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Auferstanden aus Ruinen – Texte, Menschen.

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Noch gute zehn Seiten und ich bin fertig mit diesem Grottentext. Oh, wie ich Studenten mittlerweile verachte… zumindest diejenigen, deren Abschlussarbeiten ich praktisch neu schreiben darf, während sie im wahrsten Sinne die Credits dafür einheimsen. Worthülse für Worthülse fällt der unerbittlichen Zerstörungskraft meiner Delete-Taste zum Opfer. Satzruine um Satzruine baue ich um, werte ich auf, mache ich lesbar für Augen, die mindestens so empfindlich sind wie meine.

Das ist anstrengend, das ist frustrierend, das ist auch irgendwo einfach wahnsinnig ungerecht. Aber natürlich kann ich mich nicht beschweren – ich mache diese Arbeit gut, ich mache sie zumindest so gern, dass ich nicht dabei verkomme, und ich habe keine Alternative. Was ich habe, ist alle Flexibilität der Welt und – essenziell für mein Funktionieren in jeder Hinsicht – meine Selbstbestimmung. Und noch dazu, wenn das auch definitiv eine untergeordnete Rolle spielt bei dem Niveau, das diese Texte haben größtenteils, die Möglichkeit, in verschiedenste Themen Einblicke zu bekommen. Noch dazu – viel interessanter eigentlich – in die Leben und Köpfe verschiedenster Menschen.

Ja, im Großen und Ganzen will ich wirklich nicht meckern.

So nebenbei:

  • Basti ist Vater geworden; sein Sohn kam am 3. Mai auf die Welt. Alles gut soweit.
  • Ich hatte die letzte Woche über freundlichen Besuch von einer Blasenentzündung, die mittlerweile (ich hoffe!) kaum noch spürbar, aber auch noch nicht ganz verschwunden, in den allerletzten Zügen hängt.
  • Ich habe so absolut keine Lust auf diese Bolivienreise, aber ich weiß natürlich, dass sich das ändern wird, sobald ich sie antrete.
  • Ich werde zuvor zwei Tage in Konstanz verbringen, um Basti, Mats und Alina zu besuchen. Basti bringt mich von dort aus nach Frankfurt zum Flughafen.
  • Übermorgen bin ich ebenfalls in Frankfurt, ein Umstand, den ich gerne mal vergesse, weil alles, das nicht Gegenwart ist, momentan gnadenlos ausgeblendet wird. Aber es ist das Glen-Konzert in der alten Oper, zu dem ich mit Becci und Cornelia gehe, und ich sollte mich freuen. Freue dich gefälligst.
  • Nächste Woche treffe ich mich mit Caro, die auf Heimatbesuch nach Deutschland kommt, in Karlsruhe. Wir gehen im Hans im Glück essen und – tatsächlich – darauf freue ich mich. (Wahrscheinlich weil es weder genug Umstände macht noch – anders als das Glen-Konzert – nah genug bevorsteht, um Panik zu erwecken.)
  • R ist dem Programmierwahn in Gänze verfallen und stürzt sich praktisch auf den Computer, sobald er nach Hause kommt. Gleichzeitig gibt er sich allerdings alle erdenkliche Mühe, unser gemeinsames Leben dabei nicht zu vernachlässigen, und ich habe mich meinerseits daran gewöhnt. Es ist also nach und nach ein wunderbares Equilibrium entstanden, in dem sich alle Parteien wohlfühlen – zumindest empfinde ich das so.
  • Ich habe gemeinsam mit der Therapeutin beschlossen, die Medis herunterzudosieren, wenn ich aus Bolivien zurück bin. Davor habe ich Angst, aber ich bin fest überzeugt, dass es sein muss. Ich fühle mich, als hätte ich in der Therapie alles erreicht, was im Rahmen der Abschirmung durch die Medis möglich war – now let’s tackle the real issues.
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Geschenkte Stunden

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Yes! Marthe hätte keinen besseren Zeitpunkt wählen können, um mir für heute abzusagen. Ich habe bis zum Abend noch über dreißig Seiten von meinem Auftrag vor mir. Es regnet – ich bin froh drum, die Pflanzen können es gut gebrauchen, aber ich wäre mit dem Fahrrad zu Marthe gefahren, um Zeit zu sparen. Und ich habe erst aufs Handy geguckt, nachdem ich geduscht und mich rausgehtauglich angezogen hatte, somit bin ich frisch und gepflegt – eine Errungenschaft, die ich mit dem Wissen, dass ich überhaupt nicht raus muss heute, niemals erreicht hätte.

