Schlagwort-Archive: Ablenkung

Preparations successfully delayed.

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So. Jetzt noch die Präsentation für morgen. Und Anna muss ich schreiben, um den Nachmittags-Foodsharing-Termin nach hinten zu verschieben. Ich kann ja schlecht meine Thesis verteidigen, während ich Tonnen an Essen auf dem Fahrrad durch die Gegend bewege.

R ist in der Küche am Zocken; nachdem er heute Früh einen Genossen interviewt hat und wir uns gerade den Film zu Ende angesehen haben, den wir vorgestern Abend angefangen hatten, ist es augenscheinlich mal wieder Zeit, die Seele auf gewaltverherrlichende Weise baumeln zu lassen. Ich habe mir den Energy einverleibt, den mir Basti neulich („für die Arbeit“) mitbrachte, und warte darauf, dass die Motivation mich packt. Sie ist kurz davor, ich spüre es genau.

Aber noch lässt sie sich Zeit. Irgendwie fühlt sich alles gerade sehr unwirklich an. Undefinierbar. Ich hatte merkwürdige Träume, in denen Plank noch verplanter war, als er es in der Realität schon ist. Und ich habe ihm im Traum noch versprochen, ihm die geänderte Raumnummer meines Vortrags spätestens morgen Früh mitzuteilen. Ich sollte es am besten heute erledigen, am Ende träume ich sonst nächste Nacht wieder davon.

Mein Zimmer ist ziemlich aufgeräumt. Ich bin begeistert; was ein paar von Tatkraft geprägte Tage alles so ausmachen können. Elli hat mir für heute Nachmittag abgesagt, was mich dazu befähigt, in diesem Moment im Bett zu sitzen und demnächst mit meiner Präsi anzufangen – ein Glück auch.

Ich habe ein bisschen Gitarre gespielt in letzter Zeit; das freut mich. Basti hat mich dazu motiviert, mir Bologna beizubringen (ich erwähnte flüchtig), sodass wir uns nun in regelmäßigen Abständen damit vergnügen, im grauenhaftesten Österreichisch „Ich kann ssicher nicht mit mähner Coußine danzen“ vor uns hinzuträllern.

Nun hat mich Mama aus Madeira angerufen; sie zeigt mir bei Skype ihre Umgebung und schwärmt mir vom Essen vor und verkündet, dass sie vom Hotel upgegradet wurde auf ein riesiges Apartment mit Meerblick, und ich komme gar nicht dazu, ihr zu sagen, dass ich eigentlich die Präsentation machen sollte. Sie ist so begeistert, dass ich ihr unmöglich ein kleines Gespräch abschlagen kann.

Oh well. Man hat es versucht.

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Surviving Simultánea – Pt.2

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Nicht ganz so erfolgreich diesmal, aber immerhin – überlebt ist es.
Ich saß durstig, benebelt und schlafmangelgeplagt in meiner Kabine, mein Wasser stand einsam und verlassen in meinem Zimmer, mein Energy Drink stand fertig aufgelöst zu Hause auf dem Küchentisch, wo ich ihn vergessen hatte zu trinken, und in der Kabine gegenüber hatte, direkt nachdem der Diskurs anfing, jemand Probleme mit ihrem Mikro, was sie dazu veranlasste, wild in Richtung Dozentin gestikulierend meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – die ganzen sechs Minuten lang kam ich nicht ordentlich in einen vernünftigen Redefluss, mir fielen auf einmal die einfachsten Wörter nicht mehr ein und ich sah mich permanent dem fast nicht zu bändigenden Bedürfnis meines Hirnes ausgesetzt, sich ohne Erlaubnis in den Ruhezustand zu begeben.
Ich habe ja immer schon gewusst, dass Dolmetschen nichts für Monotasker ist, und es dafür immer noch erstaunlich gut hinbekommen, bis sich heute in Form dieser Ablenkung das Volumen der zu bewältigenden Aufmerksamkeitsteilung über seine engen Grenzen hinaus ausgeweitet und mir endgültig den Rest gegeben hat. Sechzig Prozent meiner Simultánea-Note soll diese Tragödie jetzt ausmachen. Dafür habe ich mich das ganze Cuatrimestre lang durch unendliche Diskurse gedolmetscht?

