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Substanzlose Weihnachten

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Na, sowas hab‘ ich ja schon immer ganz besonders geliebt. Aus was für Löchern sie alle gekrochen kommen, ich will’s gar nicht wissen. Heute Früh hatte ich tatsächlich eine Whatsapp-Nachricht mit „Frohe Weihnachten :)“ von Barbaras Freund. Jap, von demselben Menschen, dem ich nicht übel Lust hätte die Augen auszukratzen, sollte ich ihm mal persönlich begegnen, so wie er sich angestellt hat im kurzen Verlauf unserer Bekanntschaft (und nach allem, was ich über Dritte erfahren habe).

Kann es sein, dass es sich um einen dieser komischen Menschen handelt, die zu solchen Gelegenheiten eine Nachricht mit dem gleichen Inhalt an all ihre Kontakte schicken (was traurig wäre angesichts dessen, was sich in den Kontaktlisten bei den meisten Leuten alles tummelt)? Oder was denkt sich jemand sonst dabei? Hey, es ist Weihnachten. Wir reden zwar nicht miteinander, aber an Weihnachten muss man sich gratulieren, kontaktieren oder, noch schlimmer, aussöhnen, vertragen, benehmen. Natürlich hat niemand die Absicht, sich auszusöhnen, sich zu vertragen, irgendetwas Substanzielles an dem eigentlich porösen Kontakt oder sogar Nichtkontakt wieder aufzubauen. Und das ist das eigentlich Schlimme an diesen Nachrichten, sie geschehen pro forma, weil jemand sich denkt, man macht das eben so. Ein Glück hält Robert nichts von Weihnachten, sonst würde der mir am Ende auch noch schreiben.

Ich fand’s selbst von Caro schon grenzwertig, die ebenfalls mit einem Anderthalbzeiler von sich hören ließ, allerdings seit Beccis und meinem Besuch im Sommer weder die Zeit gefunden hat, mal zu telefonieren, noch auf meine sporadischen Nachfragen sonderlich enthusiastisch (wenn überhaupt) eingegangen ist. Komm schon. Von solchen Feiertagsnachrichten fühlt man sich mir nichts, dir nichts zum Gelegengeitsbekannten degradiert, dem man aus Pflichtgefühl ein inhaltsloses Häppchen wirft.

Allerdings scheine ich mit dieser Ansicht alleine dazustehen. Selbst mein Onkel meldete sich dieses Jahr per Whatsapp. Er ist so wortkarg in seiner schriftlichen Kommunikation, dass die Meldung „Frohes Fest usw. Bin leider krank.“ schon fast überdimensional lang wirkte. Aber ich hätte auch darauf verzichten können.

Davon ab könnte ich mich nicht unweihnachtlicher fühlen. Ich habe einen Computer und eine Katze auf mir liegen, was praktisch den Durchschnitt meines Gesamtzustandes im Jahr ganz gut widerspiegelt, muss noch sieben Seiten meines aktuellen Scribbr-Auftrags bearbeiten und dann irgendwie die Wohnung präsentabel machen, bis meine Eltern sie heute Abend betreten, sowie am besten noch meine Erkältung loswerden, um diesbezüglich Kommentare von meiner Mutter zu vermeiden. Draußen stapelt sich die Ausbeute unseres vorgestrigen Containerzugs und die meiner gestrigen Abholung beim Vietnamesen. Mein Kühlschrank ist nur zur Hälfte vorhanden, die andere Hälfte steckt in der Spülmaschine, um von widerlichem Dreck gesäubert zu werden, der sich in einem eindeutig zu langen Zeitraum darauf angesammelt hat und den mit der Hand zu beseitigen ich beim besten Willen nicht über mich bringe. Allerdings ist die Spülmaschine relativ leer und ich weiß nicht, wie ich sie noch gefüllt bekommen soll, um sie rechtzeitig vor der Ankunft meiner Eltern zum Laufen zu bringen, damit ich den Kühlschrank wieder einräumen kann. Im Trockner ist noch eine Ladung Wäsche. Sehr realistisch, das alles noch geradebiegen zu wollen bis sechs Uhr abends. Aber man wird sehen, wie weit ich komme… Ezina ekinez egina.

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Leben! Ja! (Happy holidays.)

