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Nahi izateko borondatea

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Zwei Dinge habe ich gerade zum (teils zermürbend häufig) wiederholten Male festgestellt:

  1. Oh ja, ich merke die (nur noch) zwei Tropfen. Und
  2. Es ist unfassbar anstrengend, kognitiv-rational weiter entwickelt zu sein als auf der emotionalen Ebene.

Und daran, wie ich (dankenswerterweise erst nachdem er aus dem Zimmer entschwunden war) vor Enttäuschung und grenzenlosem Ohnmachtsgefühl gerade bitterlich geheult habe, als mir R auf mein Nachfragen hin endgültig die Fruchtlosigkeit auch dieses Versuches offenbarte, das Rauchen aufzugeben, erkenne ich neben den beschriebenen Tatsachen  1 und 2 vor allem eins: Sollte ich mal Mutter sein, dann werde ich ein beispielhaftes Exemplar der Sorte, die dem Kind, wenn es fragt, ob man sauer ist, aus Bambi-Augen anstarrt und mit dramatisch tonloser Stimme antwortet: „Nein. Nur traurig.“

Dieses tiefsitzende Bedürfnis, mir Nahestehende zu ihrem (vermeintlich) Besten zu kontrollieren – 1:1 von meiner eigenen Mutter übernommen – wäre allerdings, zumindest sehe ich das so, gegenüber dem eigenen Nachwuchs noch weitaus unproblematischer als in einer Partnerschaft zweier (angeblich) Erwachsener. Ich schaue mich hier von außen an und denke mir, um Himmels Willen, woman, get a hold of yourself. Ach, wie es mich aufregt, dass ich mich so fühle.

Und wie es mich aufregt, dass er einfach nicht die Willenskraft aufbringt, noch nichtmal die, es wirklich zu wollen. Borondate, borondate. Azal zaitez.

Kausalitätsketten

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This is the story of how a person got from point A to point Z.
Some call it fate, others, chance. But whatever you call it,
it sure is an interesting thing to ponder, don't you think?
The twisted paths our lives follow. How did you get here?
The place where you are right now at this very moment.
What series of events brought you to this place?
At this specific point in time? Where are you in life?
Are things turning out the way you'd planned?
And by the way, when was the last time you spoke with your parents?
Don't you think you ought to give them a call?
To thank them for the set of circumstances that brought them together,
at a certain place, at a certain moment in time, when you were created.

In der Tat sind dies interessante Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, da hat Roscoe Lee Browne im Auftakt von Smiley Face schon Recht. Mein Point A des heutigen Tages war wohl die (somewhat verstörende) Whatsapp-Nachricht meiner Mutter, sie habe meinen Blog gelesen. (Nachdem ich ihr darauf ‚Oh‘ antwortete und sie daraufhin ‚Genau‘ erwiderte, fand keine weitere Kommunikation diesbezüglich oder anderweitig statt, sodass die Konsequenzen dieser Eröffnung mir aktuell noch nicht in ihrem vollen Ausmaße bekannt sind.)

Ich machte mich auf, zu tun, was ich immer tue, wenn diese Situation eintritt: Blog scannen, um zu ermitteln, welche Unsäglichkeiten ich im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Seelenausschüttungskarriere produziert habe, die der nunmehr darüber in Kenntnis befindlichen Person nicht gefallen könnten. Nach diesem ersten Schritt gehe ich üblicherweise dazu über, zugunsten der Authentizität und meines Seelenheils die Tatsache, dass ich gefunden wurde, schnellstmöglich wieder vollständig zu verdrängen.

Beim Scannen lief mir dann aber folgender Satz über den Weg: „Basti hat so Recht, wie er immer sagt, Kommunikation ist das Allerwichtigste.“ Das war Point B.

Ich nahm dies zum Anlass, mir zu denken, screw this, und Basti eine Nachricht zu schreiben, in der ich auf diese Aussage Bezug nahm. Auf diese Weise kam kurz danach tatsächlich ein Gespräch zustande, in dessen Verlauf mir zwar nicht unbedingt wie Schuppen von den Augen fiel, dass ich in der Unterhaltung mit Niklas absolutem Blödsinn auf den Leim gegangen war, aber zumindest bin ich nicht mehr überzeugt, ein absolutes Monstrum als besten Freund gehabt zu haben. Es wird nicht mehr so wie früher, aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr, ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Da wir nicht ganz so lange telefoniert haben, wie es eigentlich hätte dauern können, weil er zurück an die Arbeit musste, versuchen wir das Gespräch heute Abend fortzusetzen. Point Z ist also fürs Erste aufgeschoben. Dahin gelange ich wohl über einen weitaus weniger manischen Donnerstag, als geplant war – die manischen Donnerstage habe ich zusammen mit dem Anti-Versackungs-Plan vor ein paar Monaten eingeführt, bin aber zunehmend inkonsequent damit und nutze jede Kleinigkeit, um mich davor zu drücken. Aktuell ist es die jahreszeitbedingte Dunkelheit, die mir als Vorwand zum Nichtstun dient. Staubsaugen bei diesen Lichtverhältnissen wäre ineffizient. Beim Aufräumen möchte ich auch sehen, was ich tue. Den Tisch mag ich auch nicht im Dunkeln putzen. Die Küche kann man zwar hell erleuchten, aber die Spülmaschine läuft bereits. Den Flur blockieren Taschen mit Pfandflaschen. Für ein Semesterticket bin ich zu geizig, aber die Semesterticketlosigkeit hält mich davon ab, das Haus zu verlassen und die Flaschen wegzubringen. Ich habe zwar von Susmitas und Sarahs Besuch neulich noch ein paar Einzeltickets übrig, möchte diese aber nicht ohne Not verschwenden. Wäsche sollte ich waschen, aber im Keller ist es so kalt. Warm anziehen könnte ich mich, aber da es so dunkel ist, bin ich nicht motiviert dazu. Winter nervt.

