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Jumping objects & goodbyes for life

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Manchmal ist es eine Kuh, die springt, manchmal sind es Würfel mit Herzchenrelief drauf. Manjaro mag Bildschirmschoner, die springen. Ich mag sie auch.

Manche können das ja, Abschiede fürs Leben. Manche haben so viele davon in ihrem Leben, dass es für sie fast alltäglich wird. Sie erzählen davon wie von ihrem letzten Supermarktbesuch. Es übersteigt mein Verständnis der menschlichen Natur.

Ich kann nicht lernen. Zwei Klausuren morgen, und ich kann nicht lernen. Ich hänge hier herum in diesem unfassbar grauen Regenwetter – a rainy day again – und frage Caro Dinge in meinem Kopf. Hast du, dachte ich grad noch, hast du auch das Bild vor Augen, wie du ihn das letzte Mal gesehen hast? Sein Weggehen. Hast du hinterhergeschaut? Ich seh es von außen, von oben. In die Originalperspektive muss ich mich erst bewusst hineindenken. Der Zug war pünktlich in Bruchsal, 16.13. Er hat mich kurz gedrückt und ist rausgegangen, nach rechts raus. Ich hab mich nicht bewegt, meine Arme nicht, meine Augen nicht. Ganz lange.
Wie hast du das so grandios überstanden? Wie hast du das denn hinbekommen, wie hast du es geschafft, mir zu sagen, dass du ihn wahrscheinlich eh gar nicht mehr geliebt hast? Wie hört man auf, ihn zu lieben, noch während er da ist?

Genug jetzt. Ich opfere diesem Geist gerade zu viel Zeit. Lernen sollst du, lernen. Machine Translation lernen, damit zumindest der statistische Teil morgen klappt.

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Hell on Earth, oder What happens when your Indian friend is almost done with their Masters studies and about to move out of the country.

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I dread the moment that you leave here because it will mean losing you, in a way.

Both of us are internet people, computer people, and with most of my close friends scattered all over this country, I’m perfectly used to, and happy with, internet-based friendships. Still, you, for me, are not a Skype friend. You’re a real-life friend, a here-and-now person. I won’t be satisfied talking to you with each syllable we say traversing a 4 to 5-hour time difference, cutting the realness out of it all. Being with you, to me, means more than talking. It means persuading you to take a couple of hours off your tedious studying. It means seeing the sunlight reflected in your hair, making the mysteriously shimmering red dye visible. I want to live life with you, not just tell you about mine and hear about yours. I want to cook Indian food with you, not by myself trying to figure out some recipe you sent me. It will never be the real thing with you away, not even close.

I want to open my door to you and have you walk around in the apartment knowing it like the back of your hand. I’ve missed having you as a flatmate since the day I moved out, I miss it so bad at times already. You know, I really loved living with you. The way we would both use cutlery and dishes economically so we’d have to wash less of them. The way our schedules were so perfectly complementing each other we’d never need to use the bathroom when the other one was using it. Overfeeding you with chocolate mousse until you’d be almost desperate when confronted with another bowl. Hearing you screaming through the wall when you were skyping. (You’d get so mad with yourself about it, but couldn’t stop it either.) Never having to fear to wake you up because you always stay up way late skyping or watching movies. Watching you make your giant pancakes because you’re too lazy to make several thin ones.

You won’t be able to do make-up on me and Trudi when you’re back home, which is bad. I’ll miss that. And getting drunk together, and all that. Your life lessons that are always so believable. (I recommend them to everyone, you know, even the ones who’ll probably never get to hear one for themselves.) Your stories about people, some that I know and others I don’t. Your views on things. Your ringing-Skype paranoia. The inquiring look on your face when you ask my opinion on something. The quality of your voice, undistorted. A zillion other things that will sure as hell surface early enough, in one particular situation or the other.

I’ll make sure to get my fair share of time with you until September. I’ll try to make it worthwhile, too, to be useful to you as a friend and generally as a person so that you’ll feel as loved and appreciated around here as you have always been. And I’ll try not to be too sad when that time is up. It’s unavoidable though, because, basically, there’s this undeniable issue I have with you: You are one damn missable person, dearest friend Susmita.

Ein Ende, Holden Caulfield und die Windrichtung

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Wirklich? Wirklich?

