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Every Day is a Fail Day

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Was für ein typischer Tag. Ich gehe in die Uni, wo ich erstmal dem Dozenten über den Weg laufe, für dessen Terminologieprojekt ich mit zwei Einträgen im Rückstand letzten Mittwoch dem Gruppentreffen ferngeblieben war – yes, genau dem Menschen wollte ich begegnen. Nicht. Aber da Juan ein sehr, sehr guter Mensch ist (was den einzigen Grund darstellt, aus dem ich mich freiwillig in sein Projekt begeben habe, kombiniert mit den grottigen Alternativen), wurde das Gespräch nicht zu einem der Sorte Standpauke, sondern fand auf Augenhöhe statt und ließ mich mit dem Gefühl zurück, es gut schaffen zu können, sofern ich mich mal am Riemen reiße.

Solchermaßen beglückt tuckerte ich weiter in den Seminarraum des Kurses, den ich besuchen wollte, nur um mir gewahr zu werden, dass ich die Einzige war. Ich hatte extra noch den Unterrichtsplan konsultiert, auf dem für heute definitiv kein Ausfall vermerkt war, aber wenigstens macht es jetzt Sinn, dass keine Lektüre für heute hochgeladen worden war. Die ich pflichtbewusst gestern noch ausdrucken und lesen wollte, bis ich dann sah: Es gab keine. Hm.

Ich war auch um zehn nach Kursanfang noch die Einzige. Also ging ich Katzenfutter holen. Neben dem Tierbedarfsladen ist ein riesiger türkischer Supermarkt, wo man theoretisch auch super containern kann, allerdings schließt der natürlich auch erst, wenn der Katzenfutterladen schon zu hat. Zudem ist das Ganze ewig weit weg von mir daheim, sodass ich nie dort containern gehe.

Jetzt hatte ich mir aber vor Kurzem vorgenommen, es einfach mit dem Containern mal tagsüber zu wagen, sodass man es doch mit dem Katzenfutterholen verbinden kann. Also ging ich frohen Mutes am Supermarkt vorbei und warf von Weitem einen Blick auf die Beladungszone. Wo selbstverständlich gerade Dinge verladen wurden. Ich machte kehrt und holte Katzenfutter, mit dem Vorhaben, es im Anschluss nochmal zu versuchen. Ich kam aus dem Laden, machte ein-zwei Schritte in Richtung des Türkenmarktes und sah meinen Bus in die Gegenrichtung. Angesichts des tiefgefrorenen Fleisches in meinem Besitz entschied ich mich dann doch spontan zum Rennen und erwischte gerade noch so besagten Bus, hatte dann auch beim Umsteigen Glück – der nächste Bus hatte fünf Minuten Verspätung, was es mir ermöglichte, das Fleisch relativ gekühlt zu Hause zu verstauen.

Dann musste natürlich schnell das Material für das Terminologieprojekt an Juan gesendet werden. Ich musste den zweiten Begriff noch fertig machen und verkünstelte mich daran nochmal eine Stunde, dann war es endlich geschafft. Nicht davon zu reden, dass ich meinen allerersten Begriff zur Hälfte nochmal machen darf, weil die Version, die ich letztendlich erarbeitet hatte, durch meine unermessliche Intelligenz mit dem zweiten Begriff überschrieben und unter demselben Namen gespeichert wurde. Das hat mich gestern hart fertiggemacht, vor allem, weil der „Tatentschluss“ derjenige Terminus war, an dem zu arbeiten ich mich über Wochen nur mit der allergrößten Willenskraft zwingen konnte, und dann gehe ich und überschreibe einfach die Endversion. Natürlich. R kommentierte das Desaster lapidar mit „Das wäre mir heute auch fast passiert“ und überließ mich meinem Schicksal. Anteilnahme ist etwas, das man ihm noch beibringen könnte.

Ein kleiner Terrassenrundgang, das letzte Beypazarı – stilvoll zelebriert mit Veilchensirup und einer entsprechenden Nachricht an Becci – dann fiel mir auf, dass meine Wohnung aussah wie Sau, also wurden fünfzig Sachen aufgeräumt und einmal gründlich durchgesaugt. Ich hatte zwar nicht im Entferntesten Lust drauf und bin umso glücklicher, es trotzdem so gründlich gemacht zu haben.

Dann endlich wieder sitzen, mit einer Schüssel des köstlichsten Gratins, das ich jemals fabriziert habe (dürfte an der Menge des verwendeten Käses liegen; Becci und ich haben letztes Wochenende nach dem Flohmarkt noch beim Großhandel vorbeigeschaut und dort den ultimativen Gouda-Fang gemacht), und mit der Katze zusammen auf der Couch die Beine ausstrecken. Fünf Uhr. Mir war selbstredend entfallen, dass ich mich mit JO zum Skypen verabredet hatte. Die wartete indes seit einer Stunde und vertröstete mich dann auf nachher, da sie jetzt erstmal mit ihrem Kumpel in Mexico redet.

