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So ist das nämlich.

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Ich hab‘ zwar eigentlich keine Zeit.. aber ich mache ja sonst auch nichts Produktives, also kann ich genausogut die lieben Datenbanken hier mit Updates aus meinem Leben updaten. Und zwar.

War ich in Darmstadt jetzt am Wochenende, mit Sarah und Peruaner-Pedro.

Oh verdammt, gutes Stichwort – ich wollte Sarah schreiben. Moment.

Gesagt, getan. Nach dem Wochenende brauche ich dringendst Klärung, inwieweit ich sie mit kepa-relateden Dingen in Berührung kommen lassen soll, denn meine Methode, einfach mal vorsichtshalber gar nichts zu sagen, hat mir ziemlich auf die Panikdrüse geschlagen. So mitteilungsbedürftig bin ich, dass ich einfach durchgedreht bin, weil ich die ganze Zeit nichts sagen konnte. Und es gäbe doch eigentlich viel zu sagen; irgendwo lungert er ja bei mir im Kopf doch immer herum. Verliebtsein ist anstrengend.

Es ist wirklich anstrengend. Für mich wahrscheinlich mehr als für den Durchschnittsmensch, weil ich gerade mal wieder am Feststellen bin, wie abartig kontraproduktiv sich ein Selbstbild meiner Sorte auf den Gesamtzustand auswirkt, wenn einen wirklich mal jemand mag. Es wäre halt simpler, wenn man es auf irgendeine Weise nachvollziehen könnte. Komplexe können einem mehr kaputtmachen, als man sich vorstellen kann. Glaube ich. Vor allem steckt man so sehr drin, dass man dazu neigt, den Anderen als kaum verletzlich, unempfindlich, unsensibel hinzustellen, einfach weil man aus seiner Selbsterniedrigung heraus kaum mitbekommt, dass der Andere eventuell auch Gefühle haben könnte. Die man verletzen kann; die er wahrnehmen kann. Auf die Art haben uns Mama und ich früher immer gegenseitig zerstört. Wir sind ja beide so Spezialisten. Zwei von der Sorte, das ist tödlich, ich sag’s dir.

Ja. Was noch? Ich hab‘ am Sonntag Julia spontan angerufen, die ja in Darmstadt studiert, und siehe da, sie hatte Zeit und hat sich für ein paar Stündchen zu uns gesellt. Ganz schön, sie nach der ewigen Zeit mal wieder zu sehen zu bekommen, auch wenn wir nicht mehr wirklich die guten Freunde sind, die wir mal waren. Das macht eben das Leben.

Abgesehen davon.. uff. Sebastiaan der Luxemburger kommt nächste Woche vielleicht her, Montag bis Donnerstag, und fragte, ob er dann hier übernachten kann. Dann hätte ich also meinen potenziellen Langzeitcouchsurfer schonmal für ein paar Tage auf Probe hier, was doch eigentlich so übel nicht ist.

Eben war Lisa auf ein Teechen hier und wir haben Trudi die berauschende Erfahrung einer vollen Dosis Fotos von unserer Euskadi-Fahrt letzten Mai zuteilwerdenlassen; sie ist jetzt wohl nach dieser Kombination aus last Thursday’s Euskal Afaria, Graziellas Besuch am Freitag und dieser bildlichen Erlebnisse mit all den wichtigen Charakteren in alles an Kuh-Kultur eingeweiht, das man sich nur vorstellen kann.

Ich sollte mein Zimmer aufräumen. Und die Texte für Sprachkontakt morgen lesen. Und Gians Übersetzung anfangen. ARGH.

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Wenig Zeit für Nichts

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Boah, was für ein Leben. Ich bin ganz entsetzt darüber, wie meine Ferien mir wie Sand durch die Finger rinnen.
Um den bisherigen Monat August kurz zusammenzufassen:

Meine Eltern waren hier und haben zwei Tage lang geholfen, meinen Umzug zu komplettieren, inklusive diversen Baumarktbesuchen und unzähligen Möbeltransportaktionen mit dem eindeutig zu kleinen Auto.

