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When unbelievabilities accumulate…

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Ach, das ist doch alles weird. Mein Leben war so ruhig in der letzten Zeit. Jetzt kommt zwischen dem Trudi-Drama (sie weigert sich beharrlich, mich anzurufen, und zahlt den Strom vermutlich am Sanktnimmerleinstag, sodass der Verwalter und ich sie jetzt augenscheinlich in Gemeinschaftsarbeit mit rechtlichen Maßnahmen aus der Wohnung befördern müssen) noch eine Turbulenz dazu, allerdings in die andere Richtung: Eine positive Nachricht.

Eine sehr positive, wenn man bedenkt, dass es das Letzte ist, mit dem ich gerechnet hätte. Da gehe ich vorhin nichtsahnend und grottig gestimmt in mein Unimailkonto, um Trudi die vom Verwalter geforderte Vorlage für ihre Kündigung zu schicken, als mir auf einmal eine Mail vom Plank ins Auge sticht – er hat mir die Bewertung und das Ergebnis meiner Bachelorarbeit geschickt. 1,3. Eins drei, ich habe meine Bachelorarbeit mit eins drei bestanden. Und wie ich gelobt wurde. Der Mann ist eine Koryphäe, der ich selbst dann noch Respekt entgegengebracht hätte, hätte er meine Thesis wie eigentlich erwartet in der Luft zerrissen. Stattdessen schreibt er mir „Weiter so“ – er, der Meister der Ein-Wort-E-Mails. Das bedeutet mir unendlich viel mehr, als hätte ich diese Anerkennung von einem anspruchslosen bzw. weniger rigoros bewertenden Dozenten erhalten.

Heute Abend gehe ich zu meinen Eltern; R hat zwar ob der Nachricht meines bestandenen BAs sogar angeboten, seine Contrast-Schicht zu canceln, um mit mir zu feiern, aber das holen wir dann morgen nach. Oh, du hast ja keine Ahnung, wie mir dieser Mensch gerade hilft. So hatte ich mir das vorgestellt, damals, als ich noch kaum Vertrauen hatte. Als das Nervenbündel, das ich gerade nunmal bin, habe ich ihm mitten in der Nacht gestern noch ein Drama geliefert, was dann in der Offenbarung meiner letzten verbleibenden großen Angst endete, er würde mich irgendwann der Politik opfern. (You know something’s wrong when the first verse of Frank Turner’s „Substitute“ is an exact projection of what you suspect to know will happen at one point or another.) Irgendwie habe ich das Gefühl, er wird immer lieber zu mir, je mehr ich ihm mich zu verstehen gebe. Oh, welch eine Lebensaufgabe. Aber auch da habe ich gestern wieder ein riesiges Stück geschafft. Ich glaube, es ist inzwischen nicht einmal mehr sehr viel übrig.

Und Kepa, wohl meine wertvollste Connection in (unter vielen anderen) dieser Hinsicht, begutachtet momentan meinen Mietvertrag. Und der Verwalter ist so ein guter Mensch. Ich liebe meine Menschen.

"Vielleicht, wenn ich morgen schnell durchkomme."

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Also, mein Wochenende war super (wenn auch etwas anstrengend), und die Woche davor ebenso. Mehr schön als anstrengend.

Ich bin trotzdem mal wieder kurz vorm Durchdrehen. R bekommt das Zimmer nicht, das er in Aussicht hatte, und in Anbetracht seiner Lage (und der so vielversprechenden Aussicht) geht mir das gerade wahrscheinlich bald näher als ihm selbst. Wobei, natürlich nicht, höchstens auf eine andere, weniger agg- und mehr depressive Art. Weiterhin wurde ich heute sogar von Seiten meiner Mutter darauf hingewiesen, dass die Konstellation Basti-Aspi-R leicht skurrile Züge an sich hat, und da ich mir dessen natürlich vorher schon bestens bewusst war, sorgte das einfach nur dafür, dass ich mich jetzt noch mehr gedanklich um das Thema wickele und mir aber keine wirklich gute Weise einfällt, diesen Konfliktherd auszuschalten. Es gibt ja momentan gar keinen Konflikt. Der Konflikt ist in meinem Kopf.

