Still surviving.

Standard

Ich bin besser im Überleben, als ich gedacht hätte. Zumindest weiß ich Gelegenheiten zu ergreifen, wenn sie sich präsentieren.

Und das, nachdem mein Tag damit begann, dass ich nach dem tausendsten Wiedereinschlafen das Wachwerden nicht mehr ohne aktives Gegensteuern hinauszögern konnte und mich zu diesem Zwecke dem Googlen einer möglichen Trimipramin-Überdosis zuwandte (um tatsächlich festzustellen, dass trizyklische Antidepressiva, wie Trimipramin eines ist, bei Selbstmordversuchen mit am häufigsten Anwending finden). Durch das Lesen (und das beruhigende Wissen, dass genügend Trimipramin sich in meinem Besitz befindet, sollte ich der Perspektivlosigkeit einmal gar nichts anderes mehr entgegenzusetzen wissen) erneut eingeschläfert, gelang es mir, bis ungefähr halb zwölf im Dämmerland zu verweilen, bevor die Realität und mein gestörter Hormonspiegel mich einholten. Ja, er ist weg; nein, er kommt nicht zurück; ja, er hat gesagt, es hätte sich keinen Moment lang wie ein Fehler angefühlt, wegzuziehen; nein, er wird nie mehr hier oben mit mir im Bett liegen. (Ja, ich habe jetzt ein beinahe zimmergroßes Hochbett für mich alleine.)

Ich stand auf und machte mir ein Brötchen zum Frühstück, heute mit Raclettekäse, Mayo, Rucola und kleinen Tomätchen. (Nachdem mich Caro neulich – warte, gestern – darauf hinwies, wie dekadent mein Laugen-Avocado-Lachsfrühstück mit Smoothie-Grapefruitsaft-Mischung sich anhörte, stelle ich nun selbst wieder verstärkt fest, wie königlich ich eigentlich lebe, wenngleich ohne dafür die ansonsten immerwährende Begeisterung aufzubringen) Zwar wurde mir die Arbeit wie bereits am Tag zuvor durch creepiges Ganzkörperzittern und Konzentrationseinbrüche erschwert, aber am Ende hatte ich mein Frühstück beisammen – inklusive Smoothie-Grapefruitsaft-Combo – und konnte auf dem Sofa Platz nehmen, wo ich sodann mein Werk zu verzehren begann und dabei den Rest der gestern abgebrochenen Dope-Folge ansah.

Unverzüglich machte ich mich im Anschluss an die Bearbeitung meines Auftrags, und auch das gelang mir. Nicht meine gründlichste Arbeit, und die Statistik wird es mir auch versaut haben (Korrekturgeschwindigkeit = zwei Absätze Arbeit, zwanzig Minuten zocken), aber es hat für ein Dankeschön vom Kunden gereicht (eine Auszeichnung, die ich erst einmal zuvor erhalten hatte) und dafür gesorgt, dass ich mir ganz schön toll vorkomme, weil ich es immerhin geschafft habe.

Mein Meisterwerk des Am-Leben-bleibens aber vollbrachte ich, indem ich auf Wolfgangs Bescheid, er habe jetzt alles Mögliche an Essen abzugeben, nicht nur mit „nehm ich“ antwortete, sondern mich spontan dazu entschloss, ihn für den Abend zum Flammkuchenessen einzuladen. Das brachte mich in die überaus begrüßenswerte Situation, ohne Wenn und Aber duschen, die Küche aufräumen und Flammkuchen machen zu müssen, während ich allein vermutlich außer Sitzen, Heulen und Zocken einfach rein gar nichts gemacht hätte, und erst recht keins dieser produktiven Dinge.

Als Wolfgang kam, machte ich einen auf funktionsfähig und zog das knallhart den ganzen Abend lang durch. Und siehe da – fake it ‚til you make it – es hat geklappt. Ich habe zwei perfekte Flammkuchen produziert, mich über NoFX, Corona, Zufälle und die Welt unterhalten, als wären mein Leben und ich völlig intakt, und es hat sich gut angefühlt. Es hat mir wieder das Gefühl gegeben, dass ich keine Perspektive brauche, solange nur die richtigen Menschen da sind.

Mit diesem Gefühl würde ich gern morgen aufwachen. Aber wie wir alle wissen, ist das unmöglich. Ojalá no lo fuera.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s