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A-a-ah, it’s easy.

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Da sagt er zu mir, „Du siehst so verloren aus.“ Und grummelt nach einer Pause noch etwas von wegen „…dass ich das auch mal merke“ hinterher; ich hab dazu nichts gesagt, weil ich in dem Moment wieder der Meinung war, es wäre nun wirklich nicht sein Problem, dass ich mich nicht in mein Zimmer traue, weil dort die Arbeit wartet, und nicht heraustraue, weil dort das Gewissen wartet, und also auf ewig unentschlossen im Türrahmen stehen muss und auf Inspiration warten, welche der Seiten nun besser zu ertragen ist.

„Wenn du da je rauskommst, erwarte ich Unterstützung von dir.“ – dachte ich, aber beschloss, es nicht laut auszusprechen, da die Aussicht, sich wieder mal acht Stunden mit genau dem Scheißjob auseinanderzusetzen, aus dem er zuerst einmal rauskommen soll – den er zwar selbst gewählt hat, der (zusammen mit all seinen Randerscheinungen) aber dadurch mit Sicherheit nicht leichter auszuhalten ist – allein schon genügt, um seine Laune in unterirdische Gefilde zu ziehen. Weder meine Verlorenheit noch meine Ansprüche auf Unterstützung und Aufmerksamkeit wären an der Stelle hilfreiche Aufbauer gewesen. Also stand ich unentschlossen im Türrahmen und überlegte nur, wie ungerecht es für mein Zimmer war, das zu meiner Linken so einladend mit warmem Licht und warmen Farben lockte, dass ich trotz all seiner Wärme so abscheuliche Hemmungen hatte, hineinzugehen.

Ich wählte trotzdem das Zimmer, nachdem R sich erstmal zum Arbeiten aufgemacht hatte; mit seinem Weggehen hatte mein hilfloses Herumhovern in der Küche vollends an Berechtigung verloren, den Garten hatte ich zuvor schon versorgt (sogar Ringelblumensamen zusammengesammelt und ins Haus gebracht; sie sind jetzt sicher bei ihren Artgenossen in der Tüte verstaut) und die Hinterlassenschaften meiner Frühstücks-French-Toast-Aktion nach bestem Wissen und Gewissen beseitigt.

Somit ist es nun an der Zeit, mich dem Unvermeidlichen zu stellen und wieder ein paar Minuten an meiner Recherche, meinem Brainstorming oder meiner Gliederung herumzuprotscheln, bis ich entweder einschlafe oder mich jegliche Motivation wieder verlässt – und vielleicht taucht ja Basti wieder auf, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mich wann immer es möglich ist zum Arbeiten zu zwingen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unendlich dankbar ich ihm bin; sollte ich dieses unmöglich zu Schaffende jemals schaffen, dann habe ich das einzig und allein ihm zu verdanken.

„Du bist meine A-A-A-A-A-ABF“, sagte er während meines Heulanfalls neulich, als ich ihm versuchte begreiflich zu machen, dass er mit dieser Hilfe, die er mir zukommen lässt, wesentlich mehr tut, als er eigentlich müsste. Und ich würde offenbar immer noch nicht verstehen, was ich für ihn gemacht hätte. Und dass, hätte ich ihn nicht darauf gebracht, hierherzuziehen, er vielleicht schon gar nicht mehr da wäre. Verbittert, wie ich war, dachte ich an die Reden dieser Art, die ich von R manchmal zu hören bekomme, und fragte mich, wieso er nicht auf die Idee kommt, an Bastis Stelle da zu sitzen, mich zu drücken und mir zu sagen, dass alles gut wird. Basti versuchte herauszufinden, was jetzt schon wieder los war, aber da ich unmöglich ihm sagen konnte, „das, was du hier machst, ist eigentlich die Aufgabe von R, und ich bin fertig, weil er unfähig ist, sie zu erfüllen, und ich würde gern wissen, ob ich eigentlich genauso bin und irgendwelche essentiellen Dinge übersehe, die ich ihm eigentlich schuldig bin, oder was es sonst ist, das ich anders machen könnte, damit er sich dafür interessiert, wenn mich etwas zu Tode stresst“, schob ich das Ganze einfach auf meine Unfähigkeit zu arbeiten, nahm mich zusammen und ließ mich aufbauen.

