Schlagwort-Archive: Ausbeute

Getting by

Standard

Das ging gestern noch richtig gut weiter. Erst schrieb mir Yannick, ob ich mit auf Essenssuche kommen will – was ich erfreut bejahte – und dann kündigte sich Jana an, die kurz nach ihrem Erscheinen gleich vorschlug, doch mit ihrem Auto zu fahren. So sparte ich mir das Bus- und Bahnfahren zu Yannick und gleichzeitig die halbe Route unseres Beutezugs, den wir auf diese Weise trotz Wolfgangs Abwesenheit in gewohnter Manier auf zwei Autos verteilen konnten.

Heute habe ich vor allem mit Mama geredet und gerade noch ein wenig mit Caro. Zwischendurch ist es mir gelungen, mich anzuziehen, etwas in der Küche für Ordnung zu sorgen, das Katzenklo sauberzumachen und einen Großteil des gestern Erbeuteten zu verstauen (darunter eine absurde Menge Kinder Pingui – eine meiner absoluten Lieblingssüßigkeiten, die ich seit Jahren nicht mehr gegessen hatte -, Hühnerfleisch im Überfluss, Kartoffeln, Lachsscheiben und Gemüse). Alles in allem ein höchst erfolgreicher Tag, an dem R und das Verlassenwerden sich nicht in den Vordergrund drängen konnten.

Morgen kommt Jana wieder her und arbeitet an ihrer Thesis. Falls es Caro gut geht und sie keine Blasenentzündung bekommt, reden wir hoffentlich. Tagsüber könnte ich zum Altglascontainer spazieren, etwas von der mittlerweile in rauen Mengen bei mir eingetroffenen Kernseife raspeln, Wäsche machen und das Bett im kleinen Zimmer von Anziehsachen befreien. Auch könnte ich mich damit befassen, R’s Kleiderschrank in Beschlag zu nehmen und aus meinem überquellenden (kleineren) eigenen Schrank einen Teil meiner Garderobe dort hineinzuverlagern.

Nicht vergessen darf ich außerdem, die Therapeutin anzurufen. Neun Uhr, üblicher Zeitpunkt, Sofa. Wie schön. Ich muss mit ihr darüber reden, dass ich nicht loslassen kann und wie ich es lernen könnte. Und darüber, wie ich erreichen kann, meinen Selbstwert aus mir selbst heraus zu schöpfen, nicht aus den Häppchen oder Happen, die ich von Anderen bekomme.

Realitätsferne, Kaffee und Putzmittelzutatenbestellrausch

Standard

Mir geht es gut, solange ich nicht damit konfrontiert werde, dass  R irgendwo ohne mich existiert, ohne mich einfach weiterlebt und mit allen Anderen normal Kontakt hat, aber nicht mit mir. Vielleicht sollte ich aus der Signal-Gruppe raus, um dies zu vermeiden. Andererseits bin ich demnächst auf Yannick angewiesen, um an Essen zu kommen. Also besser nicht austreten. Ein kleiner Reality-Check ab und an ist vielleicht auch nicht das Verkehrteste, damit ich nicht ganz und gar in eine Pseudowirklichkeit abdrifte, in der R und alles, das passiert ist, nicht oder nur ganz am Rande vorkommt. So weit kann ich es immer noch treiben, wenn es dann ganz und gar vorüber ist.

Becci ist nach Hause gefahren, einerseits, weil ihre Waltraudallergie sie dazu nötigte, andererseits, weil ihr Freund ihren Beistand brauchen kann. Seine Lebensplanung hat sich heute dank Virus um vier Monate nach hinten verschoben, was in seinem Fall mit erheblichen Komplikationen verbunden ist. Dagegen kann Becci zwar nicht viel ausrichten, aber man weiß ja, dass simples Dasein in solchen Situationen bereits eine ganze Menge helfen kann. Und da ich mich mittlerweile derart gefestigt fühle, dass ich heute sogar gewagt habe, mir den ersten Kaffee seit über einem Monat zu genehmigen (und die Unternehmung von Erfolg gekrönt war, was gleichzusetzen ist mit dem gänzlichen Ausbleiben eines Heul- oder Panikdramas), ließ sie mich, anders als beim letzten Mal, auch guten Gewissens alleine.

