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Auferstanden aus Ruinen – Texte, Menschen.

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Noch gute zehn Seiten und ich bin fertig mit diesem Grottentext. Oh, wie ich Studenten mittlerweile verachte… zumindest diejenigen, deren Abschlussarbeiten ich praktisch neu schreiben darf, während sie im wahrsten Sinne die Credits dafür einheimsen. Worthülse für Worthülse fällt der unerbittlichen Zerstörungskraft meiner Delete-Taste zum Opfer. Satzruine um Satzruine baue ich um, werte ich auf, mache ich lesbar für Augen, die mindestens so empfindlich sind wie meine.

Das ist anstrengend, das ist frustrierend, das ist auch irgendwo einfach wahnsinnig ungerecht. Aber natürlich kann ich mich nicht beschweren – ich mache diese Arbeit gut, ich mache sie zumindest so gern, dass ich nicht dabei verkomme, und ich habe keine Alternative. Was ich habe, ist alle Flexibilität der Welt und – essenziell für mein Funktionieren in jeder Hinsicht – meine Selbstbestimmung. Und noch dazu, wenn das auch definitiv eine untergeordnete Rolle spielt bei dem Niveau, das diese Texte haben größtenteils, die Möglichkeit, in verschiedenste Themen Einblicke zu bekommen. Noch dazu – viel interessanter eigentlich – in die Leben und Köpfe verschiedenster Menschen.

Ja, im Großen und Ganzen will ich wirklich nicht meckern.

So nebenbei:

  • Basti ist Vater geworden; sein Sohn kam am 3. Mai auf die Welt. Alles gut soweit.
  • Ich hatte die letzte Woche über freundlichen Besuch von einer Blasenentzündung, die mittlerweile (ich hoffe!) kaum noch spürbar, aber auch noch nicht ganz verschwunden, in den allerletzten Zügen hängt.
  • Ich habe so absolut keine Lust auf diese Bolivienreise, aber ich weiß natürlich, dass sich das ändern wird, sobald ich sie antrete.
  • Ich werde zuvor zwei Tage in Konstanz verbringen, um Basti, Mats und Alina zu besuchen. Basti bringt mich von dort aus nach Frankfurt zum Flughafen.
  • Übermorgen bin ich ebenfalls in Frankfurt, ein Umstand, den ich gerne mal vergesse, weil alles, das nicht Gegenwart ist, momentan gnadenlos ausgeblendet wird. Aber es ist das Glen-Konzert in der alten Oper, zu dem ich mit Becci und Cornelia gehe, und ich sollte mich freuen. Freue dich gefälligst.
  • Nächste Woche treffe ich mich mit Caro, die auf Heimatbesuch nach Deutschland kommt, in Karlsruhe. Wir gehen im Hans im Glück essen und – tatsächlich – darauf freue ich mich. (Wahrscheinlich weil es weder genug Umstände macht noch – anders als das Glen-Konzert – nah genug bevorsteht, um Panik zu erwecken.)
  • R ist dem Programmierwahn in Gänze verfallen und stürzt sich praktisch auf den Computer, sobald er nach Hause kommt. Gleichzeitig gibt er sich allerdings alle erdenkliche Mühe, unser gemeinsames Leben dabei nicht zu vernachlässigen, und ich habe mich meinerseits daran gewöhnt. Es ist also nach und nach ein wunderbares Equilibrium entstanden, in dem sich alle Parteien wohlfühlen – zumindest empfinde ich das so.
  • Ich habe gemeinsam mit der Therapeutin beschlossen, die Medis herunterzudosieren, wenn ich aus Bolivien zurück bin. Davor habe ich Angst, aber ich bin fest überzeugt, dass es sein muss. Ich fühle mich, als hätte ich in der Therapie alles erreicht, was im Rahmen der Abschirmung durch die Medis möglich war – now let’s tackle the real issues.
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Huch. Schon wieder Urlaub.

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Ja… also… wie es aussieht, fahre ich morgen für acht Tage in die Karibik.