Auch gut. Ich könnte mich bis dahin noch ein bisschen auf der Terrasse herumtreiben. Tue ich das doch.

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Theeeeeeooooooo!

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Kaffee gibt mir Motivations-Rushs. Ich habe mich soeben erfolgreich, wenn auch knapp, davon abhalten können, mir noch einen zu machen, und freue mich jetzt erstmal über meine großartige Disziplin.

Den ersten Kaffee habe ich R zu verdanken, der heute früher aufstehen musste, um zu sich in die Wohnung zu fahren. (Ja, für ihn ist das ein Ereignis, das eines erhöhten Zeit- und Planungsaufwandes bedarf, und das macht mich außerordentlich glücklich.) Jetzt, wo er weg ist, habe ich mich mit einigem Elan in den Tag hineingestürzt – selbst bevor ich den Kaffee getrunken hatte, der fertig vorbereitet für mich in der Küche stand.

Der Regen in der Nacht hat die von zwei Foodsharing-Tagen am Anfang der Woche verbleibende Reste-Kiste Brot am Treppenaufgang vor dem Haus voll erwischt, sodass ich mich gezwungen sah, vom Abarbeiten meiner To-Do-Liste erstmal Abstand zu nehmen und Teile des Brots zu einem Blech neu eingeweichter Brot-Bananen-Pampe zu verarbeiten, welche nun im Ofen vor sich hinbackt. Man wird sehen, was dabei herauskommt – ich hoffe, man kann es anderen Menschen zum Essen vorsetzen, sonst habe ich in den nächsten Tagen eine Menge Arbeit.

Als Nächstes habe ich mich daran gemacht, das Briefchen mit JOs vor Monaten hier vergessenem Handy endlich zu adressieren und abschickbereit zu machen. Ich hatte mich ewig nicht überwinden können, nachzusehen, wie ihre Adresse lautet, und habe überhaupt mit einigem Erstaunen vorhin erst registriert, dass ich sie bereits rausgeschrieben hatte und gar nicht mehr im Nachrichtenverlauf danach suchen musste. Wegen solcher behinderten Blockaden in meinem Kopf musste die Arme nun also monatelang auf ihr Musik-Handy warten. Ein Glück, dass sie nicht das telefonierfähige hier vergessen hat.

Unglaublich, wie ich gestern vor diesem Interface saß und mich einfach nicht entscheiden konnte, was ich schreiben sollte. Es kam mir alles zu viel vor und ich habe es einfach ganz gelassen, nach einigem frustrierten Starren aufs leere Textfeld. Passiert mir äußerst selten – ich lege ja nun nicht unbedingt viel Wert darauf, nur dann etwas zu schreiben, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Gestern aber war ich richtig schreibblockiert. Und heute komme ich kaum mit den Fingern hinterher.

Was so ein bisschen Willenskraft einfach ausmacht. Ich hätte mir genausogut aussuchen können, heute in gloomy mood aufzuwachen und mich müde und unfähig zu fühlen und bis vier Uhr nicht aus dem Bett rauszukommen. Aber nein, ich bin wach und tatkräftig. Was nicht zwingend dazu führen wird, dass ich sinnvolle Dinge tue, aber dafür habe ich ja meine Liste.

Und ich hab‘ Lust, Musik zu machen. Es kommt zurück, es kommt endlich zurück. Überhaupt kam mir vorhin der Gedanke, dass ich tatsächlich dabeibin, zu mir selbst zurückzufinden. Mein Universum wurde so voll und ganz durchgerüttelt, als ich mit R zusammenkam (und selbst davor waren die Wasser in dem runden Gefäß, das ich nunmal zu sein scheine, wenn ich mich recht entsinne, weit entfernt von spiegelglatt), und es hat sich dieser gewaltige Lernprozess in Gang gesetzt, aus dem ich mein Leben lang nicht mehr rauskommen werde. Und ich habe gelernt, genug gelernt, dass sich die in alle Richtungen verteilten Stückchen einander wieder annähern konnten, und sie fügen sich so wunderbar zusammen; das Mosaik nimmt wieder Gestalt an und ich fühle mich ganz. Ich fühle mich wie ich. Das ist ein Glücksgefühl ohnegleichen und ein Triumph über all die Teile von mir, die sich bislang so erfolgreich dem Zweifel, der Angst und dem Mauerbau verschrieben haben.

R hat auch gelernt, ich kann es mir anders nicht erklären. Natürlich hat er das, und ich bin jeden Tag aufs Neue von den Ergebnissen begeistert. Ich könnte mich tagelang darüber auslassen, wie es sich in unzähligen Kleinigkeiten widerspiegelt.