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Ich habe das Gefühl, ich wache auf. Ich merke es an allen möglichen Ecken und Enden, vor allem daran, dass ich den Dingen wieder ins Auge sehen kann.

Ich möchte mein Aufwachen gar nicht so sehr zelebrieren, wie ich es tue, denn natürlich weiß ich nicht, wie lange es diesmal anhält. Aber wenn es nun einmal das erhebendste Gefühl der Welt ist…Yes, meine Gefühle sind wieder da!

Ich habe eine Hunderterpackung Escitalopramtabletten in meiner Tasche. Neunundneunzig sind noch drin. Dieser riesige Stein, der mir damit vom Herzen fällt. Dazu bekam ich von der überaus freundlichen Psychiaterin auf meine Nachfrage hin zwei Empfehlungen für Psychotherapeuten, bzw. -innen, deren Art der Interaktion mit dem Patienten sich (ich habe mich vergewissert) grundlegend von der meiner damaligen Therapeutin unterscheidet, und eine entsprechende Überweisung noch dazu, und eine neue Diagnose: Ich habe mich dieser zufolge von mittelschwerer zu leichter Depression hochgearbeitet, oder besser gesagt: wurde von den Medis dorthin hochgeschaukelt. Jetzt kann ich mir überlegen, ob (und ich hätte fast Lust darauf) ich an den verbleibenden meiner Mängel nochmals im Zuge einer Therapie versuchen möchte zu arbeiten. Auch wenn es mir, wie ich heute der Psychiaterin auch sagte, im Vergleich zu Prä-Medi-Zeiten ja wirklich um solche Welten besser geht, dass ich kaum wage, mich zu beschweren.

Ich habe eine feste Verabredung mit R, heute Abend Regale anzubringen. Das wird mir guttun, denn jedes wieder angebrachte Regal bedeutet natürlich den Einzug von einem Funken mehr Ordnung auf unsere Baustelle. R ist unheimlich genervt von meinen einrichterischen Unternehmungen (Marke Hochbett und damit verbundene Umräumaktionen). Ich habe versucht, ihm begreiflich zu machen, dass es mir damit kaum besser geht, was zwar paradox erscheinen mag bei der Häufigkeit, mit der diese bei mir auftreten, doch (wie ich hoffe) verständlicher, wenn ich Caros einstige Feststellung anbringe, ich würde einfach sehr viel auf mich nehmen, um ein gewisses Resultat zu erzielen (damals ging es um die Mengen an Essen, mit denen ich mich foodsharerischerweise abgeschleppt habe, vor denen Andere vermutlich kapituliert hätten).

Ich habe mich, wo ich schon beim Thema bin, auch zum ersten Mal im Leben auf foodsharing.de selbst in ein Abholteam eingetragen. Wir haben in Konstanz nie wirklich mit der Website gearbeitet und alles über Facebook und Google organisiert, sodass ich selbst als Betriebsverantwortliche bisher mit der Seite nichts zu tun hatte. Ich mochte die Organisation in Konstanz wesentlich lieber, aber ich schätze, es macht schon Sinn, die Seite zu nutzen, wenn man in einer Stadt von doppelt so großer Bevölkerung agiert. Irgendwann kann man eben nicht mehr alles zentral organisieren. Was ich extrem schade finde, aber okay.

Ich habe meine Katze auf dem Bauch liegen, zwischen mir und dem Computer, und höre sie ganz leise schnurren. Sie ist eine komische Katze, deren Schnurren man kaum je zu hören bekommt, obwohl die Vibrationen häufig zu spüren sind, wenn man sie streichelt. Und ab und an, wenn sich ihr Schnurren doch einmal auf eine für menschliche Ohren wahrnehmbare Lautstärke heraufschraubt, alle Jubeljahre mal, ertönt eine Art verstopftes Geräusch, das mich immer denken lässt, dass ihre Schnurrkanäle Aktivität dieser Klasse kaum gewohnt sind und zwischendurch einrosten.

Ich werde von Kommilitoninnen gefragt, ob ich mit in die Mensa komme, mehrmals, und eingeladen, sie nach der Uni zu begleiten – wie heute -, um eine weitere Kommilitonin vom Probearbeiten im um die Ecke gelegenen Café abzuholen und bei der Gelegenheit selbst noch einen Kaffee zu trinken. Das hört sich so unheimlich selbstverständlich an, aber auf der Radfahrt bis zur Bushaltestelle wurde mir wieder einmal klar, wie undenkbar es noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, diese Art Leben zu führen. Und so bin ich wieder dankbar, obwohl es grau draußen ist, und kann, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon lebe, so wie es Kepa neulich tat, ohne Zweifel und mit gutem Gewissen antworten, dass es schon vier ganze Jahre sind.

