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Gegenverkehr und erschöpfende Einkäufe

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Seit Langem scheint dies heute mal wieder ein Tag zu sein, an dem ich denke: „Ich sollte Sachen besser machen. Ich habe alle Voraussetzungen dafür.“

Ich muss wieder mit dem Zocken aufhören. Es frisst all meine Zeit und begünstigt die zweifelhafte Coping-Strategie aus Apathie und Verdrängung, die ich perfektioniert habe.

Aber das nur so am Rande. Ich habe noch eine Stunde, bis ich den Bus zu Marthe nehme (mein Fahrradakku ist nicht ganz aufgeladen und der Regen- bzw. Hagelschauer gerade trug auch nicht unbedingt dazu bei, dass Fahrradfahren zur Verlockung wird). Bis dahin muss ich duschen, und zwar dringendst.

Ich habe bis halb zwei Uhr geschlafen – ich bin aufgewacht und konnte es kaum glauben. Wobei es Sinn macht, da wir gestern Abend beim Containern überdurchschnittlich viel gefunden haben und ich zwischendurch schon kaum noch die Augen aufhalten konnte. (Passend dazu fällt mir soeben der skurrile Traum ein, den ich hatte. In einem Abschnitt davon war ich im Auto unterwegs – nein, nicht im Auto, ich ging zu Fuß, aber war schnell wie ein Auto und lief mitten auf der Straße – der Boden war voll von Eidechsen und ich erinnere mich, dass ich eine spezielle Lauftechnik entwickelt hatte, um diese mit den Füßen beiseitezuschieben und so zu verhindern, dass ich darauf trat; es war niemand dort außer mir. Gut so, denn ich war so müde, dass ich mit geschlossenen Augen lief. Rechts von der Straße befand sich ein Abgrund. Irgendwann nahm ich in der Ferne ein entgegenkommendes Fahrzeug wahr; mir war klar, dass ich die Augen öffnen musste, um ihm auszuweichen oder vielmehr sicherzustellen, dass ich auf meiner eigenen Spur lief, aber ich war zu müde und schaffte es einfach nicht. Das Auto kam näher und näher und ich zog mit den Fingern meine Augenlider auseinander, als könnte ich mich so zum Sehen zwingen, erfolglos. Das Auto rauschte vorbei und streifte mich ganz knapp; ich war unversehrt.)

Der müde Punkt war längst überschritten, als ich um zwei Uhr nach Hause kam. R war natürlich bereits im Bett und machte keine Anstalten, dort herauszukommen, also habe ich all die Kisten und Taschen mit Essen (zwei davon für Wolfgang, eine so schwer, dass ich sie kaum hochheben konnte) möglichst geräuschlos durch die Wohnung auf die Terrasse verfrachtet und mich anschließend mit einem Glas Multivitaminsaft aufs Sofa gesetzt, um wieder zu mir zu kommen, bevor ich ins Bett ging.

Nun bin ich ausgeruht und erleichtert, dass mir in der Zwischenzeit kein Scribbr-Auftrag durch die Lappen gegangen ist. Auch das Wetter bietet allen Grund zur Erleichterung; wäre es so warm wie letzte Woche, hätte die Ausbeute von gestern den Vormittag auf der Terrasse weniger unbeschadet überstanden. So dagegen kann sie ruhig bis heute Abend dort verbleiben und darauf warten, dass R und ich unserer neu implementierten Arbeitsteilung entsprechend gemeinsam das Einräumen und Versorgen übernehmen. Nur um das Fleisch muss ich mich vorher kümmern, damit die Katze schonmal etwas zu fressen bekommt.

Nun wird aber erstmal geduscht. Und nachdem ich von Marthe zurück bin, habe ich dann durch das Nicht-Zocken Zeit für alles Weitere.

