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Flüchten

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Ich bin auf dem Weg zu Becci. Die Therapeutin meint, dass es so besser ist, und ich kann ihr nur zustimmen. Alles, was mich bisher davon abgehalten hat, mich schleunigst aus dem Staub zu machen, war die leidige Tatsache, dass ich mir einfach nicht vorstellen konnte, mich auch nur einen unnötigen Zentimeter vom Fleck zu rühren.

Heute habe ich dann, wie schon letzte Woche locker mit Becci besprochen, das Momentum meines Ausflugs zur Therapeutin dafür genutzt, an meiner Situation etwas zu ändern, und setze mich für eine Woche ab. Es kann nur besser werden als zu Hause.

Springt – und hofft auf Flügel.

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It is done. Ich habe gestern Abend R eine sechsmonatige Auszeit vorgeschlagen, die er dafür nutzen kann, herauszufinden, ob er einem Leben mit mir die Möglichkeit, seine Polyamorie nach seinen Wünschen auszuleben, vorzieht. Es ging nicht anders, und es kann nur besser werden. Ich habe genug verdrängt.

Er trägt es mit Fassung, ich weniger. Geschieht mir recht. Ich habe mir meinen persönlichen Albtraum heraufbeschworen, ohne mich zu erinnern. Ich hatte diese Dimension von Schmerz komplett vergessen.

Mein erster Akt heute als frischgebackene Trennungsdepressionsgeplagte war es, die Katze zu mir ins ihr eigentlich verbotene kleine Zimmer zu lassen, nachdem ich von ihrem durchdringenden Miauen auf der anderen Türseite wach wurde. Es war herzzerreißend, wäre denn noch etwas zu zerreißen übrig. Sie kam herein und stürzte sich auf mich. Eine solche Begeisterung habe ich selbst nach dreiwöchiger Abwesenheit von ihr noch nicht erlebt, sodass ich schon befürchtete, es hätte sich gestern Abend im Eifer des Gefechts niemand daran erinnert, sie zu füttern. Zum Glück war das nicht der Fall.

Meine Mutter spammt mich mit einer Tirade von nett gemeinten, aber kontraproduktiven Äußerungen wie „Soll seine Möbel mitnehmen“ und „Weine dem Kerl keine Träne nach“ zu. Außerdem fragt sie mich, ob ich im April mit ihr ans Meer fahren will. April, yeah. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich mein Leben heute, morgen oder nächste Woche auf die Reihe bekomme, aber natürlich mache ich Pläne für April, um in einer einsamen Strandwohnung im Nirgendwo mit meiner Mutter zu gammeln.

Sie hat mich angerufen, nachdem ich ihr zu lange nicht geantwortet habe. Über das Telefon war sie als lebenspendende Maßnahme tauglicher. Da sie R nie sonderlich ausstehen konnte, ist sie mit dieser Entwicklung zufriedener, als ich es bin.

Ich habe mir Porridge gemacht. Ich hoffe, die Milch ist noch genießbar.

Ich hoffe, ich bekomme das irgendwie hin.

Unwörter

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Das Plakat hängt. Gerade, might I add.

R war soeben beleidigt, weil ich ihm ‚Sexhorde‘ und ‚Sexherde‘ bei Boggle nicht habe durchgehen lassen und seine Ausführungen, warum diese Wörter aber doch auf alle Fälle funktionieren (begleitet von einer ausnahmslos auf dubiose Porno-Links verweisenden Google-Recherche), mit einem nicht enden wollenden Lachkrampf quittiert habe.

Für mich hat sich diese Begebenheit definitiv gelohnt. Zwar könnten mir seine Punkte egaler nicht sein – wenn überhaupt, dann bedrückt und frustriert mich, dass er sein Bedürfnis zu gewinnen über alles Andere stellt und bereit ist, für nichts als ein Spiel nachhaltig die Stimmung zu zerstören -, aber ich kann mich nicht erinnern, in jüngerer Vergangenheit so gelacht zu haben. Es tat einfach gut. Das beinahe medi-freie Dasein erlaubt mir Gefühlserlebnisse fast vergessener Dimensionen.

