Schlagwort-Archive: Aggressionen

Levelling

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Sie sind noch keine zwei Stunden wieder da und schon hat es Hannes wieder geschafft, mich unbemerkt zur Weißglut zu treiben. Das kann doch nicht gesund sein.

Abgesehen davon: Ich habe meine GLS-Bankkarte bekommen und muss eigentlich nur noch mein Geld auf das neue Konto hinüberschieben, dann lebe ich wieder ein Stück gewissensfreier. Wie gut das einfach tut.

Außerdem hat R gestern plangemäß die Küche saubergemacht und gibt sich in letzter Zeit wirklich Mühe, zum Haushalt mehr beizutragen als sein altbekanntes Chaos. Ich bin zutiefst dankbar dafür und freue mich über alle Maßen. Ich fühle mich ein ganzes Stück mehr gewürdigt als zuvor und es macht einen enormen Unterschied für meinen Lebensstandard, das kannst du mir glauben.

Ich habe mich vorhin auch mit Mama wieder halbwegs auf ein vernünftiges Level zurückbewegt und habe jetzt wieder ein besseres Gefühl. Bis zum nächsten Konflikt ist also alles wieder eingerenkt. Mit großer Freude darf ich außerdem verkünden, dass sie nochmal um die zwanzig Kilo Kartoffeln auf dem Acker um die Ecke nachgelesen hat, nachdem ich letzte Woche schon mit ihr zusammen um die 15 aufgesammelt hatte. Für unsere winterliche Kartoffelversorgung scheint also gesorgt zu sein, selbst wenn ich es bis dahin nicht hinbekomme, Container unbemerkt auf- und wieder zuzuschließen. (Nachdem meine zuvor stets verlässliche Quelle für Kartoffeln, Zwiebeln und verschiedenes Gemüse vor ein paar Monaten beschloss, doch lieber Schlösser an ihren Tonnen anzubringen, sind drastischere Maßnahmen als nur das bloße Auftauchen und Reingreifen gefordert; fickt euch hart, ihr Drecksmenschen. Was gibt es Erbärmlicheres, als in voller Absicht seinen Müll wegzusperren, damit auch nur ja niemand auf die Idee kommt, aus der widerlichen Verschwendung noch einen Nutzen zu ziehen. Hättet ihr’s von vornherein so gehalten, okay, das tun die meisten Läden, aber einen erst wissen lassen, dass ihr genug Abfall produziert, um einen Studentenhaushalt problem- und lückenlos mit Nahrung zu versorgen, und besagte Nahrung irgendwann aus Profitgier und Angst vor einem schlechten Ruf für Menschen unzugänglich machen? Wirklich?!)

Ich könnte mich langsam schonmal ums Essen kümmern, sodass es nachher zumindest schonmal fertig geschnibbelt ist, wenn R von der Arbeit kommt. Andererseits kann es ja durchaus sein, dass er ein paar Stunden später kommt, als er Schluss hat; in dem Fall hätte ich noch Zeit und könnte eigentlich sogar nochmal zum Großhandel fahren – ich war heute Früh da (und habe Feigen erbeutet, richtige, vollreife Feigen, die ich am liebsten mit Schmand auf eine Pizza legen würde – ich bin schon am Überlegen, ob ich mir Knoblauch kaufen soll, beim Gemüseladen hinten an der Straße, damit dieses Wunderwerk auch richtig, richtig wunderbar wird) und habe irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil ich ein paar Tortenböden in der Tonne habe liegenlassen, obwohl sie verpackt sind und höchstens die Packung dreckig wäre, nicht aber der Inhalt – außerdem hege ich die leise Hoffnung (wie die reinste Gamblerin, ich merk’s ja selbst), dass inzwischen wieder etwas Neues draußen ist. Diese Lebensweise fördert so ungemein meine Tendenz zum Hamstern; sie ist wie für mich gemacht (oder ich für sie?)… Was will man machen. Solang ich meinen Vorratskeller habe, ist alles in Ordnung.

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Traducción des Todes

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Es regnet.. in Strömen.

Manchmal könnte ich mich fast aufregen, wie sinnlos die Übersetzungskurse hier sind. Was sich so untersteht, sich Übersetzung zu nennen. (Haha, wie kreativ wir heute mal wieder mit den Wörtern umgehen, ich werd nicht mehr.)
Stell dir nur mal vor..