Ich bin mal wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich mir denke, „sobald ich wieder normal bin, muss ich das Gute, was mir hier widerfährt, doppelt und dreifach vergelten.“ Mit ein bisschen Disziplin kann ich es eigentlich bald genug schon wieder dorthin schaffen. Ich muss ja nur diese verdammte Arbeit hinter mich bringen und mir etwas Sinnvolles für meine Zukunft einfallen lassen, ignorieren, dass die Welt untergeht, und ein Gleichgewicht an Geben und Nehmen in meine Beziehung bringen. Das hört sich doch machbar an. Ich glaube, ich habe zumindest zeitweise meinen Optimismus zurückerlangt.

Irgendwie bin ich jetzt gut gelaunt. Das sollte ich ausnutzen, meine Zimmertür zumachen und anfangen zu arbeiten.

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Signs and miracles still happen. [Oder so.]

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Morphologie fällt aus.

Ich komme mir geringfügig betrogen vor.

Statt also meine grandiose Präsentation zu halten und mich damit zu brüsten, was ich innerhalb eines halben Tages alles geschafft habe mir an Halbwissen über die morphologische Konversion einzuverleiben, sitze ich nun vor der Uni auf einer Bank im Halbschatten, habe meinen ersten Thermoskannendeckel Kaffee verdrückt und erfreue mich am Baustellenlärm aus Richtung der N-Bib. Die letzte Vorlesung meines Semesters ist in anderthalb Stunden; bis dahin wird sich vermutlich an meinem Zustand jetzt nicht viel ändern.

Ich kann es nicht glauben. Zeit. Vielleicht sollte ich schonmal anfangen, das Term Paper zur Präsentation zu schreiben, solange das Halbwissen noch frisch ist.

Gesagt, getan. Ich kann es nicht glauben. Ich habe angefangen. Ich sitze hier und schreibe eine Seminararbeit, die sich allein durch ihre Bezeichnung von einer stinknormalen Hausarbeit unterscheidet, und ich schreibe sie einfach. Plank, ich liebe Sie allein dafür, dass Sie heute Morphologie haben ausfallen lassen und mir damit die Möglichkeit gegeben haben, diese einzigartige Erfahrung zu machen. Ich habe mit etwas angefangen. Ohne Zeitdruck, ohne alles. Draußen, vor der Uni, unter einem Baum. Es fühlt sich so nach Leben an.

Mich hat ein winziges, kugeliges Insekt gestochen, und es tut weh.

Ich mache weiter.

Edit: Ich habe weitergemacht, und dann habe ich mit Kepa geschrieben, der sich erstmals aus dem Baskenland gemeldet hat. Meine Kaffeekanne ist fast leer und meine Laune ist im Hyperbereich. Kepa und Kaffee sind immer eine gute Mischung. Was freu‘ ich mich nen Keks, dass es diesen Mensch gibt. Er ist so gestört wie intelligent und vereint überhaupt zahllose Eigenschaften, die ich bei mir selbst wiederfinde und die an ihm zu beobachten mir hilft, sie an mir selbst zu lieben. Er kennt mich, er mag mich, er macht mir verlässlich gute Laune und ich habe meinen Crush auf ihn vollständig überwunden. Was gibt es Besseres.

Oh, was bin ich glücklich.

Ich mache weiter.

Heftig.

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Habe mit Neuro angefangen. Habe meinem Körper zu viel Koffeein zugeführt. Bin Basti unendlich dankbar für seine Bereitschaft, mir beim Lernen zuzuhören. Werde Klausur so oder so failen, aber fühle mich jetzt schon besser, rein gewissenstechnisch.

Nachher wieder Elli um zwei Uhr. Werde um vier ihre gesamte GFS in vier Tagen geschrieben haben, inklusive Handout. Ich kann dir alles über Hermann Hesse und sein „Unterm Rad“ erzählen, das du nur wissen möchtest. Vermutlich sogar um einiges mehr.

Der Fluss hat die unglaublichste Farbe diese Woche. Diese in etwa. Unbeschreiblich. Ein ganzer Riesenfluss in dieser unfassbaren Farbe, satt und exotisch. Wenn man über die Fahrradbrücke fährt, riecht es nach Urlaub. Ich fühle mich jedes Mal aufs Neue überwältigt während der paar Sekunden.

Mein Basilikum ist vollständig pikiert; ich habe den Rest gestern Abend erledigt. Dann bin ich lernen gegangen. Nicht bevor ich eine Stunde lang sinnloserweise ein Webinar über neurolinguistisches Programmieren angehört hatte, sollte dazugesagt werden. Aber ich habe angefangen.

