Ausflug nach Hause

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Ach, ich freue mich auf Hamburg. Auch wenn es sich offenbar bei mir so eingebürgert hat, dass ich bloß einmal im Jahr auf eine Eintagesvisite vorbeischneie (siehe Kepas Umzug von Hamburg nach Kempten letztes Jahr, wobei das mit einem knappen halben Tag wohl ungeschlagen der kürzeste Besuch sein wird, den ich meiner alten Heimat je abgestattet habe).

Simone wird in einem relativ kleinen Café feiern; dort war ich auch schonmal und habe es geliebt, direkt an der Elbe, man sieht die riesigen Frachter vorbeifahren und es hat einfach Flair. Nebenan gibt es eine Art Empfangspunkt für Schiffe, wo ein Mensch in einer Kabine sitzt und die Nationalhymnen der ankommenden Mannschaften abspielt. Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern und Großeltern dort, als uns diese in Oldesloe besuchten. Mein Opa ist sehr gesprächig und quatscht unheimlich gerne mit Menschen, die ihm über den Weg laufen, und so erzählte ihm der Kabinenmensch die Anekdote (welche mir, wie man merkt, bis heute im Gedächtnis blieb), dass einmal, als ein südkoreanisches Schiff vorbeifuhr, er versehentlich die nordkoreanische Hymne abgespielt habe. Die Menschen an Bord des südkoreanischen Frachters haben es wohl mit Humor genommen.

Gerade bedrückt es mich unheimlich, dass meine Großeltern nicht mehr so mobil sind. Gerade meinen Opa bedauere ich, denn er ist seinem Alter zum Trotz wirklich nicht gebrechlich und könnte gut und gerne noch durch die Weltgeschichte ziehen. Meiner Oma geht es nicht ganz so gut, sie hat Probleme mit dem Rücken und ist nicht mehr bereit, die Strapazen einer längeren Bahnfahrt auf sich zu nehmen. Mein Opa war sein Leben lang unfassbar wissbegierig, was fremde Orte anging. Er hat wenige weite Reisen unternommen, das haben seine Lebensumstände nicht erlaubt – mit Ausnahme des Besuchs bei meinen Eltern in New York und dem damit verbundenen Karibikurlaub, bevor ich geboren wurde, sind sie, glaube ich, beide nie aus Europa hinausgekommen. Aber ich schwöre dir, du kannst dir eine Deutschlandkarte nehmen und auf ein x-beliebiges Drei-Leute-Kaff blind mit dem Finger tippen, und er wird dir alles an Geschichte runterrattern, das dieses Nest je erlebt hat, und die der umliegenden Gegenden gleich dazu. Er ist wahnsinnig gebildet, obwohl er sein Leben lang ein einfacher Arbeiter war.

Aber ich schweife ab. Ich war ja gerade noch in Hamburg, und zwar bei dem Moment, in dem wir in den ZOB einfahren und ich, vor Müdigkeit wahrscheinlich komplett überdreht, mich wieder zu Hause fühlen werde an einem Ort, mit dem ich nichts mehr zu tun habe, den ich eigentlich nie auch nur angefangen habe zu durchdringen, und den ich kaum je wieder sehen werde.

Mir ist sogar eine wunderbare Lösung für das Makeup-Problem eingefallen (namely, wie schafft man es, nach achteinhalbstündiger Busfahrt und fünf Stunden Stadt für eine Hochzeit präsentabel auszusehen?), nämlich der Rossmann im Hauptbahnhof, von wo sowieso mehr als die Hälfte meiner Kosmetiksammlung stammt. (Da ich ja im normalen Leben nicht unbedingt übermäßig davon verwende, wird mir dieser Vorrat noch bis an mein Lebensende erhalten bleiben. Aber ich war früher süchtig danach, Lipgloss und Lidschatten zu kaufen, einfach wegen der Farben.) Dort kann ich dann doch problemlos bei den Testern einmal die Runde machen und tada, ich spare mir sogar noch die Mühe, mein eigenes Zeug mitzunehmen. Dann hoffe ich nur noch, dass das Wetter gut ist, weil ich wirklich nicht weiß, was ich über mein buntes Kleid für eine Jacke ziehen sollte. Oh, diese Probleme. Man könnte wirklich meinen, ich hätte keine.

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