Schlagwort-Archive: Baskisch

Thanks, Wikipedia, I really needed that.

Standard
taxonomy

… You don’t say. I’m officially shell-shocked.

Irgendwie konnte ich mir schon denken, dass eine Taxonomy nicht wirklich etwas mit ausgestopften Tieren zu tun hat, vielen Dank, wirklich. Oh Mein Gowai.

Ich bin auf dem besten Weg, mich ins Koma zu saufen, weil ich ansonsten nichts zustandebringe. (Man sieht allein daran, dass am unteren Ende des Bildes noch so halb abgeschnittene Buchstabenreste kleben, dass ich nicht mehr so ganz bei mir sein kann. Aber das ist ja auch genau der Sinn: Perfektionshirn mit dem Hammer betäuben.)

Zwischendurch habe ich mich von Basti ablenken lassen, der mir Texte auf Observer-Schrift geschickt hatte, die ich entziffern sollte. So ein Mist aber auch. Als hätte er geahnt, dass seine Fringe-Partnerin neue Schriften über alles faszinieren und sie ganz sicher nicht dazu befähigen, in Ruhe weiter das baskische Paper querzulesen, um herauszufinden, ob es den ethischen Dativ im Baskischen nun gibt oder nicht. (Auflösung: Es ist nicht klar. Sie wissen es selber nicht, die Deppen.)

Jetzt geh‘ ich aber weiter die Tatsache ausnutzen, dass mein Perfektionszwang von einem flüssigen Hammer aus Bier, Wein und Limoncello betäubt wurde.

Weil die baskische Kultur ein Hirngespinst ist und ich als bedingter Anti-Spe faschistoid… Welcome to politics.

Standard

Erstmal die Arbeit, die ich eh schon habe, effizient ausschöpfen. Wozu habe ich einen 450€-Job und gehe dann nur 20 Stunden im Monat arbeiten, wenn überhaupt. Diese Woche seit Langem wieder zweimal gearbeitet. Sarah ging früh nach Hause, weil sie dieses Wochenende am Umziehen ist (sie zieht mit Pedro in die Altstadt), also musste ich nach 5 Stunden 15 auch schon wieder heim. Aber in diesen fünf Stunden habe ich acht Touren übersetzt, was unglaublich produktiv ist für meine Verhältnisse. Vor allem wenn man bedenkt, dass beim Erstellen der Touren immer mehr zu beachten ist. Anfangs war man nach der Detailseite fast schon fertig, mittlerweile muss der Vouchertext auch noch übersetzt werden, und die Merkmale werden ebenfalls mit ihren deutschen Entsprechungen neu zugeordnet. Das raubt eigentlich am meisten Zeit, dieses ganze Drumherum.

Aber ich übe mich jetzt in Geschwindigkeit und hoffe, mich weiter zu steigern, möglichst natürlich bei gleichbleibender Accuracy (wobei es in dem Saftladen auch niemanden jucken würde, wenn man sich nur halb so viel Mühe gibt. Aber so desillusioniert bin ich noch nicht, even though I’ve already come quite a long way).

Ja, ich gehe also Dienstag wieder arbeiten.

Nebenbei ist Laura auf dem besten Wege, sich in die dritte nutzlose Diskussion der Woche hereinzusteigern. Nach Containern (falsch motiviert) und Antispeziesismus (faschistoid) hat sie es jetzt auf meine Intentionsethik abgesehen. Es ist so anstrengend. Gut, dass ich keine echten Feinde habe, da kommt die gelegentliche Attacke aus dem engsten Freundeskreis nicht ganz so schnell dazu, dich in Verzweiflung zu stürzen. Manche Menschen sind so, die brauchen zum Scheitern verurteilte Diskussionen wie Luft zum Atmen.

Schrieb ich gestern und klappte irgendwann mittendrin einfach den Computer zu, als mir die Unterhaltung mit Laura zu viel wurde. Und machte ihn nicht wieder auf bis jetzt, einen ganzen Tag später.

Jetzt habe ich mich schon wieder in Rage geschrieben, diesmal tatsächlich ausnahmsweise nicht in persönlichen Belangen, sondern in einer Mail an meine Mutter bezüglich eines Artikels aus ihrer geliebten FAZ (woher sonst), den sie mir neulich geschickt hat. Den möchte ich dir nicht vorenthalten.

Beim Fußball hört der Spott auf

Wie sich eine Nation selbst erfunden hat: Ibon Zubiaur kennt die befremdlichen Landschaften der baskischen Identität und weiß, welche wichtige Rolle darin die gemeinsame Schultoilette spielt.