Es war wunderbar, vorgestern mit R und Basti Lasagne zu machen und diese anschließend mit seinem neuen Mitbewohner zu essen. Er ist Russe und hat uns beigebracht, wie man Vodka trinkt. (Einatmen, exen, ausatmen, an saurer Gurke riechen. Spread the word; es funktioniert.)

Kaffeeloch. Hektisch und kaputt zugleich. Aber keine Panik, immerhin.

My Fingernail Phase

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Natürlich hänge ich jetzt hier und muss The Used hören, während ich eigentlich sonstwas Sinnvolles tun könnte. Aber seit wann gehe ich in meinem Leben nach Sinnvoll und Sinnlos.

Überraschend gut geht’s mir heute. Okay, ich war nicht in der Uni, aber das ist mehr auf meine mittlerweile ins Unendliche wuchernde Faulheit als auf wirklich ernsthaft depressive Verstimmungen zurückzuführen. Soweit sich das unterscheiden lässt zumindest. Und es regnet nicht mehr. Meine Pflanzen sind versorgt, die gröbsten Überschwemmungen behoben.
Bei der Tafel war ich selbstredend vorhin, und dann bei Marie, wo wir (wie es mit ihr in letzter Zeit meistens der Fall ist) hochgradig erfüllende Gespräche führten, bis ich losfuhr. Auf dem Nachhauseweg begegnete ich Basti und Lisa, die sich selbst gerade zufällig getroffen hatten. Da ich vorher noch gegenüber von Maries Wohnung containern gewesen war, konnte ich Lisa eine Artischocke schenken. Ich habe selten erlebt, dass jemand über ein Lebensmittel so unendlich glücklich war. Ich bin immer noch gerührt.
Basti ging dann zu Bektaş, weil endlich der Benzinschlauch angekommen war, den er bestellt hatte, um dessen Auto zu reparieren. Ich bin unmotiviert und kann mich nicht dazu durchringen, irgendetwas Sinnvolles zu machen. Ich schaffe es nichtmal, meinen Samstag Nacht erstandenen Subwoofer auszuprobieren, den ich gestern schon in der Küche aufgestellt habe. Es ist so eine lange Kette an Dingen, die man dafür tun müsste. Ich habe bis heute noch nicht meine ganze Musik auf dem Ipod, da fängt’s ja schon an. Ich brauche Hilfe. Jemand muss hiersein und mir beim Arbeiten Gesellschaft leisten, wovon ich dann meine Produktivität abhängig machen kann, anders funktioniert es bei mir nicht. Ich bin müde und es ist grau draußen. R war übrigens wirklich nicht so entsetzt wie ich wegen seines WG-Zimmers. Er sucht einfach weiter. Wie’s aussieht, kann er die ganze Woche nicht runterkommen, was mir einiges an Zeit gibt, mich um Sachen zu kümmern, um die ich mich eigentlich permanent kümmern müsste. Uni zum Beispiel. (Wenn ich doch nur anfangen könnte.) Er kommt dann nächste Woche wieder. Mittlerweile fühlt er sich da oben so unwohl, dass er jede Gelegenheit nutzt, da rauszukommen, also kommt er einfach jedes Mal runter und ich muss gar nicht mehr hochfahren. Optimalstzustand eigentlich.

Gawd, wie gut es einfach ist. Imaginary Enemy war ein Flop, aber meine Güte, das passiert halt. Die Absicht war gut, was nichts daran ändert, dass das Album grottig ist, aber ich werde nicht anfangen, darüber ihre eigentliche Genialität zu vergessen.

Kapital fürs Geldlos-Leben (oder: So schonmal nicht.)

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Ich war gerade dabei, mit mir selbst zu reden. Also, eigentlich war ich dabei, mir eine Unterlage aus der Schublade zu holen, auf die ich die Lernzettel-to-be für Neurolinguistik legen kann, aber dabei redete ich mit mir selbst und es äußerte sich spontan ein erschreckender Gedanke zum Nach-Hinten-Verschieben meiner Selbstversorgerpläne und der Recherche, die ich dafür betreiben muss. (Das Beratungsgespräch mit meinen Eltern am Wochenende war unerwartet konstruktiv und angenehm distanziert und führte uns zu der Einsicht, dass wir Idioten sind, wenn wir annehmen, es innerhalb von fünf Jahren so weit zu bringen, dass wir unser Projekt finanzieren können.)

