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Baina guztiok batean, saiatu hura botatzean.

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Langsam scheint es soweit zu sein: ich entwickle so etwas wie ein Selbstwertgefühl und noch dazu einen Sinn für meine eigene Lebensrealität ohne Nostalgiefilter.

Woran zeigt sich das? Ganz einfach, ich bin stinksauer. Zum Einen (eigentlich zum Zweiten, aber da es sich kürzer abhandeln lässt, kommt es zuerst dran) auf Becci, die meint, mit entscheidenden Ereignissen ihres Lebens nicht rausrücken zu müssen, weil sie keine „ruhige Minute“ dafür findet.

Zum Anderen auf Kepa, aus so vielfältigen wie zahlreichen Gründen, die vermutlich zum größten Teil darauf basieren, dass wir in Gemeinschaftsarbeit (auch wenn er davon nichts mitbekommt) während der vergangenen zehn Tage an seinem Sockel gezerrt und gerüttelt haben, sodass immense Teile davon sich selbst ohne mein Zutun in Nichts aufgelöst und somit ein abstrus anmutendes Doppelbild erschaffen haben und mein ganzes Innenleben empört schreit: Fehler in der Matrix, Fehler in der Matrix, does not compute. Auch nichts Neues bezüglich meiner Reaktionen auf unerwartetes Verhalten seinerseits, diesmal allerdings weitaus desillusionierter.

Aber das passiert, wenn man Menschen unverdient auf Sockel stellt. Ich hätte es vor fünf Jahren wissen können; ich hätte es vor fünf Jahren wissen sollen. Aber wie soll man wissen, bevor man gelernt hat.

Ikusiko dek, nola nola, laister eroriko dan.

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After Work

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Seit Jahren habe ich kein Buch mehr gekauft. (Wozu, wenn es öffentliche Bücherregale gibt.) Tatsächlich waren die letzten Bücher, die ich mich erinnere wirklich bestellt zu haben, ein fehlgeleiteter (und -geschlagener, wenn man der Tatsache ins Auge sieht, dass ich über ein-zwei Kapitel bis jetzt noch nicht hinausgekommen bin) Versuch, mich als zukünftige Linguistin irgendwie auch mal in die Materie einzufühlen, in Form von ein paar Büchern. Von Ebay.

Und, wie mir eben wieder einfiel und ich der Wahrheit zuliebe nicht unterschlagen möchte, Ende letzten Jahres auf dem Hausflohmarkt habe ich „Hija de la fortuna“ von Isabel Allende mitgenommen. Also gut, ein Buch zwischen 2014 und jetzt.

Jetzt allerdings haue ich dafür richtig rein, immerhin habe ich dasjenige Buch, das mir Dienstag Abend in die Hände fiel, heute bereits zum dritten Mal gekauft. Das erste für mich. Das zweite für meine Mutter. Und das dritte für Becci, die gestern Geburtstag hatte.

Es handelt sich um Tobis Buch, und es ist (um es mit der PARTEI zu sagen) sehr gut.

Ich hatte es vorbestellt, weil ich Tobi mal kennengelernt habe und seitdem davon überzeugt bin, dass er grandios ist. (Er darf das niemals erfahren, weil unsere Begegnung aus einer einzigen Unterhaltung beim 2013er Foodsharing-Bundestreffen bestand und es wahrscheinlich leicht creepy wirkt, wie ich über ihn rede.) Er hatte zu dem Zeitpunkt gerade mit dem geldlosen Leben angefangen, reiste durch die Gegend, hielt Vorträge und leuchtete. Ich beschreibe ihn seit diesem Zeitpunkt als einen leuchtenden Menschen, und ich werde es weiter tun, und sei es noch so creepy. Der Mensch hat mich nachhaltig beeindruckt, mit einem Wesen, das dich umwirft, weil man solche Menschen auf dieser Welt fast nicht erwartet. Naja, seitdem habe ich auf Facebook am Rande mitbekommen, was er alles so tut, und das ist eine Menge, und unter Anderem fing er irgendwann an, „After Work“ zu schreiben. Und da das mit der Arbeit bei mir im Kopf ja auch so eine Sache ist…

Es war wundervoll – ich bin vorhin damit fertiggeworden – und ich habe mich dabei gefühlt, als hätte er mein Hirn in seinen Stift gefüllt und damit geschrieben, wenn man das nun versteht und nicht ganz makabere Bilder davon in den Kopf bekommt. (Wenn doch, gern geschehn.) Ich befinde mich an einem Umbruchpunkt gerade, an dem ich erstmals im Leben in Erwägung ziehe, mit meinen Gefühlen vielleicht Recht zu haben. Die Therapiestunde heute Früh war extrem wertvoll und hat dazu ebenfalls beigetragen. (Und die Therapeutin meinte, sie würde sich ebenfalls für das Buch interessieren. Vielleicht habe ich Tobi und dem Verlag also schon 60€ Einnahmen beschert, von denen mit hundertprozentiger Sicherheit genau so viele Prozent in Sinnvolles fließen.) Es kommt alles zusammen.

Ich habe heute von der Existenz solidarischer Krankenversicherungen erfahren.

Warum sagt einem sowas niemand?

Oh, und ich habe tatsächlich Einsichten erhalten, warum ich „so“ bin.

Und die Bilder haben tatsächlich dabei geholfen.