Jetzt setzt die kaffeeinduzierte Panik ein. Ganz leicht nur; ich bin froh, dass ich mich vorhin so geistesgegenwärtig in meinem Kaffeekonsum einschränken konnte. Und während ich noch alles Mögliche mehr zu sagen hätte – zu viel, was mich ja gestern schon davon abhielt, überhaupt damit anzufangen – werde ich mich trotzdem jetzt vom Computer entfernen und sinnvolle Dinge tun. Wie geplant.

Aber zuerst mach‘ ich ein bisschen Musik. Oh, wie ich mich freue.

Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.

Schön. Schön, schön, schön, schön, schön. Wirklich schön.

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Hypermotivationserfüllter Tag heute. Eine Seltenheit momentan, aber ich habe es tatsächlich hinbekommen, mich um halb zwölf aus dem Bett zu schwingen und einem produktiven, glücklichen Tag einen verhältnismäßig zeitigen Anfang zu bescheren. Basti hatte hier gepennt und verschaffte mir die perfekte Motivation für ein richtig schönes, ausführliches Frühstück – etwas, wofür ich alleine niemals mehr Zeit aufwenden würde. Trudi kam und setzte sich dazu. Sie ist nicht wiederzuerkennen momentan; ich sehe schlagartig ein, dass von dem Menschen, den ich damals im Wohnheim kennengelernt hatte, zwischenzeitlich wirklich und wahrhaftig nichts mehr übrigwar und es nicht zwangsläufig an einer gestörten, verzerrten oder veränderten Wahrnehmung meinerseits gelegen haben muss, dass ich so lange das Gefühl hatte, mit einer völlig fremden Person zusammenzuleben. Nein, es gibt sie wirklich, die alte Trudi. Ich bin so glücklich über jeden Schnipsel, den ich momentan von ihrer mir so unglaublich lieben altbekannten Persönlichkeit wieder aufschnappe. Das bringt mich dann hoffentlich durch Zeiten, in denen sie sich wieder hinter etwas verschanzt, das mit meiner wunderbaren Freundin von noch vor einem Jahr so reichlich wenig gemeinsam hat. Und in denen ich das Gefühl habe, selbst zu einer eigentlich ziemlich ekligen Ausgabe meiner selbst zu mutieren, die aus dem kompletten Mangel an Verständnis resultiert, den ich der „anderen“ Trudi gegenüber an den Tag lege.

Basti hat ein Regalbrett für mich in der Küche angebracht und meine Lebensqualität damit verbessert.
Ich habe die weltbewegende, alles verändernde Entdeckung gemacht, dass das Metall-Flaschenhalterding, das ich einst vor Waltraut aus der Restmülltonne gerettet hatte, genau in die Lücke zwischen Kühlschrank und dem anderen Schrank passt und sich dort nicht nur ganz hervorragend als Halter für Geschirrtücher, sondern noch dazu als einzigartig blendend funktionierendes Anti-Geräusch-Mittel gegen die ewig nervenzermürbenden Vibrationsattacken des Kühlschranks eignet. Ich habe bestimmt fünf Minuten deriliös vor Glück „herrlich, herrlich, das Leben ist so herrlich“ vor mich hin ausgerufen.

Ich habe auch Neurolinguistik gelernt, oder zumindest konnte ich meine Mutter dazu bewegen, sich eine Stunde lang von mir die Vorlesungsmaterialien auseinandernehmen zu lassen, wodurch Mensch ja bekanntlich auch lernt. Ich besonders; mir ist es fast unmöglich, für mich alleine zu lernen. So wie es mir vom Prinzip her meistens unmöglich ist, überhaupt irgendetwas für mich alleine zu tun. Ich werde erst wirklich effizient, wenn mir jemand zur Seite steht, sei es durch bloße Anwesenheit oder sogar aktives Involvement. Ich bin bekloppt, ya lo sé. Badakit.

Nun habe ich soeben dem Ukumenschen auf eine Nachricht geantwortet, die den Tag endgültig zu etwas Besonderem gemacht hat. Das Leben verblüfft mich immer wieder; es tut einfach nie, was man erwartet. Ich liebe es, wenn sich mein selbstschutzbedingter Pessimismus in Bezug auf mir wichtige Personen als grundlegend unberechtigt herausstellt. Das ist so selten der Fall, aber es ist jedes Mal wie eine kleine Erleuchtung.

Jetzt ist Basti mit Abendessen angekommen. Er hat ein halbes Festmahl aus der Arbeit gerettet und mich vorhin extra angerufen, damit wir nur ja nicht zu Abend essen, bevor er kommt. Eine Seele von einem Menschen.

Drei Matratzen auf einem Stapel.

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Manchmal macht es mir Angst, wie schön die baskische Sprache ist. (Spätestens jetzt verdreht jeder, der mich kennt, nur noch genervt die Augen und macht sich vermutlich nicht mehr die Mühe, den Rest des Eintrags zu lesen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, auch wenn ich ja selbst noch nicht weiß, was noch alles in dem Eintrag stehen wird und wie interessant es nicht doch noch werden könnte.)