Morgen mache ich mich auf in die weite Welt. Genauer gesagt, ans andere Stadtende, um meinen Eimer Zitronensäure abzuholen und eventuell auf dem Weg dorthin (endlich mal) noch Pfand wegzubringen. Abends wird unten bei der Bäckerei Brötchen gerettet – und mir fällt erst in diesem Moment auf, dass es deutlich schwerer werden dürfte, den zu erwartenden Sack Brötchen ganz alleine wegzumampfen. Zumal dank des herrlichen Frühlingswetters nun auch der begehbare Kühlschrank ausfällt. Zum Glück gibt es ja noch Wolfgang, der mir sicher welche abnimmt. Und sowas wie Nachbarn hat man ja auch. Das wird schon.

Nebenbei habe ich gerade noch bei Ebay mit Kernseifenverkaufenden verhandelt und dabei einen Volltreffer gelandet: 114 Stück für 35 € inklusive Porto bei einem Stückpreis von 30 Cent. Ich habe einfach gefragt, ob er mir das Porto erlässt, wenn ich sie alle nehme, und er hat tatsächlich eingewilligt – das ist mit Abstand der beste Ebay-Deal, der mir jemals gelungen ist. Vor allem die andere Person, mit der ich zuerst zu tun hatte, kann dagegen abstinken. Die wollte nämlich 1 € pro Stück. Uff, das war knapp.

So, grad direkt nochmal eine Ladung Natron, mehr Waschsoda und mehr Zitronensäure aus einer einzigen Anzeige geordert, einfach weil es sich kein bisschen gelohnt hätte, nur das Natron alleine zu bestellen.

Es wird allerhöchste Zeit, dass ich wieder arbeite.

Aktiv und kaputt

Standard

Muss schlafen. Habe bis nachts um zwei Fleischabfälle für die Katze zerstückelt und eingetütet, was natürlich der angenehmste Zeitvertreib unter der Sonne zum idealsten Zeitpunkt ist.

Zudem war ich recht früh wach und den Tag über ziemlich aktiv. Ich scheine von innen heraus dazu angetrieben zu werden, die befähigende Wirkung von Beccis Gegenwart bis zum letzten Tropfen auszuschöpfen. Becci geht es noch immer schlecht, mittlerweile nicht mehr so sehr wegen ihres Ohres, sondern aufgrund von Regelschmerzen. Trotzdem bemüht sie sich, meinem absurden Tatendrang nicht im Weg zu stehen, und lässt sich teilweise sogar davon zu eigener Aktivität motivieren.

Mal schauen, was wir morgen alles Tolles erledigt bekommen.

Überbuchung – ein neuer Fall

Standard

Zwei Tage noch, dann geht’s heim. Gerade rechtzeitig ist meine Erkältung wieder abgeflaut, meine Grundstimmung beruhigt, Plants vs. Zombies ein weiteres Mal praktisch zu Ende gezockt und mein Buch fast durchgelesen. Wie es aussieht, komme ich noch dazu, ein neues anzufangen – ich werde mir Tortilla Flat vornehmen, welches mir Mama im Sommer schon bereitgelegt hatte, in der Hoffnung, dass ich es noch fertigbekomme, bevor ich fahre. So dünn, wie es ist, sollte das doch möglich sein. Wobei das Dünnsein an sich ja nichts zu sagen haben muss; Lord Jim ist auch nicht sonderlich voluminös und ich habe ein halbes Jahr dafür gebraucht.