Im Kellerregal, wo die nicht mehr gebrauchten Bücher schlummern, lese ich noch einmal die alten Titel: „Die Geschichte von Eta“. „Führer durch das baskische Labyrinth“. „Die bleiernen Jahre“. „Schrei nach Frieden“. Die fetten Ordner mit der Aufschrift „Eta“, in denen Zeitungsausschnitte aus fast fünfzehn Jahren gesammelt sind, rühre ich lieber nicht an. Es ist gut, dass das Allermeiste davon metaphorisch schon zu Staub zerfallen ist, bevor die materielle Zersetzung beginnt. Denn der baskische Terrorismus ist glücklicherweise aus den Nachrichten verschwunden.

Die Terrorgruppe Eta – um nicht spießig und moralisierend zu wirken, benutzten deutsche Medien für sie gern den neutralen Begriff „Separatistenorganisation“ – hat zwar noch nicht die Waffen abgeliefert, im Herbst 2011 aber „das definitive Einstellen der bewaffneten Aktivität“ verkündet. Auch ihre schwerfällig-bürokratische Rhetorik ist damit verweht. Zurück bleiben: eine traumatisierte Gesellschaft; verurteilte Menschen in Gefängnissen, die auf die Chance zur Wiedereingliederung warten; Tausende Angehörige von mehr als achthundert Mordopfern, darunter Politiker, Unternehmer, Militärs, Polizisten, Personenschützer, Journalisten, zufällige Passanten. Wer den Ideologen hinter den Pistoleros das Handwerk legen wollte, musste bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen, wenn nicht durch Tod, dann durch Depression und Exil. Viele alte Bücher, die davon künden, haben sich in nutzlose Erinnerung verwandelt, in Müll, der kaum einen der Heutigen mehr interessiert.

Ibon Zubiaur, Jahrgang 1971 und wohnhaft in Berlin, ehemaliger Direktor des Cervantes-Instituts in München, schafft es, sechzig Seiten lang über seine baskische Heimat und ihre Kuriositäten zu schreiben, ohne den Namen Eta zu erwähnen. Es ist eine bewusste Geste, und sie hat etwas Befreiendes. Wenn einer in seinem Berufsleben nicht zur Propaganda für die eine oder andere Seite zwangsverpflichtet wurde, kann er es sich leisten, die Geschichte aus radikal persönlicher Perspektive zu erzählen: wie es etwa war, in eine Schule zu gehen, in der per Dekret Baskisch gesprochen wurde, obwohl alle – Schüler wie Lehrer – besser Spanisch sprachen und das verordnete Schulfach hinter sich ließen, sobald sie den Fuß wieder nach draußen setzten.

Hintergrund dieser Maßnahme ist der Baskisierungsversuch durch die fast ununterbrochen regierende Baskisch-Nationalistische Partei (PNV), die nach Francos Tod die demokratischen Wahlen in der neuen Autonomen Region gewann und daranging, die Gesellschaft umzukrempeln. In diesem Sinn war der Autor Teilnehmer eines soziologischen Experiments. Seine Eltern fanden, es sei eine gute Idee, der Junge wachse zweisprachig auf. Nur dass er die Sprache nicht wie etwas Natürliches lernen konnte, weil eben kaum jemand sie „natürlich“ sprach.

Denn einen Traditionszusammenhang durch autochthone Literatur gibt es im spanischen Norden bis heute nicht – der erste baskisch geschriebene Roman stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert. Viele Wörter existierten also nicht und mussten neu geprägt werden. Darunter das lustige Wort „komuna“, welches die Toilette bezeichnet, jedoch mit ideologischem Hintersinn: „Statt das Verborgene, das Schamhafte, das Private zu unterstreichen, betont man umgekehrt das Allgemeine, die Tatsache, dass es sich bei einer Schultoilette um einen Ort handelt, den viele besuchen, der gemeinschaftlich ist.“ Der Plural heißt „komunak“.

Auftritt Sabino Arana (1865 bis 1903), der Chefideologe des frühen baskischen Nationalismus, der die Region mit einer eigenen Fahne ausstattete, der die baskischen Wörter für das Baskische („Euskera“) und das Baskenland („Euskadi“) erfand und seinerseits längst nicht perfekt Baskisch sprach. Mit leichter Hand, aber gehörigem Kopfschütteln führt Zubiaur den Leser durch das Absurditätenkabinett eines Nationalismus, der nicht eine verschüttete Geschichte bergen will, sondern sich eine neue Vergangenheit als unabhängige Nation erfindet. Dazu gehören abwegige Etymologien, abenteuerliche Vorschriften zur Bildung „authentisch“ baskisch klingender Namen und eine völkische Propaganda, die nicht weit von der Blut-und-Boden-Mythologie der Nazis entfernt ist. In dieser rückwärtsgewandten Konstruktion zur Sicherung unverfälschten Baskentums sind „Rasse“ und „Geschichte“ Schlüsselbegriffe einer unmissverständlich xenophoben Mission.

