Schlagwort-Archive: Dummheit

Scheiße

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Murat hat Berufung eingelegt. Ich könnte kotzen. Nichtmal so sehr, weil ich Angst hätte, dass das Urteil beim nächsten Mal großartig anders ausfallen würde. Aber der Stress, den das für R bedeutet. Ich habe so einen Hass auf diesen Menschen. Oder was Murat auch immer ist. Wahrscheinlich ein Reptiloid oder Derartiges. Man sollte mal ausprobieren, ob er auf den Anblick von Alufolie allergisch reagiert.

Roberto postet Scheiße bei Facebook und lässt sich nicht überzeugen. Sein Hirn kann Argumente nicht verarbeiten. Die Mehrheit meiner costarricanischen Bekannten unterstützt einen fundamentalistisch religiösen Präsidentschaftskandidaten, der offen zur Diskriminierung Homosexueller und der Verteufelung sexueller Aufklärung an Schulen sowie einer unbedingten Vereinigung von Kirche und Staat aufruft. Ich bin frustriert.

Ich bin so frustriert im Angesicht von so viel menschlicher Dummdreistigkeit, dass ich schon bald Mordgelüste bekomme. Oder alternativ Lust darauf, Murat den Deutschtürken mit Fabricio dem christlichen Fanatiker auf Lebenszeit in eine Gummizelle zu sperren.

Wenn der Therapeut gestört ist…

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Whoa. Ich habe gerade die erste Runde Therapeuten für Becci abtelefoniert und bin heilfroh, das selbst gemacht zu haben. Nicht auszudenken, was diese Odyssee mit Leuten machen soll, die eh schon kaum in der Lage sind, überhaupt irgendetwas zu tun, geschweige denn von zigtausend potenziellen Helfern abgewiesen zu werden.

Am besten war ein gewisser Dr. Martin Jost (volle Namensnennung in voller Absicht!), welcher mir Folgendes zu schlucken gab: „Ach, für eine Freundin? Also, so über Dritte mache ich das normalerweise nicht. “ Und auf meine Entgegnung hin, dass die Frau seit einem knappen Jahr in einer schweren depressiven Episode steckt und so etwas einfach gerade nicht kann, dann mit der Einfühlsamkeit eines intergalaktischen Highways: „Dann sollte sie sich vielleicht mal in der Psychiatrie vorstellen, wenn es so schlimm ist. Wie soll sie denn zu mir kommen, wenn sie nichtmal anrufen kann? Also, das läuft hier nicht über Hausbesuche. Da muss sie sich schon persönlich vorstellen und selbst anrufen.“

Hallo? Also erstmal: Was, erinnern Sie mich bitte, ist eigentlich normal – gerade in Ihrem Berufsfeld? Und außerdem: Sie sind der Therapeut von uns beiden, oder verstehe ich das falsch? Sollte man sich als fertig ausgebildeter Psychologe nicht eventuell mal mit dem Gedanken befasst haben, dass Leute nicht gleich völlige Krüppel sein müssen, nur weil sie eine an sich leichte Sache nicht gebacken kriegen? Und dass man selbst dazu da ist, Leuten diese Ängste zu nehmen, statt ihnen verständnislos den Rücken zuzuwenden?

Weißt du, wie kurz ich vor dem Heulen war, immer noch bin, vor Hilflosigkeit angesichts eines solchen menschlichen Totalversagens? Als Psychologe?! Wie will er bitte Leuten helfen, die es nicht schaffen, von allein sich bei ihm „vorzustellen“, wenn er nichtmal erlaubt, dass der Kontakt zustandekommt? Wie weit ist es mit der Welt gekommen, dass solche Menschen erfolgreiche Therapeuten sind, von Patienten überschwemmt bis Ende des Jahres?!

Dazu kommt ja noch, dass ich natürlich praktisch selbst nicht in der Lage bin, Gespräche dieser Art am Telefon zu initiieren, und dies überhaupt nur getan habe, weil ich unbedingt Becci helfen möchte, sodass dieses geballte Unverständnis sich im Grunde gegen mich genausosehr richtet – was es nochmal umso verletzender macht.

