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Mai?

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Ich werde schon wieder so nachlässig mit dem Blogschreiben, dass ich vermutlich die Once-a-day-Challenge wieder einführen sollte. Das hatte doch wirklich gut funktioniert, sogar in dieser furchtbarsten aller Zeiten; nach ein paar Wochen hatte ich mir so schön beigebracht, an Motivationsmangel und (oberflächlicher) Ereignislosigkeit vorbeizurauschen und einfach zu tippen anzufangen. Sicher, die sprachliche Qualität und vermutlich auch der Unterhaltungswert meiner Einträge werden darunter gelitten haben, aber darum soll es ja nicht gehen. Sondern um Dokumentieren und um Selbstheilung.

Seit einer knappen Woche, genauer gesagt, seit letztem Dienstag, bin ich (vorerst) wieder allein in meiner Wohnung. Jana hatte sich zum Zwecke ihres Therapiegesprächs, das in der Stunde nach meinem stattfand, in ihre Wohnung verzogen und es anschließend nicht mehr dort heraus geschafft. Seitdem steckt sie also wieder bei sich, während diverse Habseligkeiten von ihr noch in meiner Wohnung auf sie warten. Für ihre Diplomarbeit sehe ich keine nennenswerten Erfolgschancen, es sei denn, sie bekommt ihre Frist nochmals (erheblich) verlängert. Schade, aber ich kann da absolut nichts machen.

Zugegebenermaßen war ich heilfroh über die Möglichkeit, zumindest eine gewisse Zeit lang mal wieder ’nach Luft schnappen‘ zu können. Mittlerweile habe ich mich vom WG-Leben schon soweit erholt, dass ich es begrüßen würde, wenn sie mal wiederkäme. Beachtlich ist aber, dass in dieser ersten Zeit, wo die Gegenwart einer Mitbewohnerin in Form von Jana für mich wirklich essenziell war, ich mich augenscheinlich so immens stabilisieren konnte, dass ich das längere Alleinsein jetzt gerade wirklich gut verkrafte. Kein Vergleich zu dem Zustand, in dem ich mich befand, bevor sie kam.

Es ist alles etwas wackelig, aber dass es überhaupt so unglaublich weit schon ist, finde ich verblüffend. Die Medis ermöglichen sowas. Virtuelles Cards against Humanity mit Caro, Ricardo und Cocktails hilft. Besonders beachtliche Wirkung hat zudem ein Gespräch mit Basti am letzten Sonntag gezeigt, das anders verlief als geplant und (ungeachtet letztendlicher, noch offener Konsequenzen) wie kein anderes Ereignis dazu beigetragen hat, die Welt um mich herum schlagartig weniger hoffnungslos scheinen zu lassen. Seitdem habe ich keine suizidale Anwandlung mehr verspürt. Eine Art Grundvertrauen war mit einem Mal zurückgekehrt. Das steigert die Lebensqualität unermesslich.

Jetzt muss ich schauen, dass ich darauf aufbaue und etwas, irgendetwas aus mir und meinem komischen Leben mache.

Ist der Ruf erst ruiniert…

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…muss man auch nicht mehr jeden Tag Blog schreiben.

Wäre ja auch zu merkwürdig gewesen, wenn ich das geschafft hätte.

Jetzt weiß ich nicht mal mehr, was der Stand war, als ich zuletzt berichtete. Aber ich kann es mir ungefähr denken.

Seither wohnt Jana bei mir; ja, ich schätze, dass der Abend, an dem sie hierblieb, derjenige gewesen sein dürfte, an dem ich zu berichten aufgehört habe. Dienstag war’s, glaube ich, genau der Tag meiner letzten Therapiesitzung, bevor die Therapeutin Osterpause machte.

Ich habe wieder mit Arbeiten angefangen. Ironischerweise war es R, der mir den Auftrag vermittelte, welcher dazu führte (er wandte sich dafür an Jana, nicht etwa an mich); es handelt sich um die Doktorarbeit von Vidulas bester Freundin, die ich nun (in direkter Kommunikation mit dieser) kapitelweise durchgehe. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können, denn nicht nur ist meine Auftraggeberin eine äußerst liebe Kundin, sondern die persönliche Natur des Auftrags macht mir das Herangehen an die Arbeit um einiges leichter, als dies ein Scribbr-Auftrag täte.

Zudem hat William über Facebook nach Hilfe beim Transkribieren von Interviews für seinen Podcast gefragt, wofür ich mich auch einfach mal gemeldet habe. Er ist sehr dankbar und hat mir zudem angeboten, mit mir zu reden, wenn ich das möchte.

