Berri bikainak – Pt. 2

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Vor etwas mehr als zwanzig Jahren ist es zuletzt passiert, heute erneut: Ich habe ein Klavier bekommen. R’s Eltern haben ihr Versprechen wahrgemacht und nun steht es hier, das gute Stück, auf dem R seinerzeit schon gespielt hat, als er noch grün hinter den Ohren war. Grüner. Man lernt ja nie aus.

Ich habe geduldig bis Ende der Mittagszeit gewartet und dann eine Stunde lang die Nachbarn terrorisiert. Es ist wahrlich keine Freude, sich an diesen Anschlag zu gewöhnen. Außerdem stehen die Tasten schräg. Warum auch immer. Aber es ist ein Klavier, und in nicht allzu ferner Zukunft werde ich zum einen die neuen Anschlaggegebenheiten verinnerlicht und mich zum anderen (hoffentlich) damit abgefunden haben, dass das ganze Haus an meinen diversen Fehlversuchen und Eskapaden unmittelbar teilhat.

Die zweite hervorragende Nachricht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack, ist bereits sechs Tage alt und lautet wie folgt (wer hätte es erwartet bei der Überschrift – vermutlich niemand, denn das setzt voraus, dass jemand sich an das Äquivalent von Oktober 2013 erinnert und die passende Verbindung herstellt): Berri-Txarrak-Konzert. Mit Becci. In Karlsruhe. Letzten Mittwoch.

Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie sehe, denn es ist ihre letzte Tour. Aber es war grandios, in einer winzigen Location, wo ich praktisch ohne eigenes Zutun in die zweite Reihe gespült wurde und dort inmitten von Exil-Basken meinen adrenalininduzierten Abrast-Tätigkeiten nachgehen konnte. Entsprechend eingeschränkt war noch drei Tage darauf meine Bewegungsfähigkeit. Es muss das Alter sein oder (Wolfgangs Kommentar) die mangelnde Übung. Auch meine Ohren waren noch Tage später nur eingeschränkt funktionsfähig, sodass ich schon davon ausging, einen bleibenden Schaden davongetragen zu haben – es war unmenschlich laut. Aber gut. Und mittlerweile geht es auch meinem Gehör wieder wunderbar – Glück gehabt.

Sogar die Vorband war großartig. Es war eine lokale Band namens Quota. Sie waren so gut, dass ich, nachdem ich im Anschluss ans Konzert mit der förmlich leergesaugten Wasserflasche in Richtung Waschbecken gewankt war, um diese aufzufüllen, meiner immensen Schüchternheit zum Trotz bei ihnen stehenblieb (man musste sowieso an ihnen vorbei, um zu den Klos zu gelangen, und sie standen da ganz einsam herum) und ihnen verkündete, dass ihre Show mir gut gefallen hatte. Sie haben sich gefreut und mir einen Sticker geschenkt. An dem Merch-Stand von Berri musste ich mich ebenfalls vorbeiquetschen und fühlte mich da schon wieder unwahrscheinlich überfordert. Eigentlich hätte ich gern mit der ganzen dort herumlaufenden Szene geredet – ich fühlte mich so zugehörig, so viel Euskera und Spanisch hörte man überall – aber genau das war das Problem, ich wusste einfach nicht, welche Sprache ich verwenden sollte. Ich muss einfach immer alles zerdenken, und das verbaut mir alles. Komplett bedeppert.

Jedenfalls war ich mehr als froh, diese Gelegenheit noch gehabt zu haben – Berri Txarrak noch einmal zu sehen und dazu noch Becci mitzunehmen – und die Setlist war episch, episch. Deshalb war ich nachher auch so kaputt. Bueltatzen. Sie haben Bueltatzen gespielt. Becci und ich konnten zusammen Bueltatzen live hören. Naja, zusammen – ich war zu dem Zeitpunkt irgendwie mitten im Getümmel, ganz vorne, genau mittig. Zwischen mir und der nur geringfügig erhöhten Bühne kauerte sich die Fotografin am Boden zusammen, wohl wissend, dass dies nicht der Zeitpunkt war, um sich der Gruppe fanatisch pogender Basken – und mir – mit einer Kamera vor der Nase entgegenzustellen. Bueltatzen. Bueltatzen live hören und sterben.

Nun ist R schon zu Hause – ein Hoch auf seine vorverschobenen Arbeitszeiten – und hat seinerseits das Klavier am neuen Standort eingeweiht. Er ist zufrieden – ich bin es auch – ein guter Tag, auch wenn mein Auftrag heute unter der Ankunft des Klaviers gelitten hat und ich bis Donnerstag noch einiges an Arbeit vor mir habe. Aber das war es wert – absolut.

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