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Mauerfall

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Mein Duftlämpchen ist an. Wer sich an bisherige Erwähnungen des Duftlämpchens noch erinnert (anders gesagt, ich), kann daraus mit Leichtigkeit auf den Zustand meines Zimmers schließen – tadellos – und den meines Geistes – restlos zufrieden. Gelassen. Gut.

Ja, natürlich habe ich heute wieder nichts für die BA getan, aber das Gewissen nagt nicht genug an mir, um meine Stimmung wirklich zu trüben. Ich werde noch irgendetwas machen. Gleich.

Ich habe Şahins Geburtstag damit verbracht, mir in der Arbeit die Seele aus dem Leib zu copy-pasten, und es damit für meine Verhältnisse so ungesund übertrieben, dass der stumpfe Automatismus mir um fünf Uhr bereits den Kopf zerstört hatte, ich aus dem Büro geflüchtet bin und draußen an meinem Fahrrad erstmal eine ganze Weile ratlos vor meinem Zahlenschloss stand, weil ich mich nicht erinnern konnte, wie dieses Ding eigentlich funktioniert.

Abends waren Sarah und ich mit Chris verabredet – ehemals Cajonist, als es unsere Band noch gab – und in Anbetracht der Tatsache, dass ich Chris ungelogen seit unserem letzten Auftritt in Sebis Küche nicht mehr gesehen hatte, habe ich mich zu Hause ein bisschen aufs Bett gehauen, bis der Kopf zu brummen aufhörte, R mit dem Abendessenmachen alleingelassen und mich nach einer Stunde wieder aus dem Haus gequält, um zu unserem alten Stammpub zu fahren. Natürlich las ich erst im Bus die SMS von Sarah, die der Arbeitstag offenbar nicht weniger mitgenommen hatte als mich und welche dementsprechend ohne Motivation whatsoever zu Hause hing und uns abgesagt hatte. Ich habe mich dann mit Chris allein getroffen und schonmal ein bisschen grobes Catching-Up betrieben, bis er ins Bett wollte, und parallel Basti und R für später zu mir beordert.

Das war schön, es war so wunderschön; ich war so ewig nicht mehr im Irish Pub. Oder überhaupt irgendwie weg. Ich tue das einfach nicht mehr. Allerhöchstens lasse ich mich ein-zweimal im Monat dazu bewegen, mich ins Contrast zu hocken, und fühle mich dann fürchterlich, weil ich fünf Euro für meine zwei Hefeweizen ausgebe. Gestern war ich irgendwie so von der Arbeit geschädigt, dass ich darin gar kein Problem sah, bzw mich von meiner eigenen Ausnahmestimmung einfach habe mitreißen lassen, und mir mit dem allergrößten Vergnügen zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten ein paar Guinness genehmigt habe; dann kamen die anderen beiden und Basti hat mir noch eins ausgegeben, wider jeden Protest. Und es war so schön und wir sind den halben Weg nach Hause gelaufen und es hing einfach so eine gute Laune in der Luft, ein unausgesprochenes „Wir haben uns alle lieb“, wie ich es so liebe.

Und heute hatte ich frei und habe sehr spät erst angefangen, überhaupt irgendetwas zu machen, vorher aber schon mit R gefrühstückt und Essen zu Facebook / vor meine Haustür gestellt und mit Caro geredet, und dann war es eben vier Uhr und ich habe mich daran gemacht, meinen Garten ein Stück weiter auf den Winter vorzubereiten. R war am Flyerdesignen und somit nicht wirklich anwesend, aber immerhin habe ich ihm wertvolles Feedback gegeben. Und später da am Tisch gesessen und Brötchen zerhackt, um endlich die volle Ladung Semmelknödel einkochen zu können, und mich mit Schrecken und Verwunderung an die wirklich nicht weit zurückliegenden Zeiten erinnert, in denen ich mir während solcher Situationen hilflos vorkam und so, als hätte ich keinen Zugang zu ihm.

Ich bin halt auch irgendwie ziemlich bedeppert. Mir scheint es gerade so, als hätte sich im frühen September mit meinem ruckartigen Aufwachen aus der widerlichen Phase davor meine gesamte Wahrnehmung korrigiert, aber so krass korrigiert, wie ich es ansonsten nur erlebe, wenn ich jemand tendenziell Unfähigem den Entwurf eines Textes überarbeite. Zack, da dreht sie sich mit einem Mal um hundertundachtzig Grad, gibt eins dieser unglaublich wohltuenden einrastenden Klick-Geräusche von sich und fügt sich damit endlich, endlich in die Position hinein, die ihr von Rechts wegen zusteht.

