Schlagwort-Archive: Aufgeben

Geht alle sterben.

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Undine und Lukas sitzen draußen auf ihrer Terrasse und freuen sich ihres Lebens. Ich ertrage es nicht. Hört auf zu lachen, hört auf zu reden. Eure ist die Pärchenkillerwohnung, warum seid ihr noch da und mein Mensch zum Draußensitzen, Reden und Trinken ist weg – vermutlich ohne je noch einmal daran zu denken?

Meine Kopfhörer mit der Candy-Crush-Hintergrundmusik und die geschlossene Terrassentür lassen die Stimmen durch wie ein Sieb das Wasser. Ich pack es nicht.

Das allseits bekannte „Wie kann es ihm so wenig ausmachen“ hämmert und hämmert und hämmert, hämmert und hämmert und hämmert. Wenn ich könnte, würde ich mich seitwärts auf das Sofa legen und jammern, aua aua aua aua aua aua aua aaaaau, ahaaaaaaau, als wäre ich zwei Jahre alt und hätte mir den Kopf irgendwo angehauen.

Es tut. So. Weh.

Ich wollte heute duschen, saugen und zwei Flaschen Altglas wegbringen, einfach um mal wieder draußen gewesen zu sein, aber habe nichts gemacht. Ich weiß einfach nicht, wofür. Mir erschließt sich der Sinn des Weiterexistierens in dieser Einsamkeit nicht, und besonders nicht der des Lebens für mich selbst, und ebensowenig der von etwaigen zukünftigen erneuten Versuchen, das zu erreichen, was ich glaubte erreicht zu haben. Was soll der Sinn sein, solange das Risiko besteht, nochmals genau hier zu landen.

Weitergeben? Aufmachen?

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Viel telefoniert heute. Mit Jana, Oma und Nicole. Mit Kepa geschrieben und kurz mit Becci, Caro und Rini. So geht das, wenn man sich bemüht und wenn Menschen für einen da sind.

Habe trotz aller sozialen Kontakte nicht den leichtesten aller Tage gehabt. Tatsächlich habe ich vorhin an R eine Nachricht geschrieben, wenn auch keine der (auf den ersten Blick) verzweifelten Sorte, sondern eine, mit der ich dem überwältigenden Bedürfnis nachkam, etwas zu korrigieren, das ich am Freitag gesagt hatte. Das dürfte mir gelungen sein, aber ich fühle mich nicht besser. Meiner Bitte (und seiner Natur) gemäß hat er darauf nicht geantwortet, stattdessen sah ich mich damit konfrontiert, wie er kurze Zeit später in der Signal-Gruppe munter mit Wolfgang Pläne fürs Wochenende machte.

Ich weiß; was will ich denn, ich wollte explizit keine Reaktion haben. Nun bin ich jedenfalls zum Wohle meines eigenen Seelenheils aus der verdammten Signal-Gruppe raus, es ging einfach gar nicht mehr. Habe Yannick geschrieben, er möge mir bitte auf anderem Wege bescheid sagen, wenn er auf Essenssuche geht. Das war doch hoffentlich nicht zu viel verlangt.

Vielleicht ist es auch irrelevant, ob mein Containerfahrservice weiter besteht. Vielleicht überlege ich mir das mit dem Trimipramin nochmal genauer; vielleicht sind all die weisen Leute, die mir sagen, dass es besser wird, auch einfach besser als ich. Vielleicht ist Aufgeben nicht so sehr keine Option, wie ich es mir manchmal sage.

Hammers and Nails

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Wenn ich ihn bitte, sich seine schlimmste Angst zu vergegenwärtigen und sich vorzustellen, ein halbes Jahr lang jede Sekunde damit zu leben, vielleicht versteht er dann, dass ich es nicht schaffe. Nicht ein halbes Jahr lang. Eigentlich bin ich mit jeder verstrichenen Sekunde erstaunt, dass ich es offenbar immer noch aushalte.