Zu Hause angekommen habe ich ein paar Stunden in der Küche verbracht, meine Lebensgeister mit Danis ekliger, da wässriger und ungewürzter Suppe wiederzubeleben versucht und mich an die Produktion von Kichererbsenpüree gemacht, um heute Abend leckere frittierte Bällchen zum Essen zu haben, und Yuca vorbereitet, um auch sie heute Abend nur noch ein paar Minuten frittieren zu müssen. Gleich werde ich meine Präsentation für Euskera vorbereiten; morgen ist mein letzter regulärer Uni-Tag im Baskenland und ich würde ihn ungern als den Tag in Erinnerung behalten, an dem ich den (manche mehr, manche weniger) geschätzten Kommilitonen und Inés, der lieben Dozentin, nichts über meine wunderschöne Heimatstadt, in die ich bald das Privileg habe zurückzukehren, erzählt habe. Ich hatte vor Tagen schon versucht, damit anzufangen, aber wie das so ist, ohne Zeitdruck geht einfach nichts. Und es war einer der Tage, an dem sich diverse Programme auf diesem Computer einfach dazu entschlossen hatten, mich durch regelmäßiges Aufhängen völlig zu demotivieren.

Baina orain bahasiko naiz.

If anyone can hear me…

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Also, mir geht es gerade sehr gut. Ich bin vollgegessen mit Chips, Pistazien, überbackenen Nudeln und Spargel, Sonnenblumenkernen, Milch und Cuarenta y tres, Muffins und Honigwaffeln. Sollte man eigentlich nach einer normalen Bandprobe nicht unbedingt erwarten, aber 1) seit wann sind wir normal, und 2) haben Sarah und Chris und ich nach der Probe noch eine ganze Weile zusammengesessen und Sarahs fertige Bachelorarbeit gefeiert. Das alles – und ein ganzer, riesiger, langer Nachmittag voll Probe – hat dazu geführt, dass mein Kopf mit vielen Dingen angefüllt ist und nicht zu sehr von Sachen belastet wird.

Anders als noch heute Vormittag. Da hatte ich ein ganz krasses Erlebnis im Bus zur Uni. Und zwar war ich auf dem Weg zu Baskisch, war am Morgen schon im Syntax-Tutorium gewesen, dementsprechend früh aufgestanden, dementsprechend KO, hatte dementsprechend eine meiner noch von Silvester übriggebliebenen Energy-Brausetabletten konsumiert, welche gerade anfing zu wirken, war dementsprechend kribbelig und hyper und dementsprechend glücklich über All I Want, das gerade in meiner random Wiedergabe lief. Und dementsprechend kurz davor, ganz entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, immer alles anzuhören, egal was (außer dem Redundant Song natürlich, verständlicherweise), das extrem sanfte und langsame Lied aus Twin Peaks, das danach kam, einfach weiterzudrücken.

Zumal ich erst dachte, es wäre das Twin Peaks Theme, das instrumentale vom Anfang der CD.

Da hörte ich also:

Das hier.

Um dann einen kurzen inneren Disput mit mir auszuführen und mir an dessen Ende zu sagen, nein, du hörst das jetzt, es wird bestimmt auch interessant, mal zu sehen, wie du auf sowas reagierst, wenn du Energy getrunken hast.

Und dann auf einmal spricht diese Stimme zu mir.

Das hier.

Das hat mich so richtig unvorbereitet getroffen, wie ein Schlag, wie eine Warnung übernatürlichen Ursprungs. Als ob sie den Konflikt belauscht hätte, den ich unterschwellig dabeibin, mit mir auszutragen.

Und, um sicherzugehen, dass ich sie verstanden hatte, noch einmal.

Das hier.

Ich war so überwältigt, ich habe ihr nur entgegnet, ich versuche es ja, ich versuche es doch.

Das hier.