Du schleppst dich hin, neun Uhr morgens (denk dran, falls du ein normaler arbeitender Mensch bist, der 9am für Fast-schon-Mittagszeit hält – wir Studenten leben in einer eigenen Zeitzone).
Deine Gruppe von Kommilitonen ignoriert dich, weil es arrogante Muttersprachler sind, die vom Originaltext zwar nicht die Bohne verstehen, sich aber dennoch für befugt halten, deinen Teil der Übersetzung ohne viel Aufhebens völlig zu verunstalten und dabei noch eigene Fehler mit einzubauen, die du dann mühsam wieder herausklamüsern darfst, natürlich nicht ohne dich für jeden einzelnen hart erkämpften zurückgewonnenen Buchstaben dreitausendmal rechtfertigen zu müssen. Inkompetente Beutelratten, das Pack.

Deine Dozentin kann, dem irreführenden Titel der Veranstaltung, Traducción Inglés-Español, zum Trotz, kein Englisch. Sie sagt „Jeneral Motors“ und schreibt „post-edition“ statt „post-editing“. Wobei die Tatsache nicht zu unterschlagen sei, dass „post-editing“ so ziemlich das Schlüsselwort der gesamten Übersetzung ist (wie eventuell zu erwarten bei einem Artikel über Post-Editing).

Deine Kommilitoninnen, sofern nicht in der erfüllenden Aufgabe der Zerstümmelung deines Textes begriffen, sitzen vor ihrem Twitter- oder Tumblr-Account und kommentieren Bilder/GIFs/Zitate and the like von Justin Bieber, Vampirserien und unzähligen anderen (für dich) namenlosen Grauen.

Deine Dozentin ignoriert dich konsequent, weil du zusätzlich zum Schwerverbrechen, das es bedeutet, nicht spanischer Herkunft zu sein, leider auch noch (wollen wir es mal euphemisieren) ein bisschen introvertiert bist und es nicht wirklich über dich bringst, in größeren Gruppen von alleine was zu sagen. Würde sie natürlich irgendwann auf die Idee kommen, dich einmal im Leben anzusprechen, könnte sie feststellen, dass du durchaus reaktionsfähig bist und sich in deinem von innen unaufsperrbaren Kopf eventuell wertvolle Beiträge zum ewig stagnierenden Unterrichtsgespräch befinden.

Macht Spaß, oder?
Uiui, jetzt habe ich mich ja wirklich aufgeregt. Eben in der Uni war ich dafür noch zu müde und lethargisch und zu sehr damit beschäftigt, meine Haare zu häkeln. Diese Häkelnadel rettet Leben, ich sag’s dir. Bis zu dem Tag, an dem ich sie María oder einem der bösartigen übersetzungsunwürdigen Kommilitonen in den Hals ramme.

Auto fahren

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Fakt ist, ich bin nicht die beste Fahrerin unter der Sonne. Und auch nicht die geübteste; mit dem Firmenwagen von meinem Vater lässt mich selbst an den paar Tagen, die ich hierbin, aus versicherungstechnischen Gründen niemand alleine fahren (was verständlich ist; vermutlich hat meine Tendenz, manchmal ein bisschen schneller zu fahren, als ich sollte, in Kombination mit der mangelnden Fahrpraxis einen guten Teil dazu beigetragen), und ein eigenes Auto werde ich mir wahrscheinlich nie anschaffen. Zu geizig, zu sehr auf den Erhalt meiner Umwelt bedacht und wohnhaft in einer zu kleinen Stadt, in der das Auto höchstens für Foodsharing- Essensabholungszwecke mal ab und an zu gebrauchen wäre.

Wenn ich könnte, würde ich Musik im Auto anmachen. A Day to Remember, The Used, Eluveitie, Rise Against, auf einer Lautstärke, die sich am besten messbar auf die Aerodynamik des Fahrzeugs auswirkt.

Fakt ist: Wie ich gestern Mittag hinterm Lenker saß, aufs Entsetzlichste irritiert von der Klimaanlage, auf die meine Eltern zulasten meines geliebten weit geöffneten Fensters bestanden hatten, und einem eine Stunde lang andauernden unaufhörlichen zweistimmigen Schwall aus Ermahnungen, hektischen bis panischen Ausrufen, absurden Kommentaren und anderen Bekundungen ihres offensichtlich abgrundtiefen Mangels an Vertrauen gegenüber 1) meiner Denkfähigkeit, 2) meiner Sehfähigkeit, 3) meiner Reaktionsfähigkeit, 4) meiner Kenntnis der Verkehrsregeln, 5) meiner generellen Menschenwürde ausgesetzt – das entsprach nicht meiner Vorstellung einer entspannenden Autofahrt.

