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Gegenverkehr und erschöpfende Einkäufe

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Seit Langem scheint dies heute mal wieder ein Tag zu sein, an dem ich denke: „Ich sollte Sachen besser machen. Ich habe alle Voraussetzungen dafür.“

Ich muss wieder mit dem Zocken aufhören. Es frisst all meine Zeit und begünstigt die zweifelhafte Coping-Strategie aus Apathie und Verdrängung, die ich perfektioniert habe.

Aber das nur so am Rande. Ich habe noch eine Stunde, bis ich den Bus zu Marthe nehme (mein Fahrradakku ist nicht ganz aufgeladen und der Regen- bzw. Hagelschauer gerade trug auch nicht unbedingt dazu bei, dass Fahrradfahren zur Verlockung wird). Bis dahin muss ich duschen, und zwar dringendst.

Ich habe bis halb zwei Uhr geschlafen – ich bin aufgewacht und konnte es kaum glauben. Wobei es Sinn macht, da wir gestern Abend beim Containern überdurchschnittlich viel gefunden haben und ich zwischendurch schon kaum noch die Augen aufhalten konnte. (Passend dazu fällt mir soeben der skurrile Traum ein, den ich hatte. In einem Abschnitt davon war ich im Auto unterwegs – nein, nicht im Auto, ich ging zu Fuß, aber war schnell wie ein Auto und lief mitten auf der Straße – der Boden war voll von Eidechsen und ich erinnere mich, dass ich eine spezielle Lauftechnik entwickelt hatte, um diese mit den Füßen beiseitezuschieben und so zu verhindern, dass ich darauf trat; es war niemand dort außer mir. Gut so, denn ich war so müde, dass ich mit geschlossenen Augen lief. Rechts von der Straße befand sich ein Abgrund. Irgendwann nahm ich in der Ferne ein entgegenkommendes Fahrzeug wahr; mir war klar, dass ich die Augen öffnen musste, um ihm auszuweichen oder vielmehr sicherzustellen, dass ich auf meiner eigenen Spur lief, aber ich war zu müde und schaffte es einfach nicht. Das Auto kam näher und näher und ich zog mit den Fingern meine Augenlider auseinander, als könnte ich mich so zum Sehen zwingen, erfolglos. Das Auto rauschte vorbei und streifte mich ganz knapp; ich war unversehrt.)

Der müde Punkt war längst überschritten, als ich um zwei Uhr nach Hause kam. R war natürlich bereits im Bett und machte keine Anstalten, dort herauszukommen, also habe ich all die Kisten und Taschen mit Essen (zwei davon für Wolfgang, eine so schwer, dass ich sie kaum hochheben konnte) möglichst geräuschlos durch die Wohnung auf die Terrasse verfrachtet und mich anschließend mit einem Glas Multivitaminsaft aufs Sofa gesetzt, um wieder zu mir zu kommen, bevor ich ins Bett ging.

Nun bin ich ausgeruht und erleichtert, dass mir in der Zwischenzeit kein Scribbr-Auftrag durch die Lappen gegangen ist. Auch das Wetter bietet allen Grund zur Erleichterung; wäre es so warm wie letzte Woche, hätte die Ausbeute von gestern den Vormittag auf der Terrasse weniger unbeschadet überstanden. So dagegen kann sie ruhig bis heute Abend dort verbleiben und darauf warten, dass R und ich unserer neu implementierten Arbeitsteilung entsprechend gemeinsam das Einräumen und Versorgen übernehmen. Nur um das Fleisch muss ich mich vorher kümmern, damit die Katze schonmal etwas zu fressen bekommt.

Nun wird aber erstmal geduscht. Und nachdem ich von Marthe zurück bin, habe ich dann durch das Nicht-Zocken Zeit für alles Weitere.

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Jetlag

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– wer hat mir das angetan?

No, seriously though, I’m feeling funny. Actually, beyond funny. I can’t remember the last time I’ve felt this funny.

Funny as in weird, of course.