– sagte sie zu dieser unspezifizierten dritten Person, die jeder Mensch wohl bei sich im Kopf anders definiert und welche bei mir aus gegebenem Anlass eine recht starke Assoziation mit einem Ereignis von vor ein paar Nächten hervorrief.

Sie singt dann weiter: The sky is still blue, the clouds come and go, but something is different – zu der Zeit hatte der Bus die Uni schon erreicht und ich war ganz benommen am Aussteigen – are we falling in love?
Wenigstens das konnte ich ihr klar beantworten, nein, ziemlich eindeutig nicht. Ziemlich eindeutig nicht.

Ich war zu früh für Baskisch angekommen und hatte ein paar Minuten Zeit, mich auf der Bank vor dem Raum zu regenerieren. David, der auch zu früh war und mit dem ich mich über die Türkischkurse an der Uni unterhalten habe, war mir dabei unwissentlich behilflich. Er macht Türkisch I dieses Semester und ich habe ihn ausgefragt, ob unser Dozent mit ihnen genauso chaotisch umgeht wie mit all seinen anderen Kursen. Die Antwort kannte ich eh, aber es ist immer so amüsant, über dieses Unikat von einem Menschen mit Anderen zu reden.

Nachher habe ich mir aber doch noch weiter Gedanken gemacht, und tue es immer noch, natürlich. Und als ich gegen Ende der Basksichstunde kurz aufs Klo gegangen bin, hatte ich plötzlich wieder die Zeilen aus 80 im Kopf, If anyone can hear me slap some sense in me. Aber wer soll mich schon hören. Wer soll mir schon helfen. Das muss ich für mich selbst schaffen.

Das Chaos beseitigen.

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Okay. Ich habe bis jetzt noch nichts Gegenteiliges gehört, also nehme ich mal an, sie zieht es durch und kommt heute Abend. Das heißt, ich habe bis dahin verdammt viele Aufräum-, Putz-, und anderweitige Maßnahmen zur Akzeptabilisierung meines Wohnraumes zu tätigen. Zum Glück habe ich kaum Muskelkater – anders als befürchtet; ich habe mich ja mit Susmita zum Fechten an der Uni angemeldet und gestern war das erste Mal Training. Und da ich, seitdem ich damals mit dem Fechten aufgehört habe, keinen Sport irgendwelcher Art mehr betrieben hatte, ging das gestern doch ganz schön auf die Oberschenkel. Und die Hüfte. Und überhaupt. Aber schön war es. Ich konnte mich sogar ein bisschen noch an die Bewegungsabläufe erinnern.

Das Kochen vorher bei May war auch schön. Ich kam mir ein bisschen unnütz vor, weil ich gestern einen nicht sehr feinmotorischen Tag hatte – einen von der Sorte, wo alles, was du anfasst, in einer Katastrophe endet. In dem Wissen habe ich die meiste Zeit nur mit Joi und Lena auf dem Sofa gesessen; die beiden verstehen sich prächtig, es kann eigentlich gar nicht mehr lange dauern, bis sie zusammenkommen. Lustig, weil ich diejenige war, die dafür gesorgt hat, dass sie sich kennenlernen. Das wäre das erste Mal, dass ich irgendwie in größerem Ausmaße daran beteiligt wäre, dass Freunde von mir eine Beziehung anfangen. Ich bin dem gegenüber ja eigentlich skeptisch eingestellt, weil Joi einfach die Arroganz in Person sein kann und Lena ein sensibler Mensch ist, der eigentlich nicht schon wieder einen Freund verdient hat, der sie in Diskussionen am Ende zum Heulen bringt. Aber dafür haben sie ihre Begeisterung für Sport und eine überdurchschnittliche Intelligenz gemeinsam. Ich bin nur ein bisschen verwirrt, weil ich mich eigentlich noch gar nicht entschieden hatte, ob ich ihn nicht vielleicht selbst doch auch ganz gerne mag. Ich brauche ja bekanntlich immer ein bisschen länger für sowas. Aber umso besser, so wird die Entscheidung mir abgenommen und ich ende nicht wieder als nervliches Wrack irgendwo in der Ecke.