Morgen kommt Mike zu mir. Das wird weniger lustig und mehr awkward. Aber es ist Teil meines Resozialisationsprogramms und ich habe mir die Verabredung freiwillig eingebrockt. Man kann sicher auch aus awkward Begegnungen wertvolle Erfahrungen ziehen.

Ein Tropfen.

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Ich habe vier Stunden mit Becci telefoniert. Das war wirklich notwendig, denn es standen einige Sachen aus und wir haben sie alle abgedeckt. Und dann noch ein paar Dutzend Sachen, die sich gerade so anboten. Und dann Sachen vom Anfang des Gesprächs, weil man vergessen hatte, dass die bereits erzählt waren.

Wie notwendig das war, wird ersichtlich, wenn man sich überlegt, dass die ersten Schritte im Entsumpfungsprozess dort (hin) verrichtet werden sollten, wo man am ehesten den festen Boden erkennen kann. Heute mit Becci zu reden, mich dabei zu vergewissern, dass es sie tatsächlich gibt, und dazu noch überhaupt erstmal konkret zu benennen, wie ich meine Situation gerade wahrnehme, war abgesehen von einfachsten Disziplinübungen, wie man sie alleine im Haushalt durchführen kann, zwingend der erste naheliegende Schritt.

Anschließend an das Telefonat konnte ich gleich noch einmal so etwas wie Disziplin aufbringen, indem ich mir die Mühe gemacht habe, mit Süßkartoffeln, Linsen und Aubergine ein Curry zuzubereiten, statt (wie eigentlich noch beim Gang in die Küche angedacht, und diese ist, Wohnküche sei Dank, vom Sofa ganze zwei Meter entfernt) den Tiefkühlpizza-Joker zu spielen. Das Curry blubbert nun im Topf vor sich hin und ich freue mich sehr darauf, es in Bälde zu konsumieren, weil ich schon länger einen tierischen Hunger habe.

Ich gehe mal schauen, wie es um die Linsen bestellt ist.

Hau-ruck!

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Es klappt ganz gut, mich ein bisschen am Riemen zu reißen. Ich bin vor 10 Uhr aufgestanden, habe mich epiliert, geduscht und gefrühstückt, dabei eine Folge Suits inhaliert (nachdem ich mit der zweiten Dark-Staffel gestern fertig wurde und dann noch schnell Tokyo Trial dazwischengeschoben habe, war ich froh, wieder ein vielversprechendes Längerzeitprojekt zu finden) und danach festgestellt, dass ich wunderbar in der Zeit liege, um gleich in die Stadt zu fahren. So kann ich vor der Verabredung mit Regula und Miki noch gemütlich die Zürcher Sukkulentensammlung besuchen, wie ich es schon seit Ewigkeiten vorhatte.

Außerdem habe ich entgegen meiner ursprünglichen Absicht Basti geschrieben, dass ich hier bin. Er hat darauf zwar reagiert, aber meine Erfahrung sagt mir, dass ich mich nicht darauf verlassen sollte, ihn zu sehen.

Dafür hat mich Becci wissen lassen, dass sie morgen und übermorgen Zeit hat. Mit ihr telefoniere ich daher bestimmt mal.

So. Ich werde mich nun aufmachen, die Geldaufbewahrungsdose meiner Mutter um den Preis eines Tagestickets zu erleichtern und meine sieben Sachen für den Ausflug zu packen.

Wenn ich so weitermache, wenn ich das schaffe, wird alles wieder anders.

Es werde Teelicht!

