Schlagwort-Archive: Am Ende

Wie zu etwarten war

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Klar. Natürlich, ich musste unbedingt mal wieder alles versauen. R taugt nicht als Suizid-Hotline-Arbeiter und ich selbst nicht als Diplomatin, sofern meine Mutter im Spiel ist. Wein taugt nicht als Deeskalator. Die besten Quality-Time-Maßnahmen machen niemanden zu einem besseren Menschen. Ich werde vermutlich dieses Desaster irgendwie überleben, aber frag nicht, wie.

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Let’s play a game of Monopoly. (Oder: Details.)

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Also, Moment mal.

Nun ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem mir vorgehalten wird, was für ein Opfer die Aufgabe der Polyamorie für ihn darstellt. Hab‘ ich’s nicht gewusst, hab‘ ich’s nicht gesagt, es kommt so weit. Wie gut, dass ich mich in einer Gesamtsumme von definitiv zu vielen ‚zig Stunden Kopfmalträtierung darauf vorbereiten konnte, voll und ganz hinter meiner Überzeugung zu stehen, dass ich jedes Recht habe, mir so ein widerwärtiges Druckmittel nicht unter die Nase reiben zu lassen.

Gut – zwei Mal in einer Woche den Mund aufmachen ist demnach zu viel. Registriert.

Das kann er grad echt nicht gebrauchen. Er hat ja Stress. Er muss schließlich sein Leben auf die Reihe kriegen. Das Problem: Der Moment, in dem er nicht gestresst ist und/oder sein Leben auf die Reihe bekommen hat, kommt am gleichen Tag wie der, in dem es Trudi super geht, sie ihr Leben auf die Reihe bekommen hat und ich ein Mal im Leben ohne schlechtes Gewissen sie darauf hinweisen könnte, dass sie gefälligst irgendeiner Haushaltspflicht nachkommen soll, die sie seit Wochen vernachlässigt. Richtig, das nennt man Sankt-Nimmerleins-Tag. Und so lange warte ich nicht.

Nun denn. Ich bin nicht polyamor, ich verabscheue das Prinzip aus so beispiellos tiefster Seele, dass man sich fragen muss, ob meine Seele so etwas wie einen Boden überhaupt besitzt; ich finde es feige und rücksichtslos und charakterlich mehr als bedenklich und werde den Teufel tun, von dieser Ansicht auch nur ein Milimeterchen zurückzutreten, und damn it, ich beleidige the hell out of dieser Idelogie, an die der bloße Gedanke mir die Eingeweide zerfetzt, aus reinstem Selbstschutz, and I’ll keep on doing that until I feel I don’t need to anymore,  and that’s going to be the day I feel safe with him, which is going to be the day I’m able to feel I’m enough for him, and that’s going to be the day hell freezes over. Cause he won’t let it go.