Zwischendrin Weinfest mit Sarah und Peruaner-Pedro und Besiegelung einer denkwürdigen Zukunft.

Freiburg mit den beiden. Wir kamen bei Pedros ehemaliger Gastfamilie unter und machten Ausflüge mit seinen lauten und hyperaktiven Gastschwestern. Das und Musik (Zahnweh!) und die englische Übersetzung von Chris‘ BA-Thesis-Abstract (es wird für immer „Sozialisationsvariablen“ drinstehen… oh Chris, warum hast du nicht gründlicher durchgeschaut, du hast doch gesagt, wir sollten unbekannte Begriffe einfach stehenlassen!).

Mein neues Zuhause als Sammelstelle aller üblichen Verdächtigen. Versammlung mit Susmita und ihrer Mitbewohnerin Mai, Trudi und meinen zwei Reisekameraden in unmittelbarem Anschluss an unsere Rückkehr aus Freiburg am Sonntag Abend.

Dosierung der Medis wieder auf eine Ganze am Tag hochgestellt. Panik ist seitdem extrem zurückgegangen.

Arbeit, viel davon, jeden Tag letzte Woche. Außer Dienstag, da Euskera mit Lisa und Daniel und mittags Foodsharing ohne Anhänger, da Kupplung kaputt und kleiner Anhänger nicht da. Interessant war das. Ansonsten mehr Arbeiten. Viele Stunden gearbeitet. Kam mir vor wie vollzeitbeschäftigt. Es war schrecklich. Es wird weiter so sein; ich arbeite diese Woche schon wieder drei Tage.

Mit Robert und Janine geredet, ein Mal, ein einziges. Mit Laura seit dreihundert Jahren nicht mehr geredet. Schaffe es kaum an den Computer, geschweige denn zu Skype. Fühle mich merkwürdig ohne diese zusätzliche Dimension in meinem Leben. Frage mich, wie ich für sie wieder Platz schaffen kann.

Besuch von Caro. Sie kam Donnerstag Nachmittag. Abends Reiskocherpfannkuchendebakel mit Susmita („What do you want to make?“ -„Nothing that makes me smell like curry, I can’t do my laundry anymore until Saturday.“ -„So, no Indian food! Shit.“ -„We could try these rice cooker pancakes.“) und Caro, Chris und Sarah und Pedro. Mosquitoplage im Garten. Letzter Abend mit Susmita für die meisten Anwesenden. Abschiede.

Freitag Arbeit. Nachmittags Backen mit Caro; ich wollte Susmita mit einem Zimt-Zucker-Auseinanderziehbrot eine kleine letzte Freude machen. Natürlich wurde es später, als ich gedacht hatte, aber es war in Ordnung. Eigentlich wollte sie früh ins Bett gehen, weil sie panische Angst hatte, am frühen Samstagmorgen ihren Wecker nicht zu hören und ihren Flug zu verpassen. Sie hat sich sehr gefreut über das Mitbringsel. Caro und Mai, Susmita und ich saßen ein bisschen bei ihr in der Küche. Reden und das frisch gebackene Backwerk verzehren und Tee trinken. Kurze Besichtigung der übriggebliebenen Gegenstände, die ich noch irgendwann aus Susmitas Zimmer schaffen muss. Dann Abschied. Sie ist jetzt schon seit zwei Tagen in Finnland. Nicht mehr hier. In Finnland. Weg.

Von dort aus mit Caro in die Stadt, mit Sarah, Manu und Pedro ins Brauhaus.

Samstag nach Liechtenstein in der gleichen Konstellation. Vaduz sehen. Es war schön. Abends zusammen Seenachtsfest mit Feuerwerk (oder dem Teil davon, den wir ohne zu zahlen sehen konnten) und Döner. Danach Wein am See. Herrliches Leben.

