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Paranoia, Panik, Produktivität

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Das war ja knapp gestern. Wäre ich nicht zwischendurch aufs Klo gegangen, wäre es mir wahrscheinlich komplett entfallen, mir mal Gedanken über die Uhrzeit zu machen.

Mike kam gegen neun Uhr und blieb bis halb eins. Und kam zehn Minuten später wieder, weil er sich im Busfahrplan verlesen hatte, sodass ich alle in dieser Zeit getroffenen Vorkehrungen zum Schlafengehen abbrach oder rückgängig machte, um eine weitere gute halbe Stunde mit Mike im Wohnzimmer zu sitzen.

Es war anstrengend, weil ich müde war, aber ansonsten wirklich okay.

Becci ist nicht gekommen. Da sie sich für den Vormittag angekündigt hatte, nutzte ich die Zeit nach dem Aufstehen für Erledigungen von Staubsaugen bis hin zu meiner allerersten selbst ausgeführten Grundreinigung des Katzenklos, welches immer R’s Domäne gewesen war.

Während ich zuerst noch froh war, all diese Geschichten in Ruhe hinter mich bringen zu können, fing ich später dann doch an, mir Gedanken über Beccis Verbleib zu machen. Meine den momentanen Umständen geschuldet unverhältnismäßig ausgeprägte Verlustangst bewog mich zunächst zu der Befürchtung, sie könnte sauer auf mich sein, weil ich am Abend zuvor auf ihre liebe und ausführliche Nachricht, in der sie sich erkundigte, was sie alles mitbringen sollte und ob sie mir (wie zwischendurch angedacht) riesige Vorräte an Essen kochen sollte, um mein Überleben zu sichern, aufgrund von Mikes Anwesenheit nur ganz knapp geantwortet hatte – obgleich so eine Reaktion wirklich das Aller- allerletzte ist, was Becci in den Sinn käme.

Ein paar Stunden, eine ungesehene Nachricht und einen nicht entgegengenommenen Anruf später ging ich dazu über, mich zu sorgen, sie könnte mit dem Auto irgendwo auf der Strecke verunglückt sein. Um mir nicht weiter unnötig den Kopf zu zerbrechen, ging ich und fabrizierte aus zwei Rollen Fertighefeteig einen blitzschnelles Zimt-Zucker-Zupfkuchen, der bis jetzt noch unangetastet im Ofen verweilt. Das liegt vor allem daran, dass um halb fünf tatsächlich Becci anrief, die soeben aufgewacht war und sich aus dem Bett gequält hatte, um ihr Ladekabel zu organisieren und mir zu berichten, dass sie letzte Nacht von teuflischen Ohrenschmerzen heimgesucht wurde, die noch immer andauerten und sie den gesamten Tag lang außer Gefecht gesetzt hatten. (Sie begann ihren Bericht mit „Ich bin der neue Basti!“).

Sie schaut, ob sie morgen fahrtüchtig ist. Bis dahin wartet auch der Kuchen auf sie; nur wenn es morgen auch nichts wird, kann ich für nichts mehr garantieren.

Der Vollständigkeit halber sollte ich anmerken, dass die Panik beim Aufwachen in den letzten Tagen deutlich weniger wurde. Ich war schon bald der Annahme, aus dem Gröbsten raus zu sein, bis das Elend vorhin in Form einer Nachricht von Fredi, die in der Signal-Gruppe zu ihrer Einweihungsparty einlud, erneut zuschlug. Wolfgang hat begeistert zugesagt. R wird da sein. Er hat in die Gruppe geschrieben, über Pläne und Uhrzeiten, von denen ich nichts weiß. Das Ausmaß an Schmerz, den es mir bereitete, das zu verfolgen, und die Spirale, die mich dabei aufsaugte, hat mir mehr als deutlich gemacht, dass ich nicht hingehen kann. So viel Schmerz.

Das wird noch richtig lustig, ich sag’s dir.

Heute trink‘ ich, morgen back‘ ich.

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Das war mal ein entspannter Geburtstag. Nichts gemacht außer ein bisschen Haushalt, Serie schauen, Nachrichten beantworten, telefonieren, duschen, Pony nachschneiden und einer Foodsharingabholung (die zum Glück stattfand, als es gerade mal nicht aus Kübeln goss, sodass ich die Fahrt den Berg runter und zurück nach Hause trocken überlebte).

