Schemenhafte Umrisse einer neuen möglichen Zukunft.

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Es ist nun in der Wohnung der erste Durchlauf Streichen erledigt. Von irgendwoher muss ich nun morgen noch einen Pinsel organisieren, sodass das Werk auch vollendet werden kann.

Konkretere Nachrichten gibt es insoweit, als der Mensch, dem meine Mutter auf mein drängendes, um nicht zu sagen flehendes Anraten hin am Samstag noch eine Kaufzusage machte, bereits am Tag danach fest entschieden hatte, meinen Eltern das Objekt zu überlassen. Er mochte uns. Ich weiß auch nicht, wie kaputt der Mensch sein muss, um uns so sehr zu mögen, aber laut eigener Aussage waren wir ihm von allen Interessenten die sympathischsten. Und das will schon was heißen, weil sich bei dieser Traumwohnung, die meine Eltern nun auf dem besten Wege sind zu erwerben, die Interessenten schon wenige Stunden, nachdem sie überhaupt nur im Netz erschienen war, wortwörtlich die Klinke in die Hand gaben.

Ich hatte nie erwähnt, dass es mit den bisherigen Versuchen meiner Eltern, eine Immobilie zwecks Geldanlage zu erwerben, letztendlich nie etwas geworden war. Weder das italienische Rustico noch das Haus im Schwarzwald noch die zigtausend anderen Wohnungen, die sie sich im Laufe des letzten Jahres so angeschaut haben, konnten oder wollten sie auch wirklich bekommen. Es haben sich in diesem Zeitraum so abstruse, skurrile Dinge ereignet, dass ich erst anfange, mich von dem Gedanken hinreißen zu lassen, diese Wohnung tatsächlich ab Mitte Mai bewohnen zu können, wenn der Notartermin erfolgreich hinter ihnen liegt. Oder eher, hinter uns – sie wollen, dass ich mitkomme, um die Gelegenheit zu nutzen, etwas fürs Leben zu lernen.

Sollte es aber der Fall sein, entgegen allen potenziellen Gefahren, die bis dahin noch das Prozedere stören könnten, dass dieser Termin zustandekommt und meine Eltern den endgültigen Vertrag unterschreiben, dann kann ich mich glücklich schätzen. Diese Wohnung nutzen zu dürfen ist nicht nur wegen der grandiosen Features ein riesiges Privileg (drei Zimmer! Terrasse! Gartenanteil mit Grillplatz für alle Parteien! Kelleranteil! Waschraum! Bushaltestelle wortwörtlich am Haus! Küche mit maßgeschneiderten (oder zumindest wunderbar platzierten) Einbauschränken von den bisherigen Mietern zu übernehmen! Bestimmt noch mehr, wenn ich erstmal darüber nachdenke!), sondern ermöglicht auch einen Grad an freier Entfaltung, wie er mir in dieser Lebenslage eigentlich noch gar nicht vergönnt sein sollte. Das wurde mir heute Mittag vor der alten Wohnung auf der Terrasse klar: Im Grunde bietet ein Eigenheim, das meinen Eltern gehört, mir die gleichen lebenswichtigen Entfaltungsmöglichkeiten wie eines, das mir selbst gehört. Im Rahmen der Vernunft, versteht sich.

Und ich werde eine Katze haben. Zwei, wenn es sich so ergibt. Und R wird dort mit mir wohnen und ich hoffe bloß, dass ihm das unfassbare Glück, in dem wir da leben könnten, noch bald in seinem vollen Ausmaße bewusst wird.

Zuerst aber gehe ich schlafen. Morgen wird nochmal ein bisschen was gearbeitet, dann sollte die Wohnung fertig für die Abnahme sein.

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