Gestern ausschlafen (!). Frühstück im Garten. Vermieter war Freitag mit seinem Sohn und noch mehr Leuten da und hat im Garten gewerkelt. Ein Riesenbaumstamm ist gefällt, ein Verschlag abgerissen, Licht eingezogen. Wo vorher der Verschlag war, haben Caro und ich den Tisch hingeschleppt, der anfangs in meinem Zimmer stand. Sonnenschirm aufgespannt. Tausende Sachen auf dem Tisch stehen gehabt. Sommer und Garten. Für mich ein Traum.

Dann mit Sarah und Manu in die Stadt, Eis essen. Zeit wurde knapp, weil Caro losmusste. Nachher mit Sarah und Manu zu mir, Pedros Auto holen, das wir hier abgestellt hatten. Die beiden fuhren ihn vom Media Markt abholen. Ich blieb zu Hause, um endlich, endlich ein bisschen Ruhe zu haben. Nach zwanzig Minuten standen sie alle wieder vor meiner Haustür. „Venimos por más té.“ („No más té?“..) Wie es üblich ist, wurde mir durch den Briefschlitz von diesem verrückten Menschen Wasser ins Gesicht und den Hauseingang gespritzt. Dieser Gartenschlauch ist ungünstig direkt neben dem Eingang, wenn man von Pedro besucht wird.

Tee trinken zu viert bei mir auf dem Bett. Alle zusammen in die Stadt zum Chifa. Ewigkeiten aufs Essen gewartet, aber es war lecker. Sarah se enchiló. Es war lustig, weil Manu sagte, diese Chilis wären una ensaladita, no más. Ella lo prueba y casi se muere. Ich kam verhältnismäßig früh nach Hause, gegen halb elf. Regen wie Sintflut. Fast hätte ich vergessen, den gelben Sack rauszubringen.

Heute Kochen mit Sarah und Pedro. Das köstliche peruanische Essen, das seine Gastmutter letztens für uns gemacht hat. Und dann Mojitos. Und morgen wieder Uni und Foodsharing. Mittwoch bis Freitag arbeiten. Dann Luzern mit den beiden. Misión imposible III. Sonntag vielleicht Bern. Montag dann entweder arbeiten oder nicht. Ich hoffe nicht. Dienstag Uni und Foodsharing und dann nach Hamburg mit Sarah. Freitag nach Kopenhagen mit ihr und Mama. Sonntag zurück nach Oldesloe, Montag aller Voraussicht nach zurück hierher. Ich bezweifele, dass es in diesem Leben mit dem Reisepass und Visum für Russland noch etwas wird. Sie melden sich einfach nicht. Es wird nichts mehr. Ich habe es wieder einmal geschafft zu failen.

Es sind wenig ruhige Minuten in Sicht. Heute ist meine Atempause.

Biarritz und zurück.

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Ich komme mir vor, als wären wir ewig weggewesen. Und ich könnte niemals angemessene Worte finden, um die Schönheit der Stadt zu beschreiben. Geh hin and find out, viel Anderes wird dir nicht übrigbleiben. Und sag bescheid, wenn du gehst – nicht nur kenne ich einen sehr netten Menschen dort, der dich aufnehmen wird, sondern würde auch gerne selbst wieder mitkommen, wenn du nichts dagegen hast.

Meine Güte, was für ein Ort. Ich fühle mich mal wieder zu sehr vom Leben begünstigt, dass ich dasein konnte. Auch wenn ich sagen muss, dass es ganz angenehm ist, mal wieder mit warmen, trockenen Füßen herumzulaufen. Wenn du nach Biarritz gehst, nimm wasserfeste Schuhe mit. Und eine Regenjacke. Es ist nämlich selbst im Regen atemberaubend.