„Umso mehr Zeit habe ich. Ich muss nur trotzdem jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen. Ich kann nicht mehr einfach die ganze Zeit nichts tun. Momentan bin ich von Beruf Tochter.“

Das ist ja nun wirklich widerlich. Meine Mutter würde dazu jetzt wieder sagen, das wäre meiner momentanen Lebensphase auch vollkommen angemessen. Ich bin allerdings der Meinung, dass, wenn ich schon Geld scheffeln muss, um am Ende meine Vision zu realisieren, ich genausogut schonmal damit anfangen kann. Ich werde also mehr arbeiten. Mindestens die 450€ im Monat bei Travelcoup ausschöpfen, allermindestens. R informierte mich neulich, dass ich zweimal im Jahr sogar auf das Doppelte kommen darf, das war mir zum Beispiel überhaupt nicht bekannt.

Meine Ausbildung muss ich dann jetzt auch zum ersten Mal im Leben danach ausrichten, dass sie mich für einen Beruf qualifiziert, der mir Geld einbringt. Literarische Übersetzerin sollte ich demnach zu werden nicht anstreben, wenn ich mein Grundstück noch in diesem Leben erwerben möchte.

Schrieb’s und driftete erstmal eine halbe Stunde in die Tiefen des Internets ab, um sich über so abschreckende Dinge wie Translatologie in Leipzig oder Fachübersetzen und mehrsprachige Kommunikation in Würzburg zu informieren. Es ist doch zu absurd, was sich da schon wieder für eine Fülle an Möglichkeiten auftut. Aber mir gefällt schon wieder beides. Leipzig wegen der Stadt – ich war bisher genau ein Mal da, für eine halbe Stunde in etwa, aber es hat einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht. R wäre begeistert und würde mir vermutlich den Hals umdrehen, aber was kann ich dafür, dass seine Eltern einen Steinwurf weit von Leipzig weg wohnen und er am liebsten seine sächsische Herkunft für immer verdrängen würde. Und in Würzburg lernt man nicht nur eine dritte Fremdsprache während des Masterstudiums, sondern hat zusätzlich Seminare zur Fremdsprachendidaktik, was meinen Neigungen sehr entgegenkommt.

Eieieieiei, was für ein furchtbares Dasein. Da werde ich auch nicht wirklich das Monstervermögen anhäufen, da kann ich mir die Seele aus dem Leib übersetzen und werde trotzdem nicht genug verdienen. Verdammt, ich bin einfach nicht der richtige Mensch zum Geldanhäufen. Wenn erstmal welches reinkäme, hätte ich kein Problem mehr. (Wenn ich nur alles so gut könnte wie sparen.) Aber das ist es nicht, ich bekomme erst gar keins. Scheiße, wieso braucht man denn aber auch so verdammt viel Geld, um am Ende geldlos zu leben.

Foltermethoden, Linguistik und lichte Momente.

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„To Janet and Eun-Sook“.

Ich überlegte flüchtig, während ich mich in meiner Position auf den Gartenkissen noch einmal zurechtrückte, so, wie es Dari damals immer gemacht hat, wenn sie zu mir kuscheln kam, was für ein erhebendes Gefühl es sein muss, wenn einem ein Einführungsbuch in die Morphologie gewidmet wird. Und ob ich es lieber hätte, dass man mir ein Buch dieses Kalibers widmet oder vielleicht lieber gar keins.
Andererseits, zer dakit nik, es können ja Janet und Eun-Sook genausogut begeisterte Linguistiknerds sein, die nichts lieber lesen als ihre Namen an vorderster Stelle dieses Einführungsbuches in die Morphologie.
Oder aber der Autor ist mit Janet und Eun-Sook bis aufs Blut verfeindet und hat die beiden im Zuge eines genialen Geistesblitzes für alle Ewigkeit in diesem hocheffektiven Folterinstrument eingesperrt. Oder so.

Eigentlich habe ich das Buch nur mit rausgenommen, um zu vermeiden, dass mein Gewissen mir Probleme macht. Es war heute der erste heiße Sonnentag seit über einer Woche, und ich hätte es niemals übers Herz gebracht, ihn nicht zumindest teilweise weg vom Computer im Garten arbeitend zuzubringen (und somit fern von allem, was mir für meine Bachelorarbeit wirklich von Nutzen ist, sofern man einen Vorrat an Wärme, Licht und Frischluft sowie einen Grundstock an guter Laune nicht als elementare Notwendigkeit ansieht).