Ich habe mit Caro geredet, die kein Problem darin sieht, wenn ich ihn um eine Verkürzung der Zeitspanne bitte. Mein Überlebensinstinkt sagt mir, dass das nicht genug ist. Mein kläglicher Rest Verstand sagt mir, dass es nicht in meiner Macht steht, diese Beziehung zu retten. Weil es nicht an mir liegt. Weil ich nichts tun kann, außer in einem Akt der Selbstsabotage die Entscheidung ohne die Pause von ihm zu verlangen, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Folge hat, dass er seine Sachen (zu Ende) packt und auf Nimmerwiedersehen in sein neues WG-Zimmer, seine wiedergewonnene Freiheit und sein neues Leben entschwindet.

Vielleicht hat er den Anstand, es selbst vorzuschlagen, wenn er sich morgen bewusst wird, dass mein Zustand sich nicht gebessert hat. Er hat nie den Eindruck gemacht, als würde es ihm viel ausmachen, mich leiden zu sehen, aber ich kann nicht glauben, dass er so weit gehen würde, mich bewusst in ein derartiges Elend zu stürzen.

Ich weiß; eigentlich bin ich es, die sich ins Elend stürzt. Mein CBT-Kurs lehrt mich (und mein Verstand bestätigt), dass Gefühle nicht die direkte Folge äußerer Ereignisse sind, sondern dem entspringen, was man selbst daraus macht. Ich erkenne mich wieder in Watzlawicks Geschichte über jemanden, der sich vom Nachbar einen Hammer ausleihen will und über dessen potenzielle Einwände so lange spekuliert, bis er rübergeht und den perplexen Mensch anschreit, „behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“.

Aber was tue ich dagegen? Wie halte ich mich davon ab, mich derartig in Hirngespinste hineinzusteigern? Zuallererst muss ich nach Hause. Dann muss ich mit R reden, ob der will oder nicht. Und von dort aus alles Weitere. Nun erstmal die anderthalb Tage bis dahin überleben, was sich nicht einfach gestaltet, denn weder Panik noch Verzweiflung lassen nach.

Wie zu etwarten war

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Klar. Natürlich, ich musste unbedingt mal wieder alles versauen. R taugt nicht als Suizid-Hotline-Arbeiter und ich selbst nicht als Diplomatin, sofern meine Mutter im Spiel ist. Wein taugt nicht als Deeskalator. Die besten Quality-Time-Maßnahmen machen niemanden zu einem besseren Menschen. Ich werde vermutlich dieses Desaster irgendwie überleben, aber frag nicht, wie.

Genugsein. Eine Utopie.

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Nachdem ich heute festgestellt habe, dass ich zu benebelt für die Welt war.. nimm dir als Erklärung dazu lieber das hier. Eine gegen Ende wirklich beeindruckende Dokumentation einer zu wenig dokumentierten Welt, der zwischen Wachsein und Schlafen nämlich, ich habe noch genau eine ähnliche Aufnahme aus Vitoria, aber diese hier ist eigentlich, was das angeht, unparalleled.

Am Einschlafen 20.6.15

Ich konnte mich im Übrigen auch erst wieder daran erinnern, die Aufnahme überhaupt angefertigt zu haben, als ich das AG heute Früh bei mir im Bett liegen sah. Es hingen noch vier Stunden Schlaf dran, welche ich dir hier erspare.

Mir ging’s noch nicht wieder richtig gut, als ich aufwachte heute Morgen. Um ein Haar hätte ich meine Laune als Ausrede benutzt, mich einfach ganz wieder hinzuhauen heute an meinem komplett freien Tag. Zum Glück habe ich mir selbst entgegengewirkt und war lieber im Garten produktiv, bevor mich dann doch die Lethargie wieder packte und ich mich zurück ins Bett begab. Zu viel Vortex gezockt heute, eindeutig zu viel. Ich fühle mich unerfüllt.