Mir kam der Gedanke vorhin, als wir im zum Bersten mit Gepäck und Personen gefüllten Kleinwagen unserer Rück-Mitfahrgelegenheit mit unseren durchnässten Taschen auf dem Schoß eingequetscht saßen, Saskia und ich, beide mit Kopfhörern auf, um dem aus dem CD-Player tönenden Hip Hop zu entfliehen, wie verrückt das eigentlich ist – direkt nebeneinanderzusitzen, aber in den Ohren völlig unterschiedliche Arten Musik; keiner hört, was der Andere hört, das Umfeld exakt das gleiche, aber diese zusätzliche Dimension bei jedem so vollkommen verschieden. Und wie es eigentlich ohne Kopfhörer genau das Gleiche ist – weil die Wahrnehmungen so grundverschieden sein können. Deshalb ist es wohl so oft so unmöglich, Leute ganz und gar zu verstehen. Und ich bin mir mal wieder nicht sicher, ob das nun eine grandiose Erkenntnis war oder ich es schon dreißigtausendmal gedacht und dann wieder vergessen habe wie so viel Anderes.

Ungeplante Planänderung

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Ha, ich bin wieder entdramatisiert, ein bisschen zumindest. Und verschlafen habe ich heute, sodass Saskia und ich jetzt am Elaborieren alternativer Reise- und Übernachtungsmöglichkeiten sind, für unseren Ausflug nach Frankreich. Gut aber auch, dass wir nicht den Bus genommen haben, wie es eigentlich geplant war – wenn uns die Frau, die wir angeschrieben haben, heute Abend im Auto mitnimmt, kommen wir für 10 € pro Nase nach Bayonne.

Wie ewig ich nicht auf der Couchsurfing-Website war.
Was für eine Selbstbeschreibung. -Falls jemand Lust hat, random Dinge über mich zu erfahren, die Menschen dazu bringen sollen, mir genug zu vertrauen, um mich unbekannterweise in ihre Wohnungen zu lassen, here goes. I’m easy-going, caring, honest, reliable, bubbly, pensative, communicative, albeit a bit clumsy at times. I love life, warmth, people who are positive and radiant. I’ve been called idealistic, weird, a good friend, a life-saver, a perfectionist, an idiot. We all have, at one point or another, I guess. I’ve had my share of luck – good and bad. I see miracles everywhere. My attention span is among the shorter ones, even though I can be highly focused when necessary.

Donostia

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Ich war im Meer heute. Es war herrlich. Ich muss bei Gelegenheit zurück nach Donostia; es ist so schön dort und die Stunden heute haben immer noch nicht gereicht eigentlich. Wir haben es nicht einmal ganz bis zum Peine del Viento geschafft.

Aber ich war im Meer. Es war warm.

Askatasuna

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Heute, Bilbao. Bilbao bei Sonne, ein neues Erlebnis. Es war gut, viel, und ich habe Blasen an den Füßen.

Am Abend – da Feiertag – hier in Vitoria auf der Plaza de España gewesen und die Vorführungen gesehen; vier erwachsene Menschen mitten zwischen ein paar Dutzend Kindern vorne direkt an der Bühne auf dem Boden. (Vier – Dani, der heute wiederkam von seiner Geschäftsreise nach Guadalupe und Cayenne; Darren, sein Kumpel, Lena und ich. Und nachher noch eine Freundin von Dani, also eigentlich fünf. Wow, meine Rechenkünste.)

Es waren vor allem Tänze verschiedenster Stilrichtungen. Sie waren alle gut (bis auf die letzte Gruppe, ein Haufen Afrikaner mit einem Haufen Trommeln und zwei Mikros – zwei zu viel; afrikanischer Gesang wird in dieser Inkarnation nicht meine Anerkennung als ästhetisch wertvolle Musik erlangen), ausgesprochen gut, und ich bin heute Abend so offen, dass ich es alles mit offenen Armen aufgenommen habe; ich habe heute so einen Abend. Es war eine Gruppe dabei, deren Darbietung durch Augen und Ohren geradewegs auf meinen inneren Kern geprallt ist, ungefiltert, und dort irgendetwas so Intensives angestellt hat, dass ich gar nicht erst anfangen werde, es weiter zu beschreiben zu versuchen. Es war so ein Ausdruckstanz, und er hatte etwas mit Befreiung zu tun. Die Ausdrücke in den Gesichtern. Das Ziehen und Zerren an unsichtbaren Fesseln. Die fliegenden Körper.