Dass Ibon Zubiaur diesen Zusammenhang nicht als schwerleibiges Manifest formuliert, sondern in die Form des entspannten Essays und eines über drei Banden gespielten Kulturvergleichs kleidet, dürfte sich aus seinem Werdegang erklären. Denn einerseits besitzt er den doppelten Blick durch seine spanisch-baskische Identität, andererseits kommen noch seine deutsche Erfahrung und die deutsche Sprache hinzu, in der das Buch geschrieben ist. In Spanien kennt man Zubiaur vor allem als Übersetzer von Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und anderen DDR-Autoren – eine Leidenschaft, die sich nicht mit dem Erledigt-Votum durch den Mauerfall zufriedengibt, sondern den verschwundenen deutschen Staat als Kulturlandschaft neu kartographiert. Dahinter steht der Glaube, es wäre besser um die Zivilkultur bestellt, „wenn wir weniger nationale Ermahnungen und mehr Autobiographien geschrieben hätten“.

Nur ein Objekt entgeht der Spottlust des Autors, der Fußballverein Athletic Bilbao. Ihm ist die Liebeserklärung des letzten Kapitels gewidmet. Zubiaur entdeckt hinter dem heroischen Entschluss des Klubs, nur Spieler aus dem Baskenland (Navarra und das französische Baskenland jenseits der Pyrenäen eingeschlossen) zu verpflichten und daraus eine erstligataugliche Truppe zu formieren, eine bemerkenswerte Integrationsleistung: „Für Athletic Bilbao konnten sich (zumindest in Biskaia, der bevölkerungsreichsten Provinz) zu jeder Zeit Nationalisten wie Nichtnationalisten, Linke wie Rechte, Bischöfe wie Punks erwärmen.“ Hier darf also mitspielen, wer die entsprechende Leistung bringt und nach Ansässigkeit oder Herkunft Baske ist. Sprache, Rasse oder Gesinnung spielen keine Rolle, eher die weichen Kriterien der Gemeinschaftsfähigkeit. Ein Beweis dafür, dass Fußball dem Nationalismus nicht nur Ausdruck verschafft, sondern ihn manchmal segensreich ersetzt. PAUL INGENDAAY

Der blanke Hohn.

Den Autor dieses Buches, um den es da geht, kann ich übrigens gut nachvollziehen. Problematisch wird es, wenn man die Auffassung dieses Einzelnen (der dazu berechtigt ist, wie jeder zu seiner Meinung berechtigt ist) als die Denkweise eines ganzen Volkes hinstellt. Dass einem einzelnen Basken seine Kultur und Nationalität nichts bedeuten, sollte nicht den Kampf eines ganzen Volkes um Identität und Anerkennung in den Dreck ziehen. Das ist der Grund, aus dem sich der Artikel für mich anfühlte wie ein Schlag ins Gesicht Zigtausender, an allererster Stelle die Angehörigen von achthundert Mordopfern (danke, ETA) und von toten, verurteilten oder untergetauchten ETA-Mitgliedern, die bestimmt auch gern hören, dass das ihre Geliebten für eine Sache ihr Leben gelassen haben, gefoltert, misshandelt und eingesperrt wurden, die eigentlich ja kein Schwein interessiert und eh nur von Politikern dem Volk aufgedrückt wird. ETA ist nicht ohne Grund ein zentraler Aspekt der baskischen Geschichte. Natürlich ist es erfreulich, mal abzuschalten und den Blick vom Terrorismus zu nehmen, aber warum gab es denn die ETA nochmal? Bestimmt, weil jeder Baske es unnötig findet, seine Sprache in der Schule zu lernen, nachdem sie von der Straße schon zu riesigen Teilen verdrängt wurde. Wodurch? Sicher aus freiem Willen und Desinteresse an der eigenen Kultur. Da schreib‘ ich mich schon wieder in Rage, es ist doch nicht zu glauben. Widerlich.

Allein schon der Vergleich „Nazis“. Die Nazis sagen, von ihrer Nationalität, die sie ja haben, ausgehend, „wir sind was Besseres und alle Anderen sollen raus.“ Die Basken sagen, „wir sind gleichwertig, und wir wollen rein [in einen Staat für unsere Nation].“ Inwieweit ist das bitte xenophob? Dahinter steht schlicht und ergreifend die Forderung nach Anerkennung der eigenen, sehr realen und sicher nicht eines schönen Tages aus Lust an der Freud erfundenen Identität.