Also, ich weiß ja nicht, wie es dir damit geht, aber mir vermittelt das Ganze ein ziemlich mieses Gefühl im Bezug auf die Gesundheit des Gesundheitssystems. (Davon mal ganz abgesehen, dass eh ein absurder Mangel an kassenzulässigen Therapeuten herrscht, einfach weil die Menge der zugelassenen Ärzte sich an Statistiken aus dem letzten Jahrhundert orientiert. Facepalm hoch neunundneunzig.)

Ich habe gerade versucht, Becci zu erreichen, um sie über das Wenige, das ich tatsächlich für sie herausfinden konnte, zu informieren, aber sie scheint nicht die Zeit oder die Lust zu haben, auf ihr Handy zu schauen. Macht auch nichts. Was ist schon ein weiterer nicht erreichbarer Mensch nach diesem ganzen Debakel.

Ich habe mir daraufhin einen Irish Coffee mit Beccis epischstem Kaffeelikör zubereitet, den sie nicht mag, weil er zu sehr nach Kaffee schmeckt, und sitze jetzt hier ohne großartigen Plan, was ich noch tun könnte. Draußen scheint die Sonne, meinen Keimlingen auf den Fensterbänken geht es gut, aber es ist zu kalt, um nach draußen zu gehen.

Wenn es nur endlich warm wäre. Du machst dir keine Vorstellungen, wie ich mich auf die Zeit freue, wenn ich endlich die Terrasse wieder mit Pflanzen bestücken kann. Wenn ich aus dem Urlaub komme, kann ich Petunien vorziehen und Ringelblumen und Basilikum; die Kürbisse und Melonen werden schon richtig ansehnlich gesprossen sein und die Tomaten so prächtig, dass ich sie alle in größere Gefäße hinein werde pikieren müssen. Und noch einen Monat später kann alles schon ab nach draußen. Die Morning Glory ist bereits jetzt am Entwickeln kleiner Blättchen und streckt sich munter dem Fenster entgegen; dieses Jahr wird sie rechtzeitig blühen. Ich habe vom Sperrmüll einen wunderschönen Obelisken mitgebracht, um den sie sich ranken wird. Was freue ich mich auf den Sommer!

They Come And Go

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Man lästert über Basti in der Konstanzer Veganen Hochschulgruppe, wie R mir gestern eröffnete. Offenbar redet Basti nämlich schlecht über R (was diesem natürlich durch den hervorragend ausgebauten Inter-City-Buschfunk zu Ohren kommt) und nennt ihn einen Poly-Missionar. R sieht sich selbst nicht als Poly-Missionar und ich kann dem nur beipflichten; egal, wie man es dreht und wendet, missionieren will er nicht. Er blickt (soweit ich das durchschaue, da wir aus Gründen über das Thema nur höchst selten reden) auf Mono-Menschen mit der gleichen Verachtung herab wie ich auf religiöse, und genau wie ich in meiner Sparte, so bemüht auch er sich in der seinen im seltensten Fall um dieser Unwürdigen Seelenheil. Er lässt sie einfach machen und hasst sie im stillen Kämmerlein. Ab und an erfolgt ein kleiner bis mittelschwerer Ausbruch, aber in der Regel eben nicht. Ich glaube, das ist der Punkt, der einzige Punkt, der mir in unserer nunmehr dreijährigen Beziehung nach wie vor schrecklichste Sorgen bereitet. Wenn ich denn mal darüber nachdenke. Wir verdrängen gemeinsam.

Ich würde ihn – Basti jetzt – unter normalen Umständen drauf ansprechen, wie ich es immer getan habe, wenn wieder jemand über ihn herzog aufgrund irgendeiner unbedachten Aussage. „Das ist unreflektiert.“ „Pass auf, was du sagst, wem du es sagst, wie du es sagst.“ Und sei es nur, ihm den Tipp zu geben, nicht in Konstanzer linksgerichteten Gruppierungen über R zu lästern – das kann nur uns Auge gehen.