Ein bisschen verblüfft bin ich über das Ende ja schon. Ich habe ein komisches Gefühl, so, als würden meine Bauchmuskeln durchreißen. Ich hätte mich nicht so anstrengen sollen, nicht noch mehr zu heulen.

Das ist ..ich weiß nichtmal genau, was es ist; es ist genau so, wie es einfach nicht ist – wie man mir überhaupt nicht vormachen sollte, dass überhaupt nur die hypothetischste aller Möglichkeiten besteht dazu, weil das kontraproduktiv ist und gegen alles geht, was ich mir jeden Moment aufs Neue mühsamst beibringe, einrede, in Erinnerung rufe. So unendlich viele wertvolle life lessons in dieser Serie, wenn man sie nur hören will, und dann dieses Ende. Argh, ich kann nichtmal spoilern, falls irgendjemand noch nicht so weit gekommen ist und mich für alle Ewigkeit dafür hassen würde.
Ich bin ja ganz bestimmt nicht enttäuscht, ich bin überglücklich. Traurig eigentlich, wie glücklich. Eine Soap, Aimee, eine Soap.

Ach, wie sehr ich Ted liebe. Von allen fiktiven Charakteren, die mit dem immer wiederkehrenden Gedanken „oh, wäre er nur real!“ untrennbar verbunden sind, besetzt er unangefochten den ersten Platz. Abgesehen von Holden Caulfield, selbstverständlich. Andererseits läuft dieser völlig außer Konkurrenz und hat natürlich Priorität.. wobei.. Holden raucht, also vielleicht doch lieber nicht, vor allem schätze ich ihn nicht gerade als den rücksichtsvollen Raucher ein, der wenigstens auf die Windrichtung achtet, wenn man mit ihm und seiner obligatorischen Kippe abhängt.

I’m going fuckin‘ home!

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Jetzt hab‘ ich Panik – was aber nicht weiter verwunderlich ist, immerhin habe ich im Laufe des Abends drei Energytabletten in meine Kalimotxos gemischt.

Fünfzig Minuten.

Es ist alles soweit gepackt; Saskia war hier bis eben gerade und schrieb mir soeben eine SMS, die besagte, ich sei „the sweetest thing ever“ – vermutlich hat sie, sobald sie unten zur Tür rauswar, das Tütchen aufgemacht, in dem ich das gestern Nachmittag noch schnell ausgedruckte und in einen meiner Bilderrahmen gesteckte Granada-er Raupi-Foto behelfsmäßig verpackt hatte.

Ich warte dann mal auf mein Taxi.
Oh je. Das werden panische letzte Minuten hier in der Wohnung. Aber immerhin bin ich halb betrunken und war bis jetzt nicht allein an diesem schicksalshaften Abend.

Ich weiß; ich beschwere mich seit einem halben Jahr, dass ich nach Hause will, und fange auf die letzte Minute noch an zu meckern. Aber was will man erwarten; der Mensch ist ja nunmal auch irgendwo ein Gewohnheitstier.

Ich kann die Zeit hier noch nutzen, um dir die un-fucking-fassbare Geschichte meines wiedererlangten Persos zu erzählen.

So ging ich also gestern Nachmittag um kurz vor fünf Uhr in meinen Stamm-Copyshop, um mir meine Geburtsurkunde und die Fotos von meinem verschwundenen Perso ausdrucken zu lassen und dazu noch das Foto, das ich Saskia schenken wollte. Weil die Menschen in diesem Copyshop immer so unwahrscheinlich nett sind, habe ich überhaupt keine Angst vor ihnen und fing demzufolge an, der Frau von meinem Perso-Disaster zu berichten.

So war ich also mitten am Erzählen:
„… y me voy a mi país el sábado, es que soy de Alemania y tengo que imprimir una copia de mi certificado de nacimiento para que me dejen volar… Sí, estos dos también, son fotos de mi antigua pasaporte…“

Y me dice ella:

„Eso es tu pasaporte?“

Y le digo que sí. „Sí, o al menos lo fue..“

Y me dice ella:

„Entonces.. es esto tu pasaporte?“

Y va sacando algo de debajo de su escritorio, and what is it if not my – fucking – ID.

I lost my ID on the stairs in front of the copy shop.

A client brought it back in.