Ruhe nach dem Sturm

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Es war das heftigste Gewitter meines bisherigen Lebens. R weckte mich auf, ich weiß gar nicht mit welcher Absicht, und ich, mir der Situation gewahr werdend, aber schlafentrissenerweise noch ohne viel Zugriff auf meine artikulatorischen Fähigkeiten, sagte „Der Flokati.“

-„Ist er draußen?!“

„Ja.“

„Also ich hol den nicht rein jetzt.“

„Nein! Aber unter den… das… Wie heißt das denn.. unter den Balkon, den von obendrüber, unters Dach!“

R machte unbegeisterte Geräusche. Dann musste ich halt selber ran. Entnervt schwang ich mich aus dem Bett – nenn mich sexistisch, aber während ich gut darauf verzichten kann, dass man mir Türen aufhält, Spinnen entfernt oder teure Geschenke macht, bin ich der Meinung, dass es zu den Dingen gehören sollte, die mein Freund für mich bereit ist zu tun, sich im schlimmsten Regen des Jahrtausends auf den Balkon zu bewegen und einen Teppich ins Trockene zu bringen. Aber nein, R meint dies nicht, also stürzte ich mich selbst in die Fluten und positionierte bei der Gelegenheit auch gleich die Eimer unterhalb des übernachbarlichen Balkonrandes (ich habe nie von dieser Fehlkonstruktion berichtet, aber dieses Haus ist auf eine solche Weise erbaut, dass bei Regen aus zentral im Rand angebrachten Abflüssen aller über uns liegenden Balkone kaskadenweise das Wasser auf den unsrigen herabströmt, welcher nicht mit einem derartigen Abfluss gesegnet ist, sondern Abflussmöglichkeiten besitzt, welche unter den Bodenplatten liegen und größtenteils blockiert sind, egal, wie gründlich man die Fugen reinigt. Go figure, wo sich das ganze Wasser demzufolge ansammelt). Durch die Blitze wurde es sekundenweise taghell; ich habe noch nie so helle Blitze erlebt.

Ich war durchnässt und zitterig, als ich wieder reinkam, legte mich zurück ins Bett und beobachtete mit R die auf der Straße bergabwärts strömenden Wassermassen, erfreute mich an der tropisch anmutenden Intensität des Gewitters, bewunderte die Blitze und sorgte mich um meine Pflanzen.

Dementsprechend groß war vorhin meine Erleichterung, als ich begeistert feststellte, dass keinem Pflänzchen auch nur ein Stielhaar gekrümmt worden war. Die Guten sind doch allesamt widerstandsfähiger, als ich sie eingeschätzt hatte; sogar die zarten Zimtbasilikumstängelchen waren unversehrt. Der Regen hat ihnen allen einfach nur gutgetan; man kann förmlich zusehen, wie sie in die Höhe schießen und gedeihen. Ich habe die prächtigsten Tomaten, die ich je besessen habe. Ringelblumen wuchern überall. Der Kürbis explodiert förmlich. (Es kann auch eine Melone sein. Ich weiß wirklich nicht, wie ich die beiden in diesem fruchtlosen Stadium auseinanderhalten soll, also warte ich einfach ab, was die jeweiligen Pflänzchen irgendwann so hervorbringen.) Die Zinnien fangen an zu blühen, rot und pink bislang. (Eine Zinnie fiel meiner viertägigen Abwesenheit zum Opfer, als es heiß wurde und R’s Vernachlässigung meine Balkonbepflanzung auf harte Proben stellte. Zum Glück war sie die einzige, die dran glauben musste.) Der Topinambur ist bald größer als ich, und die Kartoffelhecke macht sich hervorragend an der wenig dekorativen Balkonmauer. Die Azorenpflanzen entwickeln sich zu wahren Juwelen, und ich kann es nicht abwarten, bis sie blühen. Die Physalis mit ihren gesunden, samtweichen Blättern sieht genau so aus, wie sie sein soll. Pfefferminze wuchert wie ein Wald, die vom Brandt geschenkten Zucchini haben tausend Knospen, Schalen mit Genoveserbasilikum und Oregano treiben und grünen, Wildblumen sprießen in Scharen. Und zwischendrin tummeln sich Zitronenbasilikum und kleine Löwenmäulchen und warten auf ihre Chance, dem Schatten der Großen zu entwachsen. Noch keinen Junianfang hatte ich eine so vielversprechende Ansammlung an Pflanzen. Ich freue mich wahnsinnig auf den verbleibenden Sommer.

Mein Urlaub neigt sich dem Ende zu; Montag fängt die Schule wieder an und somit mein letzter Monat mit Sophi; die Noten des schriftlichen Abis werden am 18. verkündet und ich bin hochgespannt. Gleichzeitig natürlich verdränge ich weiterhin wie ein Weltmeister die Tatsache, dass ich ab Juli ohne Schüler dastehe und daran dringend etwas ändern müsste, denn auch wenn ich mir im letzten Dreivierteljahr ein beruhigendes finanzielles Polster erarbeitet habe, lähmt mich die Angst vor dem Mangel an Einkünften. Ich bin in der Therapie daran am Arbeiten, diesen Druck zu verstehen und zu bändigen. Und sie bietet mir zudem die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie Dramen der Sorte „letztes Wochenende“ entstehen und vielleicht, irgendwann, was ich tun kann, um dies zu verhindern. (Das Drama zog auch vorbei, ähnlich dem Gewitter. Bloß dass im Gegensatz zu den reinigenden Qualitäten des Letzteren von den Dramen immer eine Spur bleibt. Oder eher: eine Narbe. Es bleibt eine Narbe.)