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Biharra ez da existen…

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eta ala ere ziur gaude gaurkoa ez dela amesten genuenaren antzekoa.

Zu lange nicht gehört gehabt, Denak ez du balio.

Außer mit Musikhören habe ich den Tag damit verbracht, der nicht enden wollenden Anti-Ordnung in meinem Haushalt irgendwie beseitigenderweise hinterherzuhecheln. Mama kam am Freitag mit einer weiteren Wagenladung meiner ehemals im elterlichen Keller gelagerten Besitztümer an, darunter eine Kiste voll mit alten Schulzetteln und Klausuren, um deren Sortierung ich mich heute vorwiegend gekümmert habe. Sehr viel davon ist nach Jahren des unnötigen Aufbewahrtwerdens nun tatsächlich endlich im Müll gelandet; einseitig freie Blätter wurden zu einem Bogglepapierstapel monströser Ausmaße zusammengeschichtet und die Klausuren sowie einige ganz bemerkenswerte Erinnerungsstücke habe ich dann doch behalten. Die Küchenablage, auf der dieser Prozess vonstattenging, ist nach wie vor in Papiere gehüllt; das endgültige Wegsortieren mancher Stapel gestaltet sich schwierig, solang die Bürosachen in Schlaf- und rosa Zimmer noch nicht richtig strukturiert sind und überhaupt das rosa Zimmer in diesem unzimmerwürdigen Zustand sich befindet.

Ich bin nicht so weit, wie ich gerne wäre. Mein Referat für den 14. dieses Monats habe ich nichtmal angefangen zu machen, mich nichtmal ins Thema eingelesen. Gleichzeitig habe ich mich heute wirklich mal angestrengt, nicht auf der faulen, lethargischen Haut zu sitzen, soweit diese Bemühungen bei zwei geschwänzten Unikursen heute überhaupt zählen. Beim Auf- und Abhängen der Wäsche ergibt sich übrigens das gleiche Problem; ich habe zwar am Freitag drei Maschinen gewaschen, kann aber mein Zeug nicht gescheit wegsortieren, solang mein Kleiderschrank nicht an seiner endgültigen Position angekommen ist. Dafür wiederum muss das rosa Zimmer zumindest an der Stelle, wo jetzt der Schrank hinsoll, von den gerümpelartig herumliegenden Gegenständen befreit werden. Dafür wäre es natürlich ideal, das Regal über dem Schreibtisch schon an der Wand zu befestigen, aber das schaffe ich nicht alleine, muss also R zum Aufhängen einspannen, was schwierig ist, weil der entweder sich abends auf Sitzungen herumtreibt oder vom Arbeiten so fertig ist, dass ich es nicht schaffe, ihn nach der Hochbettaktion um noch mehr Heimwerkerarbeitsmithilfe zu bitten.