Ostern haben wir mit Yannick und Fredi Hasen gegessen. Den, der seit Ewigkeiten eine ganze Gefrierschrankschublade blockiert hatte und den R und ich eigentlich schon zu diversen Gelegenheiten gemacht haben wollten, wozu es dann allerdings nie kam, und den, der aufgrund von Platzmangel noch bei Yannick für uns (beziehungsweise dann mich) zwischengelagert gewesen war. Zudem fahren wir regelmäßig auf Essenssuche – ich scheine die für Hamstern und Nachhaltigkeit nicht unempfängliche Jana zumindest für die Dauer ihres Hierseins erfolgreich angefixt zu haben.

Den Rest der Zeit verbringe ich auf der Terrasse (welche mittlerweile beinahe vollständig hergerichtet und mit zum Teil bereits in Blütenpracht erstrahlenden Gewächsen bestückt ist), auf dem Sofa oder im Bett. Die 15-mg-Dosis Medis hat nicht nur mein unmittelbares Fortbestehen gewährleistet und mein Gefühlsspektrum verlässlich abgestumpft, sondern auch mein Schlafbedürfnis wieder auf unvermeidliche 11 Stunden ausgeweitet. Ich bin schon wieder dabei, auf 10 mg herunterzustufen. Wobei ich nicht sicher bin, inwieweit ich dahingehend alles richtig mache, da ich mich über den Tag hinweg meistens zwar verhältnismäßig sicher fühle, abends jedoch seit mindestens einer Woche regelmäßig so krasse suizidale Anwandlungen erlebe, dass (ich bin mir relativ sicher) allein die Tatsache, dass ich genug Anstand besitze, um nicht Jana, die – wie es gestern der Fall war und heute wieder ist – zum Arbeiten nach Hause gefahren ist und zum Schlafen wiederkommt, mit dem unschönen Anblick einer (vermutlich vollgekotzten) Trimipraminleiche zu konfrontieren, mich davon abhielt, diesen nachzugeben. Jana kann ich das nicht antun; niemandem, der eben erst seine Mutter an Krankheit und seinen Bruder an Selbstmord verloren hat und in drei Wochen mit seiner Doktorarbeit fertig sein muss, kann man das zumuten. So viel Anstand habe ich.

Aber ich habe mich schon geärgert, ich war genervt, richtig wütend, wenn man’s genau nimmt, darüber, dass mir das verwehrt blieb, und ich kann nicht behaupten, im Nachhinein sonderlich dankbar dafür zu sein, auch wenn die Zeitspannen, in denen ich wohl tatsächlich akut gefährdet wäre, völlig am Rad zu drehen und etwas Derartiges durchzuziehen, immer recht kurz sind. Aber wirklich Sinn macht meine Existenz halt auch in den übrigen Momenten nicht. Von einem Tag zum nächsten leben kann ich noch (oder eher wieder), ich mache genug schöne Dinge jeden Tag, Pflanzen pflegen, Euskera lernen, containern, Katze bedienen, tolle Sachen essen, mit Menschen reden, Nägel lackieren, so Sachen, aber eine Zukunft sehe ich nicht, das nicht, zumindest keine, in der ich gerne sein möchte.

Fuuuuuuuuu…

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Und es ist soweit: nach ganzen zwei Monaten und dreißig Tagen habe ich es gestern erstmalig dieses Jahr verpasst, meiner Challenge gemäß den obligatorischen Eintrag zu verfassen. Alles, weil ich mit Caro am Telefonieren war und absolut nicht auf dem Schirm hatte, wie spät es schon war. Ich könnte die Zeitumstellung dafür verantwortlich machen, aber wenn ich ganz ehrlich bin – eine Stunde früher aufgelegt zu haben hätte um 1.01 Uhr eben auch nicht mehr geholfen.

Aber natürlich war es das wert. Sowieso erleben viele meiner Neurosen, die ja letztendlich auch nur selbst auferlegte Regeln sind, momentan einen Einbruch unvergleichlicher Ausmaße. Da ertrage ich es gleich gelassener, an diesem Punkt nun einmal gefailt zu haben.

Und die Müdigkeit dürfte auch ihren Teil beisteuern. Ich bin völlig im Eimer, was daran liegen dürfte, dass ich natürlich gestern Früh mein Therapeutentelefonat wahrnehmen musste. Aus diesem kam ich bestärkt und mit einem Haufen hilfreicher Bilder zurück in meinen Gammeltagesablauf und sah mich wenig später sogar in der Verfassung, paniklos einen Instant-Cappuchino zu konsumieren.