Vorhin habe ich nochmal darüber nachgedacht, wie merkwürdig eigentlich dieses Bedürfnis nach Musik im Auto bei mir ist. Selbst Radio reicht völlig aus, dann bin ich schon glücklich. Immerhin gibt’s hier oben Delta – meinen Lieblingssender von früher, das kann man noch halbwegs ertragen.
Aber überhaupt. Die Verbindung aus Musik und schneller Fortbewegung. Einzigartig.

Ich könnte die Überlegung fortsetzen, wäre ich nicht so abartig müde. Nachher wird (für Vampirverhältnisse) früh aufgestanden, um mit Hilfe eines Arztes ein bisschen Geld aus meiner Reiserücktrittsversicherung herauszuquetschen.

Leben, Leben, nichts als Leben. Besser als nur festzukleben.

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Was soll ich sagen. Ich hatte einen der schönsten Tage seit Langem (was schon etwas heißen will, denn ich hatte sehr, sehr, sehr viele davon in letzter Zeit), bin mit meinem Leben äußerst zufrieden, habe meine mentalen Schlachtfelder im Griff und oh, nächstes Wochenende besucht mich Caro. (Sie hat mich ein paarmal gefragt, ob ich wirklich damit in Ordnung bin, aber ich habe ihr gesagt, dass sie aufhören soll zu fragen. Als ob ich sie sonst herkommen lassen würde.)

Ich befinde mich nämlich je nach Moment in zwei komplett unterschiedlichen Entwicklungsstufen, „normal“ und „übermenschlich“. Jetzt bin ich übermenschlich, komme mir so vor, als würde meine Persönlichkeit in vollkommen anderen Sphären über allem normal Menschlichen schweben, und bin bis zum Rand angefüllt mit spirituell anmutender Gelassenheit. Und habe etliche Stunden mit ihr geredet und es ging wunderbar. Ich glaube wirklich, ich kann das.

Dafür hat mich Robert heute Abend aufgeregt, indem er mir dumme Ausreden erzählt hat, warum er nicht mit zum Greenfield-Festival kommt. (Was bedeutet, dass ich auch nicht hinkann – so ein ganzes Festival, alleine? Äh, nein. Und es ist ja wirklich wie verhext, niemand sonst hat Zeit, niemand. Und dann wäre da noch das Problem, dass niemand meinen Musikgeschmack teilt, nichtmal meine eigene Band. Kacke sowas.)

Er hat mich so sehr aufgeregt (zu dem Zeitpunkt war der Stimmungsstand noch „normal“, leider), dass ich ihn irgendwann am liebsten zum Teufel gejagt hätte. Aber letztendlich habe ich eingesehen, dass es am sinnvollsten war, einfach meine Erwartungen noch mehr zu senken. Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, der vorhat, mir irgendwann Entscheidungen mit für mich unangenehmen Konsequenzen beizubringen, es bitte so direkt wie möglich zu tun und nicht stattdessen 1) in Ausreden unter Grundschulniveau zu flüchten oder 2) auf ewig vom Erdboden zu verschwinden. Danke vielmals.

Einen Tag lang Traumhausfrau. Eine ziemlich gestörte zwar, aber immerhin.

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Da habe ich heute von Mama mal wieder eine denkwürdige Aussage zu hören bekommen: „Wer nicht weiß, dass du was im Kopf hast, könnte meinen, du wirst mal ne Traumhausfrau.“