Schrieb ich übrigens auch Mama – mit ein paar Tagen Verzögerung, weil mich das Ganze zuerst doch ein bisschen zu fertig gemacht hat, um sofort eine Reaktion, die über „das ist harter Tobak“ hinausging (woraufhin mir Mama erstmal freundlich in Erinnerung rief, dass es eigentlich „starker Tobak“ hätte heißen müssen – so entsetzt war ich ob des Artikels, dass ich glatt meine eigene Sprache vergaß darüber), zurückzuschicken.

Kepa sollte ich den Text da oben auch mal zukommen lassen. Wobei, andererseits, wozu ihm das antun, ich vergesse das Ganze jetzt lieber schnell wieder, rege mich ab und beruhige meinen Blutdruck. Zu viele Vergleiche mit Nazis in dieser Woche, zu viele davon. Das machen meine Nerven nicht mit. Haben sie alle nichts Besseres zu tun, als abwegige Vergleiche mit Nazis zu Hilfe zu nehmen, wenn sie einen Punkt rüberbringen wollen?

So. R ist in einer Stunde [mittlerweile 20 Minuten!] schon hier, wenn alles gut geht. Kein Wunder, dass der Mensch so ein cholerisches Nervenbündel ist, wenn man bedenkt, dass er sich sein halbes Leben mit Politik befasst und im Zuge dessen ungefähr das getan hat, was mich nach einer Woche schon an den Rande des Wahnsinns treibt. Basti machte sich gerade aus dem Staub, und jetzt berede ich kurz mit Kepa das oben angeführte Meisterschriftstück. Er sagt, ich solle spanischer Regierungschef werden, es könne nur besser werden. Wo er wohl Recht hat. Ich würde das Land kurzerhand in seine Einzelteile zerlegen und aus den weniger als 50%, die danach von Spanien noch übrigbleiben, ein foodsharendes, recyclendes, in erneuerbare Energien und Cradle-to-Cradle investierendes Öko-Land machen, in dem Containern zur Pflicht (und, so bald es nur geht, ganz überflüssig) wird und Flüchtlinge nicht in Schiffen vor der Küste ertrinken.

Von Dummheit getrübt – Macken des Unbewussten.

Standard

„Ich hab‘ den ganzen Nachmittag baskische Volksmusik gehört“, sagte ich gestern Abend zu Sarah.
Und einer der Gründe, aus denen ich sie so liebe, ist, dass sie wohl der einzige Mensch weit und breit in meiner Bekanntschaft ist, der darauf ganz begeistert antwortet, „ich auch!

Ich werde nur immer wieder von dem Gefühl heimgesucht, dass es schöner wäre, wenn sie es einfach aus natürlichem Interesse heraus tun würde und weniger, weil es ihr ein temporäres Geflashtsein durch einen Euskadi-Fanatiker so künstlich auferlegt. Wie bescheuert kann man eigentlich sein; eigentlich sollte ich über diese Nuance hinwegsehen können, aber wahrscheinlich ist mein kleines, selten dämliches Unbewusstes tatsächlich eifersüchtig auf den armen Kepa. Es scheint fast sauer zu sein, dass meine Interessen allein nicht auf sie abfärben würden, dadurch aber, dass es zufällig auch seine sind.. Möp.

-Was?! Okay, das aufgeschrieben zu sehen ist nochmal eine ganze Ecke creepiger. Ich mag das Territorium nicht, in dem ich mich hier bewege. Ich weiß ganz genau, dass jeder Mensch so seine Abgründe hat, dass niemand frei von Verfehlungen ist und dass die Hauptsache ist, sich immer im Klaren über Richtig und Falsch zu sein, sich nicht davon kontrollieren zu lassen, aber andererseits.. ich meine, wtf. Komm mal klar. Und außer mir scheint niemand darüber zu reden, was einen dann irgendwo doch zu der (vermutlich) unzutreffenden Annahme verleitet, man wäre irgendwie gestörter als Andere. Ich merke ja, was für eine Überwindung es kostet, es überhaupt nur sich selbst einzugestehen.

Meine abartige eifersüchtige Ader ist ja nun aber nichts Neues. Wahrscheinlich wurde ich einfach fürs Leben traumatisiert, als Nicole und Marieke sich damals in der Mittelstufe mal einen Nachmittag ohne mich getroffen haben, um ins Kino zu gehen – sie haben mir gesagt, sie würden 8 Mile ansehen, und sind in Wirklichkeit ins Fliegende Klassenzimmer gegangen. Oh Tragödie meines Lebens. Meine einzigen Freundinnen damals, wie konnten sie mich nur so brutal hintergehen.

Wie stinksauer ich war. Da hätte man schon merken müssen, was für ein kranker Mensch ich mal werde, meine Güte aber auch. Wie ich vier Jahre Rumgekrebse mit Caro und Şahin überlebt hab, man sollte es kaum für möglich halten. Und statt es langsam mal gut sein zu lassen, fühle ich mich jedes Mal komisch, wenn Sarah wieder irgendein euskarisches Wort von mir wissen will. Irgendwie, als wäre ich nur Mittel zum Zweck.