So, gerade hat mich mein Vater bei ooVoo angeschrieben – ich werde mir mal was zu essen machen und mir dann ein bisschen Zeit nehmen, mit ihm zu reden. So toll kann er sich ja auch nicht fühlen da ganz alleine im Haus. Mama ist in Kopenhagen mit ihrer besten Freundin; das ist ein ziemliches Glück für sie, so muss sie nicht in dem katerlosen Haus ohne viel Ablenkung vor sich hinvegetieren und hat gleich jemanden, der sie aufmuntert. Hoffentlich bringt ihr das ein bisschen Energie für die Zeit nach ihrer Rückkehr morgen.

Und dann mache ich mich an die Arbeit; ich habe ein recht verkommenes Bad und ein noch verkommeneres Zimmer in bewohnbares Gebiet zu verwandeln.

Annäherung

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Einfach mal lernen, nicht immer von der momentanen Situation auf die allgemeine zu schließen.
Es hat sich wieder beruhigt hier, sodass mal wieder eine Annäherung erfolgen konnte – ich verlasse, solange sich nichts sehr Kontraproduktives mehr ereignet, morgen mein altes Zuhause mit einem guten Gefühl.

Momentan bin ich alleine – meine Eltern gehen ihren diversen geschäftlichen und universitären Pflichten nach – und werde gleich mal in die Stadt wandern, um Frischkäse zu holen. Nachdem ich vorhin von meiner Mutter erfahren habe, dass meine Kochaktivitäten sie beunruhigen (in dem Sinne, dass sie meint, ich würde nichts anderes tun – absurder geht es fast schon nicht mehr), hätte ich mir vielleicht für die beiden ein anderes Ostergeschenk ausdenken sollen (statt einem Kuchen ihrer Wahl für jeden). Aber wenn ich sonst halt nichts wirklich in kurzer Zeit gut hinbekomme.. Ich hätte ihnen ja schlecht jedem eine eigene Übersetzung anfertigen können.

Bei der Gelegenheit kann ich jedenfalls gleich noch im Russenladen vorbeigehen und mir Sonnenblumenkerne kaufen. Serj hat mir ja prophezeit, dass ich davon süchtig werde, aber ich hätte nicht gedacht, dass es sich so sehr bewahrheiten würde.
Wo ich schon dabeibin, der Arme! Mit dem Stress, den er hat, unitechnisch, beziehungstechnisch und überhaupt – er hatte mich vorgestern Nachmittag angerufen, um mir bescheidzugeben, dass die meisten seiner Sachen jetzt aus meinem Zimmer raussind, ein paar aber noch drinstehen, und mir nebenbei die neuesten Entwicklungen seines Lebens mitgeteilt. Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich auf alle Fälle irgendwie dafür sorgen, dass er schön auch mal abgelenkt wird, statt sich in Unizeug zu vergraben. -Auch wenn das wohl auch nicht schaden könnte, nachdem sogar ich schon Albträume von seinem Mathedozenten, dem „Exmatrikulator“, hatte. Ohne ihn je live erlebt zu haben, wohlgemerkt.

Noch eine interessante Beobachtung habe ich vorhin angestellt, als ich an meinem kaputten Klavierchen gesessen und das Albumblatt mal wieder aufgewärmt habe: Meine Finger sind unglaublich beweglich und schnell. Ich hatte bis jetzt eigentlich immer am zweiten Teil des Stückes zu knacken (was auch daran liegen könnte, dass ich meistens das Tempo ohne Sinn und Verstand verdoppele dabei), aber jetzt, nachdem ich es bestimmt ein Dreivierteljahr nichtmal versucht hatte, ging es plötzlich ruckzuck. Vielleicht habe ich ja in letzter Zeit schlafgewandelt und doch wieder mehr Klavier geübt, als ich mitbekommen habe.

Alles schläft, eine wacht, samstagmorgens um zwei nach acht.

