Schlagwort-Archive: Übersetzung

Des Morgens Klausurenglück, des Nachmittags La-Va-Langeweile.

Standard

Soll ich das nun glauben? Die letzte Klausur meines Pre-BA-Lebens ist vorbei, und während mir das Szenario nur allzu bekannt vorkam, das sich da heute wieder einmal direkt vor meinen ungläubigen Augen abspielte, so fühlt es sich doch jedes Mal erneut verwirrend an: Die paar zusammengehefteten Blätter, von denen ich mir so sicher war, sie würden mir heute den absoluten Untergang auf den Hals hetzen, waren wie von Zauberhand nach einer Dreiviertelstunde beantwortet, vollständig ausgefüllt, und kaum eine Stiftbewegung mit Zweifel ausgeführt.

Den Rest der Zeit saß ich da und wartete. Unter Einfluss von zu viel Kaffee, gemischt mit ein bisschen Adrenalin (ja, ich habe ein paar Klausuren in meinem Leben schon hinter mir, aber diesen Umstand lasse ich mich nicht davon abhalten, immer wieder berauscht zu sein, wenn ich sie so unerwartet und unverdient gut bearbeiten konnte), ein schwieriges Unterfangen, aber ich konnte ja schlecht auf den Fake-Migräneanfall aus der Midtermklausur einen weiteren folgen lassen.

Irgendwann war es soweit, die untätige Dreiviertelstunde vorbei und ich wieder zu Hause – R war schon weg, sodass ich nur schnell (aus dem Eintopf, den er gestern Abend gekocht hat, während ich noch dabeiwar, mir auf den allerletzten Drücker den Rest Neurolinguistik auf Lernzettel zusammenzutragen) mein Mittagessen abfüllte, einen Blumenkohl für Sarah in eine Tüte packte und mich auf in die Arbeit machte. Ich kam pünktlich und habe in einer irre kurzen Zeit irre viele Touren übersetzt, sodass ich mir jetzt eine Auszeit von dieser unfassbar öden Tätigkeit nehme und diesen Eintrag verfasse. Zwei Stunden noch, dann geht es ab nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll – morgen komme ich wieder her, übermorgen und Freitag genauso. Nachdem ich letzte Woche zuerst wegen Krankheit, dann wegen der heutigen Klausur komplett ausgefallen bin, muss ich das ja aber irgendwie kompensieren. Um des Traumes willen. Und weil ich in zwei Wochen Susmita in Finnland besuchen werde.

Wie gut, dass ich wenigstens viermal bei Elli war letzte Woche. Ich bin zufrieden mit ihrer GFS; am liebsten würde ich sie am Donnerstag selbst halten.

Nun mache ich mich wohl oder übel aber wieder an die Arbeit. Ich betreibe heute fröhliches Island-Hopping zwischen Fuerteventura und Lanzarote und komme mir mittlerweile so vor, als würde ich jeden Stein der Kanaren in- und auswendig kennen. Es sind um die 100 Touren von diesem Anbieter insgesamt, Hälfte Balearen, Hälfte Kanaren. Ich sitze jetzt an den letzten sechs, und während ich sie bei Weitem nicht alle allein übersetzt habe, fühlt es sich trotzdem so an, als hätte ich seit Jahren nichts Anderes mehr gesehen.

Immerhin ist es bei diesen Touren ausnahmsweise meine bevorzugte Übersetzungsrichtung, in der ich arbeiten kann, von Deutsch nach Englisch. Natürlich wäre es mir auch lieber, in die andere Richtung zu arbeiten, wäre denn gewährleistet, dass die Originaltexte ein Minimum an stilistischer Schön- oder zumindest Korrektheit aufweisen; da aber bei den englischen Originaltexten mehr noch als in den deutschen keiner der beiden Faktoren gegeben ist, freue ich mich jedes Mal, wenn ich zumindest ausgehend von einem nur halbwegs grottigen deutschen Original eine englische Übersetzung verfassen kann, die die Bezeichnung „Text“ wenigstens in Ansätzen verdient.