So wie der Konflikt, der sich daraus ergab, dass ich einmal schnell wieder vergessen hatte, dass die Transparenz bei aller Liebe, die ich ihr entgegenbringe, auch ihre bösartigen Tücken hat. Nachdem sich Caro von meinen Kommunikationsabsichten gegenüber der Sackratte als noch weitaus weniger als „not amused“ erwies, war ich eben schon der Annahme, gerade wegen des gleichen Vollzeitarschs zum zweiten Mal in meinem Leben einen Kontaktabbruch seitens meiner besten Freundin provoziert zu haben; unangenehm war’s. Der Machtstatus meiner Paranoia ist unverändert. Macht mich wieder mal nachdenklich, weil ich mir so überhaupt nicht sicher sein kann, was an meiner Wahrnehmung überhaupt Realität ist und wie viel Prozent ein Produkt meiner Einbildung.

Also schon wieder so ein Anflug. So spiralisiert man sich in Grund und Boden. Snapping out of my usual self, I’m once again becoming – albeit temporarily – the familiar unstable creature, weary and untrusting, convinced of my complete and utter failiure as a human being. Das geht rasend schnell, a matter of mere minutes, ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt. Ich merke, dass es da ist, allerspätestens an den Vorwürfen, die ich mir mache, wenn ich anfange, mich zu beklagen. Ich habe mir schon Vorwürfe gemacht, da hatte ich nichtmal angefangen zu tippen, „erbärmlich und selbstmitleidig“ being the main expressions used. Daran erkenne ich ohne jeden Zweifel, dass der Zustand wieder zugeschlagen hat und meiner Wahrnehmung in keinster Weise zu trauen ist.

Passt; geht vorbei. Grad rief mich R an; es beruhigt, seinem Monolog über seine Arbeit mit einem halben Ohr zuzuhören, während ich tippe. Ein paar Minuten werd‘ ich noch haben bis zum obligatorischen, auf den ersten Redeschwall folgenden „Und bei dir?“

Nicht wirklich. Ich sollte mal aufhören zu tippen.

Menschen, oh, Menschen.

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Basti sagt, Bektaş würde R nicht mögen, was schade wäre, weil ich Bektaş mag und R aber auch, weil nämlich R ein ganz über alle Maßen wunderbarer Mensch ist, den man mögen sollte. Natürlich ist mir klar, dass es nicht das Einfachste der Welt ist, R zu mögen, aber man sollte es zumindest einmal versucht haben.

Ich hab‘ ihm „ich liebe dich“ gesagt, irgendwann zwischen Donnerstag und Freitag gegen halb fünf, als er vom Contrast zurückkam, beziehungsweise von Emma, beziehungsweise vom Asylbewerberheim, weil ein Asylbewerber angeblich von einem Nazi auf die Fresse bekommen hatte und natürlich, R’s Leben eben, er irgendwie darin verwickelt worden war und am Ende eben um vier Uhr zurückkam, benebelt ohne Ende und mit einem monstermäßig schlechten Gewissen, dass es so spät geworden war. Das ist deshalb von Bedeutung, weil es tatsächlich das erste Mal war, dass ich es geschafft habe, diese Äußerung einem Menschen gegenüber zu machen. Andererseits, weil ich es in dem Moment, Selbstschutz hin oder her, wirklich so meinte. Wie dankbar ich dafür bin, dass ich diese Dimension des Lebens noch wachen Auges erblicken darf.

