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Wach

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Hallo, Welt!

Ich bin zwar kein Computerprogramm, aber ich finde, man darf auch als Mensch mal die Welt begrüßen, wenn einem danach ist.

Dieses Aufwachen habe ich vermisst. Ich schätze auch, dass es nicht so lange halten wird; mittlerweile lebe ich eigentlich hauptsächlich im Sumpf, und das gar nicht mal so schlecht. Es ist halt nicht sehr viel los da unten, aber das gilt in alle Richtungen. Nichts Tolles, nichts Schreckliches; man vegetiert dahin und denkt ab und an darüber nach, dass alles Leben an einem vorbeizieht.

Heute aber bin ich wach und da. Ich habe gestern Abend eine To-Do-Liste erstellt, die so gigantisch ist, dass ich sie unmöglich dieses Wochenende abarbeiten kann. Das macht aber nichts. Hauptsache, ich tue überhaupt etwas.

Draußen liegt Schnee und der Himmel ist weiß-gräulich.

R ist auf der anderen Seite der Stadt, weil die Solid sich versammelt. Daher bin ich allein, was mich zum Handeln befähigt.

Ich hatte einen Impuls vorhin und habe nach Depressions-Selbsthilfegruppen in der Stadt gegooglet. Die Idee hat sich in meinem Kopf wirklich ziemlich gut angehört; eine der besseren in letzter Zeit. Natürlich habe ich nichts gefunden außer einer komischen EA-Gruppe, die mich nicht ganz überzeugt hat. Es klang einfach schon so dogmatisch und – ganz ehrlich, wenn ich „Hallo, ich bin Aspi und meinen Emotionen gegenüber machtlos“ nur denke, geschweige denn mir vorstelle, es laut auszusprechen, kriege ich das kalte Kotzen. Als Verfechterin des „Fake it ‚til you make it“-Prinzips habe ich etwas, nein, habe ich ganz viel dagegen, sich so plump in eine solche Opferrolle hineinzureden. Trotzdem fühle ich mich ganz gut, weil ich immerhin so eine gute Idee hatte und sie sogar in Ansätzen verfolgt habe.

Außerdem habe ich ein Gläschen meiner süßen Semmelknödel zum Frühstück gegessen. Warum das so eine Errungenschaft ist, kann man eigentlich nur verstehen, wenn man in meinem Kopf und zeitgleich in meinem Haushalt lebt. Suffice it to say, dass diese Knödelgläser schon länger existieren, als ich hier wohne, und ich froh über jedes Mal bin, dass es wieder eins weniger wird.

Mein Plan für den weiteren Tag ist es, zuerst mal mich selbst von Dreck und Gestank zu befreien. Ein Vorteil von tropischem Klima ist für mich in ganz wesentlichem Maße der, dass man sich nicht erst überwinden muss, bis man unter die Dusche geht. Klar, man schwitzt auch unentwegt und es sammelt sich Staub und klebriges Zeug auf der Haut, aber dafür kann man einfach jeden Tag duschen, auch wenn man eine Frostbeule ist. In meiner Wohnung ist es nicht tropisch. Meine Haare sind fettig und ich stinke bestialisch. Ich habe von Montag bis Donnerstag durchgezockt (nachdem ich am Sonntag R in einer epischen Reunion-Partie AOE fertiggemacht habe und daraufhin wieder der Sucht verfallen bin) und es die ganze Woche genau einen Tag aus meinem Schlafzeug heraus geschafft – das war Donnerstag, als ich zur Therapeutin musste. Aber auch davor reichte die Willenskraft nur zur Katzenwäsche. Was für ein Leben, möööh.

Egal, heute wird mal wieder ein Rundumschlag erfolgen. Ich werde geputzt, die Wohnung wird geputzt, Pfand weggebracht und alles Mögliche aufgeräumt. Das muss sein, bevor die nächste Lethargie-Etappe kommt.

Hier ist mal wieder mein All-Time Favorite Comic zum Thema. Jeder Mensch sollte diesen Comic in regelmäßigen Abständen sehen. Er ist so schön und wahr.

Es wird.

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Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.