Ich habe bis 4 geschlafen (pm, that is), mich dann mit größter Mühe zum Aufstehen gezwungen (obwohl der Körper protestierte und die generell vorherrschende Dunkelheit des Tages alles Andere als positiven Einfluss auf meine Willenskraft ausübte), Frühstück gemacht, zwei Folgen Scrubs angesehen und dabei den Energy vernichtet, den Becci mir vor ein paar Wochen mitgebracht hatte, anscheließend meine Großeltern angerufen, um mich zurückzumelden, dann mit Basti geredet, dann Rezepte für Rasgulla und Roti gegooglet und nun meinen Weg hierher gefunden, um zu erzählen, wie komisch ich mich fühle.

In einer Stunde muss ich wach genug sein, um zum Containern das Haus zu verlassen. Yannick hatte mir gestern bereits geschrieben, ob ich vor Weihnachten nochmal mit auf Beutezug komme. Natürlich komme ich. Auch wenn ich irgendwie noch nicht richtig da bin.

Ich habe schon mehrfach versucht, die Indien-Erfahrung in Worte zu fassen; es ist mir bislang nicht sonderlich gut gelungen. Vielleicht tut es das, wenn ich wacher bin. Vermutlich allerdings nicht. Wer sich schonmal in indischen Großstädten herumgetrieben hat und an das erste Mal zurückdenkt, wird mich an dieser Stelle verstehen.

Shit. Jetzt bin ich in meiner Recherche einer potenziellen neuen Kamera abgedriftet und darf mich in einer halben Stunde schon aus der Wohnung zwingen. Uff. Aber was tut man nicht alles für sein Essen. Und da meine Eltern mich übermorgen besuchen und ihr Raclette mitbringen, muss und möchte ich sowieso für ausreichend Zutaten sorgen.

Alles Weitere also später.

#andeneigenenhaaren

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Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

Restaurationsarbeiten

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Mein Ohrwurm von „Tuyo“ ist wieder da.

Y cuales deseos me vas a dar, oooh, dices tú, mi tesoro, basta con mirarlo… y tuyo será… y tuyo será…

Und der Titel des orangenen Buches ist mir eingefallen, One Day, nachdem ich seit Tagen mit der deutschen Übersetzung – Wie ein einziger Tag – im Kopf gelebt hatte. Oh Hirn. Dazu kam dann auch gleich Dexters Nachname – Mayhew? – und die Erkenntnis, dass – jetzt, wo ich so drüber nachdenke – das Buch auch permanent in Sichtweite im Regal stand. Aber seit wann macht man es sich so einfach.

Ich habe heute einiges vor mir. Das Ausmaß der containerten Schätze, die es nach einem Ausflug wie dem gestrigen zu versorgen gibt, erinnert an einen Schweizer Monatseinkauf in Konstanz (bloß dass mir am Ende niemand die Mehrwertsteuer zurückgibt). Außerdem ist die Wohnung dreckig wie sonstwas und muss dringend gesaugt werden. Eigentlich ja gestern schon, aber da habe ich mich nunmal erfolgreich durch das Vergangenheitsdurchwühlen vom gegenwärtigen Leben abgehalten.

Immerhin scheint heute wieder die Sonne.

Memories

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Irgendwie war mein Leben ergreifender, als ich mich noch mehr mit Dingen konfrontiert habe. Ich sollte damit wieder anfangen. Selbiges erzählte ich gestern Abend auch R und kam aus heiterem Himmel darauf, mir mal Holzrosensamen zuzulegen. Die sollten doch helfen. Ich komme mit dieser Konfrontationsunwilligkeit und dem damit verbunden sinnlosen Vormichhinexistieren nicht mehr klar. So ändert sich ja nie was bei mir.

Es schüttet aus Kübeln draußen, den Großteil des Tages schon, mit einer Stunde Pause gegen fünf. Außerdem schüttet es in Kübel; ich war eben nochmal draußen, um die Eimer umzuverteilen, während ich mit R telefonierte, der mich fragte, ob es klüger sei, das Fahrrad in der Arbeit stehen zu lassen und den Bus zu nehmen. Bei ihnen unten würde es nur ein bisschen tröpfeln, aber er würde ja den Horizont in unserer Richtung sehen. Gut, dass er anrief; ich wäre nichtmal darauf gekommen, ihm bescheidzusagen, weil ich dadurch, dass ich kein Semesterticket mehr besitze, diese Möglichkeit des Trockenbleibens immer ganz vergesse.