Nunja, wach ist relativ. Ich koche gerade noch Spargel ein, weshalb ich frühestens in acht Minuten das Licht ausmachen und schlafen kann, aber glaub mir, ich würde schon jetzt nichts lieber tun. Basti hängt da unten auf dem Boden an seinem Handy. Vorhin habe ich mit Simone geredet, was unglaublich guttat. Basti hat Wein geschenkt bekommen und mich, während Simone und ich am Reden waren, zuverlässig mit Nachschub providet. Und meine Gemütslage hat sich während des Wochenendes zunehmend erholt und ist wieder stabil, zum Glück auch. So schnell kann ich doch nicht den Ánimo verlieren, ezinezkoa da. Die belgische Sarah hat mir mit so erstaunlichen wie erfreulichen Berichten in Erinnerung gerufen, warum die Zeit mit ihr und Susmita eine meiner besten Erfahrungen war, die ich in dieser Stadt das Glück hatte machen zu dürfen. Und mein Spargel ist in drei Minuten fertig, was ziemlich gut ist, denn ich bin komatös und will einfach nur schlafen. Ade.

Zombiehirn auf Toast. Nein, warte, auf Pause.

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Fuck, was soll das nur werden. Vier Stunden Schlaf vor mir und um 8.15 ein Seminar, das zu schwänzen oder in dem den dringendst benötigten Schlaf nachzuholen so verlockend wie selbstmörderisch wäre, wenn man bedenkt, dass es Morphologie II ist und ich mir eventuell Mühe geben sollte, dem Plank nicht so ganz sofort als hochgradig inkompetent und dazu noch faul ins Auge zu springen. Auch wenn es leider genau den Tatsachen entspricht.

R hielt mir vor ein paar Stunden in der Absicht, zu helfen, einen seiner halbstündigen Monologe über auf seinem eigenen Erfahrungsschatz in der Sache aufbauende Überlebensstrategien in Planks Morph-II-Kurs, die leider allesamt zumindest zu gewichtigen Teilen auf der Annahme beruhen, der zu überleben Versuchende habe irgendetwas an fachlicher Kompetenz vorzuweisen. Ich bin ja nun mit seiner Redegewalt bestens vertraut, konnte aber nicht umhin, mich trotzdem davon geringfügig frustrieren zu lassen. Er, der Abbrecher von uns beiden. Hält mir linguistisch fundierte Vorträge, für die ihn diverse Unis vermutlich bezahlen würden. Effizienter konnte er mir kaum seine eigene hochhaushohe Überlegenheit darlegen, und das in Bezug auf Linguistik im Allgemeinen, Morphologie im Speziellen, Unierfahrung und selbst noch Eloquenz und Rhetorik. Seine Steckenpferddisziplinen nannte er Syntax und Morphologie, diejenigen, die ihn an seinem Studium wenigstens ein bisschen interessiert hätten.

Das Ganze endete irgendwann abrupt mit dem Ausruf „Bier!“, den ich daraufhin, als ich tatsächlich mal wieder zu Wort kam, als das Motivierendste klassifizierte, das er innerhalb der letzten Dreiviertelstunde von sich gegeben hatte. Er hatte dann ein schlechtes Gewissen. Dabei wollte er eigentlich nur helfen. Leider auf eine Art, die mir meine Unfähigkeit nur nochmal deutlicher vor Augen führte. Er kann ja aber auch nicht ahnen, wie unfähig ich bin, wenn es um wissenschaftliches Arbeiten geht. Pfui Teufel; es graust mir davor so sehr, dass ich mich immer mal wieder frage, was genau ich nochmal auf der Uni eigentlich zu suchen habe. Ich weiß es ja selbst. Ich gehöre in eine Selbstversorgerkommune, nicht auf eine verfickte Uni.

Aber gut, was will man machen.

Man könnte damit anfangen, das überschlafmangelte Zombiehirn für ein paar Stündchen auf Pause zu schalten.

Darf ich dich behalten?