R ist im Schlafzimmer am Arbeiten, ich – wie immer – auf der Couch. Knapp außerhalb meiner Reichweite liegt verlockend der vierte Band der Neapolitan Novels, die ich gerade dabei bin zu verschlingen. Aber nachdem ich den gesamten gestrigen Tag verzockt habe, muss ich heute wohl oder übel zuerst arbeiten, bevor ich mit dem Buch beginnen kann.

Nun will ich ja eigentlich arbeiten (wollen), aber stattdessen wirkt der Kaffee viel zu gut und ich brüte viel lieber Schnapsideen mit Becci aus und freue mich meines Lebens. Aber hey, ich habe ja jetzt Zeit. Vielleicht telefoniere ich noch mit Mama, die mich gerade auch anschrieb. Und dann kann man immer noch arbeiten.

Atzo da bihar

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So schnell kann es also Sommer werden. Gleich ein völlig anderes Lebensgefühl, die Terrassentür offen lassen zu können und auf die frisch bepflanzten Kübel draußen zu blicken, in denen sich Tomaten und Paprika, Salat und Chilis, Rucola und Wunderblumen dem Licht entgegenstrecken.

Dass R diese Woche Urlaub hat, ruft auch bei mir ein Urlaubsgefühl hervor, auch wenn ich gestern Abend wieder einen Auftrag angenommen habe, mit dem ich gleich beginne. Wir sind mehr als glücklich, von unserem Osterausflug zu seiner Familie zurück zu sein, und genießen unsere wiedererlangte Freiheit und Selbstbestimmung in vollen Zügen. Er, indem er zockt und lernt; ich, indem ich pflanze und lese. Wir zusammen, indem wir ausschlafen und gemütlich frühstücken, Carcassonne spielen, Filme schauen und wunderbares Essen kochen.

Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, in dem er nicht mehr arbeiten muss und wir dieses Leben für immer haben können. Denn während ich bestrebt bin, oder vielmehr beim besten Willen nicht anders kann, als aus der Gegenwart das Meiste für mich herauszuholen und den Zwängen nur den nötigsten Raum zu geben, hat er erst Ruhe, wenn ihm seine Zukunft solide erscheint. Eigentlich ähneln wir uns da stark. Nur dass unsere Coping strategies gegenteilig ausfallen. Ich verdränge und beraube mich dadurch vermutlich einer sicheren Zukunft. Er nimmt sich – uns – mit seinem obsessiven Hinarbeiten auf zukünftige Sicherheit die Gegenwart weg.

Auf dem kurzen Spaziergang zum Altglascontainer und zurück überraschte mich der Gedanke, dass es mir vielleicht wirklich lieb wäre, wenn wir heiraten würden, nicht in der Erwartung eines festzementierten ‚Für immer‘, sondern um dem Warten auf diese ferne Zukunft eine konkretere Berechtigung zu geben, einfach mal festzuhalten, dass seine wenig geschätzte, viel auf Zukünftiges ausgerichtete Gegenwart auch mir nicht grundlos ungenutzt durch die Finger rinnt. Ich bin mir dessen sicher und er ist es auch, warum dem Ganzen nicht einen Namen geben.

Dachte ich mir gestern, aber es war nur ein Anflug; heute verstehe ich schon wieder kaum, wozu das Heiraten gut sein soll; als könnte man die Zukunft mit Papier und Tinte in Stein meißeln. Und andersherum: unser gegenseitiges Vertrauen ist so grundsolide, dass jeder Vertrag, jede Unterschrift dagegen lächerlich und wertlos wäre.

Aber genug von Gegenwart und Zukunft. Ich habe einen Auftrag zu erledigen.

Berri bikainak – Pt. 2

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Vor etwas mehr als zwanzig Jahren ist es zuletzt passiert, heute erneut: Ich habe ein Klavier bekommen. R’s Eltern haben ihr Versprechen wahrgemacht und nun steht es hier, das gute Stück, auf dem R seinerzeit schon gespielt hat, als er noch grün hinter den Ohren war. Grüner. Man lernt ja nie aus.