Das sind dann die Momente, in denen ich denke, nope, das wird nichts. Nicht in dreihundert Jahren. Ich verschwende jeden verfickten Moment meiner Zeit mit jemandem, der nie die Absicht gehegt hat, mir genug zu sein. Du bist glücklicher, wenn man sich noch jemanden dazuholt, dann geh und such dir jemanden, der mitspielt. Sorry, not sorry. Wer das braucht, hat nicht mein Verständnis von Liebe, von Liebe und dedication, von Liebe und dedication und commitment. Ich packe in meinen Wertekoffer. Ha, du bildest dir ein, besser zu sein als Andere. Du meinst, du bist der üble Committer. Du denkst, du hast die ultimative Einsicht in die Polyamorie. Leuten, die sie anders verstehen als du, sprichst du jegliches Recht ab, sich in die Schublade auch nur einzuordnen. Du beschwerst dich über Bindungsprobleme in der Poly-Szene, du Möchtegernheiliger, du Heuchler, du, der du genau so wenig willens bist, die volle Verantwortung zu übernehmen, wie jeder andere verdammte Poly-Mensch auf dieser Welt. Du Wichser, du verdammter Feigling hast doch nur Angst, dass dich jemand auf Dauer nicht erträgt. Damit eines Tages, wenn mir dein Oh-ich-bin-eigentlich-poly-was-habe-ich-nicht-alles-geopfert-für-dich-Gehabe, mit dem du jetzt ankommst, zu dumm wird, du mir sagen kannst, du hättest mich ja von jeher ermutigt, mir nebenher noch jemanden zuzulegen, der mich in meinen schwierigen Zeiten besser handlen kann. Damit entziehst du dich jeder Verantwortung; du willst einfach nicht selbst dran arbeiten, du willst einfach nicht die Gewissheit haben, dass ein einzelner (aber ganzer) Mensch sich in deine Hände legt, du willst Stücke von hier und Stücke von da, und unangenehme Situationen kommen gar nicht auf, denn man hat ja noch jemanden, der einen auch nur zur Hälfte kennt und natürlich auch nur zur Hälfte ertragen muss, das ist es doch und nichts Anderes. Kaum vorstellbar, dass ich diese Art zu leben befürwortet habe, bevor ich tatsächlich damit konfrontiert wurde. Und wenig verwunderlich, meines Erachtens, dass es mir wenig Freude bereitet, zu wissen, dass es das ist, was du eigentlich gern hättest. Das schnürt mir die Luft ab, das schnürt mir die Lebenskraft ab und die ganze riesige Selbstsicherheit, die du mir an anderer Stelle geschenkt hast.

„Wir müssen dringend an deinem Selbstbewusstsein arbeiten… und es wird mir ein Vergnügen sein.“

Hörte ich dich im Januar sagen und wundere mich im Dezember noch immer, wie du es fertigbekommst, mich des erstaunlichen Produkts unserer Arbeit immer wieder in Sekundenschnelle zu berauben, indem du mich wissen lässt, dass ich eigentlich ganz verkehrt bin, und meine Ansichten mit dem ekelhaften, intoleranten Drogenbild deiner Eltern vergleichst. Gowai, ich will das nicht mehr. Ich will raus hier.

Natürlich will ich nicht raus hier. Ich will alles, nur nicht raus hier. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich will geliebt werden, umsorgt werden, beschützt werden, gekannt werden, erkannt werden, durchleuchtet werden bis in die allerletzte Ecke, wenn ich es doch schonmal geschafft habe, Mauern ab- und Vertrauen aufzubauen. So ein unmögliches Stück Arbeit. Ich will alles von mir herausholen können, teilen mit jemandem, der mich sehen will, in meiner Gesamtheit, um meine Wertigkeit zu erhalten, an die ich anders nicht gelangen kann. Das will ich eigentlich, und davon könnte „raus hier“ entfernter nicht sein. Verdammt, ich würd‘ nur so gerne haben, dass diese Eigenschaft „Monoamorie“, für die mich so unermesslich viele Menschen so lieben würden, bewundern würden, schätzen würden, von dem einen (aber ganzen), dem ich sie angedeihen lasse, zumindest nicht als dieser furchtbare Mangel angesehen wird, nach dem sich zu richten ein ungemein schweres Opfer darstellt.

Gefragt werden. Ein Wunschtraum.

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Ich überlege mir relativ häufig, ob ich nicht einfach zu viel verlange. Ob es nicht also an mir liegt, wenn ich mit gewissen Situationen nicht zufrieden bin, während in so vielen anderen einfach nur reinste Dankbarkeit vorherrscht, darüber, dass mein Freund so ist, wie er ist.