Mehr dazu nun nicht; ich bin dann mal wieder weg.

Zurück

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Mich gibt’s wieder.
Oder immer noch, wie man’s nimmt. Jedenfalls ist dieser Monat nicht gerade der ruhigste, ereignisloseste hier bei mir – Laura und Robert waren da, dann kam das Baskenland, morgen kommt meine Mama, mein Zimmer sieht aus wie das letzte Schlachtfeld, ich muss los zur Uni. Baskisch. Passenderweise. Das Syntax-Tutorium heute Morgen wurde einfach knallhart geschwänzt. Hatte nicht den Nerv, um halb acht aufzustehen nach dieser Woche.

Ich werde Näheres berichten, sofern ich heute dazu komme.

Ausflugsreicher Tag

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Und das, obwohl ich gestern erst um kurz vor drei aufgewacht bin.

Es war so wunderschön. Die Sonne hat geschienen, man stelle sich das vor, die Sonne! Ganz spontan, in einem dieser Anfälle, von denen ich im Jahr vielleicht zwei bis drei Stück zähle, habe ich mich entschlossen, mit der Gitarre an den See zu fahren. Serj war schon aus der Hochschule wieder da, ich habe in Windeseile alles zusammengesucht und mich aufgemacht in die bezauberndste Ecke meiner wunderschönen Heimat. (That I know of.)

Es war unwirklich. Noch bevor ich am See ankam, lag auf einmal vor mir auf dem Weg – mitten auf dem Bürgersteig – ein toter Eichelhäher. Ich habe ihn hochgenommen und am Seeufer entlang den ganzen Weg bis hinter den Yachthafen getragen. Der See war so traumhaft schön. Die Sonne. Die Hunderte Vögel. Möwen, Enten, Schwäne, Tauben. Ich habe einen Krokus unter den kahlen knorpeligen Bäumen blühen sehen. Einen Krokus!

Ich habe den Eichelhäher dort an einem etwas abgelegenen Ort direkt am Strand begraben, nicht ohne ihn (nach unendlichem Hadern und Zaudern und Hin und her mit meinem übertriebenen Gewissen, bis ich zu der Einsicht kam, dass niemand dem Tier in seinem gesamten Leben mehr Würdigung erwiesen hatte als ich nun direkt nach seinem Tod) zuvor ein paar seiner prächtigen Federn zu berauben. So makaber es auch klingen möge, ich habe ewig darüber nachgedacht und konnte mich mit mir selbst am Ende einigen. Ich habe auch an die Naturvölker gedacht, in denen es üblich ist, Tiere zu erlegen und so viel es geht von ihnen zu verwenden, um sie zu würdigen und nichts zu verschwenden. Das hat mir ein besseres Gefühl dabei gegeben, ebenso wie nachher das Gespräch mit Sergej, dem ich meine Tat gebeichtet habe und der sicher war, dass es in Ordnung war. Besonders weil ich ihn danach begraben habe.

Nach dem Begräbnis habe ich so lange dagesessen und Musik gemacht, bis, als ich irgendwann die Augen aufgemacht habe, sogar das kleine Kind, was mir ewig lange zugehört hatte, verschwunden und der ganze Strand auf einmal menschenleer war.

Auf dem Rückweg habe ich gesehen, dass sogar der Ginster blüht.

