Schlagwort-Archive: Beziehung

Schroedinger’s Relationship

Standard

Weg zu sein ist ein Segen. Ich komme um die Panik beim Aufwachen nicht rum, ebensowenig wie mir (und Becci) der ein oder andere Heulanfall erspart bleibt, und weit entfernt bin ich davon, dem ewigen Rotieren der Gedanken zu entkommen, aber dazwischen gibt es ruhige Momente, Pausen, wenn die Baldriantabletten anschlagen. Dann kann ich bis zum Anschlag einatmen und Dinge denken wie „Es ist so schön zu sehen, dass ich Menschen habe, die für mich da sind.“

Jetzt bin ich bei Becci, erste Anlaufstelle für so ziemlich alles. Mama kommt im März zu mir, und Simone hat mich auch eingeladen. Selbst Alina hat mir geschrieben, dass ich gern zu ihnen kommen kann, auch länger. Ganz ohne Seitenhieb in Bezug auf mein bisherigs Absehen davon, das Kind zu besuchen, hat sie es nicht geschafft, aber es kann auch sein, dass ich meiner Verfassung geschuldet zu viel da hereininterpretiere.

Gerade, als ich ganz ruhig war, dachte ich mir, ich könnte dies als Gelegenheit zur Dankbarkeit wahrnehmen, dass ich viel weniger alleine bin, als ich immer denke.

Auf der anderen Seite hört es eben kaum auf zu rotieren. Vor ein paar Stunden überwältigte mich der Gedanke, dass ich nicht weiß, worauf ich mich einstellen kann, und das eine entsetzliche Sache ist. Bis R sich entscheidet, ist die Beziehung praktisch gleichzeitig tot und lebendig, und damit kann ich schlecht umgehen. Weder möchte ich mir durch positives Denken Hoffnung machen, wo keine sein sollte, noch sollte ich meine Wahrnehmung durch meinen Pessimismus verzerren lassen. Die Therapeutin sagte, dass meine Wahrnehmung von R’s erschütternd unbeeindrucktem Verhalten und die Befürchtungen, die ich daraus ableite, meiner Projektion entspringen könnten. Wie aber schaffe ich es, Dinge nicht durch meinen von durchweg schlechten Erfahrungen geprägten Filter laufen zu lassen, wenn nichts Gegenteiliges mir gezeigt wird – wenn im Grunde die Situation nur Gleichgültigkeit und meine Reaktion darauf nur Unverständnis hervorzurufen scheinen?

Tot oder lebendig. Ich sollte mich nicht so fühlen, als hätte es sich schon entschieden.

20 Grad draußen. Eiskalt drinnen.

Standard

Nein, oh nein, genau so sollte es nicht laufen.

Ich kann mich nicht zusammennehmen, mir fehlt die Kraft dafür. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass mit jeder Minute Nervenkoller, die ich R von mir miterleben lasse, dieser zunehmend genervt und alles nur immer schlimmer wird. Laut meiner Mutter ist allen Männern diese Eigenschaft gemein, „egal, was sie einem zufügen, man soll immer lächeln.“

Ich habe mir nach dem Aufwachen eine 5-mg-Escitalopramtablette einverleibt und dabei nur umso unkontrollierter geheult, weil mein stets auf der Suche nach zugrundeliegenden Prinzipien befindliches Hirn in diesem Akt der Resignation das erneut verlorene halbe Jahr Ausschleich- und fünf verlorene Jahre Beziehungsarbeit mit allen in deren Rahmen errungenen Fortschritten und erlittenen Rückschlägen gleichermaßen betrauerte.

Wenn ich nur wüsste, wie ich es anstellen soll, dass R für seine Entscheidungsfindung nicht dieses Kollabieren von mir, sondern die Person in Erinnerung behält, die ich bis Dienstag in den letzten fünf Jahren häufig war und ansonsten zu sein versucht habe. Ich bin zu schwach, um einfach wegzugehen, damit er keine Chance hat, mich bis zum Monatsende weiter so zu erleben. Ich bin auch zu schwach, um mich gefasst zu geben. Ich versuche es immer wieder, aber es gelingt mir kaum. Ich kann nur immer ein Stückchen des Elends für mich behalten, das sich in mir festgesetzt hat, nie aber das ganze. Ich bin ein unfassbar schwacher Mensch, den seine Emotionen hin- und herschleudern ohne jegliche Handhabe.

Lesson learned

Standard

Da ich in meiner Vorstellung davon, wie ich das, was ich gestern getan habe, bewerten soll, äußerst zwiegespalten bin, berichte ich zuerst einmal ohne jede Wertung.