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Gotta Love Sperrmüll // Being Productive

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Ich bin echt gut. Jeden Tag während R’s Abwesenheit – er kommt heute Nacht wieder – , heute eingeschlossen, war ich produktiv und nützlich. Ich habe am Freitag die gesamte Liste abgearbeitet und mir lediglich ein paar Sachen in der Garage für Samstag Früh übriggelassen, mit denen ich dann auch gerade fertig war, als Papa ankam. Es stand nur noch der Blumenkübel im Weg, den ich dann auch noch schnell wegräumte, als ich von der vorherigen Kellertour zurück in die Garage kam und überrascht feststellte, dass sich Papa schon in der Parklücke befand, soweit es denn möglich war. Talk about perfect timing.

Dann haben wir zusammen den Schrank in den Keller gebracht und er trug für mich den Kübel nach oben, und als er wieder weg war, habe ich ein paar Stunden lang im Keller gewerkelt und geräumt wie nichts Gutes, um den Schrank in Gebrauch zu nehmen. Es ist wundervoll geworden.

Hier oben haben sich ebenfalls Dinge getan: den vom Sperrmüll mitgenommenen Staubsauger habe ich ausprobiert und für nicht behaltenswert befunden. Die Ipod-Box vom gleichen Sperrmüllhaufen hingegen ist über alle Maßen genial und thront nunmehr auf der von Waltraud verschmähten zweiten Etage des Kratzbaums. Das kleine Schränkchen, welches ich während der zweiten Runde (auf dem Weg zum großen Schrank und der Kommode, wegen denen wir nochmal losgefahren waren) spontan eingesammelt hatte, steht wie geplant auf dem Bett und ist bestückt mit Kaffeeutensilien. Und die Kanne der am gleichen Abend bei unserer Hauptcontainerquelle eingesammelten Maschine wartet darauf, dass die Spülmaschine voll wird, um dann zusammen mit den Kaffeefiltern, die ich R heute beauftragt habe seinen Eltern abzuluchsen, unseren Traum endgültig wahrzumachen: Kaffee im Bett. Es ist der helle Wahnsinn, wie sich mit dieser einen Monstertour in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Lebensstandard wieder mal gesteigert hat. Und ich freue mich wie ein Schneekönig auf den Moment, in dem ich R die Kaffeekonstruktion kredenze. Oh, wie wird das episch.

Eigentlich müsste ich, damit es perfekt wird, noch den Balken von der Wandseite des Bettes abmontieren, dann kann das Schränkchen noch 10 Zentimeter weiter nach hinten und nimmt noch weniger Platz weg. Nicht dass auf unserem Bett der Platz ein riesiges Problem darstellen würde; selbst mit unserer 1,40-Matratze liegt immer noch ein großer Teil der Bettfläche brach und ist vermutlich genau so glücklich wie ich darüber, wenn er endlich mal ordentlich genutzt wird.

Heute habe ich, meinem gestern gefassten Entschluss gemäß, das Bad geputzt (nur die Badewanne fehlt noch, weil ich die Fugen darüber mit Schimmelentferner eingesprüht habe, der noch einwirken muss) und die Produkte auf der Ablagefläche vor dem Spiegel neu geordnet. Auf dem Rückweg von der Therapeutin am Donnerstag habe ich ein wunderbares Gestell mit verschiedenen Fächern und sogar einer kleinen Schublade eingesammelt, das sich optimal zur Aufbewahrung von Kosmetikzubehör eignet. Dieses habe ich nun ins Programm aufgenommen und mit Pinselchen, Kajal, Mascara, Abschminktüchern sowie meinen am meisten genutzten Lidschatten befüllt. Ich hoffe ja so halb, dass mich das motiviert, mir überhaupt mal wieder die Mühe zu machen, mein ganzes Schminkzeug auch zu benutzen.