So long; sieht so aus, als könne ich noch mehr Zeit beim besten Willen nicht mehr totschlagen. Dann gibt’s halt heute eine kaffeeinduzierte Überproduktion von meiner Seite; das wird außer mir selbst zwar niemand wertschätzen, aber im Grunde sollte mir meine eigene Wertschätzung ja auch genügen.

Werbeanzeigen

Things.

Standard

Ich liebe das Bürgerbüro. Soeben habe ich festgestellt, dass man sich auf der Website tatsächlich Termine machen kann. Statt stundenlang zu warten, gehe ich also morgen supergechillt um viertel nach zehn hier aus dem Haus, um meinen Reisepass zu beantragen. Verbrecherfotos sind bereits gemacht – ich habe mir vorhin einen harten Kampf mit dem Fotoautomaten geliefert, der offenbar fand, dass meine Haare nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Norm entsprachen, bis es beim allerletzten Versuch endlich geklappt hat. Wie mies – es druckt dir dann einfach deine Bilder, ob du willst oder nicht. Ein Glück, dass die wenigstens im legalen Rahmen sind, wenn ich schon aussehe wie die letzte Terroristin. Wieso man nur gerade auf Reisepässen immer aussieht wie ein Terrorist, es ist doch zu ironisch.

Ja, ich habe Einiges geschafft heute. Von elf bis sechs war ich arbeiten (und durfte heute zur Abwechslung zwischendurch auch mal vom Deutschen ins Englische übersetzen, wie herrlich!), habe in der Zeit zwei riesige Becher Kaffee getrunken und bin deshalb jetzt nicht im Geringsten müde, obwohl ich um neun schon im MT-Tutorium war, um die Hausaufgaben für Mittwoch zu erledigen. Mit nicht gerade hundertprozentigem Erfolg – ich bin ja LFG-technisch noch nicht so versiert, weil ich faul bin und nie etwas tue und so weiter, aber sogar Lisa hatte Schwierigkeiten mit dem Adverb. Er wollte es uns einfach nicht parsen. Ich musste dann los zur Arbeit und habe aufgegeben. Da ich nicht gemerkt hatte, dass die Tutoriumszeit schon vorbeiwar, saß ich erstmal noch eine Weile unbeabsichtigt in Lisas Phonetik II-Kurs, der im gleichen Raum stattfand, und habe mich dann irgendwann einfach clumsily aus dem Raum geschlichen.

Jedenfalls ging dieser Tag schnell rum. Ich sollte mir eigentlich mal was zu essen machen und dann weiter Morfología lernen. Bald bin ich damit schon fertig (oder habe zumindest alles an Folien oberflächlich durchgeschaut, aber zu mehr Lernen reicht es bei meiner alles übertreffenden Lethargie ja eh meistens nicht – wobei ich sagen muss, dass ich mir zumindest das Wortklassifizierungsmodell von Harris unheimlich gründlich und diszipliniert zu Gemüte geführt habe und den Großteil vom Rest zumindest ansatzweise zu beherrschen glaube, meine Schulter sei geklopft) und kann dann mit Machine Translation weitermachen.

Letzte Nacht hatte ich ja tatsächlich bis weit nach ein Uhr noch ein sehr profundes Gespräch mit meiner Mutter über meine Bachelorarbeitspanik und mangelnde linguistische Begabung. Sie war nicht davon begeistert, dass ich ihr vorwarf, unbedingt zu wollen, dass ich diesen Bachelor mache, und darüber zu vergessen, mich in der Annahme zu bekräftigen, dass es nicht das Ende der Welt wäre, wenn ich ihn nicht mache. Aber sie ist ja so fest davon überzeugt, dass ich das schon schaffe. Wenigstens eine von uns.

Zur Not wird’s halt doch Germersheim. Ich muss mal Saskia fragen, ob ich eine Chance habe, Teile meines bisher absolvierten Studiums im Studiengang Übersetzung dort angerechnet zu bekommen. Ja, ich glaube, das mache ich mal.

Hitzak lehertzen direnean.