R kommt Montag Früh schon. Meine Begeisterung darüber wird in erster Linie von dem Wissen getrübt, dass er Montag und Dienstag vier WG-Besichtigungen vor sich hat und sich das frühere Aufschlagen vor allem darin begründet, sowie von seiner grenzenlosen Egozentriertheit, mit der er es tatsächlich schafft, nicht zu begreifen, dass man betrunkenes Aspi bitte nicht mit Poly-Bemerkungen behelligt. Beziehungsweise von dem entsetzlichen Gefühl, das das schon wieder ausgelöst hat. (Es ist immer noch da, wenn auch nicht mehr so schrecklich doll.) Wie um alles in der Welt soll ich denn meine Mauerabbauarbeit leisten, wenn er alle paar Sekunden von vorne mit Bemerkungen in diese Richtung aufwartet. Ich dachte, ich könnte die Arbeit weitestgehend unbemerkt und ohne viel Theater vonstattengehen lassen, aber wie’s aussieht, sollte ich ihm doch nochmal explizit mitteilen.. ach, was soll’s. Mitteilen hin oder her, das wird doch nichts. Wieso geb‘ ich’s nicht gleich komplett auf. Ich könnte auch einfach weiter auf der erfolglosen Suche nach jemandem vor mich hinvegetieren, dem ich schlicht und ergreifend und ganz ohne Aufopferung fragwürdiger Prinzipien genug bin.

So how can you look/ the world in the eyes/ when all we can see is corruption and lies?

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Wie kann eigentlich die Grenze so dünn sein zwischen vollkommen normaler Existenz und vollkommener Zerstörtheit. Erste Suizidgedanken seit Jahren. Ich bin froh, wenn ich die Nacht bis 7.30am, wenn R kommt, überlebe. Ich bezweifele allerdings, dass R sehr froh sein wird, dass ich überlebt habe, wenn er mich in meinem abgewrackten Zustand kennenlernt.

Dass niemand da ist, hilft nicht. R arbeitet, Lisa arbeitet und ist nicht belastbar, Caro arbeitet, Marie ist nicht belastbar, mein Vater arbeitet, meine Mutter ist als unmittelbar Beteiligte nicht die richtige Ansprechpartnerin (und noch dazu nicht belastbar), meine Großeltern sind nicht belastbar, Basti hat Euskera; Laura, Janine, Robert, JO, alle nicht da. Wobei unter diesen Kandidaten auch wieder einige sind, die mit diesem Scheiß zuzulabern mir nicht richtig vorkäme bzw. von denen ich mir wenig Hilfe erhoffen würde.

Vielleicht kann mir irgendjemand eine neue Perspektive zeichnen. Ich bin zu blockiert dafür.

Paranoia spät am Abend; Paranoia, die ist schön. (Nicht.)

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Das war toll. Gleich schreibe ich Spracherwerb, gebe vorher noch Sofie Unterricht und sollte vielleicht jetzt etwas lernen. Ist ja nicht so, als hätte ich bisher noch nichts gelernt, nein. Gar nicht. Ist ja nicht so, als würde ich bestialisch nach Knoblauch stinken und müsste dringendst noch duschen, bevor ich zu Sofie fahre.

Natürlich musste ich gestern, als alle wegwaren, einen betrunkenen Heulanfall schieben, nachdem R damit anfing, es wäre ihm im Fall, wir würden uns „sowas wie trennen“, sehr wichtig, mich als Freundin zu behalten. Ich wurde auf der Stelle paranoid und war überzeugt, gleich von ihm abserviert zu werden, fing an zu heulen und hörte eine halbe Stunde nicht mehr auf; wie grandios das einfach war. Nicht. Irgendwann sagte er, er würde mich lieben. Das war abstrus. Ich habe nichts zurückgesagt. Was auch. Du bist einer der wundervollsten Menschen, die mir je untergekommen sind, aber wenn ich mir erlaube, dich zu lieben, erlaube ich dir, mich zu zerstören. Du wirst mich so hart zerstören. Das vielleicht?

Es gibt ihn nicht in mono, sagt er. Es geht einfach nicht. Ich kann es nichtmal verdrängen, weil er es einfach selbst mit schöner Regelmäßigkeit auf den Tisch bringt, was auch gut so ist, weil es mich erinnert, die Mauer nicht vollkommen fallenzulassen, das bröckelige, poröse Ding, das nach der kurzen Zeit noch übrig ist.