Ich habe geduldig bis Ende der Mittagszeit gewartet und dann eine Stunde lang die Nachbarn terrorisiert. Es ist wahrlich keine Freude, sich an diesen Anschlag zu gewöhnen. Außerdem stehen die Tasten schräg. Warum auch immer. Aber es ist ein Klavier, und in nicht allzu ferner Zukunft werde ich zum einen die neuen Anschlaggegebenheiten verinnerlicht und mich zum anderen (hoffentlich) damit abgefunden haben, dass das ganze Haus an meinen diversen Fehlversuchen und Eskapaden unmittelbar teilhat.

Die zweite hervorragende Nachricht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack, ist bereits sechs Tage alt und lautet wie folgt (wer hätte es erwartet bei der Überschrift – vermutlich niemand, denn das setzt voraus, dass jemand sich an das Äquivalent von Oktober 2013 erinnert und die passende Verbindung herstellt): Berri-Txarrak-Konzert. Mit Becci. In Karlsruhe. Letzten Mittwoch.

Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie sehe, denn es ist ihre letzte Tour. Aber es war grandios, in einer winzigen Location, wo ich praktisch ohne eigenes Zutun in die zweite Reihe gespült wurde und dort inmitten von Exil-Basken meinen adrenalininduzierten Abrast-Tätigkeiten nachgehen konnte. Entsprechend eingeschränkt war noch drei Tage darauf meine Bewegungsfähigkeit. Es muss das Alter sein oder (Wolfgangs Kommentar) die mangelnde Übung. Auch meine Ohren waren noch Tage später nur eingeschränkt funktionsfähig, sodass ich schon davon ausging, einen bleibenden Schaden davongetragen zu haben – es war unmenschlich laut. Aber gut. Und mittlerweile geht es auch meinem Gehör wieder wunderbar – Glück gehabt.

Sogar die Vorband war großartig. Es war eine lokale Band namens Quota. Sie waren so gut, dass ich, nachdem ich im Anschluss ans Konzert mit der förmlich leergesaugten Wasserflasche in Richtung Waschbecken gewankt war, um diese aufzufüllen, meiner immensen Schüchternheit zum Trotz bei ihnen stehenblieb (man musste sowieso an ihnen vorbei, um zu den Klos zu gelangen, und sie standen da ganz einsam herum) und ihnen verkündete, dass ihre Show mir gut gefallen hatte. Sie haben sich gefreut und mir einen Sticker geschenkt. An dem Merch-Stand von Berri musste ich mich ebenfalls vorbeiquetschen und fühlte mich da schon wieder unwahrscheinlich überfordert. Eigentlich hätte ich gern mit der ganzen dort herumlaufenden Szene geredet – ich fühlte mich so zugehörig, so viel Euskera und Spanisch hörte man überall – aber genau das war das Problem, ich wusste einfach nicht, welche Sprache ich verwenden sollte. Ich muss einfach immer alles zerdenken, und das verbaut mir alles. Komplett bedeppert.

Jedenfalls war ich mehr als froh, diese Gelegenheit noch gehabt zu haben – Berri Txarrak noch einmal zu sehen und dazu noch Becci mitzunehmen – und die Setlist war episch, episch. Deshalb war ich nachher auch so kaputt. Bueltatzen. Sie haben Bueltatzen gespielt. Becci und ich konnten zusammen Bueltatzen live hören. Naja, zusammen – ich war zu dem Zeitpunkt irgendwie mitten im Getümmel, ganz vorne, genau mittig. Zwischen mir und der nur geringfügig erhöhten Bühne kauerte sich die Fotografin am Boden zusammen, wohl wissend, dass dies nicht der Zeitpunkt war, um sich der Gruppe fanatisch pogender Basken – und mir – mit einer Kamera vor der Nase entgegenzustellen. Bueltatzen. Bueltatzen live hören und sterben.

Nun ist R schon zu Hause – ein Hoch auf seine vorverschobenen Arbeitszeiten – und hat seinerseits das Klavier am neuen Standort eingeweiht. Er ist zufrieden – ich bin es auch – ein guter Tag, auch wenn mein Auftrag heute unter der Ankunft des Klaviers gelitten hat und ich bis Donnerstag noch einiges an Arbeit vor mir habe. Aber das war es wert – absolut.