Nachdem ich festgestellt hatte, dass die Baldriantabletten nicht nur beim Schlafen helfen, sondern auch ganz wunderbar beruhigend wirken, habe ich mir abends eine davon eingeworfen. Ich hatte mir verschiedene stumpfsinnige Handyspiele heruntergeladen und eins nach dem anderen ausprobiert, ob sie zur Ablenkung taugen, und bin, nachdem mir weder Doodle Jump noch Mahjong entspannend genug waren, an einer Kombination aus Solitaire und Meditationsmusik hängen geblieben. Alle drei Beruhigungsmaßnahmen auf einmal wirkten tatsächlich zumindest insoweit, dass ich mit Heulen aufhören und teilweise richtig befreit einatmen konnte.

Ich habe dann, zunehmend schläfrig, auf R gewartet, der gegen elf Uhr von der Solid kam und mir berichtete, dass er sich in der Zwischenzeit um ein Zimmer in einer von seiner Arbeit nicht allzu weit entfernt gelegenen Zweier-WG bemüht hatte und, falls er denn genommen würde, zum Ende des Monats einziehen könnte.

Nach ein paar Minuten, in denen er in der Küche werkelte und dabei, von der Gesamtsituation scheinbar unbeeindruckt, von seinem Arbeitstag erzählte und mich beiläufig fragte, was bei mir so passiert sei, habe ich ihm Folgendes geradeheraus mitgeteilt:

Das Nichtzusammensein im selben Haushalt fühlt sich wie Verlassenwerden an. In Anbetracht der Tatsache, dass, supposedly, wir uns nach wie vor genauso lieben, erscheint es mir wie eine absurde Verschwendung. Falls einer von uns in zwei Monaten stirbt, wäre es mir lieber gewesen, wir hätten bis zu seinem Auszug nicht in getrennten Betten geschlafen. Die Idee war doch, meines Erachtens, sich nicht entfremdet oder im Bösen zu trennen.

Er erwiderte, das hätte von vornherein bei mir gelegen. (Das war mir nicht klar.) Er würde mich gern in die Arme schließen und alles. Dass er sich aber fragen würde, ob es mir nicht im Endeffekt zum Zeitpunkt seines Auszugs noch schlechter damit gehen würde.

Ich verneinte. Ich hatte mir gedacht, man könnte diese Auszeit so betrachten, als würde einer von uns für ein halbes Jahr ins Ausland gehen. Das erscheint mir passend, weil in diesem Szenario eben auch die Zuneigung füreinander unverändert ist, man aber dennoch einfach in dieser Zeit etwas Anderes zu erledigen hat. Wer aber würde auf die Idee kommen, sich vor dem Weggang eines der Partner auf eine Halbjahresreise schonmal vorsorglich zu trennen? Und weil mir das so überhaupt nicht einleuchtet, kann ich auch mit dieser Situation so gar nicht umgehen.

Er hat dies verstanden, und je weniger distanziert er sich verhielt, desto besser fühlte ich mich. Es fiel mir richtiggehend leicht, Details zur Organisation seines Untermietverhältnisses und seines Umzugs zu besprechen. Ob die Wohnung möbliert ist. Was er mitnimmt. Es hat sich das Gefühl des Verlassenwordenseins einfach schlagartig in Luft aufgelöst, und schlagartig konnte ich wieder leben.

Was mir davon ab massiv geholfen hat, war, dass er im Laufe dieses Gesprächs erklärte, es wäre unwahrscheinlich, dass er sich andere Partnerinnen anlacht, während er weg ist. Was nichts daran ändert, dass die Möglichkeit besteht (natürlich gilt: We were on a break!!!), aber da ich insgeheim davon ausging, dass er bereits konkrete Menschen im Auge hat, mit denen er vorhat längerfristig anzubandeln, sobald der Umzug vollzogen ist, um seine Freiheit in vollen Zügen zu nutzen – du kannst dir vorstellen, was das mit meinem Kopf gemacht hat.

Während ich gestern mit einem Gefühl ins Bett ging, als wäre mir das Gewicht der Welt von den Schultern genommen worden, war mir schon mehr oder weniger klar, dass ich trotzdem mit Panik aufwachen würde. Ein Zusammenbruch dieser Größenordnung ist nicht von einem Moment auf den anderen vorbei. Und in der Tat war sie überdimensional, die Panik, und geruhte (Meditationsmusik zum Trotz) erst allmählich abzuflauen, während die vorherigen beiden Absätze Gestalt annahmen.

Und allmählich traue ich mich auch, meine Wertung auszusprechen, und mit ihr meine Fassungslosigkeit – ich sage es mal so:

Die letzten Jahre neigte ich dazu, mir vorzukommen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen durch alles, was ich mit Einsetzen der Medis und meiner diesen geschuldeten persönlichen Entfaltung gelernt hatte. Aber, oh, wie war ich dumm, wie bin ich dumm, wie werde ich immer dumm sein. Überheblich habe ich mein Lebtag auf jene herabgesehen, die sich an wenig erfüllende oder toxische Beziehungen klammern, und insbesondere auf jene, die wider besseres Wissen die einmal beendete Beziehung aus Verzweiflung wieder aufnehmen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Aber möchte ich behaupten, dass meine Beziehung wenig erfüllend ist oder war? Seit ihrem Anfang plagt mich die Ungewissheit, ob es teils unrealistische Erwartungen sind, die meine Sicht auf die Dinge verzerren. Gerade letzte Woche hatte ich mir vorgenommen, eine Liste zu machen mit all den Dingen, die ich an R liebe und die unsere Partnerschaft so ungemein wertvoll machen. Dinge wie den Umstand, dass ich mich ausnahmslos jedes Mal freue, sein Gesicht zu sehen oder seine Stimme zu hören, sei es, wenn wir uns tagelang nicht gesehen haben, oder wenn er nach fünfminütiger Abwesenheit den Raum betritt. Dinge wie seine nicht endende Begeisterung für Boggle oder seine Art, sich mit der Katze zu unterhalten, bevor er sie füttert, oder seine vollkommene Akzeptanz all meiner Neurosen oder seine Wortspiele oder die Abneigung gegen synchronisierte Filme, die er mit mir teilt.

Na herzlichen Glückwunsch, und schon heulen wir wieder.

I need to be more appreciative of what I have.

I’m tired, so let me be broken.

Standard

Wow, das wird heftig. Aus irgendeinem Grund meint meine Psyche genauso zusammenklappen zu müssen, wie sie es in einer entfernt ähnlichen Situation vor bald einer Dekade schon einmal getan hat, und ich kann nur hoffen, dass sie sich dieses Mal schneller und weniger mühsam wieder berappelt.

Ich stehe nunmehr vor der Herausforderung, den Totalschaden irgendwie zu minimieren und mich jedem Trauma-Trigger zum Trotz den aktuellen Tatsachen angemessen zu verhalten.

Tatsache 1: Ich wurde (noch) nicht verlassen.
Tatsache 2: I made this bed. I choose to lie in it. Live with my regret, sleep with what I said.
Tatsache 3: Was hier passiert, ist unumgänglich.
Tatsache 4: Ich habe mir schon immer mehr von R gewünscht, als er in der Lage war zu geben.
Tatsache 5: Mit Kollabieren ist mir nicht geholfen.
Tatsache 6: Ich brauche ein Leben, um mich über Wasser zu halten.

Es gestaltet sich denkbar schwierig.

Solange R hier wohnt, ist damit zu rechnen, dass weiterhin jede Interaktion mit ihm von unkontrollierbaren Heulattacken meinerseits begleitet ist. Das ist mir nicht nur hochgradig unangenehm, sondern leider unvermeidlich.

Heulend einzuschlafen und mit Panik aufzuwachen ist mir zwar zur Genüge bekannt, aber dadurch nicht leichter zu ertragen. Ich habe letzte Nacht besser geschlafen, indem ich mich einerseits in dieser zweiten Nacht etwas an die harte Matratze im kleinen Zimmer gewöhnt und andererseits die Baldrian-Tabletten für mich entdeckt habe, die ich irgendwann mal für R geholt, welche er jedoch verschmäht hatte.

Immense Konzentrationsschwierigkeiten sowie gelegentliche Episoden überwältigender Verzweiflung verhindern, dass ich arbeiten oder lesen könnte. Jedoch habe ich mit Caro und mit Becci telefoniert und dabei erneut festgestellt, dass es wahnsinnig gut tat, sie um mich zu haben. Das kennt man ja schon.

I’m a mess, that’s the best way to describe it; having no time to myself’s the only way I can fight it
When I’m alone, it’s like I’m staring into a mirror; don’t know the person inside and that’s never been any clearer.

Aber ich habe auch gemerkt, dass mir alles leichter fällt, wenn ich funktionieren muss. Mich hat jemand von Foodsharing angerufen, die ich nicht kenne, und wie das so ist, fake it ‚til you make it, habe ich mein Heuldrama unterbrochen, um den Anruf entgegenzunehmen, und geschlagene neunzehn Minuten mit dieser Anette telefoniert, als wäre es der sonnigste Nachmittag, den die Welt je gesehen hat.

Was mich in der Annahme bestätigt, dass ich mich unter Menschen zwingen muss, so viel wie möglich, um einfach nicht zusammenbrechen zu können und dabei im besten Fall an sozialen Kontakten zu gewinnen, die die Bezeichnung auch verdienen.

Siehst du mal. Telefonieren hat geholfen, Schreiben hat geholfen, sogar dieses überaus deprimierende Lied hat geholfen. So sehr, dass ich in der vergangenen Stunde vollends von dem Gefühl verschont blieb, an unerträglichen Schmerzen zu verrecken.

Springt – und hofft auf Flügel.

Standard

It is done. Ich habe gestern Abend R eine sechsmonatige Auszeit vorgeschlagen, die er dafür nutzen kann, herauszufinden, ob er einem Leben mit mir die Möglichkeit, seine Polyamorie nach seinen Wünschen auszuleben, vorzieht. Es ging nicht anders, und es kann nur besser werden. Ich habe genug verdrängt.