R sitzt noch vor dem Computer und befasst sich mit Javascript, weil er dies fürs Praktikum braucht. Ich warte derweil darauf, dass Caro mit Essen fertig wird, und bin den zweiten Abend in Folge unzufrieden darüber, dass zwei Menschen leider unabhängig voneinander dieselbe Stunde des Tages mit mir verbringen zu wollen scheinen. Zehn Uhr scheint die Tageszeit zu sein, zu der Menschen Zeit haben, die keine Zeit haben.

Mit dem Rest des Rosé-Weins, den R vorhin mitbrachte, mache ich mir morgen einen Kuchen. Das Rezept für meinen geliebten Weinkuchen habe ich von Mama übernommen und verwende es viel zu selten, vielleicht vor allem aufgrund des generellen Überschusses an Backwaren in meinem Leben, der mich meistens vom Backen abhält. Aber nicht morgen. Diese Woche ist meine Geburtstagswoche und ich gedenke zu backen.

Krebskuchen und andere Fails

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Argh! Trust me to manage burning a pie shell baking in the oven right behind me while reading food blogs.

Also, trust me to then take the now useless thing out in dismay, appalled by the amount of cancer-inducing smoke emerging alongside it, and position it in a ridiculously risky spot in the frame of the open window, from where, three minutes later, it naturally comes jumping down enthusiastically, sliding along on the floor, headed right back towards the oven where it just found its miserable, blackening death.

I’ll never learn, will I.

Ein Glück ist es relativ warm draußen, so hat sich der ganze Qualm und Gestank schon fast vollständig verflüchtigt.

Ich hatte gestern Abend das zweifelhafte Vergnügen, auf unvorhergesehene Weise mal wieder mit R’s polyamorer Facette konfrontiert zu werden. Mit dieser zu leben gelingt mir zwar mühevoll durch absolute Verdrängung, ihr leisestes Auftauchen aber stürzt meinen Kopf in bodenloses Chaos und mich selbst und meine kleine, einfältige Gefühlswelt in Panik, Zweifel und Verwirrung. Erst recht ein Hervorspringen aus dem Nichts, kombiniert mit einem Urwaldschrei und einem gehörigen Schlag in die Fresse, gefolgt von dem wohl zu Beruhigungszwecken angebrachten Kommentar „Sie macht dir keine Konkurrenz“.

Sicher, der erste Schockmoment war der ekligste. Dann kam ich nach Hause und fing an, meine Reaktion zu hinterfragen. Das war einer der dankenswerterweise wirklich fast ausgestorbenen Augenblicke, in denen ich beim besten Willen nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. Ironischerweise waren alle drei meiner engsten Bezugspersonen gerade zur Verfügung, aber weder Caro noch Laura noch Kepa traute ich zu, einschätzen zu können, inwieweit mein kleiner Weltuntergang, der sich aus R’s beiläufiger, fast ungläubiger, ja, perplexer Bemerkung heraus, ob ich nicht gemerkt hätte, dass er auf diese eine Frau steht, ergab, sich nun im Rahmen des Gerechtfertigten bewegte. Oder mir einen Rat erteilen zu können, wie ich damit umzugehen habe. Oder nur die Gedankenlawine nachvollziehen zu können, die mit Karacho dahergerollt kam und meine ganze traumhafte Verdrängung zerstörte.

Ich hab‘ dann ein bisschen gelesen. Wo die Konfrontation mit der aufs Äußerste verhassten Thematik halt schonmal erzwungen war, und weil ich mir wahrscheinlich von Menschen, die sich lieber und häufiger damit befassen, konstruktive Lösungsvorschläge erhoffte. Unter Anderem fand ich diesen Artikel hier. Den mochte ich.

Was bleibt jetzt zu tun? Nachdem ich mir augenscheinlich wieder einmal erfolgreich die Panik vom Leibe geschrieben habe – es hat sich in den letzten Minuten ein angenehmes Gefühl der relativen Gelassenheit eingestellt – sollte ich nun noch R davon in Kenntnis setzen, dass er bitte in Zukunft seiner uneingeschränkten „it’s all about me„-Mentalität diesbezüglich und damit verbundenen völlig unnötigen Äußerungen wie der gestern einfach nochmal ganz bewusst das Wissen entgegensetzt, dass alles Polyamorie Betreffende, laut ausgesprochen, bei mir zu Katastrophen unvergleichlicher Ausmaße führt. Dass er sich ein-zwei Gedanken machen könnte, ob das jetzt wirklich sein muss, wenn ihm schon das automatisierte Bedürfnis, geliebte Menschen nicht zu verletzen, so gänzlich fremd ist.