Das Gute: In drei Wochen wird es bereits wieder heller. Und in drei Monaten kann ich schon fast wieder richtig normal leben. Und ich habe zwar vorhin mit Basti darüber gesprochen, dass wir in Konstanz wirklich ein schönes Leben hatten, aber vielleicht strenge ich mich einfach mal ein bisschen an und schaffe das Gleiche hier auch.

Catching Up

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The queerest thing happened to me today. That’s right, 10 am and already something has happened. To be specific, I woke up. Not just any time, oh no, I woke up when R’s alarm rang, at around 6.30, and I felt so extremely awake that going back to sleep for another two hours before my shrink appointment was just not an option. So when R (clumsy and noisy as usual) had gathered his wits and work-related belongings and left the house about 15 minutes later, I checked my cell phone, turned on the lights, gulped down my daily 5-milligram dose of sanity and got up. At seven.

I then proceeded to get the coffeemaker running and, while the appartment slowly filled with promising, delicious aroma, conduct my bathroom routine in the calmest fashion imaginable. Content, I re-entered the kitchen and set out some cat food to defrost, then poured myself a cup of coffee and, to my astonishment, realized I still had more than enough time to sit down and watch an entire episode of Gilmore Girls before I had to leave. Actually, when I was done with the episode, it was around 8.20 – which is exactly the time my own alarm was originally supposed to ring.

I now oficially envy every morning person on Earth. Oh, to be able to live like this each day! Instead, I have been known lately to applaud myself for getting out of bed before 11. Ever since our Konstanz visit around R’s birthday, my sleep cycle has been out of control. Those two nights seriously fucked up everything I had built.

But I’m not complaining; it was well worth it. Why? Let’s see.

  • I got to be in Konstanz.
  • I was able to grow as a person as I was being taken into, then abandoned in an environment far outside my comfort zone (seeing as R basically forgets I’m there as soon as we enter that goddamn place and my social skills are insufficient for me to feel at ease on my own), a challenge it took more time and effort to master than I would have liked, but which I eventually chose to accept and overcome nonetheless.
  • The latter point resulted in me hanging around a former friend of R’s while he was busy DJing, and getting up to speed on things happening in Konstanz. Specifically, seeing as this person used to be very close with my pal Basti as well, I came to know a couple of things about Basti that I probably wouldn’t have found out if I hadn’t been there. Like, ever.

So, yeah, even though what I learned bummed me out pretty hard and lead me to the uncomfortable decision to actively cut my best friend out of my life, which I’m still set on doing once the opportunity presents itself, I needed to be there and endure endless hours of absorbing cigarette smoke and fending for myself in a foreign territory and be prepared to meet this Emi person, who R has the hots for, only to find out she’s not exactly interested in meeting me at all – the whole purpose of me tagging along and the encounter barely lasted a second, only significant in that it prompted me to finally get over myself and go get a beer and talk to people because I felt just too stupid and out of place lingering aimlessly there near R’s DJing corner pitying myself for being such a fucking misfit at R’s favorite place in the world while he was having a blast and the Emi person was fitting right in.

See – I did manage to write about it eventually, even Basti being a lying coward son of a bitch and all. So I’m not as hopeless as I thought.

Stabilized (but stagnating)

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Schon besser. Ich kann nicht behaupten, dass es mir blendend geht, aber sofern hier nichts mehr eskaliert, dürfte das Gröbste überstanden sein.

Ich werde dennoch nicht an Beccis und Cornelias Holland-Trip dieses Wochenende teilnehmen, wie es eigentlich geplant war. Weder kreislauftechnisch noch mental würde ich eine Unternehmung von diesen Dimensionen verkraften. (Auch wenn es gepasst hätte, denn als ich Tim Vantol zum ersten Mal gesehen habe, war es um meinen Geisteszustand ähnlich bestellt. Das war auch der Grund, aus dem ich mir damals nach dem Konzert keine CD gekauft habe. Wozu, dachte ich mir, wenn ich’s eh nicht mehr lange mache.)