Ich bin heilfroh, dass ich mir das Lesen wieder angewöhnen konnte. Zwar werde ich es niemals wieder so exzessiv betreiben wie in meiner Kindheit, aber die paar Seiten jeden Abend sind mir heilig. Mir wird (das ist nun der beruhigten Grundstimmung nicht zuträglich, aber so be it) bei dem Gedanken übel, dass ich vermutlich mit einer Übermenge verzockter Stunden auf dem Konto und im Besitz eines Regals voller ungelesener Bücher sterben werde. Was nicht zuletzt daran liest, dass ich vom Tsundoku nicht mehr wegkomme, solange die Menschheit um mich herum sich ihrer Bücher geringschätzenderweise so bereitwillig entledigt. Und, let’s face it, das wird sie weiterhin tun, denn niemand liest mehr.

Selbst die Lesenden wollen ihre Bücher loswerden. Gerade gestern habe ich aus meinem Schweizer Exil heraus einen wunderbaren Fang gelandet: Wolfgang hat im Rahmen seiner bevorstehenden Rückkehr nach Argentinien aussortiert – und ich habe geerbt. Wolfgangs Büchersammlung dürfte für meine Bedürfnisse ungefähr mit Mamas Kleiderschrank in einer Liga spielen. Entsprechend gern nehme ich dafür in Kauf, dass mein Regal nun endgültig überquellen wird.

Ich muss einfach aufhören, so viel am Computer zu hängen. Das geht doch nicht. Was für einen Mehrwert hat es denn für mich, dass ich mehr als die Hälfte von Suits in zehn Tagen gesehen habe, besonders wenn ich mir überlege, was ich in der ganzen Zeit Sinnvolles hätte anfangen (und beenden) können? Genau.

Gotta Love Sperrmüll // Being Productive

Standard

Ich bin echt gut. Jeden Tag während R’s Abwesenheit – er kommt heute Nacht wieder – , heute eingeschlossen, war ich produktiv und nützlich. Ich habe am Freitag die gesamte Liste abgearbeitet und mir lediglich ein paar Sachen in der Garage für Samstag Früh übriggelassen, mit denen ich dann auch gerade fertig war, als Papa ankam. Es stand nur noch der Blumenkübel im Weg, den ich dann auch noch schnell wegräumte, als ich von der vorherigen Kellertour zurück in die Garage kam und überrascht feststellte, dass sich Papa schon in der Parklücke befand, soweit es denn möglich war. Talk about perfect timing.

Dann haben wir zusammen den Schrank in den Keller gebracht und er trug für mich den Kübel nach oben, und als er wieder weg war, habe ich ein paar Stunden lang im Keller gewerkelt und geräumt wie nichts Gutes, um den Schrank in Gebrauch zu nehmen. Es ist wundervoll geworden.

Hier oben haben sich ebenfalls Dinge getan: den vom Sperrmüll mitgenommenen Staubsauger habe ich ausprobiert und für nicht behaltenswert befunden. Die Ipod-Box vom gleichen Sperrmüllhaufen hingegen ist über alle Maßen genial und thront nunmehr auf der von Waltraud verschmähten zweiten Etage des Kratzbaums. Das kleine Schränkchen, welches ich während der zweiten Runde (auf dem Weg zum großen Schrank und der Kommode, wegen denen wir nochmal losgefahren waren) spontan eingesammelt hatte, steht wie geplant auf dem Bett und ist bestückt mit Kaffeeutensilien. Und die Kanne der am gleichen Abend bei unserer Hauptcontainerquelle eingesammelten Maschine wartet darauf, dass die Spülmaschine voll wird, um dann zusammen mit den Kaffeefiltern, die ich R heute beauftragt habe seinen Eltern abzuluchsen, unseren Traum endgültig wahrzumachen: Kaffee im Bett. Es ist der helle Wahnsinn, wie sich mit dieser einen Monstertour in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Lebensstandard wieder mal gesteigert hat. Und ich freue mich wie ein Schneekönig auf den Moment, in dem ich R die Kaffeekonstruktion kredenze. Oh, wie wird das episch.