Lernen sollst du, lernen.

Pika-pi..

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So. Dann trinke ich mal schnell meinen Tee aus und wende mich wieder der Transkription von Caros Interview mit Jesse Michaels zu. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Wenn ich noch zwei Punkte transkribiert habe, werde ich eine Pause machen und Ingwersauce herstellen und einkochen. In meinem Einkochautomat. (Oder Eikochautomat, wie Papa gestern zu unser beider Belustigung zuerst verstand.) Ich freue mich so unheimlich dadrauf, das glaubst du nicht..

Ich habe inzwischen mit Kepa wegen Basti und Namibia geredet (geredet! So richtig mit Telefonieren! Es geschehen noch Zeichen und Wunder) und gestern Letzterem erstmal mitteilen müssen, dass das nichts wird. Er hat es mit Fassung aufgenommen, auch wenn er ein-zwei böse Bemerkungen gemacht hat in Richtung, mit der Einstellung könnte Kepa ohne Weiteres auch in Luxemburg leben. Dafür hat er sich allerdings ruckzuck entschuldigt, nachdem er gemerkt hat, dass mir das gar nicht so passt.
„Sorry. Ich hab‘ grad nicht dran gedacht, dass du.. ja. Na, egal.“

Macht nichts. Ich würd’s auch gern mal vergessen. Stattdessen träume ich Schwachsinn, wenn ich schlafe, und denke Schwachsinn, wenn ich wachbin, und bin eine einzige riesige Sammelstelle für Schwachsinn und Verwirrung und eine nicht enden wollende Ladung dieser völlig irrationalen Unfähigkeit, einfach mal aufzugeben, ein einziges riesiges Arrrgh.

Nun aber gehe ich transkribieren und Sauce machen und weiter transkribieren und Unizeug prokrastinieren und mich daran erinnern, dass ich ein Leben habe, das ich auf gar keinen Fall verlieren werde, auf keinsten Fall, egal, was sich ein einzelner bedepperter Mensch zu tun oder eben nicht zu tun entschließt.

Feuerwerk (aber irgendwie mehr Autounfall).

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[Fast hätte ich es vergessen. Trotz der relativen Sicherheit, dass dieser Absatz überflüssig ist wie ein Kropf, besser Vorsicht als Nachsicht – Kepatto, ich würd‘ dich bitten, diesen Eintrag zu überspringen. Ich bin zu übermüdet für die Welt und werde jetzt von dem mir deinerseits eingeräumten Recht Gebrauch machen, über dich zu lästern. Oder so.]

Ich hab‘ vorhin also Folgendes erfahren: Ich bin ein Feuerwerk. Und ein Autounfall. Und irgendwann in einer fernen Vergangenheit ist jemand regelmäßig im Angesicht meiner Art zu sein und zu leben erstarrt. Und er hat aber akzeptiert, dass ich ihn „wegwerfe“. Die Person, von der verlassen zu werden er nicht einfach akzeptiert, die wird er lieben.

Wie genau Caro auf einmal dazu kam, den Blog des Ukumenschen zu stalken, habe ich schon jetzt wieder verdrängt. Aber dass sie es getan hat, hat mir zu Wissen verholfen, das ich vermutlich sonst im Leben nicht bekommen hätte.

Ich bin wirklich sehr anders als sie. Ich hätte es nicht in dreitausend Jahren ausgehalten, seinen Blog weiterzulesen. Ich hab‘ nach dem 15. Dezember nicht ein Mal mehr draufgeguckt, nicht ein Mal. Doch, ein Mal. Irgendwann später, zufällig. Es ging, soweit ich mich erinnere, um jemanden, von der verlassen zu werden er augenscheinlich schon ohne das tatsächliche Eintreten besagten Szenarios weniger kampflos akzeptiert hätte.

