Schlagwort-Archive: Assoziationen

Unfocused

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Ich habe mir Jason Mraz angemacht – We sing. We dance. We steal things. – , um beim Spülmaschineausräumen Gesellschaft zu haben. Ich hätte das nicht tun sollen; die Spülmaschine war in zehn Minuten erledigt und ich kann nun nichts machen, das auch nur ansatzweise Konzentration erfordert. Selbst für mein Wortfindungs-Handyspiel nimmt das Album zu viel Aufmerksamkeit in Anspruch.

R kommt früher zurück als erwartet; ich hätte nicht vor heute Abend mit ihm gerechnet, aber er rief vorhin an und kündigte sich schon für den frühen Nachmittag an. Er war das Wochenende in Konstanz; ein Freund von ihm ist vor Kurzen gestorben und die Beerdigung fand gestern statt. Ich kannte ihn kaum, aber für R war es schon ein schwerer Schlag. Wie ich ihn und den Rest seines Konstanzer Umfeldes kenne, werden sie sich allerdings, ganz im Sinne des Verstorbenen, über die Trauer mit einer Überdosis Party hinweggeholfen haben.

Ich für meinen Teil habe das Wochenende damit verbracht, meinen 50-Seiten-Auftrag (Deadline Mittwoch) größtenteils erfolgreich vor mir herzuschieben. Davon abgesehen war ich so semiproduktiv, habe es zwar geschafft, nicht komplett zu versacken und ein paar Wäschen zu waschen, aber ansonsten zu viel gezockt und die nächste Serie angefangen – Orange is the new black. Damit bin ich dann auch erstmal gut versorgt; nachdem Narcos México und Mindhunters bislang jeweils nur eine Staffel umfassen, freue ich mich über etwas mit ein wenig mehr Volumen.

Jetzt transportiert mich ‚If It Kills Me‘ selbst in ein winterliches Konstanz zurück, in eine ganz merkwürdige Mischung aus hoffnungslos verlorenem und neu gewonnenem Leben.

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Y tuyo será.

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Unglaublich – der Himmel ist bedeckt; der Sonnenschirm, der seit Tagen unentwegt geöffnet auf der Terrasse steht, wirkt zum ersten Mal seit Langem überflüssig.

Ich denke in der Hitze dieses Monats ständig an Costa Rica, als würde ich nicht eh schon oft genug daran denken – und ich denke mir immer wieder, ich würde dieses Klima mehr schätzen, wenn nicht gleichzeitig der Gedanke an Regionen so hartnäckig nagen würde, die durch das, was für mich einen Segen bedeuten würde (hätte ich denn, wie es in Costa Rica der Fall war, einen Standventilator in meinem Schlafzimmer), gerade unendliches Leid erfahren. Wie immer; wir jammern und ächzen und stöhnen, aber wirklich ausbaden müssen es die Anderen.

Ich habe so viel zu sagen und schaffe es doch nicht. Ich arbeite vormittags meine Unbabel-Schicht für das Projekt, das noch bis zum 12. August läuft; danach fällt der Standby-Bonus von 6 respektive 3 Dollar die Stunde dann halt wieder weg und ich muss mir was Anderes suchen, denn auf Dauer habe ich nicht die Frustrationsgrenze, die es bräuchte, um mich für diesen Hungerlohn täglich mit diesen seelentötenden, monotonen Texten abzuplagen. Ich danke mir selbst und Gowai im Howai dafür, dass ich mich gegen ein Dasein als Übersetzerin entschieden habe, bevor es zu spät war.

Ich halte mich, um den Verstand zu behalten, von allem ab, das Nachdenken erfordert oder Emotionen hervorruft. Gelingt mir das nicht, wird alles ganz komisch. Meine ganze Wahrnehmung verändert sich, und jedes Ding, auf das mein Blick fällt, und es fällt mir gerade wirklich unheimlich schwer zu beschreiben, enthüllt seine wahre Bedeutung, und ich sehe die Welt so, wie sie wirklich ist, so, als säße man im 3-D-Film und es würde einem mitten im Film von irgendwoher die passende Brille aufs Gesicht gesetzt. Aber das passt nicht wirklich; ich sehe ja alles immer klar, nur eben zweidimensional, und es ist vielleicht eher wie Trudi sagte, als sie auf LSD zu mir ins Zimmer kam und sagte, sie hätte im Wald die Bäume leuchten sehen, die gesunden Blätter hätten alle geleuchtet, die verdorrten dagegen nicht.