She kept it there, not knowing who I was or where to find me, meaning – but forgettig – to take it to the police, hoping for me – the owner – to return some time.

Never in a million years wäre ich darauf gekommen, meinen Perso vor dem Copyshop verloren zu haben.

Ich habe mich dann mit Saskia getroffen, um einmal noch zusammen Chocolate con churros zu essen, und ging dann mit ihr zur Polizei – weil ich ihr einfach unbedingt vorführen wollte, wie unnormal freundlich die vitorianischen Polizisten sind. Was gut funktioniert hat; der nunmehr vierte Polizist, der sich im Laufe meiner Zeit hier mit Verlusten und anderen Anliegen meinerseits beschäftigt hat, war in seiner Sympathischkeit (ich bezweifele, dass das ein Wort ist, but then, what do I care) genausowenig zu übertreffen wie die anderen. Ich habe meine Anzeige rückgängig gemacht und bin nunmehr im Besitz
• einer Kopie meiner Geburtsurkunde
• einer Kopie meiner Abstammungsurkunde (nur vorsichtshalber)
• einer Kopie meines Persos – Voder- und Rückseite
• einer Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• einer rückgängig gemachten Verlustmeldung meines Persos, mit polizeilichem Stempel und allem
• und last but not least, meines Persos.

Selten so gestaunt in meinem Leben. Ein paarmal, zugegebenermaßen, aber nicht oft. Wie ich es liebe. Glück muss man haben. Ich liebe dieses Leben.

Auch wenn ich Panik habe und in zwanzig Minuten anfangen werde, dieses Haus endgültig zu verlassen.

Es sind immer noch Sachen übrig, die in den Koffer gequetscht werden wollen.

Drei Energys sind zu viel – Panik, Panik, Panik, und ich bin alleine. Aber nicht für lange. Gleich bin ich im Taxi, bezahle ein Vermögen für die Fahrt nach Bilbao, was aber nichts ausmacht, weil ich vor ein paar Stunden meine Kaution plus 50 Euro wiederbekommen habe – ich schwöre, ich habe nur 400 bezahlt und diese Frau gab mir 450, aber wer bin ich, mich zu beklagen? – und somit eine reiche Person bin. Für kurze Zeit.

Meine Zwischenmieterin hat noch kein neues Zimmer gefunden, wie sie mir mitteilte, aber kann bei ihrem Freund bleiben. Die Glückliche; grad ein halbes Jahr in Deutschland und schon nen Freund an der Backe. Manche Leute können’s halt.. was unsereins in zweiundzwanzig Jahren nicht schafft. Nunja. Man sollte sich halt nicht immer die entweder bereits vergebenen oder aber emotional unerreichbaren Menschen aussuchen.

„Y te digo que tengo novia.“

(Wobei, ich glaube, er sagte sogar „una novia“, aber das hat mein integriertes AutoCorrect gelöscht und durch richtiges Spanisch ersetzt; damn you, AutoCorrect, du verfälschst mir meine wertvollen Erinnerungen.

Ich gehe zu ende packen.

Vierundzwanzig Minuten.

Raupi

One day’s gotta be the last.

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Saskia ist auch echt so ein Phänomen für sich. Zu so vielen Teilen wie ich, zu so vielen anderen das komplette Gegenteil, und dann sind noch überall Facetten verstreut, die mit mir weder aus dem einen noch aus dem anderen Blickwinkel in Verbindung zu bringen sind.
Muss ja auch nicht sein. Es ist, als wären wir Magneten. Würde jeder von uns genau seine andere Seite, ich sage mal, raushängen lassen, könnten wir wahrscheinlich auf Teufel komm raus nichts miteinander anfangen. So dagegen wurde sie einfach mal meine beste (und, zugegebenermaßen, im Grunde einzige) Freundin hier in Vitoria.

