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Distantzi denak lehertu hitz neurtuekin

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Also, erstmal: Yours truly hat es geschafft, sich ihre BA-Thesis um 0.2 Notenpunkte schlechter zu lesen, als sie tatsächlich ist – was sagt es über die Fachkompetenz einer Linguistin aus, wenn diese eine 1.1er-BA-Thesis schreibt, dies aber erst mehrere Tage verspätet in der Lage ist zu erkennen?

Also, Correction: Thesis-Ergebnis: eins Komma eins. Es wird nur immer absurder.

Ich hänge auf R’s Bett, während er ein paar Schritte von mir entfernt am Schreibtisch arbeitet, übertöne seine Musik, die er dabei hört, und sein gelegentliches Fluchen mit Argiak, höre dementsprechend gerade ein ohrenbetäubendes Itxaropena und fühle mich erstaunlicherweise weniger sinnlos-suizidal als vor ein paar Minuten. Es hat geholfen, Kepa meinen Lesekompetenz-Fail mitzuteilen und endlich die Soundfunktion dieses merkwürdig eingestellten Windows-PCs ausfindigzumachen, an dem ich gerade sitze.

Wie ich das sehe, gestaltet sich die Situation folgendermaßen: Ich habe keinen Nachmieter für Frau Personifizierte Erbärmlichkeit, da der Verwalter nach dieser unerfreulichen Erfahrug niemanden mehr ohne Bürgschaft in die Wohnung lässt und Basti somit keine Chance hat. R wiederum will ja ums Verrecken nach Heidelberg ziehen und entscheidet sich alle drei Minuten zwischen „Würde gerne mit dir zusammen wohnen“ (und somit „schere mich irgendwo doch auch im Hinblick auf meine Zukunft einen Dreck um dich“) und „Lohnt sich nicht, ich bin eh bald hier weg vom Fenster“ („um dich, wie von dir zu Recht befürchtet, meinen politischen Ambitionen zu opfern“).

Leider kann ich ihn verstehen, denn in dem Punkt sind wir gleich. Augenscheinlich haben wir uns beide bereits früher in einer Situation befunden, in der wir unser Seelenheil auf die ein oder andere Weise dem Wohlbefinden anderer Personen untergeordnet haben, und daufhin beschlossen, dass, bei aller Liebe, man sich selbst immer noch am Nächsten stehen sollte. Während ich Probleme mit der Umsetzung dieser Erkenntnis habe, scheint er sie bis zur Perfektion verinnerlicht zu haben, wie sich allein darin zeigt, dass er Arnes und sein Projekt über alles Andere stellt und dabei statt der von mir dieser Stelle an den Tag gelegten „Ich schmeiß alles um, wenn du willst, solang es für mich irgendwie noch vertretbar ist“-Mentalität eben doch eher ein „Ich mach das jetzt; was du daraus machst, ist dir überlassen“-Verhalten zeigt. Keine Ahnung, ob das gut gemeint ist, nach dem Motto, „ich will dir ja nicht dein Leben vorschreiben“. Knowing me, wirst du dich in jedem Fall nicht wundern, dass mir das in erster Linie ein Gefühl von „ist mir im Grunde egal, ich brauch dich jedenfalls nicht unbedingt um mich rum“ vermittelt, was wiederum in Anbetracht der Gesamtsituation in einer dramatischen Überreaktion à la „ich klimper einmal mit den Augen und bin von meinem kompletten Umfeld verlassen“ bzw. dem üblichen „Scheiße, ich hab nichts und niemanden und bin allen und jedem egal“ kulminiert.

Nunja. Noch ne Stunde, dann zur Tafel.

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Dönerwetter.

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Okay, ich bin tatsächlich ziemlich erleichtert, dass Laura meine Paranoia, sie könnte sich mit R derart gut verstehen, dass eine Art Caro-Aspi-Sackratten-Drama daraus hätte entstehen können, endgültig und überzeugend zerschlagen hat. Wenn man von dieser Seite draufschaut, ist die Aussicht nämlich tatsächlich nicht sonderlich verlockend. Aber das ist sie im Grunde ja definitiv von keiner Seite.

