Schlagwort-Archive: Eifersüchtig

Irre Wirren, wirre Irren.

Standard

Fuck. Fuckfuckfuck, was für ein widerwärtiges Gefühl.

Also erstmal, ich hab Hunger. So weit, so gut; das lässt sich mit ein bisschen Aufwand beheben. Stunde hab‘ ich noch, dann fahre ich los zur Wegwarte und anschließend, nach getaner Rettungsarbeit, zum Contrast, wo heute der erste Referent von R’s langorganisierter Vortragsreihe den Anfang macht. Es ist auch (nach seiner Definition) heute unser „Einjähriges“, sodass ich nicht nur hingehe, weil mich das Thema interessiert, sondern auch ein bisschen, weil ich mir denke, dass er sich dann vielleicht freut. Dann gibt’s noch Glühwein, welchen ich aus dem Keller holen und dorthin mitschleppen muss. Erstaunlich genug, dass dieser Glühwein es in diesem Haushalt tatsächlich geschafft hat, bis zur Erfüllung seines angedachten Daseinszweckes zu überleben.

Ich fühle mich aber auch gerade ziemlich entsetzlich, allein aus dem Grund, dass mir Kepa eben TMI über sein Datingleben hat zukommen lassen und mir das nicht so gut bekommen ist, wie es hätte sein können. Sollen. Müssen. Whatever. Ich bin bestürzt. Seit unserem Disaster damals ist über ein Jahr vergangen und auch wenn mir durchaus bewusst ist, ihm sowohl bereits weit davor als auch kurz danach gefühlstechnisch noch ein bisschen.. ziemlich doll zugeneigt gewesen zu sein, hätte ich mir so viel Zivilisiertheit doch eigentlich unterstellt, diesen Bericht um Einiges besser zu verkraften. Vor allem weil es mir direkt post-Disaster so unheimlich gut gelungen ist.

Ich hab‘ neulich noch drüber nachgedacht, wie er sagte, „ich dachte, ich änder‘ mich von allein.“ Vermutlich ist das jetzt auch gekränkter Stolz, weil er offenbar wieder mal zumindest in Erwägung zieht, ne Beziehung mit jemandem einzugehen, mich aber unter Vorschieben seiner Beziehungsunfähigkeit abgesägt hat. Was soll denn das, du durchblickst mich doch sonst so ausgezeichnet. Ich war halt doch einfach nicht gut genug. Solche Geschichten. Das wird’s sein.

Nicht dass ich mich nicht eh rückblickend zur Schnecke machen würde, weil mich damals der Schock gelähmt hat und ich über die ganze Disasterzeit hinweg kaum auch nur dazu kam, die veränderte Realität als solche zu begreifen. Weil ich in meiner Schockstarre gefangen war und einfach nicht in der Lage zu akzeptieren, dass etwas, das ich mir kaum auf bewusster Ebene zu erträumen gewagt hatte, tatsächlich im Begriff war zu geschehen. Und damit umzugehen. Es war dieses ungläubige Kopfschüttelstadium, das bei mir eben (vor allem in Anbetracht meiner Şahin- und Ukumensch-Erfahrungen zuvor vielleicht gar nicht so völlig unverständlicherweise) einfach extrem ausgeprägt war und sich in besagtem Schockzustand äußerte.

Wie auch immer. „Hat nich solln sein“, sagt man dazu wohl, und ehrlich gesagt ist die Wirkung des Gespräches von vorhin auch schon wieder abgeklungen und hat nur ein leichtes unzufriedenes Brummen in meinem Bauch hinterlassen. Das geht auch noch weg, wenn ich aufstehe.

Vor allem, wie unkontrolliert von mir. Ich begab mich einen Monat nach diesem nichtssagenden Disaster in eine bis jetzt andauernde, größtenteils erfüllende Beziehung, was mir äußerst guttat und Kepa nicht egaler hätte sein können. Ja meine Güte, er stichelt ab und an mal was über R, aber ehrlich, wer auf dieser Welt würde nicht ab und an mal über R sticheln. Wohingegen er alle Nase lang mal rumvögelt, wie das so seine Art ist, und sich grad mal wieder im Dating übt (soll ja nicht schaden, sich rostfrei zu halten), woraufhin ich nichts Besseres zu tun habe, als gleich mal 550 Wörter dazu rauszuhauen. Danke auch, gestörte Gefühlswelt.

R müsste doch eigentlich euphorisch sein, wenn er davon Wind bekommt, und sich sofort irgendwelche Anzeichen hineindichten, mich doch noch zum Poly-Menschen umfunktionieren zu können. Sorry, nee. Das hier ist eine Sache des Prinzips; mit Amorie jeglicher Sorte hat das nichts zu tun. Zum Glück. Wobei ich wahrscheinlich noch diejenige bin, bei meinen Talenten, die es am ehesten hinbekommt, als Mono-Mensch in einer hervorragenden Beziehung unglücklich verliebt in jemanden zu sein, der davon keinen Teil bildet.

