Keine Ahnung

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Irgendetwas ist vollkommen verkehrt. Ich werde krank oder vielleicht nicht. Ich hänge in einer Art Vorhölle fest, in der sich der komplett abgeschnittene Zugriff auf Emotionen irgendwelcher Art mit Überempfindlichkeit vermischt – nicht abwechselt, wohlgemerkt, vermischt. Gleichgültigkeit, die mir Sorgen bereiten würde, wäre ich denn in der Lage, so etwas zu empfinden, und dazu Gedanken, die sich immer flächendeckender ausbreiten. Ich komme nicht weiter und gehe nirgends hin. Mein Leben ist so kurz und es zieht an mir vorbei und ich mache nichts daraus, und alles, das ich haben könnte, versaue ich mir noch, weil ich einfach zu dumm bin, die Hand auszustrecken. Ich bin erbärmlich und meine Selbstwertschätzung hängt davon ab, was meine Mutter von mir hält. Ich kann mich selbst und die Welt nicht aus meinen eigenen Augen sehen. Mein Leben ist das größte Geschenk und ich kann so gar nichts tun außer versagen, ich trauere so sehr um mein Leben, dass ich schon wieder darüber nachdenke, es einfach zu beenden.

Aber nebenher wird einfach weiterexistiert. Ich bin bei Becci und helfe angeblich beim Streichen ihrer bald beziehbaren Wohnung. Eigentlich aber rieche ich Mehlwürmer in ihrem Wohnzimmer (dem alten, wohlgemerkt), fange mir ihre Erkältung ein (oder vielleicht nicht), unbabele von 11 bis 2 und warte, bis sie aus der Arbeit kommt. Aber sie musste nur heute arbeiten und morgen nur noch zwei Stunden.

Ich werde langsam besessen von dem Gedanken an Arbeit. Das, was ich gerade mache, ist mehr, als ich je zuvor gearbeitet habe, aber das reicht mir nicht (meiner Mutter würde es ja auch nicht reichen), und ich verdiene zu wenig. Zwar verdiene ich mehr als je zuvor, aber immer noch zu wenig und auch nur dank meinem unveränderten Zustand des Eingeschriebenseins, und weniger als R. Ohne Steuern. Das Unbabeln ist aber die einzige Arbeit, die ich verkrafte, weil ich die absolute Freiheit darüber behalte, wann ich wie lange arbeite, und ob überhaupt. Das rettet mir den Hals, denn selbst beim bloßen Gedanken daran, jemand Anderen über meine Lebenszeit verfügen zu lassen, blockiere ich einfach. Ich habe mich außerdem erfolgreich bei Rev beworben, was eine ähnliche Plattform ist, allerdings für Untertitelung. Dort wurde ich am Samstag angenommen und habe seitdem noch nichts weiter getan, werde das aber tun, spätestens wenn ich wieder daheim bin.

Ich kriege es nicht gebacken, mich nicht schlecht zu fühlen.

Ich kann sie hören, meine innere Mutter, die es mir nicht erlauben will, mit solchen Tätigkeiten zufrieden zu sein. Das ist ja gut und schön, sagt sie, aber wann suchst du dir was Richtiges?

Und ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich würde gerne etwas Anderes arbeiten wollen oder können, das gesellschaftlich mehr akzeptiert oder prestigebehaftet ist und mir mehr Geld einbringt, sodass ich problemlos auch mal Miete an meine Eltern zahlen könnte, aber ich wäre eigentlich glücklich mit diesen kleinen Geschichten, die ich mache, und damit, mir immer selbst aussuchen zu können, wie viel oder wenig Verantwortung ich übernehme, und mir meine Kunden nicht selbst suchen zu müssen, weil ich über weite Strecken meines Lebens damit überfordert bin, mich Menschen und der Außenwelt entgegenzustellen und Dinge hinzubekommen, die außerhalb meines Computers oder Handys stecken, und tatsächlich ist das Unbabeln die einzige Arbeit, bei der mir die Aufträge von selbst in den Schoß fallen und zu der ich mich selbst dann noch gezwungen bekomme, wenn ich es einfach nicht weiter als bis zum Sofa schaffe.

Nun kommt Becci.

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