Aber natürlich tue ich das nicht, da ich ja seit mehreren Wochen nichts von ihm gehört habe. In den meisten Momenten macht mir das nichts aus, denn er hat es wirklich gründlich vermasselt. Manchmal bin ich allerdings traurig. Vorhin fiel mir ein, dass während unseres letzten Telefonates am Mittwochnachmittag er jemandem in der Stadt über den Weg lief, der ihn fragte, mit wem er reden würde, und entgegnete: Mit meiner besten Freundin.

Und ward nie mehr gesehn. Vielleicht macht mein Kopf auch ein größeres Ding daraus, als es eigentlich ist. Darin ist er nicht gerade unbegabt. Andererseits hat er bereits Bekanntschaft mit unerwarteten menschlichen Abgründen gemacht und würde sich vermutlich weniger wundern als der Rest von mir, sollten die von ihm angenommenen Ausmaße der Geschichte tatsächlich der Realität entsprechen.

Aber man ist ja nicht mehr so kaputtbar wie ehemals. Ein bisschen Fatalismus habe ich jedenfalls mittlerweile dazugelernt.

Emokid, Emokid, does whatever an Emokid does.

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Uncool: Eine suboptimale Kombination aus Familienpsychodrama und griffbereitem (stumpfen) Tomatenmesser hat eben dafür gesorgt, dass sich affektanfälliges Aspi (oh!, eine Alliteration für Bauer sucht Frau) den linken Unterarm entlang der Pulsadern mit oberflächlichen Schnittwunden verziert hat. Glücklicherweise ist das Messer wirklich sehr stumpf und hat nur minimalen Schaden angerichtet. Aber oh, was für ein Gefühl. Sowas hab‘ ich ja seit Anfang des Jahrzehnts nicht mehr gemacht. Ich musste mich unfassbar anstrengen, wieder aufzuhören. Welch eine Befreiung, welche eine Dummheit. Willkommen zurück in der Pubertät.

Passend zu meinem jetzigen Durchdrehen habe ich es Ende letzter Woche endlich zu einem Konsiliargespräch gebracht, die Unterlagen direkt im Anschluss bei der Therapeutin eingeworfen und somit beste Aussichten auf Therapiebeginn im Januar. Die Ärztin war unfassbar goldig in ihrer Unbeholfenheit und machte den Eindruck, noch nie einen depressiven Menschen vor der Nase gehabt zu haben, versuchte alles von sozialem Rückzug bis hin zu Suizidgedanken für mich in liebe, verharmlosende Wattewörter zu packen und bot mir aus eigenen Stücken sowohl eine Krankschreibung (die ich logischerweise nicht brauche) als auch ein neues Rezept für meine Medis an, sodass ich wirklich sehr gut versorgt da rauskam.

Meine Exkommilitoninnen treffen sich gleich auf dem Weihnachtsmarkt, aber ich habe keine Lust hinzugehen. Irgendwann hört man doch auf, mit den Leuten Zeit zu vergeuden, denen man im Grunde genau so gestohlen bleiben kann wie sie einem selbst.

Meine To-Do-Liste für heute ist gar nicht mal so lang, aber ich werde sie trotzdem nicht gany abgearbeitet bekommen. (Und ich frage mich wirklich, woher um alles in der Welt meine Marotte kommt, nach insgesamt so vielen Jahren mit deutscher Tastatureinstellung manchmal trotz allem das Z und Y zu verwechseln.)

Ich muss morgen mal schauen, wie man mit dem Fahrrad zum Barfladen kommt, damit die Katze endlich mal wieder ordentliches Futter kriegt. Falls es sich nicht bewerkstelligen lässt, muss einer von uns morgen nochmal ein paar Dosen kaufen gehen.

Mein Arm nervt. Weder tut es richtig weh, noch ist er völlig unversehrt. Es juckt. Ich bin unzufrieden.

Dönerwetter.

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Okay, ich bin tatsächlich ziemlich erleichtert, dass Laura meine Paranoia, sie könnte sich mit R derart gut verstehen, dass eine Art Caro-Aspi-Sackratten-Drama daraus hätte entstehen können, endgültig und überzeugend zerschlagen hat. Wenn man von dieser Seite draufschaut, ist die Aussicht nämlich tatsächlich nicht sonderlich verlockend. Aber das ist sie im Grunde ja definitiv von keiner Seite.