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Ich habe bis jetzt nicht geschlafen, eben gerade „wie wenn“ statt „als ob“ gedacht und irgendwann in der Nacht Şahin Gitarre spielen hören. Ganz wenig nur, ein paar Standardakkorde und dazwischen immer ein Septakkord, zu kurz, um herauszufinden, ob ich das Lied kenne. Wenn er spielt, brauche ich ja eh immer ewig lange, um überhaupt irgendetwas zu erkennen. Wahrscheinlich auch, wenn es irgendjemand anders spielt, aber die meisten Anderen spielen nicht unbedingt Sachen, die ich kenne, sodass ich das herausfinden könnte. Vermutlich war es eh nur irgendein Gedudel.

Ich hätte auch Lust zu spielen jetzt, aber dafür ist es wahrscheinlich noch ein bisschen früh. Serj wird sich jedenfalls wundern, wenn ich um acht Uhr aus meinem Zimmer komme und mir Frühstück mache. Die ganze letzte Woche lang war ich immer erst knapp nachdem er aus der Hochschule kam überhaupt wach. Sprich, gegen halb zwei. Gestern habe ich auch wieder zwölf Stunden geschlafen, unglaublich ist das.

Sag mir nochmal kurz jemand, warum das alles so abstrus ist.

Ich nehme mal schnell meine Tablette, bevor ich es am Ende noch vergesse.

Okay. Hm, da habe ich auch nur noch drei Stück von jetzt, demnächst muss ich mir neue holen. Und ich habe immer noch nicht die Untersuchungen machen lassen, die mir der Psychiater eigentlich empfohlen hatte, Blut und EKG und so, wegen eventueller äußerlich nicht feststellbarer Nebenwirkungen.

Wow, wie meine Energiesparlampe gerade immer heller wird, fast wie so ein zweiter Sonnenaufgang. Schön schön.

Ähm. Vielleicht hätte ich doch lieber schlafen sollen.

Oh ja – jetzt habe ich vergessen, den Eintrag zu ende zu schreiben, sondern bin erstmal schön zu Facebook gegangen und habe da weitergemacht – Berit habe ich geantwortet und meine Mom war auch da und hat aus Sri Lanka Bericht erstattet. Gleich gehe ich aber wirklich mal was essen.

Down and Down and Up

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Gleich wird schlafengegangen. Das muss ausgenutzt werden, dieses Nicht-Untergangsgefühl, was sich gerade wieder aufgebaut hat, nachdem der größte Teil des Tages so unendlich schrecklich war. So eine Leere, zu viel Zeit und zu wenig zu tun, und alles ganz schlimm wie in übelsten Zeiten.

Irgendwann ein ooVoo-Gespräch mit Mama, welche sich nicht von ihrer hilfreichsten Seite zeigte (zugegebenermaßen – langsam sollte ich begreifen, dass es nie hilft, sie mit Şahin-relateden Inhalten zuzujammern, egal wie fertig ich bin, egal, dass ich schon halb tot sein muss vor Fertigsein, um überhaupt damit anzufangen), was mich zu noch immenserer Verzweiflung und einigen unbedachten Äußerungen veranlasste, für die ich mich jetzt schon wieder schlagen könnte. Aber wie es anstrengt – und ich muss, glaube ich, in die Aufgabe auch immer noch weiter hineinwachsen – immer zum Helfen, Aufbauen, Kitten, Festhalten.. dazusein, egal was ist, und einzusehen, dass einen das nicht dazu berechtigt, das Gleiche im umgekehrten Fall zu erwarten. Ich habe offensichtlich das buddhistische Grundprinzip noch nicht ganz verinnerlicht.

Also Loch. Ich habe mir dann ein Lied auf der Gitarre beigebracht, das ich vor ein paar Monaten mal zufällig gefunden habe, Two Thousand Lights. Es hat funktioniert; als ich es konnte, war wieder ein bisschen Existenzwille da. Den habe ich gleich genutzt, um mir meinen Stundenplan fürs nächste Semester zu erstellen – immer schön beschäftigen, gerne auch damit, den gesamten Stundenplan neu zu machen, nachdem mir auffiel, dass ich meinen aus den Veranstaltungen fürs WiSe 2011/12 zusammengestellt hatte (was auch erklären würde, wieso die Bewerbungsfrist für Türkisch II schon abgelaufen war, und die panische Mail, die ich daraufhin dem Dozenten geschrieben habe, doch ein wenig ins Blamable rückt).

