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Atzo baino gehiago

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Wie wahr, wie wahre Worte doch Berri Txarrak in die Welt gesetzt haben, als sie Ikasten schrieben: Gaur atzo baino gehiago dakit, baina bihar baino gutxiago.

So weiß ich heute zum Beispiel, dass ich gestern Abend ein relativ scheußliches Erlebnis hatte, welches als Suppendrama in meine persönliche Geschichte eingehen wird. Daran waren R und ich selbst, eine Schüssel Brühe und ein grippeinduzierter Fieber- und Entkräftungsanfall meinerseits involviert und wollten alle nicht so recht zueinanderfinden.

(Um das konkreter auszuführen, damit ich mich nicht in ferner Zukunft wieder über meine nutzlosen vagen Ausführungen aufrege:

Kennst du das? Du bist krank daheim und hast aus Mangel an Energie und Motivation dazu seit Tagen nichts Gescheites gegessen. Auf einmal wird dir kotzübel und schwummerig. Dir fällt eben beschriebener Umstand auf, das hilft dir nur leider jetzt auch nicht mehr. Du wankst in die Küche und holst dir einen Behälter zum Reinkübeln (genauer gesagt, deine bewährte Kotztasse aus Zeiten der Hyperemesis) und ein Glas Wasser. Du schleppst das alles und dich selbst zur Couch und lässt dich darauffallen. Dir ist kalt, aber so richtig. Du fängst an zu zittern. Die Tür ist auf und es kommt frische Luft rein, aber eigentlich sollte dir nicht so kalt sein bei dem schönen Wetter. Du breitest die Sofadecke über dir aus und verbrauchst dadurch wertvolle Energiereserven. Du weißt ziemlich genau, dass du am besten vorgestern irgendwelche Nährstoffe zu dir nehmen solltest. Die Erinnerung an deine kurze Schwangerschaft und die damit verbundenen Höllenkotzqualen fesselt dich an die Couch. Neben dir liegt dein Handy. Du überlegst, ob es den Kraftaufwand wert ist, es zu bedienen, und entscheidest dich dafür. Du rufst deinen langjährigen Partner an, der bereits aus der Arbeit rausgekommen sein müsste. Du stellst erfreut fest, dass du durch Anschalten der Lautsprecherfunktion den dazu benötigten Energieaufwand minimieren kannst. Er nimmt ab. Du fragst, ob er schon auf dem Heimweg sei. Er sagt, er wolle noch kurz bei einem Kumpel vorbeischauen, was besprechen. Du sagst „ach so“ und lässt dir schließlich entlocken, dass es dir nicht so sonderlich geht. Er fragt, ob er dir was Gutes tun könne. Du sagst „Suppe“. Er sagt, okay, dann werde er seinem Kumpel absagen und heimkommen. Du bist sehr erleichtert, bedankst dich und legst auf. Es wird dir unerträglich kalt. Deinen Körper durchdringen Gliederschmerzen. Besonders schlimm ist es im Rücken. Du willst dich alle paar Sekunden am liebsten anders hinlegen, aber das nimmt zu viel Kraft in Anspruch. Du brauchst diese Suppe. Du ziehst in Erwägung, deinen Partner nochmal anzurufen und ihn zu bitten, mit dir zu reden, während er nach Hause fährt und du auf die Suppe wartest, um das Rumliegen und Warten erträglicher zu machen. Du entscheidest dich dagegen, weil du nicht nerven möchtest. Eine halbe Stunde vergeht. Du hast es gerade geschafft, einzuschlafen, dann ertönt das Schlüsselgeräusch und dein Partner tritt ein. Deine Erleichterung ist so groß, dass du bei seinem