Ich glaube allerdings in diesem Moment, dass ich nicht zu viel verlange. Ich glaube nämlich, dass es oft nicht die Sachen an sich sind, die mich aus der Bahn werfen, sondern vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie passieren (oder eben nicht). Das Gar-nicht-erst-gefragt-werden, wie das denn eigentlich genau vor sich gehen soll, falls ein Umzug ansteht. Die Tatsache, dass sein Kollege hier untergebracht wird, mit dem man sich früh morgens aus dem Staub macht, ohne sich zu verabschieden (now that’s a first), um irgendwann im Laufe des Abends wieder einzutrudeln, mich kaum eines Blickes zu würdigen, den Rest des vor Stunden zubereiteten Essens in sich reinzustopfen, dann das Bedürfnis nach einer Umarmung zu äußern und sich, nachdem man diese gewährt bekam, zum Unwinden erstmal ans Keyboard und dann ohne viel Gefackel mit Arne zum Zocken in die Küche zu pflanzen, nachdem ich gerade verkündet hatte, es wäre schön, irgendetwas zusammen zu machen. Nicht ohne zwischendurch noch die ein oder andere vollkommen überflüssige Bemerkung abzugeben, die wieder mal in den Raum wirft, dass man eigentlich ja von seiner zweiwöchigen Möchtegernbeziehung letztes Jahr noch vollkommen zerstört und traumatisiert ist und gleich in Panikattacken ausbricht, wenn jemand Game of Thrones erwähnt. Deutlicher kann mir meine Unfähigkeit nicht signalisiert werden. Weder bin ich in der Lage, eine von diesen widerlichen Traumgestalten aus der Vergangenheit zu ersetzen (wie auch – ich bin ein Mensch, kein Mysterium), gegen die man schon aus dem einfachen Grund keine Chance hat, dass die Leute dazu neigen, Personen erst dann zu glorifizieren, wenn sie einen in Grund und Boden gestampft und zurückgelassen haben, ohne sich nochmal umzudrehen, noch werde ich diese Art von Wertschätzung je bekommen, solange ich einfach da bin, ohne dass er dafür arbeiten muss. Mein Problem, dass es in meiner Natur liegt, einfach da zu sein, weil das ganze Personen-in-den-Boden-stampfen mir nicht so liegt.

Es ist die Tatsache, dass keine Rücksicht genommen wird, die mich zu Tode zerdeppert. Basti kam extra wieder übers Wochenende aus Ulm runter und durfte sich stundenlang mit der mies gelaunten Version von mir abgeben, die er zu oft abbekommt, während ihr Verursacher sich gemütlich dahin verzogen hat, wo’s ihm gerade genehm ist. Was an „Es ist irritierend, wenn du da bist, aber auch nicht“ kann man nicht verstehen? Der Mensch kann mit Arne zocken, bis er schwarz wird, und ich habe kein Problem damit, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem das Ganze in meiner Küche stattfindet, nachdem man sich mein Essen in den Rachen gesteckt hat, ohne die Person Aspi auch nur für eine Sekunde bewusst wahrgenommen zu haben.

Äußern kann ich das natürlich mal wieder nicht, schließlich ist Besuch da. Und da ich Arne mit jedem Mal, das ich mit ihm zu tun habe, weniger ausstehen kann, habe ich nicht vor, mir vor dessen Augen eine derartige Blöße zu geben. Das kann sie beide freuen, andernfalls wäre nämlich R heute hochkant rausgeflogen und der schmierige Charakter, den er mir wieder eingeschleppt hat, gleich mit.

Ich werde mich jetzt mit der Fertigstellung des Eintrags beeilen und das Licht ausmachen; auf die Weise besteht eine Chance, dass ich mich genug beruhigt habe, bis die beiden ins Zimmer reinkommen, und dementsprechend auf ein Vermeiden von Heuldisastern jeglicher Art.

Ich kann Laura verstehen. Es ist wirklich verlockend, anzunehmen, dass mein Kopf der einzige Problemfaktor ist, bloß sollte man vermutlich als Opfer zwischen der ganzen Schuldübernahme noch ab und an mal nach draußen gucken.

Wärme in Koffern. Kälte im Raum. Leben im Nebel.

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Wir haben es doch wieder hingekriegt. Unfassbar ist das, wie machen wir das?
Ein weiterer Heiligabend mit einer dramatisch-versöhnlichen Bescherung. Das Gefühl, dass es solide sein könnte, ist natürlich seit Jahren nicht mehr da, aber geschafft ist es trotzdem. Wieder.