Aber was bin ich froh über diese Sintflut. Eine meiner Azorenpflanzen ist seit gestern am Blühen, die zweite kurz davor, und es sieht so wunderbar aus, wie das tropisch herabprasselnde Wasser von ihren Blättern abperlt. Sie fühlen sich hoffentlich richtig zu Hause.

Ich habe heute, wie schon ganz lange nicht mehr, damit verbracht, einen Teil meiner hier dokumentierten Vergangenheit durchzulesen. Es war gut, dass ich das getan habe; auf diese Art konnte ich feststellen, dass ich zwischen 2010 und heute in der Tat ein paar elementare Entwicklungsschritte vollziehen konnte.

Weiterhin habe ich, dem Vorhaben eines 2012er Eintrags gemäß, mich motiviert gefühlt, tatsächlich mal „Eberybody“s Changing“ von Keane auf der Gitarre durchzuspielen. Nun kann ich das also auch mal. Und ich habe mich an den Moment erinnert, in dem ich in Costa Rica vor dem Computer saß und „You Be Tails, I’ll Be Sonic“ zum ersten Mal gehört habe. Und an ganz viele andere Momente auch.

Nun erfordert aber das nahende Ende des Tages meine Rückkehr in die Gegenwart. Ich habe mir vorgenommen, die Putenkeule zuzubereiten, die ich letzte Woche mit Yannick containert habe. Ich habe so etwas noch nie getan und hoffe nur, dass es nicht so lange dauert, wie ich es gerade befürchte. Nachher fahre ich nämlich schon wieder los, weil Yannick danach über eine Woche im Urlaub ist (schon wieder – oh, gesegnetes Informatikerdasein; irgendwann wird es R auch mal so ergehen) und er mich für heute Abend nochmal auf eine Schatzsuche eingeladen hat.

Von demher: bis bald.

Sunshine, my old friend.

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Und schwupps, auf einmal ist es Sommer. Ich sitze in Top und kurzem Rock auf der Terrasse und schwelge in der Wiedervereinigung mit meiner Lebensspenderin Sonne. Schwer vorzustellen, dass vor so Kurzem die Welt noch kalt und finster war.

Die Terrasse ist präpariert für den Einzug der Pflanzen, obschon der natürlich noch einen guten Monat hin ist. Die Komposteimer sind wieder in Betrieb genommen, Kübel teilweise mit Erde befüllt, die Überlebenden des Winters ausgemacht und versorgt. Die Pfefferminze sprießt schon fröhlich; der Schnittlauch macht den Eindruck, nie weggewesen zu sein; Petersilie habe ich aus dem Kasten in ein Töpfchen und Rucola zum Topinambur in den Eimer verfrachtet. Hallelujah, ich kann wieder leben.

R ist arbeiten und wird sich nachher das Qualifying ansehen; ich könnte zum Großhandel fahren oder es bleiben lassen. Man wird sehen. Vielleicht fahre ich nachher zum neuen Spot und schaue beim Großmarkt auf dem Rückweg vorbei. Oder nicht. Zuerst einmal lasse ich es mir gut gehen, trinke mein Bier, solange es kalt ist, lese mein Buch und sauge den Sommer auf.

Pendlerträume

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Uff. Ich hänge mitten in einem Containerbeutezug der uneleganteren Sorte – Bus in die Stadt hatte Verspätung, Anschlussbahn verpasst, in der Zeit FairTeiler abgeklappert, dann Großhandel (mäßiger Erfolg) und kleiner Edeka (gar nichts), daraufhin eine knappe halbe Stunde Warten auf die Bahn zum neuen Spot, relativ erfolgreich (nicht quantitativ, aber dafür Konserven!). Dann die Bahn zurück um Sekunden verpasst trotz seitenzerstechendem Sprint mit der Ausbeute auf den Schultern. Halbe Stunde warten. Da bin ich gerade noch bei. Alles, was dem Ganzen jetzt noch einen draufsetzen könnte, wäre, den Bus nach Hause auch noch zu verpassen. Selten so ein vereintes Pech gehabt. Kurz vor dem Nervenkasper.