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Ich hab‘ dann heute einfach mal mit einem Nicken geantwortet, statt wie zuvor mit verbalen Ausflüchten à la „ich würd‘ gerne behalten werden“. Nachdem ich offenbar nach wie vor unfähig bin, eine Verbindung zwischen meiner Innenwelt und hörbar geäußerten Worten herzustellen – danke auch, zu gut funktionierende unfreiwillige Selbstschutzfunktion – gebe ich mir umso mehr Mühe, das, was ich nicht sagen kann, auf jede erdenkliche andere Art zu demonstrieren. Vielleicht haben diese Aussagen von ihm – „wie bin ich nochmal an den liebsten Mensch der Welt gekommen?“ – auch darin ihren Ursprung. Er kann reden. Wenigstens einer von uns. Wie sagt er so schön (und ich will nicht wissen, seit wie vielen Jahrzehnten zu wie vielen Menschen, aber am Ende waren es vermutlich doch weniger, als ich mir denke) – kennst du das, wenn du dein Glück berühren, aber nicht fassen kannst?

Er wäre nicht unsicher, würde er den Unterschied feststellen zwischen dem, was ich tue, und dem, was ich normalerweise inclined wäre zu tun. Er hat nicht die Spur einer Ahnung, was für eine riesige Diskrepanz besteht zwischen dem, was ich inclined bin zu tun, und dem, was mich der immense Grad an Zuneigung, die ich ihm mittlerweile entgegenbringe, letztendlich zu tun befähigt. Jeder Mensch, der mich kennt, müsste mich nur drei Minuten lang in seiner Gegenwart beobachten und könnte ihm aus vollster Überzeugung versichern, dass dieses Verhalten durch nichts erklärbar ist außer ebenjenem Zustand vollkommener geistiger Verwirrung.

Ich höre Bueltatzen auf Repeat, seit nunmehr schon fast einer Stunde.
Ich weiß, ich weiß. Aber egal, was das am Ende für Dramen mit sich bringt; wer weiß, wann sich mir das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, jemandem Bueltatzen an den Hals zu dichten.

Das ist doch unmöglich. Jemand liebt mich, und ich glaube es auch noch. Natürlich glaube ich nicht, dass das lange so bleibt, geschweige denn ein schmerz- und zerstörungsfreies Ende nimmt, aber jemand liebt mich jetzt gerade, und ich liebe ihn zurück. Wie absurd ist das bitte. Ich hatte mit der Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, ehrlich gesagt in diesem Leben nicht mehr gerechnet.

Jetzt macht der Luxmensch wieder Probleme. Argh. Argh. Argh. Würde ich nicht so unbedingt wollen, dass er R’s Wohnung bekommt, wäre mir das ja alles egal, aber er MUSS es irgendwie heute hierher schaffen. Boah Mensch.. was für ein Chaos. Nebenbei erwähnt – ich habe noch nichts gepackt. Nichts. Und morgen bin ich weg. Theoretisch. Das wird ja mal lustig.

Feuerwerk (aber irgendwie mehr Autounfall).

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[Fast hätte ich es vergessen. Trotz der relativen Sicherheit, dass dieser Absatz überflüssig ist wie ein Kropf, besser Vorsicht als Nachsicht – Kepatto, ich würd‘ dich bitten, diesen Eintrag zu überspringen. Ich bin zu übermüdet für die Welt und werde jetzt von dem mir deinerseits eingeräumten Recht Gebrauch machen, über dich zu lästern. Oder so.]

Ich hab‘ vorhin also Folgendes erfahren: Ich bin ein Feuerwerk. Und ein Autounfall. Und irgendwann in einer fernen Vergangenheit ist jemand regelmäßig im Angesicht meiner Art zu sein und zu leben erstarrt. Und er hat aber akzeptiert, dass ich ihn „wegwerfe“. Die Person, von der verlassen zu werden er nicht einfach akzeptiert, die wird er lieben.