Also. Es wird.

Kausalitätsketten

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This is the story of how a person got from point A to point Z.
Some call it fate, others, chance. But whatever you call it,
it sure is an interesting thing to ponder, don't you think?
The twisted paths our lives follow. How did you get here?
The place where you are right now at this very moment.
What series of events brought you to this place?
At this specific point in time? Where are you in life?
Are things turning out the way you'd planned?
And by the way, when was the last time you spoke with your parents?
Don't you think you ought to give them a call?
To thank them for the set of circumstances that brought them together,
at a certain place, at a certain moment in time, when you were created.

In der Tat sind dies interessante Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, da hat Roscoe Lee Browne im Auftakt von Smiley Face schon Recht. Mein Point A des heutigen Tages war wohl die (somewhat verstörende) Whatsapp-Nachricht meiner Mutter, sie habe meinen Blog gelesen. (Nachdem ich ihr darauf ‚Oh‘ antwortete und sie daraufhin ‚Genau‘ erwiderte, fand keine weitere Kommunikation diesbezüglich oder anderweitig statt, sodass die Konsequenzen dieser Eröffnung mir aktuell noch nicht in ihrem vollen Ausmaße bekannt sind.)

Ich machte mich auf, zu tun, was ich immer tue, wenn diese Situation eintritt: Blog scannen, um zu ermitteln, welche Unsäglichkeiten ich im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Seelenausschüttungskarriere produziert habe, die der nunmehr darüber in Kenntnis befindlichen Person nicht gefallen könnten. Nach diesem ersten Schritt gehe ich üblicherweise dazu über, zugunsten der Authentizität und meines Seelenheils die Tatsache, dass ich gefunden wurde, schnellstmöglich wieder vollständig zu verdrängen.

Beim Scannen lief mir dann aber folgender Satz über den Weg: „Basti hat so Recht, wie er immer sagt, Kommunikation ist das Allerwichtigste.“ Das war Point B.

Ich nahm dies zum Anlass, mir zu denken, screw this, und Basti eine Nachricht zu schreiben, in der ich auf diese Aussage Bezug nahm. Auf diese Weise kam kurz danach tatsächlich ein Gespräch zustande, in dessen Verlauf mir zwar nicht unbedingt wie Schuppen von den Augen fiel, dass ich in der Unterhaltung mit Niklas absolutem Blödsinn auf den Leim gegangen war, aber zumindest bin ich nicht mehr überzeugt, ein absolutes Monstrum als besten Freund gehabt zu haben. Es wird nicht mehr so wie früher, aber ich sehe keine Notwendigkeit mehr, ihn aus dem Fenster zu schmeißen.

Da wir nicht ganz so lange telefoniert haben, wie es eigentlich hätte dauern können, weil er zurück an die Arbeit musste, versuchen wir das Gespräch heute Abend fortzusetzen. Point Z ist also fürs Erste aufgeschoben. Dahin gelange ich wohl über einen weitaus weniger manischen Donnerstag, als geplant war – die manischen Donnerstage habe ich zusammen mit dem Anti-Versackungs-Plan vor ein paar Monaten eingeführt, bin aber zunehmend inkonsequent damit und nutze jede Kleinigkeit, um mich davor zu drücken. Aktuell ist es die jahreszeitbedingte Dunkelheit, die mir als Vorwand zum Nichtstun dient. Staubsaugen bei diesen Lichtverhältnissen wäre ineffizient. Beim Aufräumen möchte ich auch sehen, was ich tue. Den Tisch mag ich auch nicht im Dunkeln putzen. Die Küche kann man zwar hell erleuchten, aber die Spülmaschine läuft bereits. Den Flur blockieren Taschen mit Pfandflaschen. Für ein Semesterticket bin ich zu geizig, aber die Semesterticketlosigkeit hält mich davon ab, das Haus zu verlassen und die Flaschen wegzubringen. Ich habe zwar von Susmitas und Sarahs Besuch neulich noch ein paar Einzeltickets übrig, möchte diese aber nicht ohne Not verschwenden. Wäsche sollte ich waschen, aber im Keller ist es so kalt. Warm anziehen könnte ich mich, aber da es so dunkel ist, bin ich nicht motiviert dazu. Winter nervt.

Das Gute: In drei Wochen wird es bereits wieder heller. Und in drei Monaten kann ich schon fast wieder richtig normal leben. Und ich habe zwar vorhin mit Basti darüber gesprochen, dass wir in Konstanz wirklich ein schönes Leben hatten, aber vielleicht strenge ich mich einfach mal ein bisschen an und schaffe das Gleiche hier auch.