Wie? Und warum überhaupt die Mühe, uns immer aufs Neue zusammenzuklauben? Wir funktionieren doch alle nicht. Warum nicht es endlich einsehen und allen Schein fallenlassen. Uns ergeben, uns aufgeben. Die absolute Hoffnungslosigkeit dieses letzten Tages sollte doch besser anhalten, um es nicht alles immer wieder noch schmerzhafter zu machen. Das Allesverlorenhaben, das Wahrscheinlichniewirklichetwasgehabthaben. Das Fehlen von Wärme, von echter Wärme, nicht gesprochener Wärme, nicht materialisierter Wärme. Von gefühlter, gelebter Wärme. Wärme ohne Worte, ohne Demonstrativität. „Wie kannst du wagen, zu sagen, ich wäre nicht warm. Schau doch, wie warm ich bin. Ich tue dies und jenes, das es beweist.“ Aber gefühlt ist es kalt, nicht sicher. Warm ist sicher.

Ein Koffer voller Wärme. Sie sagte, sie hätte einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Gestern Mittag, nachdem selbst mein versuchter Ansatz eines klärenden Gespräches genug war, um sie wegzubefördern. Dann sagte sie, sie müsse doch zu mir fahren. Mein Vater daneben. „Und dafür musst du erstmal zurückkommen. Schätzchen, komm zurück“. Ich in der Ecke ihres Bettes, die zusammengesunkene Gestalt beobachtend, die wirres Zeug von sich gibt, sie hätte mir doch einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Eine Unterhaltung mit meinem Vater, der sagt, ich wäre zu hundert Prozent egozentrisch, als ich ihm zu erklären versuche, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Dass sie sich helfen lassen muss und ich sie so nicht in meinem Leben haben kann. Weil ich nicht kann. Wäre ich selbst stabil, müsste ich können; ich dachte früher, ich müsste können, vor allem als ich noch da gewohnt habe, aber eigentlich kann ich doch überhaupt nicht. Das versteht er natürlich nicht, weil er keine Ahnung hat, wie es bei mir drinnen aussieht. Dazu müsste ich es erstmal zeigen können, nicht nur verbalisieren. Ich verbalisiere ruhig, distanziert und gelassen, dass ich irre am Rad drehe innerlich. Es wird mir nicht abgenommen, solange ich es artikuliere, ohne dabei in Trancezustände zu verfallen. Ich müsste erst zusammenklappen; das lenkt erfahrungsgemäß seine Aufmerksamkeit ganz gut auf einen. Wäre ich einfach einen Tick schwächer und würde immer zusammenklappen, wenn ich das Bedürfnis dazu habe, so wie sie es tut. Wie viel einfacher wäre alles; warum kann ich denn das nicht. Oh, wahrscheinlich weil nichtmal dann ich verstanden werden würde. Dann ist es wahrscheinlich Aufmerksamkeitsuchen, Melodramatik, fast schon Nebensache; das Zusammenklappen ist zu sehr Teil der Familientradition. Es ist ja auch alles nicht mein Problem, wie ich zwischendurch immer mal zu hören bekomme. Wenn meine Familie ein lebender Albtraum ist und ich nicht weiß, wie ich drei Tage in diesem Umfeld je geistig unbeschadet überleben soll, natürlich ist das nicht mein Problem, wieso sollte es. Mein „Ich kann nicht mehr“ wird nicht gehört; ich kann aber nicht mehr, ich kann nicht mehr so funktionieren.

Du hast keine Ahnung, keine.

Wohin der Wind uns weht.

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Mir kräuseln sich zwar so ein bisschen alle Nägel, aber da müssen wir jetzt durch. Ich hatte vor Ewigkeiten schon den Plan gemacht, eine Person damit an Weihnachten tierisch aufzuregen (und mir damals schon gedacht, „na, erstmal gucken, ob du’s so lange überhaupt noch durchhältst“). Ist tatsächlich nicht so gekommen, aber wenn ich schonmal einen Plan mache, muss ich ihn trotzdem so gut es geht ausführen. Vielleicht regt sich ja an seiner Stelle jemand anders auf; das wäre zwar weniger lustig, aber immer noch besser als gar nichts. Also, holen wir tief Luft und…

Beatles, Rolf Zuckowski, Beatles, Rolf Zuckowski. BEATLES.