Erscheinen gleich wieder ein Stück lebendiger wirst und mit ihm reden kannst, obwohl du gerade noch dachtest, du könntest gar nichts mehr. Du bleibst liegen, ohne dich zu bewegen, und weißt: eine halbe Minute noch, dann ist die Bouillon fertig und alles wird wieder gut. Dein Partner begibt sich in die Küche und setzt Wasser auf. Er fragt, ob du Flädle in die Brühe möchtest. Du sagst nein, einfach nur Brühe. Womit denn, fragt er. Brühwürfel, sagst du. Er sagt, dass es schon cool wäre, Flädle in die Brühe zu geben, dann hätte er auch etwas zu essen. Dir wird das langsam zu anstrengend, aber du antwortest ihm, er könne in seine Suppe ja Flädle machen, du hättest gern nur Brühe. Er steht in der Küche und tut etwas, das sich anhört wie Kartoffelnschälen. Dann fängt er mit etwas an, das dem Geräusch nach das Schneiden von Kartoffeln sein könnte. Ganz sicher bist du dir nicht, weil du ziemlich sicher nicht deinen Kopf hochheben und nachsehen wirst. Es sind Minuten vergangen. Du fragst, ob die Brühe fertig ist. Er sagt, er würde jetzt was Richtiges in die Brühe machen. Dann fragt er, ob du noch zehn Minuten aushalten würdest, bis es fertig ist. Du sagst NEIN. Du brauchst jetzt deine Suppe. Er wird laut und führt an, er könne nicht zaubern. Du entgegnest fassungslos, dass alles, was er tun müsste, wäre, einen Brühwürfel in eine Schüssel mit warmem Wasser zu geben. Er schreit dich an, die drei Minuten hättest du ja wohl noch und sein Tag sei ja auch nur verdammt stressig gewesen. Du wiederholst, du bräuchtest deine Brühe jetzt. Er weigert sich und schneidet ungerührt seine Kartoffeln weiter. Deine Hilflosigkeit und seine Unmenschlichkeit schicken sich an, dich in ungeahnte Sphären der Verzweiflung zu katapultieren. Du entziehst deinem Energiereservoir die letzte Ration und teilst ihm mit, wenn er es nicht schaffen würde, dir deine Brühe jetzt zu geben, würdest du ihn bitten, dass er ausziehe. Du vernimmst Geräusche der Boullionproduktion und dazu die Entgegnung, er werde sich das überlegen, sowas müsse ja echt nicht sein hier. Dann stellt er dir die Schüssel auf den Tisch und geht zurück in die Küche. Du kannst die Brühe riechen. Du machst dir einen Plan, wie an die Brühe heranzukommen ist. Aus der Küche ertönt der Hinweis, die Brühe würde auf dem Tisch stehen. Du setzt deinen Plan in die Tat um und bewegst deinen Körper mit einem Ruck in Richtung der Schüssel. Leider erfordert das mehr Energie, als du übrig hattest, und du klappst über der Schüssel in einer Mischung aus Nerven- und Körperkollaps zusammen. Du greifst nach dem Löffel. Leider zitterst du unkontrolliert und schlägst damit die heiße Suppe über deine Hände, ins Gesicht und auf den Tisch. Du kannst nicht aufhören zu zittern. Dein Partner kommt wieder und fragt, ob er dir jetzt die Suppe zum Mund führen soll. Seine Hand hält den Löffel ruhig und du kannst die ersten Schlucke lebensspendender Nahrung einnehmen. Mit zunehmendem Brühepegel kann dein Körper sich wieder beruhigen. Dein Partner hat inzwischen festgestellt, dass du deine Suppe ja augenscheinlich tatsächlich gebraucht hast, und sich entschuldigt, um dann wieder in die Küche zu seinen Kartoffeln zu entschwinden.