Habe R angerufen, um mich zumindest zu vergewissern, dass ich nicht schmerzlich vermisst werde, sondern er sowieso noch am Lernen ist. Dem war tatsächlich so. Ich habe unser geplantes Käsefondue auf morgen verschoben, denn das muss zelebriert werden und taugt nicht für einen Abend wie diesen, der zum Zeitpunkt meiner Rückkehr faktisch bereits vorbei ist. Zudem sind Wunden in meinem Mund, weil ich mir gestern im betrunkenen Zustand einmal links, einmal rechts auf die Lippe gebissen habe. Das hätte meine Fonduefreude heute zusätzlich gehemmt. Stattdessen habe ich R mit der Vorbereitung einer Topinambur-Möhren-Suppe beauftragt, die ich dann gleich nur noch pürieren und würzen müssen werde. Er rief vorhersehbarerweise ein paar Minuten später nochmal an, um sicherzugehen, dass der Topinambur auch wirklich die braunen Knollen waren, die er dafür hielt – ich wusste, wer mich anruft und warum, in dem Moment, als mein Handy klingelte. Das hat mich glücklich gemacht. Ich mag es, jemanden so gut zu kennen.

Gut. Die Zeit, bis die Bahn kommt, habe ich mir also schonmal erfolgreich verschrieben. Wenn ich gleich den Bus nach Hause bekomme, bin ich bereit, mich mit meinem Schicksal nochmal zu versöhnen.

Society, you’re a crazy breed.

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Seit Langem war ich nicht mehr so glücklich wie heute.

Gestern vielleicht. Aber das kommt auf eins raus; seitdem ich AoE in jeglicher Form von meinem Computer verbannt habe, fühle ich mich wie neugeboren, als hätte ich meinen Platz in der Welt wieder gefunden und lückenlos aufs Neue eingenommen, als wäre ich nie weg gewesen.

Es ist warm draußen, viel wärmer, als vierzehn Grad vermuten lassen, und ich war viel zu dick angezogen, als ich Pfand wegbringen ging heute Nachmittag. Ich habe mit Becci telefoniert, während ich zum Kaufland fuhr, dann schnell die Pfandgeschichte erledigt und zwei Knollen Knoblauch illegal aus dem Supermarkt entführt – ich habe eine neue Gewohnheit daraus gemacht, jedes Mal beim Pfandwegbringen eine Kleinigkeit mitgehen zu lassen, Spülmaschinenklarspüler oder gerebelter Knoblauch oder NicNacs oder Knoblauch in Reinform, so wie heute. Das ist schon möglich. Und meinem Gewissen tut das gut; ich fühle mich trotz vollständigem Lebensmitteleinkaufsboykott immer noch zu hörig gegenüber den Supermärkten und es bereitet mir Kopfschmerzen, dass ich das abgefuckte System durch Klopapier- und Spülmaschinenpulvereinkäufe nach wie vor unterstütze. Dann wenigstens irgendetwas Kleines klauen. Ich habe sehr spät damit angefangen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen ihre kleptomanische Phase in ihrer Jugend ausleben und dann hinter sich lassen; ich sehe es trotzdem nicht ein.

Heute also zwei Knollen Knoblauch. Ich bin glücklich und gleichzeitig verwundert, warum ich darauf nicht viel früher kam. So viel früher; was hätte mir die Erkenntnis, dass auch ich in der Lage bin zu klauen, zu Einkaufszeiten an Gewissensbissen erspart. Klauen gegen das schlechte Gewissen, schon eine komische Herangehensweise an die Dinge. Aber so denke ich.

Natürlich habe ich lose Knoblauchknollen eingesackt, keine im Netz. Dann wären es ja auch drei gewesen. Ich dachte mir aber, ich bin mit zwei Stück erstmal ganz gut beraten.

Dann war ich containern. Es gab beim Großhandel gar nichts, dafür habe ich auf dem ganzen Weg mit Becci telefoniert. Beim kleinen Edeka habe ich zwei Topfpflanzen, Lauch und ein paar Zwiebeln gefunden sowie einige Fläschchen Schlagrahm. Dann spontan noch zum FairTeiler: mehr Zwiebeln, Zucchini, Möhren, Paprika, Tomaten und Topinambur. Volltreffer. Doch nicht mit leeren Taschen nach Hause zurückgekehrt. Ich hätte es auch sonst nicht schlimm gefunden, weil ich Becci auf dem Hinweg und mein Buch auf dem Rückweg dabeihatte.