Abgesehen davon: Meine Festplatte hat nach einer selbstverschuldeten unsanften Landung auf dem Parkettboden meiner Eltern den Geist aufgegeben, ich habe somit alles an darauf befindlichen Daten verloren und mich juckt’s noch kaum, muss der Schock sein und die Tatsache, dass ich genug Anderes um die Ohren habe (die gute Trudi lässt nichts mehr von sich hören, hat somit meine letzte versuchte Rettungsaktion in Form einer vorgefertigten Kündigung plus dem Vorschlag, ihr ihre Möbel gegen den Erlass aller Schulden bei mir abzunehmen nicht in Anspruch genommen und wird zeitnah – not unlike the previously mentioned landing of my late hard drive – unsanft aus ihrer ehemaligen Wohnung fliegen, alles, weil sie zu feige ist, sich den Konsequenzen ihres ekelhaften Verhaltens zu stellen, und sich dabei nochmal um einiges ekelhafter verhält, als ich es je für möglich gehalten hätte).

Da war es eine ziemlich glückliche Fügung, dass meine Eltern sich ob meines erfolgreich abgeschlossenen Studiums fast unverhältnismäßig großzügig gezeigt und mir eine solche Unsumme an Zahlungsmittel haben zukommen lassen, dass ich nicht nur meinen kompletten Urlaub wieder drinhabe, sondern dazu noch das verbleibende Geld für eine neue Festplatte ausgeben kann. Glück muss man haben. Fast schon schade, dass meine (Ex-)Mitbewohnerin sich als über alle Maßen erbärmliche Ausgeburt exorbitanter Feigheit erwiesen hat, sonst hätte man sich beinahe überlegen können, ihr mit diesem unerwarteten Geschenk ein bisschen unter die Arme zu greifen.

Hm. Hoffentlich habe ich Strom, bis mich Becci am 13. besuchen kommt. Das wäre ungünstig sonst. Aber es muss sich jetzt ja eigentlich innerhalb von ein paar Tagen klären, anders überleben wir das auch alle nicht mehr. Allein vom Nervenkostüm her nicht. Mir ist inzwischen ein Magengeschwür gewachsen, ich bin mir ziemlich sicher.

Oh well. Erstmal warten, bis R mit seiner TeKo fertig ist, und dann mit dem bereits kaltgestellten Sektchen ein wenig die schönen Nachrichten der bald vergangenen Woche feiern. Ich bin ein fertig studierter Mensch, das muss man auch erstmal schaffen.

Majority rule don’t work in mental institutions.

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Es ist so irritierend, nicht mehr jede Minute lang an diese Thesis zu denken. Mich überfordert dieses abrupte Verschwinden einer allgegenwärtig gewordenen Pflicht aus meinem Leben; sie war immer da – entweder, weil ich daran gearbeitet habe, oder (weitaus länger, weitaus häufiger) weil mein Gewissen mich dafür gefoltert hat, es in dem jeweiligen Moment gerade nicht zu tun.

Meine PMS haben mich recht fest im Griff. Ich habe mich in den letzten paar Tagen so sehr von Dingen mitnehmen lassen wie zuvor in meinem halben Dasein nicht. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, unter einen widerlichen, gegen Flüchtlinge hetzenden Artikel der Huffington Post (nein, ich verlinke den nicht; den Herzinfarkt will ich dir ersparen – bitte lies nie wieder diese Website) einen ausschweifenden Kommentar zu schreiben, um meinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Jetzt ernte ich die Früchte: Haufenweise von Dummheit zeugende Kommentare von genau solchen Menschen, wie sie für das Entstehen solcher Artikel verantwortlich sind. Scheiße, ich bin in R’s Leben gelandet.