Ich will dir mal was sagen. Ich habe es über weite Strecken der vergangenen Jahre vermieden (und vermeide nach wie vor), mich mit meinen innersten Zweifeln und Konflikten aktiv auseinanderzusetzen; ich vermeide es, so gut es geht, und nicht aus freiem Willen, sondern weil irgendein Teil von mir es mir so vorschreibt. Ich habe Schwierigkeiten, mein Blögchen zu betreiben, weil mir nicht einfällt, was ich schreiben könnte, während die Sachverhalte mir nicht zugänglich sind, die es wert wären, sich damit zu beschäftigen. Daraus ergibt sich dann die (berechtigte) Befürchtung, ein falsches Bild zu vermitteln, und daraus wiederum der Unwille, überhaupt etwas zu schreiben. Ich habe ewig gedacht, es läge daran, dass ich nicht mehr alleine wohne und die Zeit für Anderes aufwenden möchte, aber eigentlich ist es alles nur Teil eines gigantischen Verdrängungsmechanismus. Ich bin mir nicht sicher, was mit dieser Feststellung nun anzufangen ist, aber ich bin jedenfalls froh, sie gemacht zu haben.

Metamorphosis

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So habe ich mich also gerade beim Altern erwischt.

Meine Haare sind mittlerweile wieder so lang, dass ich sie beinahe problemlos mit einem Haargummi oder einer Klammer zusammenhalten kann. Das bedeutet einerseits, dass der Weg zum sehnsüchtig erwarteten erneuten Verdreadetwerden stetig weiter beschritten wird, und andererseits, dass ich gerade mit Frisuren herumlaufe, wie ich sie zuletzt vor mehr als fünf Jahren getragen habe. Und das beschert mir unerwartete Erkenntnisse, heute gerade nämlich diejenige, dass ich älter aussehe als vor fünf Jahren.

Wer hätt’s gedacht, könnte man meinen, aber zum Einen ist der eigene Alterungsprozess einem ja doch meistens durch die ständige Konfrontation mit dem eigenen Körper eher verborgen (wenn es einem nicht gerade wieder unangenehm auffällt, wie einem die Knie wehtun, nachdem man einige Zeit auf dem Boden gesessen hat, wie es bei mir dieses Jahr auch häufiger der Fall ist). Und zum Anderen stecke ich in einem Körper, der sich bislang nicht sonderlich darum scherte, mit fortschreitender Zeit diese durch Veränderungen wiederzugeben – ich sah schon immer jung aus.

So trug es sich also heute zum ersten Mal zu, dass ich in den Spiegel schaute und mir mit einem Mal gewahr wurde: Du bist ja wirklich erwachsen. Das Gesicht, das mich da anschaute, hatte nichts Unfertiges mehr an sich. Jede Unbeholfenheit, jeder Selbstzweifel war daraus verschwunden, und dabei kann ich ganz und gar nicht behaupten, diese Begleiter erfolgreich abgeschüttelt zu haben. Aber mein Spiegelbild strahlt einfach Ruhe aus, ermutigt mich und lässt mich wissen, dass es mir vertraut. Ein Funken Neugier versteckt sich in den Augen und so viel mehr gelassene Gutmütigkeit, als ich mir selbst je zutrauen würde zu empfinden, insbesondere meiner eigenen Person gegenüber.

Es ist ja allgemein bekannt, dass die Mittzwanziger die körperliche Blütezeit des Lebens darstellen. Ich bin ein bisschen erschrocken darüber, dass dieser Moment so unendlich kurz ist. Wenn sich die Wandlung von jugendlich zu erwachsen in einem solchen Tempo vollzieht, kann ich nur mein Bestes daran setzen, dass nicht weitere fünf Jahre meinem Gesicht die Verbitterung oder Resignation aufsetzen, mit der so viele Artgenossen gezeichnet sind, besonders, wenn sie älter werden.

Fürs Erste aber bin ich einfach mal zufrieden.

Irrtümer

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Also gut – wie kaum anders zu erwarten, habe ich keine Woche gebraucht, um festzustellen, wie sehr sich ein Mensch doch in sich selbst irren kann. Ich habe mich mit dem Beziehungsöffnungsversuch um Welten überschätzt; es war blanker Selbstbetrug.

Zu meinen großen Glück konnte ich mich zeitnah dazu durchringen, diese Erkenntnis R zu kommunizieren. Vielleicht hätte ich es nicht so schnell über mich gebracht, wäre mir nicht Samstag anhand von Simons und Franzis Hochzeitsversprechen überdeutlich vor Augen geführt worden, wie sehr ich mir eigentlich genau das für mein Leben wünsche. Nicht das Heiraten; ich kann ohne Heiraten leben. Ich hätte nun wirklich nichts dagegen, falls es sich so ergeben sollte, aber solche Kompromisse gehe ich mit Leichtigkeit ein, wenn es mein Partner eben nicht möchte. Aber Priorität zu haben, die allerallererste; ihm so wichtig zu sein, dass nichts Anderes und vor allem niemand Anderes – wie es Simon formulierte – je dazwischenkommen könnte, das brauche ich, einfach, weil ich exakt so funktioniere und weniger zu geben wie auch zu bekommen nicht in der Lage bin.