Du kennst das nicht? Also, ich jetzt schon.)

Ich habe ferner aus dieser Begebenheit gelernt (abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass es ein grober Fehler war oder wäre, R mein Leben in die Hand zu legen), dass ich wirklich daran zu arbeiten habe, rechtzeitig und deutlich um Hilfe zu bitten. Ohne Spielraum für „wenn du willst“ oder „wann du kannst“ oder „es wäre schön“. Ich muss mich nicht wundern, wenn eine Situation verkannt bzw. unterschätzt wird, wenn ich mein Möglichstes tue, um weniger hilflos dazustehen, als ich es bin. Das ist ein riesiger Knackpunkt von mir. Ich habe mich auch dafür bei R entschuldigt mit dem erklärenden Zusatz, dass ich es hasse, um Hilfe zu bitten, und es meistens zu spät tue. Insgeheim bin ich trotzdem verstört darüber, wie er es schafft, mich nach der langen Zeit so schlecht zu kennen. Ich bin wirklich sehr leicht kennenzulernen, wenn man möchte. Aber da haben wir es ja schon. Da liegt das Problem.

Heute geht es mir wieder besser. Ich habe den Abend dann mithilfe von zwei Paracetamol noch ganz gut über die Bühne bekommen. Nachts kam das Fieber wieder, aber ich wollte nicht noch eine Tablette nehmen. Der Bettbezug, den wir im Sommer als Decke benutzen, ist zu dünn für eine Person, und mir wurde ziemlich kalt darunter irgendwann. Aber R hatte gesagt, er würde nicht mehr lange machen, und natürlich fiel es mir nicht ein, ihn zu fragen, ob er ins Bett kommen möge. Zum Einen ist mir bei sowas meine eben erläuterte vollkommene Unfähigkeit im Weg. Zum Anderen das Alien, das mir seit jeher vorschreibt, zu warten, bis sich der Zustand von selbst ändert. Und zum Dritten hat meine Erfahrung gezeigt, dass R nicht der Mensch ist, der ins Bett kommt, weil seiner Freundin kalt ist. Ich bekomme einiges raus aus ihm und einiges hinein, aber das Fürsorge-Gen nicht, das fehlt ihm einfach. Und wenn ich es mal so sagen darf: darunter leide ich ziemlich.

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Wie zu etwarten war

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Klar. Natürlich, ich musste unbedingt mal wieder alles versauen. R taugt nicht als Suizid-Hotline-Arbeiter und ich selbst nicht als Diplomatin, sofern meine Mutter im Spiel ist. Wein taugt nicht als Deeskalator. Die besten Quality-Time-Maßnahmen machen niemanden zu einem besseren Menschen. Ich werde vermutlich dieses Desaster irgendwie überleben, aber frag nicht, wie.

Bushaltestellenüberlegungen

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Jetzt habe ich Malte in meiner Wohnung sitzen und bin selbst noch nicht zu Hause. Ich habe ihm den Schlüssel rausgelegt (Geistesblitz in letzter Sekunde) und ihn instruiert, schonmal einen Donut zu essen, während ich gerade Brötchen retten war und hier unten am Berg noch auf den Bus zurück warte.

Ich bin mit der Situation nicht ganz zufrieden: am Wochenende habe ich kurz mit Barbara telefoniert, die nach Monaten dann beschlossen hatte, sich doch mal bei mir zu melden. (Ja. Dieses Theater ist mir dieses Jahr somit bereits zum zweiten Mal passiert. Aus dem gleichen Grund wie mit Basti, nämlich ihrer paranoiden Befürchtung, ich sei sauer auf sie. Diese Feigheit. Leute.)

Barbara hatte Wind davon bekommen, dass Malte und ich Kontakt haben, und verkündete mir, sie könnte mit mir nicht reden, solange dem so sei. Ich hatte mir sowas schon gedacht, das passt zu ihr, und war eher erstaunt ob ihrer Zivilisiertheit mir gegenüber. Ich hatte eine größere Szene erwartet. Dafür dämonisiert sie Malte und sieht ihn als den Urheber allen Dramas. Er hätte ihr ihre Familie weggenommen und nun mich. Langsam sollte deutlich werden, warum ich therapeutische Behandlung in ihrem Falle für dringend notwendig halte.

Müll – es gibt solchen und solchen

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Trotz Panik geht es mir heute besser als die letzten Tage. Sophi hat sich gerade nach vorne verschoben, sodass ich schon gleich zu ihr fahre. In der Zeit bis dahin bearbeite ich noch schnell den Mitschnitt des Vortrags von letztem Freitag, den R mit der Solid organisiert hat und den ich mit meiner Mutter besucht habe. Der Vortrag war es übrigens auch, der uns an dem Tag das Leben gerettet hat. Wir hatten uns zuvor in eins unserer berüchtigten Weltuntergangsdramen verstrickt und waren beide zu stur, um aufeinander zuzugehen, aber nach der ablenkenden Wirkung des Vortrags und des dabei konsumierten Biers fühlte ich mich so viel besser und war fähig, eine normale Interaktion anzustoßen. Wir sind dann Falafel essen gegangen und haben uns tatsächlich wieder eingekriegt, und der Rest ihres Besuchs verlief harmonisch.

Nun bin ich gerade begeistert von der Leistung meines klapperigen AGs – es hat den Vortrag ohne Nebengeräusche jeglicher Art aufgezeichnet, was wirklich nicht mehr selbstverständlich ist – ich hatte mich auf Gegenteiliges eingestellt und war schon davon ausgegangen, der Aufnahme die komplette linke Spur amputieren und die rechte zu einer Monospur zusammenstauchen müssen. Auf der linken Seite kommt immer dieses Monsterrauschen, wenn man beim Anschalten die Hand falsch positioniert. Aus irgendeinem Grund reagiert das AG hochempfindlich auf die elektrische Ladung im menschlichen Körper. Naja, ich werde auch Macken haben, wenn ich alt bin.

Neben mir steht meine neue Wohnzimmerlampe, die ich gestern inklusive Leuchtmittel vom Sperrmüll vor dem Haus aufgegabelt habe. Jemand wollte sie weggeben, bloß weil der Schirm des Fluters an einer Stelle gesprungen ist. Gut für uns – die alte Lampe fiel schon halb auseinander und leistet R jetzt im kleinen Zimmer beim Lernen gute Dienste.