Ich habe vor sehr Kurzem erst gelernt, wie naiv ich eigentlich aufgewachsen bin. Wie unglaublich weltfremd in dieser Hinsicht. Ich war bis vor ganz Kurzem noch der Meinung, in einem Land zu leben, das seine Vergangenheit überwunden hat. In dem es zwischen Osten und Westen nicht den geringsten Unterschied mehr gibt (du musst dir das vorstellen; ich habe das wirklich geglaubt). Meine Güte, ich war davon überzeugt, in einer Welt zu leben, in der man Rassismus keine Plattform mehr gibt, in der das Wort „rechts“ allein schon mit übelster Beleidigung gleichzusetzen ist, in der man gelernt hat, Menschen unabhängig von weiteren Faktoren als das Individuum zu sehen, das sie sind. In der das Wort „Ausländer“ unfallfrei zu gebrauchen ist, weil es einfach keine Wertung mehr enthält. Für niemanden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass zwischen Männern und Frauen kein Unterschied gemacht wird, und dass hierzulande heutzutage jedes Kind Werte eingepflanzt bekommt, die es ihm ermöglichen, eine Person nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Zwischen Einzelpersonen und Kollektiv zu differenzieren. Ich dachte, wie wären schon längst so weit.

Mittlerweile bin ich geheilt, tue Beispiele der im Grunde omnipräsenten Bosheit und Ignoranz nicht mehr als Ausnahmefall ab; so viel habe ich gelernt inzwischen. Auch, dass das Mindset, welches ich aus meinem Elternhaus mitbekommen habe, um ein Vielfaches kostbarer ist, als ich je ahnen konnte. Und dass die wunden Punkte, die ich bei meinen Eltern in politischer und ideologischer Hinsicht nie müde wurde zu kritisieren, im Angesicht dessen, was auf diesem Planeten sonst so rumkriecht und sich Mensch schimpft, wahre Luxusprobleme sind.

Aaaaaaahh

Edit: Du solltest dir das zweimal anhören; ein Mal ist zu wenig, um sowohl den Text als auch das Video zu prozessieren. Und beides verdient prozessiert zu werden.

Thymian und der Ausblick aus dem Mikrokosmosfenster

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Mir kam vorhin der Gedanke, mich mit einem Ast frischen Thymians zu vergleichen. (Es wird niemanden überraschen, dass ich gerade dabeiwar, die Aprikosenmarinade für mein soeben gerettetes tiefgefrorenes Zanderfilet mit Kräutern zu versehen. Und ja – durch meine mittlerweile bis auf wenigste Ausnahmen durchweg konsequent auf Gerettetes umgestellte Ernährungsweise bin ich kurzerhand wieder zum Allesfresser geworden, wobei es mir immer noch nicht wirklich behagt, Fleisch zu essen. Allein der Gesundheit wegen. Aber so ein gerettetes Wiener Würstchen als Teil eines geretteten Hot Dogs oder ein Fischbrötchen, das Basti aus der Arbeit rettet, oder ein Zandernfilet vom Großhandel meines Vertrauens, meine Güte, das passiert halt mal.)

Jedenfalls verhält es sich mit mir wie mit dem frischen Thymian auch. Ich bin grundsätzlich mindestens so leicht von etwas zu überzeugen, wie sich die Blättchen vom Stiel entfernen lassen, wenn du oben ansetzt und gegen den Strich ziehst. Natürlich sträube ich mich ein bisschen, wenn es um die Feinheiten geht – die kleinen Seitenäste fallen mit ab und müssen im Nachhinein einzeln entlaubt werden – aber wenn du es richtig anstellst, bin ich für jeden Schwachsinn, der mir nicht völlig wider die Natur geht, Feuer und Flamme. Du kannst es allerdings auch auf die falsche Weise versuchen – das thymianische Äquivalent hierzu wäre dann, den Stiel am unteren Ende anzupacken und nach oben hin zu ziehen. Keine Chance. Das ist meine Mutter, die mich an meinen Schwächen packt statt an meinen Fähigkeiten. Und das ist R, der trotz aller Kompromissbereitschaft nicht aufhören kann, mir meine bislang sehr ausgeprägt monoamore Orientierung als etwas Rückständiges verkaufen zu wollen, das ich ablegen soll.