Erstaunlicherweise sollte ich, unmittelbar nachdem mir dies bewusst wurde, zu der Erkenntnis gelangen, dass mein Wunsch Realität ist. Wir haben uns nach der Trauung relativ zügig auf einen Waldspaziergang (!) von der lächerlich perfekten Location und der zum Brüllen perfekten Gesellschaft in die (wer hätte es vermutet) aufs Höchste idyllische Umgebung abgesetzt und natürlich waren wir kaum drei Schritte weit gekommen, bis ich damit herausplatzen musste, dass ich bei allem guten Willen eine Polybeziehung nicht überleben würde. Man stelle sich diesen Schwall aus Wasser und Wörtern vor, der aus meinem verheulten Gesicht auf seine Schultern fiel: Es tut mir leid, ich will dich nicht verstümmeln, ich will nicht, dass deine Bindung zu mir im Arsch ist, ich wollte es nicht zurücknehmen… Und dann stelle man sich das Opfer meiner Umentscheidung vor, man sehe es mich anschauen und höre es sagen: Es ist vollkommen in Ordnung. Und: Ich möchte dich nicht verletzen.

Ich habe so viel aus diesem Gespräch und dem ganzen Versuch gezogen, dass es die ganze Panik und den körperlich spürbaren Stress völlig aufwiegt. Weder habe ich mich je so geliebt gefühlt, noch hatte ich je weniger Bedenken dabei, meine Gefühle offen darzulegen. Dieser Tag, ich sage es dir. Ich kann es nicht sagen. Mir fehlen die Worte.

Wäre er nicht angewachsen…

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Ich wachte in der Minute auf, in der R geplant hatte aufzustehen. Verzögerte sein Aufstehen wie üblich um einige Minuten, weil ich es nicht einsah, gerade in der kalten Realität angekommen zu sein und direkt meiner wichtigsten Wärme- und Geborgenheitsquelle beraubt zu werden. Schlief wieder ein, nachdem er weg war, drückte ein paarmal auf den Wecker, supposedly um diesen dazu zu bringen, ein bisschen später erst zu klingeln, und wachte schließlich um halb elf Uhr ein zweites Mal auf. Ohne Wecker – ich kann von Glück sagen, dass mein Unbewusstes sich neun Minuten, nachdem der (von mir zuvor unwissentlich ausgeschaltete) Wecker seiner Pflicht hätte nachgehen sollen, dazu entschlossen hat, dessen Aufgabe für heute zu übernehmen.

Lag eine Weile herum und überlegte mir, welchen Bus ich nun nehmen sollte, um rechtzeitig in der Uni zu sein. Was genau „rechtzeitig“ eigentlich sein sollte, war mir selbst nicht ganz klar; ich war gestern beim Plank in der Sprechstunde und habe endlich die Unterschrift für den Antrag auf Titeländerung der BA-Thesis von ihm bekommen, sodass ich heute Früh diesen noch beim Prüfungsamt einreichen wollte. Das schließt nämlich um 12, und da ich um 11.45 Euskera hatte, musste das Abgeben definitiv vorher geschehen.

Ich kam zu keinem konkreten Schluss, war aber tendenziell überraschend unlethargisch und konnte ohne Schwierigkeiten recht bald aufstehen. Holte mir ein Medi aus der Schublade, stellte fest, dass kein Wasser im Zimmer war, und legte es auf die Fensterbank, während ich mich anzog. Nahm die Akkus des AGs aus dem Ladegerät und steckte das AG zusammen mit dem Handy in die Tasche; nach Euskera ist mein Redebedürfnis immer noch um ein so Vielfaches höher als sonst schon, da war das AG unerlässlich. Sogar an eine Speicherkarte dachte ich. Zur Abwechslung mal wieder.

In der Küche setzte ich mir Kaffeewasser auf und ging ins Bad, während es sich erwärmte. Wieder zurück, begegnete ich Trudi, welche mich mit erstaunlicher Gesprächigkeit und guter Lane begrüßte, die ich nur zu gern erwiderte. Die Momente, in denen Trudi und ich uns gut gelaunt unterhalten, kann man mittlerweile an einer Hand abzählen, vor allem weil meine Laune üblicherweise schon durch Hannes‘ Anwesenheit in den Keller verscheucht wird. Ich schnorrte mir einen Schluck Reismilch von Trudi und kippte diesen zusammen mit zu wenig Zucker und um Längen zu viel löslichem Kaffee in meine Thermoskanne. Nachdem diese in meiner Tasche verstaut war, schnappte ich mir noch schnell eine Banane und verschwand in Richtung der Haustür. Hätte dort um ein Haar vergessen, die Ladung aus unendlichen Tüten Brötchen und Salat mitzunehmen, die ich mir im Flur für genau diesen Moment bereitgestellt hatte. Setzte also die Tasche wieder ab und den Riesenrucksack, nunmehr mit Brötchen angefüllt, auf, drapierte die diversen Tüten links und rechts an meinen Armen, griff nach der Banane und verschwand, Trudi „Bis daahann!“ zurufend, durch die Tür. Kam rückwärts wieder herein, um meinen Schlüssel vom Haken zu nehmen (zu Trudi: „Scheiße, Schlüssel! Jetzt aber, bis daahann!“), und stapfte schwer beladen, aber zufrieden zur Bushaltestelle. Erwischte die 2, ohne großartig rennen zu müssen, obwohl ich nichtmal auf die Uhrzeit geachtet hatte.