Eigentlich wollten wir ja bloß unsere alte Matratze auf dem Sperrmüll deponieren. Ich habe nämlich gestern die unerquickliche Entdeckung gemacht, dass sich auf ihrer Unterseite ein gigantischer schwarzer Schimmelfleck von den Ausmaßen eines Pastatellers befand – nichtmal ich wollte daraufhin diese Matratze noch in der Wohnung behalten. Hätten wir nicht von meiner Mutter zu Weihnachten die neue Matratze bekommen (1,40 breit! So riesig!!), die wir am Wochenende ausgesucht hatten und die gestern geliefert wurde, wer weiß, wann wir uns der widerlichen Pilzkultur bewusst geworden wären. Und wie überaus praktisch, dass R, als wir schon dabei waren, die Matratze in der Tiefgarage zwischenzulagern, dann noch einfiel, dass doch gerade Sperrmüll war.

Jetzt sollte ich los.

Zwei Seiten

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Okay, das war ein ziemlich ekliger Tag und ich habe ein paar Sachen erfahren, die mir nicht unbedingt wenig zu schaffen machen. Auf der anderen Seite.. ja, was ist auf der anderen Seite? Und wenn es schon die Epikureer nicht sind, die der Zweckoptimismus so voll und ganz ausmacht, bin ich es nicht umso mehr? Nach einem solchen Tag noch den Fokus auf die andere Seite lenken zu wollen – selbst Psychiatern und Therapeuten gegenüber auf jede noch so kleine Bekundung einer nicht optimalen Lage ein blitzschnelles „ABER“ folgen zu lassen und sich in genau diesem Moment dann geschwind zu überlegen, was darauf denn eigentlich folgen könnte – sollte ich nicht daran eventuell auch mal arbeiten?

Aber beleuchten wir wirklich beide Seiten. Die eine: Ich habe Panik und fühle mich sehr allein. Alles scheint aussichtslos. Meiner Mutter geht es grottig und mir auch. Sie schafft es nicht, zwischen sich und ihrem bodenlosen Schmerz im Gespräch mit mir die nötige Distanz zu halten, sodass ich hineingezogen werde, sobald ich davon erfahre. Ich will alles davon wissen, aber halte es nicht aus. Wir haben schon im normalen Umgang Kommunikationsprobleme, die zu Missverständnissen auf beiden Seiten führen.

Die andere: Ich habe die Kommunikationsprobleme wieder ein Stück besser verstanden und kann somit daran arbeiten. Ich habe Dinge erfahren, die ich zuvor nicht wusste. Mir geht es nicht besser damit, aber immerhin weiß ich, woran ich bin, und das habe ich immer schon sehr geschätzt. Ich habe außerdem zumindest insoweit die Verhältnisse klären können, dass wir uns jetzt beide wieder vergegenwärtigen konnten, dass wir uns gegenseitig nicht absichtlich in Abgründe stürzen.

Da schau, zumindest sind beide Seiten in etwa gleich lang. Mir geht es schon besser durch das Schreiben. Ich gehe im kleinen Zimmer die Heizung anmachen, damit R es beim Lernen warm haben kann, wenn er heimkommt.

Dönerwetter.

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Okay, ich bin tatsächlich ziemlich erleichtert, dass Laura meine Paranoia, sie könnte sich mit R derart gut verstehen, dass eine Art Caro-Aspi-Sackratten-Drama daraus hätte entstehen können, endgültig und überzeugend zerschlagen hat. Wenn man von dieser Seite draufschaut, ist die Aussicht nämlich tatsächlich nicht sonderlich verlockend. Aber das ist sie im Grunde ja definitiv von keiner Seite.

Abgesehen davon: Meine Festplatte hat nach einer selbstverschuldeten unsanften Landung auf dem Parkettboden meiner Eltern den Geist aufgegeben, ich habe somit alles an darauf befindlichen Daten verloren und mich juckt’s noch kaum, muss der Schock sein und die Tatsache, dass ich genug Anderes um die Ohren habe (die gute Trudi lässt nichts mehr von sich hören, hat somit meine letzte versuchte Rettungsaktion in Form einer vorgefertigten Kündigung plus dem Vorschlag, ihr ihre Möbel gegen den Erlass aller Schulden bei mir abzunehmen nicht in Anspruch genommen und wird zeitnah – not unlike the previously mentioned landing of my late hard drive – unsanft aus ihrer ehemaligen Wohnung fliegen, alles, weil sie zu feige ist, sich den Konsequenzen ihres ekelhaften Verhaltens zu stellen, und sich dabei nochmal um einiges ekelhafter verhält, als ich es je für möglich gehalten hätte).