Es ist aber auch ziemlich unglaublich, wie es heute alles gefluppt hat. Nach einem stimmungstechnisch etwas holprigen Start (absurdester Traum ever. Ich sitze Şahin an einem Tisch gegenüber, keine Ahnung, wo der herkommt, aber er sitzt da einen halben Meter entfernt und fragt mich zögerlich, aber vollkommen ernst gemeint, wie es mir geht. Wirklich jetzt. „Wie.. geht es dir denn so?“ Ich natürlich reagiere darauf mit dem üblichen instinktiven „ääh, joa.. Und dir?“
Und dann keine Ahnung, er hat irgendwas geredet und ich konnte ihm direkt ins Gesicht schauen – er hatte diesen unbeschreiblichen hälftigen Gesichtsausdruck, an den ich mich zu erinnern in hundert Jahren nicht im wachen Zustand hinbekommen würde – ich war mir nichtmal bewusst, dass ich den Anblick überhaupt eingespeichert hatte. Ich wäre nichtmal darauf gekommen, überhaupt danach zu suchen. Aber oh mein Gowai, es sah so real aus. In dem Moment kam es mir natürlich normal vor, aber rückblickend ist es schon.. mir fehlt das Wort. Oder vielmehr das Gefühl zum Wort. Verwirrend. Verwirrend war es.
Als ich aufwachte, war ich also verwirrt. Um die Verwirrung zu beseitigen und mich so schonend wie möglich zurück ins Leben zu befördern (so viel zur gestrigen Gern-wieder-leben-Feststellung), habe ich mir Strawberry gegrabscht und angefangen, alles an Sachen durchzuspielen, die mir dabei behilflich sein konnten – den bis jetzt existierenden Time to Tell-Schnipsel, Too Late to Say, Paper Lanterns, No One to You.. Irgendwann nach zwanzig Minuten klopfte dann mein Vater an meiner Tür und gab mir bekannt, dass er die letzte  halbe Stunde einen Schrank auseinandernehmend vor meinem Zimmer verbracht hatte. Er war also in den Genuss der vollen Dröhnung depressiv-reflektiver Emoattacke gekommen, ein Privileg, das ihm, hätte ich das geahnt, ganz bestimmt nicht zuteil geworden wäre. Sein ahnungsloses „Hört sich gut an!“ machte die Sache auch nicht gerade besser. Und als wäre das noch nicht genug, fing er unten in der Küche nochmal davon an, „die Sachen, die du da vorhin gespielt hast, hast du die selber geschrieben? Es hat sich wirklich gut angehört“. Ich wurde nochmal von Entsetzen überschwemmt. Was treibt er sich aber auch einfach vor meinem Zimmer herum, und dann gibt er mir nichtmal zu verstehen, dass er da ist?

Und jetzt pass auf, ich werde nämlich das Unmögliche tun und einfach diese Klammer wieder zumachen und den Satz aus der vierten Zeile einfach weiterführen, wo ich ihn begonnen habe – denk nicht, ich hätte es vergessen. Oh nein, so weit kommt’s noch.) habe ich mich dann doch mit einigem Elan ins Backwerk gestürzt – naja, nicht wörtlich gesehen – und, nachdem zuerst noch ein kleines Weilchen dabei draufging, mit JO zu ooVoon, mir von Island berichten zu lassen und sie auf den neuesten Stand meines eigenen Daseins zu bringen – drei Wochen sind immerhin eine lange Zeit – war ich dann wirklich produktiv. Und was ich alles produziert habe! Ich weiß gar nicht, ob mir überhaupt jemals so viele Sachen hintereinander so wunderbar gelungen sind wie heute.
Am Ende des Tages war ich dann auch nur minimal geschlaucht und so gestresst, dass ich um kurz vor neun noch die Siedlung mit ein bisschen Klaviergehämmere aus der friedvollen Abendruhe schrecken musste. Um ein Haar hätte ich mit The Hill angefangen, bemerkte aber gerade noch rechtzeitig, dass mein Vater es sich im angrenzenden Esszimmer mit seinem Abendessen häuslich eingerichtet hatte, wurde daraufhin ob seiner Präsenz so aggressiv, dass ich zu ihm rausging und in einem bitterbösen Tonfall fragte, ob ich ihm irgendwie helfen könnte, kriegte mich gerade nochmal so ein und sagte ihm, ich hätte das Klacken seiner Schüssel gehört und es für Arbeitsgeräusche gehalten, sodass ich ihm helfen wollte. Bei was auch immer. Also kein The Hill mehr für heute. Lustig, wie sich der Kreis wieder geschlossen hat.

Mein Headset ist bald völlig im Eimer; als ich mit JO geredet und nebenher Muffinzutaten rausgesucht habe, bin ich über das Kabel gestolpert und habe es halb aus der Fassung gerissen. Gut, dass ich in einer Woche schon fast wieder zu Hause bin, dann kann ich es umtauschen gehen.

Buddhistische Grundeinstellung MY A**.

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„Wir können es uns ja aufteilen!“

Diese an sich Herrliches verkündenden, freie Zeit verheißenden, gesparte Zeit implizierenden Worte führten also letztendlich dazu, dass ich hier sitze, um drei Uhr morgens, und mich durch eine vierseitige „Übersetzung“ gequält habe, die ich eigentlich nicht hätte erledigen müssen. Da sie nicht zu meinem Teil gehörte. Aber oh well–

Ich habe der Kommilitonin schon vor Tagen die beachtliche Menge von vier einwandfreien, ich betone erneut, einwandfreien, ja impekkablen Texten gesendet, die sie schamlos und ohne jeden Versuch, es zu verschleiern, als „wir haben’s zusammen gemacht“ – ihr eigenes Werk ausgeben wird, wenn es Zeit ist, unser Dossier für Traducción einzureichen. Was morgen – Dienstag – der Fall ist.