Ruhe nach dem Sturm

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Es war das heftigste Gewitter meines bisherigen Lebens. R weckte mich auf, ich weiß gar nicht mit welcher Absicht, und ich, mir der Situation gewahr werdend, aber schlafentrissenerweise noch ohne viel Zugriff auf meine artikulatorischen Fähigkeiten, sagte „Der Flokati.“

-„Ist er draußen?!“

„Ja.“

„Also ich hol den nicht rein jetzt.“

„Nein! Aber unter den… das… Wie heißt das denn.. unter den Balkon, den von obendrüber, unters Dach!“

R machte unbegeisterte Geräusche. Dann musste ich halt selber ran. Entnervt schwang ich mich aus dem Bett – nenn mich sexistisch, aber während ich gut darauf verzichten kann, dass man mir Türen aufhält, Spinnen entfernt oder teure Geschenke macht, bin ich der Meinung, dass es zu den Dingen gehören sollte, die mein Freund für mich bereit ist zu tun, sich im schlimmsten Regen des Jahrtausends auf den Balkon zu bewegen und einen Teppich ins Trockene zu bringen. Aber nein, R meint dies nicht, also stürzte ich mich selbst in die Fluten und positionierte bei der Gelegenheit auch gleich die Eimer unterhalb des übernachbarlichen Balkonrandes (ich habe nie von dieser Fehlkonstruktion berichtet, aber dieses Haus ist auf eine solche Weise erbaut, dass bei Regen aus zentral im Rand angebrachten Abflüssen aller über uns liegenden Balkone kaskadenweise das Wasser auf den unsrigen herabströmt, welcher nicht mit einem derartigen Abfluss gesegnet ist, sondern Abflussmöglichkeiten besitzt, welche unter den Bodenplatten liegen und größtenteils blockiert sind, egal, wie gründlich man die Fugen reinigt. Go figure, wo sich das ganze Wasser demzufolge ansammelt). Durch die Blitze wurde es sekundenweise taghell; ich habe noch nie so helle Blitze erlebt.

Ich war durchnässt und zitterig, als ich wieder reinkam, legte mich zurück ins Bett und beobachtete mit R die auf der Straße bergabwärts strömenden Wassermassen, erfreute mich an der tropisch anmutenden Intensität des Gewitters, bewunderte die Blitze und sorgte mich um meine Pflanzen.

Dementsprechend groß war vorhin meine Erleichterung, als ich begeistert feststellte, dass keinem Pflänzchen auch nur ein Stielhaar gekrümmt worden war. Die Guten sind doch allesamt widerstandsfähiger, als ich sie eingeschätzt hatte; sogar die zarten Zimtbasilikumstängelchen waren unversehrt. Der Regen hat ihnen allen einfach nur gutgetan; man kann förmlich zusehen, wie sie in die Höhe schießen und gedeihen. Ich habe die prächtigsten Tomaten, die ich je besessen habe. Ringelblumen wuchern überall. Der Kürbis explodiert förmlich. (Es kann auch eine Melone sein. Ich weiß wirklich nicht, wie ich die beiden in diesem fruchtlosen Stadium auseinanderhalten soll, also warte ich einfach ab, was die jeweiligen Pflänzchen irgendwann so hervorbringen.) Die Zinnien fangen an zu blühen, rot und pink bislang. (Eine Zinnie fiel meiner viertägigen Abwesenheit zum Opfer, als es heiß wurde und R’s Vernachlässigung meine Balkonbepflanzung auf harte Proben stellte. Zum Glück war sie die einzige, die dran glauben musste.) Der Topinambur ist bald größer als ich, und die Kartoffelhecke macht sich hervorragend an der wenig dekorativen Balkonmauer. Die Azorenpflanzen entwickeln sich zu wahren Juwelen, und ich kann es nicht abwarten, bis sie blühen. Die Physalis mit ihren gesunden, samtweichen Blättern sieht genau so aus, wie sie sein soll. Pfefferminze wuchert wie ein Wald, die vom Brandt geschenkten Zucchini haben tausend Knospen, Schalen mit Genoveserbasilikum und Oregano treiben und grünen, Wildblumen sprießen in Scharen. Und zwischendrin tummeln sich Zitronenbasilikum und kleine Löwenmäulchen und warten auf ihre Chance, dem Schatten der Großen zu entwachsen. Noch keinen Junianfang hatte ich eine so vielversprechende Ansammlung an Pflanzen. Ich freue mich wahnsinnig auf den verbleibenden Sommer.