Becci, die gute Seele, sagte auf meine Frage hin, wie viel ich ihr für Ticket und Übernachtung schulde, es sei nicht der Rede wert und ich sollte nicht für meine gegenwärtige Situation auch noch bezahlen müssen.

Und meine Mutter, mit der ich gestern telefoniert habe, ist zwar aktuell noch auf Sri Lanka, sagte mir aber, ich hätte sie trotzdem wirklich mal anrufen können, als hier Land unter war, sie könne in 20 Stunden bei mir sein. Awww. (Wobei es bei ihr schon genügt hat, ihr zu erzählen, dass sich R während meines Entzugs nicht gerade um Unterstützung und Rücksicht bemüht hat, ohne auf Einzelheiten einzugehen.)

As for me… ich warte erstmal ab, bis sich mein Hormonhaushalt wieder einpendelt. Latente Panik ist nach wie vor da, aber nichts im Vergleich zum Wochenende. Derweil höre ich mir von der Therapeutin an, dass ich meine Prinzipien zum Fenster rausschmeiße, wenn ich nicht vehement ablehne, mich mit R’s Polyamorie auseinanderzusetzen, und beobachte dessen unbeholfene Versuche, meiner Kritik gemäß seine Egomanie zu drosseln.

Bislang scheint Letzteres allerdings aussichtslos. Siehe dazu gestern Abend: ich hatte Musik an, während ich in der Küche tätig war, und das Album lief noch, als er zum Essen kam. Er gab sich Mühe und fragte, welches Album wir hören würden. Es war What Seperates Me From You von A Day to Remember. Da er bemängelt, ich würde ja aber auch von mir aus nichts erzählen, fasste ich mir ein Herz und schilderte ihm, wie mich You Be Tails, I’ll Be Sonic damals mit seiner Genialität überwältigt hat, als ich die Band kennenlernte. Von zwei zehennägelkringelnd, nackenhaaresträubend konstruierten Rückfragen seinerseits fühlte ich mich nichtsdestotrotz ermutigt, man könnte fast sagen, verpflichtet, weitere Informationen preiszugeben. Also erzählte ich vom Konzert 2011, und dass dort auch mein T-Shirt mit einer besagtem Lied entstammenden Zeile herkommt, und schließlich sogar von der abstrusen Kombination, die mein Shirt („There’s a hole in my heart where you used to be“) und Şahins Wristband („Get the fuck over it“, 2nd Sucks) hermachten. Er reagierte daraufhin, and I shit you not, mit einer ausschweifenden Erörterung, welche zum Inhalt hatte, dass der Grund, aus dem er gleich zurück an den Rechner müsse, sei, dass auf der GUI, die er gerade programmiert, sich das Relief nicht mehr ausschalten lasse. Irgendwann unterbrach ich ihn, indem ich andeutete, zum Himmel zu beten, und flehte, „please be going somewhere with this“. Er war daraufhin beleidigt.

Sonntag Früh entdeckte ich einen drastisch reduzierten Udemy-Kurs zu kognitiver Verhaltenstherapie, dessen Beschreibung mich neugierig machte und mir den Eindruck verlieh, eine derartige Maßnahme könnte uns helfen, eine gewisse Basis an gegenseitigem Verständnis und gleichzeitig eine Erweiterung unser beider Horizonte zu erreichen, insbesondere in Hinblick darauf, dass ein konstruktives Auseinandersetzen mit der Thematik der Polyamorie mir in meinem aktuellen Mindset nicht oder kaum möglich ist. Ich sagte ihm dies und schlug vor, den Kurs herunterladen und gemeinsam anzusehen. Er stimmte dem zu. Als er dann feststellte, dass es sich um 53 Stunden Material handelt, war er schon weniger begeistert. Ich hatte gleichzeitig einen weiteren Kurs gefunden, der beim Umgang mit Konflikten helfen soll. Dieser dauert nur eine Dreiviertelstunde und wir haben uns die erste Session davon tatsächlich schon angeschaut. Leider ist der Dozent grottig, aber R war nicht der Meinung und ich nehme, was ich kriegen kann. Nach zehn Minuten war sein Kontingent an emotionaler Arbeitskraft jedoch erschöpft; seither macht er keine Anstalten, an einem der Kurse weiterarbeiten zu wollen, und ich darf weiter in Panik vor mich hinexistieren; diese wird bleiben, bis entweder Verdrängung oder Veränderung eintritt. Wenn er die Zeit oder den Aufwand nicht aufbringen möchte, für Letzteres zu arbeiten, kann ich nur zurück in Ersteres flüchten.

Wirklich… zu viel Zeit.

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Seit sehr Langem musste ich gerade erstmals wieder an den absurden Zufall denken, dass die Person, deren Internetpräsenz mich damals dazu bewogen hat, mir einen blog.de-Blog zuzulegen, sich Jahre später als jemand herausstellen sollte, mit dem der Ukumensch über dieselbe Plattform einen regen Kontakt pflegte.