Als Nächstes werde ich mich eine Stunde zum Unbabeln bewegen, um mir anschließend irgendeine CD zu bestellen, die ich wirklich gut in meiner Sammlung gebrauchen könnte. Davon gibt es viele, und da ich seit Papas Besuch auch ein neues CD-Regal habe (welches Mama vor ‚zig Monaten mal für mich vom Sperrmüll aufgesammelt hat), sind nun endlich wieder die entsprechenden Kapazitäten vorhanden, die ich für die Sammlungserweiterung dringend benötigt habe. Und für die Finanzierung des Ganzen sorgt vor jeder Bestellung eine Stunde Unbabel. Gut, oder?

Also, ich bin zufrieden. So könnte es weitergehen.

#andeneigenenhaaren

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Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

Talk to the hand

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Ohne mich noch großartig zu nötigen, wirklich etwas Inhaltsvolles von mir zu geben, möchte ich trotzdem schnell meine To-Dos für morgen manifestieren:

  • Nähzeug zurück in die Schränke befördern
  • Rausfinden, was mit meiner Nähmaschine los ist
  • Briefmarken runterladen und ausdrucken
  • Ebay-Sendung und Handytasche auf den Weg bringen (letztere gesetzt den Fall, dass der Mensch, der sie in Auftrag gegeben hat, bis dahin das Geld hat rüberwachsen lassen)
  • mindestens 50 Sachen aufräumen
  • Unbabel-Stunden ausrechnen und Camila schreiben
  • saubere Wäsche verstauen
  • staubsaugen
  • Bild vom Chrysler Building reparieren
  • Restliche Containerreste aus der Garage räumen (außer natürlich den Schrank)
  • Keyboard spielen
  • Keller für den Schrank präparieren
  • Chillen und Scrubs gucken

…und wenn ich das alles schaffe, kann ich stolz auf mich sein.

Und wenn ich nichts davon schaffe und nur gelähmt rumhänge, dann.. meine Güte, dann ist das halt so.

Ich wurde heute Früh von der Therapeutin dazu aufgefordert, die Lähmung zu konkretisieren. Beziehungsweise den Druck, den ich mir mache, der zu der Lähmung führt. Das Gewissen, das kaum einen Augenblick Ruhe gibt und gefühlt immer schlimmer wird, das mir nicht erlaubt, ein Leben in einem Zustand innerer Ruhe zu leben, bis ich es nicht „auf die Reihe bekomme“, bis ich keine „Arbeit“ habe und keinen „Beruf“.

Ich halte vom Konkretisieren wenig und vom Verbildlichen überhaupt nichts und habe dies auch die Therapeutin wissen lassen. Diese war heute allerdings sehr gefangen in ihrer Therapeutenwelt und wollte nicht davon ablassen, ich solle dem Ding einen Namen geben und mit ihm kommunizieren. Ich nannte es dann „die Hand“, einfach weil es sich wie ein Klammergriff um meinen Brustkorb schnürt oder mich von oben erdrückt oder wahlweise beides, you get the picture. Ich habe irgendwann stumpfsinnigerweise dazu noch einen Eiskaltes-Händchen-Witz gemacht, der daher stumpfsinnig war, weil die Therapeutin ganz offensichtlich in ihrem Leben keine Folge Addams Family gesehen hat.

Jedenfalls wollte sie dann, dass ich mit der Hand kommuniziere, und fragte mich, angetrieben von ihrem Symbolisierungs- und Konkretisierungsschub, ob ich eigentlich gerne male. Ich habe sie bei der Gelegenheit wissen lassen, dass ich seit sieben Jahren schon mal einen Quetzal malen wollte. Sie wusste nicht, was das ist. Ich bin dafür, dass jedem Menschen irgendwann beigebracht werden sollte, was ein Quetzal ist. Mission für die Therapeutin erfüllt.

Ich kann jedenfalls nicht mit der Hand reden. Ich wüsste nicht wie. Aber vielleicht erfahre ich es ja nächste Woche, wenn ich eine Hand und einen Vogel gemalt habe.