Meiner Begeisterung darüber, die Faszination des Euskera und die wenigen Teile davon, die sich mir bisher erschließen, mit ihr teilen zu können, tut das keinen Abbruch. Dafür ist es ein zu wunderbares Gefühl, zu sehen, jemand interessiert sich für etwas, das du liebst. Es ist halt nur irgendwie getrübt. Von Dummheit. Was ein nach all der Arbeit immer noch herrschender gravierender Mangel an Selbstwertgefühl alles mit einem anstellt.

Ein anderer Punkt, an dem ich dringendst arbeiten sollte, ist meine Neigung dazu, Leuten, sobald ich dann doch mal das Gefühl habe, mir ihrer Zuneigung relativ sicher sein zu können, am liebsten ihr halbes Leben vorschreiben zu wollen. Ich habe es gemerkt, als ich weg von Zuhause war, selbst als Besuch bei Anderen hätte ich am liebsten alles Mögliche bestimmt, allem voran das Konsumverhalten meiner diversen Gastgeber. Hier zu Hause geht der Zwang nahtlos auf meine Mitbewohner über. Es kann nicht angehen, dass ich sauer werde, wenn jemand Brot kauft, nur weil ich vor Wochen mal zu dumm war, die fünf Laibe, die ich übrighatte, zum Fair-Teiler zu bringen, und immer noch welche davon bei uns im Gefrierfach residieren. Meine Mitbewohner haben das Recht, sich selbst Brot zu kaufen, so viel sie lustig sind. Es ist einfach so. Ich kann nichts dagegen tun. Ich will nichtmal etwas dagegen tun; mir wäre es auch lieber, nicht jedes Mal innerlich am Rad zu drehen, wenn jemand mit einer Tüte gekauftem Salat nach Hause kommt, obwohl ich sie fast schon anflehe, den zu essen, den ich noch im Kühlschrank habe. Ich kann sie nicht zwingen. Ich kann ihre Gedanken nicht umstrukturieren. Ich kann sie nicht zu verwertungsbesessenen, nachhaltigkeitsfanatischen, funktionalistischen Klonen von mir machen, die nicht in der Lage sind, ein Stück Papier wegzuschmeißen, solange noch ein Funken weißer Platz darauf übrig ist, auf dem man ja noch einen Stift nach längerem Rumliegen wieder zum Schreiben bringen könnte. Ich will es nicht, ich kann es nicht, ich darf es nicht; ich würde mir nur wünschen, das Bedürfnis dazu auch einfach nicht mehr zu haben.

Welche Fehler ich wohl mache, die Andere zur Weißglut treiben? Sarah hätte mich bestimmt gern ein wenig pünktlicher (auch wenn wir vorhin noch festgestellt haben, dass ich so gut wie nie einen Bus verpasse, was in der Tat fast an ein Wunder grenzt) und organisierter. Lena würde sich ganz sicher freuen, wenn ich nicht so ein Sportmuffel wäre. Sebi wäre mir vermutlich dankbar, wenn mir seine musikalische Unfähigkeit weniger zu schaffen machen würde. Trudi hätte wahrscheinlich lieber ihr eigenes Brot im Kühlschrank. Den lieben Foodsavern wäre ich eine größere Hilfe, wäre ich nicht so krankhaft schüchtern und hätte mehr organisatorisches Talent, um auch mal bei anderen Bereichen als nur dem Abholen von Lebensmitteln einen signifikanten Beitrag leisten zu können, in der Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel, oder beim Ansprechen neuer potenzieller Kooperateure. Laura bin ich zu idealistisch (und habe noch dazu keinerlei Allgemeinbildung noch irgendeinen Hang zu politischem Interesse und größtenteils nicht den blassesten Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen, dafür einen fragwürdigen Geschmack in Unterhaltungsmedien), obsessiv bin ich auch noch, und als wäre das nicht genug, nehme ich auch noch ihre Trust Issues zu persönlich. Robert findet mich kompliziert (wobei er noch derjenige von all meinen Freunden ist, von dem ich mit der größten Sicherheit behaupten kann, dass er mich kaum, falls überhaupt, je negativ bewertet). Susmita sagt, ich sähe aus wie Bob Marley. Janine gehe ich ständig damit auf die Nerven, dass sie endlich anfangen soll, ihr Buch zu schreiben. Es hört gar nicht mehr auf. Und ich habe keine Ahnung mehr, was dem ganzen Absatz eigentlich vorausging, was aber wahrscheinlich auch besser ist.