Glasscheiben verdienen

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Ich hab‘ von Şahin geträumt, aber ich weiß nicht mehr, was. Nur, dass wir uns nicht ignoriert haben wie sonst meistens. So skurril, dass das immer noch vorkommt. Man sollte meinen, die Realität und die Lichtjahre an persönlicher Entwicklung, die ich dem Menschen aus meiner Erinnerung heute den Eindruck habe vorauszusein, hätten ihr Übriges dazu getan, mich davon abzukapseln. But alas, das menschliche Gehirn ist merkwürdig und tut nicht unbedingt immer das, was man von ihm erwartet.

Ich muss heute schon um halb drei Uhr bei Marthe sein, und der nassgraue Horror da draußen lässt vermuten, dass ich dafür den Bus nehme. Klassischer Fail von mir, aus den drei warmen Tagen vor ein paar Wochen zu schließen, es würde jetzt Frühling werden.

Beccis und mein Urlaub wird in der Form nicht stattfinden, worüber ich froh bin. Stattdessen kommt sie zu mir und wir gehen mit R auf das Fanny-van-Dannen-Konzert und besuchen Kepa, sofern der nicht beschließt, an den entsprechenden Tagen spontan irgendwo anders in eine Felsspalte zu klettern.

Ich müsste arbeiten, aber ich habe. Keine. Lust. Der Auftrag muss morgen Früh um 9 fertig sein; es ist ein interessantes Thema – zur Abwechslung mal wieder, ich kann kein Social-Media-Gedöns mehr sehen – aber es wird anstrengend zu korrigieren, das wird schon aus den ersten Sätzen ersichtlich. But alas, again, was soll man machen. Wenn ich ein Gewächshaus haben will, muss ich dafür erstmal in eine Situation kommen, in der es mir theoretisch möglich wäre, meinen Eltern Miete zu zahlen.

Das ist diesen Monat definitiv der Fall; ich habe noch nie so viel hintereinander gearbeitet. Und nachdem ich den Batzen Geld von R zurückbekommen habe, fällt nichtmal der Flug nach Bolivien groß ins Gewicht, den ich neulich gebucht habe. Oh, es ist eine Erleichterung, liquide zu sein. Wie ich zu R bereits sagte – jetzt kann ich mir schon die Eingangstür zu meinem Gewächshaus kaufen.

An die Arbeit, an die Arbeit, dann kommt bald noch eine Glasscheibe dazu oder eine Stunde Besprechung mit einem Architekten.

Borondate, borondate, zure zain nago oraindik.

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Wieso um Himmels Willen erschließt sich mir erst jetzt die vollständige Awesomeness von setlist.fm?

Wie konnte das passieren? Ich lebe doch nicht erst seit gestern, und – noch schlimmer – habe schon häufiger auf die Seite zurückgegriffen, aber… erst gestern kam ich darauf, mir einen Account dort zu machen und alle gesammelten Bands und Konzerte, die ich je besucht habe, darin aufzulisten.

Es sind nicht wirklich alle. Erstens hat mein Gedächtnis erschreckende Lücken, die da nicht sein sollten. Zweitens habe ich zwar etliche Termine, die noch nicht aufgeführt waren, vervollständigen können. Drittens kann ich aber nur neue Termine hinzufügen, deren genaues Datum ich auch kenne. Und viertens ist es zwar cool, dass ich mal im Sommer 2009 Estopa am Stadtstrand von Málaga gesehen habe, aber den Interpreten dafür extra zu importieren ist mir dann doch zu aufwändig. Plus, ich bin mir relativ sicher, dass setlist.fm die Malagueta nicht als Location durchgehen lässt.