Wie genau Caro auf einmal dazu kam, den Blog des Ukumenschen zu stalken, habe ich schon jetzt wieder verdrängt. Aber dass sie es getan hat, hat mir zu Wissen verholfen, das ich vermutlich sonst im Leben nicht bekommen hätte.

Ich bin wirklich sehr anders als sie. Ich hätte es nicht in dreitausend Jahren ausgehalten, seinen Blog weiterzulesen. Ich hab‘ nach dem 15. Dezember nicht ein Mal mehr draufgeguckt, nicht ein Mal. Doch, ein Mal. Irgendwann später, zufällig. Es ging, soweit ich mich erinnere, um jemanden, von der verlassen zu werden er augenscheinlich schon ohne das tatsächliche Eintreten besagten Szenarios weniger kampflos akzeptiert hätte.

Es ist eigentlich ganz lustig, weil es genau das war, was ich unbewusst wohl verstanden habe damals. Weshalb es so furchtbar war, dass er es einfach akzeptiert hat. „Mit fallengelassenen Waffen“, und irgendwas von einer roten Linie labernd, die ich überschritten hätte. Ich hätte so gern gehabt, dass er es nicht einfach akzeptiert. Ich scheine aber eben wohl doch mehr Autounfall gewesen zu sein als Feuerwerk. Was wohl nicht gereicht hat – ich bin bis heute ratlos. Und ich war es immer, immer, wenn ich anfing, darüber nachzudenken, wie man jemanden so faszinieren und ihm gleichzeitig nicht den leisesten Anflug von Gegenwehr wertsein kann, wenn man ihn wegwirft. Oder in meinem Fall, mit einem Hechtsprung der verzweifelten Sorte sich selbst aus der Schusslinie wirft, aus seiner nämlich.

Gut gemacht, wirklich. Weil es noch nicht reicht, dass mir jemand, der sich selbst nichtmal ein Zehntel des ukumenschlichen Zerstörungspotenzials auch nur zutraut (und mir einst sagte, er sei ukulelisch gesehen ein Vollspaten), die widersprüchlichsten aller Signale gibt und sich dabei als so vollkommen unerwartet fähig erweist, einen im Saft der eigenen Spekulationen schmoren zu lassen.. muss sich natürlich auch noch die sorgfältig verdrängte Enttäuschung über das kampflose Aufgeben dieses unergründlichen Menschen wieder melden. Warum hätte er nicht vorschlagen können, dran zu arbeiten. Warum war ich das schon wieder nicht wert. So viel Arbeit, wie ich jede Sekunde meines wachen Lebens aufbringe, so wenig davon scheine ich dem Rest der Welt wert zu sein. So ein Feuerwerk bin ich dann nämlich doch nicht. Vielleicht bin ich einfach zu unspektakulär. An ein Feuerwerk stellt man ja schon wieder ganz andere Ansprüche als an so ein kleines Leuchtchen. Ich wäre zufriedener damit gewesen, ein kleines Leuchtchen zu sein, so wie ich es annahm. So versage ich schon wieder dabei, irgendwelchen unrealistischen Erwartungen und Ansprüchen nachzukommen, von denen ich nicht einmal eine Idee habe, wie sie überhaupt entstanden sind.

Das ist nun bei Weitem das Nächste, das ich an übermäßig selbstmitleidige Attacken bzw. dementsprechende Einträge seit gefühlten Ewigkeiten herankomme – wen wundert’s, es ist der Ukumensch involviert; offenbar hat er seine so charakteristische Wirkung bis heute nicht verloren.

Ukumensch, was hätte ich denn anders machen können.