Abgesehen davon: Meine Festplatte hat nach einer selbstverschuldeten unsanften Landung auf dem Parkettboden meiner Eltern den Geist aufgegeben, ich habe somit alles an darauf befindlichen Daten verloren und mich juckt’s noch kaum, muss der Schock sein und die Tatsache, dass ich genug Anderes um die Ohren habe (die gute Trudi lässt nichts mehr von sich hören, hat somit meine letzte versuchte Rettungsaktion in Form einer vorgefertigten Kündigung plus dem Vorschlag, ihr ihre Möbel gegen den Erlass aller Schulden bei mir abzunehmen nicht in Anspruch genommen und wird zeitnah – not unlike the previously mentioned landing of my late hard drive – unsanft aus ihrer ehemaligen Wohnung fliegen, alles, weil sie zu feige ist, sich den Konsequenzen ihres ekelhaften Verhaltens zu stellen, und sich dabei nochmal um einiges ekelhafter verhält, als ich es je für möglich gehalten hätte).

Da war es eine ziemlich glückliche Fügung, dass meine Eltern sich ob meines erfolgreich abgeschlossenen Studiums fast unverhältnismäßig großzügig gezeigt und mir eine solche Unsumme an Zahlungsmittel haben zukommen lassen, dass ich nicht nur meinen kompletten Urlaub wieder drinhabe, sondern dazu noch das verbleibende Geld für eine neue Festplatte ausgeben kann. Glück muss man haben. Fast schon schade, dass meine (Ex-)Mitbewohnerin sich als über alle Maßen erbärmliche Ausgeburt exorbitanter Feigheit erwiesen hat, sonst hätte man sich beinahe überlegen können, ihr mit diesem unerwarteten Geschenk ein bisschen unter die Arme zu greifen.

Hm. Hoffentlich habe ich Strom, bis mich Becci am 13. besuchen kommt. Das wäre ungünstig sonst. Aber es muss sich jetzt ja eigentlich innerhalb von ein paar Tagen klären, anders überleben wir das auch alle nicht mehr. Allein vom Nervenkostüm her nicht. Mir ist inzwischen ein Magengeschwür gewachsen, ich bin mir ziemlich sicher.

Oh well. Erstmal warten, bis R mit seiner TeKo fertig ist, und dann mit dem bereits kaltgestellten Sektchen ein wenig die schönen Nachrichten der bald vergangenen Woche feiern. Ich bin ein fertig studierter Mensch, das muss man auch erstmal schaffen.

When unbelievabilities accumulate…

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Ach, das ist doch alles weird. Mein Leben war so ruhig in der letzten Zeit. Jetzt kommt zwischen dem Trudi-Drama (sie weigert sich beharrlich, mich anzurufen, und zahlt den Strom vermutlich am Sanktnimmerleinstag, sodass der Verwalter und ich sie jetzt augenscheinlich in Gemeinschaftsarbeit mit rechtlichen Maßnahmen aus der Wohnung befördern müssen) noch eine Turbulenz dazu, allerdings in die andere Richtung: Eine positive Nachricht.

Eine sehr positive, wenn man bedenkt, dass es das Letzte ist, mit dem ich gerechnet hätte. Da gehe ich vorhin nichtsahnend und grottig gestimmt in mein Unimailkonto, um Trudi die vom Verwalter geforderte Vorlage für ihre Kündigung zu schicken, als mir auf einmal eine Mail vom Plank ins Auge sticht – er hat mir die Bewertung und das Ergebnis meiner Bachelorarbeit geschickt. 1,3. Eins drei, ich habe meine Bachelorarbeit mit eins drei bestanden. Und wie ich gelobt wurde. Der Mann ist eine Koryphäe, der ich selbst dann noch Respekt entgegengebracht hätte, hätte er meine Thesis wie eigentlich erwartet in der Luft zerrissen. Stattdessen schreibt er mir „Weiter so“ – er, der Meister der Ein-Wort-E-Mails. Das bedeutet mir unendlich viel mehr, als hätte ich diese Anerkennung von einem anspruchslosen bzw. weniger rigoros bewertenden Dozenten erhalten.

Heute Abend gehe ich zu meinen Eltern; R hat zwar ob der Nachricht meines bestandenen BAs sogar angeboten, seine Contrast-Schicht zu canceln, um mit mir zu feiern, aber das holen wir dann morgen nach. Oh, du hast ja keine Ahnung, wie mir dieser Mensch gerade hilft. So hatte ich mir das vorgestellt, damals, als ich noch kaum Vertrauen hatte. Als das Nervenbündel, das ich gerade nunmal bin, habe ich ihm mitten in der Nacht gestern noch ein Drama geliefert, was dann in der Offenbarung meiner letzten verbleibenden großen Angst endete, er würde mich irgendwann der Politik opfern. (You know something’s wrong when the first verse of Frank Turner’s „Substitute“ is an exact projection of what you suspect to know will happen at one point or another.) Irgendwie habe ich das Gefühl, er wird immer lieber zu mir, je mehr ich ihm mich zu verstehen gebe. Oh, welch eine Lebensaufgabe. Aber auch da habe ich gestern wieder ein riesiges Stück geschafft. Ich glaube, es ist inzwischen nicht einmal mehr sehr viel übrig.