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Es wird die Liste weiter abgearbeitet: heute habe ich mich vor allem dem Teelichtergießen gewidmet. Das war eine Plackerei, lass es dir gesagt sein, aber eine schöne. Nachdem ich die letzten Tage schon während des Gilmore Girls-Guckens die leeren Metallschälchen präpariert hatte (Plättchen rausploppen, Wachs abkratzen, repeat), mussten sie nur noch mit Dochten versehen und mit eingeschmolzenen Kerzenresten neu befüllt werden.

Dabei habe ich Homesick (das Album, nicht nur das Lied; das wäre nach mehreren Stunden vermutlich sogar mir irgendwann mal auf den Wecker gefallen) auf Repeat gehört, bestimmt fünf Durchläufe lang war ich mit den Teelichtern zugange und bin streng genommen immer noch nicht fertig. In der Zwischenzeit kam allerdings R nach Hause (wie erwartet ist er die längste Zeit 2020 rauchfrei gewesen, aber ich habe davon abgesehen, ihn dafür fertigzumachen) und erklärte sich direkt bereit, mit mir ein paar unserer lang vernachlässigten CBT-Lektionen auszusitzen. Ich hatte sowieso Hunger und brauchte eine Pause. Und nun bin ich dermaßen geschlaucht, dass ich einfach keine Lust habe, mich nochmal in die Küche zu stellen.

Aber ich bin stolz, überhaupt so weit gekommen zu sein. Das war ein Monsterprojekt und wurde lange vor mir hergeschoben. Nun wurde es aber auch Zeit, da mir die Teelichter schon beinahe ausgingen. Es waren von dem ehemals gigantischen Vorrat vielleicht noch 10 Stück übrig.

Und Keyboard gespielt habe ich. Seit Ewigkeiten mal wieder.

Ich gebe mir Mühe.

Kausalitätsketten

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This is the story of how a person got from point A to point Z.
Some call it fate, others, chance. But whatever you call it,
it sure is an interesting thing to ponder, don't you think?
The twisted paths our lives follow. How did you get here?
The place where you are right now at this very moment.
What series of events brought you to this place?
At this specific point in time? Where are you in life?
Are things turning out the way you'd planned?
And by the way, when was the last time you spoke with your parents?
Don't you think you ought to give them a call?
To thank them for the set of circumstances that brought them together,
at a certain place, at a certain moment in time, when you were created.

In der Tat sind dies interessante Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, da hat Roscoe Lee Browne im Auftakt von Smiley Face schon Recht. Mein Point A des heutigen Tages war wohl die (somewhat verstörende) Whatsapp-Nachricht meiner Mutter, sie habe meinen Blog gelesen. (Nachdem ich ihr darauf ‚Oh‘ antwortete und sie daraufhin ‚Genau‘ erwiderte, fand keine weitere Kommunikation diesbezüglich oder anderweitig statt, sodass die Konsequenzen dieser Eröffnung mir aktuell noch nicht in ihrem vollen Ausmaße bekannt sind.)

Ich machte mich auf, zu tun, was ich immer tue, wenn diese Situation eintritt: Blog scannen, um zu ermitteln, welche Unsäglichkeiten ich im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Seelenausschüttungskarriere produziert habe, die der nunmehr darüber in Kenntnis befindlichen Person nicht gefallen könnten. Nach diesem ersten Schritt gehe ich üblicherweise dazu über, zugunsten der Authentizität und meines Seelenheils die Tatsache, dass ich gefunden wurde, schnellstmöglich wieder vollständig zu verdrängen.

Beim Scannen lief mir dann aber folgender Satz über den Weg: „Basti hat so Recht, wie er immer sagt, Kommunikation ist das Allerwichtigste.“ Das war Point B.

