Schon wieder Weihnachten? Hilfe…

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Gleich geht’s also schon wieder hoch zu meinen Eltern. Ich freue mich wie eine Wahnsinnige auf die zwölf Stunden Zugfahrt.. nicht.. aber das wird auch überlebt werden. Wie überhaupt ja letzten Endes immer alles überlebt wird, bis man dann doch irgendwann den Löffel abgibt.

Gestern hatte ich meine alten Bandleute zum Essen hier – Sebi ist für ein Wochenende aus Frankfurt runtergekommen und zu dem Anlass ist sogar Chris aus seiner Versenkung aufgetaucht und hat sich mit ihm zusammen hier bei mir eingefunden. Es war schön. Ich habe zwar immer noch das Gefühl, dass Sebi und ich locker einen Award für die awkwardste Kumpelschaft aller Zeiten gewinnen könnten, aber da kann man offenbar einfach nichts machen. Wir sind einfach nie dazu gekommen, uns vernünftig aufeinander einzulassen. Ist wohl auch ganz gut so; der Mensch ist innendrin ein einziges Chaos. (Weil ich auch absolut diejenige bin, die sich das zu sagen erlauben kann, ich seh’s auch so.) Ich war fasziniert von seinen Erzählungen über seine Freundin, Lili, die einfach genau so zu sein scheint, wie ich vermutlich wäre, würde ich mich nicht der Außenwelt zuliebe verstellen. Umso beachtenswerter, dass er sie trotzdem erträgt.

Wir haben dann nach dem (köstlichen!) Essen noch ein bisschen Musik gemacht. Ich habe ihnen mein neues Lied vorgespielt, Esaidazu, und sie waren davon angemessen beeindruckt (immerhin scheint jeder Andere als der hoffnungslose Fall, für den es geschrieben wurde, mir für mein erstes Lied auf Euskera irgendeine Art Bewunderung entgegenzubringen. Was vielleicht daran liegt, dass sie alle nicht merken, dass es sprachlich grenzwertig ist). Sebi konnte es einfach nicht glauben und fragte mich, ob der Text auch irgendeine Bedeutung hätte. Das fanden dann alle sehr lustig. Hach ja.

Da fällt mir ein, ich habe dir bis heute nicht die aktuelle Version gezeigt, die ich gerade noch so aufgenommen hatte, bevor der Luxemburger kam. Jetzt aber.

Peruaner-Pedro war auch noch da und ich gab ihm und Sarah das Weihnachtsgeschenk, das ich ihnen Anfang der Woche noch spontan bestellt hatte – so Handschuhe für zwei, weißt du, wo einer der Handschuhe zu beiden Seiten eine Öffnung hat und man von jeder Seite eine Hand reinstecken kann. Ich musste es ihnen einfach schenken, auch wenn Sarah vor schlechtem Gewissen bald gestorben ist. Ich hatte es mir schon fast gedacht und habe mein Bestes gegeben, sie zu beruhigen. Ich hatte ja von ihnen auch nichts erwartet. Aber ich musste ihnen diese Handschuhe geben. Meine Mutter hat meinem Vater letztes Jahr solche geschenkt, daher kam ich darauf. (Das war auch lustig; ich rief sie an und sagte, hey, woher hattest du eigentlich diese Handschuhe, die du Papa geschenkt hast? Und sie antwortet knallhart, „aus dem Ikarus-Versand. Es gibt sie in schwarz und in rot, aber du musst dich beeilen, die schwarzen sind meistens ausverkauft. Sie haben 19,99 gekostet.“ Und ich war vollends verblüfft, weil ich von ihr überhaupt nicht gewohnt bin, dass sie sich an solche Details nach einem Jahr noch erinnert (anders als beispielsweise Susmita und ich, oder Laura, da wäre es mir weniger komisch vorgekommen) – bis sich herausstellte, dass der Katalog von genau dem besagten Versandhaus ihr gerade ins Haus geflattert war und sie ihre Erinnerung inzwischen aufgefrischt hatte.)

Wie herrlich. Ich hab‘ den Wein von gestern Abend eben leergemacht und es geht mir jetzt wunderbar gut. Viel besser als vorher; ich hatte den größten Teil des Tages Panik und bin nichtmal sicher, wieso. Reisefieber, vermutlich. Es ist schon merkwürdig, wie ich jedes Mal in Panik gerate, wenn ich eine Reise mache. Es ist ja nicht so, als hätte ich in diesem Leben noch nie eine Zugfahrt unternommen. Aber nunja, ich bin halt komisch. Damit muss ich leben.

Oh je. Habe ich dir von Kepas und meinem Fail erzählt? Ewww, ich will gar nicht dran denken. Im Endeffekt beläuft es sich darauf, dass er mit meiner Definition von Zuhause nicht vertraut ist und sich daraus ein horroriges Missverständnis ergeben hat, als dessen Konsequenz er jetzt bis zum vierten Januar bei seiner Familie hängt und ich Silvester noch eine Person weniger bei mir habe. Ich kann es nicht glauben – was für ein Riesenfail. Mir wird bald schwummerig, wenn ich nur dran denke. Ich hätte nicht im Traum dran gedacht, dass man „bei mir zu Hause“ irgendwie anders verstehen könnte als „an dem Ort, wo ich lebe“. Das ist ja bei mir allgemein das Problem. Spätestens seit meiner Heimatkrise letztes Jahr und vor allem seit meiner Rückkehr aus Vitoria bin ich hier einfach so fest verwurzelt, dass ich gern mal vergesse, dass der Rest der Welt mit Zuhause auch gern den Wohnhort ihrer Eltern betitelt.

Ich war ein wenig erschreckt, muss ich sagen, davon, wie er damit umging. In erster Linie klang es so, als hätte er Angst, dass ich mich gleich aus dem nächstbesten hochgelegenen Fenster stürze. Was an sich nicht verwunderlich ist; nachdem ich ihm eröffnet habe, dass es mir über längere Zeit nicht so großartig ging, kann ich mir denken, dass man so einer Person mit depressiver Vergangenheit und entsprechenden Tendenzen keine sonderliche Stabilität zutraut. Falls er allerdings wirklich dachte, dass mir das Ganze schlechte Laune bereiten könnte, wäre „geh dich jetzt nicht suizidieren“ vielleicht auch nicht gerade das gewesen, was er hätte von sich geben sollen. Also setzen wir uns auf die Liste „What to Teach your Kumpel Slash Stecher“: Dealing with Depressed People 101.

Es ist viel, viel, viel zu wenig Zeit bis fünf Uhr.

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