Wie das sein kann, frag ich mich. Wie paranoid kann ein einzelner Mensch denn sein, was war denn da mit mir los, um alles in der Welt. Ich habe immer noch das Gefühl, als würde R es mir auch wirklich leichter machen. Es ist ein Traum, gar keine Frage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit einem Mal so schlagartig verändert haben soll, dass es mir auf einmal möglich ist, mal meine selbstzerstörerischen Selbstschutzmaßnahmen wegzustecken.
Oh, warte, vielleicht liegt es aber auch tatsächlich daran, dass ich mal etwas von mir preisgebe. Hey, ich hab’s geschafft, mal ein Stückchen aus meinem Panzer hervorzukommen. Irgendwas muss man doch beisteuern, damit etwas zurückkommen kann. Vermutlich ist es das, was ich lernen sollte.

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Schock, lass nach.

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…and then it hit her like a solid concrete brick.

Das hier, dieser unspektakuläre Vortrag über die Symptome von Aphasien vor einer Handvoll uninteressierter Studenten, die allesamt nur hier sind, weil sie ihre zwei Fehlzeiten unterm Semester bereits ausgeschöpft haben und ja schließlich nicht ahnen konnten, dass er tatsächlich so gnädig ist, heute in der Post-Klausur-Sitzung keine Anwesenheitsliste mehr herumgehenzulassen.. diese Veranstaltung, eine wie jede andere Ende-des-Semesters-Veranstaltung. In der ich mit Computer sitze, Morphologie-Seminararbeit und Blogeinträge schreibend und kaum ein Wort von dem aufnehmend, was er da vorne redet. Das hier. Das ist die letzte Vorlesung meines hiesigen Unilebens. Ich werde das nächste Semester BA-Thesis schreibend in meinem Zimmer verbringen. Ich habe weit mehr Credits angesammelt in meinen langen, zahlreichen Semestern, als ich brauche. Ich werde in diesem Leben hier keinen Kurs mehr besuchen.

Ich könnte sterben vor Entsetzen.

Mir wird schlecht.

Das kann nicht sein. Darauf war ich nicht vorbereitet. Das habe ich verdrängt, das war mir nicht bewusst, das will ich so nicht wissen, das darf einfach nicht sein. Es war immer so. Seitdem ich lebe, habe ich hier studiert. Oder andersherum, seitdem ich hier studiere, habe ich gelebt. Ich will hier nicht weg. Ich bin hier zu Hause. Ich bin in diesem verdammten Neurolinguistik-Kurs, in diesem verdammichten Hörsaal A704 zu Hause. Das kann nicht vorbei sein. Das hier ist meine ganze Welt. Nicht in die Uni wollen, mich vor Hausarbeiten drücken, prokrastinieren, mich zu Tode langweilen, mich zu Tode stressen, aus dem Fenster sehen und den See betrachten und das gegenüberliegende Ufer. Mich von dem potthässlichen meterhoch angebrachten Windspiel vor dem Fenster hypnotisieren lassen und danach den Abdruck vieler kleiner tanzender Kreise vor meinem inneren Auge auf die gelbe Wand des Hörsaals projizieren.

Hilfe, ich bin mit dem Studium fertig.

Signs and miracles still happen. [Oder so.]

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Morphologie fällt aus.

Ich komme mir geringfügig betrogen vor.

Statt also meine grandiose Präsentation zu halten und mich damit zu brüsten, was ich innerhalb eines halben Tages alles geschafft habe mir an Halbwissen über die morphologische Konversion einzuverleiben, sitze ich nun vor der Uni auf einer Bank im Halbschatten, habe meinen ersten Thermoskannendeckel Kaffee verdrückt und erfreue mich am Baustellenlärm aus Richtung der N-Bib. Die letzte Vorlesung meines Semesters ist in anderthalb Stunden; bis dahin wird sich vermutlich an meinem Zustand jetzt nicht viel ändern.

Ich kann es nicht glauben. Zeit. Vielleicht sollte ich schonmal anfangen, das Term Paper zur Präsentation zu schreiben, solange das Halbwissen noch frisch ist.