Und das ist mir zu viel; ich bin heute aufgewacht und hatte den Titelsong von Narcos in Kopf und das allein war irgendwie schon zu heftig, aber mir kam dann die Szene in den Sinn, die mich von all den Entsetzlichkeiten in dieser Serie am meisten mitgenommen hat, nämlich [Spoiler Alert, bitte nur lesen, wenn du nie beabsichtigst, Narcos zu gucken, oder dies bereits getan hast!] als er diesen unfassbar lieben, naiven Jungen beauftragt, in dem Flugzeug ein Gespräch aufzunehmen, und er und seine Frau so dankbar sind für diese Möglichkeit und die reichhaltige Bezahlung, und er ihr sagt, schau, Liebling, vamos a seguir adelante, und sich so sehr freut und sich in das Flugzeug setzt hinter die beiden Männer, und natürlich ist der Knopf, auf den er drückt, nicht dazu da, ein Gespräch aufzunehmen, sondern dazu, das Flugzeug zu sprengen.

Das fand ich mit Abstand die schrecklichste Szene, und als wäre das nicht genug, hatte ich plötzlich das merkwürdigste Szenario im Kopf, und zwar war es so, ich hatte nämlich mit dem Gedanken gespielt, mich aus dem Bett herüber zum Regal zu lehnen und das Baskisch-Wörterbuch herauszuholen, um das Wort ardi nachzuschlagen, das mir Kepa vor Tagen in einer Nachricht geschrieben hatte und ich seitdem in den Winkeln meines verschrumpelten Euskera-Gedächtnisses versucht hatte aufzutreiben, und ich habe mir auf einmal gedacht, dass, würde ich bei der Aktion vom Bett fallen und mir auf dem Weg den Kopf aufschlagen und sterben, R am Abend, wenn er mich fände, keine Möglichkeit haben würde zu wissen, dass ich gerade den Narcos-Titelsong im Kopf hatte, und das wiederum brachte mich auf die endlos entsetzlich traurige Szene in… diesem orangenen Buch mit den zwei Silhouetten von Gesichtern vorne drauf, das mich so fertiggemacht hat, dass ich sogar seinen Namen verdrängt habe, wo [Spoiler Alert; bitte nur weiterlesen, wenn du nicht vorhast, das ominöse orangene Buch mit den zwei Gesichtern vorne drauf je zu lesen, oder dies bereits getan hast!] die Protagonistin am Ende von einem Auto angefahren wird und stirbt, und der Satz, mit dem das Ganze beschrieben wird, war einfach (zumindest ist er so bei mir im Kopf hängengeblieben; keine Garantie): Then Emma [ich hab den Nachnamen des dazugehörigen Menschen vergessen und kam erst nach intensivem Nachdenken überhaupt auf ihren eigenen] died, and everything she had ever said or known was gone forever.

Und das war dann wirklich zu viel, und ich musste mich krampfhaft davon abhalten, weiter mein Hirn nach ihrem Nachnamen oder dem Vornamen ihres Co-Protagonisten zu durchforsten; leider ist mir dieser gerade eben beim Schreiben zumindest wieder eingefallen, Dexter nämlich, und ich suche weiter nach seinem Nachnamen, obwohl ich ihn eigentlich gar nicht wissen möchte.

Dann konnte ich nicht mehr schlafen, obwohl ich noch todmüde gewesen war, als der Wecker geklingelt hatte.

Jetzt bin ich am Arbeiten, aber da es heute mit den Aufgaben schleppend läuft, kann ich der Welt und allen Bots zwischendrin mitteilen, dass mein Hirn merkwürdig ist. Das wusstet ihr alle bestimmt noch gar nicht.