Maybe Mind Expansion (Maybe Self Improvement)

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Jetzt überlege ich gerade, ob es sinnvoll war, mir die Holzrosensamen zu bestellen. Erstens hat nichts Derartiges bei mir je Wirkung gezeigt (wenn man vom Kotzreiz der Morning Glory damals mal absieht), zweitens war ich natürlich zu geizig für einen ordentlichen Hersteller und habe mich mit Samen aus dem Pflanzenhandel begnügt, und drittens würde es ziemlich sicher schon reichen, die Medis abzusetzen, um wieder Zugriff auf meine Emotionen und all das Drama zu erhalten, das ich ja in meinem Dasein offenbar so vermisse.

Aber wieso denn nicht. Zehn Samen; ich nehme 5 und behalte die anderen zur Not als Balkonbepflanzung, denn sie blühen ja wirklich ganz wunderschön. (Meine Ololiohqui macht sich übrigens nach anfänglichen Startschwierigkeiten mittlerweile auch wunderbar und wächst munter an Hauswand und Regenrohr hoch; blühen tut sie noch nicht, aber sie wird. Zur Not hole ich sie ins Haus; ich mache bestimmt nicht den gleichen Fehler wie letztes Jahr mit meiner Morning Glory, die gerade so herrlich angefangen hatte zu blühen, als dann auch schon der Winter einbrach und ich genau keinen einzigen Samen geerntet habe.)

Nun überfiel mich gerade, vielleicht motiviert durch die Aussicht auf Bewusstseinserweiterung oder die stimulierende Wirkung des Kaffees oder das ewige Indieluftstarren und Unzufriedenmitmirsein, man weiß es nicht, ein Schub von Tatendrang und ich sah mich in der Lage, auf der Website des Studierendenwerks nach Jobs zu suchen und sogleich die Kontaktdaten für jene, die mich interessierten, zu erbitten. Das war der Motivationsschub des Jahrtausends, was für eine Oase in dieser endlosen Wüste aus Blah.

Was bin ich froh, noch eingeschrieben zu sein.

Kein Schwein wie mein Schwein

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So sitze ich also nun im Bus nach Konstanz, von wo ich dann in die Schweiz zu meinen Eltern weiterreise (und im Anschluss morgen mit meiner Mutter nach Milano übers Wochenende, unser relativ spontan beschlossener erster gemeinsamer Urlaub seit 2012). Dass dem so ist, verdanke ich in erster Linie Malte. Malte verließ uns Dienstag Nacht (zur allgemeinen Erleichterung, da es trotz all seiner Vorzüge mit Malte doch relativ schnell anstrengend wird und nicht nur R am Ende auf dem Zahnfleisch ging), was zufälligerweise auch genau der Zeitpunkt war, zu dem die Flixbus-Haltestelle wegen Bauarbeiten vom Hauptbahnhof weg verlagert wurde. Was Malte ein abenteuerliches nächtliches Haltestellensuchen bescherte, mir dagegen, durch Malte bestens informiert worden seiend, heute einen stressfreien Reiseanfang.

Weiterhin steckte mein Bus zum Bus vorhin eine Ewigkeit im Stadtverkehr fest, was zu einer viertelstündogen Verspätung und einem extrem unguten Gefühl meinerseits führte, bis ich die Haltestelle um drei vor zwölf Uhr dann erreichte und mir verkündet wurde, dass mein Bus noch nicht angekommen war.

Ich versuche schon, über solche Geschichten weniger in Panik zu geraten, aber es ist noch ein langer Weg. Umso erleichterter bin ich jedes Mal, wenn es doch wieder alles gut geht.

Für die zwei Stunden, die ich in Konstanz auf meinen Vater warten muss, habe ich mich mit Basti verabredet, dem ich bei der Gelegenheit auch gleich seine Trinkflasche wiedergeben kann, welche er zuvor bei mir vergessen hatte. Ich habe bis fünf Minuten vor Verlassen der Wohnung gebraucht, um mir gewahr zu werden, dass ich die Flasche nutzen könnte, um mir selbst Wasser für die Fahrt abzufüllen.