Der Brandt klingelte, als ich gerade dabei war, den Lauch im Kühlschrank zu verstauen, um sich zurückzumelden. Ich hatte den Auftrag gehabt (und gerne angenommen), mich um seine Bonsais und Orchideen zu kümmern, während die beiden im Urlaub waren. Nun hat seine Frau, Ilona, geäußert, wir sollten uns doch mal auf ein Weinchen bei ihnen oben treffen. Ich habe wirklich nichts dagegen. Nachbarschaftliche Bindung kann in so einem Mehrparteienhaus wirklich nur von Vorteil sein.

Ich bin betrunken, das nur ganz am Rande.

Nach der AoE-Löschaktion gestern habe ich mir Maltes Filmtipp zu Gemüte geführt, Into the Wild. Ich war davon mehr als geringfügig verstört; der Mensch ist wirklich gestorben? Aber diese Menschen braucht doch die Welt, wie konnte er sterben?

Dafür habe ich mir ein Lied aus dem Soundtrack beigebracht, gestern Abend und heute Mittag. Society.

Natürlich ist das jetzt nicht perfekt oder ansatzweise so etwas. Aber immerhin hat es einen Laien (zumindest gehe ich stark davon aus, dass es einer ist) kurz sprachlos gemacht: natürlich musste ich das Werk gleich Malte zukommen lassen, immerhin verdanke ich ihm die Bekanntschaft mit dem grandiosen Soundtrack eines nicht weniger grandiosen Films.

Ich bin so durch den Wind, ich ziehe gerade allen Ernstes in Erwägung, nochmal containern zu fahren. Diesmal zum anderen, neueren Spot. Aber ich glaube, das lasse ich lieber; ich war ja vorgestern dort und an einem Tag wird so viel nicht zusammenkommen, dass es sich lohnen würde, die Stunde dorthin in der Bahn zu verbringen.

Andererseits, wieso eigentlich nicht. Ist ja nicht so, als würde ich hier noch etwas Produktives anfangen.

Man wird sehen, was ich um 23.08 Uhr letztendlich anstelle.

Meine Mutter würde es Schicksal nennen.

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Erst so früh? Ich bin hellauf begeistert, ich hätte es weit nach Mitternacht geschätzt.

Heute war ich – unglaublich, aber wahr – seit vor meinem Geburtstag zum ersten Mal wieder alleine containern. Diesem Leben, das wenig enthält außer Zocken, ein bisschen Arbeit und Lethargie, fehlte die Komponente des Alleine-Containern-Fahrens ganz furchtbar, auch wenn das bedeutet, dass mein durch Autogefahrenwerden verwöhnter Körper mal wieder die volle Dröhnung einer vollen Stunde in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den eigenen zwei Füßen bis zum Spot hin aushalten musste. Und natürlich war es, war ich dann einmal unterwegs, überhaupt nicht mehr schlimm und alles lief wie geschmiert.

Und weil ich beim Großhandel nicht den Monsterfang aller Monsterfänge gemacht hatte, beschloss ich kurzerhand, noch den neuen Spot ein paar S-Bahn-Haltestellen weiter anzusteuern, den ich bisher nur mit Auto zu erreichen geglaubt hatte. Hah. Gedankt sei meiner Eingebung, es trotzdem mal zu versuchen. Es gibt eine Haltestelle praktisch vor der Tür.