Und Kepa, wohl meine wertvollste Connection in (unter vielen anderen) dieser Hinsicht, begutachtet momentan meinen Mietvertrag. Und der Verwalter ist so ein guter Mensch. Ich liebe meine Menschen.

Einmal

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Ich hab‘ Once so ewig nicht mehr gesehen. Aber jetzt wieder. Ich wollte doch eigentlich nur Kepa den Link schicken.

Dann habe ich mich bei ihm beschwert, dass ich jetzt selbst da hängengeblieben bin. Er sagte, nachdem ich hinzugefügt hatte, dass Once immer mega die Vergangenheitsbewältigung sei, dann würde er ja in zwei Stunden meine Vergangenheit kennen; mal sehen, ob sie ihn überwältigen würde.

Ich schreibe jetzt nichts mehr zurück, weil ich will, dass er sich auf den Film konzentriert. Es kann doch nicht sein; immer diese Leute, die während des Filmeguckens mit Menschen schreiben.

Allerdings schlug er auch vor, ich solle mir ein Bier holen. Das ist ein Vorschlag, den man durchaus annehmen kann.

Im Übrigen habe ich heute meine Bachelorarbeit verteidigt und gerade noch dem Plank meine soeben auf dem Windows-PC fertiggestellte Seminararbeit geschickt, die ich ihm von letzten Semester noch schuldete. Bei der neuen Quelle abholen war ich, und am Abend noch bei der Wegwarte; dort habe ich eine neue Wegwartenkollegin angelernt, was super ist, denn damit versorgen wir die Wegwarte jetzt schon zu dritt und können uns die Woche noch viel schöner aufteilen.

Während also Once bei mir gerade in HD lädt und ich schon wieder Schwierigkeiten habe, angesichts meiner extremen PMS mir den Film jetzt wirklich zu geben (frag nicht; ich hatte gestern schon einen halben Meltdown, der dann zum Glück gerade noch abwendbar war)… gehe ich mir am besten jetzt das besagte Bier holen. Radler, um genau zu sein; reines Bier ist keins mehr hier.

Wäre er nicht angewachsen…

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Ich wachte in der Minute auf, in der R geplant hatte aufzustehen. Verzögerte sein Aufstehen wie üblich um einige Minuten, weil ich es nicht einsah, gerade in der kalten Realität angekommen zu sein und direkt meiner wichtigsten Wärme- und Geborgenheitsquelle beraubt zu werden. Schlief wieder ein, nachdem er weg war, drückte ein paarmal auf den Wecker, supposedly um diesen dazu zu bringen, ein bisschen später erst zu klingeln, und wachte schließlich um halb elf Uhr ein zweites Mal auf. Ohne Wecker – ich kann von Glück sagen, dass mein Unbewusstes sich neun Minuten, nachdem der (von mir zuvor unwissentlich ausgeschaltete) Wecker seiner Pflicht hätte nachgehen sollen, dazu entschlossen hat, dessen Aufgabe für heute zu übernehmen.

Lag eine Weile herum und überlegte mir, welchen Bus ich nun nehmen sollte, um rechtzeitig in der Uni zu sein. Was genau „rechtzeitig“ eigentlich sein sollte, war mir selbst nicht ganz klar; ich war gestern beim Plank in der Sprechstunde und habe endlich die Unterschrift für den Antrag auf Titeländerung der BA-Thesis von ihm bekommen, sodass ich heute Früh diesen noch beim Prüfungsamt einreichen wollte. Das schließt nämlich um 12, und da ich um 11.45 Euskera hatte, musste das Abgeben definitiv vorher geschehen.

Ich kam zu keinem konkreten Schluss, war aber tendenziell überraschend unlethargisch und konnte ohne Schwierigkeiten recht bald aufstehen. Holte mir ein Medi aus der Schublade, stellte fest, dass kein Wasser im Zimmer war, und legte es auf die Fensterbank, während ich mich anzog. Nahm die Akkus des AGs aus dem Ladegerät und steckte das AG zusammen mit dem Handy in die Tasche; nach Euskera ist mein Redebedürfnis immer noch um ein so Vielfaches höher als sonst schon, da war das AG unerlässlich. Sogar an eine Speicherkarte dachte ich. Zur Abwechslung mal wieder.