Die Therapiesitzung war heute sehr produktiv. Auf jeden Fall ist die Therapeutin um Welten fähiger als meine letzte, wenn auch gelegentlich etwas weltfremd. Ich solle mir keinen Druck machen, mich nicht vor Hartz IV und der damit verbundenen Schikane durch das Amt fürchten, mich nicht unterdrücken lassen, meine Würde behalten, egal wer sie mir meint absprechen zu müssen. Ich frage mich, ob die Frau vorhat, mich zum Übermenschen zu entwickeln, und habe ihr entgegnet, wenn ich als Fakir auf dem Nagelbrett leben könne, hätte ich die Möglichkeit derartiger Unabhängigkeit, ansonsten sehe es schwierig aus. Trotzdem mag ich den Ansatz. Ich werde mir mal Mühe geben, auf diesen Zustand hinzuarbeiten – was kann es schon schaden. Zu wenige Menschen bekommen so etwas gesagt.

Society, you’re a crazy breed.

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Seit Langem war ich nicht mehr so glücklich wie heute.

Gestern vielleicht. Aber das kommt auf eins raus; seitdem ich AoE in jeglicher Form von meinem Computer verbannt habe, fühle ich mich wie neugeboren, als hätte ich meinen Platz in der Welt wieder gefunden und lückenlos aufs Neue eingenommen, als wäre ich nie weg gewesen.

Es ist warm draußen, viel wärmer, als vierzehn Grad vermuten lassen, und ich war viel zu dick angezogen, als ich Pfand wegbringen ging heute Nachmittag. Ich habe mit Becci telefoniert, während ich zum Kaufland fuhr, dann schnell die Pfandgeschichte erledigt und zwei Knollen Knoblauch illegal aus dem Supermarkt entführt – ich habe eine neue Gewohnheit daraus gemacht, jedes Mal beim Pfandwegbringen eine Kleinigkeit mitgehen zu lassen, Spülmaschinenklarspüler oder gerebelter Knoblauch oder NicNacs oder Knoblauch in Reinform, so wie heute. Das ist schon möglich. Und meinem Gewissen tut das gut; ich fühle mich trotz vollständigem Lebensmitteleinkaufsboykott immer noch zu hörig gegenüber den Supermärkten und es bereitet mir Kopfschmerzen, dass ich das abgefuckte System durch Klopapier- und Spülmaschinenpulvereinkäufe nach wie vor unterstütze. Dann wenigstens irgendetwas Kleines klauen. Ich habe sehr spät damit angefangen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen ihre kleptomanische Phase in ihrer Jugend ausleben und dann hinter sich lassen; ich sehe es trotzdem nicht ein.

Heute also zwei Knollen Knoblauch. Ich bin glücklich und gleichzeitig verwundert, warum ich darauf nicht viel früher kam. So viel früher; was hätte mir die Erkenntnis, dass auch ich in der Lage bin zu klauen, zu Einkaufszeiten an Gewissensbissen erspart. Klauen gegen das schlechte Gewissen, schon eine komische Herangehensweise an die Dinge. Aber so denke ich.

Natürlich habe ich lose Knoblauchknollen eingesackt, keine im Netz. Dann wären es ja auch drei gewesen. Ich dachte mir aber, ich bin mit zwei Stück erstmal ganz gut beraten.

Dann war ich containern. Es gab beim Großhandel gar nichts, dafür habe ich auf dem ganzen Weg mit Becci telefoniert. Beim kleinen Edeka habe ich zwei Topfpflanzen, Lauch und ein paar Zwiebeln gefunden sowie einige Fläschchen Schlagrahm. Dann spontan noch zum FairTeiler: mehr Zwiebeln, Zucchini, Möhren, Paprika, Tomaten und Topinambur. Volltreffer. Doch nicht mit leeren Taschen nach Hause zurückgekehrt. Ich hätte es auch sonst nicht schlimm gefunden, weil ich Becci auf dem Hinweg und mein Buch auf dem Rückweg dabeihatte.