Es ist eigentlich ganz lustig, weil es genau das war, was ich unbewusst wohl verstanden habe damals. Weshalb es so furchtbar war, dass er es einfach akzeptiert hat. „Mit fallengelassenen Waffen“, und irgendwas von einer roten Linie labernd, die ich überschritten hätte. Ich hätte so gern gehabt, dass er es nicht einfach akzeptiert. Ich scheine aber eben wohl doch mehr Autounfall gewesen zu sein als Feuerwerk. Was wohl nicht gereicht hat – ich bin bis heute ratlos. Und ich war es immer, immer, wenn ich anfing, darüber nachzudenken, wie man jemanden so faszinieren und ihm gleichzeitig nicht den leisesten Anflug von Gegenwehr wertsein kann, wenn man ihn wegwirft. Oder in meinem Fall, mit einem Hechtsprung der verzweifelten Sorte sich selbst aus der Schusslinie wirft, aus seiner nämlich.

Gut gemacht, wirklich. Weil es noch nicht reicht, dass mir jemand, der sich selbst nichtmal ein Zehntel des ukumenschlichen Zerstörungspotenzials auch nur zutraut (und mir einst sagte, er sei ukulelisch gesehen ein Vollspaten), die widersprüchlichsten aller Signale gibt und sich dabei als so vollkommen unerwartet fähig erweist, einen im Saft der eigenen Spekulationen schmoren zu lassen.. muss sich natürlich auch noch die sorgfältig verdrängte Enttäuschung über das kampflose Aufgeben dieses unergründlichen Menschen wieder melden. Warum hätte er nicht vorschlagen können, dran zu arbeiten. Warum war ich das schon wieder nicht wert. So viel Arbeit, wie ich jede Sekunde meines wachen Lebens aufbringe, so wenig davon scheine ich dem Rest der Welt wert zu sein. So ein Feuerwerk bin ich dann nämlich doch nicht. Vielleicht bin ich einfach zu unspektakulär. An ein Feuerwerk stellt man ja schon wieder ganz andere Ansprüche als an so ein kleines Leuchtchen. Ich wäre zufriedener damit gewesen, ein kleines Leuchtchen zu sein, so wie ich es annahm. So versage ich schon wieder dabei, irgendwelchen unrealistischen Erwartungen und Ansprüchen nachzukommen, von denen ich nicht einmal eine Idee habe, wie sie überhaupt entstanden sind.

Das ist nun bei Weitem das Nächste, das ich an übermäßig selbstmitleidige Attacken bzw. dementsprechende Einträge seit gefühlten Ewigkeiten herankomme – wen wundert’s, es ist der Ukumensch involviert; offenbar hat er seine so charakteristische Wirkung bis heute nicht verloren.

Ukumensch, was hätte ich denn anders machen können.

Kepa, willst du mir nicht vielleicht einfach mal mitteilen, ob ich mit dir auf das nächste Disaster der gleichen Art zusteuere, ob sich am Ende rausstellt, ja nee, du bist schon ganz in Ordnung, aber so in Ordnung dann doch wieder nicht – ich brauch‘ deine Zuneigung nicht, auch wenn ich ab und an so tue, als brächte ich dir selbst welche entgegen. Um alles in der Welt, dann lass es doch einfach gut sein. Was ist daran denn besser als vorher, als wenigstens niemandes Seelenheil auf dem Spiel stand. Ich hab‘ so eine Angst. Wenn er kein Problem damit hatte, es mit Sarah abzuziehen, wird es.. Hör auf. Was ist denn in dich gefahren. Jammern kannst du, wenn es soweit ist. Himmels Willen.

Meine Güte, ist das furchtbar.

Cold turkey’s getting stale (but I’m not eating the crow, it’s meat).

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Es ist krass. Ich hätte mich für wesentlich stabiler gehalten. Ich merke die Abwesenheit stabilisierender Chemikalien in meinem System kolossal, womit ich gar nicht wirklich gerechnet hatte. Ich hab‘ gar nicht großartig vor zu jammern, muss das aber trotzdem ein Mal kurz schildern, immerhin erlebt man so etwas ja auch nicht alle Tage.

Es ist nicht so, als wäre mir mit einem Mal der Regenschirm aus der Hand gerissen worden.