So spät schon wieder? Ach herrje.

Trudis Fahrrad, das ich bekommen habe, scheint zu funktionieren. Ich habe mir vorhin von Sarah eine Luftpumpe ausgeliehen (und da wir beide keine Idee hatten, was Luftpumpe auf Spanisch heißt, haben wir bei ihr zu Hause nachgeguckt und siehe da, es heißt „bomba de aire“, wen auch immer das jetzt noch so interessiert) und vorhin die platten Reifen wieder in Form gebracht; mal sehen, ob die heute Morgen noch so ist, wie ich sie zurückgelassen habe, oder ob mir ein weiterer Besuch beim Fahrradladen bevorsteht.

Es gäbe da auch noch die wundervolle Anekdote, wie ich dafür gesorgt habe, dass meiner Pflegeratte gestern Nachmittag ein paar Zentimeter ihres Schwanzes amputiert wurden, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. (Wenn du darauf bestehst; mir persönlich wäre Verdrängen fast lieber.)

Ilargia

Standard

Für alle nicht-spanischsprachigen Menschen da draußen, es ist die Rede von einem sehr schönen Lied, das man sich anhören sollte. Unter Anderem.

Aprendí bastante de ti. Ya sé que no estoy inmunizada contra las infatuaciones, ya aprendí que soy una persona normal a la que también le pasan estas cosas. Ya me enteré de que, no inmersándome mucho en ellas, a mí también se me pueden pasar rápidamente, tan rápido como a los demás, a los que siempre envidiaba tanto por esta capacidad que yo pensaba no tener.

Ya conocí este sentimiento de „incluso si me hubiese querido – en qué putas me iba a meter yo? será que estaba ciega?“ que tanto dudaba que era capaz de sentir.

Ez zara gaueko izar bakarra.

Qué alivio poderte dedicar esta hermosa canción. (A ti, a él, a todos que seguirán.) Qué dichoso saber ya que es cierto, que es posible enamorarse varias veces – y, es más, que uno se puede enamorar y no salir destruído, que no será siempre como aquella vez cuando por primera vez me tocó. No perderé cuatro años de mi preciosa vida, no perderé ni uno si me fijo bien. Esto aprendí – y es algo que muchos de nosotros los seres humanos ya tenían mucho tiempo de saber, pero yo no, yo todavía no.

Um das noch einmal kurz zusammenzufassen, Ilargia ist ein exzeptionell überragendes Lied, mit eins der Motive, die mich damals dazu veranlasst haben, so viel Herzblut in die baskische Sprache zu stecken. Es war auch das erste Lied, das ich je darin gehört habe. Es ist für mich wichtig.
Und sogar damals hat mich der Text umgeworfen, obwohl ich ihn bis heute noch nicht 1:1, Wort für Wort nachvollziehen kann. (Es hapert vor allem an den Funktionswörtern, die lexikalischen bekomme ich hin – alles Andere wäre bitter nach zwei Semestern an der Uni und einem knappen halben Jahr Euskadi.) Bald aber, ich hab es im Gefühl.

(Okay, vielleicht ist „zusammenfassen“ nicht ganz das richtige Wort.)

Euskera Sprache schwera..

Standard

(und du hast ja keine Ahnung, wie dieses einem bekannten deutschen Sprichwort nachempfundene Gefüge aus Wörtern sogar noch herrlich genau mit euskarischer Grammatik übereinstimmt, whey, na sowas aber auch.)

Wie ich manchmal durchdrehe! Ich kann es nicht abwarten, für diese verdammte Sprache endlich eine halbwegs verlässliche Intuition aufzubauen. Ich sollte mich einfach für ein Jahr ins Barnetegi sperren lassen, den ultimativen Ort zum Euskera-Lernen – vielleicht sollte ich einen Spendenaufruf starten. „Helft Aspi, sich einsperren zu lassen – sie kann dann endlich vernünftig Euskera lernen und ihr habt vor ihrem übertriebenen Mitteilungsbedürfnis und daraus resultierenden ausartendenden Gespamme Ruhe.“ Weil es natürlich kontraproduktiv wäre, so viel Zeit mit Schreiben zu verbringen auf einer Sprache, die nicht Euskera ist. (Wer sich für den guten Zweck interessiert, darf mir gerne privat schreiben.)

Also. Ich glaub, eine Woche Barnetegi kostet.. ach, es ist eh zu viel, gar nicht erst drüber nachdenken.

Hach, ich bin so herrlich hyper und motiviert gerade, aber machen tue ich trotzdem nichts. Beti bezala, man kennt es nicht anders.