Ich nahm dies zum Anlass, mir zu denken, screw this, und Basti eine Nachricht zu schreiben, in der ich auf diese Aussage Bezug nahm. Auf diese Weise kam kurz danach tatsächlich ein Gespräch zustande, in dessen Verlauf mir zwar nicht unbedingt wie Schuppen von den Augen fiel, dass ich in der Unterhaltung mit Niklas absolutem Blödsinn auf den Leim gegangen war, aber zumindest bin ich nicht mehr überzeugt, ein absolutes Monstrum als besten Freund gehabt zu haben. Es wird nicht mehr so wie früher, aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr, ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Da wir nicht ganz so lange telefoniert haben, wie es eigentlich hätte dauern können, weil er zurück an die Arbeit musste, versuchen wir das Gespräch heute Abend fortzusetzen. Point Z ist also fürs Erste aufgeschoben. Dahin gelange ich wohl über einen weitaus weniger manischen Donnerstag, als geplant war – die manischen Donnerstage habe ich zusammen mit dem Anti-Versackungs-Plan vor ein paar Monaten eingeführt, bin aber zunehmend inkonsequent damit und nutze jede Kleinigkeit, um mich davor zu drücken. Aktuell ist es die jahreszeitbedingte Dunkelheit, die mir als Vorwand zum Nichtstun dient. Staubsaugen bei diesen Lichtverhältnissen wäre ineffizient. Beim Aufräumen möchte ich auch sehen, was ich tue. Den Tisch mag ich auch nicht im Dunkeln putzen. Die Küche kann man zwar hell erleuchten, aber die Spülmaschine läuft bereits. Den Flur blockieren Taschen mit Pfandflaschen. Für ein Semesterticket bin ich zu geizig, aber die Semesterticketlosigkeit hält mich davon ab, das Haus zu verlassen und die Flaschen wegzubringen. Ich habe zwar von Susmitas und Sarahs Besuch neulich noch ein paar Einzeltickets übrig, möchte diese aber nicht ohne Not verschwenden. Wäsche sollte ich waschen, aber im Keller ist es so kalt. Warm anziehen könnte ich mich, aber da es so dunkel ist, bin ich nicht motiviert dazu. Winter nervt.

Das Gute: In drei Wochen wird es bereits wieder heller. Und in drei Monaten kann ich schon fast wieder richtig normal leben. Und ich habe zwar vorhin mit Basti darüber gesprochen, dass wir in Konstanz wirklich ein schönes Leben hatten, aber vielleicht strenge ich mich einfach mal ein bisschen an und schaffe das Gleiche hier auch.

Catching Up

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The queerest thing happened to me today. That’s right, 10 am and already something has happened. To be specific, I woke up. Not just any time, oh no, I woke up when R’s alarm rang, at around 6.30, and I felt so extremely awake that going back to sleep for another two hours before my shrink appointment was just not an option. So when R (clumsy and noisy as usual) had gathered his wits and work-related belongings and left the house about 15 minutes later, I checked my cell phone, turned on the lights, gulped down my daily 5-milligram dose of sanity and got up. At seven.

I then proceeded to get the coffeemaker running and, while the appartment slowly filled with promising, delicious aroma, conduct my bathroom routine in the calmest fashion imaginable. Content, I re-entered the kitchen and set out some cat food to defrost, then poured myself a cup of coffee and, to my astonishment, realized I still had more than enough time to sit down and watch an entire episode of Gilmore Girls before I had to leave. Actually, when I was done with the episode, it was around 8.20 – which is exactly the time my own alarm was originally supposed to ring.

I now oficially envy every morning person on Earth. Oh, to be able to live like this each day! Instead, I have been known lately to applaud myself for getting out of bed before 11. Ever since our Konstanz visit around R’s birthday, my sleep cycle has been out of control. Those two nights seriously fucked up everything I had built.

But I’m not complaining; it was well worth it. Why? Let’s see.