Es macht mir wirklich Angst, weil ich das Gefühl habe, über mich selbst die Kontrolle zu verlieren. Daniel hat heute ein paar Zeilen aus einem Gedicht rezitiert, von denen ich allerhöchstens ein paar Brocken verstanden habe, aber oh mein Gowai, wie schön es einfach nur war. So ging es mir ja auch damals mit Ilargia.

Es macht mir Angst, weil ich das Gefühl habe, man könnte mich hypnotisieren, einfach indem man mir ein paar Wörter singt.

Ich höre mal wieder Haizea, wen wundert’s. Das ist dann immer wieder der Moment, in dem ich auf die Schönheit und Tragik des Lebens nicht mehr klarkomme.

Heute war ich weiterhin vorbildlich und habe mein Zimmer so dermaßen gründlich aufgeräumt, dass es auf einmal doppelt so groß wirkt. Oh, ein bisschen umgestellt habe ich auch, sodass ich tatsächlich mehr Raum zur Verfügung habe. Mein Keyboard steht nicht mehr so platzeinnehmend in der Mitte des Raumes. Und Basti hat ja, als er hierwar (wann sonst.. manchmal denk‘ ich echt, mir haben sie irgendwann das Hirn amputiert), meine Gitarrenhalter in der Wand montiert; seitdem hängen meine Beiden einträchtig nebeneinander und ich habe noch mehr Platz hierdrin. Ist auch gar nicht so verkehrt, wenn ich ihn dann ja bald für eine Weile hier wohnen habe.

Wir haben gerade noch recht lange geskypet. Ich bin froh über seine Kommunikationsfähigkeiten, die machen einiges einfacher. Weißt du, am liebsten würde ich mit ihm eine Selbsthilfegruppe aufmachen, in der wir uns nach Herzenslust darüber auslassen können, wie furchtbar es doch ist, wenn die gegenseitige Zuneigung zwischen zwei Menschen ungerecht verteilt ist. Aber das wäre ja auch wieder mies ihm gegenüber. Auch wenn er vorhin meinte, ich solle bloß kein schlechtes Gewissen haben. Dann hat er sich Bier auf die Hose geschüttet und wir sagten synchron „das arme Bier!“ und ich verfluchte mich ein Mal mehr dafür, dass ich ihn nicht einfach gescheit zurückmögen kann. Er ist wirklich ein lieber Mensch. Ein guter Mensch, wenn auch vollkommen kaputt. Wahrscheinlich sogar für mein Beuteschema zu kaputt.

Eine kleine Ecke habe ich mir zum Staubsaugen noch für nachher verwahrt; dann habe ich immerhin direkt eine Motivation, aufzustehen, dachte ich mir so. Wann der Kepatto hier agertut (bzw. aufkreuzt, um niemandem hier zuzumuten, meinen Euskera-Deutsch-Pidgin analysieren zu müssen – der kommt irgendwie automatisch im Zusammenhang mit Kepa), ist ihm offenbar unmöglich vorauszusagen (er sagte tatsächlich „unmöglich“), also rechne ich nachmittags mit ihm. Dementsprechend habe ich vormittags viel Zeit, um 1) zu schlafen und 2) weiter vorbildlich zu sein. Vielleicht habe ich ja bald im Haushalt alles aufgeholt, was mir an Vorbildlichkeiten in letzter Zeit so zu erledigen entgangen war, und kann mich der Uni zuwenden. Es könnte in Anbetracht der baldigen Azterketak (aka Klausuren) nicht schaden.

Schulterklopfer

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Ich bin stolz auf mich. Das hat verschiedene Gründe, die ich im Folgenden erläutern werde.

Klausuren sind vorbei, ich lebe wieder, und ich habe das Gefühl, sie halbwegs failfrei überstanden zu haben. Im Fall von Morfología hat sich mir dieses Gefühl soeben bestätigt; mein StudIS sagt 1.7 – das Beste, was ich je in einem Kerngebiet der Linguistik hatte. (Es belegt somit den ersten Platz zusammen mit Phonology I.)

Der Grund, aus dem mich das freut, ist vor allem, dass eben auf Katjas und Rajas Abschiedsparty ich noch mit Katja über ebendiesen Kurs geredet und sie mir erzählt hatte, dass sie durchgefallen ist und der Durchschnitt 3.5 beträgt. Ich war Donnerstag nicht im Kurs und hatte gar nichts davon mitbekommen; ich wusste nichtmal, dass die Noten schon fertig waren. Jedenfalls hat sie sich unglaublich aufgeregt, wir hätten zu wenig Übungen gemacht, und was weiß ich noch für ein Zeug gelabert. Nunja. Ich hab’s geschafft und bin sehr, sehr glücklich drüber.