Gesagt, getan. Ich kann es nicht glauben. Ich habe angefangen. Ich sitze hier und schreibe eine Seminararbeit, die sich allein durch ihre Bezeichnung von einer stinknormalen Hausarbeit unterscheidet, und ich schreibe sie einfach. Plank, ich liebe Sie allein dafür, dass Sie heute Morphologie haben ausfallen lassen und mir damit die Möglichkeit gegeben haben, diese einzigartige Erfahrung zu machen. Ich habe mit etwas angefangen. Ohne Zeitdruck, ohne alles. Draußen, vor der Uni, unter einem Baum. Es fühlt sich so nach Leben an.

Mich hat ein winziges, kugeliges Insekt gestochen, und es tut weh.

Ich mache weiter.

Edit: Ich habe weitergemacht, und dann habe ich mit Kepa geschrieben, der sich erstmals aus dem Baskenland gemeldet hat. Meine Kaffeekanne ist fast leer und meine Laune ist im Hyperbereich. Kepa und Kaffee sind immer eine gute Mischung. Was freu‘ ich mich nen Keks, dass es diesen Mensch gibt. Er ist so gestört wie intelligent und vereint überhaupt zahllose Eigenschaften, die ich bei mir selbst wiederfinde und die an ihm zu beobachten mir hilft, sie an mir selbst zu lieben. Er kennt mich, er mag mich, er macht mir verlässlich gute Laune und ich habe meinen Crush auf ihn vollständig überwunden. Was gibt es Besseres.

Oh, was bin ich glücklich.

Ich mache weiter.

Wie eine Wand vor dem Abgrund.

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„Wenn ich eins gelernt habe“, sagte R vorhin, „dann, dass ich ohne mein Aspi nirgendwo hingehe.“

Und: „Weißt du, dass du eine unglaubliche Ausstrahlung hast?“

Und: „Ich kann nur aus meiner Sichtweise sprechen, aber die Typen, die dich sitzen lassen haben.. die haben zum Glück einen riesigen Fehler gemacht.“

Ich bin immer wieder am Verzweifeln, weil ich mich nicht fallen lassen kann. Unentwegt eigentlich. Bis auf so ein ganz paar traumhafte Momente, in denen ich das Gefühl habe, es doch zu können. Aber Scheiße, man, sie sind so spärlich.

Das vorhin war jedenfalls keiner von ihnen. Ich schaute ihn an, vermutlich mit dem für solche Situationen typischen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen totaler Rührung und schlichter Artikulationsunfähigkeit und dem Wunsch, mich selbst zu zerhackstückeln allein dafür, dass ich nicht umhinkonnte zu denken, „das denkst du jetzt“, wie immer.

Vorgestern Nacht hat sich eine Neuheit ereignet. Ich habe Şahin ignoriert, der die ganze Zeit mit mir reden wollte. Der Traum war irre lang und ich bin recht ungläubig aufgewacht: ich kenne das nur andersherum. Oder wir ignorieren uns gegenseitig. Aber so weit ich mich zurückerinnere, habe ich ihn nie ignoriert, wenn er reden wollte. Es waren auch Laura und JO dabei, mit denen wir in irgendeinem fremden Raum waren, wo wir alle übernachtet hatten. JO hat ihren halben Kram vergessen einzupacken, und ich war am Ende als Letzte noch beim Packen, weil ich mich um ihr ganzes Zeug auch noch gekümmert habe. Aber entscheidend ist immer noch, dass ich Şahin ignoriert habe. Natürlich wollte ich nicht, nicht in Ansätzen. Andererseits war ich fest entschlossen, ihn erst durchkommen zu lassen, wenn von seiner Seite eine Einstellung ersichtlich gewesen wäre, die dies für mich lohnend und sinnvoll hätte erscheinen lassen. Darauf konnte ich aber lange warten; er hatte sich kein Stück verändert. Was das Ignorieren einerseits erst so enorm schwierig machte, andererseits aber davon zeugte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Und ich habe es bis zum Ende durchgehalten. Einmal Schulterklopfen.

Drei Matratzen auf einem Stapel.

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Manchmal macht es mir Angst, wie schön die baskische Sprache ist. (Spätestens jetzt verdreht jeder, der mich kennt, nur noch genervt die Augen und macht sich vermutlich nicht mehr die Mühe, den Rest des Eintrags zu lesen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, auch wenn ich ja selbst noch nicht weiß, was noch alles in dem Eintrag stehen wird und wie interessant es nicht doch noch werden könnte.)