Zu Hause habe ich beim Reingehen Serj getroffen, der auch vom See kam – wir können uns nur ganz knapp verfehlt haben. Nach dem Essen hat er mir einen Haufen Sonnenblumenkerne (noch in Schale) hingekippt – ich kam mir zuerst vor wie Aschenputtel, bis ich das große Suchtpotenzial dieser Dinger erkannte und verstand, warum es mit zwei-drei davon nicht getan ist. Dann habe ich eine Weile mit Robert telefoniert, bis er schlafen gegangen ist, und mich danach – zwanzig vor zehn – noch sehr spontan im Schlafanzug erneut auf den Weg in Richtung Industriegebiet begeben, um im Stockdunkeln einen in der Verschenk’s-Gruppe bei Facebook annoncierten Karton mit zu verschenkenden Dingen vor einer Haustür ausfindig zu machen. Ich hatte schon halb damit gerechnet, dass der Karton nicht einmal mehr dasein würde, als ich nach meiner halben Weltreise dort ankam. Ich fand ihn aber tatsächlich und kehrte eine gute Stunde später mit einer halben Rolle schönem Geschenkpapier, zwei Notizenhalterclipdingern, einer Kaffeedose und einem Andy Warhol-Kalender von 2009 (und meinem Fahrrad, das seinen dreiwöchigen Aufenthalt an der Bushaltestelle, vor der ich es geparkt hatte, nicht gut überstanden hat – ich werde um einen Werkstattbesuch nicht herumkommen) nach Hause zurück.

Übrigens. Fun Fact: Es gibt wirklich noch nette Menschen auf der Welt. Da befand ich mich gerade in einer höchst zweifelhaften Position auf dem Boden und war dabei, der Verschenkerin meiner neu erbeuteten Sachen eine Dankesnachricht auf den Karton zu schreiben, als ein Mann auf mich zukam und mich fragte, ob alles in Ordnung wäre – weil ich so auf dem Boden sitzen würde. („Sitzen“ konnte das eigentlich kaum genannt werden, eher noch „mit dem schlafanzughosenbekleideten Hintern in der Luft eine Kriechhaltung aufweisend“ – wenn du dir vorstellen könntest, wie lange ich nach einem Wort gesucht habe, das ich an Stelle von „aufweisend“ hätte nehmen können. Und komm mir nicht mit „einnehmend“, bitte. Wenn, dann hätte es „eingenommen habend“ sein müssen, und das geht ja nunmal sowas von gar nicht.)

Davon war ich jedenfalls ziemlich beeindruckt. Ich hätte es der Welt eher zugetraut, eine zu sein, in der man nachts um zehn auf dem Gehweg am Boden hocken kann und die absonderlichsten Verrenkungen ausführen, ohne dass es den letzten Heini interessiert. Mein potenzieller Retter war dann aber auch beruhigt, nachdem ich ihm die Situation erläutert habe.

Ich versuche dann jetzt mal zu schlafen.

Einen Strich an die Wand

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Zu wenig geschlafen.

Ich bin so hyper, seitdem ich wach bin. Richtig losgegangen ist es dann, als ich das Haus verlassen und mich auf einen spontanen Ausflug zum Riesen-Kaufland im Industriegebiet begeben habe, von dessen Existenz ich bis heute früh nichts wusste.

Meine geliebte Meggle Creme Cuisine hatten sie da zwar auch nicht mehr (Schande, sowas, wieso nehmen sie die besten Sachen aus dem Sortiment? Und weit und breit kein gescheites, ja im Prinzip überhaupt kein Ersatzprodukt?), aber ich habe mich tierisch gefreut über diesen unfassbar riesigen Supermarkt und darüber, dass ich meine adoptierte Heimatstadt wieder ein bisschen besser kennenlernen konnte.

Ich habe mich trotzdem mit Schlagsahne eingedeckt und zu Hause gleich einmal darin versucht, mein eigenes Mousse au Chocolat zu produzieren. An das von Sarah wird es nicht rangekommen sein, was ich da geschaffen habe, aber ich schätze, es wird trotzdem essbar.