  • I got to be in Konstanz.
  • I was able to grow as a person as I was being taken into, then abandoned in an environment far outside my comfort zone (seeing as R basically forgets I’m there as soon as we enter that goddamn place and my social skills are insufficient for me to feel at ease on my own), a challenge it took more time and effort to master than I would have liked, but which I eventually chose to accept and overcome nonetheless.
  • The latter point resulted in me hanging around a former friend of R’s while he was busy DJing, and getting up to speed on things happening in Konstanz. Specifically, seeing as this person used to be very close with my pal Basti as well, I came to know a couple of things about Basti that I probably wouldn’t have found out if I hadn’t been there. Like, ever.

So, yeah, even though what I learned bummed me out pretty hard and lead me to the uncomfortable decision to actively cut my best friend out of my life, which I’m still set on doing once the opportunity presents itself, I needed to be there and endure endless hours of absorbing cigarette smoke and fending for myself in a foreign territory and be prepared to meet this Emi person, who R has the hots for, only to find out she’s not exactly interested in meeting me at all – the whole purpose of me tagging along and the encounter barely lasted a second, only significant in that it prompted me to finally get over myself and go get a beer and talk to people because I felt just too stupid and out of place lingering aimlessly there near R’s DJing corner pitying myself for being such a fucking misfit at R’s favorite place in the world while he was having a blast and the Emi person was fitting right in.

See – I did manage to write about it eventually, even Basti being a lying coward son of a bitch and all. So I’m not as hopeless as I thought.

Stabilized (but stagnating)

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Schon besser. Ich kann nicht behaupten, dass es mir blendend geht, aber sofern hier nichts mehr eskaliert, dürfte das Gröbste überstanden sein.

Ich werde dennoch nicht an Beccis und Cornelias Holland-Trip dieses Wochenende teilnehmen, wie es eigentlich geplant war. Weder kreislauftechnisch noch mental würde ich eine Unternehmung von diesen Dimensionen verkraften. (Auch wenn es gepasst hätte, denn als ich Tim Vantol zum ersten Mal gesehen habe, war es um meinen Geisteszustand ähnlich bestellt. Das war auch der Grund, aus dem ich mir damals nach dem Konzert keine CD gekauft habe. Wozu, dachte ich mir, wenn ich’s eh nicht mehr lange mache.)

Becci, die gute Seele, sagte auf meine Frage hin, wie viel ich ihr für Ticket und Übernachtung schulde, es sei nicht der Rede wert und ich sollte nicht für meine gegenwärtige Situation auch noch bezahlen müssen.

Und meine Mutter, mit der ich gestern telefoniert habe, ist zwar aktuell noch auf Sri Lanka, sagte mir aber, ich hätte sie trotzdem wirklich mal anrufen können, als hier Land unter war, sie könne in 20 Stunden bei mir sein. Awww. (Wobei es bei ihr schon genügt hat, ihr zu erzählen, dass sich R während meines Entzugs nicht gerade um Unterstützung und Rücksicht bemüht hat, ohne auf Einzelheiten einzugehen.)

As for me… ich warte erstmal ab, bis sich mein Hormonhaushalt wieder einpendelt. Latente Panik ist nach wie vor da, aber nichts im Vergleich zum Wochenende. Derweil höre ich mir von der Therapeutin an, dass ich meine Prinzipien zum Fenster rausschmeiße, wenn ich nicht vehement ablehne, mich mit R’s Polyamorie auseinanderzusetzen, und beobachte dessen unbeholfene Versuche, meiner Kritik gemäß seine Egomanie zu drosseln.