Kepa, willst du mir nicht vielleicht einfach mal mitteilen, ob ich mit dir auf das nächste Disaster der gleichen Art zusteuere, ob sich am Ende rausstellt, ja nee, du bist schon ganz in Ordnung, aber so in Ordnung dann doch wieder nicht – ich brauch‘ deine Zuneigung nicht, auch wenn ich ab und an so tue, als brächte ich dir selbst welche entgegen. Um alles in der Welt, dann lass es doch einfach gut sein. Was ist daran denn besser als vorher, als wenigstens niemandes Seelenheil auf dem Spiel stand. Ich hab‘ so eine Angst. Wenn er kein Problem damit hatte, es mit Sarah abzuziehen, wird es.. Hör auf. Was ist denn in dich gefahren. Jammern kannst du, wenn es soweit ist. Himmels Willen.

Meine Güte, ist das furchtbar.

Leben üben / The Vulnerability Problem

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Irgendwie habe ich die abstruse Angst, dass.. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich schreiben soll; ich habe so viele abstruse Ängste. So abstrus sogar, dass ich ein paar Sekunden, nachdem ich hier anfing zu schreiben, schon wieder beschlossen habe, dass man das gar nicht erst laut ausschreiben darf. Ich könnte mich glatt selbst hauen, so fürchterlich bin ich.

Das ist ein guter Satz, den schreibe ich nochmal. Ich könnte mich glatt selbst hauen, so fürchterlich bin ich. In erster Linie genau deswegen. Ich würde wirklich gern einfach mal chillen und mich nicht selbst immer so fürchterlich finden. Aber allein schon die Tatsache, dass ich mich fürchterlich finde und einfach nicht in der Lage bin, mich nicht um Kopf und Kragen zu denken, macht mich umso fürchterlicher. Es hat einfach kein Ende. Ich weiß nichtmal, ob es überhaupt einen Anfang hat. Vermutlich hat es keins von beiden.

Natürlich. Ich bin noch nicht so geübt im Leben. Leben ist ein Konzept, das sich mir während meiner ersten um die zwanzig Existenzjahre zu großen Teilen einfach nicht erschlossen hat. Ich darf nicht zu hart mit mir sein; zwanzig Jahre Vorsprung lassen sich nicht in einem Augenblick überbrücken.

Aber das kann ich eben auch nur mir selbst sagen. Ich kann mir ja kein Schild auf den Kopf kleben, auf dem steht, „bitte Rücksicht; du redest hier mit einer knapp unter Zweijährigen“. Wie ich durchdrehe manchmal, weil das keiner wissen kann und ich mir vorkomme, als müsste ich alles so souverän erledigen, als wäre es die reinste Routinearbeit. Das Zeug, das ich seit fast zwei Jahren nehme, verschafft mir die Lebensfähigkeit, nicht aber die dazugehörige Erfahrung. Die muss ich erst noch machen. Ich fühle mich, als hätte ich kein Recht darauf, orientierungslos und verwirrt zu sein, schließlich ist man orientierungslos und verwirrt mit vielleicht dreizehn Jahren, dreizehn, nicht dreiundzwanzig. Ich bilde mir ein, man müsse auf mich herabsehen, weil ich so ahnungslos bin. Weil mir so viele Erfahrungen fehlen, die einer normalen Dreizehnjährigen, die sich erlaubt, orientierungslos und verwirrt zu sein und langsam, aber sicher das Leben zu lernen. Meine Erfahrungen waren die einer orientierungslosen und verwirrten Dreizehnjährigen, die schon damals dachte, sie dürfe niemals ahnungslos wirken, nie verletzlich sein, und nichts gelernt hat, weil man zum Lernen nunmal erst zugeben muss, dass man etwas nicht weiß. Jetzt habe ich den Salat.

Wie mache ich jemandem begreiflich, dass ich verwirrt bin und keine Ahnung von nichts habe, ohne mich bloßzustellen? Irgendwie muss ich es doch schaffen, sonst vergehen noch weitere zwanzig Jahre, in denen ich aus Angst, mich zu blamieren, nichts dazulerne. Ich bin geringfügig überfordert.

Mauern (oder: Scheiße mit der Scheiße hier.)