Oder? Ich bin mir gerade selbst nicht mehr sicher. Was dagegen sicher ist: Es ist ein Chaos gerade. Ich stehe noch mehr beobachtend da, merke, dass es passiert, aber versuche es nicht auszuwerten. Zu hoffen wäre aber, dass es nicht so bleibt. Das ist ja unschön. Stressige Dinge passieren und ich lasse mich umwerfen, das war schon so lange nicht mehr der Fall. Ob mir nach Heulen zumute ist oder nicht, hängt davon ab, ob ich meinen Kopf nach links oder rechts geneigt halte. (Links – ja, rechts – nicht so sehr.) Ich misstraue allem und jedem, und am meisten mir selbst und meiner Überlebensfähigkeit. Was immer du mir sagst, ich werde es falsch auffassen und daraus einen Angriff zaubern, eine ungerechtfertigte Kritik, eine subtile Genervtheit, ein Zeichen unserer Inkompatibilität als Menschen – Freunde, Mitbewohner, Arbeitskollegen – oder einfach nur Desinteresse. Ich bin dir doch eigentlich egal. Wie ewig habe ich das nicht mehr gedacht. Momentan erwische ich mich in einer Tour dabei.

Es schmilzt alles um mich herum zu einem ekligen Brei zusammen. Ich komme mir aufs Allerbrutalste hin- und hergeschüttelt vor. Mein Kopf fühlt sich merkwürdig an. Es ist überhaupt nichts passiert, aber ich heule bei jeder Kleinigkeit. Es ist überhaupt nichts passiert, nichts, aber ich habe auf einmal das Gefühl, allein zu sein. Dass ich für all meine wichtigsten Lebensinhalte wertlos bin und meine Freundschaften wertlos sind und ich NIEMALS von irgendjemandem für irgendetwas geschätzt werden werde, dass alles, was ich tue, sinnlos ist, und was ich nicht tue, viel zu viel. Ich habe in diesen letzten paar Minuten so sehr am Rad gedreht wie seit Vitoria nicht mehr. Es soll sich bitte bald einpendeln; ich kann doch nicht anfangen, jetzt vollkommen durchzudrehen. Ich komme mir kein bisschen gut vor. Ich geb‘ dem ganzen drei Wochen; wenn’s dann nicht besser wird, sollte ich mir überlegen, mit dem Zeug wieder anzufangen.

„I’m not a quitter“, höre ich in meinem Kopf, but then, der Mensch braucht auch ein gesundes Urteilsvermögen, um überhaupt das Aufgeben erst einmal als solches klassifizieren zu können. Wie es momentan aussieht, habe ich die Wahl zwischen drei Optionen. Erstens, es langfristig zu versuchen und zu schauen, ob ich mich von alleine wieder einkriege, und dabei gegen die Verlockung anzukämpfen, die es momentan darstellt, sämtliche sozialen Kontakte zu kappen, alles an Verpflichtungen aufzugeben, mich auf dem Boden meines Zimmers zusammenzurollen (sofern ich da zwischen dem ganzen unaufgeräumten Kram noch Platz finde) und drei Monate nicht mehr aufzustehen. Zweitens, es langfristig zu versuchen, zu failen und am Ende der Verlockung nachzugeben, sämtliche sozialen Kontakte zu kappen, alles an Verpflichtungen aufzugeben, mich auf dem Boden meines Zimmers zwischen all dem unaufgeräumten Kram zusammenzurollen und drei Monate nicht mehr aufzustehen. Drittens, einzusehen, dass es offenbar momentan keinen Zweck hat, mir also bald nen Termin beim Rank zu machen, um mir das von fachkräftlicher Seite aus bestätigen und mir ein Rezept ausstellen zu lassen, und wieder zu mir selbst zurückzufinden.

Fassen wir also zusammen, dass Aufgeben in dieser Situation vor allem daraus bestünde, nicht mehr zur Uni zu gehen, meine Zähne vergammeln zu lassen, mich vor der Welt in meinem Zimmer zu verstecken und im Nu wieder dort zu landen, wo ich mich vor nicht allzulanger Zeit noch befunden habe. Solange das nicht passiert, ist auch nichts verloren.