Es ist magisch da draußen, und ich bin mittlerweile mit meinem langsam erwachenden, sich Stück für Stück von den Fesseln meiner Matrix befreienden Denken an einem Punkt angelangt, an dem ich es mir selbst gegenüber kaum noch vertreten kann, auch nur einen weiteren Gedanken auf das zu verwenden, was man allgemeinhin als berufliche Qualifikation bezeichnet. Abschluss. Uni. Matrix.

Ich habe heute über Zäune nachgedacht. Wieder ein lichter Moment, einer von der Sorte, die einen bei auch nur ansatzweise gehäufterem Auftreten maßlos überfordern würden. Meine werden seit geraumer Zeit häufiger. Irgendwo machen mir die Momente Angst. Wenn du die alltäglichsten Dinge mit einem Mal nicht mehr verstehst, so, wie es mir heute mit den Zäunen ging. Ich habe mir auf einmal die Welt ohne Zäune vorgestellt. Zäune, Mauern, Barrieren jeglicher Art. Dann fiel mir ein, dass es vermutlich gesetzlich vorgeschrieben ist, sein Grundstück einzuzäunen. Jetzt komme ich nicht mehr umhin, die schlichte Abstrusität des Konzeptes Zaun auf alles an menschlichen Eigenschaften auszuweiten, denen die Zustände, in denen wir leben (und die wir größtenteils für viel zu selbstverständlich erachten, um überhaupt nur auf die Idee zu kommen, sie in Frage zu stellen), zu verdanken sind. Ich hoffe einfach, dass ich nicht vollends verrückt werde, je mehr Löcher sich in der Matrix auftun.

Ich habe außerdem angefangen, für meine BA zu recherchieren, denn ich möchte es wenigstens versuchen.

Ja, is‘ ja gut, du Tutti.

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Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass sich meine Schlafgewohnheiten nach langer Zeit wieder einmal dem eigentlich der vorlesungsfreien Zeit vorbehaltenen Vampirrhythmus annähern. Damnit, wieso jetzt?

Telefonat mit R vorhin ergab überraschendsterweise, dass ich eventuell doch die Möglichkeit nicht ganz außer Acht lassen sollte, ihn zumindest hypothetisch in Bastis und meine Selbstversorgerpläne mit einzubeziehen. Irgendwie war ich immer davon ausgegangen, dass er (der Tatsache zum Trotz, dass er mit seiner vermutlich nach R-Art nicht sehr gründlich durchdachten Bemerkung „Wenn wir Internet hätten, könnte ich mir mit dir Selbstversorger vorstellen“ mir gegenüber das Ganze überhaupt erst ins Rollen gebracht hat) so ziemlich der letzte Mensch der Welt wäre, mit dem ich in dieser Sache hätte rechnen können. Womit ich einmal mehr seine Bereitschaft, sich nach mir auszurichten, aus Selbstschutzgründen massiv unterschätzt hätte.

Heute Nachmittag arbeite ich. Heute Vormittag schlafe ich. Irgendwann muss ich anfangen, für die Uni zu arbeiten. Irgendwann.. bald. Dienstag gehe ich zu Plank in die Sprechstunde. (Bachelorarbeit bei Plank, wie abstrus wird dieses Leben eigentlich noch.) Mittwoch arbeite ich. Dann sollte ich anfangen. Anfangen. Anfangen.

Ich hoffe, ich schaffe es.

Anfangen wollen wollen (aber es einfach nicht können) und merkwürdige Einflüsse auf anderer Leute Leben.

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Oh je. Ich weiß mal wieder nicht, wo ich anfangen soll, und fange demzufolge mal wieder einfach gar nicht an.

Es gibt eigentlich genau drei Dinge zur Auswahl, mit denen ich demnächst anfangen sollte: 1) Mir Anziehsachen raussuchen und mich im Bad fertig machen, 2) Gians Website übersetzen und 3) Syntax-Hausaufgaben machen. Mir bleibt momentan noch eine Stunde und ein paar Zerquetschte, bis ich zu Sofie losmuss. Nachher in die Uni zu Maialens Kurs und danach wieder nach Hause. Zeit. Wenn auch zu wenig.