Bislang scheint Letzteres allerdings aussichtslos. Siehe dazu gestern Abend: ich hatte Musik an, während ich in der Küche tätig war, und das Album lief noch, als er zum Essen kam. Er gab sich Mühe und fragte, welches Album wir hören würden. Es war What Seperates Me From You von A Day to Remember. Da er bemängelt, ich würde ja aber auch von mir aus nichts erzählen, fasste ich mir ein Herz und schilderte ihm, wie mich You Be Tails, I’ll Be Sonic damals mit seiner Genialität überwältigt hat, als ich die Band kennenlernte. Von zwei zehennägelkringelnd, nackenhaaresträubend konstruierten Rückfragen seinerseits fühlte ich mich nichtsdestotrotz ermutigt, man könnte fast sagen, verpflichtet, weitere Informationen preiszugeben. Also erzählte ich vom Konzert 2011, und dass dort auch mein T-Shirt mit einer besagtem Lied entstammenden Zeile herkommt, und schließlich sogar von der abstrusen Kombination, die mein Shirt („There’s a hole in my heart where you used to be“) und Şahins Wristband („Get the fuck over it“, 2nd Sucks) hermachten. Er reagierte daraufhin, and I shit you not, mit einer ausschweifenden Erörterung, welche zum Inhalt hatte, dass der Grund, aus dem er gleich zurück an den Rechner müsse, sei, dass auf der GUI, die er gerade programmiert, sich das Relief nicht mehr ausschalten lasse. Irgendwann unterbrach ich ihn, indem ich andeutete, zum Himmel zu beten, und flehte, „please be going somewhere with this“. Er war daraufhin beleidigt.

Sonntag Früh entdeckte ich einen drastisch reduzierten Udemy-Kurs zu kognitiver Verhaltenstherapie, dessen Beschreibung mich neugierig machte und mir den Eindruck verlieh, eine derartige Maßnahme könnte uns helfen, eine gewisse Basis an gegenseitigem Verständnis und gleichzeitig eine Erweiterung unser beider Horizonte zu erreichen, insbesondere in Hinblick darauf, dass ein konstruktives Auseinandersetzen mit der Thematik der Polyamorie mir in meinem aktuellen Mindset nicht oder kaum möglich ist. Ich sagte ihm dies und schlug vor, den Kurs herunterladen und gemeinsam anzusehen. Er stimmte dem zu. Als er dann feststellte, dass es sich um 53 Stunden Material handelt, war er schon weniger begeistert. Ich hatte gleichzeitig einen weiteren Kurs gefunden, der beim Umgang mit Konflikten helfen soll. Dieser dauert nur eine Dreiviertelstunde und wir haben uns die erste Session davon tatsächlich schon angeschaut. Leider ist der Dozent grottig, aber R war nicht der Meinung und ich nehme, was ich kriegen kann. Nach zehn Minuten war sein Kontingent an emotionaler Arbeitskraft jedoch erschöpft; seither macht er keine Anstalten, an einem der Kurse weiterarbeiten zu wollen, und ich darf weiter in Panik vor mich hinexistieren; diese wird bleiben, bis entweder Verdrängung oder Veränderung eintritt. Wenn er die Zeit oder den Aufwand nicht aufbringen möchte, für Letzteres zu arbeiten, kann ich nur zurück in Ersteres flüchten.

Maybe this will help.

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Unfassbar – ich habe es geschafft: eben war ich bei der Ärztin und habe mir Medis verschreiben lassen. Es hat einen Anruf, einmal Bergrunterfahren und ein äußerst angenehmes Gespräch gebraucht, um an das Rezept zu gelangen. Beim besten Willen also nichts, das das Vermeidungsverhalten rechtfertigen würde, das mich in diese Lage überhaupt erst gebracht hat.

Die Apotheke bekommt sie heute Nachmittag geliefert. Nachdem die völlig frustrierte Apothekarin mir erörtert hat, dass Großbritannien gerade brexitbedingt Medikamente hamstert sowie eine Starkstromleitung durch de Eurotunnel verlegt, um Strom aus Europa beziehen zu können, kann ich mich augenscheinlich glücklich schätzen, den Stoff überhaupt zu bekommen. Es wäre schon bitter gewesen, wenn zu allen fatalen Auswirkungen dieses politischen Desasters auch noch mein Suizid hinzugekommen wäre.

Nuja, erstmal abwarten, ob Escitalopram den entscheidenden Faktor darstellt, der meinen Geisteszustand wieder geraderückt.