In der Küche setzte ich mir Kaffeewasser auf und ging ins Bad, während es sich erwärmte. Wieder zurück, begegnete ich Trudi, welche mich mit erstaunlicher Gesprächigkeit und guter Lane begrüßte, die ich nur zu gern erwiderte. Die Momente, in denen Trudi und ich uns gut gelaunt unterhalten, kann man mittlerweile an einer Hand abzählen, vor allem weil meine Laune üblicherweise schon durch Hannes‘ Anwesenheit in den Keller verscheucht wird. Ich schnorrte mir einen Schluck Reismilch von Trudi und kippte diesen zusammen mit zu wenig Zucker und um Längen zu viel löslichem Kaffee in meine Thermoskanne. Nachdem diese in meiner Tasche verstaut war, schnappte ich mir noch schnell eine Banane und verschwand in Richtung der Haustür. Hätte dort um ein Haar vergessen, die Ladung aus unendlichen Tüten Brötchen und Salat mitzunehmen, die ich mir im Flur für genau diesen Moment bereitgestellt hatte. Setzte also die Tasche wieder ab und den Riesenrucksack, nunmehr mit Brötchen angefüllt, auf, drapierte die diversen Tüten links und rechts an meinen Armen, griff nach der Banane und verschwand, Trudi „Bis daahann!“ zurufend, durch die Tür. Kam rückwärts wieder herein, um meinen Schlüssel vom Haken zu nehmen (zu Trudi: „Scheiße, Schlüssel! Jetzt aber, bis daahann!“), und stapfte schwer beladen, aber zufrieden zur Bushaltestelle. Erwischte die 2, ohne großartig rennen zu müssen, obwohl ich nichtmal auf die Uhrzeit geachtet hatte.

Langsam fielen mir die Arme ab – man sollte kaum meinen, dass Salat so schwer sein kann, aber glaub mir, in diesen Mengen ist er es. Die eine Brötchentüte rutschte mir durch die befäustlingten Finger und ich hatte keine Gelegenheit, sie anders zu positionieren, weshalb ich ziemlich froh war, als die erste Busfahrt vorbeiwar und ich das Ganze kurz auf einer Bank absetzen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wann der nächste Bus zur Uni kommen würde, wagte es also, meine Banane hervorzuholen (wie sich das einfach nur falsch anhört!), und hatte mich gerade meiner Fäustlinge entledigt, als der Bus, den ich brauchte, in meinem Augenwinkel erschien. Also alles wieder einpacken, Banane ungegessen in eine der Tüten stopfen und ab in den Bus. Dort bekam ich einen Sitzplatz mit zwei leeren Sitzen gegenüber, auf denen ich meine ganze Fracht richtig bequem ablegen konnte. Herrlich. Endlich war Zeit zu frühstücken. Während ich mich mit der Banane vergnügte (okay, dieses Mal war’s drauf angelegt), unterhielten sich hinter mir zwei Menschen über irgendetwas so Sterbenslangweiliges, dass ich mich jetzt schon nicht mehr dran erinnere.

An einer Haltestelle wollte noch jemand zusteigen, als der Busfahrer schon auf Weiterfahren gepolt war; der Mensch, der am dichtesten neben der Tür stand, hielt heldenhaft seine Hand in den sich rapide verkleinernden Zwischenraum, um die Tür daran zu hindern, sich komplett zu schließen. Schade nur, dass die Tür andere Pläne hatte: Der einsteigen Wollende stand verblüfft vor der geschlossenen Bustür, während wir Drinnensitzenden uns vor Lachen kaum kriegten, als die Hand des armen Helden zwischen den Gummidichtungen steckenblieb und bis zur nächsten (zum Glück nicht sehr weit entfernten) Haltestelle den um die null Grad frostigen Temperaturen außerhalb des Verkehrsmittels ausgesetzt war und die Wartenden nach Art eines aus der Limousine winkenden Weltstars begrüßte. Er musste selbst lachen, wenn auch ein wenig verzweifelt, als die Türen sich wieder öffneten und er die Hand – durchgefroren, aber unbeschädigt – ordentlich durchschütteln und mit dem Rest seines Körpers wiedervereinen konnte.

Ungefähr zur selben Zeit wurde mir bewusst, dass ich meine Tasche zu Hause vergessen hatte, als ich die Fäustlinge in selbiger verstauen wollte. Dieser Einsicht mit einem unwillkürlichen lauten „NEIN!“ Ausdruck verleihend, bekam ich erst allmählich einen Überblick über die Ausmaße meines Fails. Nein, mein Hauptproblem war nicht, dass ich keinen Ort mehr hatte, an dem meine Fäustlinge untergebracht werden konnten. Ich war auch ohne Busticket unterwegs, ohne Euskera-Mappe, ohne – ein zweites lautes NEIN!, diesmal länger gezogen, den so ewig schon auf seinen Moment wartenden Antrag fürs Prüfungsamt, ohne Stift und ohne Kaffee. Und ich war zu früh.