Standard

Mein Glück kennt keine Grenzen – ich hab‘ gestern durch Zufall eine Website gefunden mit einen beträchtlichen Fundus an Übersetzungen diverser Alben euskadischer Interpreten, drei Stück von Ken Zazpi sind dabei – Argiak zum Beispiel, welches ich (schon ohne mir jeden Text vollkommen erschließen gekonnt zu haben) so unglaublich liebe – und oh, ich schwebe. Wie unglaublich viel Arbeit mir diese Entdeckung erleichtert. Ich komme gerade nur wieder darauf, weil mein Ohrwurm von Itxaropena, meinem gestrigen Opfer, gerade zurückgekommen ist – nachdem mir gestern mitten bei den fieberhaften Vorbereitungen für Mamas Party bewusst wurde, das dieses Lied mit das grandioseste ist, das diese Welt je gehört hat, musste ich mich kurz hinhauen und es in die Mangel nehmen. Und so kam ich über Umwege dann auf die Seite. Und das war auch schon alles, was ich jetzt mitteile, denn mal wieder bin ich kurz vor dem Kollabieren vor Müdigkeit. Aber oh ja, jetzt platzen die Wörter aus allen Nähten heraus und erfüllen mein Hirn mit dem Bewusstsein einer ganz neuen Dimension. Vor allem gehört Ken Zazpi zu den Bands, deren Texte immer besser werden, je mehr ich davon verstehe. Wie selten das einfach ist. Sie mutieren demnächst zu meiner Lieblingsband of all times, ich seh’s kommen.

Oh, ein Linguistiker.

Standard

Ich habe eben im Satzverarbeitungsseminar einen linguistisch begabten Menschen kennengelernt. Er stellt alles an geborenen Sprachwissenschaftlern in den Schatten, das ich je zu Gesicht bekommen habe. Er hat praktisch neunzig Prozent unserer Teamarbeit allein erledigt, und immer, wenn er Beiträge leistet, sind sie fundiert und wissenschaftlich wertvoll. Er redet mit einer ruhigen, nicht zu lauten Stimme und hört sich unfuckingfassbar seriös dabei an. Jetzt fühle ich mich entgültig in meinem eigenen Mangel an linguistischer Intuition bestätigt und darin, im falschen Studium zu setecken. Es ist einfach so; meine Stärken sind andere – oh würde ich nur Übersetzung studieren. Dann wäre ich der Hyper-Überflieger, vor dem Andere in Ehrfurcht erstarren (oder so). Möp.

Embracing solitude (but reading weird stuff about how some people need other people to be).

Standard

Nun bin ich allein. Such bliss. Sie kommen Silvester wieder, aber bis dahin werde ich mich erholen und dann einfach nur hoffen, dass die Kombination von meiner Mutter und Pfirsichbowle nicht im ultimativen Disaster endet. (Aber ich habe schon den Plan aufgestellt, mir einfach selbst so viel davon einzuverleiben, das mir ihr mit jedem Schluck mehr von ihrer rohen Verzweiflung zum Vorschein kommen lassender Zustand nicht mehr als unerträglich auffällt. Wobei das in die Hose gehen könnte, da ja bekanntlich meine eigene Reaktion auf Alkohol ähnlich aussieht. Ich wäre ja dafür, es einfach allgemein bei einer schönen Flasche Sekt zu belassen, dann käme man ganz ungeschoren davon, aber dazu müsste man ihr erstmal zu verstehen geben, dass alles Andere übel enden könnte, dazu wiederum müsste sie verstehen, dass sie keinen Alkohol mehr verträgt, dazu wiederum müsste sie sich ihrer mentalen Instabilität in ihrem vollen Ausmaße bewusst sein und dazu braucht es ein Weltwunder.)