Auf dem Weg dorthin machte ich Bekanntschaft mit einem äußerst speziellen Menschen, der mich beim Warten auf die Bahn anquatschte. Ob das in meiner Hand ein Telefon sei. (Es war das AG. Ich nickte.) Ob ich auch in Schriesheim wohne. Eine Frage – ich sei „wundersüß“, ob ich einen Freund hätte. Er erklärte mir, er sei geistig behindert aufgrund von Kriegstraumata, und er war auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber er war eine herzensgute Seele. Er mochte mich. Als ich seine Frage nach dem Freund bejahte, ging er zur nächsten Laterne und tat, als würde er mit dem Kopf dagegenhauen. Warum nur ich einen Freund hätte? Dann erzählte er mir von seinen Problemen mit Beziehungen, dass er so gern eine Freundin hätte, aber ihn die Frauen immer nur verarschen würden. Er sei in Therapie deswegen. Und wegen des Kriegs. Frauen vergewaltigt. Eine Frau war schwanger, und… Dazu die Bewegung mit beiden Händen, wie um sich selbst den Bauch aufzureißen. Und Kinder… Die selbsterklärende Pantomime; Waffen, Mord und Totschlag. In den Himmel würde er wollen, dort hätte er keine Probleme mehr. Er müsse unentwegt heulen, immer in der S-Bahn, selbst im Schlaf würde er heulen. Er hätte sich extra den deutschen Pass gemacht und alles, aber bekäme einfach keine Arbeit. Einen Mann aus dem Feuer habe er gerettet, Gasexplosion, die Freundin sei nach Hause gekommen, es war da Feuer, sie habe nicht gewusst, dass er drin ist. Wenn er sterben würde, seine Leiche wäre hier nicht willkommen, man müsse ihn nach Albanien verschiffen, der Sarg mit seinem Namen sei vorbereitet, alles fertig und bezahlt. Ich habe nicht viel gesagt. Was soll man dazu auch sagen. Außer: Das dauert aber noch eine Weile.  In der Bahn standen wir zusammen, weil ich vom Containern zu beladen war, um mich hinzusetzen. Ich sagte ihm, nur nicht aufgeben, nicht aufgeben. So viel, wie er schon geschafft habe… Er bat um Erlaubnis, mich umarmen zu dürfen. Er fand, ich sei ein guter Mensch, und fasste sich ans Herz dabei. Er wünschte mir und meiner Familie ewiges Wohlergehen, Reichtum und Dergleichen mehr. Wie heftig entsetzlich einfach die ganze restliche Welt zu ihm gewesen sein muss, dass er mein Zuhören als eine solche Wohltat begriff. Er stieg an der gleichen Station aus wie ich und wir umarmten uns erneut. Er war wie ausgewechselt, so froh darüber, dass er den Arm ausstreckte und meinte, er habe Gänsehaut. Natürlich kannte er das Wort nicht. Dann rannte er, ein euphorisches Geräusch von sich gebend, davon in Richtung seiner Wohnung. Ich würde mir einfach wünschen, dass dieser Mensch eine Freundin findet, die sein ganzes großes schweres Päckchen mit ihm tragen kann und ihm nie, nie, niemals irgendetwas Böses tut. Oder noch besser, dass er irgendwie lernt, dieses Gewicht selbst zu stemmen, und es vielleicht irgendwann streckenweise sogar einfach vergisst.

Dann jedenfalls habe ich Soja- und Mandelmilch und einen kleinen Joghurt containert, meinen Bus nach Hause gerade so noch erwischt (jemand hielt mir die Tür auf, so eine gute Welt heute), mir ein Abendessen zubereitet (bestehend aus Brötchen mit Hering in Tomatensauce, Letzteres eine freundliche Spende von Becci) und mich unverzüglich wieder ans Zocken gemacht, weil ich vor dem Losgehen hier im Begriff gewesen war, das erste Spiel seit Tagen gegen den Computer zu gewinnen. Zudem habe ich das letzte Bier vernichtet, das noch draußen im Kasten war. Jetzt sitze ich über Ostern auf dem Trockenen. Wenn man von meinem, was ebenfalls Becci zu verdanken ist, zum Bersten gefüllten Likörschrank einmal absieht.

On a side note: Die Therapeutin sagt, ich solle die Medis noch nicht absetzen. Zuerst müsse ich Motivation bekommen. Ich war seit Langem nicht mehr so positiv überrascht von der Frau. Sie hat mir genau das vorgeschlagen, was ich mich selbst nicht getraut habe zu sagen: Auch wenn kein akutes Tief gerade vorherrscht, so ginge es trotzdem noch immer ein gutes Stück besser.

 

Es wird.

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Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.