Langsam fielen mir die Arme ab – man sollte kaum meinen, dass Salat so schwer sein kann, aber glaub mir, in diesen Mengen ist er es. Die eine Brötchentüte rutschte mir durch die befäustlingten Finger und ich hatte keine Gelegenheit, sie anders zu positionieren, weshalb ich ziemlich froh war, als die erste Busfahrt vorbeiwar und ich das Ganze kurz auf einer Bank absetzen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wann der nächste Bus zur Uni kommen würde, wagte es also, meine Banane hervorzuholen (wie sich das einfach nur falsch anhört!), und hatte mich gerade meiner Fäustlinge entledigt, als der Bus, den ich brauchte, in meinem Augenwinkel erschien. Also alles wieder einpacken, Banane ungegessen in eine der Tüten stopfen und ab in den Bus. Dort bekam ich einen Sitzplatz mit zwei leeren Sitzen gegenüber, auf denen ich meine ganze Fracht richtig bequem ablegen konnte. Herrlich. Endlich war Zeit zu frühstücken. Während ich mich mit der Banane vergnügte (okay, dieses Mal war’s drauf angelegt), unterhielten sich hinter mir zwei Menschen über irgendetwas so Sterbenslangweiliges, dass ich mich jetzt schon nicht mehr dran erinnere.

An einer Haltestelle wollte noch jemand zusteigen, als der Busfahrer schon auf Weiterfahren gepolt war; der Mensch, der am dichtesten neben der Tür stand, hielt heldenhaft seine Hand in den sich rapide verkleinernden Zwischenraum, um die Tür daran zu hindern, sich komplett zu schließen. Schade nur, dass die Tür andere Pläne hatte: Der einsteigen Wollende stand verblüfft vor der geschlossenen Bustür, während wir Drinnensitzenden uns vor Lachen kaum kriegten, als die Hand des armen Helden zwischen den Gummidichtungen steckenblieb und bis zur nächsten (zum Glück nicht sehr weit entfernten) Haltestelle den um die null Grad frostigen Temperaturen außerhalb des Verkehrsmittels ausgesetzt war und die Wartenden nach Art eines aus der Limousine winkenden Weltstars begrüßte. Er musste selbst lachen, wenn auch ein wenig verzweifelt, als die Türen sich wieder öffneten und er die Hand – durchgefroren, aber unbeschädigt – ordentlich durchschütteln und mit dem Rest seines Körpers wiedervereinen konnte.

Ungefähr zur selben Zeit wurde mir bewusst, dass ich meine Tasche zu Hause vergessen hatte, als ich die Fäustlinge in selbiger verstauen wollte. Dieser Einsicht mit einem unwillkürlichen lauten „NEIN!“ Ausdruck verleihend, bekam ich erst allmählich einen Überblick über die Ausmaße meines Fails. Nein, mein Hauptproblem war nicht, dass ich keinen Ort mehr hatte, an dem meine Fäustlinge untergebracht werden konnten. Ich war auch ohne Busticket unterwegs, ohne Euskera-Mappe, ohne – ein zweites lautes NEIN!, diesmal länger gezogen, den so ewig schon auf seinen Moment wartenden Antrag fürs Prüfungsamt, ohne Stift und ohne Kaffee. Und ich war zu früh.

Nuja. Ich machte das Beste draus und ließ mir Zeit beim Einsortieren der Lebensmittel ins FairTeiler-Regal. Es kamen wie meistens schon Leute an, mit denen ich – meinem Fail sei Dank – ein bisschen plaudern konnte, während ich die Tüten ausräumte. Dann auf zum Euskera-Raum – ich war immer noch zu früh. Jemand kam mir hinterher und hielt einen meiner Fäustlinge in der Hand. Ich bedankte mich überschwänglich und steckte ihn zurück in die Jackentasche. Mir fiel auf, dass auch der andere Handschuh fehlte. Eine Kehrtwendung und ein paar Schritte später hatte ich ihn wieder; er lag direkt neben der Person, die mir den ersten hinterhergetragen hatte. Sie bemerkte mich und entschuldigte sich – sie habe den zweiten gar nicht gesehen. Ich entgegnete, ich wäre ihr schon für den ersten dankbar genug gewesen, sonst hätte ich ja nichtmal bemerkt, dass der zweite nicht da war, wo er sein sollte. Und wieder umdrehen und wieder ein Blick auf die Uhr, immer noch zu früh, natürlich – ein paar Schritte dem Euskera-Raum entgegen, bis mir das Gewicht auf meinem Rücken die Erkenntnis brachte, dass ich vergessen hatte, die Brötchen aus dem Rucksack im Regal abzuladen. Eine erneute Kehrtwendung und zurück zum Regal. Die eine, mit der ich beim Regal geredet hatte, stand immer noch da und hielt nun ihrerseits ein Pläuschchen mit einem anderen Menschen. „Die Hälfte vergessen…“ sagte ich zu ihr und fing an, die Brötchen auf dem zweitobersten Regalbrett zu stapeln.