Ich bin in vielen Dingen kein sehr reflektierter Mensch, und würde ich das nicht offen zugeben, könnte ich mir keine Sekunde lang mehr selbst in die Augen sehen. Mir ist mein Mikrokosmos wichtig, den ich mit Hingabe hege und pflege – so gründlich, dass mir manchmal zu wenig Zeit bleibt, um nebenbei aus dem Fenster zu schauen. Ich tue gleichzeitig allerdings mein Bestes, um meine natürliche Unreflektiertheit dadurch auszugleichen, mich in Konfliktsituationen nicht unbedacht auf einer Seite zu schlagen, sodass, wenn ich dann doch mal wieder mit neuem Gedankengut oder unbekannten Sachverhalten konfrontiert werde, mir halb der Kopf platzt vor Bemühungen, alle Perspektiven gleichzeitig zu sehen. Das macht es dann doch wieder so leicht, mich zu beeinflussen. Das macht andererseits mich selbst so empfindlich gegen Angriffe. Meine Gedanken stehen auf so wackeligen Füßen, dass ein Windhauch ausreicht, damit ich zur nächsten Mauer hechte, die Schutz bietet. Das muss keine schöne Mauer sein. Meistens ist es schon zu spät, sie genauer zu begutachten, wenn ich auf der Flucht bin. Und am Ende werfe ich mich volle Kanne gegen etwas, aus dem Nägel herausragen oder Glasscherben.

But, then, everything’s better than falling.

Deprimierend…

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Ich bin motiviert,

– meinen BA dieses Jahr tatsächlich zu machen.
– meinen Master in Übersetzung zu machen.
– ein containertarisches Koch- und Handbuch rauszubringen.
– zu versuchen, meine utopische Bewerbungshilfe- und Lektoratsagentur auf die Beine zu stellen.

Ich schaffe es dagegen nicht,

– meine Sanskrit-Mappe fertigzumachen bzw mich darum zu kümmern, sie abzugeben.
– mein Uni-Mail-Postfach regelmäßig zu checken.
– rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, um um 11 Uhr vormittags in der Arbeit zu sein.
– Mails und Nachrichten zu beantworten, die sich seit Ewigkeiten in meinen diversen Inboxes stapeln.
– mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern bzw meine wichtigsten Kontakte aufrecht zu erhalten.

Was ist verkehrt mit mir? Wenn ich etwas erreichen möchte, sollte ich vielleicht erst einmal dafür sorgen, meinen Alltag zumindest halbwegs vernünftig auf die Reihe zu bekommen.

Me – aka Fail Master.

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Hab‘ ich es doch mal wieder geschafft.

Egunero Fail des Jahrhunderts ist für heute jedenfalls abgedeckt. Diesmal habe ich die Deadline für die Klausurenanmeldungen galant ignoriert – which means I’m in for quite some free time for the months to come, und dafür ein paar Kurse mehr nächstes Semester, als ich das eigentlich so geplant hatte.

Wirklich. Wie habe ich das nur schon wieder hinbekommen.

Durch akuten Medimangel natürlich erfreut mich das Ganze besonders. In den paar Stunden, seitdem mir bewusst wurde, dass ich soeben ein komplettes Semester verschwendet habe, was alles Mögliche an Auswirkungen haben wird, die ich mir nichtmal ausmalen will, bin ich schon gedanklich mehrere Male in Gebiete abgedriftet, in die man als Mensch einfach keinen Fuß setzen sollte. Zumindest solange das, was man getan hat, nichts wirklich Schreckliches ist.

Ich habe kurz überlegt, das Studium zu schmeißen, Zuhause Zuhause sein zu lassen und nach Germersheim zu wechseln, um dort Übersetzung zu machen. Ich war, bin, immerzu, immerzu, von mir und meiner grausamen Unachtsamkeit und der gesamten Gesellschaft entsetzt, die es nicht zulässt, dass jemand ohne Qualifikationen einen qualifizierten Beitrag zu ihr leistet – den man doch im Grunde eh nur leisten will, weil sie einen dazu zwingt. Ich habe eh den Eindruck, dass sich die Menschen gar nicht so richtig darüber im Klaren sind, in was für einer abstrusen Matrix wir alle stecken. Da bin ich mit meinen lichten Momenten schon ganz gut dabei, fürchte ich. Eklig, das Ganze. Sehr, sehr eklig. ICH WILL MEIN LEBEN NICHT VERSCHWENDEN. Ich will nicht der Universalmatrix zum Opfer fallen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das genau bedeutet, aber ich will mein Leben nicht so verschwenden, wie es die ganze Welt zu tun scheint – die meisten von uns noch dazu, ohne sich je zu beklagen. Ohne sich dessen überhaupt je bewusst zu werden. Ich hasse Verschwendung.