Er trägt es mit Fassung, ich weniger. Geschieht mir recht. Ich habe mir meinen persönlichen Albtraum heraufbeschworen, ohne mich zu erinnern. Ich hatte diese Dimension von Schmerz komplett vergessen.

Mein erster Akt heute als frischgebackene Trennungsdepressionsgeplagte war es, die Katze zu mir ins ihr eigentlich verbotene kleine Zimmer zu lassen, nachdem ich von ihrem durchdringenden Miauen auf der anderen Türseite wach wurde. Es war herzzerreißend, wäre denn noch etwas zu zerreißen übrig. Sie kam herein und stürzte sich auf mich. Eine solche Begeisterung habe ich selbst nach dreiwöchiger Abwesenheit von ihr noch nicht erlebt, sodass ich schon befürchtete, es hätte sich gestern Abend im Eifer des Gefechts niemand daran erinnert, sie zu füttern. Zum Glück war das nicht der Fall.

Meine Mutter spammt mich mit einer Tirade von nett gemeinten, aber kontraproduktiven Äußerungen wie „Soll seine Möbel mitnehmen“ und „Weine dem Kerl keine Träne nach“ zu. Außerdem fragt sie mich, ob ich im April mit ihr ans Meer fahren will. April, yeah. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich mein Leben heute, morgen oder nächste Woche auf die Reihe bekomme, aber natürlich mache ich Pläne für April, um in einer einsamen Strandwohnung im Nirgendwo mit meiner Mutter zu gammeln.

Sie hat mich angerufen, nachdem ich ihr zu lange nicht geantwortet habe. Über das Telefon war sie als lebenspendende Maßnahme tauglicher. Da sie R nie sonderlich ausstehen konnte, ist sie mit dieser Entwicklung zufriedener, als ich es bin.

Ich habe mir Porridge gemacht. Ich hoffe, die Milch ist noch genießbar.

Ich hoffe, ich bekomme das irgendwie hin.

Dinge, die da kommen

Standard

Scheint, als würde in meinem Leben und Peripherie tatsächlich mal wieder etwas passieren. Nicht nur habe ich am Montag sowohl eine Foodsharing-Abholung als auch Geburtstag (die Erkenntnis, dass mir noch weniger als eine Woche bleibt, um auf dramatische Weise in einem stilvollen Alter das Zeitliche zu segnen und mir danach leider keine andere Wahl bleibt, als in möglichst wenig Würde ein möglichst hohes Alter zu erreichen, entbehrt insoweit jeder Relevanz, als ich mich sowieso schon immer gefragt habe, was daran so glorreich sein soll, mit 27 Jahren aus dem Leben zu scheiden), sondern ich habe auch Dienstag Abend einen Foodsharing-Neuzugang zu Besuch, der mich auf der Plattform ratsuchenderweise angeschrieben und dem ich daraufhin ein ‚Orientierungs-Zusammensetzen‘ angeboten hatte (man könnte dies nun als eine der Vereinsamung entsprungene Methode auslegen, mir Gesellschaft ins Haus zu locken, aber ich mache das wirklich gern) und werde am  Samstag der gleichen Woche, ob man das nun glaubt oder nicht, für einen Überraschungs-Tag von R beschlagnahmt.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Dass meinen mickrigen Avocadopflänzchen spontan Früchte oder Seehofer Hirnzellen wachsen, hätte ich eher für möglich gehalten als einen Überraschungstag von R. Und zu allem Überfluss erfuhr ich davon beinahe auf die Stunde genau fünf Jahre nachdem das Bestehen unserer Beziehung auf höchst zeremonielle Weise (er, wörtlich: „Sind wir jetzt irgendwie zusammen oder so? Ich hab keine Ahnung“; ich, sinngemäß: „Joa?“) besiegelt wurde – ein Faktum, das ihm vermutlich verborgen geblieben wäre, hätte ich ihn nicht im Laufe des Tages darauf hingewiesen. (Und das war ein Fortschritt, denn die bisherigen Jahrestage haben wir ungewürdigt verstreichen lassen, sogar so ungewürdigt, dass ich mir nicht mal je sicher war, um welches Datum es sich dabei überhaupt handelte. Ich habe mich bislang deutlich zu sehr seinem Unwillen gebeugt, all das zu zelebrieren, was ich gerne zelebrieren würde bzw. wovon ich mir wünschen würde, er würde es zelebrieren. Bis mir in den Sinn kam, dass es absolut nicht fair ist.) Jedenfalls war ich glücklich, als ich die Ankündigung las, und bin äußerst neugierig, was der Tag wohl bringen wird.

Gleichzeitig ist die nächste Woche entscheidend, weil R in dem Zeitraum ein Praktikum bei einer potenziellen Ausbildungsstelle absolviert, auf dessen Basis sich dann ergibt, ob er genommen wird. Mein Geburtstag ist also genau genommen sein erster Probearbeitstag.