Dann waren Laura und Robert bei Facebook und meine Paranoia war auch erstmal wieder ruhig; nachher habe ich mir The Graduate von Lauras Filmliste angeschaut (nach 6 Degrees of Separation gestern fand ich diesen wieder ein wenig schwächer, aber dafür besteht der Soundtrack ja praktisch ausschließlich aus Simon&Garfunkel, was den Film doch irgendwie rettet), mir Gemüsestäbchen zu essen gemacht, den Nachmittag mit Ach und Krach überstanden und vorhin noch mit Robert und Janine geredet.
Und da wären wir. Ich bin nicht müde – Hilfe, es ist ja nichtmal zwölf -, aber bevor ich riskiere, dass der Zustand wieder einsinkt wie so ein Muffin aus zu flüssigem Teig – nee, da versuch ich doch lieber zu schlafen.

Tödliche Langeweile

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Sowas passiert mir ja höchst selten. Aber wenn, dann richtig. Und es ist gefährlich. Erst recht an so grenzwertigen Tagen wie heute. Oder vielmehr gestern; dankenswerterweise habe ich ihn ja jetzt doch irgendwie schon umgekriegt. Beim Folgenden handelt es sich um (im Falle der eigentlich knallgrünen Lora-Federn extrem farbunechte) Bilder meiner Retterchen, ohne die ich ganz zweifellos jetzt in um Längen bedenklicherer Verfassung hier sitzen würde und wahrscheinlich nichtmal mehr tippen könnte.

Ohrhänger - und hey, man sieht je ein Stück von Strawberry und Pearl im Hintergrund:)

Ohrhänger – und hey, man sieht je ein Stück von Strawberry und Pearl im Hintergrund:)

Ohrhänger II (gedankt sei den Loras aus dem CRLP)

Ohrhänger II (gedankt sei den Loras aus dem CRLP)

Das kann man eigentlich gar nicht Langeweile nennen, dieses Loch, das ist eher die Unfähigkeit, irgendwas zu tun, außer man bringt eine ganz enorme Willenskraft auf und holt sich rechtzeitig wieder raus. Ich habe zuerst versucht, das Zimmer schonmal ein bisschen in Ordnung zu bringen, dann aber doch, da das auch nicht ideal funktionierte, auf Ohrhängerproduktion zurückgegriffen. Und jetzt, ich kann’s kaum glauben, ist bald schon eine akzeptable Schlafengehzeit erreicht und ich bin müde. Ist das nicht wunderbar. Ich hoffe nur, mal wieder gut einschlafen zu können und keinen Scheiß zu träumen.

Zuck.

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Das wird schwierig heute. Ich versuche gerade, das Stressgefühl irgendwie im Zaum zu halten. Aufgewacht vor neun Uhr, nicht ideal nach sechs Stunden Schlaf, aber was nicht geht, geht halt nicht. (Wie wir alle wissen.)

Nachdem ich endlich mal die Erkenntnis erlangte, dass ich nicht mehr einschlafen konnte (halb zehn, als ich aufgab), habe ich erstmal versucht, Mama zu erreichen, aber weder sie noch mein Vater scheinen das Handy anzuhaben. Vielleicht schlafen die beiden ja heute länger als ich, die Glücklichen.