Eigentlich müsste ich, damit es perfekt wird, noch den Balken von der Wandseite des Bettes abmontieren, dann kann das Schränkchen noch 10 Zentimeter weiter nach hinten und nimmt noch weniger Platz weg. Nicht dass auf unserem Bett der Platz ein riesiges Problem darstellen würde; selbst mit unserer 1,40-Matratze liegt immer noch ein großer Teil der Bettfläche brach und ist vermutlich genau so glücklich wie ich darüber, wenn er endlich mal ordentlich genutzt wird.

Heute habe ich, meinem gestern gefassten Entschluss gemäß, das Bad geputzt (nur die Badewanne fehlt noch, weil ich die Fugen darüber mit Schimmelentferner eingesprüht habe, der noch einwirken muss) und die Produkte auf der Ablagefläche vor dem Spiegel neu geordnet. Auf dem Rückweg von der Therapeutin am Donnerstag habe ich ein wunderbares Gestell mit verschiedenen Fächern und sogar einer kleinen Schublade eingesammelt, das sich optimal zur Aufbewahrung von Kosmetikzubehör eignet. Dieses habe ich nun ins Programm aufgenommen und mit Pinselchen, Kajal, Mascara, Abschminktüchern sowie meinen am meisten genutzten Lidschatten befüllt. Ich hoffe ja so halb, dass mich das motiviert, mir überhaupt mal wieder die Mühe zu machen, mein ganzes Schminkzeug auch zu benutzen.

Als Nächstes werde ich mich eine Stunde zum Unbabeln bewegen, um mir anschließend irgendeine CD zu bestellen, die ich wirklich gut in meiner Sammlung gebrauchen könnte. Davon gibt es viele, und da ich seit Papas Besuch auch ein neues CD-Regal habe (welches Mama vor ‚zig Monaten mal für mich vom Sperrmüll aufgesammelt hat), sind nun endlich wieder die entsprechenden Kapazitäten vorhanden, die ich für die Sammlungserweiterung dringend benötigt habe. Und für die Finanzierung des Ganzen sorgt vor jeder Bestellung eine Stunde Unbabel. Gut, oder?

Also, ich bin zufrieden. So könnte es weitergehen.

#andeneigenenhaaren

Standard

Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

Mea Maxima Pulpa

Standard

Gestern war, wie jedes Jahr, der Geburtstag meiner Oma. Allerdings wurde mir das erst gegen elf Uhr abends wieder bewusst, als ich die Foodsharing-Abholung, für die ich mich gerade eingetragen hatte, in meinem Kalender notieren wollte.

Ich war einfach den größten Teil des Tages damit beschäftigt, R’s feiertagsbedingte Anwesenheit mir zu Nutze machend, mit ihm zusammen den Inhalt einer der drei neulich containerten Packungen à zehn Liter Tomatenpulpe in kleinen Gläsern einzukochen und nebenbei mit dem Rest des Zehn-Liter-Eimers Champignons, den ich zu diesem Anlass geöffnet hatte und der aber weit mehr Champignons hergab, als ich mit der Pulpe vermischen konnte, genauso zu verfahren. Es passiert ja nicht gerade häufig, dass sich R an meinen Konservierungsaktionen beteiligt, und umso mehr habe ich es genossen, dieses Mal nicht alleine dazustehen. Ich hätte gar nicht erst die Motivation dazu gehabt, das alleine durchzuziehen.

Jedenfalls fiel mir dann um viertel vor zwölf Uhr abends siedend heiß ein, dass meine Oma nicht nur Geburtstag hatte, sondern sich auch mit meinem Opa im Urlaub befand. Und dass ich ihre Handynummer nicht kannte. Demzufolge habe ich sie heute, nachdem dieser Missstand behoben war, mit Anrufversuchen terrorisiert, bis sie dann endlich mal abnahm. Sie war nicht sonderlich verwundert. Sie kennt mich. Ich hoffe bloß, dass meine Mutter das nie zu hören bekommt; sie würde mir diese Geschichte länger nachtragen, als meine Oma noch lebt.