Mein Urlaub neigt sich dem Ende zu; Montag fängt die Schule wieder an und somit mein letzter Monat mit Sophi; die Noten des schriftlichen Abis werden am 18. verkündet und ich bin hochgespannt. Gleichzeitig natürlich verdränge ich weiterhin wie ein Weltmeister die Tatsache, dass ich ab Juli ohne Schüler dastehe und daran dringend etwas ändern müsste, denn auch wenn ich mir im letzten Dreivierteljahr ein beruhigendes finanzielles Polster erarbeitet habe, lähmt mich die Angst vor dem Mangel an Einkünften. Ich bin in der Therapie daran am Arbeiten, diesen Druck zu verstehen und zu bändigen. Und sie bietet mir zudem die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie Dramen der Sorte „letztes Wochenende“ entstehen und vielleicht, irgendwann, was ich tun kann, um dies zu verhindern. (Das Drama zog auch vorbei, ähnlich dem Gewitter. Bloß dass im Gegensatz zu den reinigenden Qualitäten des Letzteren von den Dramen immer eine Spur bleibt. Oder eher: eine Narbe. Es bleibt eine Narbe.)

Ich will dir mal was sagen. Ich habe es über weite Strecken der vergangenen Jahre vermieden (und vermeide nach wie vor), mich mit meinen innersten Zweifeln und Konflikten aktiv auseinanderzusetzen; ich vermeide es, so gut es geht, und nicht aus freiem Willen, sondern weil irgendein Teil von mir es mir so vorschreibt. Ich habe Schwierigkeiten, mein Blögchen zu betreiben, weil mir nicht einfällt, was ich schreiben könnte, während die Sachverhalte mir nicht zugänglich sind, die es wert wären, sich damit zu beschäftigen. Daraus ergibt sich dann die (berechtigte) Befürchtung, ein falsches Bild zu vermitteln, und daraus wiederum der Unwille, überhaupt etwas zu schreiben. Ich habe ewig gedacht, es läge daran, dass ich nicht mehr alleine wohne und die Zeit für Anderes aufwenden möchte, aber eigentlich ist es alles nur Teil eines gigantischen Verdrängungsmechanismus. Ich bin mir nicht sicher, was mit dieser Feststellung nun anzufangen ist, aber ich bin jedenfalls froh, sie gemacht zu haben.

‚Obwohl‘ ich sollte…

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Irgendwie beruhigt es mich, dass keine neuen Bots mehr meine Einträge liken. Durch das lange Wegsein hat auch die Anzahl der vermutlich menschlichen Blogbesucher sich extrem verringert und ich kann mir wieder einreden, hier unbeobachtet vor mich hinexistieren zu können.

Ich habe der Lethargie zumindest soweit getrotzt, dass ich eine grobe Idee ausarbeiten konnte, wie mein Referat nächste Woche aussehen wird. Die Recherche dazu war nicht gerade gründlich und noch weniger ergiebig, aber… immerhin. Ich bin müde, obwohl ich bis zehn nach elf geschlafen habe. (Und da mein Referatsthema „Semantische Arten kohäsiver Konjunktionen“ lautet, klingelt jetzt offenbar bei jeder getippten Konjunktion in meinem Kopf eine dumpfe Alarmglocke, siehe „da“, „obwohl“.)

In keinem Jahr meines Lebens hat mich so wenig vorweihnachtliches Gefühl erreicht wie in diesem. Ich habe beide Adventssonntage unbeachtet verstreichen lassen und der heutige Nikolaustag rief sich mir nur in Form eines extrem großzügig gestalteten Geschenks aus Mamas letztes Wochende mitgebrachtem Adventskalender in Erinnerung. (Sie hat nicht nur mir eine riesige Tüte voller sparsam verpackter, liebevoll ausgesuchter und mit Nummern beschrifteter Geschenkchen mitgebracht, sondern R genauso mit einem nicht weniger prachtvollen Sammelsurium beschenkt, ich war fast zu Tränen gerührt.)

Ich schaffe es nicht, den Psychiater anzurufen. Meine Medis reichen noch für ~eine Woche. Ich bin verloren.

Ich bin so unfassbar lethargisch und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Das ist doch kein Zustand. Zumindest kein akzeptabler.

Grenzenlose Unmöglichkeiten

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Was habe ich eigentlich immer gemacht im Internet?