Es war trotzdem, verteilt über den gestrigen und den heutigen Nachmittag, eine wunderbare Reise durch mein Konzertuniversum. Nicht nur fallen einem auf einmal die lustigsten Zufälle auf, was die Daten betrifft (niemals hätte ich herausgefunden, dass mein zweites The-Used-Konzert genau wie das zwei Jahre später stattgefundene Rise-Against-Konzert (beide in Frankfurt!) am 16.11. war, was wiederum Roberts Geburtstag ist, was mir wiederum eigentlich egal sein kann, da ich mit Robert nichts mehr zu tun habe und es awkward genug war, ihm neulich mit Becci beim Frank-Turner-Konzert in Wiesbaden nicht nur über den Weg zu laufen, sondern ihn und seine Freundin praktisch das gesamte Konzert über auch nicht mehr loszuwerden. Trotzdem. Es wäre mir auf ewig entgangen.

Mein Gewissen killt mich. Wir haben inzwischen zwar unser Visum für Indien beantragt und ich habe gestern über den Tag verteilt ganz viel mit Sarah und Susmita geschrieben, um alles Mögliche abzuklären, aber abgesehen davon schiebe ich alles, alles vor mir her und bekomme mich auf Teufel komm raus nicht dazu bewegt. Heute habe ich es immerhin über mich gebracht, zu duschen und mich anzuziehen. Richtig schön, mit Desigual-Oberteil und passendem Lippenstift. Zum Rausgehen hat es dann allerdings nicht mehr gereicht, da ich mir kurz vor knapp eingeredet habe, die Medis könnte ich auch morgen holen, wenn ich den ganzen Rest erledige. (Der ganze Rest = Finanzamt, Katzenfutter.) Hoffentlich ist das Rezept nicht schon wieder abgelaufen.

Ich war neulich wirklich unten, als ich mir das Medis-Holen zum ersten Mal vorgenommen hatte. Leider musste ich (nicht zum ersten Mal) feststellen, dass die Apotheken hier im Kaff sage und schreibe zwei Stunden Mittagspause machen und ich um halb zwei Uhr mittags bei allen dreien davon vor verschlossenen Türen stehe. Dass die sich auch noch aufeinander abgestimmt haben, es ist zum Mäusemelken. So fuhr ich unverrichteter Dinge wieder hoch und freute mich dennoch, weil ich immerhin auf dem Weg eine Ladung Altglas weggebracht hatte und der dafür vorgesehene Eimer somit nur noch anderthalbmal geleert werden muss, bis nichts mehr übrig ist.

Heute habe ich, um dem schlechten Gewissen wenigstens irgendetwas entgegenzusetzen, zweiundzwanzig Unbabel-Jobs bearbeitet (schlägt sich gleich angenehm auf der Verdienstanzeige wieder, wenn man nicht alle zwei Minuten auf die Uhr guckt und nach einer Viertelstunde entscheidet, dass man es nicht länger aushält) sowie zwei Maschinen Wäsche gewaschen (und bislang eine Ladung davon durch den Trockner gejagt). Gestern bestand meine selbstgewählte sinnvolle Aufgabe darin, das Frank-Konzert auseinanderzupflücken, um die Aufnahmen bald Becci und Cornelia zukommen lassen zu können. Ich komme bald nicht mehr darauf klar, wie sehr ich mich selbst für das Prokrastinieren verabscheue. Wahrscheinlich gehe ich daran eher kaputt, als mich die tatsächlichen Folgen meiner Prokrastination überhaupt einholen können.

R sagte gestern zu mir, ich solle mich nicht so verrückt machen. „Du tust was. Und ob du es nun zwei oder acht Stunden am Tag machst, ist völlig egal.“ Unbändige Erleichterung ob dieser Zusicherung mischte sich in dem Moment mit den Protestschreien meines Gewissens sowie dem Bewusstsein, dass ich in den vergangenen Tagen nicht einmal eine einzige Stunde lang Geld verdient hatte.

Ich muss einfach irgendwie aus dieser Lähmung raus. Ich brauche von irgendwoher die Willenskraft. Wo kann ich Willenskraft bestellen?

Mehr Medis

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Okay, okay, ich hab’s ja verstanden. Scribbr-Aufträge sofort annehmen, sonst verschwinden sie einfach. Auch wenn man einfach nur warten wollte, bis man wieder am Computer sitzt, um direkt damit anzufangen, nachdem man sie angenommen hat.

Oah. Das wirft meinen ganzen Tag durcheinander. Ich war nicht darauf vorbereitet, heute noch irgendetwas Anderes tun zu müssen. Natürlich will ich auch eigentlich nichts tun. Aber da ich nun keinen Scribbr-Auftrag mehr zu bearbeiten habe, fällt dafür die Legitimation weg.