Also. Trust me to forget my own grandma’s 80th birthday over a massive tomato pulp and mushroom canning activity. Die Ergebnisse unserer gestrigen Plackerei können sich sehen lassen. Was ich mit den restlichen zwanzig Litern mache, ist mir allerdings schleierhaft – mir sind die Gläser ausgegangen.

Pendlerträume

Standard

Uff. Ich hänge mitten in einem Containerbeutezug der uneleganteren Sorte – Bus in die Stadt hatte Verspätung, Anschlussbahn verpasst, in der Zeit FairTeiler abgeklappert, dann Großhandel (mäßiger Erfolg) und kleiner Edeka (gar nichts), daraufhin eine knappe halbe Stunde Warten auf die Bahn zum neuen Spot, relativ erfolgreich (nicht quantitativ, aber dafür Konserven!). Dann die Bahn zurück um Sekunden verpasst trotz seitenzerstechendem Sprint mit der Ausbeute auf den Schultern. Halbe Stunde warten. Da bin ich gerade noch bei. Alles, was dem Ganzen jetzt noch einen draufsetzen könnte, wäre, den Bus nach Hause auch noch zu verpassen. Selten so ein vereintes Pech gehabt. Kurz vor dem Nervenkasper.

Habe R angerufen, um mich zumindest zu vergewissern, dass ich nicht schmerzlich vermisst werde, sondern er sowieso noch am Lernen ist. Dem war tatsächlich so. Ich habe unser geplantes Käsefondue auf morgen verschoben, denn das muss zelebriert werden und taugt nicht für einen Abend wie diesen, der zum Zeitpunkt meiner Rückkehr faktisch bereits vorbei ist. Zudem sind Wunden in meinem Mund, weil ich mir gestern im betrunkenen Zustand einmal links, einmal rechts auf die Lippe gebissen habe. Das hätte meine Fonduefreude heute zusätzlich gehemmt. Stattdessen habe ich R mit der Vorbereitung einer Topinambur-Möhren-Suppe beauftragt, die ich dann gleich nur noch pürieren und würzen müssen werde. Er rief vorhersehbarerweise ein paar Minuten später nochmal an, um sicherzugehen, dass der Topinambur auch wirklich die braunen Knollen waren, die er dafür hielt – ich wusste, wer mich anruft und warum, in dem Moment, als mein Handy klingelte. Das hat mich glücklich gemacht. Ich mag es, jemanden so gut zu kennen.

Gut. Die Zeit, bis die Bahn kommt, habe ich mir also schonmal erfolgreich verschrieben. Wenn ich gleich den Bus nach Hause bekomme, bin ich bereit, mich mit meinem Schicksal nochmal zu versöhnen.

Meine Mutter würde es Schicksal nennen.

Standard

Erst so früh? Ich bin hellauf begeistert, ich hätte es weit nach Mitternacht geschätzt.

Heute war ich – unglaublich, aber wahr – seit vor meinem Geburtstag zum ersten Mal wieder alleine containern. Diesem Leben, das wenig enthält außer Zocken, ein bisschen Arbeit und Lethargie, fehlte die Komponente des Alleine-Containern-Fahrens ganz furchtbar, auch wenn das bedeutet, dass mein durch Autogefahrenwerden verwöhnter Körper mal wieder die volle Dröhnung einer vollen Stunde in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den eigenen zwei Füßen bis zum Spot hin aushalten musste. Und natürlich war es, war ich dann einmal unterwegs, überhaupt nicht mehr schlimm und alles lief wie geschmiert.

Und weil ich beim Großhandel nicht den Monsterfang aller Monsterfänge gemacht hatte, beschloss ich kurzerhand, noch den neuen Spot ein paar S-Bahn-Haltestellen weiter anzusteuern, den ich bisher nur mit Auto zu erreichen geglaubt hatte. Hah. Gedankt sei meiner Eingebung, es trotzdem mal zu versuchen. Es gibt eine Haltestelle praktisch vor der Tür.