Morgen back‘ ich… schon wieder!

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Ich glaube, dieses Wochenende wird es mal Zeit für ein Kucheneinkochexperiment. Vermutlich eher morgen als heute; es sieht so aus, als würde ich den heutigen Tag vollständig im Bett verbringen. Mit ein bisschen Glück läuft man auch Hannes morgen nicht mehr in der Wohnung über den Weg, ein absoluter Pluspunkt für küchenlastige Unternehmungen wie die soeben geplante. Wenn R nicht hier ist, vermeide ich es eben doch auf Teufel komm raus, mich dem auszusetzen. Ich bin eingesperrt. Zum Glück aber dort, wo ich eh am liebsten bin.

Tipp an alle Gefährdeten: Pass auf, mit wem du zusammenziehst. Wohnungsfusion mit Menschen, deren On-Off-Partner dir allein durch seine Anwesenheit den Tag versaut, tunlichst vermeiden.

Ein Rezept habe ich schon ausgesucht. Es ist eins ohne Mehl, was ich ziemlich grandios finde, da ich mich momentan in der einzigartigen Lage befinde, zwar eine Menge Eier zu besitzen, aber kein Mehl mehr. Also mache ich morgen Schokokuchen ohne Mehl. Im Glas. Das wird toll. Spätestens wenn mich Papa am Nachmittag besucht, werde ich mich dazu ja wohl durchringen können. Und der Himmel ist blau. endlich wieder.

Ich komme mir vor wie in alten Zeiten. Letzte Woche der Käsekuchen und das überdekadente Tiramisù, von dem ich gerade den letzten Rest vertilgt habe, dann die Camparimuffins von meinem Geburtstag und jetzt auch noch Glaskuchen. Susmita wäre stolz auf mich.

Was auch ganz wunderbar ist: Ich habe diese Woche zum ersten Mal seit Ewigkeiten Müsli gefrühstückt. So richtig. Mein Lieblingsmüsli (naja, mein irdisches Lieblingsmüsli; wenn ich mein Himmlisches Lieblingsmüsli von Seitenbacher mit Schokoladehalbkugln containere, bleibt wahrscheinlich mein Herz stehen), das Schokomüsli von Vitalis. Davon habe ich an Bastis Geburtstag diesen Sommer eine unglaubliche Anzahl unglaublich riesiger Packungen gefunden. Und jetzt habe ich endlich Milch, richtige, frische Milch, und habe schon zwei Mal wieder zum Frühstück mein Lieblingsmüsli gegessen und bin darüber sehr, sehr erfreut.

Es kommt Rauch von draußen rein. Der Spalt in der Tür wurde mir zum Verhängnis.

Jetzt ist die Tür zu und der Rauch mit mir zusammen eingesperrt.

Ich bin ein bisschen ziellos, weil ich so viel tun könnte. Ich habe mir das Ende von Negua joan da ta auf einen Zettel geschrieben, damit ich endlich die Reihenfolge der Zeilen ordentlich hinbekomme, und mir vorgenommen, es mal aufzunehmen, solange ich alleine hier bin. When I See You hatte ich mir auch die Tage schonmal vorgeknöpft, das wollte ich ebenfalls bis Mittwoch endlich mal schaffen. Allerdings hängt das auch davon ab, ob Trudi mal aus dem Haus geht in der Zwischenzeit; sie hat gerade Besuch und produziert somit einerseits unwillkommene Störgeräusche, andererseits kann ich ihr und Alex auch nicht zumuten, mit anhören zu müssen, wie ich die gleiche Spur dreißig Mal hintereinander spiele, bis es endlich was wird. Und ungehemmt singen kann ich eh nicht, solange jemand im Haus ist. Tjoa. Man wird sehen. Erstmal wird morgen gebacken.

Ikusiko dugu.