Und vor dem allen liegt das Konzert am Freitag, das Potenzial hat, grandios zu werden. In Vorbereitung darauf habe ich mich den gesamten Dezember lang beim täglichen (wenngleich augenscheinlich fruchtlosen) Online-Adventskalenderdurchklicken mit Murphys berieseln lassen, sodass ich mich bestens vorbereitet wähne. Was ich dagegen immer noch nicht gehört habe, ist das neue(ste) Album von Frank, aber das ist gerade in seiner Funktion als Warm-up doch wohl hoffentlich zu vernachlässigen.

Nahi izateko borondatea

Standard

Zwei Dinge habe ich gerade zum (teils zermürbend häufig) wiederholten Male festgestellt:

  1. Oh ja, ich merke die (nur noch) zwei Tropfen. Und
  2. Es ist unfassbar anstrengend, kognitiv-rational weiter entwickelt zu sein als auf der emotionalen Ebene.

Und daran, wie ich (dankenswerterweise erst nachdem er aus dem Zimmer entschwunden war) vor Enttäuschung und grenzenlosem Ohnmachtsgefühl gerade bitterlich geheult habe, als mir R auf mein Nachfragen hin endgültig die Fruchtlosigkeit auch dieses Versuches offenbarte, das Rauchen aufzugeben, erkenne ich neben den beschriebenen Tatsachen  1 und 2 vor allem eins: Sollte ich mal Mutter sein, dann werde ich ein beispielhaftes Exemplar der Sorte, die dem Kind, wenn es fragt, ob man sauer ist, aus Bambi-Augen anstarrt und mit dramatisch tonloser Stimme antwortet: „Nein. Nur traurig.“

Dieses tiefsitzende Bedürfnis, mir Nahestehende zu ihrem (vermeintlich) Besten zu kontrollieren – 1:1 von meiner eigenen Mutter übernommen – wäre allerdings, zumindest sehe ich das so, gegenüber dem eigenen Nachwuchs noch weitaus unproblematischer als in einer Partnerschaft zweier (angeblich) Erwachsener. Ich schaue mich hier von außen an und denke mir, um Himmels Willen, woman, get a hold of yourself. Ach, wie es mich aufregt, dass ich mich so fühle.

Und wie es mich aufregt, dass er einfach nicht die Willenskraft aufbringt, noch nichtmal die, es wirklich zu wollen. Borondate, borondate. Azal zaitez.

Stabilized (but stagnating)

Standard

Schon besser. Ich kann nicht behaupten, dass es mir blendend geht, aber sofern hier nichts mehr eskaliert, dürfte das Gröbste überstanden sein.

Ich werde dennoch nicht an Beccis und Cornelias Holland-Trip dieses Wochenende teilnehmen, wie es eigentlich geplant war. Weder kreislauftechnisch noch mental würde ich eine Unternehmung von diesen Dimensionen verkraften. (Auch wenn es gepasst hätte, denn als ich Tim Vantol zum ersten Mal gesehen habe, war es um meinen Geisteszustand ähnlich bestellt. Das war auch der Grund, aus dem ich mir damals nach dem Konzert keine CD gekauft habe. Wozu, dachte ich mir, wenn ich’s eh nicht mehr lange mache.)

Becci, die gute Seele, sagte auf meine Frage hin, wie viel ich ihr für Ticket und Übernachtung schulde, es sei nicht der Rede wert und ich sollte nicht für meine gegenwärtige Situation auch noch bezahlen müssen.

Und meine Mutter, mit der ich gestern telefoniert habe, ist zwar aktuell noch auf Sri Lanka, sagte mir aber, ich hätte sie trotzdem wirklich mal anrufen können, als hier Land unter war, sie könne in 20 Stunden bei mir sein. Awww. (Wobei es bei ihr schon genügt hat, ihr zu erzählen, dass sich R während meines Entzugs nicht gerade um Unterstützung und Rücksicht bemüht hat, ohne auf Einzelheiten einzugehen.)

As for me… ich warte erstmal ab, bis sich mein Hormonhaushalt wieder einpendelt. Latente Panik ist nach wie vor da, aber nichts im Vergleich zum Wochenende. Derweil höre ich mir von der Therapeutin an, dass ich meine Prinzipien zum Fenster rausschmeiße, wenn ich nicht vehement ablehne, mich mit R’s Polyamorie auseinanderzusetzen, und beobachte dessen unbeholfene Versuche, meiner Kritik gemäß seine Egomanie zu drosseln.