Wenn sie hier nicht gewesen wäre. Meine Güte, ich wäre ja wieder vereinsamt. Aber es ist erstaunlich, wie es mir reicht, und vollkommen reicht, sie (bis Weihnachten noch zusammen mit ein paar anderen Erasmus-Menschen) hier als sozialen Kontakt zu haben. Da sieht man schon wieder den krassen Unterschied; sie hat tausendundeinen Bekannten in jeder Ecke (und macht alle zwei Minuten neue Bekanntschaften – der wohl extrovertierteste Mensch auf Gowais weiter Erde) – und trotzdem scheint sie mir, auch so, irgendwie doch nochmal einen anderen Wert zuzuschreiben. Einmal mehr bin ich dem Medi dankbar; seiner grandiosen Wirkung ist zu verdanken, dass lebensqualitätsverringernden Sinnlosgedanken in Richtung „ooh, sie hat viel mehr Freunde als du, sie kennt viel mehr Leute, sie kann dich ganz einfach ersetzen“ von Seiten meines Verstandes wirksame Grenzen gesetzt werden. Diese Idiotie hat mir genug Jahre meines Lebens versaut; langsam muss es damit auch mal gut sein.

Nuja. Die Nostalgie ist am Einkicken, die letzte Nacht angebrochen (morgen Nacht zähle ich schon nicht mehr dazu – da wird nur noch bis 4.20 aufs Taxi gewartet und dann geht’s ab), der Koffer immer noch nicht zu, natürlich – ehrlich gesagt bezweifele ich noch ein bisschen, dass ich an seinem offenen Zustand alleine etwas zu ändern vermag, und versuche es gar nicht erst.

Meine Mandeln machen Terror.

Ein Tag noch. Genau ein Tag.

Erdian

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Yay, yay, yay yay yay.
I wouldn’t exactly call this „high state“ – wie ich normalerweise solche Anwandlungen von guter Laune betitele, bei denen man ganz genau weiß, dass sie nicht aus einem selbst heraus kommen, sondern sozusagen von der Außenwelt „imposed“ sind – because, to be honest, I’m pretty dang tired, I’m calm, I’m feeling incredibly stable, I’m not even hyperventilating at all. Das hier fühlt sich eher so an wie damals die ersten verwirrenden Episoden innerer Ruhe, als das glorreiche Zeitalter meiner Medis anfing.

Keine Ahnung, was los ist. Vielleicht ist es auch einfach nur die Schlaflosigkeit. Çiğdem, die Droge. Es fühlt sich nur überhaupt nicht an wie die Droge.

Saskia und Charlie waren hier, um Pizza zu essen (bzw, sie zu produzieren und dann zu essen, weshalb uns Saskia und ich schon ein paar Stündchen vorher getroffen und bei der Gelegenheit nicht nur den Teig vorbereitet, sondern gleich auch meine Haare entunstaltet haben, die ich am Wochenende in einer nicht ganz optimal beleuchteten Situation mit übriggebliebener roter Farbe versehen hatte, nachdem ich ihr ihre eigenen nachgefärbt hatte – jetzt jedenfalls ist alles wieder in bester Ordnung) und bis halb eins Simpsons zu gucken. Wir werden heute Nachmittag/Abend nochmal etwas zusammen machen; Charlie fliegt morgen. Nach England, nach Hause, wie merkwürdig.

Und ich fliege auch demnächst. In wenig mehr als zwei Wochen. Nach Hause, nach Hause.
Und dabei kann ich in diesem Zustand gerade dem Hiersein überhaupt gar nichts Schlechtes zuschreiben; wenn das anhält, werden die letzten beiden Wochen ein einziges Phänomen.
In diesem Zustand ist aber generell erstmal alles ein einziges Phänomen. So zentriert war ich ja ewig nicht mehr.

Wir werden sehen. Granada ist festgemacht – wie ich mich freue.

Vielleicht waren wirklich Drogen in dem Pizzateig.

Letzte Züge

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Oder auch: Last Trains. Ich sollte einen Song schreiben mit genau dem Titel. Vielleicht lieber im Singular, das kommt dramatischer. Oh, wie ich schon das Bild im Kopf habe – spät nachts; eine einsame, resignierte Gestalt mit in der Zugluft des Bahnhofs wehendem Mantel, den letzten Lichtern hinterhersehend, die noch blass erkennbar in der Ferne verschwinden.