Kaffeereste

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Ich verstehe bis heute nicht, warum zwischen den Strömungen „Carpe diem“ und „Memento mori“ so eine harte Abgrenzung betrieben wird. Eines funktioniert doch nicht ohne das andere, beziehungsweise verliert jeden Sinn. Meiner Meinung nach sollte man sie eher so yin-und-yang-mäßig gegenüberstellen. Aber was weiß ich schon. Mein Semester LitWiss damals an der Hamburger Uni hat mir ja allerhöchstens dazu verholfen, danach mit Bestimmtheit sagen zu können, dass ich LitWiss im Großen und Ganzen für kompletten Schwachsinn halte. Da kann man ja gleich sagen, es würde Sinn machen, im Kunstunterricht Noten zu verteilen. Auf der gleichen Ebene bewegen sich die Literaturwissenschaften.

Ich hatte damals eine ziemlich gute Klausur geschrieben. Im Kurs das ganze Semester über kein Wort von mir gegeben und mir meine Erkenntnisse über das wunderbare „Mientras por competir con tu cabello“ von Luís de Góngora lieber für die Klausur aufbewahrt, was mir auch unverzüglich ein überraschtes „TOLL!“ daneben auf dem Klausurpapier einbrachte. Natürlich, denn nichts ist einfacher als eine LitWiss-Klausur, nachdem du ein ganzes Semester Zeit hattest, um herauszufinden, wie dein Dozent das Gedicht gerne genau interpretiert lesen würde. Viel mit eigenem Denken zu tun muss das nicht haben (ich hatte Glück, dass meine Einsicht ihn und mich gleichermaßen fasziniert hat); Hauptsache, man weiß, was sie hören wollen, und liefert das dann ab.

Eigentlich hatte ich nicht über Góngora nachgedacht, sondern über meinen Vater. Mir ist gestern schon aufgefallen, dass ich ja seit einigen Jahren sehr gern Kaffee trinke; das haben wir nun also gemeinsam. Was gestern konkret meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war die Beobachtung, dass, wenn ich mir meine leere Kaffeetasse unter die Nase halte und den Geruch des letzten verbliebenen Tropfens Kaffee inhaliere, ich mich unweigerlich an meine Kindheit erinnere, als derselbe Geruch nach dem Frühstück der leeren Tasse meines Vaters entströmte. Ich mochte Kaffee damals noch nicht; weder geschmacklich noch geruchlich sagte er mir zu.

Auf jeden Fall dachte ich mir dann eben: Wenn mein Vater mal tot ist, wird mir dieser Geruch ganz fürchterlich wehtun. Und dann konnte ich Mama verstehen, die immer moniert, dass wir kaum je auf die Idee kommen, uns gegenseitig anzurufen.

Ende vom Lied: Ich sollte öfter mit meinem Vater reden.

Sahne auf Käsekuchen

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Und schon wieder Nacht. Ich habe mir eins meiner Käsekuchengläser aufgemacht und verspeise aktuell dessen Inhalt zusammen mit Apfelmus und Sprühsahne. Zuverlässig erinnert mich dies an den dicken Drachen, Desipio, der einst von mir wissen wollte, ob ich die Kombination von Käsekuchen und Schlagsahne für geschmacklos halte. Und an Metronomy-Bernd, dessen Sohn vielleicht, vielleicht aber auch nicht irgendwann mal mit Käsekuchen nach meinem weltbesten Rezept verköstigt wurde.

Das waren schon komische Charaktere, die beiden. Jeder von ihnen hat meinen Blog über eine kurze Zeit hinweg heimgesucht, sogar intensivst (im Falle des Drachens), und sich im Anschluss wieder vom Acker gemacht, genau so plötzlich, wie sie hereingeschneit waren. Schon merkwürdig, wie die Leute manchmal so aus dem Nichts auftauchen, einmal kurz ein Stichflämmchen entfachen und dann in dasselbe dunkle Nichts hinein auf Nimmerwiedersehen wieder verschwinden. Aber dafür ist das Internet schließlich prädestiniert.