Der Brandt klingelte, als ich gerade dabei war, den Lauch im Kühlschrank zu verstauen, um sich zurückzumelden. Ich hatte den Auftrag gehabt (und gerne angenommen), mich um seine Bonsais und Orchideen zu kümmern, während die beiden im Urlaub waren. Nun hat seine Frau, Ilona, geäußert, wir sollten uns doch mal auf ein Weinchen bei ihnen oben treffen. Ich habe wirklich nichts dagegen. Nachbarschaftliche Bindung kann in so einem Mehrparteienhaus wirklich nur von Vorteil sein.

Ich bin betrunken, das nur ganz am Rande.

Nach der AoE-Löschaktion gestern habe ich mir Maltes Filmtipp zu Gemüte geführt, Into the Wild. Ich war davon mehr als geringfügig verstört; der Mensch ist wirklich gestorben? Aber diese Menschen braucht doch die Welt, wie konnte er sterben?

Dafür habe ich mir ein Lied aus dem Soundtrack beigebracht, gestern Abend und heute Mittag. Society.

Natürlich ist das jetzt nicht perfekt oder ansatzweise so etwas. Aber immerhin hat es einen Laien (zumindest gehe ich stark davon aus, dass es einer ist) kurz sprachlos gemacht: natürlich musste ich das Werk gleich Malte zukommen lassen, immerhin verdanke ich ihm die Bekanntschaft mit dem grandiosen Soundtrack eines nicht weniger grandiosen Films.

Ich bin so durch den Wind, ich ziehe gerade allen Ernstes in Erwägung, nochmal containern zu fahren. Diesmal zum anderen, neueren Spot. Aber ich glaube, das lasse ich lieber; ich war ja vorgestern dort und an einem Tag wird so viel nicht zusammenkommen, dass es sich lohnen würde, die Stunde dorthin in der Bahn zu verbringen.

Andererseits, wieso eigentlich nicht. Ist ja nicht so, als würde ich hier noch etwas Produktives anfangen.

Man wird sehen, was ich um 23.08 Uhr letztendlich anstelle.

Ablenkungsmanöver

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Na super. Eigentlich wollte Mike um halb sechs zu mir kommen, deshalb habe ich die Zeit zwischen Frühstück (ein Uhr) und Arbeit (drei Uhr) damit verbracht, die Wohnung besucherfreundlicher zu gestalten und das schlimmste Chaos aus dem Weg zu räumen. Geholfen haben die Sonne, die wärmlichen Temperaturen (auf dem Hinweg zu Sophi immerhin sechzehn Grad), das viel zu lange nicht mehr gehörte Rise-Against-Album Endgame und meine an sich seit ein paar Tagen wieder etwas gehobene Bereitschaft zur Aktivität.

Nun allerdings kommt Mike doch nicht, da er erkältet ist – ich bin heilfroh, einerseits, dass er mir endlich auch mal absagt, immerhin ist er der Mensch, dem ich in dieser Stadt wohl am häufigsten abgesagt habe. Und ich hätte nicht wirklich Lust gehabt auf das Treffen, sondern hatte ihn mehr aus Pflichtbewusstsein eingeladen. Wo ich schon gestern nicht zu ihm gegangen bin, obwohl er gefragt hatte.