Es macht mir wirklich Angst, weil ich das Gefühl habe, über mich selbst die Kontrolle zu verlieren. Daniel hat heute ein paar Zeilen aus einem Gedicht rezitiert, von denen ich allerhöchstens ein paar Brocken verstanden habe, aber oh mein Gowai, wie schön es einfach nur war. So ging es mir ja auch damals mit Ilargia.

Es macht mir Angst, weil ich das Gefühl habe, man könnte mich hypnotisieren, einfach indem man mir ein paar Wörter singt.

Ich höre mal wieder Haizea, wen wundert’s. Das ist dann immer wieder der Moment, in dem ich auf die Schönheit und Tragik des Lebens nicht mehr klarkomme.

Heute war ich weiterhin vorbildlich und habe mein Zimmer so dermaßen gründlich aufgeräumt, dass es auf einmal doppelt so groß wirkt. Oh, ein bisschen umgestellt habe ich auch, sodass ich tatsächlich mehr Raum zur Verfügung habe. Mein Keyboard steht nicht mehr so platzeinnehmend in der Mitte des Raumes. Und Basti hat ja, als er hierwar (wann sonst.. manchmal denk‘ ich echt, mir haben sie irgendwann das Hirn amputiert), meine Gitarrenhalter in der Wand montiert; seitdem hängen meine Beiden einträchtig nebeneinander und ich habe noch mehr Platz hierdrin. Ist auch gar nicht so verkehrt, wenn ich ihn dann ja bald für eine Weile hier wohnen habe.

Wir haben gerade noch recht lange geskypet. Ich bin froh über seine Kommunikationsfähigkeiten, die machen einiges einfacher. Weißt du, am liebsten würde ich mit ihm eine Selbsthilfegruppe aufmachen, in der wir uns nach Herzenslust darüber auslassen können, wie furchtbar es doch ist, wenn die gegenseitige Zuneigung zwischen zwei Menschen ungerecht verteilt ist. Aber das wäre ja auch wieder mies ihm gegenüber. Auch wenn er vorhin meinte, ich solle bloß kein schlechtes Gewissen haben. Dann hat er sich Bier auf die Hose geschüttet und wir sagten synchron „das arme Bier!“ und ich verfluchte mich ein Mal mehr dafür, dass ich ihn nicht einfach gescheit zurückmögen kann. Er ist wirklich ein lieber Mensch. Ein guter Mensch, wenn auch vollkommen kaputt. Wahrscheinlich sogar für mein Beuteschema zu kaputt.

Eine kleine Ecke habe ich mir zum Staubsaugen noch für nachher verwahrt; dann habe ich immerhin direkt eine Motivation, aufzustehen, dachte ich mir so. Wann der Kepatto hier agertut (bzw. aufkreuzt, um niemandem hier zuzumuten, meinen Euskera-Deutsch-Pidgin analysieren zu müssen – der kommt irgendwie automatisch im Zusammenhang mit Kepa), ist ihm offenbar unmöglich vorauszusagen (er sagte tatsächlich „unmöglich“), also rechne ich nachmittags mit ihm. Dementsprechend habe ich vormittags viel Zeit, um 1) zu schlafen und 2) weiter vorbildlich zu sein. Vielleicht habe ich ja bald im Haushalt alles aufgeholt, was mir an Vorbildlichkeiten in letzter Zeit so zu erledigen entgangen war, und kann mich der Uni zuwenden. Es könnte in Anbetracht der baldigen Azterketak (aka Klausuren) nicht schaden.

Goizeko ilargia bezala.

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Wenn ich jetzt noch irgendeine Verbindung zu Lapatza hätte, würde wirklich jedes letzte Wort stimmen. Jedes aller-allerletzte. Und während mir aus den gewaltigen Wellen des besagten Ortes auch niemand entgegenkommt, so fühle ich mich mit dem Lied doch öfter mal, orain bezela – so wie jetzt – als hätten sie mich umgeworfen, die Wellen.

Ich bin mal wieder hilflos und überwältigt. Jetzt nicht mehr nur von der schieren Perfektion des Liedes, nicht mehr nur davon, wie ich in der Luft hänge und mit den Beinen strampele, nicht mehr nur von den Mengen an Wörtern, die sich bei mir im Kopf anstauen und einfach nicht rauskommen, nicht mehr nur von der ganzen Zuneigung, in die ich Leute gern einpacken würde, so warm, dass sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr frieren, nicht mehr nur von dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit und dem Luxus, ich selbst sein zu können. Nein, jetzt muss ich damit leben, wie sich das alles unverfälscht und blütenrein in Ken Zazpis Haizea widerspiegelt, tausendfach verstärkt von der schlichten Effizienz des Textes.