Auf dem Weg dorthin machte ich Bekanntschaft mit einem äußerst speziellen Menschen, der mich beim Warten auf die Bahn anquatschte. Ob das in meiner Hand ein Telefon sei. (Es war das AG. Ich nickte.) Ob ich auch in Schriesheim wohne. Eine Frage – ich sei „wundersüß“, ob ich einen Freund hätte. Er erklärte mir, er sei geistig behindert aufgrund von Kriegstraumata, und er war auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber er war eine herzensgute Seele. Er mochte mich. Als ich seine Frage nach dem Freund bejahte, ging er zur nächsten Laterne und tat, als würde er mit dem Kopf dagegenhauen. Warum nur ich einen Freund hätte? Dann erzählte er mir von seinen Problemen mit Beziehungen, dass er so gern eine Freundin hätte, aber ihn die Frauen immer nur verarschen würden. Er sei in Therapie deswegen. Und wegen des Kriegs. Frauen vergewaltigt. Eine Frau war schwanger, und… Dazu die Bewegung mit beiden Händen, wie um sich selbst den Bauch aufzureißen. Und Kinder… Die selbsterklärende Pantomime; Waffen, Mord und Totschlag. In den Himmel würde er wollen, dort hätte er keine Probleme mehr. Er müsse unentwegt heulen, immer in der S-Bahn, selbst im Schlaf würde er heulen. Er hätte sich extra den deutschen Pass gemacht und alles, aber bekäme einfach keine Arbeit. Einen Mann aus dem Feuer habe er gerettet, Gasexplosion, die Freundin sei nach Hause gekommen, es war da Feuer, sie habe nicht gewusst, dass er drin ist. Wenn er sterben würde, seine Leiche wäre hier nicht willkommen, man müsse ihn nach Albanien verschiffen, der Sarg mit seinem Namen sei vorbereitet, alles fertig und bezahlt. Ich habe nicht viel gesagt. Was soll man dazu auch sagen. Außer: Das dauert aber noch eine Weile.  In der Bahn standen wir zusammen, weil ich vom Containern zu beladen war, um mich hinzusetzen. Ich sagte ihm, nur nicht aufgeben, nicht aufgeben. So viel, wie er schon geschafft habe… Er bat um Erlaubnis, mich umarmen zu dürfen. Er fand, ich sei ein guter Mensch, und fasste sich ans Herz dabei. Er wünschte mir und meiner Familie ewiges Wohlergehen, Reichtum und Dergleichen mehr. Wie heftig entsetzlich einfach die ganze restliche Welt zu ihm gewesen sein muss, dass er mein Zuhören als eine solche Wohltat begriff. Er stieg an der gleichen Station aus wie ich und wir umarmten uns erneut. Er war wie ausgewechselt, so froh darüber, dass er den Arm ausstreckte und meinte, er habe Gänsehaut. Natürlich kannte er das Wort nicht. Dann rannte er, ein euphorisches Geräusch von sich gebend, davon in Richtung seiner Wohnung. Ich würde mir einfach wünschen, dass dieser Mensch eine Freundin findet, die sein ganzes großes schweres Päckchen mit ihm tragen kann und ihm nie, nie, niemals irgendetwas Böses tut. Oder noch besser, dass er irgendwie lernt, dieses Gewicht selbst zu stemmen, und es vielleicht irgendwann streckenweise sogar einfach vergisst.

Dann jedenfalls habe ich Soja- und Mandelmilch und einen kleinen Joghurt containert, meinen Bus nach Hause gerade so noch erwischt (jemand hielt mir die Tür auf, so eine gute Welt heute), mir ein Abendessen zubereitet (bestehend aus Brötchen mit Hering in Tomatensauce, Letzteres eine freundliche Spende von Becci) und mich unverzüglich wieder ans Zocken gemacht, weil ich vor dem Losgehen hier im Begriff gewesen war, das erste Spiel seit Tagen gegen den Computer zu gewinnen. Zudem habe ich das letzte Bier vernichtet, das noch draußen im Kasten war. Jetzt sitze ich über Ostern auf dem Trockenen. Wenn man von meinem, was ebenfalls Becci zu verdanken ist, zum Bersten gefüllten Likörschrank einmal absieht.