Das Problem: Ich will wieder aufhören zu zocken. Ich muss mir eine Maßnahme überlegen, wie ich es gebacken bekomme, am Computer zu sitzen und das verdammte AoE nicht zu öffnen. Ich hätte es R nie wieder installieren lassen dürfen. Ehrlich. Wie ich über die Raucher herziehe und dabei von meiner eigenen Scheißsucht nicht wegkomme. Deswegen jedenfalls bin ich nicht ganz glücklich, jetzt alleine zu sein. Vermutlich sollte ich es einfach wieder löschen, auch wenn es neulich wirklich Spaß machte, als ich R in zwei von drei Spielen wirklich mal zum Aufgeben zwingen konnte. (Im dritten Spiel lief mein König in seine Burg rein; das war Idiotie meinerseits, aber fühlte sich trotzdem weniger wie eine bittere Niederlage an als all die anderen Spiele in der Vergangenheit, die ich etwas heldenhafter gegen ihn verloren habe.) Wie viel es ausmachen kann, wenn ich mich mal von meinen Spielneurosen, den immer gleich zu sein habenden Abläufen löse und kurz Sachen anders mache, als es das Alien in meinem Kopf vorschreibt.

Meine Tomatenpflänzchen wachsen nicht gescheit, was mich traurig macht. Ich würde ihnen gern einen Ort mit mehr kuscheliger Wärme zur Verfügung stellen, aber es gibt hier keinen. Es muss die Küchenfensterbank sein, wo es ihnen zu kalt ist, sie aber immerhin genügend Licht bekommen. Ich habe vorhin noch ein wenig Erde draufgegeben und die Stängelchen so gut es ging mit dem Substrat umhüllt. Sie sitzen ja sowieso am liebsten bis zu den Blättern in der Erde. Ich bin gespannt, was das noch gibt.

Dafür wachsen daneben komische Pflanzen mit winzigen schwarzen Stachelgebilden auf den hellgrünen Blättern; die gedeihen ganz prächtig, auch wenn ich nicht mehr weiß, was um alles in der Welt ich da gesät habe. Irgendwann werde ich es vermutlich erfahren.

Ich sollte mir was Schönes zu trinken machen und einen Film gucken.

Davor sollte ich eigentlich die gestern erbeuteten Packungen Kondens-, Soja- und Mandelmilch versorgen, sprich: in den Keller verlagern.

Vielleicht schaffe ich es ja wirklich, mich nicht wieder zu sinnlosem Zocken hinreißen zu lassen.

Edit: Vielleicht weil ich mir selbst nicht geglaubt habe, dass ich nicht in fünf Minuten wieder da sitze und kleine Männchen und Weibchen zum Holzhacken, Gold- und Steinabbauen, Rehejagen und Beerensammeln anweise, während König und Scout die Landschaft nach feindlicher Siedlung, Reliquien und Bodenschätzen durchforsten, habe ich kurzen Prozess gemacht und war diesmal konsequent: nicht nur habe ich The Conquerors, sondern auch noch die Krüppel-Uralt-AoEII-Version gelöscht. Das war unerwartet. Aber ich wollte mir die Blöße nicht geben. Nicht vor allen Rauchern der Welt, und vor mir selbst schonmal gar nicht.

Now equals forever

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Diese zwei Wochen sind eine wertvolle Lektion und bestätigen mich in meiner Angewohnheit, Unbekanntem doch bitte nicht mit Erwartungshaltung entgegenzutreten. Ich habe dieses Mal gegen dieses Credo verstoßen und die Konsequenzen geerntet.

Kein Wunder übrigens, dass ich den Inhalt des vorvorletzten Eintrags nicht mehr in Erinnerung hatte; er existiert ja gar nicht. Er wäre an dem Tag verfasst worden, als es Becci so schlecht ging, dass sie den ganzen Tag nicht aus dem Bett herauskam, und dieser Zustand auf mich mit solch einer Leichtigkeit übergegangen ist, als wären wir ein und derselbe Mensch. So lagen wir den Tag lang im Bett unter unseren vier Schichten Decke, bis ich abends resignierte und einen Fluchtplan entwarf, welcher dem Elend ein Ende setzen sollte. Und der Tag drauf war derjenige, an dem wir uns am Riemen rissen und Beccis Kopf ihr wieder Zugang zu ihrer wunderbaren Persönlichkeit gewährte und meiner mir eine Perspektive, die über den Moment hinausging. Damit habe ich ja bekanntlich Schwierigkeiten. Now equals forever.