Nebenbei: Da stand ich gestern in Frankfurt auf dem Billy-Talent-Konzert und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich die Band zum ersten Mal vor mehr als neuneinhalb Jahren gesehen hatte. Es war merkwürdig. Aber ein grandioser Abend. Mein ganzer Körper leidet noch unter den unvermeidbaren Nachwirkungen von anderthalb Stunden durchgehendem Headbangen und Springen. Ich fühlte mich in die Zeiten zurückversetzt, in denen ich ein gutes Konzert genau danach beurteilte, wie taub anschließend meine Ohren und wie kaputt meine Gliedmaßen waren, wie sehr meine Schuhe klebten, wie sehr ich nach Rauch und Bier stank. Es ist gar nicht mal so lange her, dass ich überhaupt Konzerte zu besuchen anfing, auf denen es nicht die Regel ist, zwischen halbnackten, massigen, muskulösen pogenden Männern eingequetscht zu sein. Gestern waren keine solchen Zeitgenossen um uns herum zugegen, leider. Wir waren zu weit hinten, auf der Höhe der Soundinsel, und mein hyperaktives Konzertverhalten war bei weitem das bewegteste in meinem direkten Umfeld, was unter Anderem zur Folge hatte, dass ich mir an der Schulter eines dieser menschlichen Felsen vor mir halb den Kiefer gebrochen habe und andauernd paranoid war, jemandem auf die Füße zu springen. Aber ganz ehrlich, WTF, wie könnt ihr ruhig da herumstehen bei einer Band von Billy Talents Genialität, die euch vielleicht wie mich seit länger als einem Jahrzehnt das Leben mit hochwertigen musikalischen Momenten füllt und live so gut ist, dass man nicht anders können sollte als vollkommen durchdrehen. Selbst wenn sie mittlerweile nicht mehr die hochkarätigen Setlists aufstellen können wie am Anfang ihrer Karriere (welchen ich ja streng genommen auch nicht ganz mitbekommen habe, dafür aber verlässlich ab dem zweiten Album habe mitverfolgen können), weil einfach nur noch Zeit für die ganz großen Hitsingles bleibt. Wie das nunmal so ist, bedauernswerterweise – ich bezweifele fast, dass ich Juwelen wie The Navy Song, Nothing to Lose, Pins & Needles, The Ex, The Dead Can’t Testify oder Worker Bees noch einmal live zu hören bekomme. Aber das sind alles vergangene, leuchtende Momente, deren Erinnerung umso wertvoller ist im Angesicht ihrer heutigen Rarität.

Ich sollte mich um mein Referat kümmern.

Wir haben Dezember?!

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Das ist komisch. Ich meine, im Grunde war es zu erwarten. Wäre auf den 30. November etwas Anderes gefolgt als Dezember, hätte ich mehr Berechtigung, erstaunt zu sein. Trotzdem ist der Dezemberanfang immer wieder ein erstaunliches Ereignis. Sicher geht es nicht nur mir so.

Ich habe vorhin den Spanischkurs geschwänzt und stattdessen zweimal in Folge den Computer bei AOE besiegt. Offenbar kann ich mich jetzt an die „Extrem schwierig“-Stufe wagen. Noch offensichtlicher bin ich zocksüchtig und werde daher vermutlich die Matura nicht schaffen, meinen Vater zutiefst enttäuschen und mein Leben lang weiterspülen.

Zuerst aber muss mein Bett fertig werden. R und der Brandt haben das gestern nämlich noch nicht geschafft, deshalb ist es heute an mir, mit Brandt zusammen den Rest zu montieren. Was für eine Katastrophe. Ich kann den Mann nicht ausstehen, aber er hilft uns nunmal. R sagt, ich solle das Ganze als eine riesige Komödie betrachten, um da durchzukommen. Das schaffe ich zwar eh nicht, aber ich habe meine eigenen Coping strategies, die gleich zum Einsatz kommen werden. Die und das feste Ziel, heute damit durchzukommen, was beides hilfreich sein dürfte. Wenn R um halb elf dann nach Hause kommt, MUSS es geschafft sein. Brandt bleibt eh nur bis acht. Oh, welch perfektes Chaos. Was bin ich froh, wenn das geschafft ist.

Produktives Chaos

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Mir fiel vor ein paar Stündchen auf, wie sehr der Zustand meiner Wohnung zu dem Text passt, den ich neulich über Bakunins Anarchievorstellung gelesen habe. Zwar wage ich zu bezweifeln, dass Bakunin damit einverstanden wäre, nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass sich aus dem heillosen Durcheinander heraus bald ein neues, funktionierendes Ganzes zusammensetzt.

Es ist nämlich so, musst du wissen, dass das Monsterprojekt Hochbett dafür gesorgt hat, dass der gesamte Rest der Wohnung wieder so aussieht, als wären wir gerade eingezogen. Und es fühlt sich auch so an. Nichts ist fertig, alles ist provisorisch. Wir schlafen auf der Couch, mein Bett ist mein Kleiderschrank, mein echter, ausgeräumter Kleiderschrank blockiert R’s Schrank, Möbel stehen in der Mitte des (ehemals) rosa Zimmers, Regale mussten von der Wand weichen und blockieren den Werkzeugschrank, Werkzeug liegt auf dem Schlafzimmerboden verteilt, der Drucker ruht mitten im Wohnzimmer auf meinem Keyboardstuhl und wartet darauf, resettet zu werden – während ich darauf warte, dass sich im rosa Zimmer das Chaos lichtet, damit ich dort endlich das Netzteil für den Drucker finde, um ihn resetten zu können -, in der Küche liegt die riesige Lampe, die an die Decke des rosa Zimmers soll; die Bilder, die ich erst aufhängen kann, wenn alles fertig ist, schlafen mit uns auf dem Sofa, und in der Mitte von alldem thront, was will man Anderes erwarten, Boggle. Und jetzt wundere sich noch einer, dass ich hier nichts auf die Reihe bekomme. (Ich glaube, es wundert sich niemand außer mir selbst.)