Ich sollte ins Bett. Seit Tagen stelle ich mir den Wecker auf 9.56 Uhr und schlafe jedes Mal am Ende doch bis zwölf. Das kann so nicht weitergehen.

Moving In with Billie

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Nachdem ich mich nun auch einmal angefangen habe über Alternativen zum in Kürze versterbenden blog.de zu informieren, habe ich mich dem Trend angeschlossen (dass ich das noch erleben darf) und mich für einen Umzug zu WordPress entschieden. Was sollte ich auch Anderes tun, wo der Name der aktuellen Version schon so effektiv meinen unterschwellig vermutlich auf Lebenszeit bestehen bleibenden Green Day-Fanatismus triggert.

Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.

Wanda.

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„Egunak oraindik ez du argitu baina… oskarbi dago zerua.“

Nein, andersherum. Egunak argitu du orain baina hodeitsu dago zerua. Hodeitsu dago egun osoa.

Ich bin müde, und das ist noch leicht untertrieben. Aber natürlich kann ich jetzt nicht schlafen, sonst bin ich ja tot, wenn ich nachher zu Lisa fahre. Und danach ist Probe mit Sarah und Moritz, also vorerst keine Chance auf Erholung von den Strapazen der letzten Nacht.

Kepa hat mich angerufen, während ich in der Uni war. Wenn ich nur wüsste, was er wollte. Nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich gerade in Euskera sitze, hat er sich geweigert, es mir mitzuteilen. Er würde es dann später nochmal versuchen, sagte er. Ich habe ihn zurückgerufen, als ich rauskam, aber er ging nicht ran. Er macht mich noch vollkommen fertig macht mich dieser Mensch.

Ich schlafe jetzt einfach trotzdem. Sei ich auch nachher tot. Containern muss ich auch noch; meine Eltern kommen morgen für ihren zweiwöchentlichen Großeinkauf in die Stadt, ganz nach Schweizer Manier, und natürlich möchte ich ihnen so viel es geht davon abnehmen. Dafür nehme ich sogar in Kauf, nach der Probe nochmal loszutingeltangeln, obwohl ich bis dahin wahrscheinlich komatös bin.

Kepa schrieb mir eben, er wäre jetzt auf der Arbeit und würde mich später anrufen. Ich bin vollkommen verwirrt. Warum will er mich jetzt unbedingt anrufen, was ist denn los? Er ruft mich nie an, außer es ist etwas Dringendes. Organisatorisches meistens. Oder aber um mir zu sagen, dass ihm ich nicht über Facebook die drogendealerischen Tätigkeiten meines Hundes mitteilen soll. (Und daraus resultierte dann unser einziges, dafür aber vierstündiges Skypegespräch. Ich bin also mehr als froh, es doch getan zu haben.)

Na wunderbar. Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft und bin nunmehr paranoid, dass es was Fürchterliches ist und etwas mit Namibia zu tun hat, oder aber mit mir, oder noch schlimmer, mit Beidem, der absolute Super-GAU.
Worst Case Scenario? Lass mich überlegen. Er hat wirklich irgendwas Unentschuldbares daran gefunden, wie ich den Luxmensch in unsere Reise einschleusen wollte. Oder allgemein irgendwelche negativen Gefühle mir gegenüber. Verachtung? Oder er ist sauer? Selbst die allerharmloseste Genervtheit wäre genug, um mich fertigzumachen. Allerschlimmstenfalls wäre er darauf aus, mich zu verletzen. Natürlich ist dem nicht so, zumindest wäre das niemals sein vordergründiges Ziel. Aber was weiß ich denn, ob es nicht zwangsläufige Konsequenz aus dem ist, das er mir zu sagen hat. Ach, keine Ahnung, ich habe einfach nur eine schwammige, undefinierte Panik, er könnte mich aus dem Fenster schmeißen.

Haha, weißt du, am Ende ist es irgendwas total Stumpfes wie.. Aber mir fällt nichts ein, nichts Stumpfes, weswegen er mich anrufen sollte. Die ganze Zeit nicht bei Facebook antworten und dann auf einmal anrufen. ARGH.