Gefragt werden. Ein Wunschtraum.

Standard

Ich überlege mir relativ häufig, ob ich nicht einfach zu viel verlange. Ob es nicht also an mir liegt, wenn ich mit gewissen Situationen nicht zufrieden bin, während in so vielen anderen einfach nur reinste Dankbarkeit vorherrscht, darüber, dass mein Freund so ist, wie er ist.

Ich glaube allerdings in diesem Moment, dass ich nicht zu viel verlange. Ich glaube nämlich, dass es oft nicht die Sachen an sich sind, die mich aus der Bahn werfen, sondern vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie passieren (oder eben nicht). Das Gar-nicht-erst-gefragt-werden, wie das denn eigentlich genau vor sich gehen soll, falls ein Umzug ansteht. Die Tatsache, dass sein Kollege hier untergebracht wird, mit dem man sich früh morgens aus dem Staub macht, ohne sich zu verabschieden (now that’s a first), um irgendwann im Laufe des Abends wieder einzutrudeln, mich kaum eines Blickes zu würdigen, den Rest des vor Stunden zubereiteten Essens in sich reinzustopfen, dann das Bedürfnis nach einer Umarmung zu äußern und sich, nachdem man diese gewährt bekam, zum Unwinden erstmal ans Keyboard und dann ohne viel Gefackel mit Arne zum Zocken in die Küche zu pflanzen, nachdem ich gerade verkündet hatte, es wäre schön, irgendetwas zusammen zu machen. Nicht ohne zwischendurch noch die ein oder andere vollkommen überflüssige Bemerkung abzugeben, die wieder mal in den Raum wirft, dass man eigentlich ja von seiner zweiwöchigen Möchtegernbeziehung letztes Jahr noch vollkommen zerstört und traumatisiert ist und gleich in Panikattacken ausbricht, wenn jemand Game of Thrones erwähnt. Deutlicher kann mir meine Unfähigkeit nicht signalisiert werden. Weder bin ich in der Lage, eine von diesen widerlichen Traumgestalten aus der Vergangenheit zu ersetzen (wie auch – ich bin ein Mensch, kein Mysterium), gegen die man schon aus dem einfachen Grund keine Chance hat, dass die Leute dazu neigen, Personen erst dann zu glorifizieren, wenn sie einen in Grund und Boden gestampft und zurückgelassen haben, ohne sich nochmal umzudrehen, noch werde ich diese Art von Wertschätzung je bekommen, solange ich einfach da bin, ohne dass er dafür arbeiten muss. Mein Problem, dass es in meiner Natur liegt, einfach da zu sein, weil das ganze Personen-in-den-Boden-stampfen mir nicht so liegt.

Es ist die Tatsache, dass keine Rücksicht genommen wird, die mich zu Tode zerdeppert. Basti kam extra wieder übers Wochenende aus Ulm runter und durfte sich stundenlang mit der mies gelaunten Version von mir abgeben, die er zu oft abbekommt, während ihr Verursacher sich gemütlich dahin verzogen hat, wo’s ihm gerade genehm ist. Was an „Es ist irritierend, wenn du da bist, aber auch nicht“ kann man nicht verstehen? Der Mensch kann mit Arne zocken, bis er schwarz wird, und ich habe kein Problem damit, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem das Ganze in meiner Küche stattfindet, nachdem man sich mein Essen in den Rachen gesteckt hat, ohne die Person Aspi auch nur für eine Sekunde bewusst wahrgenommen zu haben.

Äußern kann ich das natürlich mal wieder nicht, schließlich ist Besuch da. Und da ich Arne mit jedem Mal, das ich mit ihm zu tun habe, weniger ausstehen kann, habe ich nicht vor, mir vor dessen Augen eine derartige Blöße zu geben. Das kann sie beide freuen, andernfalls wäre nämlich R heute hochkant rausgeflogen und der schmierige Charakter, den er mir wieder eingeschleppt hat, gleich mit.

Ich werde mich jetzt mit der Fertigstellung des Eintrags beeilen und das Licht ausmachen; auf die Weise besteht eine Chance, dass ich mich genug beruhigt habe, bis die beiden ins Zimmer reinkommen, und dementsprechend auf ein Vermeiden von Heuldisastern jeglicher Art.

Ich kann Laura verstehen. Es ist wirklich verlockend, anzunehmen, dass mein Kopf der einzige Problemfaktor ist, bloß sollte man vermutlich als Opfer zwischen der ganzen Schuldübernahme noch ab und an mal nach draußen gucken.

Leben am Sonntag

Standard

Also. Was gestern an Willenskraft gefehlt hat, konnte ich heute aufbringen und habe zwischen zwölf Uhr und jetzt ganz schön was geschafft gekriegt.