Meine Situation ist die folgende: Ein dumpfes Dröhnen belagert meinen Kopf, die arme Katze tut dasselbe mit meinem rechten Arm (ich habe ihr vorhin ein Tröpchen Schmerzmittel ins Maul geträufelt, woraufhin sie sich wenig später in eine weitaus bequemere Lage hinein entspannte und ich mir erstmal eine Stunde lang das Handgelenk verrenkte, um mit der Computermaus weiter navigieren zu können), mir ist ein wenig zu warm, mein Hintern tut vom Sitzen weh wie schon die vergangenen Tage immer (AoE II lässt grüßen; dank R bin ich jetzt ein hilfloser Suchti), und die Fülle von Möglichkeiten hinter der zuvor so lange verschlossenen Tür meines Browsers überfordert mich. Maßlos.

So etwas Uninspiriertes hat die Welt noch nicht gesehen. Ich muss erstmal die ganzen Schranken in meinem Kopf wieder abbauen und die Überwindung aufbringen, die ganzen Menschen zu kontaktieren. Ein paar habe ich schon geschafft heute (sonst würde mich auch meine Mikrowellenkatzenkollegin morgen nicht besuchen kommen), aber so viele stehen noch aus. Und natürlich packe ich das nicht alles auf einmal. Wo kämen wir denn da hin. Zeit nutzen war dieses Jahr nicht unbedingt meine größte Stärke, obwohl ein entsprechender Ausriss aus irgendeiner Zeitschrift im Flur an meiner Tafel hängt („jetzt Zeit nutzen…“). Der hängt seit Jahren an dieser Tafel, mit Ausnahme der Taborweg-Zeit, die das gute Stück im Keller verbringen musste, aber viel genützt hat er mir nicht. Oder eher: Viel genutzt habe ich ihn nicht. Meine Güte, was bin ich abgesackt in Untätigkeit dieses Jahr.

Ich setze, wie mir gerade aufgeht, eine stille Hoffnung in diese meine endlich mögliche Wiederaufnahme des regelmäßigen Schreibens. (Sicher, schreiben hätte ich auch offline können, aber um Himmels Willen, woher die Motivation nehmen, wenn am Ende kein Abschicken-Button gedrückt werden kann. Ich tue das hier ja nicht umsonst vor (hypothetischem) Publikum. Und es erstaunt mich immer wieder, was für Selbstheilungskräfte im Veröffentlichen meiner wirren Gedanken stecken. Wobei es absolut Sinn macht, wenn ich bedenke, dass es mir selten genug in den Sinn kommt, etwas für mich zu erreichen, wenn es sonst niemand mitbekommt. Das Gefühl, mich selbst nicht enttäuschen zu können, habe ich erst, wenn jemand Anderes involviert ist. Konfrontation mit den Dingen, die getan werden müssen, ist also um Einiges möglicher, nachdem der Welt verkündet wurde, dass sie getan werden müssen. Und somit letzten Endes auch endlich mir selbst.

Schon halb neun und nichts getan.

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Es ist schwer, zu entscheiden, was ich tun soll – bloggen, aufs Klo gehen, Caro anschreiben, ob sie Zeit hat zu reden, Abendessen machen. Irgendwann sollte alles noch untergebracht werden heute, in diesem meinem ersten arbeitsfreien Tag seit Wochen.

Ich kann gar nicht glauben, wie vollkommen meine Untätigkeit heute war. Hier hänge ich also auf R’s Bett, im Schlafzeug, aus dem ich den ganzen Tag nicht rauskam, nachdem ich dessen erste Hälfte eh verschlafen hatte. Um zwölf schlafen hat dann doch nicht so hingehauen. Ich war so froh, es endlich wieder fertiggebracht zu haben, mich an den Computer zu schwingen und dann noch mein Blögchen aufzurufen, dass ich bestimmt drei Stunden lang mich nicht dazu durchringen konnte, die Seite wieder zu verlassen. Ich habe wieder mal mein halbes Leben durchgelesen gestern Nacht.

Oh, wie mir das gefehlt hat. Ich kann gar nicht glauben, dass es nur ein Monat war, den ich bloglos verbringen musste. Andererseits, was soll man machen, wenn man nicht riskieren will, dass Trudi, die dieses schöne Plätzchen des Internets irgendwann mal erstalkt hat, sich an meinem Umziehchaos erfreut und trotz konsequenter Abwesenheit alles mitbekommt, das im trauten Heim so vor sich geht. Nun, da sie eh im Bilde ist, kann mir das natürlich auch wieder egal sein. Zum Glück auch. Nach dem Treffen mit dem Verwalter gestern meinte sie dann, nochmal mit einem unvergleichlichen Aufgebot an Dreistigkeit beweisen zu müssen, dass sie auch wirklich genau der erbärmliche Mensch ist, als den ich sie letztendlich kennenlernen durfte, wenn nicht nochmal ein Stück erbärmlicher, aber wen wundert’s. Dieses Fass hat ganz offensichtlich bei der Frau keinen Boden. Wie sagte R so zutreffend zu ihrem Auftritt gestern: „In einem Punkt hat sie Recht. Du kannst ein ziemlicher Dickkopf sein.“ Und über meine halbherzigen Proteste hinweg: „Aber andererseits muss man sich schon verdammt viel rausnehmen, um dich gegen sich aufzubringen.“