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Vielleicht klappt es grad mal, immerhin habe ich es eben im Gespräch mit Lena exeptionell gut hinbekommen. Ab und an hat man solche Gespräche, oder, wo man es schafft, Sachen zu sagen, die man sonst nicht schafft zu sagen.

Es ist eigentlich ganz simpel darzustellen. „Das Ding ist“, sagte ich, „ich hab‘ ne Riesen-Schutzmauer.“
Das ist es glaub ich“, warf Lena ein, bevor sie mich weiterreden ließ.
„Mmh, ich hab‘ ne Riesenschutzmauer.“ Ja, ich wiederhole mich gerne mal.
Meine Hände bauen mit der begleitenden Geste ein Rechteck aus Luft vor mir auf. „Die sieht komplett undurchdringlich aus, von vorne. Aber wenn man einmal kurz hinten rumgeht und so macht“ – ich tippe ihr leicht auf den Rücken und bemühe mich, nicht in Tränen auszubrechen (immerhin ist es nicht weniger als die Tragödie meines Lebens, die wir hier zu dieser späten Stunde zum Gesprächsthema haben), „dann fall ich um. Dann fall ich um. Es müsste nur einfach mal jemand so machen. Sie machen es aber nicht. Es macht einfach niemand.“

Es wäre echt einfach.

Gowai, was für ein widerliches Gefühl, zu wissen, dass die Mauer nach vorne hin sogar so gut funktioniert, dass sie meine Sicht verzerrt und meine Nerven täubt, sodass selbst gesetzt den Fall, es versucht jemand dran hochzuklettern, der mir Wärme mitbringt, ich mir nie sicher sein kann, ob ich nicht bloß halluziniere. Und ich kann sie nur herunterfahren, wenn Sicherheit da ist. Und irgendwann in Retrospektive, wenn alles so anders aussieht, der eklige Zweifel, ob es nicht doch wieder eine Chance war, die man in den Wind geschmissen hat. Immer, wenn’s ganz definitiv nichts mehr bringt.

Attack! Attack! sagt: „Break these barriers down, make these walls collapse“. Meint damit vermutlich nicht meine Schutzmauer, aber das soll mir an dieser Stelle egal sein.

Ich geh dann nochmal ne Runde skandieren – die Mauer muss weg! – und ich bekomm sie doch nicht weg. Da könnte ich mir gleich mein Hirn amputieren lassen (Als wäre ich nicht hirnamputiert genug. Uiui, zum Glück ist wenigstens für Wortspielchen noch genug davon vorhanden), das ginge genau so schlecht.

Gesegnete Gelassenheit

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Da haben wir also wieder mal ein „wtf“-Blogeintrag, der mir so vorkommt, als hätte ich ihn noch nie gelesen, geschweige denn selbst verfasst. Aber ich freu mich drüber; so lernt man sich selbst und seine halb verdrängten, halb unbewussten Gefilde immer wieder stückchenweise kennen. Ich liebe Drogen. Gestern war wundervoll.

Und heute ebenso. Sarah und Lisa waren hier, um zusammen mit Trudi und mir einen Klamottentausch gigantischer Ausmaße zu veranstalten. Ich bin immerhin eine halbe Riesentüte voll Zeug an die drei losgeworden und außerdem jetzt stolze Besitzerin vierer neuer Jeans von Trudi. Unglaublich, wie mir ihre Hosen passen. Als wären sie für mich gemacht.
Und dabei hasse ich eigentlich Jeans. Zu eng und einschnürend und unflexibel. Nicht so aber Trudis Jeans. Sie sind einfach wunderbar bequem. Und da es jetzt, wo meine Haare auch noch bunt sind, eh Zeit wird, dass ich zur gewohnten Rock-über-Leggins-Manier zumindest ab und an eine weniger stoffige, flatternde, farbenfrohe Alternative finde, kamen die wie gerufen.