Vielleicht komme ich darauf, weil ich soeben spontan (aber nicht wirklich; ich habe neulich im Bus hierher schon einen ganz winzigen Versuch unternommen) der nicht minder absurden Tätigkeit nachging, den Ukumenschen erfolglos in den Weiten des Internets zu stalken. Das passiert, wenn du zu gut verdrängst. Weder erinnere ich mich an den Namen seines damaligen Blogs (wohingegen mir das dazugehörige gewollt-möchtegern-Hipsterfoto mit der Mütze bei mehr oder minder angestrengtem Nachdenken tatsächlich wieder ins Gedächtnis kam) noch an den fancy englisch-französisch-verwirrten Alter-Ego-Fakenamen (Henry.. etwas), den er auf Onlineplattformen so anzunehmen pflegte. Was bitter ist, weil ich damals tatsächlich sein Facebookprofil mal gefunden hatte, ich weiß es genau.

Ich weiß aber auch, dass mir der Name auf der Zunge liegt, dass blog.de (sag bloß) seit Jahren nicht mehr besteht, dass ich so oder so keine Ahnung habe, ob der Blog (oder der Mensch) danach mal umgezogen ist, und dass – wenn alle Stricke reißen – durchaus auch die Möglichkeit bestünde, ihm einfach bei Skype zu schreiben, wäre denn die Absicht hinter den Ganzen überhaupt, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Aber das war es gar nicht, viel lieber umgeb ich mich mit undefinierten Schatten und dem typischen solche Momente begleitenden Chaos aus bodenloser Nostalgie, altem Selbstmitleid und neuem Selbstrespekt, Selbsterkenntnis und dem Mangel daran, Zweifeln und Gewissheit und einer Prise aus dem unerschöpflichen Vorrat des ebenso schwammigen wie intensiven Wunsches, irgendwie in der Vergangenheit Dinge anders gemacht zu haben. Das ist das, was mich umtreibt. Konkret kann ja jeder. Gegenwart, wie lahm.

Meine Gegenwart gestaltet sich aktuell so: Ich befinde mich in der Wohnung meiner Eltern, welche sich wiederum im Urlaub befinden. Ich bin demzufolge alleine und dafür zuständig, dass die Balkonbepflanzung überlebt. Zu diesem Zwecke bin ich vorgestern also hierher gereist und habe nun Sehr. Viel. Zeit. – und Sehr. Wenig. zu Tun. Bisher habe ich gearbeitet, Musik gemacht, gegessen und gegammelt. Was soll man in einer fremden Wohnung auch sonst machen.

R derweil hat sich eine potenzielle Ausbildungsstelle an Land gezogen, bei der er heute zum Vorstellungsgespräch geladen war. Sein derzeitiger Chef war von der Aussicht, ihn ein Jahr früher als geplant zu verlieren, so überaus entsetzt, dass er ihm den Himmel auf Erden im Betrieb versprochen hat, falls er es sich anders überlegt. Das sieht also in jedem Fall gut aus.

So. Nun bin ich einfach mal froh, dass ich den Fluch brechen konnte, der sich vor mein Schreiben geschoben hat, seitdem ich mit der Pflanzenbestimmung nicht mehr hinterherkam (du hast keine fünf Pflanzen fertig? Dann denk gar nicht erst dran.) – jetzt bin ich eindeutig nicht mehr in Reichweite meines Balkons und somit jeglicher selbstauferlegter Pflanzenbestimmungspflicht fürs Erste enthoben.

Und was alles Andere an selbstauferlegten Komplikationen meines Daseins angeht – um die kümmern wir uns irgendwann auch noch. Aber nicht mehr heute.

Superglue (I Did It.)

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Okay. For the record: es hat unter eine Minute gedauert, meine Flipflops zu reparieren. So kann’s gehen… muss aber nicht.

Spulen wir zurück an den einen Mittwochnachmittag in Cochabamba, an dem ich dieses Unterfangen zum ersten Mal gestartet habe. Es war Markt im Barrio, aber die Schuhe reparierende Frau war nicht da. Das erfuhr ich sogar ohne selbst suchen zu müssen, denn Tyler, ein anderer Quechua-Schüler, hatte ebenfalls kaputte Sandalen und kam von seinem Erkundungsgang mit ebendieser traurigen Nachricht zurück: Sie ist nicht da.

Ein paar Stunden später: während ich mit Kepa – bereits auf dem Nachhauseweg und mit Plastiktüten voll Obst von der Cancha behangen – durchs Zentrum tingelte, kamen wir an einem der allgegenwärtigen Straßenstände mit Krimskrams vorbei und mir leuchteten tatsächlich Tuben mit Superglue entgegen. Ich also hin, den Preis einer Tube erfragt. 5 Bolivianos, kann man mal machen. Kepa brauchte Taschentücher und kaufte sich welche. Ich zahlte und nahm mir eine Tube vom Hänger, zeigte sie nochmal der Verkäuferin und steckte sie ein. Wir machten uns wieder auf den Weg. Keine drei Schritte waren wir gekommen, da rief uns die Verkäuferin hinterher, sie hätte uns schon eine Tube Kleber gegeben. Wir verdutzt zurück; niemand von uns konnte sich entsinnen, Kleber entgegengenommen zu haben. Ich fing an, meinen Beutel Teil („mío…“) für Teil („…mío…“ für Teil („…mío…“) auszuleeren und Kepa das ganze Zeug in die Hand zu drücken. Der indes durchsuchte wiederum seine Taschen und fand, erstaunlicherweise, eine Tube Superglue. Ups.