Ich bin mal kurz durch die Wohnung getigert und habe den Ausnahmezustand fotografisch dokumentiert. Heute Abend legen wir eine weitere Bettsession mit dem hilfsbereiten Hobbyhandwerker von oben ein, der jahrelang hier Hausmeister war und dessen Wohnung noch nie ein anderer Handwerker von innen gesehen hat. Glück muss man haben. Ich bin heilfroh, dass R darauf bestand, ihn um Hilfe zu bitten; ich hätte das beim besten Willen nicht hinbekommen. (Das Bettbauen nicht und das Um-Hilfe-bitten auch nicht.) Wenn alles gut geht, sind wir dann auch endlich so weit, das Bett in Betrieb nehmen zu können. Danke, Gowai. Denn das hier noch länger auszuhalten übersteigt meine Fähigkeiten.

Gewissen bereinigt, die Wohnung noch nicht.

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Chaotisch sieht’s aus hier. Manche der Kisten sind so schwer, dass ich sie allein nicht bewegen kann, und in der Mitte des Raumes steht mein Orangentisch und blockiert noch den letzten verbleibenden Durchgang. Aber ich komme voran.

Ich hatte mir mehr vorgenommen für heute, als ich schaffen werde. Gut, dass morgen auch noch ein Tag ist, und zumindest die wichtigen Dinge erledigt sind. Ich habe mich endlich gezwungen, Keyla und Vanny zu schreiben. Nachdem ich denen nämlich verkündet hatte, sie im April besuchen zu kommen, und dann das ganze Disaster über mich hereinbrach, hatte ich mich bis vorhin nicht dazu bringen können, sie darüber in Kenntnis zu setzen. Ich habe versucht, ihnen so ehrlich wie möglich zu erklären, wieso ich mich so unfassbar asozial angestellt habe in dem Punkt.

Letztendlich beläuft es sich darauf, dass ich ein riesigs Problem damit hatte, mich selbst mit der Tatsache zu konfrontieren. (Das war mal eine Reise, die ich seit fünf Jahren geplant hatte. Ein Versprechen, das ich gedachte einzuhalten: Wenn ich fertig bin mit Studieren, komme ich wieder. Jetzt einzusehen, dass ich dank Trudi die für Familienbesuch eingeplante Zeit für Umzüge aufbringen sollte und das entsprechde Geld für hirnrissige Dinge wie Umzugswagen und einen Vodafone-Vertrag, von dem ich nichts mehr habe… Mäh.) Und darauf, dass wie so oft der letzte Strohhalm einfach der war, es durch Nichtkommunizieren den Mitbetroffenen gegenüber einfach nicht real werden zu lassen. Vielleicht der gleiche Dämon, der Trudi geritten hat, als sie mir monatelang verschwieg, dass sie den Strom nicht gezahlt hatte. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Keylas und Vannys Licht noch angeht.

Vielleicht sollte ich doch noch etwas mehr erledigen. Ich habe aufgrund suboptimaler Wetterbedingungen (anders gesagt, widerlicher Sintflutregen) bisher davon abgesehen, das Haus zu verlassen; so liegt auch der Geburtstagsbrief für meinen Onkel noch hier herum, auf dem zwei Cent zu wenig Porto klebt, und ich habe meine geplante Riesenbackaktion (zwecks Eier-, Quark- und Frischkäsevernichtung und gleichzeitigem Füllen der leeren Einmachgläser zu gewissensfreierem Mit-Umziehen) noch nicht ausführen können, da der dafür benötigte Zucker leider Gowais in Bastis Wohnung verweilt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – es sieht gerade verdächtig hell aus da draußen, fast, als wäre es Tag.