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Basti der Luxmensch lernt gerade hochengagiert Euskera von mir. Soweit man denn von mir Euskera lernen kann; wenn er so weitermacht, kann er bald mehr als ich und ich muss ihn an Kepa übergeben. (Schaffe ich es nicht mal zur Abwechslung, einen verdammichten Eintrag zustandezubekommen, in dem nicht irgendwo Kepa steht?)

Ich muss mir angewöhnen, mein Couchsurfing regelmäßiger zu checken.

Mein Kopf macht beim Resignieren irgendwie nicht vernünftig mit. Wenn ich eine Tagesstatistik anfertigen würde mit den Momenten, in denen ich über diesen entscheidungsunfähigen Dämlack nachdenke oder mir über die Gesamtsituation oder meinen Geisteszustand Sorgen mache oder (noch ab und an) hirnamputiert anfange zu strahlen oder aber mir den Kopf zerbreche, was ich Silvester mit ihm anstellen soll, wenn der Rest der Welt sich am Feuerwerk erfreut – der einzige Mensch in meiner ganzen Bekanntschaft, der Angst vor Feuerwerk hat (Rini: „Für den ist das wie Krieg.“) – oder ein Stadion voll angetrunkener Athletic-Fans Txoria Txori singen höre (gerade eben) oder Mikel Laboa Txoria Txori singen höre (jetzt), ich weiß nicht, wie viele Minuten da noch übrigbleiben würden, oder ob überhaupt welche.

Und ich habe den Koffer mit Wintersachen von meinem Schrank geholt. (Die Strickjacke war übrigens nicht drin. Wenn ich nur wüsste, wo die sich rumtreibt – was für ein Mysterium.)

Ha – jetzt, wo ich ja nicht bei der Weihnachtsfeier unserer Büro-Vermieter bin, hätte ich doch theoretisch Zeit, noch eine Ladung Kekse zu backen. Wie wär’s mit Kürbis-Cookies? Wuhuu, die Weihnachtszeit fängt doch noch an.. Na endlich.

Daniel hat sich über seine Haselmakronen gefreut und mir außerdem schon wieder Schokolade gegeben. Er ist so ein Zartbitterschokoladenmensch. Ich ja eigentlich gar nicht, aber ich freue mich trotzdem immer.

Naja. Ich hör mir dann jetzt noch kurz an (bzw lese mir durch), was Kepa so über sein Leben in Mécico zu berichten hat (sag nichts, das ist jetzt Zufall. Eigentlich ja nicht, weil ich durch das ganze Gelaber da oben auf Txoria Txori kam und das dann bei Youtube anhören musste und mir dann diese irren grölenden Athletic-Fans entgegenkamen und ich ihm das mitteilen musste, aber normal bin ich recht strikt mit meiner heiligen Anti-Spam-Regel und lasse ihn meistens in Ruhe), und rede dann mit Robert (wenigstens einer, der das Bedürfnis verspürt, mit mir zu telefonieren) und schaue, ob ich morgen lieber backe oder doch mein LSD zu mir nehme. Oder vielleicht schaffe ich ja beides? Man wird sehen.

I don’t even wish for snow / This Sudden Urge to Escape

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Gawd, es ist so schön, heute Zeit zu haben. Das ist das Wunderbare; ich habe ja immerhin so etwas wie Freunde und ein Leben und sollte es eigentlich besser wissen als zu verzweifeln, wenn ein einzelner Mensch sich gerade nicht blicken lassen kann. Ich weiß ja nichtmal, ob er nicht eigentlich sogar gern gekommen wäre, gesetzt den Fall, er hätte nicht zum Unterricht nach Augsburg gemusst.

Das nach noch ein bisschen Wein und ich bin stolz auf mich; heute ist meine Gemütsverfassung um ein so beachtliches Stück besser, das glaube ich fast selbst nicht.

Jedenfalls: Jetzt habe ich mit Johanna geredet, mit Mama geredet, mit Trudi geredet. Kokosmakronen gebacken, die ersten Plätzchen diese Saison und das erste Anzeichen, dass so etwas wie weihnachtliche Stimmung letztendlich auch bei mir Einzug hält – heute in der Arbeit sah das noch anders aus; ich konnte fast nicht mehr, so sehr hat mich die Tatsache frustriert, dass Sarah über Stunden und noch mehr Stunden den Antenne-Bayern-Weihnachtssender laufen hatte und jedes Lied gefühlt dreimal vorkam. Und ich musste daran denken, wie ich vor ein paar Jahren aus dem Hamburger H&M auf der Mönckebergstraße geflüchtet bin, als „All I Want For Christmas Is You“ aus ihren Kaufhausboxen an meine geplagten Ohren waberte. Das war wohl 2011, wie sollte es anders sein. Und irgendwie war mir heute schon wieder nach Flüchten zumute. Wenn nur einfach mal irgendetwas einfach wäre.