Nunja. Ihr scheint es noch nicht genug zu sein, mich aus meiner Wohnung herausgeekelt zu haben; da müssen schon noch ein paar mehr verzweifelte Schikaneversuche herhalten – wenn das nicht mal von Charakter zeugt. Oh well.

Dieser eine faule Tag war mir jetzt aber auch wieder genug. R verkündete mir heute aus Heidelberg die frohe Botschaft, einen Lagerraum für unsere (größtenteils meine) Besitztümer klargemacht zu haben; dafür misten er und Arne zeitnah noch einen Keller aus. Schande, dass ich nicht dabei sein kann – als gäbe es etwas Schöneres, als im Gegenzug für ein bisschen Lagerfläche anderer Leute Gerümpel organisieren zu dürfen. (Das Schlimme an dieser Aussage ist wohl, wenn ich das von außen mal so betrachte, das absolute Fehlen jeglicher Ironie.) Ich werde derweil dafür sorgen, dass in der Wohnung schonmal alles zum Streichen fertig ist und der Kleiderschrank abgebaut und in Bastis Wohnung verschleppt werden kann. Außerdem wird das Band-Equipment, das noch bei mir im Keller steht, auf irgendeine Art und Weise da herausgeschafft werden müssen, und auch wenn ich jetzt in Heidelberg schonmal einen Platz für mein Zeug haben sollte, bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob die riesigen Boxen und das monströse Mischpult wirklich darunter sein sollten. Uff. Entscheidungen.

Vollständig verpflanzt.

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Ich glaube, ich bin fertig.

Oha, was für ein Akt. Ich habe in ein paar Tagen meine gesamten bisherigen Blogschwallungen mit allem an Bildern, Audio-Links und sonstigen nicht importierbaren Geschichten vervollständigt, dabei noch auf Funktionalität der Youtube-Links kontrolliert und alles Mögliche an Reperaturen nachgerüstet, die ich seit Ewigkeiten schon hätte vollzogen haben sollen – auch auf der alten Variante.

So viel habe ich umzugsbedingt zu tun gehabt hier, dass ich kein einziges Mal dazu kam, einen neuen Eintrag zu verfassen. Dafür aber jetzt – und der wird jetzt auch absolut so hyperinteressant, wie man es nach halbwöchiger „Abwesenheit“ erwarten könnte. Nicht. Sorry. Ich hab leichte Kopfschmerzen und es dreht sich alles. Mit einem Blog umzuziehen ist ein bisschen wie einen Sticker von der Wand abziehen; die Hälfte bleibt kleben und ziert fortan hochdekorativ den ehemaligen Heimatort, während die andere Seite zwar mit intaktem Motiv, aber ohne so richtig kleben zu wollen sich an allen Ecken und Enden vom neuen Bestimmungsort abzulösen droht. Die ganzen Aufnahmen und Bilder und untereinander verlinkte Einträge habe ich nun also wieder dort angebracht, wo sie hingehören, sodass sie ihrer Funktion als klebriges Bindemittel (danke, Mama, für diesen ewig währenden Insider, den ich hier seit unserem Türkei-Urlaub konsequent mit mir selber durchziehe) aufs Neue nachkommen können und diese Aufgabe zum Glück auch blendend erfüllen. Ganze zwei Dateien fehlen mir jetzt noch – die Stümmel-Memo von Reality Can Wait, welche hoffentlich noch auf Simones Laptop vor sich hingammelt, und das Video vom RN-Treffen 5, das demnächst zukommen zu lassen mir Caro bereits versprochen hat.

Jetzt muss ich nur aufpassen, mich nicht irritieren zu lassen, und einfach so weitermachen wie gehabt.

Shit, wie kann ich so müde sein. Und wie kann es eigentlich angehen, dass dieses Theme mir nicht erlauben will, die Uhrzeit meiner Posts anzuzeigen. Ich bin mehrfach darauf aufmerksam geworden, wie irritierend das in alten Einträgen teilweise wirkt.