Langsam sickert es ein. Becci und ich haben vor drei Tagen das ultimative Angebot gefunden, sodass wir nun zusammen für diese acht Tage Martinique (Flug und Unterkunft – vermutlich selbst inklusive Ausgaben vor Ort) so viel zahlen, wie üblicherweise ein Dreiviertelflug hin und zurück alleine gekostet hätte. Ich habe trotzdem erstmal eine Weile gebraucht, um diesen Plan mit meinem Gewissen zu vereinbaren (man denke daran, dass der Dezember schon die nächste Langstreckenreise mit sich bringt), aber jetzt ist es soweit: Ich freue mich!!!

Sieben Uhr geht’s los, zuerst mit dem Bus nach Frankfurt und dann direkt (!) nach Fort-de-France. Die Rückreise geht über Barbados, aber das ist ja nicht weiter schlimm, man besitzt ja ausnahmsweise mal einen gültigen Reisepass.

Gepackt ist größtenteils auch schon. Der Rucksack ist leicht, es sind nur ein paar Kleider drin und Bikinis, anderthalb Bücher, Kaffee- und Milchpulvervorräte und Hygienezeug. Und Henna, damit Becci mir die Haare nachtönen kann. Und mein Schnorchel. Und die Kamera muss ich mitnehmen, natürlich, und das Handy und alles an Ladegeräten. Und Kopfhörer. 10 Stunden Flug, da sind Kopfhörer doch lebensnotwendig.

Und Sandwiches habe ich gemacht, drei Stück für jeden von uns, mit Chili-Camembert und Salat und Grillgemüse.

Und Fotos habe ich gemacht, von allen wichtigen Informationen – jetzt darf ich nur das Handy nicht verlieren.

Ach, wie ich mich anfange zu freuen. Das ist ja wunderbar; ich dachte schon, es passiert gar nicht mehr.

Was noch richtig schön war: Sophi hat mich besucht; sie ist drei Tage hier und findet tatsächlich die Zeit, mich zu besuchen. Ich habe mich so gefreut, sie zu sehen. Ich mag diesen Menschen so gerne. Sie hat mir einen Mate-Becher aus Argentinien mitgebracht und den dazugehörigen Tee, und er ist wunderschön, mit buntgemustertem Stoff überzogen, und ich muss unbedingt mit Wolfgang und Carina Mate trinken. Carina muss mir das beibringen; ich muss ihr gleich schreiben, wenn ich wieder da bin.

R hat Geburtstag gefeiert, von Mittwoch auf gestern, und es war ein sehr guter Abend. Ich habe ziemlich viel getrunken, es aber dennoch nicht übertrieben, und mich wunderbar unterhalten, ein paar von R’s Arbeitskollegen kennengelernt, zwischendrin noch mit Basti telefoniert (der, soweit ich das Gespräch in Erinnerung habe, mich davon überzeugen wollte, dass man H-Milch, die einmal in der Sonne gestanden hat, nicht mehr konsumieren sollte, auch wenn sie noch den Anschein macht zu funktionieren – wie auch immer wir dadrauf kamen) und mich wirklich wohl gefühlt, trotz der ganzen Menschen. Naja, dafür war ja der Alkohol auch da.

So, nun sollte ich aber mal daran denken, den Rest zusammenzusuchen und ins Bett zu gehen. R kommt zwar in einer guten halben Stunde erst wieder (zumindest war das mal der Plan), aber solange werde ich auch noch brauchen, um hier alles zu regeln.

Du hörst von mir.

#andeneigenenhaaren

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Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

Titel: Vergessen

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Fast habe ich es schon zu Becci geschafft. Ich sitze im Bus von Gelnhausen und warte darauf, dass er losfährt. Natürlich musste mein Zug unterwegs eine halbe Stunde stehenbleiben, sodass sich alles verzögert hat und ich es schon zum zweiten Mal in Folge nicht geschafft habe, zusammen mit JO den Zug zu nehmen. Ein Glück ist R (erkältungsbedingt) nicht dabei, er wäre schon wieder übel gestresst von den ganzen Unplanmäßigkeiten.

Aber jetzt fahren wir und ich freue mich tierisch auf die kommenden Tage. Außer JO und mir werden ab dem 31. auch Caro und Ricardo da sein, weshalb ich mich besonders gefreut hätte, wäre es R möglich gewesen mitzukommen. Ich habe mich ziemlich angestellt wegen seiner Planänderung und ihm aus dem Zug vorhin erstmal eine ellenlange Entschuldigungs- Schrägstrich Erklärungsnachricht für mein ganzes Gezicke geschrieben, die ihm hoffentlich meine Beweggründe ein wenig besser ersichtlich macht. Nichts wäre schlimmer, als ihn mit einem nicht hundertprozentig guten Gefühl alleine über Silvester zurückzulassen.