Sentsurik gabe

Standard

„Sentitzen dut, baina ez dut sentsurik.“

Welche Weisheiten der gute Kepatto, mein zwar nicht ganz euskadischer, dafür aber hochenthusiastischer Euskara irakaslea, der keiner ist, heute wieder von sich gibt.

Ich glaube irgendwie, er hat sich vertippt und wollte eigentlich sagen, dass ich keinen Sinn mache (beziehungsweise das, was ich gerade gesagt hatte), nicht dass er keinen macht, aber im Endeffekt ist das auch egal, weil wir eh 99% der Zeit beide keinen machen und somit uns gegenseitig sinnfrei ergänzen.

Bevor ich anfing, meiner Natur gemäß mal wieder keinen Sinn zu machen, habe ich den Großteil des freien Freitags verschlafen. Man kann ja nicht jeden Tag – wie ich gestern – nach fünf Stunden Schlaf von alleine aufwachen und, unglaublicher noch, aufstehen, zu einer Uhrzeit, die man für gewöhnlich nicht mit wachen Augen erlebt, und daraufhin einen produktiveren Morgen verbringen, als es normalerweise seine gesamten Tage sind.

Und ich hatte die weirdesten Träume. Wie in letzter Zeit allgemein üblich – und so viel davon, dass ich mir komplett abgewöhnt habe, irgendetwas davon zu dokumentieren; dabei würde der Rest des Tages auch noch draufgehen. Abgesehen davon, dass der Ort, an dem ich mit ein paar Freunden Urlaub gemacht habe, zerbombt wurde und bösartige Soldaten sich in der Stadt eingenistet haben, ich von einer unglaublich lieben Händlerin zwei kleine Instrumente aus aneinanderklackenden Holzwürfeln geschenkt bekam, weil ich ein Didgeridoo auf dem Rücken hatte und sie sich darüber gefreut hat, und durchs Meer gelaufen bin, obwohl Feuerquallen drinwaren.. und Tausende Geschichten mehr.. waren da wieder so abstruse Fragmente, dass man sich wirklich fragt, wie das alles dem eigenen Kopf in den Sinn kommt. Aber wahrscheinlich ist es genau das; durch meine generelle Sinnfreiheit ist mein Kopf den Schranken des Sinns völlig entbunden und tut und lässt einfach, was er will.

Es ist ja auch interessant zu beobachten.

Schlafrhythmusstörungsbekämpfungsmaßnahmen

Standard

So, nach Hause kommen und versuchen, die Schlafrhythmusstörungen in den Griff zu bekommen. Löst sich definitiv durch Computeranmachen. Ich bin so unfassbar computersüchtig. Eigentlich ja nicht. Es kann nicht vergessen werden, dass der Computer das Mittel ist, das Mittel zum Zweck. Bloß der Zweck ist schleierhaft, was erwarte ich zu dieser Uhrzeit in den Tiefen des Computers vorzufinden?

Unfassbar, wie diese dumme Präsenation für Euskera morgen mich in den Wahnsinn getrieben hat, nire familia, man soll jedes Mitglied einzeln vorstellen und beschreiben, und nicht nur dass ich die Stichpunkte dafür zweimal aufschreiben musste, weil ich letztes Mal schon dachte, ich würde drankommen, und meinen Notizzettel zu Hause vergessen hatte, oh nein, es sollen auch noch Fotos dabeisein und sie zwingt mich somit allen Ernstes, durch ordnerweise alte Bilder durchzugehen und irgendwo ein vermünftiges von uns allen dreien zu finden; es existieren eh kaum welche, bis 2009 habe ich zurückgeschaut, warum sollte ich mir antun, das jetzt zu beschreiben, warum eigentlich.

DAs, was ich genommen habe letztendlich, ist von letztem Jahr, Ende letzten Jahres, Urlaub, nicht zurückdenken, einfach das Foto zeigen und, wie immer, die Welt nichts wissen lassen. Natürlich könnte man alternativ auch mit einem euskarischen Kladeradatsch aus Wörtern über den Kurs hereinfallen, die man allesamt im Wörterbuch nachschlagen müssten, weil es nicht die Art von Wörtern ist, mit denen jemand noralerweise seine Familie beschreibt. Zeit, dass du ins Bett gehst, Liebes, Abend war schön, jetzt schlaf du mal, heutesolltest du mal wieder ordentlich einschlafen können, und fang wirklich mal an, dich wieder halbwegs einzupendeln, mehr schlafen, weniger nicht schlafen, mwhr schlafen, weniger nicht.. oh, das hatten wir schon, weniger denken, das sollte gut klappen heute, wobei, das klappt immer nur dann, wenn man gerade ein bisschen Denken ganz gut gebrauchen könnte, dann klappt es immer hervorragend mit dem Nichtdenken, hör nun einfach mal auf zu tippen, es reicht doch langsam.