Weißt du was – ich geh‘ schlafen. Wenn R aus dem Contrast kommt, werde ich eh lang genug wachwerden, um ihm mitzuteilen, dass Essen im Ofen steht.

Hallo, hier bin ich! Hier oben!

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Du glaubst nie, was passiert ist. Es ist schon ein paar Stündchen her (genauer gesagt, über einen Tag), dass R zu eher fortgeschrittener Nachtstunde mein Zimmer betrat und mich mit den Worten „Du hast einen phänomenalen Schreibstil. Und du solltest weitermachen.“ und der anschließenden Bemerkung „Jetzt weiß ich, warum ich immer bei Boggle verliere“ aus dem Schlaf holte. Ich hatte beim Exportieren meines Zweitblogs „Save the Lettuce“ festgestellt, dass den letzten Eintrag ein echter Mensch außerordentlich positiv kommentiert hatte, was mich so freute, dass ich postwendend diesen Artikel zu Facebook stellte, wo ihm R über den Weg lief und so erstmals dazu kam, sich etwas Geschriebenes von mir anzusehen.

Wahrscheinlich ist die schiere Exhileration, die das bei mir auslöste, nicht hundertprozentig nachvollziehbar, solange man außer Acht lässt, 1) dass R das Lesen und Verfassen von Texten selbst nicht unbedingt fern liegt, er dem geschriebenen Wort keine geringere Bedeutung beimisst, als ich das selber tue, und ich weiß, wie viel er auf sich und seine eigenen Fähigkeiten diesbezüglich gibt, 2) dass es ihm eigen ist, jedes Gespräch, jeden noch so kleinen Wortwechsel ohne Rücksicht auf Verluste an sich zu reißen, sodass diese Möglichkeit, zu erfahren, dass ich im Bereich Eloquenz und Mitteilungsbedürfnis durchaus auch so meine Aufenthaltsberechtigung habe, für ihn eine äußerst wertvolle und dazu rare war, 3) wie glücklich ich bin, dass er sich dafür überhaupt interessiert hat, was ich da verzapft habe, und 4) wie wichtig mir seine Meinung ist, selbst in diesen Gefilden, wo ich mich zu Hause fühle wie ein Fisch im Wasser.

Ich schwebe bald aus dem offenen Fenster raus, so sehr freue ich mich, wenn ich daran denke. Jetzt habe ich natürlich gleich das Bedürfnis, ihm alles, was ich je geschrieben habe, unter die Nase zu halten, um noch mehr von dieser wundervollen Anerkennung zu bekommen, sie aufzusaugen und mich davon zu ernähren, wie ich es so an mir habe. Halt, nicht gut; das ist nicht gerade, was ich erreichen wollte, als ich mir neulich sagte, ich sollte Dinge mehr für mich selbst tun als für Andere. Aber ich bin irgendwie eh zur Hälfte Wolpertingerwelpe, die leben auch ausschließlich von Zuneigung. Mein anderer Elternteil ist dann wohl, den Umständen entsprechend, ein Heliumballon.

Natürlich habe ich so oder so manchmal mit dem Gedanken gespielt, ihm den Blog zu geben; es wäre dann das erste Mal, dass ich die Adresse selbst und freiwillig herausrücke. Trust Issues und ungerechtfertigte Zurückhaltung könnte ich mir dann jedenfalls definitiv keine mehr vorwerfen. Und zumindest müsste ich mich nie wieder darum sorgen, irgendein besonders grauenerregender Teil von mir würde irgendwann aus einer Ecke hervorkommen, wenn man es am wenigsten erwartet, ihn aus dem Hinterhalt überfallen und in die Flucht schlagen, nur weil ich versäumt hätte, ihn darüber in Kenntnis zu setzen, dass sich so etwas in meiner Welt herumtreibt. Wie ich mich kenne, wäre die Kreatur eh nicht besonders furchteinflößend, sondern eher unermesslich fremdschäm- oder facepalmerregend, irgendetwas Erbärmliches aus Şahin-Zeiten oder Post-Şahin-Zeiten, was weiß ich denn, was sich in den Tiefen meiner hier verschriftlichten Seele vergangener Jahre noch alles an schrecklichen Dingen verbirgt.

Oh, ich bin ratlos.

Es ist nicht so, als hätte ich sonst nichts, worüber ich mir Gedanken machen könnte, aber da ich die aktuellen Uni-Probleme lieber verdränge als alles Andere, bleibst du an dieser Stelle davon verschont. Ich werde mich trotzdem vorsichtshalber daran machen, an der Hausaufgabe fürs Kolloquium zu arbeiten.