Bwah.

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Do you want to reconnect with your lost love or the one that got away?

A major TV network is looking for single people who want to be reconnected with someone they loved. The network will use their resources to help you find your love and will document your journey as part of an ongoing TV series about reuniting lost love.

If interested please email help@experienceproject.com with a first name and contact number where the casting director can reach you.

Äh.. Vielleicht nicht. Und sei es nur, weil ich einfach Caro fragen müsste, wo der Mensch sich nach ihrer Trennung denn genau häuslich eingerichtet hat – no TV resources required.

EP ist mittlerweile mehr Teil einer verschwommenen Vergangenheit als tatsächlicher Bestandteil meines Lebens, aber zu manchen Zwecken durchstöbere ich gern meinen Account. Ich hatte irgendwann so eine halb selbstmitleidige, halb selbstzentrierte Abhandlung zu körperlicher Nähe geschrieben, die mir gerade wieder einfiel, als ich darüber mit Caro geredet habe.

Es war ein anstrengender Tag gestern. Er begann mit einem Schlag ins Gesicht in Form schlechter Nachrichten bezüglich der uns doch eigentlich schon fast sicheren Wohnung. Dem momentanen Fehlen meines Nervenkostüms gemäß klappte ich dann auch erstmal in der Arbeit zusammen, als Sarah sich nach meinem Befinden erkundigte. Die sechs Stunden Schlaf in der Nacht zuvor hatten mir auch nicht wirklich gereicht, und natürlich hatte ich keine Zeit mehr, mir ein Frühstück oder aber Essen für die Arbeit zu machen – alles zusammen resultierte in einem katastrophalen, zu neunzig Prozent selbstverschuldet kopfschmerz-, hunger-, durst- und frustrationserfüllten Arbeitstag, von dem ich nicht einmal mehr sicher bin, wie genau ich ihn am Ende doch noch lebend überstanden habe.

Nach der Arbeit gingen Sarah und ich zu Chris, um das Spiel anzuschauen. Wir haben auch kurz unsere Band diskutiert; es kam nichts Erfreuliches dabei heraus. Dafür aber konnte ich endlich etwas zu essen machen – ich verpasste die ersten beiden Tore zugunsten der Nudeln mit Zucchini-Tomaten-Sauce, die ich – mehr als ein bisschen dankbar, meinen verhungernden Körper wieder mit Nährstoffen versorgen zu können – für alle zu dem Zeitpunkt Anwesenden zubereitet habe. Sebi kam auch noch und erzählte mir, dass er seinen Song fertiggeschrieben hatte. Mein Problem ist nun, dass ich zwar den Rest der Welt über seine nicht vorhandenen Talente zujammere, aber aus irgendeinem Grund, wenn er direkt mit mir redet, immer überzeugt bin, dass es sich alles noch bessern wird. Sarah setzte sich zu uns und muss verwirrt gewesen sein, als ich ihr strahlend verkündete, dass sein Song fertig sei. Ich bin selbst verwirrt. Aber es liegt auch an Sebi, der einfach verwirrend ist. Ich sage es ja immer wieder; eigentlich kann ich froh sein, dass er so ein grottiger Musiker ist, da er der letzte Mensch weltweit ist, auf den ich einen meiner typischen musikfetischinduzierten Crushes ausbilden sollte, und wirklich das einzige Kriterium, welches dafür nicht erfüllt ist, dasjenige seiner bis zum Himmel stinkenden Unmusikalität ist. Was für ein Drama das aber auch wäre. Was für eine dramatische Form menschlichen Versagens und eine riesige Dummheit. Was für ein zweifelhaftes Privileg aber auch, der einzige Mensch weltweit zu sein, der auf mich eine unerklärliche physische Anziehung ausübt, ohne dass ich einen Crush auf ihn entwickele. Zum Glück für uns alle.

Pwwwh. Wohnungssuche geht weiter. Ich habe wieder zweien geschrieben.

Too much to do, too little time.