor zu dem Zweck aus ihrem wohlverdienten Urlaub geklingelt hat: „Ihr Konto sieht es nicht vor, dass Sie sich zu dieser Zeit anmelden. Bitte versuchen Sie es später erneut.“

Mein Plan, der gestern – und die ganzen Jahre davor – noch unerfüllbar schien, hat sich heute verwirklicht. Wenn ich Montag zum Arzt gehe, um wegen der vermaledeiten Perú-Geschichte noch irgendwo Geld aus der Reiserücktrittsversicherung herauszuquetschen, können wir also endlich, endlich, endlich, endlich, endlich, endlich die frohe Botschaft verkünden, dass die Person, die mich geboren hat, sich nach einem mehr als zermürbenden Kampf meinerseits endlich dazu bereiterklärt hat, es doch mal mit Medikamenten zu versuchen.

Ich kann es gar nicht glauben. Ich habe es geschafft. Jetzt besteht also endlich eine Chance auf Besserung. Dass der Albtraum ein Ende findet, dass das gowaiverdammte Licht mal wieder auf uns scheint.

Ohne zu viel erwarten zu wollen. Wobei die Verlockung, sich aus ihrem Einverständnis den allesverändernden Schritt raus aus dem Horror dieses Familientodes zu erhoffen, einfach unsagbar groß ist. Ich bin dem ganzen Elend hier einfach nicht gewachsen. Ich habe keine Ahnung, wie ich hier drei Wochen leben soll, jetzt, wo mich mein langzeitiges Hirnversagen in Form von Reisepassabgelaufenseinvergessens von meinem Dreijahresurlaub abgehalten hat.

Höre ich gequälte Geräusche von oben? Oder halluziniere ich wieder? Heute früh habe ich schon ihre lachenden Stimmen halluziniert, während ich im Garten Giersch gerupft habe; ein doppelt trügerisches Trugbild, wenn man bedenkt, was letzten Endes darauf folgte, als sie tatsächlich wieder dawaren. Eigentlich hatte ich es schon halb im Gefühl; wenn sie zusammen weggehen und es länger dauert als erwartet, kann man meistens davon ausgehen, dass sich unterwegs etwas Unangenehmes ereignet hat. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr viel davon aushalte. Aber das habe ich auch schon vor Jahren gesagt.

Werde mal schlafengehen und hoffe – von woher nehme ich noch gleich die Hoffnung? – dass der gerade angebrochene Tag uns mehr Leben bringt.

Edit: Die Geräusche sind echt. Wer auch immer, gib mir Kraft, das durchzustehen.

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