Da war es eine ziemlich glückliche Fügung, dass meine Eltern sich ob meines erfolgreich abgeschlossenen Studiums fast unverhältnismäßig großzügig gezeigt und mir eine solche Unsumme an Zahlungsmittel haben zukommen lassen, dass ich nicht nur meinen kompletten Urlaub wieder drinhabe, sondern dazu noch das verbleibende Geld für eine neue Festplatte ausgeben kann. Glück muss man haben. Fast schon schade, dass meine (Ex-)Mitbewohnerin sich als über alle Maßen erbärmliche Ausgeburt exorbitanter Feigheit erwiesen hat, sonst hätte man sich beinahe überlegen können, ihr mit diesem unerwarteten Geschenk ein bisschen unter die Arme zu greifen.

Hm. Hoffentlich habe ich Strom, bis mich Becci am 13. besuchen kommt. Das wäre ungünstig sonst. Aber es muss sich jetzt ja eigentlich innerhalb von ein paar Tagen klären, anders überleben wir das auch alle nicht mehr. Allein vom Nervenkostüm her nicht. Mir ist inzwischen ein Magengeschwür gewachsen, ich bin mir ziemlich sicher.

Oh well. Erstmal warten, bis R mit seiner TeKo fertig ist, und dann mit dem bereits kaltgestellten Sektchen ein wenig die schönen Nachrichten der bald vergangenen Woche feiern. Ich bin ein fertig studierter Mensch, das muss man auch erstmal schaffen.

Ein Stück mehr Phönix

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Ich habe schon wieder etwas geschafft. Naja – so, wie ich halt immer Dinge schaffe, wenn es Drama gibt. Oder eher andersherum, wie ich, um etwas zu schaffen, dafür zwangsläufig ein Drama brauche.

Wie meistens handelte es sich bei meiner Errungenschaft um Kommunikation. Es ist ganz lustig eigentlich, weil genau das, was ich geschafft habe zu kommunizieren (oder ein Teil dessen), ist, dass ich es meistens nicht schaffe, zu kommunizieren.

Es war so, dass ich mich wider besseres Wissen beim Bogglen mit R in eine Art politische Debatte verstrickt hatte. Verwunderlich wird es kaum sein, wenn ich verkünde, dass es wenig Spaß macht, Debatten jeglicher Art mit R zu führen. Du musst es dir so vorstellen, dass, wenn du normalerweise schon den Eindruck hast, du könntest den letzten Scheiß von dir geben und es würde ihn nicht mehr und nicht weniger interessieren, sich dieser Eindruck in Diskussionen noch um das Zehnfache verstärkt. Er braucht einfach jemanden, den er plattwalzen kann. Erwartet aber gleichzeitig (wie ich inzwischen herausgefunden habe), dass die Maßnahmen, die man dagegen ergreift, ihn in keinster Art und Weise verletzen.

Wie auch immer, ich versuchte, ihm begreiflich zu machen, dass es Zwischenschritte braucht, um Menschen von radikalen Ideen zu überzeugen, und er konterte mit der Aussage, an mir würde ihn nerven, dass ich einfach containern ginge und mein Veränderungswunsch an dieser Stelle aufhöre. Von dem Punkt an konnte man mich vergessen; mein Hirn hatte sich hinter den rapide heraufgeschnellten Wall aus Dramatik verzogen und ließ mich unbewaffnet zurück. Die drei Minuten, die ich zum Zähneputzen brauchte, reichten aus, um mich auf die „Wir sind nicht im Geringsten kompatibel, was tue ich mir hier an“-Stufe hinaufzukatapultieren, die in weniger stabilen Zeiten immer wieder ein beliebtes und leicht zu erreichendes Landeziel darstellt; in dementsprechender Grabesstimmung legte ich mich ins Bett, erstarrte wie für Attacken dieser Art üblich zu einem unbewegten Standbild unaussprechlichen Dramas und versuchte, mich wieder einzukriegen. Wie ebenfalls üblich failte ich grandios, als R hereinkam und mir mit simplen Wörtern wieder in Erinnerung rief, dass man, wenn schon im Rest des Lebens eher weniger, während eines Heulanfalls doch mit ziemlicher Sicherheit damit rechnen kann, dass er seine Aufmerksamkeit auf die emotionale Befindlichkeit seiner Partnerin richtet. Und wie üblich bekam ich letztendlich aufgrund der so raren wie wohltuenden Aufmerksamkeit wieder ein Stückchen Wahrheit verbalisiert, diesmal die tatsächlich nicht ganz unbedeutende Information meiner Verzweiflung über sein schlichtweg nicht vorhandenes Interesse an meiner Innenwelt. Dir muss ich das nicht sagen; meine Schwierigkeiten, mich jemandem ohne dessen ausdrücklich geäußerten Wunsch mitzuteilen, waren immer auch einer der Gründe, damit fortwährend das Internet zuzumüllen. Für R dagegen war offenbar nicht ersichtlich gewesen, dass mich sein brutales Urteil über meinen Veränderungswunsch vor allem deshalb so hart getroffen hatte, weil diese hirnrissige Äußerung durch jemanden erfolgte, der sich beileibe nicht damit rühmen kann, meiner Gedankenwelt je intensiv ehrliche Beachtung geschenkt zu haben, geschweige denn sie so in- und auswendig zu kennen, wie ich es mir für ein Verhältnis dieses Vertraut- und Verbundenheitsgrades nicht sehnlicher wünschen könnte.