Okay. Indirekt habe ich den zweiten Punkt auch schon angesprochen, die Party nämlich – ich war gestern Abend so KO, dass ich um ein Haar mich einfach ins Bett gehauen hätte und hiergeblieben wäre. Aber ich habe mich mit all meiner Willenskraft überredet, doch hinzugehen. Und was für eine wunderbare Entscheidung das war – es war wirklich schön! Alle möglichen Foodsharingmenschen waren da, natürlich. Elisa, Ally, Andreas, Fiona (mit der ich demnächst auf ihren Vorschlag hin mal nen Kaffee trinken gehe, das haben wir uns fest vorgenommen – sie war mir eh von unserem ersten Zusammentreffen an sympathisch), David, Ilmari.. und der Neue, Lorenz, der (was eigentlich den Anstoß gegeben hatte, doch noch hinzugehen) wie angekündigt seine Gitarre dabeihatte, womit mein Abend in jedem Fall gerettet gewesen wäre, selbst wenn es sonst die letzte Katastrophe geworden wäre. Was natürlich nicht der Fall war, aber oh, was war das mal wieder schön. Er hat natürlich auch nicht meinen Musikgeschmack (wer hat den schon – Tragödie meines Lebens), aber dafür ein umwerfendes Repertoire an portugiesischen, spanischen, französischen und italienischen Liedern, und es war einfach schön zu hören und alle haben mir gesagt, wie schön ich singen würde. Er hat auch wunderbar gesungen, weshalb ich es eigentlich ungerecht finde, dass nur ich gelobt wurde. Aber nunja. Ich habe jedenfalls auch viel gesungen – noch ein Grund, aus dem ich stolz bin, denn ich war nichtmal annähernd betrunken. Was wiederum ein neuer Grund ist, mich selbst zu loben. Ich habe es wirklich mal geschafft, mich überhaupt nicht zu betrinken. Das ist selten bei solchen Anlässen.

Und ein weiterer Grund (es hört gar nicht mehr auf, ich sag’s dir!) ist eigentlich der, aus dem ich fast nicht weggegangen wäre gestern Abend, und zwar hatte ich am Nachmittag meine Mutter anrufen wollen, um zu schauen, ob sie sich wieder eingekriegt hat (wir hatten uns vor ein paar Tagen in die Haare gekriegt, beziehungsweise, wir hatten uns unterhalten und mit einem Mal würgt sie mich ab und kommt auch zwei Tage später nicht zu unserer Rede-Verabredung; ich ruf‘ meinen Vater auf dem Handy an und frage, was los ist, und er verkündet, sie hätte keine Lust, sich fertigmachen zu lassen. Angeblich hätte ich ihr vorgeworfen, nie Liebe oder Zuneigung von ihr bekommen zu haben. Was mich (neben latent prominenter Aggression, was wohl verständlich ist) in Sorge versetzte, weil ich so etwas wirklich nicht einmal um drei Ecken herum hatte verlauten lassen und mir mittlerweile wirklich Gedanken um ihre Wahrnehmung mache. Jedenfalls hatte ich, als ich heute aus der Arbeit kam, so eine gute Laune, dass ich mir dachte, okay, ich ruf‘ mal an – ist ja nicht so, als wäre ich nicht eh immer diejenige, die am Ende wieder ankommt. Egal was man mit mir anstellt.

Dann jedenfalls habe ich wieder nur meinen Vater erreicht, mit dem ich mich daraufhin übel zerstritten habe, meine Laune war im Keller und alles an gutem Willen wie weggefegt. Und nach dem, was er mir noch erzählt hatte, wollte ich dann auch bestimmt kein klärendes Gespräch mit meiner Mutter mehr führen. Als mich diese eine halbe Stunde später allerdings selbst nochmal anrief – gnädig gestimmt, immerhin war ich ja angekrochen gekommen – habe ich es trotzdem fertiggebracht, mit ihr ruhig und diplomatisch zu reden, und damit auch meine eigene Stimmung wieder ein wenig verbessert. Außerdem habe ich mit Janine und Robert geredet, was auch geholfen hat, sehr sogar.

So viel dazu. Ich habe also nicht umsonst diesen Antrag auf nachträgliche Anmeldung zu meinen Klausuren durchgebracht – einer von fünf Kursen ist schonmal bestanden. (Ich tue jetzt einfach mal so, als wäre es noch nicht ersichtlich, dass ich Euskera auch bestanden habe; immerhin steht die Note ja noch nicht drin.) Und ich habe mich an meinen eigenen Haaren auf eine Party gezogen und dort Spaß gehabt, wirklich einige sehr nette Menschen kennengelernt und mich mit ihnen gut unterhalten, und das Ganze ohne übermäßigen Alkoholkonsum.