Nun zu meinem Werk des Tages. Und zwar habe ich diesen wunderbaren Artikel über wünschenswerte Qualitäten eines Lebenspartners gefunden, den eine Freundin bei Facebook geteilt hat – zumindest dachte ich, er wäre wunderbar, bis ich mich daran gemacht habe, ihn zu übersetzen. (Ein Semester lang nichts mehr bewusst in meine Muttersprache übersetzt; es wurde Zeit.) Dann stellte sich heraus, der Inhalt ist nach wie vor gut, aber der Text ist eigentlich ziemlich entsetzlich geschrieben. Sogar so furchtbar, dass ich nach Punkt sieben schlicht und ergreifend keinen Nerv hatte, damit weiter zu arbeiten, und das freiwillige Übersetzeramt für heute niedergelegt habe. Was für eine sinnfreie Aktion.

Ein Verwendungszweck und eine halbe Nacht.

Standard

Ich weiß jetzt, was ich mit dem Zitronenzeug anstelle!
(Wie du siehst, scheint mich die Frage über einen beachtlichen Zeitraum wirklich beschäftigt zu haben. Panik, depressive Anfälle – das Lemon Curd ist selbst in unerfreulichen Ausnahmezuständen immer dabei.)

Endlich auch mit Daseinsberechtigung.

Endlich auch mit Daseinsberechtigung.

Diese Nacht ist meine Laune aber zur Abwechslung wieder hervorragend, und die Panik hat sich auch wieder gelegt. Ich habe ein paar wunderbare Unterhaltungen gehabt, manche mehr, manche weniger niveauvoll. Wahrscheinlich hätte ich das Durchschnittsniveau noch anheben können, hätte ich Pedro auf seine unsere Diskussion über das Wahrnehmen und Prozessieren von Musik fortführende Antwortnachricht geantwortet, was meinem lethargischen Hirn heute zu anstrengend geworden wäre, vor allem weil ich versucht gewesen wäre, sie in Euskera-Spanisch-Pidgin zu verfassen. Und das war sehr viel Konjunktiv für einen einzelnen Satz.

Stattdessen habe ich einen schönen Film angeschaut, Imagine You & Me, und zwischendurch noch erfahren, dass die Liste unserer Qualifikationen für den Traducción Inglés-Español-Kurs hochgeladen worden war. Wie man sich vorstellen kann, war ich erfreut zu erfahren, dass all wir vier Erasmus-Studenten bestanden haben, im Gegensatz zu einer beachtlichen Anzahl nativer Kommilitonen. Es wird tatsächlich um die Hälfte gewesen sein, die im Januar noch ein Examen schreiben muss. „No os voy a aprobar sólo porque sois Erasmus“ my ass, wie ich zu Charlie und Saskia vorhin schon sagte. Ha, wir sind einfach solche Cracks.
(..oder, realistischer gesehen, die anderen einfach ziemliche Versager. Unverschuldet noch dazu, zumindest zu dem Teil, den die gerade noch da unten irgendwo diskutierte Grottigkeit ihrer Lehrer zu verantworten hat. Sehr wohl selbstverschuldet natürlich zu dem Teil, den ihrer aller chronisches Desinteresse und ewige Motivationslosigkeit zu ihrem Versagen beiträgt, die zu durchdringen, wie mir aus eigener Erfahrung bekannt ist, eine kaum zu bewältigende Aufgabe darstellt.)

Dann, obwohl ich ja eigentlich Entvampirisierungsabsichten habe, konnte ich nicht anders, als diesen Artikel noch zu lesen. Aber selbst wenn ich um drei ins Bett gehe (es sind, da nach Mitternacht, wieder neue Vokabeln fällig, die ich noch machen könnte, und ich habe nichtmal alle von letzter Woche eingetragen – und nachher kommen schon wieder neue dazu. Aber wenn es nunmal weitaus interessanter ist, sich selbst aus Songs und dem restlichen eigenen Umfeld Wörter zu erarbeiten. Ist ja nicht so, als würde ich dem Unterrichtsmaterial mit Widerwillen begegnen, aber sich damit zu befassen kostet trotzdem viel mehr Überwindung. Beziehungsweise, es kostet einfach überhaupt Überwindung. Warum auch immer), wäre es schonmal eine kleine Besserung.

Dann wollen wir uns mal entvampirisieren.