Es ist nur noch Aushalten und Versuchen, nicht zu schlimm zu versumpfen. Aber dagegen gibt es Maßnahmen. Heute geh‘ ich aus dem Haus – einen Applaus (auch für meine Rapkünste bitte) – es gibt ein paar Sachen zu essen, die ich einkaufen muss, auch wenn ich ja mittlerweise schon dabeibin, meine angesammelten Vorräte bis zu meiner Abreise so gut es geht zu dezimieren. (Ich kenn‘ mich doch, am Ende nehme ich alles mit, was übrigbleibt, und wirke damit meinem wie üblich auftretenden Gewichtsproblem auch nicht gerade entgegen – obwohl ich meinen Eltern schon einen Trolley voller Sachen mitgeben konnte, bin ich immer noch am Verzweifeln im Angesicht der doch sehr begrenzten Kapazitäten meines eigenen.)

Und ich habe spontan die Planung für einen letzten Urlaub in Angriff genommen; wenn alles gut geht, sind Saskia und ich gegen späte Mitte/ frühes Ende des Monats für ein paar Tage in Granada und ich lerne somit eine ganz neue Stadt kennen. Mitfahrgelegenheiten sowie potenzielle Couchsurfing-Hosts – ganz tolle sogar – sind schon kontaktiert. Das wird die ultimative Rettung; ich weiß nicht, ob ich nach der letzten Klausur am 20. nochmal elf Tage untätig in diesem Zimmer überleben würde. (Doch, vermutlich schon. Die Frage ist, in welchem Zustand.)

Die Zeit vergeht so langsam. Ich bin nicht schlecht im Warten; meine natürliche Ungeduld wurde längst Opfer eines unmenschlichen Selbstverbesserungswillens und wird heutzutage meistens mit Leichtigkeit in ihre Schranken gewiesen. Aber.. aber.. in der kurzen Zeit werd‘ ich noch vollkommen verwahrlosen, ich seh’s kommen.

Und dabei ist das Einzige, was man braucht, ein bisschen Motivation. Das und die Gesellschaft lieber Menschen, die mit einem reden und einen aus der Lethargie ziehen. Immerhin lässt sich dieses Lethargiebündel hier bereitwillig ziehen. Es kann nur selbst mal wieder nichts dazu beisteuern. Diverse Nachrichten zu beantworten ist schon wieder zu anstrengend. Den ganzen Tag nur liegen, schlafen, sich zu Vokabelarbeit zwingen und die eigene Fensterbank als Kühlschrank verwenden, um so selten wie möglich in die Küche zu müssen. Ugh, das sieht so viel schrecklicher aus, als es eigentlich ist. Und vor allem war es jetzt gerade genau ein Tag – ist ja nicht, als würde ich schon wochenlang hier wieder vergammeln. Liebes, du hast jetzt ungefähr 26 Stunden zu Hause gehangen, da hast du aber schon beeindruckendere Gammelrekorde aufgestellt. Stell dich nicht an – es gibt immer irgendetwas zu tun. Mach dir To-Do lists. Geh unter Leute. Oder eben nicht, aber mache irgendwas Sinnvolles, dann wird es dir automatisch besser gehen. GEH RAUS! Du weißt doch, dass es draußen sofort besser wird. Echt mal.

Es wird jetzt ein bisschen Jane Eyre gelesen (allein die Tatsache, dass ich mit diesem Buch immer noch nicht fertigbin, beweist schon die Idiotie des ganzen Beschwerens – wenn du nichts zu tun hast, wieso zum Geier liest du nicht einfach das wunderbare Buch zuende?) und eine To-Do List erstellt und geschlafen. Dann wird aufgewacht und sich umgezogen und rausgegangen und eingekauft und gefrühstückt und alles Mögliche getan, was bis dahin halt so alles auf der Liste steht, und, wenn die Motivation dann wieder einkickt – was sie tun wird, ich weiß es – wahrscheinlich noch mehr. Sehr gut, dann wäre das ja auch geklärt.

Und um.

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Es wurde mir eigentlich erst gegen Ende des Euskera-Kurses richtig bewusst, als wir alle, Inés‘ mitbegrachtes Brot mit Käse und Membrillo essend, in der Mitte des Raumes um die vollgekrümelten zusammengeschobenen Tische herumstanden und sich auf einmal ganz rapide eine irgendwo zwischen ausgelassen und nostalgisch schwankende Abschiedsstimmung unter uns ausbreitete – es ist tatsächlich vorbei.
Auf dem Weg von Euskera zum letzten Mal Traducción Alemán-Español schlug die Erkenntnis bei mir wie eine (hämisch klingelnde) Bombe ein und ich konnte mich kaum auf Saskias gewohntes Geblubber neben mir konzentrieren. Sachen zum letzten Mal tun liegt mir nicht. Deswegen bin ich immer wieder erleichtert, wenn letzte Male unbemerkt an mir vorbeigehen. Egal wie sehr ich mir vorher auch gewünscht haben mag, es würde aufhören – ich war sogar in meiner letzten Mathestunde nostalgisch, das dürfte eigentlich schon alles sagen. Einfach das Wissen, dass es nie wiederkommt. Ich kann manchmal kaum damit leben.