Und nachh er lese ich den Eintrag und denke, WTF war da wieder bei dir verkehrt, ich seh’s kommen.

Freitag

Standard

Wtf, Aspi, wtf.. Sowas passiert also, wenn ich mal überdurchschnittlich wenig bei der Sache bin.
Ich seh ja ein, dass meine Verplantheit manchmal dazu führen muss, dass ich nicht ganz pünktlich irgendwo ankomme oder eventuell auch mal Sachen erst drei Minuten nach Deadline zuendebekomme, aber dass ich jetzt schon anfange, meinen Stundenplan durcheinanderzubringen und einfach mal am falschen Tag zur falschen Stunde in die Uni gehe, völlig überzeugt, jetzt Traducción zu haben (mich dafür KO wie nichts Gutes aus dem Bett gequält habend nach eindeutig zu wenig Schlaf – Einschlaffähigkeiten in letzter Zeit lassen zu wünschen übrig; ich hab‘ um viertel nach zwei dann das Licht wieder angemacht und meinen spanischen Text angefangen zu schreiben), und nichtmal dann verstehe, was Sache ist, nachdem ich acht Minuten verspätet in einen Kurs reinplatze, der definitiv nicht mein Traducción-Kurs ist – was ich erst nach drei skeptischen Rundumblicken wirklich verstanden habe, weil meine Gesichtserkennungsfähigkeit einfach so unheimlich ausgeprägt ist und ich mich während der ersten beiden Anläufe auch von der Anwesenheit eines großen, bärtigen, ganz bestimmt nicht weiblichen Dozenten, der María nicht im Geringsten ähnelt, nicht habe überzeugen lassen – oh nein, dafür brauchte es erst eine leicht verwirrte Rückkehr nach Hause, eine Stunde Frühstück mit Dani und William und letztendlich das Auftauchen dieser verdächtigen Vokabel in meinem Lernprogramm. Freitag.

Da dachte ich dann doch auf einmal.. Moment. Oder eher, „momentu bat“, wenn ich schon beim Euskara-Lernen bin. Freitag. Ostiral. Neun Uhr Traducción. Heute? Donnerstag. Ostegun. Neun Uhr – se supone – friedlich ohean liegen und lo egin, lo egin, lo egin, bis man kurz vor eins zu Euskera muss, bis man die ganzen verloren Stunden Schlaf wieder reingeholt hat aus diesen insomnischen vergangenen Tagen und Nächten, lo egin, ez unibertsitatera joan, ez ohetik jaiki, ez estresatu, ez mundu hotz batean ibili, ez, ez, ez.

Wieder was gelernt nach zweieinhalb Monaten: Donnerstags keine Uni um neun.

Good job.

Standard

Sodele, ich hab‘ Arbeit. Im Gegensatz zu einem Großteil der einheimischen Jugend bin ich seit einer knappen Stunde glückliche, wenn auch leicht überrumpelte Besitzerin (oder Besetzerin, wie man’s nimmt) einer Stelle an einer ziemlich frisch eröffneten Akademie und werde ab nächster Woche auf Gruppen von Deutsch- und Englischschülern losgelassen, die ich als (nach Enara!) zweite Englisch- und erste Deutschlehrerin des Unternehmens nach freiem Willen indoktrinieren darf und werde. Das muss man sich mal überlegen. Enara und ich sind Arbeitskollegen. Letztes Semester war sie noch meine Dozentin. So kann’s kommen.

Sie war auch da vorhin und hat mir bei der Gelegenheit erzählt, dass der neue Baskischdozent schon an der Uni ist. Der, der sie, die ja jetzt wieder hier ist, ersetzt.. oder es tun sollte; offenbar ist er aus Catalunya und nichtmal Muttersprachler, wie um alles in der Welt soll er uns Enara ersetzen? Ich habe schon zu ihr gesagt, na von wegen, wenn ich zurückgehe, pack ich sie ein und nehme sie mit. Echt mal.

Begitara Begira Pt.2

Standard

Da wird grad einfach mal mein allerliebstes Lied von dieser grandiosen Band namens Vendetta in der Vitoria-Erasmus-Gruppe gepostet. Wie wunderbar, es hier zu hören, Gasteizen, Euskadien – unbeschreiblich, unbeschreiblich.
Jetzt weiß ich auch wieder, warum mir das „dezaten“ auf Pedros Foto und in der Bar gestern so bekannt vorkam – es kommt im Text vor. Und es macht Sinn, oh, wie ich es liebe, wenn etwas Sinn macht!

Oh, und wie ich verstehen kann, dass Musik die machtvollste Form der Propaganda ist.

Jetzt überlege ich – habe ich über Begitara Begira nicht sogar schonmal geschrieben? Ach ja, richtig.