Nun also Anti-Panik-Maßnahmen. Bisher wenig erfolgreich. Heute bedauere ich, mir keine neuen Rescue-Tropfen geholt zu haben. Ich habe versucht, mir den ekligen Geschmack vorzustellen, und die Bewegung der Zunge, mit der die Essenz im Mund verteilt wird, aber gebracht hat das auch nichts. Ich arbeite in Anki an meinen Türkischvokabeln und höre nebenher abwechselnd Entre Dos Tierras und All the Small Things auf einer Lautstärke, die eigentlich jede Panik in die Flucht treiben sollte. Die Vokabeleingabearbeit habe ich unterbrochen, als mir klarwurde, dass ich eigentlich nur auf das Karteikartenfenster geglotzt habe mit dem alleinigen Bedürfnis, einen todtraurigen Song zu schreiben und mich damit in einer Ecke zu verkriechen, oder vielleicht mich und die Vergangenheit in ein Stundenglas einzuschließen, oder vielleicht mit jemandem zu reden. Gerade eben hat eine Haarsträhne bei mir den Schock meines Lebens ausgelöst, als sie mir ohne Vorwarnung von rechts hinten – genau aus der Richtung der Zimmertür – ins Gesicht schnellte. Die laute Musik macht mich noch schreckhafter. Aber natürlich hilft sie auch.

Scheint, als würde diese letzte Maßnahme nun endlich Wirkung zeigen. Schreiben ist das Allheilmittel. Was machen wohl die armen panikgeplagten Menschen, die nicht schreiben können.

Le Marrakech, ein bisschen Aspipedia und ein bisschen Schockzustand.

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Erledigen wir den Schockzustand am besten zuerst, und zwar ist ein Mensch, den ich theoretisch wohl spätestens am Samstag vor Ostern hätte löschen sollen, momentan mal wieder bei Skype; beschäftigt, natürlich, wundert mich, dass er überhaupt sichtbar on ist, was sind denn das für neue Angewohnheiten. Jetzt aber schon über bestimmt 20 Minuten.

Man gewöhnt sich aber dran. Man gewöhnt sich ja irgendwo an alles. Robert hat mir geholfen; er hat im Forum meinen leicht panischen Eintrag gesehen (ich hab mir aber Mühe gegeben, da schau, es sieht doch schon wesentlich zivilisierter aus als was ich letztes Mal bei dieser Gelegenheit so produziert habe: Hilfe. Sahin ist bei Skype on und geht nicht weg. Er soll mal weggehen. Ich bin vollkommen überfordert. Hilf mir mal einer. Wo seid ihr bloß alle, wenn man euch mal braucht. Meine Tropfen sind auch leer. Dumm gelaufen.) und ist extra noch kurz zu Skype gekommen, um mich zu beruhigen, obwohl er eigentlich ins Bett wollte. Hat mir zuerst gesagt, ich sollte ihn doch bannen, und mir dann auf seine einfühlsame Art (wie eine Autobahn, hat seine Exfreundin Miri dazu gesagt) zu Ablenkungszwecken von einem einschneidenden Erlebnis seines Tages erzählt:

[22:23:04] Robert: Ich hab heute den schönsten Motor gehört

[22:23:07] Robert: Also

[22:23:12] Robert: Das war der beste Sound

[22:23:15] Robert: War so n Amiding

[22:23:19] Robert: Von 1970

[22:23:26] Robert: Mit nem 7,5 Liter v8

[22:23:32] Robert: Der war soooooooooooooo laut

[22:23:35] Robert: Und böse

[22:24:50] Robert: http://www.youtube.com/watch?v=rOswWqyjZRI&feature=related

Aber im Endeffekt bin ich ihm dankbar wie nur was. Unglaublich, wie meine Freunde immer wieder helfen. Unglaublich. Und JO kam auch noch zu ooVoo, als sie mit H fertig telefoniert hatte.

Was ich aber auch überall für einen Alarm schon wieder schlage wegen so etwas. Ich komme mir dumm vor. Und er ist vor mir geflüchtet; ich habe mich eben kurz abwesend-sichtbar gemacht und zack, weg war’s. Der Weglaufinstinkt ist also noch einwandfrei funktionstüchtig, nothing new there. Na, mich wundert gar nichts mehr, seitdem er damals mitten im Gespräch abgehauen ist, als Caro uns auf die Fahrt nach Oberhausen -wegen des ADTR-Konzertes- ansprach, und es mir allein überlassen hat, in meinem halb (seien wir realistisch, drei Viertel mindestens) betrunkenen Zustand ihre Inquisition zu den Bahntickets abzuwehren, was mir nur dadurch gelang, dass ich einen Lachflash simulierte und irgendein vermeintlich von unzurechnungsfähigem Zustande zeugendes Gelaber über die kaputten Glühbirnen der Schlafzimmerlampe von Şahins Eltern zusammenbrabbelte. (Naja, ich lag auf dem Boden in deren Schlafzimmer und schaute geradewegs in die Lampe, es war so abwegig also doch nicht.)