Irgendwie hatte ich ja schon Pech bisher. Jeder Trottel wird irgendwann mal gerngehabt, gemocht, geliebt, bevor er zweiundzwanzig ist. Oder? Die haben so schön die Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen. Und drehen dementsprechend nicht gleich durch, wenn es mal wieder vorkommt irgendwann. Ich dagegen habe es einfach schon komplett aufgegeben. Und jetzt vermurkse ich mir alles damit, dass ich es mir einfach nicht erklären kann und mir die ganze Zeit einrede, mir alles nur einzubilden und eigentlich auf meinen (erneuten) Untergang zuzusteuern. Fürchterlich, ich sag’s dir. Wie gut, dass ich es zumindest unbekannten Menschen und Bots in Form meines Blögchens mitteilen kann; irgendwo muss man diese dämlichen Geschichten ja abladen.

Vielleicht kann ich JO gleich mehr Euskera beibringen, wenn wir reden. Was wäre das wundervoll.

Aber nicht zu früh..

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Ezin dut jasan, ezin dut ulertu…

Ich hab‘ mich gestern hingesetzt und Haizea spielen gelernt. Oder zumindest die Akkorde von Haizea gelernt, eine Terz nach oben transponiert (um es auch singen zu können) und damit etwas produziert, das zumindest annähernd so klang. Heute kann ich’s auswendig, das war gestern noch nicht so. Gestern saß ich eine Ewigkeit an der Bushaltestelle in Richtung Allmannsdorf und habe versucht, mir so viele Fetzen wie möglich in Erinnerung zu bringen. Dann kam irgendwann der Bus, brachte mich zum Edeka und verhalf mir so indirekt zu einer beachtlichen Menge an Gemüse, Bananen und Salat.

Natürlich bin ich krank geworden. Wie auch nicht. Und wie hätte ich es auch nicht schaffen sollen, mein Gesicht auf entsetzlichste Weise zu verunstalten, als ich heute Früh die mir momentan direkt in der Stirn wachsende Zyste nicht mehr ertragen zu können glaubte und mich vergebens bemühte, sie mir mit unserem riesigen Küchenmesser geradewegs aus der Haut zu schneiden. Mehr Skalpelle braucht dieser Haushalt, es ist doch ganz eindeutig.

Sarah ist wieder da und vereitelt Peruaner-Pedros und meine Überraschungs-Kuchenessen-in-ihren-Geburtstag-reinfeier-Pläne dadurch, dass sie sich einfach ganz dreist für morgen etwas vorgenommen hat (und außerdem eh niemals bis zwölf Uhr bei mir bleiben würde, selbst wenn wir es doch noch schaffen, sie hierher zu locken). Ich habe mir alle erdenkliche Mühe gegeben, Pedro begreiflich zu machen, dass wir unmöglich vor 12 dem armen Menschen zum Geburtstag gratulieren können; ich glaube, um die Abstrusität dieser Vorstellung zu begreifen, muss man einfach deutsch sein. Außer natürlich, es liegt eigentlich an mir und euch Rest des Landes würde es kein Stück gegen den Strich gehen, euch einfach mal um 22 Uhr des Tages vor eurem Geburtstag einer gesangs- und kerzen- und kuchenerfüllten Gratulationszeremonie hingeben zu müssen.

Nichtsdestotrotz habe ich heute zwei Kuchen gebacken und gedenke, Sarah einen davon zum Geburtstag zukommen zu lassen. Es wird sich schon noch irgendeine Gelegenheit ergeben, ihn ihr auch tatsächlich zu überreichen. Donnerstag Abend möchte sie ins Shamrock gehen und dort ein bisschen feiern; da werde ich dabeisein und Peruaner-Pedro auch. Immerhin.