Wobei, Moment mal. Heute ist Schlüsselübergabe in Heidelberg. Mein Vater, der das übernimmt, kommt nachher hier vorbei, sodass es theoretisch möglich wäre, den Zuckertransport ganz sicher regenfrei im Auto zu erledigen. Wie wär’s? Oh herrliches Leben.

Außerdem habe ich es dafür heute schon geschafft, meine Flüge nach Bilbao und zurück zu buchen; da es so aussieht, als würde ich es dieses Jahr tatsächlich mal ins Barnetegi schaffen, war diese Aktion heute verpflichtend. Die ersten beiden Juliwochen, grob gesagt, werde ich mir also so viel Euskera reinprügeln, wie es mein untrainiertes Siebhirn nur zulässt. Wenn ich also jetzt noch den Heidelberger Stadtplan ausdrucke, um am Dienstag die Wohnung auch ganz sicher zu finden, wäre doch aus diesem überschwemmten Tag schon wieder das Meiste herausgeholt.

When unbelievabilities accumulate…

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Ach, das ist doch alles weird. Mein Leben war so ruhig in der letzten Zeit. Jetzt kommt zwischen dem Trudi-Drama (sie weigert sich beharrlich, mich anzurufen, und zahlt den Strom vermutlich am Sanktnimmerleinstag, sodass der Verwalter und ich sie jetzt augenscheinlich in Gemeinschaftsarbeit mit rechtlichen Maßnahmen aus der Wohnung befördern müssen) noch eine Turbulenz dazu, allerdings in die andere Richtung: Eine positive Nachricht.

Eine sehr positive, wenn man bedenkt, dass es das Letzte ist, mit dem ich gerechnet hätte. Da gehe ich vorhin nichtsahnend und grottig gestimmt in mein Unimailkonto, um Trudi die vom Verwalter geforderte Vorlage für ihre Kündigung zu schicken, als mir auf einmal eine Mail vom Plank ins Auge sticht – er hat mir die Bewertung und das Ergebnis meiner Bachelorarbeit geschickt. 1,3. Eins drei, ich habe meine Bachelorarbeit mit eins drei bestanden. Und wie ich gelobt wurde. Der Mann ist eine Koryphäe, der ich selbst dann noch Respekt entgegengebracht hätte, hätte er meine Thesis wie eigentlich erwartet in der Luft zerrissen. Stattdessen schreibt er mir „Weiter so“ – er, der Meister der Ein-Wort-E-Mails. Das bedeutet mir unendlich viel mehr, als hätte ich diese Anerkennung von einem anspruchslosen bzw. weniger rigoros bewertenden Dozenten erhalten.

Heute Abend gehe ich zu meinen Eltern; R hat zwar ob der Nachricht meines bestandenen BAs sogar angeboten, seine Contrast-Schicht zu canceln, um mit mir zu feiern, aber das holen wir dann morgen nach. Oh, du hast ja keine Ahnung, wie mir dieser Mensch gerade hilft. So hatte ich mir das vorgestellt, damals, als ich noch kaum Vertrauen hatte. Als das Nervenbündel, das ich gerade nunmal bin, habe ich ihm mitten in der Nacht gestern noch ein Drama geliefert, was dann in der Offenbarung meiner letzten verbleibenden großen Angst endete, er würde mich irgendwann der Politik opfern. (You know something’s wrong when the first verse of Frank Turner’s „Substitute“ is an exact projection of what you suspect to know will happen at one point or another.) Irgendwie habe ich das Gefühl, er wird immer lieber zu mir, je mehr ich ihm mich zu verstehen gebe. Oh, welch eine Lebensaufgabe. Aber auch da habe ich gestern wieder ein riesiges Stück geschafft. Ich glaube, es ist inzwischen nicht einmal mehr sehr viel übrig.

Und Kepa, wohl meine wertvollste Connection in (unter vielen anderen) dieser Hinsicht, begutachtet momentan meinen Mietvertrag. Und der Verwalter ist so ein guter Mensch. Ich liebe meine Menschen.

Ich nehme mit zum Camping… Zeltstangen schonmal nicht.

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Ich sitze in der Gemeinschaftsküche eines Amsterdamer Campingplatzes. An Bastis Smartphone. Ich fasse es nicht; ich verfasse einen Blogeintrag an einem Handy. Ich komme mir vor wie eine Oma, die gerade entdeckt, dass das moderne Zeitalter ja irgendwie doch auch Vorzüge hat.