Irgendwann war ich tatsächlich fertig und begab mich, Shakiras „Estoy aquí“ vor mich hinträllernd, wirklich mal in den Euskera-Raum, wo ich entgegen aller Gewohnheit als Erste ankam. Fand ein paar leere Blätter auf einem der Tische und war schon froh, dass ich mir zumindest kein Notizapier von den Kommilitoninnen würde ausleihen müssen. Verpflanzte mich vom Tisch auf den Stuhl, als Esti hereinkam, und war einen Moment lang überglücklich, als sie mir die beiden Ken-Zazpi-CDs hinhielt, die sie mir versprochen hatte aus dem Baskenland mitzubringen. Genau so lange, bis mir wieder einfiel, dass ich das Geld dafür mangels Tasche natürlich nicht dabeihatte. Genausowenig wie die durch einen genialen Zufall vor ein paar Wochen containerte „Kleines Dankeschön“-Milka-Schokoladenpackung, die ich ihr dazugeben wollte. Aber weil Esti eine unglaublich liebe Person ist, sagte sie nur, ich solle mir keine Sorgen machen und sie hätte eh den Bon vergessen, wir würden es einfach nächstes Mal regeln. Esti = Engel.

[Genau in diesem Moment höre ich Itsasoa gara, welches auf einem der Alben ist, die sie mir gebracht hat, und bin überwältigt, weil Itsasoa gara das Lied ist, das ich mir nie erlaubt hatte Wort für Wort zu übersetzen. Itsasoa gara habe ich drei Millionen Mal bei Youtube angehört, aber nie die Version mit spanischen Untertiteln genommen, nicht ein Mal; ich habe mir immer gesagt, „wenn du weiter Euskera lernst, wirst du dieses Lied irgendwann einfach so verstehen; es wird so sein, dass du das Lied hörst und es einfach verstehst, ohne irgendetwas dafür zu tun, und dieses Lied wird das erste sein, bei dem es dir so geht.“ Nun ist es tatsächlich der Fall. Ich bin verblüfft und hochgradig dankbar, diesen Moment zu erleben.]

Dann kam Rui und wir saßen zu zweit in Euskera; Vera kam nicht, kannst du dir das Privileg vorstellen, an der Uni zu sitzen und mit einer einzigen Kommilitonin Euskera zu lernen? Ich habe mir einen Stift von Esti ausgeliehen. Rui musste irgendwann zum International Office, also machte ich die letzten 20 Minuten mit Esti Privatunterricht. Sie ließ mich indirekte Rede üben und war beschämend begeistert von der Qualität meiner Arbeit. Es wäre unglaublich, wie korrekt meine Sätze seien. Sie konnte es gar nicht glauben. Ich war so glücklich. Am Ende habe ich sie, meiner selbst ohne Kaffee aufgedrehten Euskera-Natur gemäß, über meine Bachelorarbeit zugelabert und sie wäre bald an die Decke gegangen, als ich ihr sagte, dass ich über den Allokutiv geschrieben habe. Wie sie mich angeguckt hat. Darauf habe ich gewartet. Jetzt mag sie mich, habe ich mir gedacht, als sie sich strahlend verabschiedet hat und mir das Versprechen abgenommen hat, ihr bescheidzusagen, wann ich meine Thesis verteidige. Tengo amigas que hablan en hika! Si se lo cuento… van a flipar!

Mit einer ganz neuen Motivation erfüllt, habe ich mich zu Hause daran gemacht, mit der Präsentation für die Verteidigung zu beginnen. Mir das Medi eingeworfen, das ich natürlich in der Früh auf der Fensterbank hatte liegenlassen. Mir Argiak in den CD-Player geschmissen und mich mit Frühstück versorgt, die Sonnenlichtlampe ins Bett gestellt und angefangen zu arbeiten, bis mir auffiel, dass es eventuell sinnvoller wäre, erstmal ein paar der Präsentationen der Anderen anzusehen, bevor ich meine eigene erstelle. Dieses Projekt also richtig guten Gewissens auf nächste Woche vertagt und stattdessen diesen Monstereintrag geschrieben, einfach um einmal festzuhalten, wie dieser im Grunde so alltägliche Vormittag doch irgendwie voll war mit wunderbaren Kleinigkeiten.