Und dazu die altbekannte Frage: Wie kann etwas so schön sein.

Edit: Ich hab‘ Rini geschrieben, ob sie Lust hat, am Montag auf ein Teechen mit Lisa und mir zusammenzukommen. Ich glaube, ich habe so etwas noch nie im Leben gemacht. Also, jemanden zum Tee eingeladen mit irgendeiner anderen Absicht dahinter als derjenigen, mit ihm Tee zu trinken und zu plaudern. Aber meine kepa-bedingte Verwirrung erfordert taktisches Vorgehen und drastische Maßnahmen. Oh je, ich fange an zu werden wie andere Menschen. Das ist ja fürchterlich.

Mirakuluak

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Also. Ich habe soeben versucht, einer leeren Sagarnoa-Flasche den Kopf abzubrennen, was irgendwie schwieriger war, als es in der Videoanleitung aussah (wie so oft…) und zu einer erstaunlichen Ansammlung bunter Stofffadenreste in meiner Küche, einer zerklüfteten Flaschen-Montserrat und einer neuen Blessur an meiner linken Hand geführt hat. Na, wieso auch nicht. Ich hatte immerhin noch genau eins von WG-Sarahs Kinderpflastern in meiner Küchenschublade, und der Brandfleck von meinem Küchenlampendebakel am Abend unserer Einweihungsparty ist schließlich auch schon fast weg. Es wurde höchste Zeit für eine frische Wunde.

Davon abgesehen habe ich unerwartet einen freien Samstag geschenkt bekommen. Stellt sich heraus, nicht nur hatte Becci keine Ahnung mehr, dass wir Samstag zu ihr wollten, sondern auch niemand der restlichen Verdächtigen. Entweder war das eine Wahnvorstellung von mir oder aber ich bin von Dementen umgeben. (Übrigens Beccis angedachtes Bachelorarbeitsthema, Demenz. Wie passend.)

Also habe ich eben mit entsetzlich schlechtem Gewissen meiner Mitfahrgelegenheit abgesagt und mir gleich für Sonntag eine neue gesucht. Bzw es versucht; meine einzige Hoffnung war jemand, der mir gerade eben mitteilte, dass sein Auto kaputtgegangen ist und er daher doch nicht fährt. Herrlich. Das heißt, mir stehen sechs Stunden Busfahrt bevor. Wie gut, dass ich zumindest noch Zeit habe, mir das letzte Rise Against-Album auf den iPod zu ziehen, dann kann ich die Fahrt sinnvoll zur Konzertvorbereitung nutzen.

Hach. Wäre Pedros Absturzparty nun morgen und nicht heute, hätte ich doch noch bei ihm vorbeischauen können. Wobei, das hatten wir doch schon alles, dann würd‘ ich mich bei RA am Ende noch vor Energielosigkeit kaputtmoshen lassen. Außerdem kommt er nächste Woche her und wir veranstalten unsere euskal afaria. Mit Rini. Einer der Beiden könnte Simón noch dazuzitieren. Und Lisa kommt auch. Marc muss ich auch fragen. Und ich hoffe, ich bekomme Elke und Gloria überzeugt. Daniel sollte ich eigentlich auch dazuholen. Falls es spät wird (was zu hoffen wäre), sitzen wir dann am nächsten Tag zumindest alle vier zermatscht im Euskera-Training.

Wieso auch immer, aber mir fällt auf einmal wieder ein, was Mama vor drei Jahren und ein paar Zerquetschten zu mir sagte. „Du hast in einer Scheinwelt gelebt.“
Natürlich fing ich damals an zu heulen.
Meine Güte, was ist das lang her.

Ich bin dafür, dass alles, was ich heute bin und habe, ein Wunder ist. Ich bin mal wieder für jeden letzten Fetzen meines Lebens dankbar.

Titel sind was für Leute ohne Panik.

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Höre dir einfach nur diese Perfektion an.