Fast forward noch ein paar Stunden. Ich sitze im Zimmer, Flipflops auf den Beinen, Tube in der Hand. Öffne die Tube. Leider beschließt diese, dass es ihr wohl den Tag über auf der Straße zu warm war, und speit Superglue über alle möglichen Teile meines Körpers (Finger) und meiner Bekleidung (Hose), welche daraufhin – brav, genau so war das geplant – natürlich seemingly irremovabel an allem festklebten, mit dem sie in Berührung kamen. Im Falle meiner Hose war dies mein Oberschenkel, im Falle meiner Finger waren es… andere Finger. Da half nur Fluchen und Ziehen.

Ich hatte noch nie so einen glatten Fleck auf dem Oberschenkel. Dafür war der faustgroße Klebefleck in die Hose eingewachsen und hatte sich in Sekundenschnelle erhärtet. (Fun fact: nachdem am Tag danach ersichtlich war, dass das durch nichts in der Welt wieder rauszubekommen ist, und ich wirklich keine Lust auf diesen nach außen vermutlich ominös wirkenden weißen Fleck auf meiner Hose hatte, habe ich ihn kurzerhand rausgeschnitten. Zum Glück ist es eine Schlabberhose, genauer gesagt: meine geliebte türkische Schlabberhose, welche schon diverse Operationen hinter sich hat, unter Anderem eine Kürzung auf Drei Viertel, nachdem der Wohnheimstrockner ihr übel mitgespielt hatte und ein Bein bedeutend kürzer wieder herauskam als das andere. Sie wird also auch dies überleben… und die Narben machen ein Kleidungsstück doch erst interessant.)

Die Sohle des einen Flipflops, an dem ich hatte ansetzen wollen, war ebenfalls vollgeklebt. Ich drückte die letzten verbleibenden Tropfen aus der Tube an die eine Stelle, die von der Explosion verschont geblieben war und welche ich eigentlich hatte erreichen wollen, aber die Flüssigkeit ging darin unter, als hätte ich eine Handvoll Wasser in eine Sanddüne geschüttet. Fazit: Kleber überall, nur meine Flipflops waren nach wie vor unbrauchbar und blieben es auch während der restlichen Reise.

Dann lagen die (übrigens in einer haarsträubenden Last-Minute-Aktion extra für diese Reise bestellten) guten Stücke erstmal ein paar Wochen am gleichen Fleck hier in der Wohnung, weil ich – vielleicht trauma-, vielleicht lethargiebedingt – mich nicht überwinden konnte, diese Aufgabe erneut zu konfrontieren. (Ich glaube, ein großer Teil dieses Unwillens rührte daher, dass ich nicht genau wusste, wo der Sekundenkleber ist. Taurig, aber wahr – sowas kann durchaus mal dazu führen, dass ich Aufgaben ein paar Jahrhunderte lang unangetastet lasse.)

Bis jetzt. Todesmutig habe ich mich der Herausforderung gestellt und an ganzen zwei verschiedenen Orten in der Wohnung nach dem Superglue gesucht, ihn am zweiten der besagten Orte dann gefunden (es war, wie du siehst, nicht sehr schwierig), Flipflops aufgeklappt, Kleber rein, Flipflops zugeklappt, reingeschlüpft, draufgetreten, festgedrückt. Fertig.

It is finished.

Baina guztiok batean, saiatu hura botatzean.

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Langsam scheint es soweit zu sein: ich entwickle so etwas wie ein Selbstwertgefühl und noch dazu einen Sinn für meine eigene Lebensrealität ohne Nostalgiefilter.

Woran zeigt sich das? Ganz einfach, ich bin stinksauer. Zum Einen (eigentlich zum Zweiten, aber da es sich kürzer abhandeln lässt, kommt es zuerst dran) auf Becci, die meint, mit entscheidenden Ereignissen ihres Lebens nicht rausrücken zu müssen, weil sie keine „ruhige Minute“ dafür findet.

Zum Anderen auf Kepa, aus so vielfältigen wie zahlreichen Gründen, die vermutlich zum größten Teil darauf basieren, dass wir in Gemeinschaftsarbeit (auch wenn er davon nichts mitbekommt) während der vergangenen zehn Tage an seinem Sockel gezerrt und gerüttelt haben, sodass immense Teile davon sich selbst ohne mein Zutun in Nichts aufgelöst und somit ein abstrus anmutendes Doppelbild erschaffen haben und mein ganzes Innenleben empört schreit: Fehler in der Matrix, Fehler in der Matrix, does not compute. Auch nichts Neues bezüglich meiner Reaktionen auf unerwartetes Verhalten seinerseits, diesmal allerdings weitaus desillusionierter.