Bislang scheint Letzteres allerdings aussichtslos. Siehe dazu gestern Abend: ich hatte Musik an, während ich in der Küche tätig war, und das Album lief noch, als er zum Essen kam. Er gab sich Mühe und fragte, welches Album wir hören würden. Es war What Seperates Me From You von A Day to Remember. Da er bemängelt, ich würde ja aber auch von mir aus nichts erzählen, fasste ich mir ein Herz und schilderte ihm, wie mich You Be Tails, I’ll Be Sonic damals mit seiner Genialität überwältigt hat, als ich die Band kennenlernte. Von zwei zehennägelkringelnd, nackenhaaresträubend konstruierten Rückfragen seinerseits fühlte ich mich nichtsdestotrotz ermutigt, man könnte fast sagen, verpflichtet, weitere Informationen preiszugeben. Also erzählte ich vom Konzert 2011, und dass dort auch mein T-Shirt mit einer besagtem Lied entstammenden Zeile herkommt, und schließlich sogar von der abstrusen Kombination, die mein Shirt („There’s a hole in my heart where you used to be“) und Şahins Wristband („Get the fuck over it“, 2nd Sucks) hermachten. Er reagierte daraufhin, and I shit you not, mit einer ausschweifenden Erörterung, welche zum Inhalt hatte, dass der Grund, aus dem er gleich zurück an den Rechner müsse, sei, dass auf der GUI, die er gerade programmiert, sich das Relief nicht mehr ausschalten lasse. Irgendwann unterbrach ich ihn, indem ich andeutete, zum Himmel zu beten, und flehte, „please be going somewhere with this“. Er war daraufhin beleidigt.

Sonntag Früh entdeckte ich einen drastisch reduzierten Udemy-Kurs zu kognitiver Verhaltenstherapie, dessen Beschreibung mich neugierig machte und mir den Eindruck verlieh, eine derartige Maßnahme könnte uns helfen, eine gewisse Basis an gegenseitigem Verständnis und gleichzeitig eine Erweiterung unser beider Horizonte zu erreichen, insbesondere in Hinblick darauf, dass ein konstruktives Auseinandersetzen mit der Thematik der Polyamorie mir in meinem aktuellen Mindset nicht oder kaum möglich ist. Ich sagte ihm dies und schlug vor, den Kurs herunterladen und gemeinsam anzusehen. Er stimmte dem zu. Als er dann feststellte, dass es sich um 53 Stunden Material handelt, war er schon weniger begeistert. Ich hatte gleichzeitig einen weiteren Kurs gefunden, der beim Umgang mit Konflikten helfen soll. Dieser dauert nur eine Dreiviertelstunde und wir haben uns die erste Session davon tatsächlich schon angeschaut. Leider ist der Dozent grottig, aber R war nicht der Meinung und ich nehme, was ich kriegen kann. Nach zehn Minuten war sein Kontingent an emotionaler Arbeitskraft jedoch erschöpft; seither macht er keine Anstalten, an einem der Kurse weiterarbeiten zu wollen, und ich darf weiter in Panik vor mich hinexistieren; diese wird bleiben, bis entweder Verdrängung oder Veränderung eintritt. Wenn er die Zeit oder den Aufwand nicht aufbringen möchte, für Letzteres zu arbeiten, kann ich nur zurück in Ersteres flüchten.

Gestern um diese Zeit…

Standard

Frisch geduscht sieht alles besser aus. Nicht nur ich selbst, auch wenn die Besserung an meinem eigenen Beispiel am deutlichsten sichtbar wird.

Auch dass mein Klärungsversuch gestern Abend nur so semi-gut aufgegangen ist und R sogleich aufs Anschaulichste demonstrierte, dass er nicht wirklich etwas von dem begriffen hatte, um das ich ihn gebeten hatte, indem er zum unpassendsten Zeitpunkt und auf die unangemessenste Art und Weise mal wieder seine Unzufriedenheit mit dem Monodasein verkündete, ist etwas besser auszuhalten. Dabei hat die Dusche geholfen un Becci, die mir heute und gestern in Gesprächen der Sorte zur Seite stand, die ich früher öfter geführt habe und deren Wert mir schon gar nicht mehr wirklich bewusst war. Wann habe ich aufgehört, meine Freunde um Hilfe zu bitten?

Nunja. R scheint der Meinung zu sein, dass mein Sozialleben zu wünschen übrig lässt, und forderte mich gestern auf, mir mehr Freunde zu beschaffen. Wohl in der Annahme (wie Becci heute richtig feststellte), meine Ansprüche an ihn als Partner würden damit zurückgehen. Er hat es nicht so ganz durchblickt.

Nun schreibe ich mit Williams, meinem sehr anhänglichen bolivianischen Kumpel. Er gib sich nicht mit einem groben Lagebericht zufrieden und hat darauf bestanden, dass ich ihm Einzelheiten erzähle. Eigentlich habe ich wenig Lust darauf, denn er kennt mich kaum und R überhaupt nicht. Was soll das bringen?

Oh well. Williams mit seiner Latino-Mentalität wird nun auch nichts weiter tun als R aufs Übelste verteufeln, was mir halt auch nicht hilft.

Oh, worauf habe ich mich eingelassen? Jetzt darf ich Williams das Konzept Polyamorie erklären. Aaaah, ich wollte doch eigentlich nur kurz schreiben, damit  er sich nicht vergessen fühlt.