Und wieder atmen.

Von der Nachricht her.. ist es tatsächlich eine Art furchtbares Destinations. (Das dürfte eigentlich für die wiederholte unangenehme Paarung in einem Atemzug mehr als wieder gut machen.) Rolf Zuckowski und diese Kinder daneben sind einfach mal das Creepigste, was mir je unter die Augen gekommen ist.

Aber das nur am Rande. Wir sind alle fleißig am Auseinanderfallen, wobei es sich ein wenig beruhigt hat und ich schätze, dass wir die Zeit bis zu ihrer Abreise morgen noch an einem Stück überstehen könnten. Es ist halt nicht wirklich Weihnachten. Wir sind zu abgefuckt für Weihnachten. Ich kann das nicht mehr lange mitmachen. Ich kann es eigentlich überhaupt nicht.

Aber gut, bis morgen schaffen wir das. Alles Andere soll dann nicht mehr meine Sache sein.

Fröhliche Weihnacht.

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Der letzte Eintrag erklärt auch, wieso ich es nicht schaffe, einfach mit meinen Eltern den Kontakt zu kappen, obwohl jedes Mal, wenn wir zusammentreffen, meine Welt komplett in sich zusammenfällt. Wie heute. Keine zwei Tage hat es gedauert und wir sind am gleichen Punkt de siempre. Was machst du aber auch mit einer Frau, die vollkommen psychisch hinüber ist und es nicht einsehen will und sich nicht helfen lässt. Ich bin jedes Mal aufs Neue einfach vollkommen zerstört. Ich kann dagegen nichts ausrichten. Ich habe nicht die Gabe meines Vaters, es einfach so hinzunehmen. Ich setze mich wieder und wieder zur Wehr. Und dann hilft es nichts und sie geht wieder weg und bekommt all die unverdiente Aufmerksamkeit. Sage mir, warum gleich bekommt immer derjenige die Aufmerksamkeit, der zusammenklappt. Nie derjenige, der ohne ein Wort der Klage von sich zu geben vorneherläuft und den Weg zur Wohnung weist und, wenn überhaupt, für sich alleine zusammenklappt, während die Frau, die man einst als den stärksten Mensch der Welt ansah, ohne Bewusstsein und an der Hand eines von ihr als Wurzel allen Übels betrachteten, in Wirklichkeit aber einfach nur macht- und willenlosen Mannes hinterhertrottet und sich am Ende eh nicht an den Weg erinnern kann. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie das auszuhalten sein soll. Ich frage ihn andauernd, und er sagt, „irgendwie“. Warum er noch da ist – ich begreife es nicht. Sie wird niemals wieder normal werden, auch wenn es mir andauernd vorgelogen wird – solange die Distanz da ist, ist es ja auch einfach. Da sage ich zu ihr, „wann warst du das letzte Mal weg?“, und sie sagt, „du, da müsste ich jetzt im Kalender nachgucken.“ Zwei Tage später rede ich mit meinem Vater – eine der seltenen Gelegenheiten, in denen er tatsächlich mit mir Kontakt aufnimmt – und frage ihn, „wann war sie das letzte Mal weg?“, und er sagt, „Sonntag“.

und jetzt frage ich ihn, „ist es immer noch genau so oft?“, und er sagt, „ja“. Und dann sage ich ihm, „ich kann nicht mehr. Stell dir vor, das würde mit deiner Mutter passieren. Ich mein, ich weiß, deine Mutter ist auch gestört, aber ja.. anders“ – und er sagt, „du hast ja keine Ahnung“.

Als wäre es noch dreitausendmal schlimmer im Alltag mit ihr.