Und ich bin einfach so tierisch froh, dass die Klausuren vorbeisind. Heute Abend ziehe ich um, wenn alles gut geht. Und jetzt wird erstmal geschlafen; ich bin fix und alle.

Behin ta berriz.

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Ich habe gerade das Problem, dass ich nicht aufhören kann, Itxaropena zu hören. Wie viele Stunden Schlaf mir das Lied schon gestohlen hat, ich will es gar nicht wissen. Wahrscheinlich wäre ich längst in meinem Bett kollabiert, lights on and all, würde mich nicht das Wissen, noch Zähne putzen zu müssen, davon abhalten. Zum Aufstehen bin ich aber viel, viel zu todesfertig und hänge daher lieber weiter halbkollabierend hier mit Itxaropena (aber ohne viel Hoffnung, die nächsten beiden Wochen inklusive Klausuren lebend zu überstehen). Das ist ein Dilemma, ich sag’s dir.

Caro geht es nicht gut gerade, und ich habe ihr eben das Lied geschickt. Das war eine Überwindung, ich sag’s dir. Das Lied ihr zu schicken. Aber sie sagt, sie weiß es zu schätzen. Hoffentlich ist das wahr. Ich dachte mir, vielleicht hört man die Hoffnung aus dem Lied heraus, selbst wenn man von der Sprache keine Ahnung hat. Vielleicht sucht sie ja zumindest das Wort irgendwo im erstbesten Online-Wörterbuch, das ihr entgegenkommt. Das wäre schön. Ich muss es nochmal hören. Nein, ich muss ganz dringend auf meine acht Stunden Schlaf heute kommen. Ja, aber ich muss es nochmal hören. Was für eine Sucht.

Zugan sinisten ez duzun uneetan
Entzun barreneko ahots xume hau
Konpromesu ta kontraesanetatik
Azaleratzen den garrasi isil hau

Senti ezazu distira bat itzaletan
Hitzak lehertzen direnean
Behin ta berriz, ezintasunen gainetik
Aske irauten dugula
Senti ezazu…

Itxaropena ezin da giltzatu
Gure bihotz minduetan libre da
Zigortu arren, bat egiten gaitu
Malko bakoitzean, pausu bakoitzean

Senti ezazu distira bat itzaletan
Hitzak lehertzen direnean
Behin ta berriz, ezintasunen gainetik
Aske irauten dugula
Senti ezazu…

Bisetako mosuetan
Umeen irrifarreetan
Hainbeste maite ditudan
Zure begi tristeetan…

Ahots isil hau entzun..
Itzaletatik entzun..
Senti nazazu gertu..

Senti ezazu distira bat itzaletan
Hitzak lehertzen direnean
Behin ta berriz, ezintasunen gainetik
Aske irauten dugula
Senti, senti ezazu distira bat itzaletan
Hitzak lehertzen direnean
Behin ta berriz, ezintasunen gainetik
Aske irauten dugula
Senti, senti ezazu itzaletan
Hitzak lehertzen direnean…

Nochmal. Jetzt um zu kontrollieren, ob ich alles richtig abgetippt habe. In dem komatösen Zustand wäre es eigentlich ein Weltwunder.

Und jetzt nochmal. Nein. Jetzt schlafen. Schlafen!

New Day’s Resolutions

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Und schon ist der Dienstag wieder rum. Das war ja mal ein entspannter Tag; ich habe mir so viel erlaubt wie schon seit Langem nicht mehr. Zuerst war ich ja nicht bei Syntax, und dann habe ich am restlichen Tag auch nicht mehr wirklich Sachen gemacht. Keine schrecklichen Sachen zumindest; alles, was ich gemacht habe, war schön, oder zumindest nicht schlimm.

Bei der Post war ich, um Mamas Paket abzuschicken. Im Kaufland war ich, um Löffelbiscuits zu holen. Beim Stoffwechsel an der Uni war ich, um mein eines Top, welches ich damals mit JO und Laura zusammen im Rotes-Kreuz-Laden für 1 Euro gekauft hatte, gegen ein schönes flatteriges weißes Teil auszutauschen. Lenas Oma habe ich eine Karte gemacht und geschrieben und abgeschickt, um mich für das Akkordeon zu bedanken.

(Ich weiß, ich erwähnte noch nicht. Da war einmal im Leben die Tatsache, dass Lenas Eltern sie alle fünf Minuten hier unten besuchen, für mich von Vorteil – in Form des wunderbaren, tonnenschweren weißen Mitbringsels, das für mich dabeiwar diesmal, anders gesagt, das Akkordeon von Lenas verstorbenem Opa, welches ihre Oma mir einfach so überlassen hat! Das ist doch wohl wirklich mal eine Dankeskarte wert.)