Diese unverschämte Kröte einer Kommilitonin. Ich habe mir Vorlesungen für diese Übersetzungen um die Ohren geschlagen, ich habe Ewigkeiten mit Recherche verbracht, ich habe nachgeschlagen und nachgedacht und im Geiste Möglichkeiten durchgespielt, setze ich dieses Wort nun hierhin oder doch dorthin, nehme ich dies oder doch lieber das, oder sollte ich vielleicht den ganzen Satz doch noch ein bisschen anders formulieren. Ich habe meine Übersetzungen so angefertigt, dass sie nicht den Anschein erwecken, als hätte ich mal eben Google Translate an meiner Statt ans Werk geschickt.

War das denn zu viel verlangt? Eine Übersetzung von Menschenhand und, wichtiger in dieser Sache, von Menschenhirn? Oder anders gesagt, von Hirn? Du kannst dir nicht vorstellen, wie entgeistert ich war, als ich das erste dieser jede menschliche Schaffenskraft missachtenden Schundwerke aufgemacht habe, um nochmal schnell einen Blick drüberzuwerfen – ja, mir war klar, liebe Kommilitonin, dass du wenig Zeit hast. Und mir war sogar klar, dass du vielleicht nicht so gerne übersetzt. Und mir war sogar klar, dass du vielleicht nicht so gut übersetzt. Und ich habe mich trotzdem drauf eingelassen, einfach weil ich so viel Vertrauen dann doch noch irgendwie hatte, zu denken, vielleicht tun wir uns ja doch gegenseitig etwas Gutes damit. Vielleicht läuft es ja nicht darauf hinaus, dass ich meine Arbeit verschenke und nichts als unverwendbaren Mist als Dank dafür zurückbekomme, den ich nichtmal einreichen würde, wenn ich vor die Wahl gestellt würde, entweder innerhalb der nächsten Minute mein Dossier anzugeben oder von der Uni geschmissen zu werden.

Allein die Vorstellung, dem genialen Dozenten so etwas als meine Arbeit auszuhändigen. Mir wird schlecht. Ich würde ja im Boden versinken. Ach was, bis zum Erdkern würde ich sinken. Wenn der auch nur für eine Sekunde annehmen würde, ich hätte so etwas produziert. Falls man da von produzieren sprechen kann, das ist eigentlich nichts Produziertes, sondern vielmehr eine Anti-Produktion, das Produkt aller Undinge vereint in einer Sammlung einzigartiger Dokumente, die bestimmt Vieles sind, nur keine Übersetzungen.

Selbst wenn sie nichtmal bewertet werden – wie kann man denn so eine schlampige Arbeit machen, selbst wenn man tausend andere Sachen zu tun hat, selbst wenn man die Welt zwischendurch retten muss, selbst wenn die Klausuren einem fast schon auf den Kopf spucken. Und noch dazu, wenn sich jemand anders auf dich verlässt?!

Gut, ich habe mich nie wirklich auf sie verlassen; mir war schon klar, dass da auf mich auch nochmal Revisionsarbeit zukommt, ich bin nicht umsonst mit dem Mädchen in zwei Übersetzungskursen. Daher meinte Mama ja, als ich ihr gestern Nachmittag noch davon erzählte, auch etwas von wegen, ich hätte die buddhistische Grundeinstellung verinnerlicht und das wäre lobenswert.
Aber.. aber.. ABER! Meine wohlverdiente Schlafenszeit! Mein Vorhaben, „von gestern an“ bis zu den Klausuren ins Bett zu gehen, wenn Robert off geht! Meine mühsam eingepaukten acht Stufen des todlangweiligen englischen Great Vowel Shifts! Meine mindestens acht Stunden Schlaf! Meine freie Zeit morgen, wenn ich die letzten beiden (gesegneterweise nur je eine halbe Seite langen) Texte auch noch selber übersetze, sodass doch wieder hundert Prozent der Arbeit genau wo landet – richtig, genau auf diesem Haupt hier landet sie wieder, war das nicht mal so klar, warum eigentlich versuche ich immer noch, Leuten, die ich nichtmal kenne, mit allem zu helfen, wenn sie mir nichts bereiten als Arbeit und ich nichtmal in Ansätzen je etwas davon haben werde, nichtmal Anerkennung, ach was, als würde so ein Mensch überhaupt verstehen, was das an Arbeit mit sich bringt, einen Text so zu übersetzen, dass da NICHT am Ende steht, „Professorin an der Universität Complutense von Madrid“!
-Es muss die buddhistische Grundeinstellung sein.

