Könnte schlimmer, könnte besser.

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Letztendlich ist es heute wirklich Auslegungssache.

Also, was mir heute so alles passiert ist:

+ Habe es geschafft, um zwanzig vor zehn aufzustehen, mir Kaffee und Berliner aufzutischen und um zehn an einem Webinar über passives Investment als Altersvorsorge teilzunehmen.

– Das Webinar war 1) aufgezeichnet, nicht live, was den Sinn des Pünktlichdaseins so leicht untergraben hat, und 2) natürlich darauf ausgerichtet, dass Leute am Ende einen monströs teuren Onlinekurs zum Thema kaufen sollten.

+ Es war trotzdem informativ genug, dass es mir nicht wie verschwendete Zeit vorkam, vor allem für so komplett Planlose wie mich.

+ Habe es geschafft, den Wisch für den Kirchenaustritt auszudrucken, den ich gestern verfasst hatte, und den grandiosen Plan erdacht, mit Pfand in die Stadt zu fahren, auf dem Rückweg beim Standesamt vorbeizuschauen, um tatsächlich mal aus der Kirche auszutreten (bevor ich demnächst mit Steuernzahlen anfange, das wäre ja noch schöner), und bei der Gelegenheit in der Stadt meine Medis zu holen.

+ Habe Pfand weggebracht, wobei alles nach Plan lief. Kam wieder raus mit einer Packung Klopapier und einer Kleinigkeit für R – Rotkohl für unsere nächste Gans. (Wie falsch sich das anhört. Ich habe das dringende Bedürfnis, mich zu rechtfertigen: Um Himmels Willen, du weißt doch, dass ich neulich mit Yannick fünf „kleine“ tiefgefrorene Gänsebrüste gefunden habe, von denen R und ich nun vier Stück nach und nach dekadent verspeisen. „Klein“ im Vergleich zu der ganzen Gans, die mit Sicherheit zehn Kilo auf die Waage brachte. Und was den Rotkohl betrifft, so wurde dieser ebenfalls illegal entwendet. Du weißt doch, dass ich Supermärkten erst dann Geld in den Rachen schmeiße, wenn die Mülltonnen dahinter nicht mehr Abend für Abend die halbe Welt ernähren könnten.) (Wieder einmal stelle ich fest, dass mein Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden vermutlich mit dem einiger anderer Menschen kollidieren dürfte, wenn ich schon so panisch bemüht bin, den Verdacht entrüstet von mir zu weisen, ich könne mir Nahrungsmittel oder gar ein totes Tier gekauft haben.)

+ Wichtiger Punkt, den ich bislang vernachlässigt habe: Die Sonne schien.

+ Habe Standesamt gefunden (1. Stock des Rathausgebäudes).

– Standesamt mittwochs nur bis 12 geöffnet. Ich war um halb eins da.

+ Habe Apotheke direkt neben dem Marktplatz gefunden und festgestellt, dass das zeitlich genau hinkommen könnte, um den nächsten Bus nach Hause zu erwischen.

– Meine Medis gab es dort allerdings nicht vorrätig. Den Bus konnte ich somit knicken und brauchte immer noch meine Medis. Also lief ich die Fußgängerzone entlang (Gegenrichtung meines Busses), um eine andere Apotheke zu finden.

– Mir war heiß von dem ganzen Laufen, zumindest an den Stellen, die von meiner Winterjacke bedeckt waren.

+ Natürlich hatte ich die Jacke offen und in die Lücken wehte frischer Wind.

– Ich hatte Durst.

+ Es gab auf halber Strecke noch eine Apotheke.

– Auch diese hatte meine Medis nicht da.

– Meine Stiefel sind mir etwas zu groß und daher zu langem Laufen nicht ganz so gut geeignet, sodass meine Füße anfingen zu schmerzen.

+ Die dritte Apotheke kam in Sicht und ich bekam dort, man glaubt es kaum, endlich mein Escitalopram.

+ Bus nach Hause knapp erwischt.

– Er war gerammelt voll.

– Größtenteils mit Schulkindern.

– Beim Aussteigen nach Ölsardinenfahrt durfte ich feststellen, dass hinter uns ein weiterer Bus hielt. Niemand außer einem Fahrer war darin zu sehen.

+ Beim Reinkommen Briefkasten gecheckt und TADA, Brief vom Finanzamt erhalten. Wenn sich je ein Mensch über Post vom Finanzamt gefreut hat, war ich das in diesem Moment.

– Es war natürlich keine Steuernummer, die mir wundersamerweise ins Haus geflattert kam.

+ Aber immerhin ein Schreiben, welches sich auf die Mail bezog, die ich vor fünf Tagen geschrieben hatte, wenn auch nicht so freundlich, wie es hätte sein können.

+ Somit weiß ich nun wenigstens, was zu tun ist, habe mich bei dem Portal registriert und warte nun auf den Aktivierungscode.

Okay, lass mich mal zählen. 14 Pros gegen 11 Cons, das bestätigt mich in meinem Eindruck, dass es doch alles in allem nicht schlecht gelaufen ist. Und immerhin kann ich heute von mir behaupten, ein paar Herausforderungen zumindest mal ins Gesicht geschaut zu haben.

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