Ihr Auto wurde abgeschleppt. Ich habe heute einige Dinge erledigt, um es wiederzubekommen; eine wertvolle Lektion für mich, an die ich sonst nicht ohne Weiteres gekommen wäre. Dafür, das ich vor ein paar Jahren nichtmal in der Lage war, in Andalucía für sie ein Frühstück zu bestellen, habe ich einige Fortschritte gemacht. Ich habe es praktisch alleine zurückgeholt, das Auto. Alles. Und zwischendurch wurde mir noch polizeilich bescheinigt, dass ich mich nicht anhöre, als wäre ich Deutsche. Was will man mehr. Für mich war es eine wirklich gute Fügung. Meine Mutter war weniger begeistert von dem Ganzen; wer hätte es gedacht. Ihr wertvoller Zeitplan kam dadurch durcheinander. Der Tag endete entsprechend in einer Katastrophe und damit, dass ich mich ohne Sinn und Verstand mit all meinem Restalkohol betrunken habe, während meine Mutter nebenan im Zimmer lag und weg war, während mein Vater danebenlag und nichts tun konnte außer dasein. Laura war da und hat meinen Fall aufgefangen, die wunderbare Person.

Es ist Heiligabend. Frohe Weihnachten an alle. Verbringt es friedvoller, als es bei mir wohl aller Voraussicht nach der Fall sein wird.

Es reicht grad nicht zu mehr als "lizkujzhterwteqrf".

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Jammern ohne schlechtes Gewissen. Oh. Jammern ohne denken zu müssen, jemand könnte schlecht von mir denken. Oh.
Gehe nicht, bevor du dem Anderen nicht gesagt hast, wie du fühlst. Mission accomplished.

Mein AVES-Projekt ist unglaublich aufgeblüht. Ich habe nicht nur gestern Nachmittag geschafft, einfach mal aufzustehen und rauszugehen, sondern vorhin dazu noch wieder einmal entdeckt, was für wunderbare Freunde ich habe, und dieses Ding hinter mich gebracht, das ich im Leben nicht zu schaffen erwartet hätte. Ich bin trotzdem nicht zufrieden. Wie auch; ich gehe meiner üblichen Tätigkeit nach, den Moment auf das Ganze projizieren nämlich, und nein, das sieht nicht gut aus. Gawd, nein, das sieht übel aus. Ich bin nicht überzeugt, den Unterschied zwischen Giving up und Letting go richtig kategorisiert zu haben. Ich bin nicht überzeugt, überhaupt irgendetwas richtig kategorisiert zu haben.
Ich bin aber unheimlich gefestigt – vergleichsweise – trotz dem üblen Aussehen von allem; vielleicht habe ich ja doch seit 2011 etwas gelernt.

Entvampirisierungspläne ftw, aber vielleicht.. ab nächster Woche.

Mach kaputt, was dich kaputtmacht. Woher kommt das nochmal? Quelle? Zweitquelle? Eventuell Drittquelle? Vertrauenswürdigkeitsgrad? Würd ich nur klar denken können, oder überhaupt ordentlich denken können, oder aufhören können zu denken. Dieser Ausdruck geräuschlosen Horrors auf meinem Gesicht würde ja Zombies zum Leben erwecken. (Wie schwachsinnig diese Feststellung ist; Zombies sind ja eh schon untot, ich meinte wohl eher.. naja.. Tote.) (Susmita, Zombie No.1 in meinem engen Freundeskreis, ist zum Glück bereits ohne meine Hilfe aus dem Reich der Zombies zurückgekehrt; sie hatte am 12. ihre Midtermklausur und kann jetzt ersteinmal durchatmen. Über Weihnachten fliegt sie nach Indien, das erste Mal seit über einem Jahr zu ihrer Familie.)

Overstirred Lemon Curd

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Nachts hört sich alles lauter an.
Schreibe zu viel, aber
warum
will ich selbst sein können und geliebt we
geht nur das eine oder das andere
rden
major fallback.
will look at this two days after tomorrow thinking „look at how weird you were two days ago.“, overlooking the fact that 1) it’s three days, not two, and 2) even though I might be saner then, I’m still basically the same person, and it is this I find under my own skin at times.