Aber ehrlich, sehr viel Erleuchtung ist bei mir gerade nicht zu merken. Nein, weißt du was, Venting over, ich geh ins Bett. Es wird ja Zeit.

Aber einmal kurz noch – AAAAAAARRRRRRRRRGGGGGGGGGGGGHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH.

Back to normal!

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Manchmal bewundere ich wirklich die Originalität meines Unterbewusstseins. In today’s „alles in Ordnung“-Traum sagte ich zu Caro, sie solle mal langsamer und deutlicher sprechen, „du hast ein halbes Jahr nicht mit mir geredet, ich versteh dich nicht mehr!“
Als könnte ich nach dem halben Jahr kein Badisch mehr verstehen.

Der Rest vom Tag war auch nicht besser; ich war geschafft von dem Traum und allein das Aufstehen und Neuorientieren an sich war nicht so toll, dann die weiterhin extremen PMS in Verbindung mit den zusätzlichen Aggressionen, die Mamas Eltern mittlerweile hervorrufen, alles in allem war ich den ganzen Tag lang entweder am Ausrasten oder am Verzweifeln oder beides zusammen. Vor allem was heute unglaublich heftig war, jedes noch so unverfängliche Wort hat irgendwelche Assoziationen verursacht, wirklich alles, auch Sachen, die ich eigentlich schon längst wieder abkann, Oma hat was von Brücken geredet – im Sinne von Flurteppichen wohlgemerkt; morgens redeten sie irgendwann über Zugfahren in der Nacht und Schlafen im Zug; dann waren wir auf dem Nachhauseweg noch kurz in einem Laden, wo ein Buch herumlag namens (ungefähr) „la plaza once“, und dann hat Mama heute Abend noch beiläufig erwähnt, wie wir „fast als ganze Familie beim OBI-Werbung-Dreh mitgemacht hätten“ damals im.. September muss es gewesen sein, August oder September, damals. In der Nacht hatte ich mit dem (Nicht-)Mensch darüber geredet, was bei uns zu Hause so los war. Der wusste bis dahin noch von gar nichts, weil ich mich damals noch (zumindest fast) an Mamas Bitte, niemandem was davom zu erzählen, gehalten habe. Damals war es auch mit ihrem Weggehen ganz neu. Und ich habe die ersten beiden Zeilen vom Zwischenteil vom TTT herausgefunden, nachdem meine Eltern gegen drei Uhr morgens vom Dreh wiederkamen und prompt den Router ausgeschaltet hatten, sodass mein ooVoo-Gespräch brutal abgebrochen wurde, was meine volle Aufmerksamkeit auf das Geschrei lenkte, das unten gerade vor sich ging.

Naja. Allgemein zu viel sinnloses Gelaber, zu viel von Mamas Eltern, die sie (und mich ebenfalls, wenn auch aus teilweise anderen Gründen sowie zusätzlich genau diesem) so unglaublich fertigmachen, ohne es auch nur mitzubekommen, zu viel von dem Gefühl, sofort aus dem überfüllten Auto rauszumüssen, wenn nicht noch in derselben Sekunde jemand das Radio anmacht, was natürlich nicht passieren wird. Und panicken und schreien wollen und nicht können, und später selbst reden nicht mehr können, und wenn, nur um eine aggressive Bemerkung abzugeben, am Rand des Wahnsinns, wirklich, den ganzen Tag über. Und das Gefühl, irgendwas kaputtschlagen zu müssen, wenn noch ein Mal jemand das Wort „kötzeln“ laut ausspricht. Und das Gefühl, deinen Kopf ganz dringend gegen einen stumpfen Gegenstand hämmern zu müssen, wenn nochmal jemand „ankötteln“ sagt. Was machst du, wenn allein schon die Redeweise einer Person in dir das Bedürfnis auslöst, Sachen zu zerstören? (Oder vorzugsweise die Person selber.) Ich glaube, ich könnte ein bisschen Anger Management gebrauchen. Dieses Ohnmachtsgefühl, es ist doch eher unangenehm.