Was mache ich nur erstmal, wenn ich alt bin. Ich habe diese entsetzlich nostalgische Ader seit dem ungefähren Alter von neun Jahren (mit dem Ende der Grundschule und somit dem Einsetzen einer einschneidenden Veränderung konnte sie sich erstmals richtig breitmachen; ich kann schon froh sein, dass ich den Umzug aus Berlin, als ich vier war, nur so am Rande mitbekommen habe, sonst wären mir wahrscheinlich weitere vier Jahre des irrationalen Zurückwollens nicht erspart geblieben) und jetzt schon manchmal den Eindruck, vom fortwährenden Verrinnen der Zeit schier zerquetscht zu werden. Jedes Fitzelchen Veränderung.. und das Tollste ist, wenn ich mir jetzt mein eigenes, wunderbares, in einem raren Moment inneren Friedens erarbeitetes Lied anhöre, welches an sich beruhigendes Potenzial hätte, ende ich wahrscheinlich.. ich will nicht wirklich wissen, wo. Genau das meinte ich ja, ich hab Angst vor den Songs, sie werden zu Zeitkapseln.

Dabei hab‘ ich doch sogar noch heute früh mit Caro über den Song geredet. Was wieder in einer Analyse der Gesamtsituation endete, natürlich – und einer interessanten noch dazu; im Gegensatz zu Gesprächen mit anderen, unendlich geschätzten Leuten tendiere ich dazu, mich beim Reden mit ihr bis heute nicht vollständig blankzulegen. Das Verstellen inmitten der ganzen Wahrheit, wie deutlich ich es im Nachhinein raushöre.

Caro 19.12.13

Caro mit ihrer hypertaktvollen, Nagel-brutal-auf-den-Kopf-treffenden Art. „Also das heißt, du musch in Zukunft.. nur mit Fraue zammearbeite oder was… Alles Andere wird schwierig. Außer es verliebt sich mal einer zurück.“
Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Jetzt hat gerade Dani bei mir geklopft und gefragt, ob ich einen Dolmetschjob gebrauchen kann – morgen in San Sebastián, 9am-2pm, 200-300€ Bezahlung. Warum nicht, sagte ich ihm und cancele jetzt im Geiste meine ambitionierten Pintxo-Pote-Pläne mit den anderen Erasmusleuten für heute Nacht auf ein-zwei Weinchen und ein paar Stunden weniger herunter.

Surviving Simultánea – Pt.2

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Nicht ganz so erfolgreich diesmal, aber immerhin – überlebt ist es.
Ich saß durstig, benebelt und schlafmangelgeplagt in meiner Kabine, mein Wasser stand einsam und verlassen in meinem Zimmer, mein Energy Drink stand fertig aufgelöst zu Hause auf dem Küchentisch, wo ich ihn vergessen hatte zu trinken, und in der Kabine gegenüber hatte, direkt nachdem der Diskurs anfing, jemand Probleme mit ihrem Mikro, was sie dazu veranlasste, wild in Richtung Dozentin gestikulierend meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – die ganzen sechs Minuten lang kam ich nicht ordentlich in einen vernünftigen Redefluss, mir fielen auf einmal die einfachsten Wörter nicht mehr ein und ich sah mich permanent dem fast nicht zu bändigenden Bedürfnis meines Hirnes ausgesetzt, sich ohne Erlaubnis in den Ruhezustand zu begeben.
Ich habe ja immer schon gewusst, dass Dolmetschen nichts für Monotasker ist, und es dafür immer noch erstaunlich gut hinbekommen, bis sich heute in Form dieser Ablenkung das Volumen der zu bewältigenden Aufmerksamkeitsteilung über seine engen Grenzen hinaus ausgeweitet und mir endgültig den Rest gegeben hat. Sechzig Prozent meiner Simultánea-Note soll diese Tragödie jetzt ausmachen. Dafür habe ich mich das ganze Cuatrimestre lang durch unendliche Diskurse gedolmetscht?