Zwischendrin habe ich mit Robert geschrieben, der seine TM-Klausur heute in den Sand gesetzt hat (mies muss die gewesen sein, er hatte so viel gelernt dafür), und dann einen Film geguckt und den restlichen Salat von gestern aufgegessen. Eben kam mein Päckchen mit dem Pralinenzubehör, das ich vorgestern bestellt hatte, wenn das nicht mal herrlich ist.

Und dann bin ich eben eigentlich ohne jede Erwartung nochmal nachgucken gegangen, ob ich endlich mal wegen Erasmus bescheidbekommen habe, und siehe da, ich habe tatsächlich eine Mail. Die ich mich bis jetzt aber nicht getraut habe zu öffnen.

Wer weiß, wo ich lande – ich hab Angst, ich will nicht nach Finnland, oh bitte, nicht im Winter! Und sonst auch nicht, was soll ich denn da, oder noch schlimmer, Osteuropa, da wo die Sprachen so fürchterlich sind? Oh was bin ich ein schlechter Mensch, zuerst verpass ich die Deadline und dann jammer ich noch, wenn ich nicht an meiner absoluten Traumuni platziert werden kann.

Und ich weiß es ja noch nichtmal. Theoretisch könnte ich.. Ich glaube, ich mache die Mail heute Abend im Beisein meiner Freunde auf, die sich das hysterische Geschrei dann anhören können (in beiden Fällen wird es vermutlich welches geben) und mir Beistand leisten können, wenn es eine schlechte Nachricht ist.

Oh, und die Ergebnisse von Redacción kann ich mir schon angucken gehen, habe ich erfahren – mache ich das doch gleich mal. – 1.3, das ist doch schön.

Intermediate Translation habe ich auch bestanden, habe ich gerade gesehen, unfassbarerweise mit 1,0, und dabei hatte ich doch so schlampig gearbeitet in der Klausur, um den Bus noch zu erwischen. Ich freu mich so! Heute ist ein schöner Tag! (Heut mal ich einen Strich an die Wand. Oder würde es tun, wenn ich keinen Wert auf meine Kaution am Ende meiner drei Jahre hier im Wohnheim legen würde.)

Was für ein Tag.

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Heute war Ausflugstag, heute waren wir endlich mal wie richtige Touristen in unserer wunderbaren Stadt und Umgebung unterwegs. Es war ein durchgehend wunderschöner Ausflug, den wir da unternommen haben – auf die Mainau sind wir gefahren, ganz stilvoll und dank Neubürgergutschein sogar umsonst mit dem Schiff.

Wir wollten uns um halb elf am Hafen treffen. Ich kam zehn Minuten zu spät und war noch geringfügig mitgenommen von der Busfahrt, die ich unklugerweise zu weiterem Once-OST-Hören genutzt hatte, was ich heute weniger gut verkraftet habe als am Mittwoch. Gut, dass ich wenigstens in dem Sinne eine waschechte New Yorkerin bin – mir macht es kaum noch etwas aus, mit tränenüberströmtem Gesicht in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sitzen, so weit bin ich inzwischen.

Bis Leave kam ich auf der Fahrt; The Hill habe ich also bereits überstanden und Lies und Minds Made Up ebenso. (Wie man sieht, ist es alles machbar, jetzt muss ich nur noch daran arbeiten, nicht dabei in Grabesstimmung, Erinnerungen und die sich daraus auftunden Abgründe zu fallen.)
Dann war ich am Bahnhof und wendete mich langsam dem schönen Teil des Lebens wieder zu. Eine halbe Stunde später war ich schon wieder fast in idealer Ausflugsstimmung – zu dem Zeitpunkt saßen wir allerdings auch schon mit dem ersten Eis des Tages – für mich gleichzeitig das Frühstück – ausgerüstet in der warmen Sonne auf dem Schiff, machten die ersten touristischen Fotos und ließen uns den Wind um die Ohren wehen.