Aber das passiert, wenn man Menschen unverdient auf Sockel stellt. Ich hätte es vor fünf Jahren wissen können; ich hätte es vor fünf Jahren wissen sollen. Aber wie soll man wissen, bevor man gelernt hat.

Ikusiko dek, nola nola, laister eroriko dan.

Self-esteem, azal zaitez.

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Selbst wenn Becci und ich es nicht bis nach England geschafft haben – es war auch eine Art Urlaub, den ich von Dienstag letzter bis Mittwoch dieser Woche genossen habe.

Becci kam letzten Dienstag und hat sich erstmal zu Ende von ihrer zum Glück rechtzeitig durch Antibiotika eingedämmten beginnenden Lungenentzündung kuriert. Ich war derweil auf Containerzug unterwegs. An den darauf folgenden Tagen haben sich meine Terrasse und mein Kühlschrank durch Beccis grandiosen Einsatz ein enormes Stück in Richtung ihres gewünschten Zustandes entwickelt; der externe Kühlschrank ist aufgelöst und der interne neu sortiert und bestückt. Wenn wir nicht gerade dabei waren, meinem Haushalt nach dem langen Winter wieder Ordnung einzuhauchen, haben wir unsere Zeit mit Musikhören verbracht sowie damit, uns gegenseitig zu therapieren.

Samstag haben wir unseren Alternativurlaub begonnen und sind wie geplant zu Kepa gefahren, welcher uns nach unserer Ankunft natürlich postwendend nach München zum Baskenstammtisch im Biergarten verschleppte. Long story short, so ging es im Grunde auch weiter; wirklich nüchtern fühle ich mich eigentlich erst seit Mittwoch wieder, obschon wir Dienstag Nachmittag bereits wieder hier ankamen.

Naja. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie ich die Zeit ohne Alkohol hätte überleben können. Beccis Dasein hat natürlich enorm geholfen, aber trotzdem – ich sag‘ es einfach mal ganz plump – macht mich Kepa einfach unwahrscheinlich fertig. Selbstverständlich nicht aktiv, sondern indirekt, indem er – ich krieg’s nicht hin, ich finde die Wörter nicht – alles kann, was ich nicht kann – unberührbar, so weit weg, so überaus viel besser darin, zu leben, als ich es je war oder werde – mein Kopf platzt. Und ich bin absolut selbst dafür verantwortlich zu machen, er gibt mir keinen Anlass; niemand zwingt mich, ihn auf diesen absurd überdimensionierten Sockel zu stellen und mich dann so klein zu fühlen, so weit unten. Es ist völlig destruktiv, jemanden derart zu idealisieren, und das ist mir auch klar und ich würde gern damit aufhören. In diesem Zustand ist es einfach nur anstrengend, mit ihm in irgendeiner Weise zu interagieren. Man hat permanent das Gefühl, besser sein zu müssen, als man ist, und jemanden beeindrucken zu müssen, den man gerade dafür bewundert, dass es ihm egaler nicht sein könnte, was die Welt von ihm denkt.

Wenn es dann wenigstens klappen würde. Aber ich bin so absolut gar nicht mit mir zufrieden in dieser Situation. Nachdem ich so lange dafür gearbeitet habe, mit R ich selbst sein zu können, ist mir dieses Bedürfnis, mich irgendwie optimiert darzustellen, Erwartungen zu entsprechen oder sie zu übertreffen, umso mehr zuwider. Das muss noch der Zeit damals entstammen, in der es mir unmöglich schien, dass ‚ich selbst‘ tatsächlich ausreichen könnte. Was heißt ‚damals‘ – ich arbeite wöchentlich mit der Therapeutin daran, dass sich dieses Wissen bei mir manifestiert.

Vielleicht ist das der Kern des Problems. Damals, als ich mit Becci in Granada war, haben wir darüber gesprochen, dass ich Kepa für mein ‚erfolgreiches‘ Spiegelbild halte, die lebensversierte Ausprägung meiner selbst mit identischen Grundzügen. Nachdem nun die Therapeutin meint, dass das Wertesystem meiner Eltern, durch mich selbst verinnerlicht und in Konkurrenz zu meinem eigenen stehend, mir verwehrt, auf meine eigene Art und Weise zu leben und dabei mit mir selbst zufrieden zu sein, scheint mir dieser Gedanke umso nachvollziehbarer. Ich habe immer gesagt, dass sich Kepa in beiden Welten bewegt wie ein Fisch im Wasser, in der meiner Eltern und in der, die uns selbst vorbehalten ist, während ich mich mit Mühe am Rande der Gesellschaft über Wasser halte und ‚die Welt da draußen‘ mir ein ewiges Mysterium bleibt. Natürlich idealisiere ich ihn: meine inneren Eltern lieben seinen gesellschaftlichen Erfolg und seine sozialen Fähigkeiten, während sie mich für das Ausbleiben derselben zu tadeln nicht müde werden; ich selbst in mir bewusst oder meine, mir bewusst zu sein, dass dieses so überaus solide Mauerwerk nicht den echten Menschen darstellt, denn alle Einblicke, die er mir gewährt hat, sprechen dagegen; das ist der Teil, der mit meinem eigenen Empfinden resoniert und welchem allein ich auf Augenhöhe begegnen kann, mein Spiegel, in dem ich ohne jegliche Verzerrung mich wiedererkenne.