Wirbel im Haushalt – merkwürdige neue Gewohnheiten

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Keine Arbeit mehr bis nächste Woche! Ich verstehe zum ersten Mal im Leben das Gefühl, nicht zu wissen, was man mit der ganzen freien Zeit anfangen soll. Darüber hatte Simone mal geredet, am Anfang ihres Medizinstudiums. Jetzt kann ich zumindest nachvollziehen, was sie gemeint haben muss, als sie auf einmal ein paar Wochen Ferien hatte. Nicht dass ich schon soweit wäre. Langweilig wird mir ganz bestimmt nicht. Ich bin gerade auf Antiprokrastinationskurs; seitdem ein bisschen freie Zeit wieder in mein Leben Einzug gehalten hat, bin ich permanent am Putzen und Aufräumen. Wer hätte gedacht, dass ich mich in diesem Leben nochmal zu jemandem entwickele, der freiwillig einen Wischlappen in die Hand nimmt.

Mein Zimmer sieht tadellos aus. Ich habe heute auch noch die letzten Überreste des Chaos, namely eine kleine Fläche Regal und die Fensterbank, von selbigem befreit und bin nunmehr so ziemlich zum ersten Mal überhaupt stolze Bewohnerin eines wirklich, wirklich ordentlichen Raumes. Das schon über mehrere Tage hinweg, wenn man von besagten Überresten einmal absieht. Das ist mir fast schon unheimlich. Meine Duftlampe ist an, ich fühle mich wohl und bin verwirrt, was wohl auf einmal in mich gefahren ist. Wie viel Energie dabei draufgeht. Aber dafür sieht alles so schön und sauber aus. Und – auch wohl zum ersten Mal überhaupt – alles hat einen eigenen Platz. Respekt, wirklich. Der Umzug hat Wunder gewirkt.

Lisa hat mich besucht. Sie ist schon wieder zurück aus Litauen; dort hat es ihr nicht im Geringsten gefallen und sie ist nach ein paar Wochen zurückgekommen, was ihr nicht leicht fiel, weil ihre Eltern wohl Druck gemacht haben – wenn sie das Auslandssemester abbrechen würde, könnte sie auch gleich ihr Studium abbrechen. Das hilft – besonders, wenn man wie sie eh überhaupt nicht glücklich ist mit seinem Studium. Jedenfalls habe ich mich gefreut, sie so unerwartet schnell zurückzuhaben, und sie mit Tee, Méringues und misslungenem Kuchen abgefüllt. (HILFE – mir ist in ebendiesem Moment aufgegangen, warum er so eine entsetzliche Konsistenz hat. Man sollte einfach nicht backen, während man sich unterhält. Ich bin doch wahnsinnig. Ich habe das Mehlgedöns brutal mit dem Mixer untergerührt, statt es vorsichtig, wie ich doch immer noch so gerne betone, vorsichtig unterzuheben, und habe es nichtmal gemerkt. Bis jetzt. Oh je, oh je, wo soll das nur hinführen.)

Jetzt ist Lauras Computer endgültig abgekackt und ich muss warten, bis sie wieder anruft, um ihr weiter Sachen auf Spanisch zu sagen, die sie dann begeistert wiederholt und die im Anschluss fürs Erste wieder in der Versenkung verschwinden, bis sie ihren Spanischkurs an der Uni belegt (oh, hoffentlich tut sie das. Solche Motivationsschübe müssen ausgenutzt werden) – eine gute Gelegenheit, um mir kurz was zu trinken zu holen und hier fertigzumachen. Gabon.

Ze ederra izan da egun hau.

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Heute produktiv gewesen: Rattenkäfig saubergemacht und umstrukturiert. Zitronentarte gebacken, diesmal sogar erfolgreich transportiert (aus aktuellem Anlass in den wieder in Betrieb genommenen begehbaren Kühlschrank Terrasse). Ein paar Samen eingepflanzt, Carámbola und Zitrone. (Welche wohl um die 10 Jahre bruacht, bis sie blüht – na dann frohes Warten.) Restliche Samen in entsprechend beschrifteten Teebeuteltütchen verstaut. Etwas Gitarre gespielt. Mit Mama Pläne gemacht bezüglich ihres Besuches hier. (Wenn mein Vater sie mit dem Auto abholt, kann er mir meine Sachen mitbringen, die ich letztes Mal in Oldesloe schon gepackt habe. Das CD-Regal. Das vor allem, das brauche ich – meins ist voll. Und die Anlage.) Einen Termin mit Sara ausgemacht, Freitag um elf. Mich mit Sarah verabredet, um morgen zusammen Tamales zu machen.