Mosquitos suchen mich heim und ich sitze hier allein aus dem Grund, dass das Handy noch 50% laden muss, weil ich nachher seine Taschenlampe brauche.

Basti ist mit seiner langjährigen Amsterdamer Freundin jetzt in der Stadt etwas trinken und ich bin äußerst dankbar, dem furchtbaren Schicksal, die beiden zu begleiten, auf die letzte Sekunde entronnen zu sein. Da nunmal leider das Niederländische nicht zu den Sprachen zählt, die ich beherrsche, wurde es mir trotz aller Mühen von beiden Seiten schon während des Essens zu bunt und ich beschloss kurzerhand, weder ihnen noch mir das länger als unbedingt notwendig anzutun. Jetzt freue ich mich auf einen Abend mit Hotel New Hampshire und meinem kuschelig warmen Schlafsack.

Unsere Anreise, Ankunft und Zeit nach der Ankunft gestaltete sich, wie mit zwei Spezialisten von unserer Sorte nicht anders zu erwarten, mal wieder sehr speziell. Angefangen damit, dass wir aufgrund meiner Schusseligkeit zu Hause fast den Zug verpasst haben, gefolgt von den drei Stunden Warten auf den verspäteten Anschlusszug, Bastis verlorenem Geldbeutel keine zwei Stunden nach unserer Ankunft in Amsterdam und nicht zuletzt der traumatischen Erkenntnis, dass er die Zeltstangen daheim vergessen hatte. Ein paar Stunden später hatten wir unser Zelt behelfsmäßig mit Bambus auf- und uns selbst häuslich eingerichtet, hatten uns mit Campingplatz und Umgebung vertrautgemacht und Bastis Freundin auf der Suche nach Bambusstäben zufällig auf ihrer Arbeit besucht. Stellt sich raus, sie arbeitet in der lokalen Gärtnerei.

Ich werde mich jetzt allerdings verabschieden hier; das ganze Berichterstatten verbraucht viel zu viel Akku

Wunder, oh Wunder.

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So. Caro ist weg, R ist weg, ich geh‘ arbeiten. Rede heute Abend mit Laura, die mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, spontan vom 2. bis 6. irgendwo hinzufahren. Und mit Caro, bevor die morgen nach Portugal entfleucht. Unwirklich. Sonntag bin ich dann wohl in München; R schien für seine Abreise vorhin einen ähnlichen Grad an Begeisterung aufzuweisen wie ich, und mir passt es super in den Kram, schonmal ein Stück weiter oben zu sein, wenn ich ab dem 2. eh mit Laura unterwegs bin. Von München aus bin ich im Zweifel schneller da, egal wo es uns am Ende hinverschlägt.

Es wird jedes Mal schlimmer mit diesem Kerl, oder eher damit, ihn wieder weggehen zu lassen.
Ein einziges Rätsel, das alles. Ich habe im Lauf der letzten Tage noch einige der skurrilen, einzigartigen, bemerkenswerten Gestalten kennengelernt, die er in dieser Stadt zu seinen Freunden zählt, und frage mich wieder einmal, wie um alles in der Welt ich da reinpasse. Ich bin dieser formlose Mensch zwischen all den herrlichen Ecken und Kanten und Mustern und Farben. Aber ich werd‘ mich nicht beschweren; wenn er meint, ich kann da mithalten, dann ist dem offenbar so. Auch wenn ich mal wieder nicht die geringste Ahnung habe, wie ich das mache. Und dann ist er derjenige, der singt, „es gibt doch sooo viele Männer.. Warum gerade ich, frag ich mich“ – frei nach Funny van Dannen. Versteh einer diese Welt.

Ach, ich hab‘ so keine Lust, arbeiten zu gehen. Argh. Ich bin müde wie Teufel. Die letzte Woche war einfach nur wunderschön. Genau wie die davor. Und Caro geht es besser.
ABER ICH BIN SO MÜDE. Ich pack‘ niemals acht Stunden Arbeit heute. Trudi verkündet mir, dass man beim Kaufland jetzt Jamie-Oliver-Grillsachen für seine Treuepunkte bekommt. Ich bin davon nur mäßig beeindruckt, was vermutlich verständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Leben hoffentlich nie mehr dazu kommen werde, eine derart horrende Menge an Kaufland-Treuepunkten anzusammeln, dass ich sie gegen Jamie-Oliver-Grillsachen eintauschen könnte.