Nuja. Ich machte das Beste draus und ließ mir Zeit beim Einsortieren der Lebensmittel ins FairTeiler-Regal. Es kamen wie meistens schon Leute an, mit denen ich – meinem Fail sei Dank – ein bisschen plaudern konnte, während ich die Tüten ausräumte. Dann auf zum Euskera-Raum – ich war immer noch zu früh. Jemand kam mir hinterher und hielt einen meiner Fäustlinge in der Hand. Ich bedankte mich überschwänglich und steckte ihn zurück in die Jackentasche. Mir fiel auf, dass auch der andere Handschuh fehlte. Eine Kehrtwendung und ein paar Schritte später hatte ich ihn wieder; er lag direkt neben der Person, die mir den ersten hinterhergetragen hatte. Sie bemerkte mich und entschuldigte sich – sie habe den zweiten gar nicht gesehen. Ich entgegnete, ich wäre ihr schon für den ersten dankbar genug gewesen, sonst hätte ich ja nichtmal bemerkt, dass der zweite nicht da war, wo er sein sollte. Und wieder umdrehen und wieder ein Blick auf die Uhr, immer noch zu früh, natürlich – ein paar Schritte dem Euskera-Raum entgegen, bis mir das Gewicht auf meinem Rücken die Erkenntnis brachte, dass ich vergessen hatte, die Brötchen aus dem Rucksack im Regal abzuladen. Eine erneute Kehrtwendung und zurück zum Regal. Die eine, mit der ich beim Regal geredet hatte, stand immer noch da und hielt nun ihrerseits ein Pläuschchen mit einem anderen Menschen. „Die Hälfte vergessen…“ sagte ich zu ihr und fing an, die Brötchen auf dem zweitobersten Regalbrett zu stapeln.

Irgendwann war ich tatsächlich fertig und begab mich, Shakiras „Estoy aquí“ vor mich hinträllernd, wirklich mal in den Euskera-Raum, wo ich entgegen aller Gewohnheit als Erste ankam. Fand ein paar leere Blätter auf einem der Tische und war schon froh, dass ich mir zumindest kein Notizapier von den Kommilitoninnen würde ausleihen müssen. Verpflanzte mich vom Tisch auf den Stuhl, als Esti hereinkam, und war einen Moment lang überglücklich, als sie mir die beiden Ken-Zazpi-CDs hinhielt, die sie mir versprochen hatte aus dem Baskenland mitzubringen. Genau so lange, bis mir wieder einfiel, dass ich das Geld dafür mangels Tasche natürlich nicht dabeihatte. Genausowenig wie die durch einen genialen Zufall vor ein paar Wochen containerte „Kleines Dankeschön“-Milka-Schokoladenpackung, die ich ihr dazugeben wollte. Aber weil Esti eine unglaublich liebe Person ist, sagte sie nur, ich solle mir keine Sorgen machen und sie hätte eh den Bon vergessen, wir würden es einfach nächstes Mal regeln. Esti = Engel.

[Genau in diesem Moment höre ich Itsasoa gara, welches auf einem der Alben ist, die sie mir gebracht hat, und bin überwältigt, weil Itsasoa gara das Lied ist, das ich mir nie erlaubt hatte Wort für Wort zu übersetzen. Itsasoa gara habe ich drei Millionen Mal bei Youtube angehört, aber nie die Version mit spanischen Untertiteln genommen, nicht ein Mal; ich habe mir immer gesagt, „wenn du weiter Euskera lernst, wirst du dieses Lied irgendwann einfach so verstehen; es wird so sein, dass du das Lied hörst und es einfach verstehst, ohne irgendetwas dafür zu tun, und dieses Lied wird das erste sein, bei dem es dir so geht.“ Nun ist es tatsächlich der Fall. Ich bin verblüfft und hochgradig dankbar, diesen Moment zu erleben.]