Und wie ich wieder einmal gelernt habe, dass meine Art zu failen gar nicht so schlimm ist, weil man doch immer wieder durchkommt: Esti bekommt ihr Geld und ihre Schokolade nächste Woche. Niemand hat mich im Bus kontrolliert. Den Antrag gebe ich morgen ab; dafür muss ich zwar nochmal extra in die Uni, aber das ist gar nicht so schlimm, denn ich habe noch einen Karton Salat hier herumstehen, den ich heute Früh beim besten Willen nicht mehr untergekriegt habe. Der kommt dann morgen mit. Und ich habe meinen finalen Termin für die Präsentation eingetragen und ganz viel Motivation, es gut zu machen, weil Esti mir zuhören wird und weil ich den Plank mag. Spät, aber doch kam mir diese Erkenntnis. Ich habe gestern eine halbe Stunde mit ihm geredet und einen armen Menschen draußen vor seinem Büro warten lassen, obwohl ich eigentlich nur die Unterschrift von ihm brauchte. Und es ist nicht schlimm, dass ich die beiden Quellen aus der einen Fußnote in der Bibliographie vergessen habe aufzunehmen; ich hab’s ihm gestern gesagt und er meinte nur, er würde eh einfach mal kurz schauen, „ob sich das ungefähr deckt“ – oh mein Gowai. Das sind diese Geschichten, die ich mich nichtmal hier im Blog traue zu erwähnen, weil ich so viel Angst vor den Konsequenzen habe, dass ich sie vollkommen verdränge, wo es nur geht, und dann auf einmal kommt raus, es ist nicht schlimm. Ich schätze mal, das ist der Schock, den Laura bei mir vergeblich erwartet, wenn sie mir ihre dunklen Geheimnisse anvertraut. Den ich auch andauernd erwarte und der einfach ausbleibt, weil die Sachen bei einem im Kopf so viel dramatischer aussehen, als sie für den Rest der Welt sind. Ich liebe die Welt. Ich liebe meinen widerwärtigen, zu starken und zu zuckerarmen Kaffee. Ich liebe Ken Zazpi und ich liebe es, hier zu sitzen und mit den Fingern nicht hinterherzukommen, weil ich endlich, endlich mal wieder Motivation habe, mir die Seele aus dem Leib zu schreiben. Ich liebe es, wach zu sein. Ich bin so unfassbar glücklich gerade.

Majority rule don’t work in mental institutions.

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Es ist so irritierend, nicht mehr jede Minute lang an diese Thesis zu denken. Mich überfordert dieses abrupte Verschwinden einer allgegenwärtig gewordenen Pflicht aus meinem Leben; sie war immer da – entweder, weil ich daran gearbeitet habe, oder (weitaus länger, weitaus häufiger) weil mein Gewissen mich dafür gefoltert hat, es in dem jeweiligen Moment gerade nicht zu tun.

Meine PMS haben mich recht fest im Griff. Ich habe mich in den letzten paar Tagen so sehr von Dingen mitnehmen lassen wie zuvor in meinem halben Dasein nicht. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, unter einen widerlichen, gegen Flüchtlinge hetzenden Artikel der Huffington Post (nein, ich verlinke den nicht; den Herzinfarkt will ich dir ersparen – bitte lies nie wieder diese Website) einen ausschweifenden Kommentar zu schreiben, um meinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Jetzt ernte ich die Früchte: Haufenweise von Dummheit zeugende Kommentare von genau solchen Menschen, wie sie für das Entstehen solcher Artikel verantwortlich sind. Scheiße, ich bin in R’s Leben gelandet.

Ich habe vor sehr Kurzem erst gelernt, wie naiv ich eigentlich aufgewachsen bin. Wie unglaublich weltfremd in dieser Hinsicht. Ich war bis vor ganz Kurzem noch der Meinung, in einem Land zu leben, das seine Vergangenheit überwunden hat. In dem es zwischen Osten und Westen nicht den geringsten Unterschied mehr gibt (du musst dir das vorstellen; ich habe das wirklich geglaubt). Meine Güte, ich war davon überzeugt, in einer Welt zu leben, in der man Rassismus keine Plattform mehr gibt, in der das Wort „rechts“ allein schon mit übelster Beleidigung gleichzusetzen ist, in der man gelernt hat, Menschen unabhängig von weiteren Faktoren als das Individuum zu sehen, das sie sind. In der das Wort „Ausländer“ unfallfrei zu gebrauchen ist, weil es einfach keine Wertung mehr enthält. Für niemanden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass zwischen Männern und Frauen kein Unterschied gemacht wird, und dass hierzulande heutzutage jedes Kind Werte eingepflanzt bekommt, die es ihm ermöglichen, eine Person nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Zwischen Einzelpersonen und Kollektiv zu differenzieren. Ich dachte, wie wären schon längst so weit.

Mittlerweile bin ich geheilt, tue Beispiele der im Grunde omnipräsenten Bosheit und Ignoranz nicht mehr als Ausnahmefall ab; so viel habe ich gelernt inzwischen. Auch, dass das Mindset, welches ich aus meinem Elternhaus mitbekommen habe, um ein Vielfaches kostbarer ist, als ich je ahnen konnte. Und dass die wunden Punkte, die ich bei meinen Eltern in politischer und ideologischer Hinsicht nie müde wurde zu kritisieren, im Angesicht dessen, was auf diesem Planeten sonst so rumkriecht und sich Mensch schimpft, wahre Luxusprobleme sind.

Aaaaaaahh

Edit: Du solltest dir das zweimal anhören; ein Mal ist zu wenig, um sowohl den Text als auch das Video zu prozessieren. Und beides verdient prozessiert zu werden.

Mir fehlen die Worte…

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Ich bin praktisch mit vier Fünfteln des Inhalts meiner BA-Thesis fertig und komme bisher auf 4806 Wörter, was besorgniserregend ist, da ich eigentlich 10 – 15000 brauche. Das heißt, die Hälfte meiner Thesis wird am Ende aus Füllmaterial bestehen. Ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Ich muss aber darüber nachdenken, weil es sich ja nun leider so verhält, dass das Ding am 8. Januar in Sack und Tüten sein muss – ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Auch darüber muss ich aber nachdenken, weil es doch ziemlich ärgerlich wäre, so weit gekommen zu sein und dann am Ende einfach nicht genug Wörter zusammenzuhaben.