Mein Kopf ist unglaublich platt, habe ich das Gefühl, nach den drei Stunden Euskera. Heute war wirklich hart. Hart, aber gut, natürlich. Daniel hat ein paarmal im Hika mit mir geredet (was Sinn macht, weil wir ja dabeisind, ihn durchzunehmen, den Hika). Ich wäre fast geschmolzen. Irgendwas ist sehr, sehr verkehrt mit mir. Das darf man gar keinem erzählen, was ich für einen merkwürdigen Hika-Fetisch habe. Wie gut, dass kaum ein Mensch die Kunst des Hika beherrscht, sonst wäre ich leichte Beute für jeden, der mich in irgendeiner Weise instrumentalisieren möchte.
Ich weiß, wer niemals erfahren darf, was es mit mir und dem Hika auf sich hat, Basti nämlich. Der würde auf der Stelle alles stehen und liegen lassen und sich daran machen, den verdammten Hika zu lernen – und er würde es schaffen – und dann würde er zeit seines Lebens nur noch Hika mit mir reden und ich müsste zusehen, wie ich es fertigbringe, nicht vollkommen wehrlos zu werden ob der Wirkung der Wörter. Es reicht ja schon, dass er anfängt, seine Facebooknachrichten mit simplen (aber nichtsdestotrotz effektiven) Wörtern auf Euskera zu versetzen. Verdammt sei mein Faible für diese Sprache, es sei verdammt. Ich komme mir wirklich vor wie.. hier. Schau. Language fetish at its best – wohl auf ewig eine meiner lebensdefinierendsten Szenen.

Einäugige Machenschaften

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Ach, ich glaub’s ja gar nicht. Schon wieder ewig und drei Tage mit Becci geredet, und auf einmal ist es so irre spät und sie ist lieber mal ins Bett, um ihren Schlafrhythmus nicht gänzlich durcheinanderzubringen. (Ich muss immer an den Ukumensch denken, wen ich Rhythmus schreibe, weil er sich irgendwann mal vertippt hat und.. egal.) Ich hab ne Flasche Wein getrunken, weil ich nunmal latent alkoholikerisch angehaucht bin, aber was soll’s. Trudi kam grad nach Hause. Und ich hab das erste Mal heute Oil Pulling ausprobiert. Ich muss mir dringend mein eigenes Kokosöl bestellen, nicht dass ich ihr alles wegpulle.

Meine Finger sind etwas schwer, aber ansonsten klappt es super mit dem Tippen, was ich ja wieder beunruhigend finde. Oh je, oh je.

Ich hab mit Becci so viel über Demenz geredet. Deprimierend wäre das, wenn ich nicht wüsste, dass ich es hoffentlich morgen wieder vergessen habe. Nein, das ist gar nicht ironisch, kein bisschen.

Ich habe Sarah vorhin Erkältungstee gebracht, weil es sie jetzt auch erwischt hat. Jeder, dem ich im Laufe der letzten Woche begegnet bin, scheint jetzt erkältet zu sein. Ich fühle mich schuldig. (Gut, dass ich zumindest nach den Buchstaben suchen muss, bevor ich sie treffe.)

Ich kann mich jetzt schon nicht mehr an die Unterhaltung mit Trudi erinnern. Oh je.
Und Becci und ich haben über Bachelorarbeiten geredet. Vielleicht wird es nicht ganz so schlimm, wie ich befürchte. Ich muss nur Maialen fragen.

Warte, vielleicht kann ich mich doch erinnern. Sie hat die Tür aufgemacht und etwas über Essen gesagt. Und dann hat sie gefragt, ob sie sie wieder zumachen soll. Uiuiui, was für ein Gedächtnis.

Langsam schaffe ich den H-Dur-Griff. Den brauche ich für Haizea.

Vielleicht muss ich morgen nicht zum Obdachlosenheim, wenn Ilmari geht. Dann kann ich einfach den ganzen Tag hier gammeln, das wäre auch nicht übel.

Ich geh mal Zähne putzen.