Dann kam Rui und wir saßen zu zweit in Euskera; Vera kam nicht, kannst du dir das Privileg vorstellen, an der Uni zu sitzen und mit einer einzigen Kommilitonin Euskera zu lernen? Ich habe mir einen Stift von Esti ausgeliehen. Rui musste irgendwann zum International Office, also machte ich die letzten 20 Minuten mit Esti Privatunterricht. Sie ließ mich indirekte Rede üben und war beschämend begeistert von der Qualität meiner Arbeit. Es wäre unglaublich, wie korrekt meine Sätze seien. Sie konnte es gar nicht glauben. Ich war so glücklich. Am Ende habe ich sie, meiner selbst ohne Kaffee aufgedrehten Euskera-Natur gemäß, über meine Bachelorarbeit zugelabert und sie wäre bald an die Decke gegangen, als ich ihr sagte, dass ich über den Allokutiv geschrieben habe. Wie sie mich angeguckt hat. Darauf habe ich gewartet. Jetzt mag sie mich, habe ich mir gedacht, als sie sich strahlend verabschiedet hat und mir das Versprechen abgenommen hat, ihr bescheidzusagen, wann ich meine Thesis verteidige. Tengo amigas que hablan en hika! Si se lo cuento… van a flipar!

Mit einer ganz neuen Motivation erfüllt, habe ich mich zu Hause daran gemacht, mit der Präsentation für die Verteidigung zu beginnen. Mir das Medi eingeworfen, das ich natürlich in der Früh auf der Fensterbank hatte liegenlassen. Mir Argiak in den CD-Player geschmissen und mich mit Frühstück versorgt, die Sonnenlichtlampe ins Bett gestellt und angefangen zu arbeiten, bis mir auffiel, dass es eventuell sinnvoller wäre, erstmal ein paar der Präsentationen der Anderen anzusehen, bevor ich meine eigene erstelle. Dieses Projekt also richtig guten Gewissens auf nächste Woche vertagt und stattdessen diesen Monstereintrag geschrieben, einfach um einmal festzuhalten, wie dieser im Grunde so alltägliche Vormittag doch irgendwie voll war mit wunderbaren Kleinigkeiten.

Und wie ich wieder einmal gelernt habe, dass meine Art zu failen gar nicht so schlimm ist, weil man doch immer wieder durchkommt: Esti bekommt ihr Geld und ihre Schokolade nächste Woche. Niemand hat mich im Bus kontrolliert. Den Antrag gebe ich morgen ab; dafür muss ich zwar nochmal extra in die Uni, aber das ist gar nicht so schlimm, denn ich habe noch einen Karton Salat hier herumstehen, den ich heute Früh beim besten Willen nicht mehr untergekriegt habe. Der kommt dann morgen mit. Und ich habe meinen finalen Termin für die Präsentation eingetragen und ganz viel Motivation, es gut zu machen, weil Esti mir zuhören wird und weil ich den Plank mag. Spät, aber doch kam mir diese Erkenntnis. Ich habe gestern eine halbe Stunde mit ihm geredet und einen armen Menschen draußen vor seinem Büro warten lassen, obwohl ich eigentlich nur die Unterschrift von ihm brauchte. Und es ist nicht schlimm, dass ich die beiden Quellen aus der einen Fußnote in der Bibliographie vergessen habe aufzunehmen; ich hab’s ihm gestern gesagt und er meinte nur, er würde eh einfach mal kurz schauen, „ob sich das ungefähr deckt“ – oh mein Gowai. Das sind diese Geschichten, die ich mich nichtmal hier im Blog traue zu erwähnen, weil ich so viel Angst vor den Konsequenzen habe, dass ich sie vollkommen verdränge, wo es nur geht, und dann auf einmal kommt raus, es ist nicht schlimm. Ich schätze mal, das ist der Schock, den Laura bei mir vergeblich erwartet, wenn sie mir ihre dunklen Geheimnisse anvertraut. Den ich auch andauernd erwarte und der einfach ausbleibt, weil die Sachen bei einem im Kopf so viel dramatischer aussehen, als sie für den Rest der Welt sind. Ich liebe die Welt. Ich liebe meinen widerwärtigen, zu starken und zu zuckerarmen Kaffee. Ich liebe Ken Zazpi und ich liebe es, hier zu sitzen und mit den Fingern nicht hinterherzukommen, weil ich endlich, endlich mal wieder Motivation habe, mir die Seele aus dem Leib zu schreiben. Ich liebe es, wach zu sein. Ich bin so unfassbar glücklich gerade.

Majority rule don’t work in mental institutions.

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Es ist so irritierend, nicht mehr jede Minute lang an diese Thesis zu denken. Mich überfordert dieses abrupte Verschwinden einer allgegenwärtig gewordenen Pflicht aus meinem Leben; sie war immer da – entweder, weil ich daran gearbeitet habe, oder (weitaus länger, weitaus häufiger) weil mein Gewissen mich dafür gefoltert hat, es in dem jeweiligen Moment gerade nicht zu tun.