Auf mich aber wartet jetzt eine wunderbare Zeit mit ein paar meiner liebsten Menschen, die sich heutzutage viel zu selten in dieser Konstellation zusammenfinden. Auch wenn wir wahrscheinlich ziemlich viel rumhängen und nichts tun werden – dagegen hat bekanntlich niemand von uns groß was einzuwenden. Oh, ich freue mich.

Epikur, wer war das nur.

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Wochenendausflug hinter uns gebracht. Es ging zu meinen Großeltern nach Gelsenkirchen, die letzten Dienstag ihren 60. Hochzeitstag erleben durften, und zu dem Anlass sind wir mit der ganzen Familie angereist – meine Eltern, R und ich. Ich war zum ersten Mal seit dem ADTR-Konzert 2011 dort. Man sollte Oma und Opa eigentlich öfter besuchen, sie sind die Allerbesten und haben es wirklich verdient.

Jedenfalls hat es alles wunderbar geklappt; meine Eltern sind den Abend vorher schon aus der Schweiz zu uns gefahren, um nicht die ganze Strecke an einem Tag durchmachen zu müssen, und es lief gut. Gestern Abend fing es dann an zu kippen; man merkt es immer sehr schnell, wenn meine Mutter in ihre psychotischen Zustände gerät, in denen ihr nichts mehr recht zu machen ist und sie wieder erwartet, dass sich die komplette Welt nach ihr ausrichtet. Dementsprechend wurde es auch heute nochmal richtig eklig, als sie uns wieder hier abgeladen hatten und wir Zeit hatten, uns alle noch ein bisschen zu unterhalten. Sie ist vollkommen durchgedreht und irgendwann ohne sich zu verabschieden zum Auto gestapft.

R dagegen war das ganze Wochenende über einfach wundervoll. Natürlich war er noch er selbst, hat ohne jede Rücksichtnahme nachts in der Wohnung Lärm gemacht und im Gespräch mit den Anderen seine typischen Monologe vom Stapel gelassen, aber gleichzeitig unentwegt dafür gesorgt, dass ich mich wohl und geliebt fühlte, mich die ganzen langen Autofahrten über meinen Kopf auf ihm ablegen lassen, sodass ich schlafen konnte, mich (wie es seine Art ist) trotz meiner üblen Erkältung immer wieder umarmt und festgehalten und mir „Wawu“ gesagt, sich ins Familientreiben eingebracht und ungezwungen mit allen geredet und mir gesagt, dass ich eine wundervolle Familie habe. Besonders mag er meine Oma, da geht es ihm wie mir. Am Abend standen wir vor der Wohnung mit einem flauschigen Karteuserkater, der uns umstreifte und mit hereinwollte. R sagte, meine Mutter könne sich auf die Fahne schreiben, eine Tochter zu haben, die mindestens ein menschliches Leben gerettet habe. Er sagt sowas manchmal, und dass ich ihn umgekrempelt hätte. Ich habe angefangen, das als etwas Positives zu begreifen. Heute Früh hat er mir in einer unfassbar lieben Geste meine Mütze auf den Kopf gesetzt, eine Form von Aufmerksamkeit, die ich überhaupt nicht von ihm gewohnt bin und mich richtig gerührt hat. Ich liebe ihn so sehr, auch wenn er meistens ziemlich komisch ist, denn das bin ich ganz zweifellos auch, und er hat es so sehr verdient, dass alles für ihn besser wird und sein Leben einfach mal nicht mehr nur aus Stress besteht. Irgendwann wird es soweit sein und ich werde niemals aufhören, daran zu glauben.