Am meisten freut mich, dass ich mich dazu durchringen konnte, zwischendurch noch Sachen zu erledigen, die nichtmal auf meiner Liste standen. Ich habe aus der Rückseite des vor ein paar Jahren mal unsinnigerweise geretteten riesenhaften Andy-Warhol-Kalenders ein Stück Pappe ausgeschnitten und als Schild für diese Gelegenheiten beschriftet, in denen ich Essen vor der Tür stehen habe, um Menschen darauf hinzuweisen, dass sie es sich mitnehmen können. Inklusive Name der Foodsharing-Website und Facebookseite. Das Ganze dann angebracht in diesem extra für den Zweck neulich vor dem out-of-business Teppichladen containerten Aktionsschildhalter. Super praktisch, sogar mit ausziehbarem Stiel.

Und ich habe das Kabel bestellt, das Sarah und ich für unseren Auftritt am Donnerstag bei Mamas erster Schweizer Vernissage noch brauchen. Diesmal wird es weit weniger chaotisch ablaufen als letztens im KULA – natürlich wird es das; meine Mutter ist involviert, wie sollte da noch irgendetwas dem Zufall (oder noch schlimmer, meinem berüchtigten Organisationstalent) überlassen bleiben. Es ist schade eigentlich; weder R noch Basti können an dem Abend dabeisein – R muss arbeiten und Basti hat Schulung in Ulm. Er ist ab morgen schon weg, und dann gleich für einen ganzen Monat. Furchtbar, ich sag’s dir.

Oh, Basti. Er hat mich gestern halb zu Tode schockiert, indem er mir schrieb, er könne mich durch meine Webcam sehen, während ich der Meinung war, er würde mit dieser komischen Person rumhängen, mit der er sich seit einiger Zeit so am Beschnuppern ist. (Ich habe sie zwar nie zu Gesicht bekommen, aber sie ist mir aus den Erzählungen heraus so dermaßen unsympathisch, dass ich mir schon Gedanken machen würde, ob mein „Die ist nicht gut genug für meinen Bruder“-Instinkt nicht ein bisschen überreagiert. Aber nein, ich fürchte fast, sie ist einfach objektiv betrachtet schon nicht der Mensch meiner Wahl, wenn ich denn eine hätte. Was nicht heißt, dass ich nicht, being myself, diesen Eindruck von einer Sekunde auf die andere revidieren werde, sollte sich bei unserem Zusammentreffen herausstellen, dass meine Intuition mich getrogen hat.) Jedenfalls wähnte ich Basti bei sich zu Hause und meckerte ihn schon an, er solle mal vom Handy weggehen, weil es ja wohl mal sowas von unsozial ist, mit Leuten zu schreiben, während man Besuch hat, und auf einmal sagte er mir, ich würde „so ein rosarotes Oberteil“ anhaben und die Ohrhänger, die er als Papageienschaukel bezeichnet. Mein Oberteil war orange und meine Ohrhänger waren die Papageienschaukeln, demnach bekam ich einen Riesenschrecken und habe ungläubig und halb verzweifelt die Webcam zugehalten, bis ich auf einmal Bastis Klopfen an meiner Küchentür vernahm und mir gewahr wurde, dass er mich durchs Fenster gesehen hatte. Whoa. Wirklich.

Kepa wurde später Zeuge unserer letzten Fringe-Session in diesem Leben. Er hatte Sagardoa mitgebracht, welchen wir zügig vernichteten, um uns anschließend den letzten beiden Folgen der Serie zu widmen. Trudi und Hannes waren dabei, sich nebenan zu betrinken, und trugen bei fortgeschrittener Uhrzeit vermehrt zur klanglichen Untermalung bei, was dann irgendwie darin kulminierte, dass Basti weg war, Kepa schlief und ich im Bett lag, während durch die papierdünnen Wände zu hören war, wie Hannes einen random Menschen vor dem Haus dazu beorderte, ihm eine Zigarette zu geben, und ihn daraufhin zu sich und Trudi ins Zimmer einlud. „Jo, er kommt rein, man!“ Danke für die Info. Aber dadurch, dass er sich heute zumindest fake-concerned bei mir erkundigt hat, ob sie uns eigentlich in der Nacht noch aufgeweckt hätten, bin ich schon wieder recht besänftigt.

Jetzt, ein paar Stündchen später, ist es auf einmal schon wieder nach Mitternacht (ich weiß ja nicht, was die Uhrzeitanzeige, die da oben erscheint, wenn man über das Datum hovert, für ein Problem hat, aber bin einfach mal froh, dass sie mir zumindest einen ungefähren Anhaltspunkt zum konkreten Zeitpunkt der Erstellung meiner Einträge bietet). Basti ist weg, R ist schon gegen acht wiedergekommen und hat sich nach ein paar Folgen „The Nanny“ auf den Boden verkrochen, um dort zu arbeiten, und ich gehe jetzt mal schlafen. Nachdem „1 Unterpunkt BA-Arbeit“ der einzige Punkt meiner To-Do-Liste war, den ich gestern nicht abgearbeitet habe, sollte ich heute in dieser Richtung umso produktiver sein.