Vorhin dann war ich eigentlich mit Yara bei Skype verabredet, aber anscheinend war ich zu spät oder sie war einfach nicht da. Habe dann noch kurz mit Robert und Janine geredet, die aber beide sehr schnell abgehauen sind, sodass der sehr beruhigende Effekt vertrauter freundlich gesinnter menschlicher Wesen durch die zu geringe Dosierung nur wenig Wirkung erzielen konnte. Immerhin habe ich noch erfahren, dass Robert seinen Tag wieder mal damit verbracht hat, mit Murat in irgendwelchen random Frankfurter S-Bahn-Linien von einer Endstation zur anderen rumzufahren, Bahnhöfe zu „bewässern“ und Tofu zu marinieren. Letzteres ohne Murat, dafür im Beisein seiner Mutter, die von dem Experiment was probieren wollte und es wieder ausgespuckt hat.
Laura wollte ja eigentlich eine zehnpunktige „Why Insomnia Fucking Rules“-Liste mit mir produzieren; umso ironischer, dass sie heute nicht dazusein scheint.

Mittwoch werde ich nochmal nach Hamburg fahren, diesmal mit Lena, dann komme ich auch endlich in den Altonaer Kleidermarkt zur Happy Hour.

Und jetzt werde ich wohl zu schlafen versuchen, um morgen weniger gerädert durch die Gegend zu laufen als heute. Ich vermute, dass ich heute auch keine abartigen Träume der Sorte „AIO“ haben werde, die kommen eher, wenn’s tagsüber im erträglichen Bereich lag.

Leben – gerade mal ziemlich katastrophenlos

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GD headlinen Rock am See! YAY! -Ich war darüber so restlos froh, vor allem weil Laura und JO sich schon beide definitiv zusagend geäußert haben (Robert hat sich immerhin ein „mal schaun“ entringen lassen, aber man weiß ja, wie das endet), bis JO mich auf einmal fragte, was wir machen sollten, falls wir „gewissen Menschen“ dort über den Weg laufen. Daran hatte ich nichtmal gedacht. Ich bin kurz hysterisch geworden und habe bis jetzt auf die Frage noch keine Antwort ermitteln können, aber ich hoffe doch irgendwo immer noch, dass bis September noch irgendeine Form von Besserung bei mir eingetreten sein wird und ich den unwahrscheinlichen Fall einer Begegnung doch halbwegs unbeschadet überstehen könnte.

Und JO möchte nach Köln zum Konzert von Of Monsters and Men Ende April, wohin ich gerne mitgehen würde, mich schockt nur immer noch die Aussicht auf eine weitere von diesen irre langen Fahrten, und dann nur für einen Tag.. Habe ihr aber ohne Bedenken zugesagt, also muss ich damit wohl leben.

Es war gestern noch weitaus wärmer als am Tag davor. Es war warm. Mir kommt die Wärme so ungewohnt vor, und irgendwie unecht, als könnte man ihr gar nicht vertrauen. (Dabei war ich doch gerade erst zu dem Schluss gekommen, die Sonne sei vertrauenswürdiger als alle Menschen der Welt zusammen.) Mama und ich sind spazierengegangen, ich habe Fotos gemacht, jede Menge von unserer traumhaften Umgebung und nachher bei uns im Vorgarten, bevor ich ein kleines bisschen mitgeholfen habe, das Gestrüpp von Vorjahr vom Beet zu entfernen, um Platz für die kleinen neuen Triebe zu schaffen.

Dann habe ich noch einen Kuchen gemacht, den wir morgen (eigentlich ja heute) mit nach Hohwacht nehmen. Dann beim Friseur gewesen; endlich sind meine Haare nicht mehr kaputt. Und wieder schön durchgestuft.

Am Abend hat Lena angerufen, die offensichtlich schon vor Tagen hochgekommen ist (die Arme, bei uns unten soll es noch viel wärmer gewesen sein als hier), wir haben einige wichtige Sachen beredet und uns überlegt, eventuell Mittwoch nach Hamburg reinzufahren, dann würde ich wenigstens nochmal zur Happy Hour in den tollen 2nd Hand-Laden in Altona kommen.

Mir kam vorhin die geniale Idee, die Gitarre mitzunehmen morgen, das rettet mir und allen Beteiligten vermutlich den Tag und schützt uns alle vor unkontrollierbaren Aggressionsattacken meinerseits. (Heute war es ja schon ein ziemlich closer Call, als ich den Kuchen backen sollte und halb ausgerastet bin, weil wir keine Schokolade dafür im Haus hatten. Habe mir letztendlich mit Dosenbirnenstückchen beholfen, das sollte doch zur Saftigkeit auch ganz gut beitragen.)