Ich habe dann jetzt, nachdem meine Eltern wegfuhren, erstmal ein bisschen Gitarre gespielt (das Intro von Kathy’s Song scheint wirklich zu sitzen und ich konnte schon mit dem nächsten Stück anfangen; das Einzige, das nervt, ist die Unausdruckbarkeit der Tabs, die ich gefunden habe); das half, um runterzukommen. R sitzt längst wieder an seinem Informatikzeug. Ich könnte die Weihnachtsgeschenke verpacken. Ja, vielleicht tue ich das jetzt. Aber vorher muss ich noch Epikur recherchieren, weil Sophi am Dienstag Deutsch über Dantons Tod schreibt und wir das Thema noch nicht so ganz durchblickt haben. Sie wird es eh wieder versemmeln, in Deutsch ist bei ihr Hopfen und Malz verloren (oder eher noch gar nicht gewonnen, sie hat einfach nie richtig Deutsch gelernt), aber es interessiert mich halt auch und ich glaube irgendwie nicht, dass die Epikureer bloß die unheilbaren Zweckoptimisten sind, für die Sophi sie nach dem einen Arbeitsblatt nun hält.

Dann werde ich das jetzt also herausfinden.

Advent, Advent; kein Lichtlein brennt.

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Ich geb’s auf – während ich mich in den letzten Jahren immer noch zumindest bemüht habe, irgendwie Traditionen aufrechtzuerhalten, ist es dieses Mal dann whl ganz und gar vorbei mit der Weihnachtlichkeit. (Oh, das klemmende O macht mich kirre.)

Wobei ich mich schon gleich noch aufraffen und einen behelfsmäßigen Adventskranz zusammenzimmern könnte, einfach indem ich vier von diesen weißen Glitzerkugelkerzen auf diesen gold-kupferfarbenen Teller mit mond- und sternförmigen Ausstichen am Rand draufsetze, den ich neulich auf dem Rückweg vom Containern vor einem Geschäft aus dem Papier- und Sperrmüll gesammelt habe. Und die ein oder andere Deko sollte in meiner kleinen Kiste im Keller noch aufzutreiben sein, wozu habe ich sie sonst überhaupt. Und backen könnte man, ich habe doch extra schon eine Packung Eiweiß hochgeholt.

Jap, ich glaube, ich bin wieder motiviert. Den ganzen Tag habe ich nur geschlafen, dann rumgehangen und meine Vergangenheit durchgelesen wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr – Ende 2014 war der Zeitraum meiner Wahl und das emotionale Chaos dieser Zeit hat sich ansteckend auf meinen Jetzt-Zustand ausgewirkt. Überhaupt war ich von vornherein sehr merkwürdig emotional aufgeladen heute. Deshalb habe ich ja überhaupt damit angefangen. R saß daneben und schaute Formel 1, während ich völlig in meiner Zeitreise versunken dahing. Weird, denke ich da mal wieder, wie zwei Leute direkt nebeneinander in vollkommen verschiedenen Welten sitzen können.

Jetzt aber bin ich durch mit dem Jahr, R hat mir und sich selbst ein Bier aufgemacht und sich ins rosa Zimmer verkrochen, um dort weiterzunerden (Informatik, nicht mehr Motorsport), und ich habe Zeit, mich wieder in meiner Gegenwart ein- und zurechtzufinden. Und besser ist das; ich kann mir nichtmal mehr vorstellen, wie ich dieses Chaos damals überstanden habe. Dagegen ist alles, womit ich gerade zu kämpfen habe, so bedrohlich wie eine durchschnittlich große Quietscheente.

Ich habe außerdem ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen. Nämlich habe ich mich gestern mit dem ersten der 18 abzuarbeitenden „Studienbriefe“ befasst, daraufhin den Selbsttest durchgeführt, dort die volle Punktzahl eingestrichen und mich gefragt, ob das jetzt so weitergeht – Peggle zockend dasitzen und nebenher das Zeug durchlesen, dann alles beantworten können und am Ende die Prüfung zu machen. Vielleicht wird es das ja. Leicht verdiente Zusatzqualifikation.

R hat sein Handy hier auf der Couch liegenlassen. Gute Gelegenheit zum Aufstehen, Wäscherunterbringen, Dekohochholen, Adventskranzanfertigen. Ich mache mich auf und tue genau dies. Zumindest ist das der Plan.

Motorisierung

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Erfolgreichen Abend gehabt. Ich bin in der Schweiz, habe auf der Vernissage des Aquarellkurses meiner Mutter Musik gemacht, 200 Franken plus 20€ Tips verdient und unentwegt von einem unfassbar aufmerksamen Menschen Rotwein nachgeschenkt bekommen, während ich da vor mich hinklimperte. Es war großartig.

