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Essen, Pflanzen, Sonne – glücklich.

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Unglaublich. Ich habe mir soeben den besten Brotaufstrich aller Zeiten zusammengemischt, und zwar allein aus dem Grund, dass es zunächst so aussah, als hätte ich nichts, was ich auf mein Laugenbrötchen hätte drauftun können. Aber oh, das Leben ist so schön, wenn man nur kreativ (und Containertarier) ist, und so hatte ich im Handumdrehen eine Packung Nordseekrabben mit einer klein geschnittenen halben Petersilienwurzel, fünf zerstückelten Champignons und Knoblauchpaste in dem altbewährten Öl- und Kräutergemisch brutzeln, in dem einst die riesigen Mengen Antipasti vom Konstanzer Großmarkt eingelegt waren. Dazu noch frische Petersilie und Dill, welche ich letzte Woche zusammen mit den Krabben beim hiesigen Großmarkt ergattert hatte, Salz und Pfeffer und Paprika und einmal drüber mit dem Pürierstab. Was für ein Traum.

Das Wetter ist auch ein Traum. Gestern habe ich mir noch in der unfassbarsten Sintflut die Haare unter dem Regenrohr der Über-Nachbarn gewaschen und ein ganzes riesiges Arsenal an Plastikeimern darunter aufgestellt, damit es uns nicht den Balkon flutet. (Unsere Neben-Nachbarn haben keine Eimer unter dem Balkon über ihnen; denen läuft auch schonmal das Wasser in die Wohnung rein.)

Und meine Pflänzchen. Langsam, aber sicher sprießt und grünt es in meinen zahlreichen Kübeln und Töpfchen und Kästen; mir ist mittlerweile die Erde ausgegangen und ich konnte längst nicht all meine Behältnisse bepflanzen, geschweige denn die riesige Terrasse mit so viel Grünzeug füllen, wie ich gerne hätte. Aber es ist ein Anfang. Ein guter. Ich habe fast alles aus Samen gezogen, sodass es ewig gedauert hat, bis sich da mal etwas blicken ließ, und der Prozess des Sich-blicken-lassens ist auch noch lange nicht abgeschlossen, aber ich habe das vollste Vertrauen in meine Bepflanzung. Bisher zeigen sich Schnittlauch, Kichererbsen, Rucola, Babyleaf-Salat, Tomätelchen, Kohl, Sonnenblumen, Kerbel (oder Petersilie – ich kann es noch nicht erahnen und habe vergessen, auf welche Seite des Kastens ich was gesät hatte), Ringelblumen, Dahlien, Jungfer im Grünen und ein paar Nachkommen des letztes Jahr aus Norditalien mitgebrachten Indischen Springkrauts.

Außerdem habe ich ein paar Kräutertöpfchen gerettet: Salbei, Estragon und Waldmeister sowie zwei Sorten Minze erfreuen sich nun endlich eines halbwegs pflanzengerechten Daseins. Noch hinzu kommen diverse Keimlinge von Getreide und Hülsenfrüchten, die ich als Sprossen letzte Woche containert und kurzerhand unter die Erde gebracht habe.

Noch auf sich warten lassen Rittersporn, Löwenmäulchen, Petersilie (oder Kerbel, s. o.), Erbsen, Morning Glory, Kapuzinerkresse, Traubenkopf-Leimkraut und die gelb blühende Pflanze, deren Samen ich bei Waltraud im Garten gesammelt und die ich bis heute nicht identifiziert habe. (Nicht dass ich mir große Mühe gegeben hätte. Vielleicht wird es ja dieses Jahr was, vorausgesetzt, sie kommt noch zum Vorschein.) Aber selbst wenn das jetzt alles ist, das sich dieses Jahr einen Weg ans Licht gesucht hat – ich bin hochzufrieden und freue mich unendlich darauf, wenn es soweit ist und alles anfängt zu blühen. Bzw. so groß ist, dass man es essen kann. Herrliches Leben!