On a side note: Die Therapeutin sagt, ich solle die Medis noch nicht absetzen. Zuerst müsse ich Motivation bekommen. Ich war seit Langem nicht mehr so positiv überrascht von der Frau. Sie hat mir genau das vorgeschlagen, was ich mich selbst nicht getraut habe zu sagen: Auch wenn kein akutes Tief gerade vorherrscht, so ginge es trotzdem noch immer ein gutes Stück besser.

 

Müll – es gibt solchen und solchen

Standard

Trotz Panik geht es mir heute besser als die letzten Tage. Sophi hat sich gerade nach vorne verschoben, sodass ich schon gleich zu ihr fahre. In der Zeit bis dahin bearbeite ich noch schnell den Mitschnitt des Vortrags von letztem Freitag, den R mit der Solid organisiert hat und den ich mit meiner Mutter besucht habe. Der Vortrag war es übrigens auch, der uns an dem Tag das Leben gerettet hat. Wir hatten uns zuvor in eins unserer berüchtigten Weltuntergangsdramen verstrickt und waren beide zu stur, um aufeinander zuzugehen, aber nach der ablenkenden Wirkung des Vortrags und des dabei konsumierten Biers fühlte ich mich so viel besser und war fähig, eine normale Interaktion anzustoßen. Wir sind dann Falafel essen gegangen und haben uns tatsächlich wieder eingekriegt, und der Rest ihres Besuchs verlief harmonisch.

Nun bin ich gerade begeistert von der Leistung meines klapperigen AGs – es hat den Vortrag ohne Nebengeräusche jeglicher Art aufgezeichnet, was wirklich nicht mehr selbstverständlich ist – ich hatte mich auf Gegenteiliges eingestellt und war schon davon ausgegangen, der Aufnahme die komplette linke Spur amputieren und die rechte zu einer Monospur zusammenstauchen müssen. Auf der linken Seite kommt immer dieses Monsterrauschen, wenn man beim Anschalten die Hand falsch positioniert. Aus irgendeinem Grund reagiert das AG hochempfindlich auf die elektrische Ladung im menschlichen Körper. Naja, ich werde auch Macken haben, wenn ich alt bin.

Neben mir steht meine neue Wohnzimmerlampe, die ich gestern inklusive Leuchtmittel vom Sperrmüll vor dem Haus aufgegabelt habe. Jemand wollte sie weggeben, bloß weil der Schirm des Fluters an einer Stelle gesprungen ist. Gut für uns – die alte Lampe fiel schon halb auseinander und leistet R jetzt im kleinen Zimmer beim Lernen gute Dienste.

Eigentlich wollten wir ja bloß unsere alte Matratze auf dem Sperrmüll deponieren. Ich habe nämlich gestern die unerquickliche Entdeckung gemacht, dass sich auf ihrer Unterseite ein gigantischer schwarzer Schimmelfleck von den Ausmaßen eines Pastatellers befand – nichtmal ich wollte daraufhin diese Matratze noch in der Wohnung behalten. Hätten wir nicht von meiner Mutter zu Weihnachten die neue Matratze bekommen (1,40 breit! So riesig!!), die wir am Wochenende ausgesucht hatten und die gestern geliefert wurde, wer weiß, wann wir uns der widerlichen Pilzkultur bewusst geworden wären. Und wie überaus praktisch, dass R, als wir schon dabei waren, die Matratze in der Tiefgarage zwischenzulagern, dann noch einfiel, dass doch gerade Sperrmüll war.

Jetzt sollte ich los.