Na gut, das wurde eine längere Unterhaltung. Jetzt aber ist sie zu Ende – der liebe Williams, so eine gute Seele – und gleichzeitig habe ich von Kepa in Aussicht gestellt bekommen, in seinem zukünftigen gegenwärtigen Baserri wohnen zu dürfen. Zwar gehe ich einfach mal davon aus, dass sein Angebot von vor ein paar Jahren nicht mehr steht, dem zufolge ich jegliche Mietschulden durch Baumumarmen hätte begleichen können, aber da findet sich ein Weg.

Das war gerade einfach zu hundert Prozent unerwartet und kam gleichzeitig so exakt zum richtigen Zeitpunkt.

…Schrieb’s, fing an zu gitarrieren, wurde von Simones Anruf abgelenkt und bemerkte einen Tag später, das der Eintrag unvollendet war. Ich habe inzwischen die Verdrängung ihr Handwerk verrichten lassen, bin so gut wie wieder hergestellt und keinen Schritt weiter, aber was soll’s. Erstmal ist es mir wichtiger, am Leben zu bleiben.

4-Uhr-Krise

Standard

Es wird mal wieder spannend.

Meine aktuelle Lage sieht aus wie folgt.

(Das gestaltet sich jetzt schwierig, weil mein Hirn voller Matsche ist. Andererseits ist das Teil der Lage, also warum nicht damit anfangen.)

Mein Hirn ist voller Matsche.

Okay, ich muss aufhören, das so platt auszudrücken.

Eigentlich ist mein Hirn randvoll mit Gedankenfetzen, die sich allesamt nicht richtig greifen lassen. Ich wurde um vier Uhr wach, als Simone aufs Klo ging, und habe es in der darauf folgenden Periode von zweieinhalb Stunden irgendwie geschafft, mich selbst in einen schätzungsweise präsuizidalen Zustand zu versetzen und R in völliger Ungewissheit zur Arbeit gehen lassen, weil es mir auf sein Nachfragen hin partout nicht gelingen wollte, auch nur ein Wort zu äußern.

Aber versuchen wir das von vorne. Naja, zumindest so weit von vorne, dass halbwegs nachzuvollziehen ist, wie wir hier gelandet sind.

Dass ich auf Medi-Entzug bin und mental am Rad drehe, ist bekannt.

Den Rest kann man ungefähr so zusammenfassen, dass wir beim Abendessen die Doku über Ginger Baker (begnadeter Musiker, krankhaft selbstzentriert, viermal verheiratet – Beware of Mr. Baker, sehr zu empfehlen) angesehen haben und sich währenddessen bei mir die Gewissheit manifestierte, dass R charakterliche Parallelen zu ihm aufweist, was ernsthafte Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Fortbestehens unserer Beziehung auslöste bzw. verstärkte. Diese an sich nicht unbekannte Anwandlung wiederum intensivierte sich, als 1) R auf der Hälfte aufstand, um weiter programmieren zu gehen, 2) Simone und ich uns im Anschluss darüber unterhielten, dass sich Menschen dieser Art niemals der vollständigen Tragweite ihres Arschlochtums bewusst werden, da es zeit ihres Lebens immer Leute geben wird, die – von ihrem Charisma geblendet – sie zu ertragen versuchen und damit in ihrem Verhalten bestätigen, und 3) R, als ich ins Bett ging, ins Wohnzimmer umzog, um dort weiter zu programmieren, nachdem wir den Tag über praktisch noch kein Wort gewechselt hatten. Ich habe dann tatsächlich zu ihm gesagt, „ich glaube, wir müssen uns morgen mal unterhalten“, bin aber schlafen gegangen, ohne das weiter auszuführen. Nicht dass es ihn wahnsinnig gejuckt hätte.

Fast forward to 4 am: ich werde wach und fange an, darüber nachzudenken, was ich überhaupt genau möchte, was mir fehlt und wie ich dies R begreiflich machen soll. Sogar ein halbes Lied habe ich geschrieben, das leider zusammen mit allen anderen etwaigen Erkenntnissen im Nebel verschwunden ist. Ich habe dann aus irgendeinem unerfindlichen Grund mein Handy genommen und in meinen Facebook-Nachrichten nach Şahins Verlauf gekramt, mir diesen in (zum Glück überschaubarer, da andere Kommunikationswege bei uns gebräuchlicher waren) Gänze zu Gemüte geführt und mir dabei gedacht, dass ich es ihm in der Tat nicht sonderlich verübeln kann – retrospektiv – , dass er am Ende nach dem Drama keinen Bock mehr hatte, sich mit mir weiter abzugeben. Dann dachte ich mir, dass dafür, dass mir emotionale Verbindungen so wichtig sind, mein Leben eine ziemlich lückenlose Reihe an Fails darstellt. Dann dachte ich noch, „ich kann nicht schon wieder versagt haben“. Ich war mir mit einem Mal gewiss, auf der Welt ganz und gar alleine zu sein. Wie gern hätte ich jede Selbstbeherrschung in den Wind geschossen, angefangen, laut zu heulen, und zu R neben mir gesagt, „bitte hilf mir“. Dabei hätte ich ihm nicht mal erklären können, wobei.