Erdbeertiramisù habe ich gemacht. Meine Pflanzen habe ich betüttelt. Einiges an Küchenzeug habe ich gemacht, wozu ich Ewigkeiten lang nicht kam vorher – Gemüse, das den Kühlschrank blockiert hat, endlich waschen und schnibbeln und einfrieren und all diese Geschichten. Ofenkartoffeln und-tomaten habe ich auch gleich noch gemacht, wenn ich schon dabeiwar, den Kühlschrank von all den containerten Schätzen leerzuräumen. Chaosbegrenzung in meinem Zimmer betrieben. Die Foodsharing-Anmeldung. Sarahs Bachelorarbeit habe ich angefangen Korrektur zu lesen, gerade vorhin. (Das wird mehr Arbeit, als ich erwartet hatte. Aber gut, natürlich mache ich es trotzdem gerne.) Vokabeln gelernt und eingetragen. Einen ganzen Tag lang geschwelgt in wunderbarer Nicht-Arbeit. Mir Gedanken gemacht, dass, sollte ich durch irgendeinen fatalen Gendefekt irgendeines Menschen, der dessen Urteilsvermögen irreversibel beeinträchtigt und ihn aus diesem Grunde dazu bewegt, sich mit mir paaren zu wollen, einmal Kinder haben, ich aber so etwas von hundertprozentig gerne Stay-Home Mom sein will. Mich mit Tiramisù halb überfressen. (Jap, sowas geht.) Und sonst nichts getan.

Deshalb habe ich mir vorhin schon überlegt, dass heute mein Programm aber wieder anders aussehen muss. Heute lebe ich nicht noch einmal ohne To-Do List in den Tag hinein, Himmels Willen, wo kommen wir denn da hin mitten in der Pre-Klausuren-Phase.

Also, morgen wird
• Syntax gelesen.
• Die Zwischenmieterkandidatin so von den Socken gerissen, dass sie am liebsten gleich hier einziehen will und mir problemlos die drei Monatsmieten, die ich von ihr brauche, um sie einziehen lassen zu können, im Voraus zahlt.
• weiter an der LyC-Präsentation gearbeitet.
• Sofie eingetrichtert, dass die Töne in „Wenn ich ein Vöglein wär“ nicht alle gleich lang sind.
• weiter fleißig an Sarahs BA-Thesis gearbeitet (und sich weiter ein bisschen über ihre so überraschend spärlichen formulatorischen Fähigkeiten gewundert).
• Mein Zimmer so aufgeräumt, dass die Zwischenmieterkandidatin es auch tatsächlich betreten kann und dabei auf dem Boden steht, nicht auf irgendwelchen Blöcken, Unikram, Kabeln, Tüten voll Wäsche oder Instrumenten.
• Mit Vokbeln wie gehabt weitergemacht – inzwischen sehe ich den tragischen Verlust meiner um die 2000 Türkischvokabeln, die ich momentan dabei bin, alle von vorne in Anki einzutragen, gar nicht mehr als so eine große Tragödie an, immerhin kann ich sie so beim Wiedereintragen alle noch einmal auffrischen, und die, die ich jetzt vergesse einzutragen, kommen mir ja trotzdem noch bekannt vor, wenn sie mir irgendwo über den Weg laufen.

Und weil ich mich auf das alles (naja, oder zumindest einen kleinen Teil davon) schon so sehr freue, mache ich mal lieber das Licht aus.

Unvergleichliche Disziplin

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Ich habe mir ein Ringbuch für Listen angelegt. Das ist mein großes neues Projekt, seit gestern. Bis jetzt sind drei Stück drin, eine To-Do List für heute, eine für morgen, und eine Permanent To-Do List für immer.
Ich habe mich heute allerredlichst bemüht, die ganze Liste abzuarbeiten, es aus Zeitgründen leider nicht komplett geschafft – irgendwann war einfach der Tag vorbei – aber das verzeihe ich mir. Es war auch verdammt viel, das ich mir da aufgehalst hatte. Und ein paar der Sachen, die ich davon erledigt hatte, waren von einem ziemlichen Kaliber. Wie zum Beispiel, Emilie zu schreiben, was ich vorhabe, seitdem sie mir vor Monaten mal eine Karte geschickt hatte.

Noch jemand, von deren Disziplin ich ganz über alle Maßen beeindruckt bin, ist meine Schülerin Sofie. So ein reifes, fleißiges Mädchen. Da fallen mir ja bald die Augen aus dem Kopf. Und alles aus eigenem Antrieb – sie hat mir letzte Woche erzählt, wie ihre Mutter sie irgendwann ins Bett gescheucht hat, weil sie nicht aufhören wollte zu üben. Hach. So wäre ich auch mal gerne. Und man hört auch immer sofort die Resultate.

Auf Martina morgen und ihre Forrest Gump-Fortschritte bin ich auch wieder gespannt. Und auf ihr E-Piano, das sie sich bestellt hat. Oh was freue ich mich schon wieder; ich gebe dieser Frau einfach so gerne Unterricht.