Ich habe eben nochmal mit Sebastiaan geskypet, über den genauer zu berichten mir bisher irgendwie immer durch die Lappen gegangen ist – mein Luxemburger Bahnhofsbekannter (sogar vom hellichten Tage), der mir seinerzeit einen Gig in Luxemburg besorgen wollte und vor Kurzem spontan überlegt hat, hierherzuziehen. Er wurde aus wirtschaftlichen Gründen von seinem Betrieb gedownsized und will sich hier ein besseres Leben aufbauen – und das Ganze hat sich allein daraus entwickelt, dass ich spaßeshalber sagte, er könnte herkommen und meine nicht mehr vorhandene Band managen. Nun hat er gestern seiner Freundin erzählt, dass er wegzieht, woraufhin sie postwendend Schluss gemacht hat – lieb, oder? – und mich gefragt, ob ich irgendwie herausfinden könnte, ob man sich überhaupt ohne Arbeit hier in der Stadt anmelden kann. Das ist natürlich eine gute Frage und ich muss mich demnächst mal drum kümmern, das herauszufinden.

Er ist ein lustiger Mensch. Nicht wirklich im Sinne von „amüsant“, sondern einfach interessant. Er interessiert sich für Sprachen, Musik und alles mögliche Andere, ist einer dysfunktionalen Familie entflohen, legt als zur Zeit einzige Geldeinnahmequelle ab und an mit einem DJ in Clubs auf, hat mein Facebook-Profil so gründlich gestalkt, dass er sich vorhin flüssig mit mir über Foodsharing unterhalten konnte (und hat sogar, upon learning about the concept, mit dem stellvertretenden Geschäftsführer eines Luxemburger Supermarktes gesprochen, natürlich ohne Erfolg, aber oh mein Gowai, welch ein Engagement!) und freut sich unheimlich, dass ich ihm beim Umsiedeln zu helfen versuche. Es ist doch unfassbar eigentlich, wie er einfach mal herzieht, einfach weil er mich hier kennt. Ohne mich überhaupt wirklich zu kennen – ist ja nicht so, als hätten wir damals länger als eine Stunde zusammen verbracht. Er verlässt sich trotzdem aus irgendeinem Grund auf mich. Ich fühle mich höchstgradig geehrt und versuche natürlich, ihm zu helfen, so gut es geht. Er meint, in Luxemburg seien die Menschen nicht so – dass dort jeder jedem am Arsch vorbeigeht und sie alle nur mit sich selbst beschäftigt sind, dass man kein bisschen anders sein darf als sie alle, um als vollwertiger Teil der Gesellschaft anerkannt zu werden. Und dass die meisten Menschen ihm dort auch merkwürdig finden. Wahrscheinlich, tippe ich einfach mal, weil er auch überhaupt nicht so ist, wie er sie beschreibt.

Nunja, so viel dazu. Ich hab‘ ihm angeboten, fürs Erste auch bei mir unterzukommen, wenn er keine Wohnung findet. Ab Februar bin ich ja eh erstmal weg, dann kann er sich hier für den Monat ruhig einquartieren. Ich seh‘ nicht ein, warum man Leuten, die einem wie gute Menschen vorkommen, nicht einfach mal helfen soll.

Siehst du, jetzt hab‘ ich immer noch nicht angefangen. Mit gar nichts. Das ist doch nicht zu fassen.
Ich hätte so gern Schokolade. Oder Chips. Oder Zeit, einfach gemütlich einen Film zu gucken. Oder was Tolles zu Essen zu machen. Ach du Scheiße, ich muss ja heute Abend auch noch containern gehen, irgendwas muss ich den Euskera-Menschen morgen doch vorsetzen.

Borondate, borondate, azal zaitez.

Surviving Simultánea – Pt.2

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Nicht ganz so erfolgreich diesmal, aber immerhin – überlebt ist es.
Ich saß durstig, benebelt und schlafmangelgeplagt in meiner Kabine, mein Wasser stand einsam und verlassen in meinem Zimmer, mein Energy Drink stand fertig aufgelöst zu Hause auf dem Küchentisch, wo ich ihn vergessen hatte zu trinken, und in der Kabine gegenüber hatte, direkt nachdem der Diskurs anfing, jemand Probleme mit ihrem Mikro, was sie dazu veranlasste, wild in Richtung Dozentin gestikulierend meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – die ganzen sechs Minuten lang kam ich nicht ordentlich in einen vernünftigen Redefluss, mir fielen auf einmal die einfachsten Wörter nicht mehr ein und ich sah mich permanent dem fast nicht zu bändigenden Bedürfnis meines Hirnes ausgesetzt, sich ohne Erlaubnis in den Ruhezustand zu begeben.
Ich habe ja immer schon gewusst, dass Dolmetschen nichts für Monotasker ist, und es dafür immer noch erstaunlich gut hinbekommen, bis sich heute in Form dieser Ablenkung das Volumen der zu bewältigenden Aufmerksamkeitsteilung über seine engen Grenzen hinaus ausgeweitet und mir endgültig den Rest gegeben hat. Sechzig Prozent meiner Simultánea-Note soll diese Tragödie jetzt ausmachen. Dafür habe ich mich das ganze Cuatrimestre lang durch unendliche Diskurse gedolmetscht?