Meine PMS haben mich recht fest im Griff. Ich habe mich in den letzten paar Tagen so sehr von Dingen mitnehmen lassen wie zuvor in meinem halben Dasein nicht. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, unter einen widerlichen, gegen Flüchtlinge hetzenden Artikel der Huffington Post (nein, ich verlinke den nicht; den Herzinfarkt will ich dir ersparen – bitte lies nie wieder diese Website) einen ausschweifenden Kommentar zu schreiben, um meinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Jetzt ernte ich die Früchte: Haufenweise von Dummheit zeugende Kommentare von genau solchen Menschen, wie sie für das Entstehen solcher Artikel verantwortlich sind. Scheiße, ich bin in R’s Leben gelandet.

Ich habe vor sehr Kurzem erst gelernt, wie naiv ich eigentlich aufgewachsen bin. Wie unglaublich weltfremd in dieser Hinsicht. Ich war bis vor ganz Kurzem noch der Meinung, in einem Land zu leben, das seine Vergangenheit überwunden hat. In dem es zwischen Osten und Westen nicht den geringsten Unterschied mehr gibt (du musst dir das vorstellen; ich habe das wirklich geglaubt). Meine Güte, ich war davon überzeugt, in einer Welt zu leben, in der man Rassismus keine Plattform mehr gibt, in der das Wort „rechts“ allein schon mit übelster Beleidigung gleichzusetzen ist, in der man gelernt hat, Menschen unabhängig von weiteren Faktoren als das Individuum zu sehen, das sie sind. In der das Wort „Ausländer“ unfallfrei zu gebrauchen ist, weil es einfach keine Wertung mehr enthält. Für niemanden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass zwischen Männern und Frauen kein Unterschied gemacht wird, und dass hierzulande heutzutage jedes Kind Werte eingepflanzt bekommt, die es ihm ermöglichen, eine Person nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Zwischen Einzelpersonen und Kollektiv zu differenzieren. Ich dachte, wie wären schon längst so weit.

Mittlerweile bin ich geheilt, tue Beispiele der im Grunde omnipräsenten Bosheit und Ignoranz nicht mehr als Ausnahmefall ab; so viel habe ich gelernt inzwischen. Auch, dass das Mindset, welches ich aus meinem Elternhaus mitbekommen habe, um ein Vielfaches kostbarer ist, als ich je ahnen konnte. Und dass die wunden Punkte, die ich bei meinen Eltern in politischer und ideologischer Hinsicht nie müde wurde zu kritisieren, im Angesicht dessen, was auf diesem Planeten sonst so rumkriecht und sich Mensch schimpft, wahre Luxusprobleme sind.

Aaaaaaahh

Edit: Du solltest dir das zweimal anhören; ein Mal ist zu wenig, um sowohl den Text als auch das Video zu prozessieren. Und beides verdient prozessiert zu werden.

Noch fertiger.

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Gestern habe ich an den Sprachbeispielen herumgefusselt wie nichts Gutes. Hat meinen gesamten Tag in Anspruch genommen, aber dafür bin ich mit allem fertig geworden.

Den Rest der wachen Zeit habe ich mit Putzen verbracht. Und was ich alles geputzt habe. R wird sich nachher fragen, ob er im richtigen Haus gelandet ist. (Und wieso mein Schlüssel trotzdem in die Tür passte.) Und dann wird er mit meinen Omasocken vor die Tür gehen, um eine zu rauchen, und anschließend mit den gleichen Socken wieder reinkommen, und schon sieht es ein bisschen mehr so aus, wie ich es hierdrin mittlerweile wider Willen gewohnt bin. Was will man da machen, das ist der Lauf der Dinge.

Oh ja, ich bin gelassen. Mein Geisteszustand ist so blendend wie die Armatur des Wasserhahns über der Spüle. Es ist so ein wunderbares Gefühl, fertig zu sein. Mit allem. Okay, ich hab‘ mir ein paar Stunden lang den Rücken zerackert und die halbe Wohnung dabei auf den Kopf gestellt (teilweise sogar wörtlich; ich hab‘ unter den Stühlen den Dreck weggemacht, damit sie nicht jedes Mal so furchtbare Spuren hinterlassen, wenn der Boden unter ihnen mal nass ist und man sie dann bewegt). Aber jetzt habe ich ein Resultat. Ein herrliches. Und ja, ich habe in den letzten paar Monaten weit mehr für die Uni gearbeitet als in meinem gesamten Studium davor. Aber siehe da – ich bin fertig. Sofern ich es nicht geschafft habe, irgendwo unwissentlich Plagiat zu begehen, und mir ein unsanfterer Abgang aus der Uni bevorsteht, als ich ihn mir mittlerweile zu erhoffen wage.