Wenn ich morgen nach Hause fahre, werde ich mich so schnell wie möglich darum kümmern, dass ich mein Fahrrad motorisiert bekomme: Billiger als ein Auto, aber für meine Zwecke trotzdem erstmal ausreichend. Meine Großeltern riefen heute bei meiner Mutter an und überfielen mich, als sie erfuhren, dass ich mich gerade hier aufhalte, aus dem Nichts mit den innigen Wunsch, mir „außer der Reihe“ etwas Gutes zu tun. Ich war überfordert und stimmte einfach zu, sie meinen Motor übernehmen zu lassen. Ich bin dankbar. Und etwas beschwipst. Gute Nacht.

Get. Things. Done.

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Gerade fluppt es so richtig. Was bin ich dankbar! Nicht nur habe ich es auf Anhieb hinbekommen, mit R das kleine Whatsapp-Video für die Sendungsfrau aufzunehmen (und was hat er mir dabei den Hals gerettet! Ich habe den phänomenalsten Freund aller Zeiten, der es immer wieder hinbekommt, mich mit weiteren Facetten der Grandiosität zu überraschen). Oh nein, ich habe auch um Punkt 12.01 bei der LVG angerufen und nicht aufgegeben, als sich der Anrufbeantworter meldete, sondern es nochmal versucht und dann mit zwei verschiedenen Menschen geredet und herausbekommen, dass sie tatsächlich Praktika anbieten in dem Bereich, den ich möchte. Und dann direkt im Anschluss habe ich mich an den Computer geschwungen und mein Anschreiben verfasst und meinen veralteten, noch auf die Master-Bewerbung zugeschnittenen Lebenslauf aktualisiert und für den neuesten Zweck gepimpt. Und selbst danach war des Elans noch immer genügend vorhanden, um es gleich ausdrucken und abschicken zu wollen – da machte mir dann das Noch-nicht-vorhandensein von Druckerpatronen in unserem Haushalt (R hatte welche bestellt, aber sie lassen sich Zeit) einen Strich durch die Rechnung. Es kann ja nicht mehr lange dauern, bis wir sie bekommen. Dann tüte ich die Unterlagen zusammen mit Abi- und Bachelorzeugnis in einen unbenutzten Umschlag (für solche Zwecke komme nicht mal ich auf die Idee, einen meiner Recycling-Umschläge zu verwenden) und harre der Reaktion der LVG.

Mir ist durchaus bewusst, dass das besorgniserregend aussieht. Kein Mensch inmitten eines Masterstudiums sollte sich einen derartigen Keks darüber freuen, sich selbstständig darum gekümmert zu haben, dass er da hinkommt, wo er hinwill. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Für mich aber nicht; ich wusste bislang weder, wo ich im Leben hinwill, noch habe ich je irgendwelche Anstalten gemacht, mich aktiv darum zu bemühen. Impulse von außen haben das bisher für mich erledigt. Das Treibenlassen ist meine konsistenteste Überlebensstrategie. Dies ist der erste, allererste Impuls, dem ich von innen heraus folge. Kaputt, oder? Aber besser spät als nie. Wirklich mal.

Feige? Nee, Gemüse.

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„I go then multiplied by“, sagte R soeben zu mir, bevor er sich aufmachte, seinen gruselig gewählten Worten die entsprechenden Taten folgen zu lassen. Sein Kumpel Patrick, der gerade bei uns wohnt, kam daraufhin ins Wohnzimmer und fragte mich nach R’s Verbleib, worauf ich antwortete: „Keine Ahnung. Er hat es vorhin gesagt, aber ich hab’s vergessen.“ Patrick darauf: „Space wahrscheinlich.“ Ich: „Nee, Space ist mittwochs.“ Er: „Es ist Mittwoch.“

So viel dazu. Meiner immensen Verpeiltheit zum Trotz (und obwohl ich die letzten Tage mehr gezockt habe, als in einem gesamten Jahr vernünftig wäre) habe ich heute Dinge geschafft bekommen, auf die ich sehr stolz bin. Darunter:

Ich habe Omas und Opas Anruf entgegengenommen und mit ihnen über Dinge wie Papas Kündigung und meinen immer weiter Form annehmenden Plan zum Karrierewechsel gesprochen, gerade über Letzteres sehr ausgiebig und überraschend erfolgbringend. Anders als meine Eltern, welche beide von meinem Bedürfnis, diesem Irrenhaus Uni schnellstmöglich zugunsten einer Ausbildung im Gemüsebau zu entfliehen, kein Stück angetan sind, haben mir meine Großeltern tatsächlich über Verständnis noch hinausgehend wirklich Unterstützung entgegengebracht bekommen und ich bin einmal mehr verwundert und begeistert zugleich darüber, dass man mir und meinen abstrusen Machenschaften ausgerechnet aus dieser Ecke so viel Offenheit und Vertrauen zuteilwerden lässt.

Ich habe also mit Oma und Opa lang und breit meine Beweggründe und Vorstellungen auseinandergenommen und konnte sie beide einzeln nach einer Zeit von der Richtig- und Notwendigkeit dieses Vorhabens überzeugen. Sowohl meiner Mutter als auch meinem Vater haben diese guten Seelen in dem Bereich also in etwa die Welt voraus. Die Anzahl der mich verstehenden Menschen ist somit an einem Tag um das Dreifache angestiegen – davor war Becci (Zitat: „Jetzt bin ich wieder heilfroh, dass ich meine Mutter habe, die immer zu mir gesagt hat, Hauptsache, du bist glücklich.“) weit und breit die Einzige.

Ich habe weiterhin versucht, bei der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfahrung zu bringen, ob sie Praktika im Gemüsebau anbieten. Leider (just my luck) habe ich mich umsonst zu diesem Anruf überwunden, denn die entsprechende Kontaktperson war heute nicht da, wo sie hätte sein sollen – also habe ich die gleiche Prozedur morgen um zwölf nochmal vor mir. Aber immerhin; ich bin extrem glücklich, es überhaupt versucht zu haben.

Und ich habe der Person geantwortet, mit der ich vor ein paar Tagen bei Facebook geschrieben hatte bezüglich eines Fernsehbeitrags zum Thema Sparen. Sie wollte in einer Gruppe, in der ich Co-Admin bin, nach Teilnehmern suchen und hat mich netterweise vorher um Erlaubnis gebeten, die Anfrage dort posten zu dürfen. Davon war ich dann so positiv überrascht (als würden Leute nicht permanent den letzten Schrott überall posten, wo es ihnen grad beliebt), dass ich spontan angeboten habe, selbst dort mitzumachen. Sie hat mir sofort geantwortet und direkt am nächsten Tag auch versucht, mich anzurufen, da war ich dann allerdings schon wieder gar nicht kommunikativ aufgelegt und habe die Arme erstmal ignoriert. Aber jetzt, jetzt geht das alles wieder. Wir haben dann kurz telefoniert, sie hat mir das Konzept erklärt und mich ein bisschen über meine Motivation ausgefragt sowie mich aufgefordert, mit R zusammen ein kleines Video über Whatsapp zu schicken, in dem wir uns vorstellen und ein bisschen was zu unseren Sparmethoden erklären. Das macht mich nervös, weil ich 1) ein ziemlich kamerascheuer Mensch bin und 2) mir bewusst ist, dass R darauf so ungefähr nicht den geringsten Bock hat, aber er muss da durch – immerhin hat er mich noch dazu motiviert, das Angebot anzunehmen. („Ja, machen wir’s halt, das ist so’n Once-in-a-lifetime-Ding, nachher ärgern wir uns, dass wir’s nicht gemacht haben.“)

Was noch? Ich habe meinen Terrassengarten Pflänzchen für Pflänzchen abfotografiert und Mama über Whatsapp geschickt, jedes der Fotos noch mit einem Kommentar versehen. Einerseits, weil ich den halben Sommer darauf gewartet habe, dass meine Pflanzen endlich präsentabel genug aussehen, um mit ihrem tropischen Wucherwald mitzuhalten, der sich bei ihr über vier Balkone erstreckt, und andererseits, um sanft darauf hinzuarbeiten, dass sie eventuell doch noch einsieht, dass eine Tätigkeit wie das Gemüsegärtnern vielleicht doch nicht das Allerverkehrteste für mich ist, auch wenn das bedeutet, dass ich ihren ersehnten Master – ohne den meine bisherigen Abschlüsse offenbar in ihren Augen allesamt wertlos sind – vorerst nicht erreiche.

