Ein Esel zwischen den Solarplatten

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Yo, ich bin umgezogen. Ein bisschen zumindest; gerade hänge ich in R’s alter Küche und versuche mehr oder minder erfolglos, die mich seit Tagen plagenden, von herausbrechenden Weisheitszähnen verursachten Schmerzen im Mund zu ignorieren. Sämtliche Arzneimittel in der neuen Wohnung zu lagern war, gelinde gesagt, ein Fehltritt. Unter Anderem auch, weil meine lebenswichtigen Anti-Depri-Medis, inklusive der zum Hierbleiben gedachten Schachtel, ebenfalls darunter sind. Ein Glück holte mir R gestern neue, so blieb ich keinen Tag ohne meinen Suchtstoff und musste mir wenigstens darum keine Sorgen machen, während ich versuchte, die Höllenschmerzen in Kopf, Nacken, Mandeln und Mundraum so gut es ging zu verschlafen. Boah, war das furchtbar. Aber es bessert sich schon wieder.

Zwischen Anfang der Woche und dem jetztigen Zeitpunkt lagen einige, um nicht zu sagen etliche Ereignisse. Vom körperlich nicht gerade unanstrengenden, aber durchweg erfolgreichen Umzug über zertrümmerte Zeigefinger, nervenzermürbende Auseinandersetzungen und den erwähnten von R auf der Rückfahrt nach Fast-noch-Zuhause gesichteten Esel bis hin zu einem nun bereits tagelang andauernden, fast unwirklich anmutenden Zustand stressfreien, demonstrativen Geliebtwerdens.

Gerade Letzteres sticht heraus und versetzt mich in eine beinah unvorsichtige Hochstimmung ungeahnter Ausmaße. R nahm sich ab Umzugstag eine Auszeit vom Firmenaufbau und ist seither auf eine völlig ungewohnte Art in etwas präsent, das die Bezeichnung eines gemeinsamen Lebens ohne Wenn und Aber verdient, fast erstmalig in dieser langen Zeit. Liebevoll, partizipativ, aktiv involviert, gutwillig, hilfsbereit, anerkennend, positiv, aufmerksam. Präsent. Es zerreißt mir bald das Herz, mir vorzustellen, dass das wieder aufhört. Ich kann mich nicht erinnern, mich von dieser Person je so lange an einem Stück geliebt gefühlt zu haben. Irgendwo doch ein wunderbares Zeichen für diesen Umzug.

Und nun noch die News des Jahrhunderts: Wenn es gut läuft, schafft es R morgen, eins meiner allerliebsten Computerspiele vergangener, aber ganz sicher nicht vergessener Zeiten mithilfe seines DOS-Emulators wiederzubeleben: Swing. Da R, wie eben geschildert, momentan ganz wunderbar lieb ist, hat er heute schon damit angefangen und sich der Tatsache zum Trotz, dass er eigentlich schon loswollte, redlich bemüht, die Probleme, die ich damit hatte, aus dem Weg zu räumen. Sogar noch, nachdem ich ihm sagte, es hätte ja noch Zeit bis morgen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, ihn am Weggehen zu hindern. Oh, was war es brutal: Das Spiel ließ sich bereits öffnen und das altbekannte, so viel versprechende und an so Vieles erinnernde Hauptmenü erschien; du konntest auch alles Mögliche einstellen, nur ein neues Spiel starten lassen wollte es dich nicht. „You can’t start a new game – you opened game as a network client.“ Oder so. Hilfe, ich kann bald nicht mehr; die so vertrauten Soundeffekte und der Anblick der wunderbaren Extras waren schon genug, um mich hyperventilieren zu lassen. Wenn das morgen funktioniert, werde ich mich nie mehr darüber beschweren müssen, alleine zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Nie fucking mehr.

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