Da R, wie ich nicht müde werde hervorzuheben, ein außerordentlich lernfähiger Mensch ist, war es am Tag danach recht putzig zu beobachten, wie er versuchte, das Erfahrene in veränderten Output umzuwandeln. Mir stach besonders diese Begebenheit ins Auge, als Basti und ich in meinem Zitat-Ringbüchlein etwas nachgucken wollten und ich es R unter die Nase hielt (es ging darum, dass er seine legendäre Aussage, er könnte sich mit mir Selbstversorger vorstellen, natürlich längst in die weiten Gefilde seines Desinteresses zurück verdrängt hatte und wir ihm beweisen wollten, dass er sie dennoch getätigt hatte – zum Glück schreibe ich sowas auf), woraufhin er sich veranlasst sah, mich zu fragen, ob man sich darin umschauen dürfte, und anfing, sich ein paar der aufgeschriebenen Kleinigkeiten zu Gemüte zu führen. Was hätte ich das gefeiert (seien wir ehrlich, ich wäre im Dreieck gesprungen), wäre es nun ehrliches Interesse gewesen und nicht das offenkundig aus ihm sprechende Bedürfnis, mir zu demonstrieren, dass ich gehört wurde. (Deshalb weise ich Menschen so ungern auf so etwas hin; wenn sie sich dann tatsächlich ändern, muss man immer annehmen, dass es nicht ihrem echten Wesen entspricht.) Aber ich bin einfach schonmal unsagbar froh, dass ich gehört wurde. Und dass ich in der Lage war, überhaupt mal zu reden.

Und ich bin froh, dass es nicht mehr zu regnen scheint. Zur Tafel zu fahren vorhin war nicht die angenehmste Unternehmung, die man sich vorstellen kann. Wenn ich gleich wieder foodsharingmäßig unterwegs bin, bleibe ich wenigstens von einer zweiten Sintflut dieser Art verschont.

Let’s play a game of Monopoly. (Oder: Details.)

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Also, Moment mal.

Nun ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem mir vorgehalten wird, was für ein Opfer die Aufgabe der Polyamorie für ihn darstellt. Hab‘ ich’s nicht gewusst, hab‘ ich’s nicht gesagt, es kommt so weit. Wie gut, dass ich mich in einer Gesamtsumme von definitiv zu vielen ‚zig Stunden Kopfmalträtierung darauf vorbereiten konnte, voll und ganz hinter meiner Überzeugung zu stehen, dass ich jedes Recht habe, mir so ein widerwärtiges Druckmittel nicht unter die Nase reiben zu lassen.

Gut – zwei Mal in einer Woche den Mund aufmachen ist demnach zu viel. Registriert.

Das kann er grad echt nicht gebrauchen. Er hat ja Stress. Er muss schließlich sein Leben auf die Reihe kriegen. Das Problem: Der Moment, in dem er nicht gestresst ist und/oder sein Leben auf die Reihe bekommen hat, kommt am gleichen Tag wie der, in dem es Trudi super geht, sie ihr Leben auf die Reihe bekommen hat und ich ein Mal im Leben ohne schlechtes Gewissen sie darauf hinweisen könnte, dass sie gefälligst irgendeiner Haushaltspflicht nachkommen soll, die sie seit Wochen vernachlässigt. Richtig, das nennt man Sankt-Nimmerleins-Tag. Und so lange warte ich nicht.