Wie sie alle ringsherum umfallen.

Menschen in meinem Computer

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Nein, mir fehlt er auch nicht. Das Gerät an sich nicht, das ganze sinnlose stundenlange Davorhängen, die nur minimal hin-und herruckenden Augen, die halben Nächte, die man mit Schlafen verbringen sollte (würde man denn können).

Wenn ich aber zurückdenke zu eben dem im (sich von anderen bis auf ein vermehrtes Auftreten von Typos erstaunlicherweise ja gar nicht so sehr unterscheidenden, wie ich vorhin feststellen konnte – bedeutet das nun, dass ich immer so schreibe, als wäre meine Denkfähigkeit in alkoholischem Nebel entschwunden, oder bin ich andersherum in dem Zustand unnormal ausdrucksfähig? Ich würde gern zu Zweiterem tendieren, mir ist letztens noch irgendwann gesagt worden, ich hätte im Suff erstaunlich klare Gedanken. Schade, dass ich von diesen zu dem Zeitpunkt immer eher wenig mitbekomme) vorigen Eintrag erwähnten Urlaub mit meinen Eltern letztes Jahr, fällt mir relativ zügig wieder ein, was es eigentlich ist, das meine Zuneigung zu meinem Computer immer aufs Neue manifestiert. (Was an sich ziemlich bitter ist, aber gerade damals noch unvermeidbar war; jetzt sieht es ja schon wieder ganz anders aus.)
September 2012, als ich ohne Handyempfang, ohne Fluchtmöglichkeit, ohne Internet an diesem vor ironischer Schönheit nur so berstenden Punkt mitten im quasi unendlichen Nichts der catalonischen Küste festsaß, depressiv, suizidal wie nichts Gutes, aggressiv, abgewrackt, hilflos, am Ende, mit den zwei wohl wichtigsten Personen meines Lebens, beide nicht im Geringsten bei Verstand und eine von ihnen in einer Verfassung, die mich bezweifeln ließ, dass sie das neue Jahr noch mit wachem Geist erblicken würde, da war ich schon der Meinung, dass für so einen Internetzugang das Wort lebenswichtig gar nicht mal so unpassend ist. (Ich denke zu viel daran lately, soll mir das irgendetwas sagen? Hauptsache es kommt nicht wieder, Hauptsache es kommt nicht wieder.)

Ich hatte auch das Alleinsein verlernt. Man ist schon abhängig von der Technik, wenn man die Gewissheit braucht, immer verbunden zu sein. Damit einem jemand helfen kann, wenn sich gerade wieder alles verzerrt. Einfach durch Dasein. Wenn ein Klicken auf einen einzigen Button einen von Höllenqualen befreien kann. Wie viele tausend Male mich wohl jemand völlig unwissenderweise aus abartigen Zuständen gerettet hat. Diejenigen können es alle nicht ahnen; wahrscheinlich denken sie immer noch, um ein Leben zu retten, müsste man Unmögliches vollbringen.

Fing an, von Computern zu reden, und landete auf einmal bei der unbeschreiblichen Dankbarkeit Menschen gegenüber. So ist es halt. Die beiden sind verknüpft, so ist es wohl heutzutage. Für mich stecken Menschen in meinem Computer.

‚Til you Make it.

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So, genug gejammert; ich hatte einen wunderbaren Tag; neue Bekanntschaften können das ein oder andere Verlustgefühl kompensieren; ich rede mir ein, dass Nicht-Verstellen nicht von Schwäche zeugt, selbst wenn das durch das Nichtverstellen Mitgeteilte einen schwach wirken lässt; heute werden Pfannkuchen gemacht (Frustessen, von mir zumeist ohne Frust konsumiert, ist in seiner Wirkung nie zu verachten, solange man noch die Motivation aufbringt, es sich zuzubereiten; heute ein closer Call, aber ich werde gewinnen), morgen bekomme ich Dreads und übermorgen hole ich der Königin ihr Kind wahrscheinlich den Rest davon und komme außerdem wahrscheinlich wirklich mal aus der Stadt raus.