Am liebsten würde ich Kepa-Pedro schreiben, aber der ist am Hardcore-Curlen oder Sonstwas-Tun und kann mir selber schreiben, wenn er Zeit hat. Meine erbärmlichen Tage sind vorbei, möp.

Um die Tippfehler rauszukorrigieren, hilft es, einfach ein Auge zuzumachen.

Messy – in a good way.

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Zum ersten Mal in meiner Lebenszeit.

Historisches Ereignis.

Historisches Ereignis.

Das verdrängt doch fast das Bild in den Tod stürzender Männer auf einer gigantischen Baustelle und der Verzweiflung in den Gesichtern der Vertriebenen, den Gedanken an die ungeheuren Massen an Geld, die an diesem Abend neue Besitzer finden. Irgendwie kam mir das alles kurz vor Spielende nach langer erfolgreich aufrecht erhaltener Verdrängung wieder in den Sinn. Dann gewann das deutsche Team das Spiel.

Wie sagte Susmita so passend – „it’s getting messy!“
Except in a good way.

Ich hätte eigentlich gern noch ein bisschen was geschrieben, aber kann nicht mehr. Morgen Arbeit. Donnerstag Morfología. Igitt.
Schlafen.

Randomness – eine Überdosis.

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Ein paar der Geschichten von Anaïs Nin sind mir zu sehr abgedreht. (Ich lese immer noch ab und an in ihrer Sammlung, „Under a Glass Bell“. Da sieht man mal wieder, wie lange heutzutage so ein Winzig-Buch bei mir ausreicht.)

Man kann es sich auch einfach machen. Sicher, ihr Stil ist wunderschön und ich liebe ihre Metaphern – ich bin ja auch so ein Metaphernmensch und fühle mich in ihren Worten immer zu Hause, aber inhaltlich.. ist es mir teilweise zu random.

Schon wieder random. Im letzten Eintrag kam das Wort auch schon vor – ich muss dabei jedes Mal an meine Mutter denken und wie sie mich auslacht, immer wenn ich „random“ sage – weil sie wohl findet, ich sei meiner eigenen Sprache nicht mächtig genug, um ein passendes deutsches Synonym zu verwenden. Dabei ist es einfach so, schlicht und ergreifend – es gibt keins. Was soll man machen, der deutschen Sprache fehlt einfach mal ein Wort für „random“. (Und komm mir nicht mit „willkürlich, zufällig gewählt“ und so weiter. Lieber Mensch, das ist doch ein ganz anderes Register. We’re talking colloquial speech here, everyday language.)

Im Fall von Anaïs Nin bin ich jedenfalls der Meinung, dass sie es mit ihrer Randomness (oder noch besser, „Abgespacedheit“) ein wenig übertreibt. Es ist zu einfach. So kann jeder schreiben. Und dann, Leute, macht euch ans Interpretieren, was kann sie nur gemeint haben? Oh so philosophisch, oh so eloquent-melancholisch in anderen Sphären schwebend. Und dabei weiß ich haargenau, du hast auch nicht verstanden, was sie eigentlich will. Also wirklich.
Es ist zu einfach. Wer kann sich nicht der schönsten Stilmittel bedienen, wenn man einfach nur schreibt um des Schreibens Willen. Das könnte ich ja genauso machen. Hochdramatisch und intellektuell schreiben und mir ganz toll vorkommen, oh, ich bin ja so reflektiert. Das beeindruckt. Aber wozu, wenn man eigentlich in erster Linie eine Nachricht vermitteln will.

Aber vielleicht will sie ja gar keine Nachricht vermitteln. Das ist natürlich auch möglich. Vielleicht hatte sie einfach gerade Lust, ein bisschen abstraktes Zeug zu schreiben, in dem sich die Leute verlieren können. Das natürlich kann auch sein. Dann wollen wir mal nicht so sein. Mir gefallen trotzdem ihre noch halbwegs down-to-Earth Geschichten besser, wo ich inhaltlich auch wirklich etwas draus ziehen kann.

So viel dazu. Wo auch immer das jetzt herkam; ich hab‘ heute nichtmal etwas von ihr gelesen.