Panikmanagement

Standard

Es ist diese merkwürdige Mischung aus absoluter Panik und Festhaltenwollen an einem etwas vernünftigeren Geisteszustand. Wann lerne ich endlich, nicht Energy und Instant-Cappuchino hintereinander zu trinken. Es hört sich harmlos an, aber es hat bei nicht gefestigter Grundstimmung unschöne Auswirkungen. Ich habe es auch nur gemacht, um Simone effizient bei ihrer Übersetzung helfen zu können (beziehungsweise, effizient Simones Übersetzung zu machen), was dazu geführt hat, dass zusammen mit dem Rausch, den Übersetzen mir eh zu bringen tendiert, ich effizient und euphorisch am Werk war und jetzt, wo sie weg ist, Panik habe wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Uiuiuiiuiui.

Da ist diese Stimme, da sind diese Wörter, dieses Lied, das mich dazu bringt, mit jedem Mal lauter zu machen und meine Kopfhörer so fest auf die Ohren zu drücken, als könnte ich es geradewegs in meine Ohren hineinpressen und durch sie geradewegs in den Kopf, und durch ihn geradewegs in das körperlose Organ, das Musik zum Leben braucht und sie mit allen möglichen Sachen verflicht, wo sie wenig zu suchen hat, und dabei bestehe ich doch laut verschiedensten Menschen, die mich eigentlich besser kennen sollten, nur aus Kopf. Aber das ist es nicht, was sie meinen, ich weiß es ja.

Und jetzt kommt zu der Panik noch das American Beauty-Plastiktütensyndrom und es ist nun wirklich kaum auszuhalten. Und ich werde meine tolle Coping strategy wieder anwenden, es mir einfach alles von außen angucken, „so, du bist mal wieder panisch und hältst mal wieder die Schönheit von irgendwas nicht aus, so ist das gerade. Du wirst noch ein bisschen länger so sein und dann geht es wieder. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass irgendwas in oder über deinem Kopf zusammenbricht. Und du hast dein Lemon Curd zu lange gerührt, das muss man auch erstmal schaffen, gibt es einen zwanghafteren Rührer als dich? Was macht man mit anderthalb Gläsern Zitronenbonbonfüllung?“, und das Lied so lange hören, bis es wieder geht – es nicht ausmachen, nicht weglaufen. Orain itsasoa gara. War ich nicht eh in irgendeiner meiner Parabeln das Meer?

(Stimmt, sehr seriös sieht das nicht gerade aus. Aber immerhin ist hier auch Nichtverstell-Ort, oder zumindest Verstellminimum-Ort; natürlich werde ich hier nicht versuchen, zu tun, als ob.)

Traducción des Todes

Standard

Es regnet.. in Strömen.

Manchmal könnte ich mich fast aufregen, wie sinnlos die Übersetzungskurse hier sind. Was sich so untersteht, sich Übersetzung zu nennen. (Haha, wie kreativ wir heute mal wieder mit den Wörtern umgehen, ich werd nicht mehr.)
Stell dir nur mal vor..

Du schleppst dich hin, neun Uhr morgens (denk dran, falls du ein normaler arbeitender Mensch bist, der 9am für Fast-schon-Mittagszeit hält – wir Studenten leben in einer eigenen Zeitzone).
Deine Gruppe von Kommilitonen ignoriert dich, weil es arrogante Muttersprachler sind, die vom Originaltext zwar nicht die Bohne verstehen, sich aber dennoch für befugt halten, deinen Teil der Übersetzung ohne viel Aufhebens völlig zu verunstalten und dabei noch eigene Fehler mit einzubauen, die du dann mühsam wieder herausklamüsern darfst, natürlich nicht ohne dich für jeden einzelnen hart erkämpften zurückgewonnenen Buchstaben dreitausendmal rechtfertigen zu müssen. Inkompetente Beutelratten, das Pack.

Deine Dozentin kann, dem irreführenden Titel der Veranstaltung, Traducción Inglés-Español, zum Trotz, kein Englisch. Sie sagt „Jeneral Motors“ und schreibt „post-edition“ statt „post-editing“. Wobei die Tatsache nicht zu unterschlagen sei, dass „post-editing“ so ziemlich das Schlüsselwort der gesamten Übersetzung ist (wie eventuell zu erwarten bei einem Artikel über Post-Editing).