Zu Hause angekommen habe ich ein paar Stunden in der Küche verbracht, meine Lebensgeister mit Danis ekliger, da wässriger und ungewürzter Suppe wiederzubeleben versucht und mich an die Produktion von Kichererbsenpüree gemacht, um heute Abend leckere frittierte Bällchen zum Essen zu haben, und Yuca vorbereitet, um auch sie heute Abend nur noch ein paar Minuten frittieren zu müssen. Gleich werde ich meine Präsentation für Euskera vorbereiten; morgen ist mein letzter regulärer Uni-Tag im Baskenland und ich würde ihn ungern als den Tag in Erinnerung behalten, an dem ich den (manche mehr, manche weniger) geschätzten Kommilitonen und Inés, der lieben Dozentin, nichts über meine wunderschöne Heimatstadt, in die ich bald das Privileg habe zurückzukehren, erzählt habe. Ich hatte vor Tagen schon versucht, damit anzufangen, aber wie das so ist, ohne Zeitdruck geht einfach nichts. Und es war einer der Tage, an dem sich diverse Programme auf diesem Computer einfach dazu entschlossen hatten, mich durch regelmäßiges Aufhängen völlig zu demotivieren.

Baina orain bahasiko naiz.

Berri Bikainak

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Oh, dieses unvergleichliche Gefühl, wenn man sich nach einem grandiosen Konzert ins Bett fallen lässt und genau weiß, man wird am nächsten Tag nur unter Schmerzen, Flüchen und gequälten Geräuschen kleinste Bewegungen vollziehen können.

Denak Ez Du Balio! Ikasten! Iraila!
Ich fühle mich richtiggehend geehrt, dass ich dasein konnte und diese Band sehen, dieses Wunder der baskischen Musikszene, deren Namen Janine gestern noch unfassbarerweise mitten in Frankfurt auf der Tür einer Klokabine des Black Inn geschmiert gesehen hat (und laut eigener Aussage ewig draufgestarrt hat, während sie sich fragte, woher ihr diese merkwürdigen Wörter bekannt vorkamen). Berri Txarrak.

Eines der letzten Konzerte der Tour, und ich war da. Mit Saskia, mit der zusammen ich pünktlich um kurz vor zehn in der Schlange vor der Venue stand, bequeme zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt, geliebte zentralste Lage ever, mit dem Vorhaben, uns Tickets zu kaufen – von dem uns dann ein Mensch abbrachte, der auf uns zukam und fragte, ob wir schon Tickets hätten, und uns auf unser Verneinen hin zwei Karten hinhielt – er sei mit der Band gekommen und zwei Freunde von ihm würden es nicht schaffen, und wir sollten uns doch was zu trinken holen. Und auf meine Aussage hin, das würde ich jetzt nicht glauben, „pues créetelo„.

Sogar die Vorband war gut. Wann hat man so etwas schonmal. Ich habe sie auch aufgenommen. Niña Coyote eta Chico Tornado.

Denak Ez Du Balio. En vivo. Direkt vor meiner Haustür. Ich glaub‘ es nicht.
Wie gut, wie gut, wie gut, dass ich hierbin.

Nun hat sich schon die Zeit umgestellt.

Wieder einmal ein Konzert in der Nacht der Zeitumstellung. Vor zwei Jahren war es A Day to Remember in Oberhausen. Vielleicht erinnert man sich. Vermutlich nicht. Wie lang zwei Jahre doch sind. Und wie kurz eine Nacht doch ist, und so viel kürzer noch, wenn einen Meter von einem weg jemand liegt und schläft, den man beobachten muss, mit weit offenen Augen, weil es die letzte Nacht ist. Wann hat man so etwas schonmal. Ich war dankbar für die zusätzliche Stunde.

Und nun schon wieder eine Zeitumstellung. Wie kurz zwei Jahre doch eigentlich sind. Lang. Kurz. Lang, kurz, lang. Irgendwie ist Zeit ein bisschen wie ein Morsecode.