Immerhin, es ist sehr sonnig heute. Ich sollte es also hinbekommen, mich im Bad fertig zu machen und zumindest kurz den Berg runter zur Apotheke zu fahren, um meinen Medi-Nachschub zu organisieren. Der mir dann nur noch zwei Monate hält, weil ich die Dosis auf anderthalb Tabletten à 10 mg am Tag erhöhe.

Ich bin ein bisschen skeptisch, was das betrifft. Einerseits fühle ich mich schon jetzt durch die Medis größtenteils zu abgekapselt von allen Emotionen, andererseits erhoffe ich mir von der höheren Dosis einen gehörigen Schub Motivation, den ich tatsächlich gut gebrauchen könnte. Ich schätze mal, wenn das Ergebnis nicht gut ausfällt, kann ich immer noch auf die ursprüngliche Dosierung zurückstufen.

Gut, dann nehme ich das mal in Angriff.

Such a rainy day

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Es ist… so grau.

Wow. Wirklich, ich habe so on-off bis 12 geschlafen, weil ich keinerlei Impuls verspürt habe, mich zum Wachwerden zu bringen. Vom Moment des Aufstehens an ist das Lied nicht aus meinem Kopf wegzubekommen.

The most rainiest day of my liiiiife.

Stimmt zwar nicht, es war einfach nur so lange nicht mehr nass und grau, dass man es einfach so empfinden muss, aber das stört das Lied ja nicht.

Ich habe den letzten noch im Kühlschrank befindlichen Fertigkäsekuchen zum Frühstück angebrochen und mir einen Kaffee gemacht, mich hingesetzt und Scrubs geguckt, die übliche Routine. Dann eine Stunde an Timos Doktorarbeit gewerkelt, die ich ihm korrigiere.

Nebenher warte ich auf den Anruf der Scribbr-Frau. Ich habe gestern den Bescheid bekommen, dass ich zum Probearbeiten angenommen wurde, und könnte mich darüber dumm und dämlich freuen, wenn ich mich nicht so sehr fürchten würde. So viel Neues. So viel Arbeit. Aber das ist es nicht, vor dem ich mich fürchte, natürlich, sondern dass ich es nicht gebacken bekomme, das ist es. Dabei wäre es ein Traum. Wenn ich nur erstmal sicher wäre, dass ich das schaffe.

Es ist nicht sonderlich gemütlich hier drinnen. Das liegt daran, dass ich noch immer nicht das Staubsaugen hinter mich gebracht habe. Genausowenig habe ich aufgeräumt, geduscht oder sonstwie dazu beigetragen, dass ich es mir endlich richtig schön machen kann, mit Kerzen und Räucherstäbchen und Musik und allem. Ich sollte das wirklich mal tun.

Ja, komm schon. Die Folgen Lebensmittelvergiftung habe ich jetzt endgültig auskuriert, an drei Tagen genug für drei Wochen geschlafen und sichergestellt, dass Nahrungs- und Flüssigkeitshaushalt sich wieder auf ein akzeptables Niveau einpendeln. Ich fühle mich wieder gesund. Dann kann ich mich ja auch wieder entsprechend verhalten.

So much to do, so little time

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Mein Leben lang habe ich mich gefragt, wozu es gut sein soll, Modellflugzeuge oder Drohnen umherfliegen zu lassen. Heute habe ich es endlich verstanden.

Es ist viertel nach zwei; von meiner To-Do-Liste sind genau ein ganzer und zwei halbe Punkte erledigt und es ist absolut nicht abzusehen, wie ich den Rest noch geschafft bekommen soll. Ist ja nicht weiter schlimm, einerseits, denn es gibt ja immer noch morgen. Ist schon ein bisschen schlimm, andererseits, weil ich mindestens 5 Stunden unbabeln wollte, nach zweieinhalb trotz Klaviermusik vom 24-Stunden-Youtube-Stream schon keinen Nerv mehr drauf hatte und diesen Monat bislang ganze 325 Euro verdient habe – 60 davon durch Flohmarktassistenz bei meiner Mutter.

