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Meine To-Do-Liste ist gewaltig, aber ich lasse mir Zeit. Gestern und heute habe ich jeweils ein paar Punkte davon abgearbeitet: Menschen antworten, Dinge bestellen, aufräumen, Müll rausbringen, Weihnachtsdeko zurück in den Keller verbannen.

Arbeiten steht dagegen noch gar nicht auf der Liste, obwohl mir bewusst ist, dass ich demnächst auch damit wieder anfangen sollte. Die Therapeutin hat ein Wunder vollbracht – in Zusammenarbeit mit ihr habe ich eine ganz und gar veränderte Sichtweise darauf entwickelt, dass es mir streckenweise unmöglich ist, mich zum Arbeiten zu motivieren. Immer und immer wieder hat sie mir die gleichen Fragen gestellt, wenn ich ihr von der Lethargie berichtet habe, mit ihrer bestechenden, simplen Logik: Ob ich denn finanzielle Probleme hätte. Nein, die habe ich nicht. Ob ich denn nicht immer zuverlässig funktioniert hätte, wenn es wirklich drauf ankam. Doch, das habe ich. Ob ich denn zum Zufriedensein mehr bräuchte, als ich habe. Nein, eigentlich nicht.  Was dann mein Problem sei. Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl, nicht genug zu tun. Alle Anderen arbeiten mehr als ich. Ob das denn ein Maßstab sei. Nein, natürlich nicht.

So einfach. Ich hätte natürlich gern mehr, als ich habe. Ein Haus, ein Grundstück. Aber das ist mit meinen momentanen Mitteln utopisch, weshalb ja auch die Motivation nicht da ist, darauf hinzuarbeiten. Da greift die Idee mit dem Psychologiestudium. Diese mir überhaupt zu erlauben ist mir auch nur dank der Therapeutin gelungen. Die Vorstellung, in diesem Leben nochmal einer sinnstiftenden Erwerbstätigkeit nachzugehen, die mich erfüllen und Anderen nützen könnte – faszinierend. Dafür darf ich zehn Jahre einplanen, bis es soweit ist. Aber so, wie R seine Berufung zum Informatiker halt auch nicht mit 20 gefunden hat, verläuft mein Dasein ebenso in eigenwilligen Windungen und Wendungen. Warum auch nicht. Besser spät als nie.