Ich zumindest tue seit geraumer Zeit nichts Anderes und bin außerdem dabei, es selber spielen zu lernen, was momentan noch davon erschwert wird, dass ich zu faul bin, mir den Text auszudrucken, um die Akkorde rauszuschreiben. Das heißt, ich muss sie einfach direkt auswendig lernen. Was aber auch nichts macht, so schwierig ist es gar nicht. Dank Haizea habe ich mich ja sogar mit dem ekligen H- und B-Dur arrangiert und fürchte mich davor nicht mehr so sehr.

Jetzt hab‘ ich wieder Panik. Gowaiverdammich, ist das ätzend. Aber längst nicht so schlimm wie Donnerstag in der Arbeit, das war wirklich ein neuer Panikrekord. (Und keiner, den ich vorhabe je zu brechen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.)

Wie herrlich es gestern auf Maries WG-Party war. In erster Linie, weil Lena dawar und später noch Sarah und Pedro, über deren unerwartetes Doch-noch-auftauchen ich in meinem segensvoll betrunkenenen Zustand (Bo wird sich wieder freuen – aber hey, carpe noctem) so unermesslich glücklich war, dass ich sie die ganze Zeit nur angegrinst habe. Und wir haben uns diese widerlichen Käse-Cheetos in den Mund geworfen. (Oder eher nicht in den Mund, more often than not.)

Ich muss die Musik wieder anmachen, dann werde ich wieder wach und weniger panisch.

Edit: Hilft nicht. Eher habe ich jetzt mehr Panik, weil es so schön ist und mich überfordert. Ich bin am Verzweifeln, weil es so sehr an mir zerrt, dass ich bald auseinanderfalle.

Beti itxarongo zaitut azken geltokiko iluntasunean, amets ezkutuen isiltasunean.

Wie kann etwas so schön sein.

Realität kann warten

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Mir ist schlecht. Ich habe eben ein Video einer Narkoleptikerin gesehen und fühle mich unglaublich… ich weiß nichtmal wie. Narkoleptisch vielleicht. Ich habe letztens erst mit meiner Mutter über Mitgefühl und Mitleid geredet und dachte wirklich, nur weil ich im Vergleich zu ihr zu ihr relativ problemlos Nachrichten schauen kann und dabei abgestumpft bin, hätte ich mehr vom Einen, Guten, und weniger von dem Anderen, Sinnlosen. Mein betrunkenes und mein phantomnarkoleptisches Ich belehren mich eines Besseren.

Ansonsten bin ich… ich weiß nichtmal was. Müde. Nachdem Kepa-Pedro wegwar vorhin, war ich erstmal hysterisch. Weil manche Sachen (eigentlich sogar ziemlich viele, aber einige wenige besonders) meinen Verstand übersteigen. Ich hatte öfter mal das Bedürfnis gestern, ihn aus meiner Schockstarre heraus zu fragen, ob ich mir das grad einbilde oder was sonst mit meinem Kopf verkehrt sein könnte, dass die realitätsfremde Wahrnehmung dabei rauskam, die es doch eigentlich gewesen sein muss. Like.. wo bin ich. This is not reality as I know it.

Wie müde.
Mit Laura reden, das war auch mal wieder überfällig.

Gleich mit Sarah treffen. Irgendwie hab‘ ich Angst. Gewissen sind was Dummes. Und in diesem Fall unberechtigt.

Ich kann es. ICH KANN VERGESSEN!

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Niemals, nicht in dreitausend Jahren hätte ich das für möglich gehalten.
Es tut mir saumäßig leid, aber ich muss schon wieder spammen, mit einer noch umwerfenderen Festsstellung als der ganze Rest.

Dieses Jahr bin ich geheilt.

Es waren da Zahlen und Tage. Achter Oktober, Neunter Oktober. Alles, woran ich gedacht habe, waren – allerhöchstens – meine beiden ersten Green Day-Konzerte, damals vor fünf Jahren in einer anderen Welt.

Nur das. Kein Şahin, kein Drama, kein Garnichts.

Ich kann es nicht glauben.

Ich habe es vergessen.

Ich musste erst meinen eigenen Blog lesen, in meiner eigenen gestörten Vergangenheit wühlen, mich von meinem eigenen vergangenen gestörten Ich selbst dran erinnern lassen.

Ich habe es einfach vergessen.

Nichtmal heute, wo ich seit vor acht Uhr wirklich ununterbrochen Zeit hatte zu denken, habe ich dran gedacht.

Es geht mir gut. Meine Welt ist in Ordnung. Sie ist buchstäblich in Ordnung.