Jedenfalls sollte ich bis Mitte Mai daran arbeiten, mal darauf klarzukommen, dass es auch nur ein Mensch ist, oder aber ich kann mich auf drei anstrengende Wochen gefasst machen.

The Skyscraper Challenge

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Alles zieht irgendwie so vorüber. Ich mache keine Schritte, sondern gleite nur so vor mich hin in meinem Glastunnel und sehe durch die Wand die Welt. Mir ist klar, dass ich nicht richtig lebe. (Das tun Andere. Basti, der Vater wird, und Becci, die in ihrer Arbeit aufgeht.) Aber lieber lebe ich falsch als gar nicht, das schon; ich möchte unbedingt am Leben bleiben und zumindest die Chance weiter haben, es irgendwann herauszufinden. Wie es wirklich funktioniert, meine ich. Ab und an erscheinen random Schnipsel in meinem Kopf, die Teil des Lebens sind, „Auf der Mauer, auf der Lauer liegt ’ne kleine Wanze“, zum Beispiel, oder der Gedanke daran, wie Halcyone ihre Eier auf das Wasser gelegt hat. Wie könnte ich mir wünschen, nicht Teil einer Welt zu sein, in der dies der Fall ist.

Ich sitze noch immer auf Beccis Sofa. Ich bin wirklich krank geworden. Becci ist auf zwei Geburtstagen eingeladen und kommt irgendwann wieder; ich bin ganz zufrieden hier alleine und habe mich den Tag über kaum vom Fleck bewegt. Ich hege die Hoffnung, dass es mir morgen besser geht und wir mit dem Streichen fertig werden. Am Nachmittag möchte ich heimfahren und im Idealfall bin ich bis dahin so weit wiederhergestellt, dass ich R zu Hause nicht anstecke.

Kepa hat versucht, mich anzurufen. Ich konnte nicht ans Telefon gehen, weil meine Stimme mir erkältungsbedingt mal wieder abhandengekommen ist, und dachte sowieso, es wäre meine Mutter. Da ich mich mit dieser am Dienstag aufs Übelste zerstritten hatte und ich annahm, sie würde den Disput fortführen wollen, habe ich das Handy von vornherein nicht angerührt.

Ich hätte schon im gesunden Zustand und im Besitz eines funktionsfähigen Kehlkopfes Schwierigkeiten, mich damit auseinanderzusetzen. (Der aktuelle Stand: sie ist dem Konzept Zwangsarbeit nicht abgeneigt, findet „Arbeit macht frei“ eine legitime Aussage und teilt mir mit, dass ich krank im Kopf bin und sie nur deshalb von einer Anzeige wegen Beleidigung absieht, nachdem ich daraufhin die von ihr so bereitwillig provozierte Nazikeule heraushole. Ich sei blind und gehirngewaschen und sie sei schockiert über meinen Hass auf die Welt, seitdem ich politisch geworden sei.)

Ich weiß gar nicht, wie ich weiter vorgehen soll.

Egal, was ich sage, sie wird es wegwischen.

Wenigstens für mich selbst kann ich Dinge festlegen.

Mein Bild von der Welt ist ganz simpel. Alles, was aus freien Stücken unnötig Schaden anrichtet, im Fall eines fühlenden Wesens also in seiner persönlichen Freiheit und Unversehrtheit einschränkt, ist von Grund auf schlecht. Daher ist (meiner Ansicht nach) Zwang schlecht. Sofern es natürlich nicht darum geht, jemanden zu zwingen, damit aufzuhören, unnötig Schaden anzurichten. In dem Fall ist der Zwang nötig und die Schuld dafür liegt bei demjenigen, den man von der Verrichtung des Übels abhalten muss.

Mein „Politischsein“ beschränkt sich im Grunde auch bloß aufs Hinschauen. Das ist nicht mehr oder weniger politisch als das, was Andere machen, aka Wegschauen. Bloß nimmt es einem ein bisschen die Möglichkeit, Dingen gegenüber tolerant zu sein, die man halt auch nur hat, weil man nichts davon weiß. Das spiegelt sich dann in Verbindung mit der richtigen Grundethik (und ja, selbstverständlich empfinde ich meine Grundethik als richtig) in einer gewissen Denk- und Handlungsweise wider. Diese Chance zum Denken und Handeln hat man nicht, wenn man wegguckt. Aber meine Mutter findet mich jetzt politisch und gehirngewaschen. Ich finde mich gefestigt und bestärkt in einem Bewusstsein, das ich immer noch zu einem sehr kleinen Maße nur zulasse, weil mich die Ausmaße der Ohnmachtsgefühle und der Verantwortung gleichermaßen, die eine vollständige Immersion in den Zustand der Welt und bereits meiner unmittelbaren Umgebung mit sich bringen würde, einfach nur wieder lähmen und überwältigen würden. Und damit ist auch niemandem geholfen.