Mit Trudi eine Strategie für die Wohnungssuche entwickelt: Eine liest mittwochs früh die neuen Anzeigen, die Andere samstags. So müssen wir nicht immer beide so schrecklich früh aufstehen.

Ich hoffe so sehr, dass wir etwas Schönes und Bezahlbares finden. Selbst wenn es nichts wird, wo ich mir Hühner in den Garten setzen kann. Wenn es überhaupt etwas Gartenähnliches hätte, wäre mir das schon genug. (So senken sich die Ansprüche nach ein paar Wochen im Dschungel des hiesigen Wohnungsmarktes.) Hauptsache, ich kann meine Pflänzchen behalten. Hauptsache, meine Küche ist endlich meine eigene. Hauptsache, ich kann meine eigenen Möbel haben. Hauptsache, ich kann endlich mal meine verdammte eigene Wohnung einrichten.

Ich werde mal Janine schreiben, ob sie zufällig da ist. So rar wie momentan die Gelegenheiten sind, mit ihr zu reden, kann man es sich eigentlich nicht erlauben, unsere virtuellen Zusammentreffen dem Zufall zu überlassen.

Als wäre ich nie weggewesen…

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…nur besser.

Ich bin zu Hause.

Ich bin auch erkältet und krank und hungrig und habe kein Internet in meiner Wohnung, sodass ich gerade in der Uni hänge, das hier verfügbare WLAN ausnutzend.

Ich habe auch Geburtstag und bin dem gegenüber noch ein wenig gleichgültig, weil mein Kopf zu matschig ist, um sich groß damit zu beschäftigen, aber freue mich unglaublich über die vielen, vielen lieben Anrufe und Nachrichten und Glückwünsche, die mir heute schon zuteilwurden. Am Samstag wird nachgefeiert – die Klausurenphase hält die meisten meiner Freunde in eisernen Klauen, aber am Wochenende hat man immer noch eine bessere Chance, dass es doch ein paar Menschen schaffen, sich für ein Stündchen oder zwei loszureißen. Robert und Janine kommen mich besuchen, was ich schon vor Ewigkeiten mit ihnen geplant habe und worauf ich mich seitdem schon gefreut habe; Freitag Abend kommen sie an und bleiben das Wochenende über.

Ich habe meine Band wieder. Nicht nur das; ich habe die wunderbaren Freunde wieder, die sie alle sind – sie haben mich schon Samstag Abend ein paar Stunden nach meiner Ankunft mit Essen und Wein überrascht und mir den schönsten Willkommensabend beschert, den sich ein Mensch nur wünschen kann. Susmita und Lena hatten sie auch noch dazugetrommelt. Nicht im Traum hätte ich damit gerechnet. Was habe ich mich gefreut.

Meine beiden neuen Mitbewohnerinnen scheinen nett zu sein. Weder besonders toll noch abgrundtief sama-mäßig. Aber nett. Ich muss jedenfalls nicht unbedingt so schnell wie möglich ausziehen, sagen wir so.

Ich bin schon wieder allen möglichen Leuten über den Weg gelaufen, einfach nur indem ich hier im Uni-Foyer gesessen habe. Lisa hat sich auf mich gestürzt und mich für morgen zu Euskera III eingeladen; mal schauen, was meine Erkältung um 15.15 so dazu sagt.

Ich werde dann jetzt langsam mal in die Stadt fahren, um mir Brot, Mehl und Milch zu kaufen. Auch wenn ich eigentlich vor lauter Kranksein keinen Hunger habe, würde ich mir schon gerne nachher noch ein paar Muffins backen, so ganz ohne alles wäre es doch ein recht erbärmlicher Geburtstag. Nachdem ich gestern bei Sarah war und wir zusammen das köstlichste Essen gekocht haben, musste ich mich das ganze Wochenende nicht wirklich um Verpflegung kümmern. Ich habe mir bisher nur ein paar Bananen fürs Frühstück am Sonntag containert und dabei gleich noch Rettich und Salat mitgenommen; schaden kann’s ja nicht.

Ich bin unendlich froh, wieder hierzusein. Ich bin so unendlich glücklich.