Zudem habe ich einen Punkt auf meiner Liste für heute vergessen: Sperrmüll. Und während ich darüber nachdachte, fiel mir auf, wie episch es wäre, jetzt so ein Drohnending mit Kamera den Berg runter- und wieder hochfliegen zu lassen und es mir so zu ersparen, selbst fahren zu müssen, um festzustellen, ob es etwas zu holen gibt. Das also ist der Daseinszweck dieser komischen Kameraden!

Da ich mich bedauernswerterweise nicht im Besitz einer Flugzeugdrohne befinde, sollte ich mich eventuell damit abfinden, den Oktober als, naja, einkommensschwächlichen Monat abzuschreiben, mich anziehen und die Erkundung selbst in die Hand nehmen. Und dann ein paar der längst überfälligen Haushaltsgeschichten erledigen. Wer hat schon Lust auf Staubsaugen, während er mit Lebensmittelvergiftung im vollgekotzten Bett hockt – so jedenfalls ist es mir am Sonntag ergangen (danke auch, in diesem Fall wortwörtlich toxischer Optimismus in Verbindung mit drei Tage altem, unzulänglich gekühltem Chili con Carne) – und gestern hatte ich alle Hände voll damit zu tun, mich erstmal in einer Welt ohne Höllenkotzerei wieder zurechtzufinden. Plus, den Teil des Tages, den ich gestern nicht mit Schlafen verbracht habe, brachte ich beim Gespräch mit dem Finanzcoach von MLP zu, das ich wider sonntagnachmittäglichem Erwarten tatsächlich in der Lage war wahrzunehmen. Auch wenn mein Körper sich gestern Früh wirklich noch nicht ganz sicher war.

Cerveza con carne

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Ich war lange nicht mehr so betrunken. Nach drei Bier, wohlgemerkt. Wow. Das ist beachtlich.

Ich habe gerade Mike angeboten, für eine Woche hier zu wohnen. Das ist auch okay, Mike ist schließlich angenehmer als Barbara. Wow, ich bin so durch.

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Das war gestern Abend, als ich nach Hause kam, und ich kann bis jetzt nicht glauben, wie unfassbar das reingehauen hat. Ich habe, wie man sieht, den Eintrag nicht mehr weitergeschrieben, sondern mich lieber einfach auf der Couch zusammengerollt und versucht, den Rausch auszuschlafen, bis R nach Hause kam. Das hat so mäßig funktioniert; ich war gerade aufgewacht, hatte einen Topf Spaghetti gemacht und meine Portion gierig verspeist, als er kam, aber ich war immer noch wie umgehauen. Ich hätte vielleicht einfach doch zwischen dem mickerigen Frühstück, bestehend aus einem Zimtmuffin und einer Quarktasche, und dem spontanen Treffen mit Mike noch was essen sollen.

Oh well, jetzt war es halt so. Dafür bin ich dann heute um kurz vor zwölf aufgestanden und war bis jetzt produktiv, größtenteils durch Unbabeln und dem Korrekturlesen der ersten Seite von Timos Doktorarbeit, welche in einem entsetzlichen Kauderwelsch aus Denglisch und Fachlatein geschrieben ist und bisher sowohl Simone als auch Timos Vater zur Verzweiflung gebracht hat. Aber nicht mich, oh nein. Ich werde mich dieser Herausforderung stellen und muss nur noch ausloten, was für einen Stundenlohn ich dem Guten dafür jetzt abnehme. Wenn ich bedenke, dass mich Seite 1 bereits eine Stunde Lebenszeit gekostet hat, kann ich davon ausgehen, dass selbst bei Niedrigstlohn mir diese Arbeit ein halbes Vermögen einbringt.

Für den Rest des Abends habe ich geplant, mit Malte zu skypen und dabei Chili con Carne für R’s und mein Abendessen zuzubereiten. Es liegen nämlich Geflügelwürstchen von einem meiner und Beccis letzten gemeinsamen Beutezüge in unserem Kühlschrank, Kidneybohnen warten seit Urzeiten in ihrer verdellten Dose auf ihren epischen Einsatz, Zwiebeln und Knoblauch sind zur Genüge vorhanden und die obligatorischen zwei Dosen Mais habe ich in weisester Voraussicht schon letzte Woche beim Pfandwegbringen besorgt. Oh, das wird gut.

Fange ich doch gleich damit an.