Nun zu den angenehmen Dingen. Jetzt, da mir jemand den endgültigen Beweis geliefert hat, dass diese Seelenausschüttungsmaßnahme, die ich meinen Blog nenne, auch von Menschen wahrgenommen wird, die nicht sowieso das meiste darin Bekanntgemachte schon wissen, sollte ich mich eventuell um ein bisschen mehr Verständlichkeit bemühen. Ich glaube, die verwirrenden Vokabeln waren RNs und AG, aber ich fürchte fast, in meiner eigenen Alltagssprache stecken noch ein paar mehr dem überwiegenden Rest der Welt unverständliche Konstruktionen. Spontan fällt mir noch vor allem Gowai und Macrocarp ein. Fangen wir an.

AG – Aufnahmegerät (mein Zoom H2, die treue Seele, das ich für die Konservierung von Musik und anderen interessanten Geräuschen, als Audio-Tagebuch und zum Aufnehmen von so ziemlich meinem gesamten restlichen Leben verwende).

Gowai – ein Akronym als „Gott“-Ersatz, das ich vor Jahren erschaffen habe, weil ich mich als Atheistin in meinem Sprachgebrauch eingeschränkt sah: Gott oder was auch immer. Gibt’s auch auf Englisch (Gowe) und Spanisch (Doqs). Ich hab’s mir soweit geschafft anzugewöhnen, dass es mir inzwischen schwer fällt, „Gott“ überhaupt noch zu verwenden, ähnlich irgendwelchen Slang-Wörtern, die man eigentlich nicht in den Mund nimmt. Ich habe irgendwann überlegt, ein der sprachlichen Diskriminierung Nichtgläubiger entgegenwirkendes kleines Wörter- und Phrasenbuch für Atheisten und Agnostiker zu erstellen, in dem diese zahllosen christlich geprägten Wendungen durch die „-owai“- Endung für alle verwendungstauglich gemacht würden. Ich sag nur Gowai im Howai.

Macrocarp – kurz für macrocarpaea dies viridis. Ja, es gibt tatsächlich eine Pflanze, die nach Green Day benannt wurde. Es gibt auch eine Gruppe im SchuelerVZ, die nach dieser Pflanze benannt wurde. Macrocarp ist eine Art Kontakthaltezentrale, die ich 2007 mit zwei Freundinnen gegründet habe. Jeder von uns hat sein eigenes kleines Tagebuchthema, um die anderen auf dem Laufenden zu halten, was alles so passiert bei uns.

Und die RNs – Redundant Nimrods – na, wenn du das wissen willst, schau dir die Seite an. Hab damals ordentlich dran mitgewirkt. Ohne jegliche Html-Kenntnisse saß ich da in Costa Rica vorm Computer und habe in der Welt (naja, in Skype/ooVoo) –>herumdikatatiert, was das Zeug hielt. Wir haben das Projekt dann ja recht schnell wieder fallenlassen. Nichtmal annähernd zur Vollendung hat’s gereicht. Aber immerhin, ein paar Atemzüge der RNs-Geschichte sind dortdrin konserviert und.. ja.

Dikatatieren – ich war nämlich nicht nur Diktatorin der RNs, sondern sogar Dikatatorin. Einfacher Typo, aber ich mochte das so entstandene Wort und die entsprechenden sich daraus ergebenden Derivate.

Und der letzte Punkt ist das Le Marrakech in Hamburg. Ich habe mal ein Bild ausfindig gemacht (von dieser Website):

Le Marrakech

Und jetzt, so leid es mir für mich selber tut, muss ich ins Bett und die Tatsache verkraften, dass morgen schon wieder SGRom ist und ich schon wieder die Lektüre nicht gelesen habe. Wo soll das nur enden.