Nun denn. Ich bin nicht polyamor, ich verabscheue das Prinzip aus so beispiellos tiefster Seele, dass man sich fragen muss, ob meine Seele so etwas wie einen Boden überhaupt besitzt; ich finde es feige und rücksichtslos und charakterlich mehr als bedenklich und werde den Teufel tun, von dieser Ansicht auch nur ein Milimeterchen zurückzutreten, und damn it, ich beleidige the hell out of dieser Idelogie, an die der bloße Gedanke mir die Eingeweide zerfetzt, aus reinstem Selbstschutz, and I’ll keep on doing that until I feel I don’t need to anymore,  and that’s going to be the day I feel safe with him, which is going to be the day I’m able to feel I’m enough for him, and that’s going to be the day hell freezes over. Cause he won’t let it go.

Das sind dann die Momente, in denen ich denke, nope, das wird nichts. Nicht in dreihundert Jahren. Ich verschwende jeden verfickten Moment meiner Zeit mit jemandem, der nie die Absicht gehegt hat, mir genug zu sein. Du bist glücklicher, wenn man sich noch jemanden dazuholt, dann geh und such dir jemanden, der mitspielt. Sorry, not sorry. Wer das braucht, hat nicht mein Verständnis von Liebe, von Liebe und dedication, von Liebe und dedication und commitment. Ich packe in meinen Wertekoffer. Ha, du bildest dir ein, besser zu sein als Andere. Du meinst, du bist der üble Committer. Du denkst, du hast die ultimative Einsicht in die Polyamorie. Leuten, die sie anders verstehen als du, sprichst du jegliches Recht ab, sich in die Schublade auch nur einzuordnen. Du beschwerst dich über Bindungsprobleme in der Poly-Szene, du Möchtegernheiliger, du Heuchler, du, der du genau so wenig willens bist, die volle Verantwortung zu übernehmen, wie jeder andere verdammte Poly-Mensch auf dieser Welt. Du Wichser, du verdammter Feigling hast doch nur Angst, dass dich jemand auf Dauer nicht erträgt. Damit eines Tages, wenn mir dein Oh-ich-bin-eigentlich-poly-was-habe-ich-nicht-alles-geopfert-für-dich-Gehabe, mit dem du jetzt ankommst, zu dumm wird, du mir sagen kannst, du hättest mich ja von jeher ermutigt, mir nebenher noch jemanden zuzulegen, der mich in meinen schwierigen Zeiten besser handlen kann. Damit entziehst du dich jeder Verantwortung; du willst einfach nicht selbst dran arbeiten, du willst einfach nicht die Gewissheit haben, dass ein einzelner (aber ganzer) Mensch sich in deine Hände legt, du willst Stücke von hier und Stücke von da, und unangenehme Situationen kommen gar nicht auf, denn man hat ja noch jemanden, der einen auch nur zur Hälfte kennt und natürlich auch nur zur Hälfte ertragen muss, das ist es doch und nichts Anderes. Kaum vorstellbar, dass ich diese Art zu leben befürwortet habe, bevor ich tatsächlich damit konfrontiert wurde. Und wenig verwunderlich, meines Erachtens, dass es mir wenig Freude bereitet, zu wissen, dass es das ist, was du eigentlich gern hättest. Das schnürt mir die Luft ab, das schnürt mir die Lebenskraft ab und die ganze riesige Selbstsicherheit, die du mir an anderer Stelle geschenkt hast.

„Wir müssen dringend an deinem Selbstbewusstsein arbeiten… und es wird mir ein Vergnügen sein.“

Hörte ich dich im Januar sagen und wundere mich im Dezember noch immer, wie du es fertigbekommst, mich des erstaunlichen Produkts unserer Arbeit immer wieder in Sekundenschnelle zu berauben, indem du mich wissen lässt, dass ich eigentlich ganz verkehrt bin, und meine Ansichten mit dem ekelhaften, intoleranten Drogenbild deiner Eltern vergleichst. Gowai, ich will das nicht mehr. Ich will raus hier.

Natürlich will ich nicht raus hier. Ich will alles, nur nicht raus hier. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich will geliebt werden, umsorgt werden, beschützt werden, gekannt werden, erkannt werden, durchleuchtet werden bis in die allerletzte Ecke, wenn ich es doch schonmal geschafft habe, Mauern ab- und Vertrauen aufzubauen. So ein unmögliches Stück Arbeit. Ich will alles von mir herausholen können, teilen mit jemandem, der mich sehen will, in meiner Gesamtheit, um meine Wertigkeit zu erhalten, an die ich anders nicht gelangen kann. Das will ich eigentlich, und davon könnte „raus hier“ entfernter nicht sein. Verdammt, ich würd‘ nur so gerne haben, dass diese Eigenschaft „Monoamorie“, für die mich so unermesslich viele Menschen so lieben würden, bewundern würden, schätzen würden, von dem einen (aber ganzen), dem ich sie angedeihen lasse, zumindest nicht als dieser furchtbare Mangel angesehen wird, nach dem sich zu richten ein ungemein schweres Opfer darstellt.