Irgendwann ging Simone aus dem Haus; ihr Bus fuhr um zwanzig nach sechs. Ich musste aufs Klo. Als ich wiederkam, fragte mich R, dessen leichter Schlaf vermutlich zuerst durch mein ständiges Bewegen und dann Simones Rausgehen gestört worden war, ob alles okay ist. Zu dem Zeitpunkt war mein Kopf ein einziger Brei. Alles darin schrie und hämmerte durcheinander. Und alles darin wollte nichts weiter als raus. Aber wie das so ist in einer Paniksituation, am Ende schafft es niemand, weil die Fluchtwege verstopfen. In meiner Unfähigkeit, irgendetwas zu äußern, konnte ich zunächst gar nicht reagieren. Die letzte verbleibende vernünftige Stimme in meinem Kopf wies mich jedoch darauf hin, dass ich gefälligst zu antworten hätte. Also artikulierte ich: „Nicht wirklich, aber wollen wir das heute Abend besprechen? Du willst lieber noch ein bisschen schlafen.“

Okay, das war nun nicht, was ich eigentlich sagen wollte. Keine Stunde zuvor hatte ich so viele konstruktive, strukturierte Dinge mitzuteilen, dass ich am liebsten sofort damit angefangen hätte, ungeachtet der Uhrzeit und des sich zu dem Zeitpunkt noch in der Wohnung befindlichen Besuchs.

Hätte ich nur. Nun dagegen hing ich stumpf am Handy und beschäftigte mich mit Wordscapes, bis R irgendwann fragte, was los sei. Und, es ist zu absurd, ich konnte nichts sagen. Kennst du das, wenn du innerlich am Sterben bist und dir nichts sehnlicher wünschst, als dass dich jemand fragt, was los ist, und dann geschieht genau das und du kannst einfach nichts sagen. Zum einen sind keine Wörter mehr da. Auf einmal ist alles einfach weg. Und zum anderen sind selbst die vagen Vorstellungen von dem Chaos, das eben noch allgegenwärtig dein Denken terrorisiert hat, ganz und gar ungreifbar. Ich war vollkommen in mir selbst eingesperrt. Ich war nicht in der Lage, zwischen Innen und Außen auch nur die geringste Verbindung herzustellen, als wäre einfach die Ausfahrt blockiert. Nichtmal blockiert, einfach weg. Als wäre ich nicht nur von außen verschlossen, sondern als wäre mit einem Mal das Schloss einer glatten, undurchlässigen Wand gewichen.

Und noch dazu, selbst wenn ich hätte reden können, hätte ich vor der Aufgabe gestanden, zu selektieren, was von dem Salat dafür qualifiziert gewesen wäre, ausgesprochen zu werden. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn ich hatte keine Ahnung mehr, was von dem Spuk echt war und was Produkt meiner überquellenden Paranoia.

Nach einer Weile gelang es mir, R zu sagen, dass ich Salat im Kopf hatte. Ich sagte, ich würde sehr gern kommunizieren, aber es sei schwierig. Es war mir unwahrscheinlich wichtig, zumindest insoweit ihm entgegenzukommen, dass er das erfuhr. In dem Moment klingelte sein Wecker und übertönte vermutlich Teile meiner Äußerung, aber ich hatte meine gesammelten Reserven dafür verbraucht und konnte nun nichts weiter tun als regungslos dazuliegen und mich selbst zu verachten, während er aufstand und dabei feststellte, dann würde er es eben nicht vor 21 Uhr erfahren.

Während er sich fertigmachte, erwog ich meine Optionen. Darunter: Becci anrufen, um von ihr Input irgendeiner Art zu erhalten, der dafür sorgt, dass ich den Tag überstehe. Genau genommen sah ich dies als einzige Option. Mir wurde bewusst, dass ich außer Becci niemanden anrufen könnte. Statt Becci zu belästigen, habe ich dann allerdings mein Handy dafür genutzt, mir Marketa Irglovas The Hill anzuhören, was mich komischerweise etwas beruhigte. Dann stand ich auf. Sieben Uhr. Nun bin ich hier.

Heute ist Lauras Geburtstag. Hätten wir noch Kontakt, würde sie vermutlich den vorliegenden Eintrag als wunderbares Zeichen meiner wiederaufflammenden Abgefucktheit und großartiges Geschenk betrachten, das meiner lahmen Existenz mal wieder etwas Pep verleiht. Aber ehrlich gesagt, so weit davon entfernt bin ich meistens gar nicht. Es hängt alles daran, was man ausspricht und was nicht.

Eigentlich ist mein Hirn ziemlich klug, im Angesicht der schwerwiegenden Konsequenzen von einmal Gedachtem (und erst recht einmal Gesagtem) die Grenzen so überaus gründlich zu bewachen.