Deine Kommilitoninnen, sofern nicht in der erfüllenden Aufgabe der Zerstümmelung deines Textes begriffen, sitzen vor ihrem Twitter- oder Tumblr-Account und kommentieren Bilder/GIFs/Zitate and the like von Justin Bieber, Vampirserien und unzähligen anderen (für dich) namenlosen Grauen.

Deine Dozentin ignoriert dich konsequent, weil du zusätzlich zum Schwerverbrechen, das es bedeutet, nicht spanischer Herkunft zu sein, leider auch noch (wollen wir es mal euphemisieren) ein bisschen introvertiert bist und es nicht wirklich über dich bringst, in größeren Gruppen von alleine was zu sagen. Würde sie natürlich irgendwann auf die Idee kommen, dich einmal im Leben anzusprechen, könnte sie feststellen, dass du durchaus reaktionsfähig bist und sich in deinem von innen unaufsperrbaren Kopf eventuell wertvolle Beiträge zum ewig stagnierenden Unterrichtsgespräch befinden.

Macht Spaß, oder?
Uiui, jetzt habe ich mich ja wirklich aufgeregt. Eben in der Uni war ich dafür noch zu müde und lethargisch und zu sehr damit beschäftigt, meine Haare zu häkeln. Diese Häkelnadel rettet Leben, ich sag’s dir. Bis zu dem Tag, an dem ich sie María oder einem der bösartigen übersetzungsunwürdigen Kommilitonen in den Hals ramme.

Pay Day

Standard

Wilkommen zurück, liebe Motivation, auf dass du mir jetzt erstmal wieder eine Weile erhalten bleibest.

Nein, wirklich, heute war gut. Ich mochte heute. Ich bin zwar mit (oder eher von) Panik aufgewacht, aber als die wegwar, lief alles nur noch glatt. Und dass ich so früh wachwar, hatte den großen Vorteil, dass ich die heute fällige Übersetzung für Alemán-Español mit allem, was dazugehört, in Ruhe beenden konnte. War das also schonmal geschafft, und im Gegensatz zu Saskia, die sich mal wieder nicht kurz fassen konnte, war ich sogar so pünktlich fertig, dass ich es noch geschafft habe, um ein Uhr zu Euskera zu gehen.

Dann war Traducción und ich habe gut gearbeitet. Ibon stand hinter uns und hat uns beobachtet und war zufrieden, und immerhin ist er einer der Dozenten dieser Uni, in denen ich richtiges Potenzial sehe. Ich sage es immer wieder. Könnte er bloß nun noch einen Tick besser Deutsch. Am liebsten würde ich mich ein paarmal die Woche mit ihm zusammensetzen und es ihm ordentlich beibringen. Es käme nur vermutlich pixka bat überheblich, wenn ich zu ihm hingehen und sagen würde, hey, du hast Potenzial, kann ich dir helfen? Schade aber eigentlich. Ich hätte Spanisch-Tandem mit ihm machen können. Oder noch besser, Euskera. Er hat mir heute auch ein euskarisches Wort erklärt, das ich in einer Unterhaltung aufgeschnappt hatte. Berezi. Ich merke sein Potenzial in seiner Art zu erklären.

Danach, Arbeit. Richtige Arbeit diesmal, bezahlte Arbeit. Oscar, der regelmäßig Privatstunden von mir bekommt, da seine Kollegin Amaia momentan Stress hat und ständig in Bilbao sein muss, macht solche wunderbaren Fortschritte, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr herauskomme, und als wäre das noch nicht genug, wurde ich heute auch noch finanziell für meine Mühen entlohnt. Mein erstes Gehalt in der neuen Arbeit. (Als wäre mein Arbeiten nicht in allererster Linie Selbstrettungsmaßnahme und in zweiter motiviert von dem Wunsch, Leuten Sachen beizubringen, die ihnen in diesem hoffnungslosen Land sonst keiner gescheit erklärt.) Wunderbares Gefühl. Ich kam nach Hause und war so sehr zufrieden und habe erstmal gefeiert, mit leckeren Keksen und einer heißen Schokolade.