Zu Hause angekommen habe ich ein paar Stunden in der Küche verbracht, meine Lebensgeister mit Danis ekliger, da wässriger und ungewürzter Suppe wiederzubeleben versucht und mich an die Produktion von Kichererbsenpüree gemacht, um heute Abend leckere frittierte Bällchen zum Essen zu haben, und Yuca vorbereitet, um auch sie heute Abend nur noch ein paar Minuten frittieren zu müssen. Gleich werde ich meine Präsentation für Euskera vorbereiten; morgen ist mein letzter regulärer Uni-Tag im Baskenland und ich würde ihn ungern als den Tag in Erinnerung behalten, an dem ich den (manche mehr, manche weniger) geschätzten Kommilitonen und Inés, der lieben Dozentin, nichts über meine wunderschöne Heimatstadt, in die ich bald das Privileg habe zurückzukehren, erzählt habe. Ich hatte vor Tagen schon versucht, damit anzufangen, aber wie das so ist, ohne Zeitdruck geht einfach nichts. Und es war einer der Tage, an dem sich diverse Programme auf diesem Computer einfach dazu entschlossen hatten, mich durch regelmäßiges Aufhängen völlig zu demotivieren.

Baina orain bahasiko naiz.

A última hora

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Prokrastination. Schonmal was von gehört? Ein paar Auserwählte soll es ja geben, die damit keinerlei Probleme haben. Angeblich.
Meine aufschieberischen Tendenzen werden (schwer vorstell-, aber machbar – offensichtlich) immer noch schlimmer. Mittlerweile ist es mir nicht mehr möglich, mit einer Arbeit vor dem letztmöglichen Zeitpunkt anzufangen. Ich tue alles, um nicht arbeiten zu müssen. Ich starre meinetwegen sinnlos auf den Bildschirm und klicke immer wieder stupide auf die gleichen paar Websites, auf der Suche nach Ablenkung. Zu unruhig, um irgendwas auf die Reihe zu bekommen, aber die Arbeit kann nicht gemacht werden, es ist noch zu viel Zeit.

Ich rede mit schlechtem Gewissen mit Leuten bei Skype. Ich schreibe mit schlechtem Gewissen mit Leuten bei Facebook. Ich schreibe mit schlechtem Gewissen Blogeinträge übers Nichtanfangenkönnen. Ich werde wieder zu spät ins Bett kommen, weil die Übersetzung, die ich machen muss, erfordert, dass ich auf eine Webseite zugreife, für deren Zugangsdaten ich in meine Agenda gucken müsste, welche aus der Tasche zu holen mir momentan nicht.. Moment.

Ich habe sie. Wenn du ahnen könntest, was das gerade für eine Errungenschaft war.

Und jetzt ist sie aufgeschlagen – auf der richtigen Seite.

Und jetzt ist die Website aufgerufen.

Das Dokument heruntergeladen.

Ich kann anfangen zu arbeiten. Wie habe ich das jetzt auf einmal geschafft? Schreiben, du Allheilmittel.

Bei solchen Gelegenheiten hilft auch oft das AG. Geduldigster Zuhörer – und auch wenn es im Endeffekt ich selbst bin, der ich mitteile, dass ich.. sei es.. nicht aufstehen, nicht einschlafen, nicht anfangen kann – sobald es festgehalten wird, komme ich mir damit weniger alleine vor, und wie es aussieht, ist es genau das, was mir hilft.

So viel dazu. Ich gehe meine Übersetzung anfertigen. Und dann habe ich noch eine Mail zu schreiben, was ich hoffentlich hinbekomme, ohne dafür einen eigenen Eintrag verfassen zu müssen.

Ondo lan egin.