Jetzt sind Laura und ich gerade mit Skypen fertiggeworden (bzw sie damit, mich paintmäßig zu vergewaltigen, und ich mit meiner Parasitendoku Teil 1, und ich habe mich mal langsam in Richtung Schlafengehen orientiert) und ich höre nochmal die Aufnahmeversuche durch, die ich am Nachmittag vom Come&Go-Dingens gemacht habe – ganze zwei Stück an der Zahl, danach ging der Akku leer, und das obwohl ich es gerade wenigstens schonmal zweimal ganz durch geschafft hatte.

Allgemein möchte ich anmerken, dass es mir gestern bemerkenswert OK ging. Fast kein Verzweiflungsanfall und ein paar richtig glückserfüllte Momente. Und die Wärme; so verwirrend sie auch ist, sie ist warm und warm tut gut.

Rest der Reise ist auch geplant!

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Meine Güte, wie sich das anhört. Als würde ich bald quer um die Welt fahren. Aber wie gesagt, von hier nach da oben ist es schon immer eine ziemliche Weltreise. Diesmal aber eine etwas kürzere, relativ betrachtet: Von FFM nach Hamburg nehme ich nun beschlossenerweise einen IC – 0 mal Umsteigen – mit ca dreieinhalb Stunden Fahrzeit.

ooVoo ist ein einziger Abfuck, ich sage es dir. Was auch immer das soll, in letzter Zeit haben sie Werbung mit Ton, den man nicht abstellen kann. Und eben war ich mit meinen Eltern am Zugfahrt-Abklären, das Gespräch hat sich einfach mal alle zehn Sekunden aufgehängt und ich musste auflegen und wieder von vorne anrufen, ehrlich mal, da nehme ich ja noch lieber Skype mit seinen abgehackten Spackungen in Kauf. Ach Voodoochen, du enttäuschst mich. Schon ironisch, jetzt gibt auch noch das Chatprogramm den Geist auf, das den beiden gewissen Leutchen und mir seinerzeit so heilig war. Das tut mir gerade irgendwie in der Seele weh. Aber was tut das nicht, ich habe keinen sehr ausgeglichenen Tag heute.

Was aber noch erwähnenswert ist: Simone hat bei StudiVZ ein neues Macrocarp gegründet. Mal schauen, vielleicht hilft das ja und die Lieben werden beide wieder etwas aktiver als vorher, wo die Gruppe eigentlich nur noch mir als Gelegenheit gedient hat, mein dortiges Tagebuchthema zuzuspammen. Das wäre doch schön. Auch wenn ich mich über die Jahre schon ganz gut damit abgefunden hatte.

Streitverhalten

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Anscheinend habe ich mein Streitverhalten verbessert. Das ist doch schön. Sonst wäre ich jetzt auch nicht hier, sondern unten, und würde ganz schrecklich mit meiner Mutter diskutieren/schreien/heulen. Aber ich kann jetzt weggehen, das habe ich gelernt – wegzugehen, wenn alles Andere fatal wäre. Ich habe nur Angst, weil die Situation der von vor ein bisschen Zeit schon wieder so ähnelt. Es ist die gleiche eklige, flammende, unkontrollierbare Aggression. Das Brummen in meinem Kopf, das jeden klaren Gedanken betäubt.
Was sich verändert hat, ist mein Erfolg im Kampf gegen die Zerstörungswut. (Abgesehen von dem Vorfall gestern, in dessen Verlauf ich mt einem Küchenmesser auf die Arbeitsfläche eingeschlagen und ein kleines Stück herausgehauen habe, nachdem ich mein gerade geschmiertes halbes Brötchen in der Hand zerquetscht und auf den Boden gepfeffert hatte, wo es sich in zwei Hälften teilte, von denen die eine abermals abprallte und auf irgendeine unerfindliche Art auf dem Herd landete.)
-Aber selbst das war ein Fortschritt. Früher hätte ich diese Gewalt vermutlich in verbaler Form gegen meine Mutter gerichtet, die wieder der Grund für diese Attacke war. (Natürlich. Niemand sonst besitzt die Fähigkeit, meine innere mental geschädigte Seite so krass hervorzulocken.)

Was dagegen gleich geblieben ist, ist die Müdigkeit, die mich während/nach derartigen Situationen überfällt. Ich schaffe es ja kaum, die Tasten ordentlich runterzudrücken.

Es ist alles so unnötig. Warum machen sich Menschen ihr Leben so kaputt, sag mir das doch mal einer.