Ich bin nicht müde genug im Verhältnis zu den Mengen an Arbeit, die ich im Laufe des letzten Tages vollbracht habe. Wenn ich doch jetzt wieder anfangen kann zu leben, wird es langsam mal wieder Zeit für einen Tag-Nacht-Rhythmus, der sich nicht zwischen zwölf und zwei abspielt.

An entry a day keeps the doctor away.

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Auch wenn ich im Moment mal wirklich nicht dazu komme (lo and behold, meine Bachelorarbeit ist fertig, jetzt hänge ich an der Bibliographie und den kleinen, größeren und ganz großen Feinheiten):

Ich wusste doch schon immer, dass Schreiben was Tolles ist. Du solltest es ausprobieren.

Auch wenn’s so klingt, nein, das hier ist keine Hornbach-Schleichwerbung.

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Wow. Es wird zwar jeden Tag schwieriger, mir die obligatorischen 500 Wörter aus der Nase zu ziehen, aber ich habe es für heute geschafft und liege bei 7582 insgesamt. Leider, wie mir heute bewusst wurde, inklusive Inhaltsverzeichnis – das darf natürlich nicht sein. Aber jetzt das Inhaltsverzeichnis aus der Wörterzahl zu streichen wäre seelische Grausamkeit. Motivieren wir uns also lieber gegen Ende nochmal zu ein paar zusätzlichen Wörtern und lassen es fürs Erste bestehen.

Unter meinem Weihnachtsbaum liegen zwei Geschenke für mich, eins von Basti und eins von Sarah, was ziemlich wunderbar ist, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich mit keinem von beiden gerechnet hätte. Meine Weihnachtskarten liegen nach wie vor unverschickt in meinem Zimmer herum, aber ich habe es für morgen fest auf dem Plan. Vielleicht finde ich ja noch irgendwo Briefmarken und nehme die beiden nachher noch mit, wenn ich zur Wegwarte fahre.

Basti und R sind auf der Linksjugend-Weihnachtsfeier; ich bin wie erwähnt mit meinem Tageswörterpensum durch und werde mir nun erstmal eine Liste erstellen, was mit dem Rest des Tages anzufangen ist. Dazu wird zählen:

  • Epilieren
  • Wegwarte
  • Essen von der Wegwarte versorgen
  • Abendessen zubereiten
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • nochmal bei Facebook unter meinem Foodsharing-Post kommentieren, dass die Leute doch bitte herkommen und sich Bananen holen sollen, damit dieser gelb-bräunlichen Flut aus tropischen Früchten, die momentan meine Wohnung belagert, aktiv entgegengewirkt wird
  • Wäsche aus dem Keller holen

…und wenn mir dann noch danach ist, kann ich ja nochmal ein Blickchen oder zwei auf meine Thesis werfen (oder das, was es in nicht allzu ferner Zukunft werden soll). Yuppieh ja-ja, yuppieh-yuppieh yaay. Es gibt immer was zu tun.

Huii

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Siebentausendzweihundertachtzehn Wörter und ich bin so ziemlich am Ende meiner Inhalt-aus-dem-Nichts-schöpferischen Fähigkeiten. Was soll das nur werden.

Ich bin auch unfassbar foodsharerisch aktiv diese Woche, da natürlich der gesamte Bestand an Mitgliedern über Weihnachten zusammenfällt und ich nunmal… hierbleibe. Zum Glück. Ich liebe mein Hierbleiben.

R ist gerade in der Küche und wütet stonerfressflashbedingt mit Schokoeis herum. Ereignis des Jahrhunderts, es ist doch zu verblüffend. Ich höre, wie er verzweifelt versucht, die 6-Liter-Packung hier oben in das Gefrierfach zu stopfen, um nicht nochal in den Keller zurückzumüssen. Erfolglos; mittlerweile hat er es aufgegeben und das Monstrum wieder runter in den großen Gefrierschrank gebracht.

Ich glaube, er ist jetzt bald fertig, bringt das Zeug her und befähigt uns somit, unsere nanny-schauerischen Aktivitäten fortzusetzen. Das bestätigt sich gerade mit einem „Nanny!“-Ruf aus der Küche. Leben ist herrlich.

Natürlich habe ich es nicht mehr geschafft, den Eintrag mit Tags zu versehen und zu veröffentlichen, deshalb kann ich zwanzig Minuten später noch ergänzen: Und unser Weihnachtsbäumchen steht. Zum Glück ist Basti da, mit dem ich all meine Zuneigung zu sinnlosen Traditionen ausleben kann. Meine Eltern haben den Weihnachtsbaumständer gebracht und eine Lichterkette noch dazu.

Jetzt aber schnell.