Hegoak ebaki banizkio…

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Das war ein schwieriger Tag. Ich wünsche mir, dass der heutige mir wieder mehr Frohsinn und weniger Nesselfieber bringt.
Nicht falsch verstehen, mein Donnerstag hatte die wunderschönsten Mo- und Elemente. Die Sonne zum Beispiel. Und dass es mir gar nicht mehr zu kalt war, als ich in meinem Sonnenzelebrierungsoutfit (aka Sandalen, Sommerkleid und Stoffjacke) aus der Arbeit wieder heimfuhr, ganz im Gegensatz zum Hinweg. Dass ich Pfand weggebracht und dabei mit dem Bierkasten auf dem Kopf wieder mal im Bus für Unterhaltung gesorgt habe. Dass ich dann Spüli und Spülmaschinensalz von dem Pfandflaschenerlös gekauft habe und von einem netten Menschen an der Kasse vorgelassen wurde. Dass ich schon den zweiten Tag in Folge ein paar Minuten lang genug Muße hatte, mich mit einem Kissen auf die Treppe vor meiner Haustür zu setzen und zu lesen, gestern mit dem letzten Bier aus dem Osterkasten statt wie vorgestern mit am Foodsharing-FairTeiler abgestaubter Pulver-Chai-Latte. Dass ich Altglas weggebracht und mich bei all dem wunderbar produktiv gefühlt habe. Dass ich in der Arbeit Sarah dazu bringen konnte, dass sie wahrscheinlich die abartige Tigerzoo-Tour in Thailand aus dem Programm nimmt. Dass ich einen Rest Mehlknödel mit Käsesauce in der Arbeit dabeihatte. Dass ich mein Pensum so früh fertighatte, dass ich danach noch zwei Touren übersetzt und die Originaltexte meines gesamten Tagewerks noch korrekturgelesen habe, um dann immer noch zu früh, aber für mein Seelenheil trotzdem in der allerletzten Minute mich auf den Nachhauseweg zu machen. Das ist schließlich alles passiert gestern. Da sollten Geschichten wie das Nesselfieber automatisch viel weniger Gewicht zugestanden bekommen. Das ständige Heulenwollen in der Arbeit, der verdreckte Küchenboden, der ewige Zweifel an mir selbst, meinem Sinn und meiner Wertigkeit, R, R, R, der Mangel an Lösungsansätzen und der Überschuss an Zäunen um mein Denken und Mauern um mein Fühlen und Angst um meinen Verstand, die mangelnde Fähigkeit, mich auszudrücken, die lückenhafte Kommunikation, der unerfüllbare Wunsch, mich einfach kein Stück mehr verstellen zu müssen und mir zu erlauben, ihm mitzuteilen, dass es mir nicht gut geht, und ihn dazuhaben, wenn es mir schlecht geht, und ihm zu verstehen zu geben, dass jeder Mensch eine Welt ist und man im Leben nicht damit fertigwerden kann, auch nur eine einzige geliebte Welt komplett zu erschließen, und ich es für unmöglich erachte, mit einem einzelnen kleinen Geist zeitgleich in mehreren davon herumzustromern ohne Verluste, ohne Rücksicht auf Verluste.

Caro schreibt mir, aber ich geh‘ jetzt ins Bett. Alda lan, bin isch kaputt, du Opfer.

Edit:

Hegoak ebaki banizkio
Neria izango zen.
Ez zuen alde egingo.

Bainan honela
Ez zen gehiago txoria izango

Eta nik txoria nuen maite.

If I had cut his/her wings, s/he would have been mine, s/he would not have gone away.
But then, s/he wouldn’t have been a bird anymore.
And it was the bird that I loved.

Der Wille muss seiner sein; ich werde ihm nicht die Flügel abschneiden, ich kann ihm nicht die Flügel abschneiden; wenn das tatsächlich seine Flügel sind, soll er fliegen.
„Ich flög‘ auch zu dir“. Das zu meinem spontanen „Wenn ich ein Vöglein wär'“ auf dem Klavier seiner Eltern. Er labert so viel, wenn der Tag lang ist.

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