Das war vorhin. Dann schrieb mir Saskia, dass niemand mit ihr weggehen will und ob ich Lust hätte. Ich habe wenig Lust und bin KO wie nur was, aber natürlich lasse ich sie trotzdem nicht hängen. Immerhin habe ich noch eine Stunde zur Erholung bis dahin. Ich schreibe mal Charlie, ob er auch kommt, dann kann sich meine Funktion mehr aufs Nebenhertingeln beschränken und ich kann unauffällig beim Pintxosessen bzw Potetrinken in Halbschlaf fallen.

Da morgen ja Feiertag ist und Montag in der Facultad de Letras auch der Unterricht ausfällt, haben wir hyperlanges Wochenende und überlegen, einen Ausflug zu machen. Hach, wie ich hoffe, dass es klappt. Zustand bei mir im Kopf ist zwar wie gesagt wieder halbwegs gut, aber vier Tage lang im Zimmer zu gammeln würde ihn vermutlich überfordern.

(Allge)meine Entstressung

Standard

So. Heute Abend kommt Sarah hoffentlich in den Besitz meines Wohnungsschlüssels, was mir erlauben würde, endlich meinen neuen Zwischenmieter einziehen zu lassen. Es ist fast schon unverschämt, zu was für Unternehmungen ich sie zwinge – man stelle sich vor, Atanaz hat sich gedacht, hm, solange keiner sich beschwert, bleib ich einfach mal wohnen und mach einen auf Occupy Wohnheimzimmer. Gewissen, gib Ruhe.

Dafür werde ich – sollte es jemals dazu überhaupt kommen – darauf verzichten, ihr meine Bachelorarbeit zum Nachher-Drüberlesen anzuvertrauen, wie ich es eigentlich vorhatte. Nachdem es mit meinen Lektorarbeiten an ihrer ja gut geklappt hat. Aber in diese ungewisse Situation für mich reinzustürzen ist wohl Hilfe genug. Jetzt wird das Bitten um Gefallen erstmal ein paar Jährchen lang unterlassen.

Es gibt außerdem gute Nachrichten aus der Uni. Wir haben einen neuen Dozenten in Traducción Alemán-Español und er macht den Kurs so viel besser als die lausige Vertretung vorher. Sein Deutsch ist zwar auch nicht das perfekteste, aber alles Andere stimmt. Aufmerksam, interessiert und involviert in unsere Arbeit ist er, diskutiert mit einem, geht rum, während wir arbeiten, macht Anmerkungen, hilft einem reformulieren, wenn man Fragen stellt.. Man kann Fragen stellen. Man sitzt nicht nur zwei Stunden lang da und schläft halb hinter dem Computer ein. Man lernt. Man macht Fortschritte. Mehr so wie in den Übersetzungskursen, die ich zu Hause immer hatte und bislang hier so kläglich vermisst habe.

Die weniger gute Nachricht ist, dass Inglés-Español immer noch so todesfrustrierend und langweilig ist wie bisher. Und dass, wie ich gestern Nachmittag erfahren habe, die Dozenten in den Computerräumen offenbar überwachen können, was die Studenten an ihren Computern so treiben.
Hoffentlich war mein Spider-Solitaire-Spiel gestern Früh für sie unterhaltsam. Wenn es schon sonst nichts an ihrem Kurs ist. (Ausgenommen die murmelnde Stimme von Charlie, meinem englischen Kumpel, der neben mir seine 64 juckenden roten Punkte zählt – seit Sonntag, meint er, sucht etwas sein Zimmer heim und saugt ihm die Arme aus. Ich habe ihm gesagt, er soll sein Zimmer genau unter die Lupe nehmen; nicht dass er sich am Ende Flöhe eingefangen hat. Aber von diesem Vergnügen in der letzten Reihe hat die arme Profe ja nichts.)