Zukunft streichen, Gegenwart vertreiben.

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Gestern Abend erstmal meinen Kalender aktualisiert. In dem Sinne, dass alles R-Relatede unkenntlich gemacht wurde. Viel war es nicht, aber gleichzeitig praktisch alles, was ich bisher eingetragen hatte. Sein Geburtstag, meine Alpakawanderung, die Hochzeit seines Bruders, das Pet-Shop-Boys-Konzert, auf das ich zum Zeichen meiner Horizonterweiterungswilligkeit hatte mitgehen wollen. Von der Geburtstagsfeier seiner Großtante, die demnächst stattfindet, wusste ich zum Glück das genaue Datum noch nicht, sonst hätte ich noch einen Eintrag mehr durchkritzeln müssen.

Es war eklig.

Überhaupt überkommt mich, sobald ich mich einer Konfrontation mit diesem Aspekt meiner Wirklichkeit nicht erwehren kann, zuverlässig das Gefühl, vor Schmerz zu zerfallen. So wie jetzt. So wie beim Aufwachen. So wie gegen Nachmittag, wenn die Phase erzwungener Aktivität am Auslaufen ist und ich wieder auf dem Sofa lande, wo mich die Leere verschlingt.

Es ist einerseits weniger hartnäckig als damals, vermutlich weil mich die Medis auffangen und ich, davon ab, nicht davon überzeugt bin, einen Seelenverwandten verloren zu haben. Auf der anderen Seite ist es so viel mehr, das ich verliere. Am härtesten, das will ich offen zugeben, trifft mich neben der augenscheinlichen Tatsache, dass mein Leben auseinandergefallen ist, der schlagartige Verlust des Geliebtwerdens. Härter als das Nichtgenugsein, die verlorenen Jahre, die vollkommene Perspektivlosigkeit; mehr als die Person an sich, die fünf Jahre lang ein Teil von mir war und die an meiner Seite zu haben ich schätzen und offensichtlich, leider, auch brauchen gelernt habe.

Ich habe viel Arbeit vor mir, wenn ich das überstehen möchte.

Umso stolzer bin ich, berichte zu können, dass ich mich aufgerafft und mir ein (hoffentlich) köstliches Abendessen aus der letzten Semmelknödelwurst von Beccis und meiner Aktion letzte Woche, Spargel und Pilzsauce zubereitet habe. Verblüffend, wie ich in dieser Ausnahmesituation Energie für Dinge aufbringe, die ich über weite Strecken der letzten Jahre für undenkbar befunden hätte.

Also wird nun gegessen. Gegessen und dabei die nächste Netflix-Dokuserie angefangen, sodass Ablenkung einziehen und sich der Klammergriff um meinen Brustkorb wieder lockern kann.

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