Ja. Gestern war ich noch mit Sarah im Kino, Lincoln schauen, fand es sehr schön und den Film auf alle Fälle auch empfehlenswert (und für einen Bildungsteflon wie mich vor allem wunderbar zum Auffrischen der nur ansatzweise vorhandenen Erinnerung an Abraham Lincolns glorreiche Taten). Als ich da nach Hause kam, war es auch schon wieder ewig spät; wo um alles in der Welt geht nur die Zeit hin?

Morgen kommt mich JO besuchen und bleibt bis Montag; natürlich freue ich mich, aber irgendwie habe ich doch wieder das Gefühl, eigentlich noch ein bisschen Zeit alleine zu brauchen, jetzt wo sie praktisch vorbei ist. War das nicht mal so klar. Einfach mal mit der momentanen Situation zufriedensein, Liebes, wie wär’s?

Uzar mı yol giderken… Sormuyorum

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Ich werde das alles schon schaffen. (Danke, du Kanne Instant-Kaffee, für meine Wachheit und gute Laune.)
Heute nach der Klausur habe ich meine Bewerbung abgegeben; die Auslandskoordinatorin ist nicht sehr gut auf mich zu sprechen, verständlicherweise, und leicht genervt, glaube ich, von meiner vorsichtigen, planlosen Art. Aber sie schickt mir innerhalb der nächsten paar Tage eine Empfangsbestätigung und dann werde ich offiziell unter den Bewerbern auf Restplätze aufgenommen.

Beworben habe ich mich für die Universidad del País Vasco, die Università ta‘ Malta und die Boğasiçi University in Istanbul. Sollte ich tatsächlich die Chance bekommen, an eine dieser drei Unis zu gehen, hätte ich mehr Glück als Verstand und könnte mich unsagbar glücklich schätzen. Und wenn nicht, komme ich halt nach Finnland oder irgendwo sonst hin, wo man im Winter eigentlich nicht hingehen sollte, zumindest mit depressiver Veranlagung. Aber okay, Finnland soll trotzdem schön sein. Und die Sprache ist auch interessant; macht ja nichts, dass „Suomi“ das einzige Wort ist, das ich bislang davon beherrsche. Abgesehen von „metwursti“, wenn man das zählen möchte.

Das war ja gestern Abend noch ein einziger Horror, bis Sarah mir das Leben gerettet hat, indem sie für mich alle drei Vorlesungsverzeichnisse der potenziellen Gast-Unis ausfindig machte, aus denen ich mir dann für die Bewerbung meine Wunschkurse mit Begründungen zusammenstellen konnte. Von den Kursen ausgehend hat mich vor allem Malta komplett überwältigt, sodass ich es in meiner Prioritätenliste sogar um eins nach oben verschoben habe, an den ursprünglichen Platz der Boğasiçi University. Aber ich fürchte fast, die Hoffnung, dort noch einen Platz zu bekommen, ist so gut wie nicht vorhanden. Auch wenn es (bei der Kursauswahl verständlich) sehr viele Plätze für ausländische Studierende im Bereich Sprachwissenschaft dort gibt.

Meine restliche Woche und die Zeit bis zum nächsten Donnerstag werde ich hoffentlich mit Lernen verbringen. Die einzigen beiden Klausuren, die jetzt noch übrigsind, sind Phonetik am Montag und Phonologie am Donnerstag; nach der Abschlusssitzung vorhin in Phonologie habe ich für beide ein erleichternd gutes Gefühl und glaube fast, dass ich es noch schaffen könnte, für beide genug zu lernen, um zu bestehen. Sogar Phonologie. Wenn ich halt zügig vorankomme ab jetzt.

Nachher ist Bandprobe und ich freue mich schon drauf, das erste Mal ohne Sebi (dem geht’s gut in Istanbul, ich hatte ihm vorgestern mein Problem mit dem Verstärker hier kurz geschildert und er hat sich an einer Ferndiagnose versucht, mit mittelmäßigem Hilfreichkeitsgrad – ich hoffe ja nur, wir bekommen das heute hin) – also wahrscheinlich eine ganze Ecke ruhiger, als wir es so gewohnt sind, aber dafür mit ausnahmslos zumindest halbwegs fähigen Musikern. (Sogar Sebi selber hat letztens festgestellt, dass er Gänsehaut bekommt, wenn er seine Stimme hört, und nicht im positiven Sinne.) Das wird schön!

Bevor ich gleich zu Oral Proficiency wieder in die Uni gehe, mache ich mir am besten noch irgendwas Energetisierendes zu trinken und nehme es mit, dann bin ich nachher wieder richtig schön überdreht, wie sich das für Bandzusammenkünfte so gehört. (Und kippe nicht um während der Probe – jetzt, wo wir bei mir proben, ist es ja noch verlockender, wenn mein Bett nur ein paar Schritte von mir entfernt steht.)