Ach Fuck. Which reminds me, ich muss noch beim Großhandel vorbeifahren, um für Basti das Tomatensuppenpulver einzusammeln, welches er gestern dort gesehen und dann aber keine Kapazitäten hatte mitzunehmen. Shiiit, ich muss mich fertigmachen. ICH BIN DOCH SO UNGLAUBLICH MÜDE.

Mein Zimmer sieht aus wie Sau. Naja, es könnte schlimmer sein, aber dass ich vor drei Tagen hier Großputz veranstaltet habe, glaubt mir bei dem Anblick definitiv niemand. Caro vielleicht, die dabeiwar. Sonst womöglich noch Kepa, dem das Vermüllungsgesetz ja auch zur Genüge bekannt ist. Mit dem sollte ich auch die Tage mal reden; jetzt ist er zwar erstmal in Köln, aber irgendwann muss ich doch auch mal Details über Namibia erfahren. Meine Namibia-Reise, die er letztendlich ohne mich unternommen hat. Während ich überglücklich zu Hause hing. Ein Hoch auf abstruse Zufälle.

Darf ich dich behalten?

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Ich hab‘ dann heute einfach mal mit einem Nicken geantwortet, statt wie zuvor mit verbalen Ausflüchten à la „ich würd‘ gerne behalten werden“. Nachdem ich offenbar nach wie vor unfähig bin, eine Verbindung zwischen meiner Innenwelt und hörbar geäußerten Worten herzustellen – danke auch, zu gut funktionierende unfreiwillige Selbstschutzfunktion – gebe ich mir umso mehr Mühe, das, was ich nicht sagen kann, auf jede erdenkliche andere Art zu demonstrieren. Vielleicht haben diese Aussagen von ihm – „wie bin ich nochmal an den liebsten Mensch der Welt gekommen?“ – auch darin ihren Ursprung. Er kann reden. Wenigstens einer von uns. Wie sagt er so schön (und ich will nicht wissen, seit wie vielen Jahrzehnten zu wie vielen Menschen, aber am Ende waren es vermutlich doch weniger, als ich mir denke) – kennst du das, wenn du dein Glück berühren, aber nicht fassen kannst?

Er wäre nicht unsicher, würde er den Unterschied feststellen zwischen dem, was ich tue, und dem, was ich normalerweise inclined wäre zu tun. Er hat nicht die Spur einer Ahnung, was für eine riesige Diskrepanz besteht zwischen dem, was ich inclined bin zu tun, und dem, was mich der immense Grad an Zuneigung, die ich ihm mittlerweile entgegenbringe, letztendlich zu tun befähigt. Jeder Mensch, der mich kennt, müsste mich nur drei Minuten lang in seiner Gegenwart beobachten und könnte ihm aus vollster Überzeugung versichern, dass dieses Verhalten durch nichts erklärbar ist außer ebenjenem Zustand vollkommener geistiger Verwirrung.

Ich höre Bueltatzen auf Repeat, seit nunmehr schon fast einer Stunde.
Ich weiß, ich weiß. Aber egal, was das am Ende für Dramen mit sich bringt; wer weiß, wann sich mir das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, jemandem Bueltatzen an den Hals zu dichten.

Das ist doch unmöglich. Jemand liebt mich, und ich glaube es auch noch. Natürlich glaube ich nicht, dass das lange so bleibt, geschweige denn ein schmerz- und zerstörungsfreies Ende nimmt, aber jemand liebt mich jetzt gerade, und ich liebe ihn zurück. Wie absurd ist das bitte. Ich hatte mit der Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, ehrlich gesagt in diesem Leben nicht mehr gerechnet.

Jetzt macht der Luxmensch wieder Probleme. Argh. Argh. Argh. Würde ich nicht so unbedingt wollen, dass er R’s Wohnung bekommt, wäre mir das ja alles egal, aber er MUSS es irgendwie heute hierher schaffen. Boah Mensch.. was für ein Chaos. Nebenbei erwähnt – ich habe noch nichts gepackt. Nichts. Und morgen bin ich weg. Theoretisch. Das wird ja mal lustig.