Die enttäuschte Erwartungshaltung hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht. Meine Stimmung schwankte im Einklang mit dem Inselwetter. Mittlerweile habe ich mich wieder ganz gut eingependelt. Unser Nicht-Aufgeben hat diese Wendung ermöglicht.

Heute fahren wir zum Flughafen und buchen uns einen Mietwagen, einen Twingo, für Donnerstag und Freitag. Das bisschen Dekadenz wird uns viele Möglichkeiten bieten, die uns das wenig ausgereifte öffentliche Transportsystem bisher verwehrt. Und wir bleiben trocken. Das wird gut.

Manisch ist besser als panisch

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Zwanzig Minuten, dann mache ich mich zum zweiten Mal auf zu meiner zweiten Schülerin. Dort werde ich jetzt öfter sein; sie möchte drei Mal die Woche für je zwei Stunden gecoacht werden. Wie Kepa so treffend formulierte: Und sie ist Oligarchentochter. Ihre Eltern müssen so unwahrscheinlich reich sein, da wird mir schwindelig. Sie wohnt in einer gigantischen Villa auf der anderen Neckarseite, wahrscheinlich eine von der Sorte mit zwei Küchen, von denen uns der Küchenmonteur letztes Jahr erzählte, eine zum Kochen und eine zum Vorzeigen. Ihre Eltern sind auch nicht gerade das unmerkwürdigste Paar Menschen, die mir je unter die Augen kamen. Aber was soll ich mich beklagen; sie selbst ist vollkommen normal und super in Ordnung.

Ich habe Panik, weil ich gleich losmuss, und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Beziehungsweise weiß, dass dagegen kein Kraut gewachsen ist, und muss damit jetzt wohl so lange leben, bis ich bei Sophi am Monstertisch sitze und mit ihr über das Hexenjagddenkmal in der norwegischen Einöde rede. Es gibt absolut nichts, vor dem ich Panik haben muss, und ich hatte schon so lange keine mehr, dass mich das bisschen jetzt schon richtig zermürbt. Mein Kopf und mein Körper sind komische Dinge.

Davon ab habe ich gestern so mir nichts, dir nichts dann wirklich AoE von diesem Computer entfernt und werde so ab jetzt hoffentlich wieder mehr Zeit in mein Leben als ins Zocken investieren. Es hat mich nur noch angekotzt, diese zahllosen Stunden Zeitverschwendung. Der Moment, in dem es ein Fortschritt ist, wenn du dich überredest, jetzt einfach mal aufzuhören, um stattdessen Serien zu schauen… das ist dann wohl der, in dem du handeln solltest.

Aber ich habe trotz exzessivem Zocken noch sinnvolle Sachen gemacht – die Terrasse für den Winter bereitgemacht und aufgeräumt; die Unmengen Pfifferlinge gedörrt, die noch im Kühlschrank waren; die getrockneten Kräuter endlich verarbeitet, die hier noch überall herumhingen; im Haus aufgeräumt und gesaugt; 90°-Wäsche gewaschen und gestern Abend sogar etwas Warmes gegessen. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Ich habe kaum mehr gekocht, seitdem R weg ist. Ich muss mich in das Alleinsein erst wieder reinfuchsen.

Aber es wird; spätestens heute bin ich wieder soweit, dass ich unentwegt vor mich hinbrabbele, während ich Dinge erledige und in der Wohnung herumwusele – eine Angewohnheit, die ich so gut wie abgelegt hatte – und es ist sauber hier, das glaubst du gar nicht. Natürlich muss noch einiges geschafft werden, bis es wirklich mal wieder meinen Standards entspricht, aber ich sage dir, es tut unheimlich gut, richtig zum Saubermachen motiviert zu sein, weil du die Einzige bist, die es nachher wieder einsauen könnte.

Und jetzt ist meine Panik zwar nicht weg, aber ich muss trotzdem los.