Die Bilanz: Ich habe jetzt schon mehr Eigeninitiative für diese Ausbildung an den Tag gelegt als für meine gesamte universitäre Laufbahn zuvor, wenn man mal davon absieht, dass ich mich für den Master hier zumindest aus eigenem Antrieb beworben und eingeschrieben habe. Aber eigentlich auch hauptsächlich deswegen, weil mir so, wie meine Mutter auf mich einwirkte, gar nicht auch nur in den Sinn kam, es zu wagen, mit einem BA-Abschluss nach Jobs zu suchen. Aber es war auch gut so; ich hätte mich mein Leben lang gefragt, ob ich es nicht doch mit dem Übersetzungs-Master hätte versuchen sollen. Nur hat sich nun eben herausgestellt, was mir eigentlich schon ewig hätte klar sein sollen, dass nämlich das, was ich hier gerade tue (oder nicht tue, trifft es besser), mich zur systematischen Selbstzerstörung geradezu zwingt. Es mag ein Traum sein, dieses Studentenleben, aber wenn ich nicht bald, am liebsten auf der Stelle, von irgendwoher einen strukturierten Alltag bekomme, mit Bewegung und körperlicher Betätigung und ohne pseudointellektuelles Gehabe und Deadlines für Dinge, die keinen Sinn haben und niemandem etwas bringen – nichtmal den Dozenten, die den Wisch dann lesen dürfen – sorry, Mensch, ich kann nicht mehr. Ich muss irgendetwas finden, das mich zwingt, aus dem Bett zu kommen. Folglich: Eine Tätigkeit, bei der es tatsächlich irgendjemanden juckt, ob ich da bin oder nicht, und bei der ich am Ende des Tages feststellen kann, hey, ich habe heute etwas geschafft und etwas bewirkt. Ich brauche die praktische Arbeit. Alles an mir schreit nach praktischer Arbeit. Und nach etwas, das mich davon abhält, in antriebsloser Starre zu versauern. Das ist so viel mehr als ein Studienabbruch oder eine Studienpause. Das ist ein Selbstrettungsversuch.

Da fehlen noch jede Menge Aspekte, aber diese erste Annäherung an den Sachverhalt musste erstmal raus. Am Ende mag es eine Schnapsidee sein. Und? Ich mag Schnaps.

Abstrusität des Tages:

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Anna hat meinen Blog gefunden und mich daraufhin nach Jahren der Funkstille kontaktiert. Was mich nur in meiner Annahme bestätigt, dass das Konzept „Redundant Nimrods“ uns weit über die zeitlichen Grenzen der tatsächlichen Existenz der Gruppe hinaus… irgendwie innewohnt. Natürlich kann ich für jeden von uns Kernmitgliedern nicht sprechen und will es auch gar nicht, dennoch: ich bin der Überzeugung, dass dieser Teil der Vergangenheit nicht allein für mich ein entscheidender war, mit dessen Auswirkungen, so subtil sie auch sein mögen – in meinem Fall sind sie alles Andere als das – sich etliche von uns bis heute Tag für Tag konfrontiert sehen.

Und ich bin dankbar wie nichts Gutes für die Freude, mit der ich in jeder Form, in der sie mir bislang zuteil wurde – und es sind ja derer nicht wenige – die Gegenwart gewordene Vergangenheit, wie es meine geschätzte Leserin Monia einmal ausdrückte, in meiner Existenz begrüßen und integrieren möchte und kann.

Abgesehen davon: Becci gruselt sich neben mir vor ihrem Krimi (es geht um Haut, was soll man da noch zu sagen), meine gestern auagebrochene Erkältung hat mich heute dazu ermutigt, mal eine Pause einzulegen, ich habe demzufolge bis 3 geschlafen und bin zuversichtlich, morgen wieder auf dem Damm zu sein, sodass wir ganz sicher abends die Höhlenhippies im Hügelland nördlich der Stadt besuchen können. Der Regen hat sich zum Glück wieder verzogen, das war ja auch kein Zustand. Vor mir steht eine Tasse Anisschnaps. Salud!