Epikur, wer war das nur.

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Wochenendausflug hinter uns gebracht. Es ging zu meinen Großeltern nach Gelsenkirchen, die letzten Dienstag ihren 60. Hochzeitstag erleben durften, und zu dem Anlass sind wir mit der ganzen Familie angereist – meine Eltern, R und ich. Ich war zum ersten Mal seit dem ADTR-Konzert 2011 dort. Man sollte Oma und Opa eigentlich öfter besuchen, sie sind die Allerbesten und haben es wirklich verdient.

Jedenfalls hat es alles wunderbar geklappt; meine Eltern sind den Abend vorher schon aus der Schweiz zu uns gefahren, um nicht die ganze Strecke an einem Tag durchmachen zu müssen, und es lief gut. Gestern Abend fing es dann an zu kippen; man merkt es immer sehr schnell, wenn meine Mutter in ihre psychotischen Zustände gerät, in denen ihr nichts mehr recht zu machen ist und sie wieder erwartet, dass sich die komplette Welt nach ihr ausrichtet. Dementsprechend wurde es auch heute nochmal richtig eklig, als sie uns wieder hier abgeladen hatten und wir Zeit hatten, uns alle noch ein bisschen zu unterhalten. Sie ist vollkommen durchgedreht und irgendwann ohne sich zu verabschieden zum Auto gestapft.

R dagegen war das ganze Wochenende über einfach wundervoll. Natürlich war er noch er selbst, hat ohne jede Rücksichtnahme nachts in der Wohnung Lärm gemacht und im Gespräch mit den Anderen seine typischen Monologe vom Stapel gelassen, aber gleichzeitig unentwegt dafür gesorgt, dass ich mich wohl und geliebt fühlte, mich die ganzen langen Autofahrten über meinen Kopf auf ihm ablegen lassen, sodass ich schlafen konnte, mich (wie es seine Art ist) trotz meiner üblen Erkältung immer wieder umarmt und festgehalten und mir „Wawu“ gesagt, sich ins Familientreiben eingebracht und ungezwungen mit allen geredet und mir gesagt, dass ich eine wundervolle Familie habe. Besonders mag er meine Oma, da geht es ihm wie mir. Am Abend standen wir vor der Wohnung mit einem flauschigen Karteuserkater, der uns umstreifte und mit hereinwollte. R sagte, meine Mutter könne sich auf die Fahne schreiben, eine Tochter zu haben, die mindestens ein menschliches Leben gerettet habe. Er sagt sowas manchmal, und dass ich ihn umgekrempelt hätte. Ich habe angefangen, das als etwas Positives zu begreifen. Heute Früh hat er mir in einer unfassbar lieben Geste meine Mütze auf den Kopf gesetzt, eine Form von Aufmerksamkeit, die ich überhaupt nicht von ihm gewohnt bin und mich richtig gerührt hat. Ich liebe ihn so sehr, auch wenn er meistens ziemlich komisch ist, denn das bin ich ganz zweifellos auch, und er hat es so sehr verdient, dass alles für ihn besser wird und sein Leben einfach mal nicht mehr nur aus Stress besteht. Irgendwann wird es soweit sein und ich werde niemals aufhören, daran zu glauben.

Ich habe dann jetzt, nachdem meine Eltern wegfuhren, erstmal ein bisschen Gitarre gespielt (das Intro von Kathy’s Song scheint wirklich zu sitzen und ich konnte schon mit dem nächsten Stück anfangen; das Einzige, das nervt, ist die Unausdruckbarkeit der Tabs, die ich gefunden habe); das half, um runterzukommen. R sitzt längst wieder an seinem Informatikzeug. Ich könnte die Weihnachtsgeschenke verpacken. Ja, vielleicht tue ich das jetzt. Aber vorher muss ich noch Epikur recherchieren, weil Sophi am Dienstag Deutsch über Dantons Tod schreibt und wir das Thema noch nicht so ganz durchblickt haben. Sie wird es eh wieder versemmeln, in Deutsch ist bei ihr Hopfen und Malz verloren (oder eher noch gar nicht gewonnen, sie hat einfach nie richtig Deutsch gelernt), aber es interessiert mich halt auch und ich glaube irgendwie nicht, dass die Epikureer bloß die unheilbaren Zweckoptimisten sind, für die Sophi sie nach dem einen Arbeitsblatt nun hält.

Dann werde ich das jetzt also herausfinden.

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