Artikulationsproblem, ich seh’s auch so.

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Vielleicht ist der Grund, aus dem ich mir gerade leicht ineffizient vorkomme (um nicht zu sagen, relativ unnütz), der, dass R in der Küche sitzt und Politik macht, draußen die wunderbarste Herbstsonne scheint und ich im Bett hänge. Ich bin unzufrieden; warum bin ich nicht in der Lage, wenigstens nebenbei noch die Welt zu retten, während ich mein Leben faile?

Letzte Nacht eröffnete sich mir ein Mal mehr die Tatsache, dass Alkohol mich um Längen in meiner Entwicklung zurückwirft. Der sehr geringen Menge, die ich gestern davon zu mir genommen hatte, zum Trotz habe ich mich mal wieder von Dingen fertigmachen lassen, die mich im nüchternen Zustand kaum dermaßen hätten verstören können, und einen Verzweiflungsanfall mittelschweren Ausmaßes geschoben. Was war los? Ich kann mich nichtmal wirklich an den Auslöser erinnern, aber spätestens zu dem Zeitpunkt, als R auf seine nicht im Geringsten überdramatische Art verkündete, ob er sich mir im Bezug auf schriftstellerische Tätigkeiten offenbaren könne, auch wenn es harter Stoff wäre mit Potenzial, etwas zwischen uns zu ändern, hat sich bei mir die blanke Panik breitgemacht. Ich konnte ewig nicht aufhören zu heulen. Wie es halt so ist. Auch als sich herausstellte, dass er einfach vorhat, über die letzte Frau, die ihn traumatisiert hat, ein Drehbuch zu schreiben, was selbst in dem Moment meine instantly auftretenden Szenarien unaussprechlichen Horrors um ein Vielfaches unterbot.

Wir haben im Büro eine Küche. Eigentlich besteht das Büro aus zwei Zimmern, einer diese verbindenden Küche und einem Badezimmer, welches ebenfalls von der Küche abgeht. Der Punkt ist aber eigentlich, dass der Wasserhahn in der Küche mich an mein Heulverhalten erinnert; du drehst ihn einmal ganz kurz auf und machst ihn wieder zu, aber es kommt noch ewig Wasser heraus, sodass du schon genau weißt, wenn du dir ein Glas Wasser einschütten willst, reicht es völlig aus, auf der Hälfte schon wieder abzudrehen.

Das Allerabsurdeste aber, was bei dem Drama gestern herauskam, war unbestreitbar R’s Aussage, ich sei für ihn der wichtigste Mensch auf der Welt, auch wenn er das nicht immer so rüberbringen würde; er habe diesbezüglich ein Artikulationsproblem. Wenn du ahnen könntest, wie ich diese Person vom allerersten Moment an für ihre unvergleichliche Fähigkeit bewundert habe, ihre Empfindungen zu artikulieren. (Natürlich kannst du das nicht; das muss man erlebt haben.) Artikulationsproblem? Ich glaube, ich muss nachher die Aufnahme mal durchwühlen, die ich noch gestern Nachmittag gemacht habe, die das exakte Gegenteil zum Inhalt hat. Wenn er meint, das, was er denkt, nicht ordentlich artikulieren zu können, was genau habe ich dann? Schaffe ich es etwa, ihn alles wissen zu lassen, das ins Gesicht gesagt zu bekommen er unzweifelhaft verdient hätte? Angefangen mit einem simplen „Ich liebe dich“, über „Ich freu mich unendlich, dass du da bist, wenn ich nach Hause komme“, bis hin zu eben diesem „Deine offen mitgeteilte Zuneigung ist ein Segen für meine Seele“, das mir oft genug im Kopf herumschwirrt, auch wenn ich den Teufel tun würde, es je zu artikulieren.

Abstrus.

Nun gehe ich und treffe mich mit Mama in der Stadt. Sie rief eben an und beorderte mich zum Bahnhof, wo sie um halb zwei auf mich wartet. Yay, ich geh‘ raus! Pensative gloomy mood over – at least for now.

Edit: So viel zu R’s Mitteilungsproblemen.