Ja, was kann ich sagen. Die Mainau ist ein einmaliger Ort und wir haben eine fantastische Zeit dort verbracht, das Wetter war so perfekt, wie es nur irgendwie sein konnte, und als wir vorhin zurückkamen, haben wir uns noch mit einem Yufka an den See gesetzt, gingen danach – wo wir sie schonmal dabeihatten – noch ein paar Gutscheine einlösen (weshalb ich gerade in den Genuss einer Flasche Lago Lemon aus dem Edeka kam und endlich auch mal wieder ordentlich rülpsen konnte) und holten uns danach noch eine Portion Eis am Hafen. Weil die Eisdiele am Hafen einfach die beste der Stadt ist und ihr Cookies-Eis zu fünfzig Prozent aus reiner Schokolade besteht.

Dementsprechend geschlaucht von so einem herrlichen Tag kam ich nach Hause, brachte mich zumindest noch dazu, ein bisschen Ordnung zu bewahren und nicht alle Sachen einfach in der Gegend zu verstreuen, schmiss den Computer an und guckte die Fotos des Ausfluges durch – wie immer kein ordentliches von mir dabei, entweder meine Kamera hat etwas gegen fremde Finger oder die Menschen geben sich einfach keine Mühe. Lena hat jetzt (oder eher morgen, nachdem sie vorbeikommt und sich die Fotos auf einen Stick zieht) jedenfalls erstmal wieder ein Arsenal von schönen Bildern von sich. Ein bisschen frustriert mich das ja schon, ich geb’s zu. Aber das Wichtigste ist, dass der Tag genial war.

So saß ich also in Schlafzeug und mit den ekligsten Haaren ever im Bett, als Phillip, der Übermensch, an meinem Fenster vorbei zu mir runterkletterte, um sich zu verabschieden. Ich ließ ihn und etwa fünfzig Moskitos gleich mit herein und wir haben ein bisschen geredet. Und ich weiß nicht, was nun eigentlich mit mir los ist, aber ich habe das Gefühl, als würde ich ihn wirklich mit jedem Mal, dass ich ihn sehe, mehr mögen. Ich kann gar nicht glauben, dass meine von Laura als masochistisch bezeichnete Methode des Mögen-Lernens, indem ich mich dem Ob- oder Subjekt in Frage einfach oft genug aussetze, so gute Resultate erzielt. Aber letztendlich, wie sollte ich ihn nicht mögen. Er benutzt Anglizismen, die keine sind. Er macht Wortspiele, die so schlecht sind, dass er selber darüber lachen muss. Er hat sich den Unterschied zwischen Tönen und Färben erklären lassen. Er kann abartig gut Keyboard spielen. Er hat mal den Krolock gesungen. Er hat in der letzten Woche freiwillig horrende Mengen an Zeit mit mir verbracht. Und er hat mich so gesehen, wie ich eben gerade aussah (bzw es jetzt immer noch tue) und ist nicht schreiend zurück in den Schutz der Dunkelheit geflüchtet.
Um ein paar der Gründe aufzuzählen, aus denen es irgendwo doch geradeweg irrational wäre, ihn nicht zu mögen.

Jetzt jedenfalls ist er ab morgen erstmal weg, und ich ab übermorgen ja auch. Ist vielleicht nicht schlecht; falls er sich nämlich gerade in einer Art temporären Verwirrung befindet und davon innerhalb der nächsten zwei Monate geheilt wird, erspart mir das eine Menge Chaos. Und vor allem wenn man bedenkt, wie ich mir heute morgen im Bus während meinem ersten Mal The Hill seit über zehn Monaten noch die Augen aus dem Kopf geheult habe.

Ich bin verwirrt.

Und ich habe endlich mal den ganzen OST auf Youtube wiedergefunden. Auch wenn man sich dafür eine andere IP holen muss – jetzt haben sie ihn nämlich für Deutschland schon gesperrt. Tragisch..