Was treibe ich mich überhaupt schon wieder hier herum. Schreiben sollst du, schreiben.

Naja, ich schreibe doch. Hier fallen mir wenigstens Wörter ein. Wörter wie Sonne, deren Licht sich heute durch den wolkenlosen Himmel ausbreitet und ohne jeglichen Widerstand bis auf die Wand unseres Gartenschopfes prallt, fünf Meter von mir entfernt – mir, die ich in meinem Zimmer sitze und ab und an fasziniert nach draußen schaue, bevor ich mich wieder dem Computer vor meiner Nase zuwende. Eigentlich muss ich noch raus heute, bevor es sich am Ende wieder zuzieht und ich diese einmalige Chance auf Licht und Vitamin D bachelorarbeitsbegründet ungenutzt verstreichen lasse. Ja, weißt du was, ich ziehe mich an und gehe raus. Eine kleine Fahrt zum Großhandel wird mir nur guttun. Ich kann ja danach weitermachen.

Oh Fuck. Ich muss der einzige Mensch weltweit sein, der sich zum Rausgehen mit Containern motiviert und dieses dann extra frisch geduscht und angezogen zelebriert, während er eigentlich nur an die Sonne will. Aber meine Güte, besser is‘ – oder wäre es etwa von Vorteil, wenn ich gar nichts hätte, mit dem ich mich motivieren könnte, und es wieder den ganzen Tag nicht aus dem Bett schaffen würde? Na siehst du.

Am besten war R neulich: „Du bist doch nicht lethargisch. Du bist das blühende Leben!“ Selten so gelacht. Wie schade, einerseits, dass er nicht merkt, dass mein Tatendrang seit Wochen gegen null geht. Wie beruhigend, andererseits, dass ich den Anschein erwecke, als stünde mein Leben in voller Blüte. Und ich hab‘ ja auch wieder bessere Laune. Zum Glück. Und bald kommt meine Sonnenlichtlampe, dann wird alles noch viel besser.

Hirntot, aber vorausdenkend.

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Bad-Erkenntnis des Tages (immer wieder faszinierend, wie Zähneputzen einen auf die merkwürdigsten Gedanken bringt): Man ist doch immer am unausstehlichsten, wenn man der Meinung ist, dass man sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Und – Obiges unkommentiert lassend, weil ich gleich vor Müdigkeit aus dem Bett kippe (ich bin ziemlich diszipliniert mit meinem Wunsch nach einer längeren Wachperiode, aber es schlägt mir ganz schön auf das Energielevel) – …ach, fuck this, ich bin so durch, ich hab‘ vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte. Note to self: Deine Bandwurmsätze funktionieren nur bis zu einem bestimmten Grad an Gehirnaktivität.

Ich habe nicht genug geschafft bekommen heute, aber immerhin den vierten Tag in Folge überhaupt etwas geschrieben und gelesen. Wenn ich morgen aufwache, solte ich mir einen konkreten Plan machen – auch darüber hatte ich schon nachgedacht: Ethischer Dativ. Finde eine solide Quelle, wenn möglich sprachübergreifend, und entnimm dieser eine Definition, einen Bezugspunkt zum Allokutiv und (most importantly) einen Haufen weitere Quellen, die dir dabei behilflich sein können, dir diesen ganzen Wust aus den Fingern zu saugen. Paraphrasiere die Definition, ergänze mit je einem Sprachbeispiel aus dem Deutschen, Spanischen und (wenn’s hat) Euskera – überhaupt, recherchiere den ethischen Dativ im Baskischen. Das könnte ich alles jetzt genausogut machen, ja, natürlich, aber meine Augen. Und mein Kopf. Und überhaupt.

Gehen wir schlafen und machen morgen weiter. Ich halte mich dann einfach an die Instruktionen aus diesem Eintrag.

Betteln will gelernt sein – sorry, not sinking that low.

Standard

Einen halben Tag hat es zwar gedauert, aber gerade habe ich es geschafft und mich bei Sarah erkundigt, ob ich die zwei Monate lang, die ich während der BA-Arbeit aufhören würde zu arbeiten, ihnen R als Vertretung schicken könnte. Natürlich sagte sie mir, sie würden eigentlich auch so klarkommen und ich solle mir da keine Sorgen machen. Ich habe mich weitestgehend bemüht, ihr irgendwie zu vermitteln, dass es mir ziemlich am Herzen läge, wenn sie meinen Vorschlag annehmen würde, aber da war nichts zu machen. „Ich red mal mit Nic, aber ich denk‘, das muss nicht sein“.

Ideal war die Ausgangslage nicht, das war mir auch vorher klar – die arbeitsreichste aller Phasen ist es in der Tat nicht, die gerade ins Haus steht – aber ich hatte darauf gehofft, das bisschen Sympathie, das sie mir gegenüber eventuell noch hegt, würde ausreichen, um sie in Anbetracht der Dringlichkeit meines Anliegens trotzdem nochmal überlegen zu lassen.

Verspekuliert. Und die bislang demütigendste Situation meines Lebens hinter mich gebracht. Ein grausamer Vorbote der erschreckenden Einblicke, die sich mir vermutlich zeit meines Daseins noch in den Alltag der Arbeitswelt bieten werden.

Aber okay; zumindest weiß ich jetzt, woran ich eigentlich bin.