Wirklich… zu viel Zeit.

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Seit sehr Langem musste ich gerade erstmals wieder an den absurden Zufall denken, dass die Person, deren Internetpräsenz mich damals dazu bewogen hat, mir einen blog.de-Blog zuzulegen, sich Jahre später als jemand herausstellen sollte, mit dem der Ukumensch über dieselbe Plattform einen regen Kontakt pflegte.

Vielleicht komme ich darauf, weil ich soeben spontan (aber nicht wirklich; ich habe neulich im Bus hierher schon einen ganz winzigen Versuch unternommen) der nicht minder absurden Tätigkeit nachging, den Ukumenschen erfolglos in den Weiten des Internets zu stalken. Das passiert, wenn du zu gut verdrängst. Weder erinnere ich mich an den Namen seines damaligen Blogs (wohingegen mir das dazugehörige gewollt-möchtegern-Hipsterfoto mit der Mütze bei mehr oder minder angestrengtem Nachdenken tatsächlich wieder ins Gedächtnis kam) noch an den fancy englisch-französisch-verwirrten Alter-Ego-Fakenamen (Henry.. etwas), den er auf Onlineplattformen so anzunehmen pflegte. Was bitter ist, weil ich damals tatsächlich sein Facebookprofil mal gefunden hatte, ich weiß es genau.

Ich weiß aber auch, dass mir der Name auf der Zunge liegt, dass blog.de (sag bloß) seit Jahren nicht mehr besteht, dass ich so oder so keine Ahnung habe, ob der Blog (oder der Mensch) danach mal umgezogen ist, und dass – wenn alle Stricke reißen – durchaus auch die Möglichkeit bestünde, ihm einfach bei Skype zu schreiben, wäre denn die Absicht hinter den Ganzen überhaupt, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Aber das war es gar nicht, viel lieber umgeb ich mich mit undefinierten Schatten und dem typischen solche Momente begleitenden Chaos aus bodenloser Nostalgie, altem Selbstmitleid und neuem Selbstrespekt, Selbsterkenntnis und dem Mangel daran, Zweifeln und Gewissheit und einer Prise aus dem unerschöpflichen Vorrat des ebenso schwammigen wie intensiven Wunsches, irgendwie in der Vergangenheit Dinge anders gemacht zu haben. Das ist das, was mich umtreibt. Konkret kann ja jeder. Gegenwart, wie lahm.

Meine Gegenwart gestaltet sich aktuell so: Ich befinde mich in der Wohnung meiner Eltern, welche sich wiederum im Urlaub befinden. Ich bin demzufolge alleine und dafür zuständig, dass die Balkonbepflanzung überlebt. Zu diesem Zwecke bin ich vorgestern also hierher gereist und habe nun Sehr. Viel. Zeit. – und Sehr. Wenig. zu Tun. Bisher habe ich gearbeitet, Musik gemacht, gegessen und gegammelt. Was soll man in einer fremden Wohnung auch sonst machen.

R derweil hat sich eine potenzielle Ausbildungsstelle an Land gezogen, bei der er heute zum Vorstellungsgespräch geladen war. Sein derzeitiger Chef war von der Aussicht, ihn ein Jahr früher als geplant zu verlieren, so überaus entsetzt, dass er ihm den Himmel auf Erden im Betrieb versprochen hat, falls er es sich anders überlegt. Das sieht also in jedem Fall gut aus.

So. Nun bin ich einfach mal froh, dass ich den Fluch brechen konnte, der sich vor mein Schreiben geschoben hat, seitdem ich mit der Pflanzenbestimmung nicht mehr hinterherkam (du hast keine fünf Pflanzen fertig? Dann denk gar nicht erst dran.) – jetzt bin ich eindeutig nicht mehr in Reichweite meines Balkons und somit jeglicher selbstauferlegter Pflanzenbestimmungspflicht fürs Erste enthoben.

Und was alles Andere an selbstauferlegten Komplikationen meines Daseins angeht – um die kümmern wir uns irgendwann auch noch. Aber nicht mehr heute.

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