Meine Mutter meint es gut mit mir und hat das schon immer getan. Das ist der eine Fakt, der alles unermesslich viel schwerer macht. Nichts liegt ihr ferner, als mir absichtlich unnötig Schaden zuzufügen. Gleichzeitig ist sie die Versinnbildlichung des Zwangs, mich in die Maschinerie einzugliedern, die mich zerstören wird.

Ein Dokument solle ich vorlegen, das beweist, dass ich psychisch nicht in der Lage bin, einer normalen Arbeit nachzugehen.

Weil ich unabhängig sein soll. Daher muss ich das tun, was sie will, um unabhängig zu werden.

Weil es mich glücklich machen und erfüllen würde.

Als würde ich mir etwas sehnlicher wünschen als einen gut bezahlten Job, der mich erfüllt. Aber wo finde ich diesen. Ohne Energie, danach zu suchen, und ohne zu wissen, wo ich suchen sollte. Und ohne die Fähigkeit, mich noch einmal einem Studium zu stellen.

Ich sage dir mal, was mich erfüllt. Selbsthass, weil ich es nicht schaffe. Und dann nochmal Selbsthass, weil ich mich dafür hasse.

„Psychisch nicht in der Lage“. Ein Dokument lege mir bitte vor, Mama, ein psychologisches Gutachten, dass du nicht in der Lage bist, von einem Wolkenkratzer zu springen. Dann glaube ich dir das.

Talk to the hand

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Ohne mich noch großartig zu nötigen, wirklich etwas Inhaltsvolles von mir zu geben, möchte ich trotzdem schnell meine To-Dos für morgen manifestieren:

  • Nähzeug zurück in die Schränke befördern
  • Rausfinden, was mit meiner Nähmaschine los ist
  • Briefmarken runterladen und ausdrucken
  • Ebay-Sendung und Handytasche auf den Weg bringen (letztere gesetzt den Fall, dass der Mensch, der sie in Auftrag gegeben hat, bis dahin das Geld hat rüberwachsen lassen)
  • mindestens 50 Sachen aufräumen
  • Unbabel-Stunden ausrechnen und Camila schreiben
  • saubere Wäsche verstauen
  • staubsaugen
  • Bild vom Chrysler Building reparieren
  • Restliche Containerreste aus der Garage räumen (außer natürlich den Schrank)
  • Keyboard spielen
  • Keller für den Schrank präparieren
  • Chillen und Scrubs gucken

…und wenn ich das alles schaffe, kann ich stolz auf mich sein.

Und wenn ich nichts davon schaffe und nur gelähmt rumhänge, dann.. meine Güte, dann ist das halt so.

Ich wurde heute Früh von der Therapeutin dazu aufgefordert, die Lähmung zu konkretisieren. Beziehungsweise den Druck, den ich mir mache, der zu der Lähmung führt. Das Gewissen, das kaum einen Augenblick Ruhe gibt und gefühlt immer schlimmer wird, das mir nicht erlaubt, ein Leben in einem Zustand innerer Ruhe zu leben, bis ich es nicht „auf die Reihe bekomme“, bis ich keine „Arbeit“ habe und keinen „Beruf“.

Ich halte vom Konkretisieren wenig und vom Verbildlichen überhaupt nichts und habe dies auch die Therapeutin wissen lassen. Diese war heute allerdings sehr gefangen in ihrer Therapeutenwelt und wollte nicht davon ablassen, ich solle dem Ding einen Namen geben und mit ihm kommunizieren. Ich nannte es dann „die Hand“, einfach weil es sich wie ein Klammergriff um meinen Brustkorb schnürt oder mich von oben erdrückt oder wahlweise beides, you get the picture. Ich habe irgendwann stumpfsinnigerweise dazu noch einen Eiskaltes-Händchen-Witz gemacht, der daher stumpfsinnig war, weil die Therapeutin ganz offensichtlich in ihrem Leben keine Folge Addams Family gesehen hat.

Jedenfalls wollte sie dann, dass ich mit der Hand kommuniziere, und fragte mich, angetrieben von ihrem Symbolisierungs- und Konkretisierungsschub, ob ich eigentlich gerne male. Ich habe sie bei der Gelegenheit wissen lassen, dass ich seit sieben Jahren schon mal einen Quetzal malen wollte. Sie wusste nicht, was das ist. Ich bin dafür, dass jedem Menschen irgendwann beigebracht werden sollte, was ein Quetzal ist. Mission für die Therapeutin erfüllt.

Ich kann jedenfalls nicht mit der Hand reden. Ich wüsste nicht wie. Aber vielleicht erfahre ich es ja nächste Woche, wenn ich eine Hand und einen Vogel gemalt habe.