Jetzt fiel mir gerade auf, ich hätte schon wieder fast mein halbes Medi vergessen. Ich bin schon so sehr daran, mich mental davon abzuspalten, dass ich die Einnahme schon von morgens auf nachmittags verlegt habe und (offensichtlich) manchmal fast vergesse. Es läuft ja auch sehr gut bis jetzt. Wie lange noch, bis ich es absetze? Ha, noch genau einen Monat. Elfter Juni ist Stichtag.

Im Nachhinein erkenne ich viel besser, was ich für Befürchtungen habe im Bezug auf die Medilosigkeit. Bis jetzt hat sich keine davon bewahrheitet: Meine sozialen Fähigkeiten habe ich behalten (und baue weiter daran herum), darum scheine ich umsonst gebangt zu haben. Es sieht auch bis jetzt so aus, als würde sich die Panik in Grenzen halten. Ganz weg war sie ja nie, und das bisschen, was wieder aufkommt manchmal, ist zwar nicht toll, aber harmlos. Ich hab‘ ja den Vergleich. Die Lebensfreude und das innere Strahlen habe ich auch noch.

Eigentlich alles, was damals neu war, scheine ich behalten zu dürfen. Zuversicht. Das Glücklichsein. Das Schreckliche ist, dass ich wieder anfange, Anflüge von Aggression zu merken. Da habe ich erst festgestellt, wie entsetzlich die eigentlich ist. Nach so langer Pause. Jetzt habe ich Angst, dass ich schreckliche Dinge anstellen könnte, wenn ich wieder aggressiv werde. Vorher hatte immer mein Introvertiertsein die überwältigende Mehrheit aller Menschen davor bewahrt, mit meiner Aggression in Berührung zu kommen. Wenn ich jetzt aber so ganz anders mit Menschen umgehe inzwischen, kann ich mich trotzdem soweit kontrollieren, dass ich nicht in den entsprechenden Gegebenheiten diese ekelhafte blinde Zerstörungswut an ihnen auslasse? Falls sie zu dem Ausmaß wiederkommt, was ich nicht hoffe, was ich wirklich nicht hoffe, denn das war immer das abscheulichste Gefühl der Welt.

Ich muss mich wirklich mal in den Griff kriegen jetzt, solange es noch nicht völlig ausgebrochen ist. Vielleicht sollte ich ein paar der wichtigsten Menschen einfach auch vorwarnen. Ich meine, wenn es so wird, wie ich mich erinnere, brauche ich nur ein Mal durchdrehen und kann damit die engsten Freundschaften aufs Leben zerstören. Krass, was für eine Aussicht.

Und wie genau ist so etwas anzukündigen? Wie ich mich benehme in so einem Moment, was ich dann sage oder tue, ist unverzeihlich. Das ist das Absurde – ich beschwere mich am laufenden Bande darüber, nicht bedingungslos geliebt zu werden. Aber liebe du mich mal bedingungslos. In dem Moment, in dem bei mir das Vertrauen da ist, dass – was ich auch mache – man mich nicht als Konsequenz meines Verhaltens aus dem Fenster schmeißt, setzt die Gefahr ein, dass ich mein Durchdrehen nicht mehr kontrolliere. Deswegen haben meine Eltern alles abbekommen. Sie sind (welch zweifelhaftes Privileg) die Einzigen, denen ich dieses Vertrauen entgegenbringe. Falls – das meinte ich eben – ich nicht inzwischen zu viel davon habe und demnächst anfange, random Leuten die volle Dosis Aggression, eventuell stilvoll kombiniert mit ein paar materiellen Gegenständen, ins Gesicht zu knallen. Ich hoffe, es lässt sich vermeiden. Ich hoffe einfach, es kommt gar nicht so stark wieder.

Zumindest habe ich ja inzwischen eine Zeit ohne das Gefühl gelebt und weiß, worauf ich achten muss. Gesegnete Gelassenheit, oh bleibe mir doch erhalten.