Schlagwort-Archive: Erlebnisse

Catching Up

Standard

The queerest thing happened to me today. That’s right, 10 am and already something has happened. To be specific, I woke up. Not just any time, oh no, I woke up when R’s alarm rang, at around 6.30, and I felt so extremely awake that going back to sleep for another two hours before my shrink appointment was just not an option. So when R (clumsy and noisy as usual) had gathered his wits and work-related belongings and left the house about 15 minutes later, I checked my cell phone, turned on the lights, gulped down my daily 5-milligram dose of sanity and got up. At seven.

I then proceeded to get the coffeemaker running and, while the appartment slowly filled with promising, delicious aroma, conduct my bathroom routine in the calmest fashion imaginable. Content, I re-entered the kitchen and set out some cat food to defrost, then poured myself a cup of coffee and, to my astonishment, realized I still had more than enough time to sit down and watch an entire episode of Gilmore Girls before I had to leave. Actually, when I was done with the episode, it was around 8.20 – which is exactly the time my own alarm was originally supposed to ring.

I now oficially envy every morning person on Earth. Oh, to be able to live like this each day! Instead, I have been known lately to applaud myself for getting out of bed before 11. Ever since our Konstanz visit around R’s birthday, my sleep cycle has been out of control. Those two nights seriously fucked up everything I had built.

But I’m not complaining; it was well worth it. Why? Let’s see.

  • I got to be in Konstanz.
  • I was able to grow as a person as I was being taken into, then abandoned in an environment far outside my comfort zone (seeing as R basically forgets I’m there as soon as we enter that goddamn place and my social skills are insufficient for me to feel at ease on my own), a challenge it took more time and effort to master than I would have liked, but which I eventually chose to accept and overcome nonetheless.
  • The latter point resulted in me hanging around a former friend of R’s while he was busy DJing, and getting up to speed on things happening in Konstanz. Specifically, seeing as this person used to be very close with my pal Basti as well, I came to know a couple of things about Basti that I probably wouldn’t have found out if I hadn’t been there. Like, ever.

So, yeah, even though what I learned bummed me out pretty hard and lead me to the uncomfortable decision to actively cut my best friend out of my life, which I’m still set on doing once the opportunity presents itself, I needed to be there and endure endless hours of absorbing cigarette smoke and fending for myself in a foreign territory and be prepared to meet this Emi person, who R has the hots for, only to find out she’s not exactly interested in meeting me at all – the whole purpose of me tagging along and the encounter barely lasted a second, only significant in that it prompted me to finally get over myself and go get a beer and talk to people because I felt just too stupid and out of place lingering aimlessly there near R’s DJing corner pitying myself for being such a fucking misfit at R’s favorite place in the world while he was having a blast and the Emi person was fitting right in.

See – I did manage to write about it eventually, even Basti being a lying coward son of a bitch and all. So I’m not as hopeless as I thought.

Superglue (I Did It.)

Standard

Okay. For the record: es hat unter eine Minute gedauert, meine Flipflops zu reparieren. So kann’s gehen… muss aber nicht.

Spulen wir zurück an den einen Mittwochnachmittag in Cochabamba, an dem ich dieses Unterfangen zum ersten Mal gestartet habe. Es war Markt im Barrio, aber die Schuhe reparierende Frau war nicht da. Das erfuhr ich sogar ohne selbst suchen zu müssen, denn Tyler, ein anderer Quechua-Schüler, hatte ebenfalls kaputte Sandalen und kam von seinem Erkundungsgang mit ebendieser traurigen Nachricht zurück: Sie ist nicht da.

Ein paar Stunden später: während ich mit Kepa – bereits auf dem Nachhauseweg und mit Plastiktüten voll Obst von der Cancha behangen – durchs Zentrum tingelte, kamen wir an einem der allgegenwärtigen Straßenstände mit Krimskrams vorbei und mir leuchteten tatsächlich Tuben mit Superglue entgegen. Ich also hin, den Preis einer Tube erfragt. 5 Bolivianos, kann man mal machen. Kepa brauchte Taschentücher und kaufte sich welche. Ich zahlte und nahm mir eine Tube vom Hänger, zeigte sie nochmal der Verkäuferin und steckte sie ein. Wir machten uns wieder auf den Weg. Keine drei Schritte waren wir gekommen, da rief uns die Verkäuferin hinterher, sie hätte uns schon eine Tube Kleber gegeben. Wir verdutzt zurück; niemand von uns konnte sich entsinnen, Kleber entgegengenommen zu haben. Ich fing an, meinen Beutel Teil („mío…“) für Teil („…mío…“ für Teil („…mío…“) auszuleeren und Kepa das ganze Zeug in die Hand zu drücken. Der indes durchsuchte wiederum seine Taschen und fand, erstaunlicherweise, eine Tube Superglue. Ups.

Fast forward noch ein paar Stunden. Ich sitze im Zimmer, Flipflops auf den Beinen, Tube in der Hand. Öffne die Tube. Leider beschließt diese, dass es ihr wohl den Tag über auf der Straße zu warm war, und speit Superglue über alle möglichen Teile meines Körpers (Finger) und meiner Bekleidung (Hose), welche daraufhin – brav, genau so war das geplant – natürlich seemingly irremovabel an allem festklebten, mit dem sie in Berührung kamen. Im Falle meiner Hose war dies mein Oberschenkel, im Falle meiner Finger waren es… andere Finger. Da half nur Fluchen und Ziehen.

Ich hatte noch nie so einen glatten Fleck auf dem Oberschenkel. Dafür war der faustgroße Klebefleck in die Hose eingewachsen und hatte sich in Sekundenschnelle erhärtet. (Fun fact: nachdem am Tag danach ersichtlich war, dass das durch nichts in der Welt wieder rauszubekommen ist, und ich wirklich keine Lust auf diesen nach außen vermutlich ominös wirkenden weißen Fleck auf meiner Hose hatte, habe ich ihn kurzerhand rausgeschnitten. Zum Glück ist es eine Schlabberhose, genauer gesagt: meine geliebte türkische Schlabberhose, welche schon diverse Operationen hinter sich hat, unter Anderem eine Kürzung auf Drei Viertel, nachdem der Wohnheimstrockner ihr übel mitgespielt hatte und ein Bein bedeutend kürzer wieder herauskam als das andere. Sie wird also auch dies überleben… und die Narben machen ein Kleidungsstück doch erst interessant.)

Die Sohle des einen Flipflops, an dem ich hatte ansetzen wollen, war ebenfalls vollgeklebt. Ich drückte die letzten verbleibenden Tropfen aus der Tube an die eine Stelle, die von der Explosion verschont geblieben war und welche ich eigentlich hatte erreichen wollen, aber die Flüssigkeit ging darin unter, als hätte ich eine Handvoll Wasser in eine Sanddüne geschüttet. Fazit: Kleber überall, nur meine Flipflops waren nach wie vor unbrauchbar und blieben es auch während der restlichen Reise.

Dann lagen die (übrigens in einer haarsträubenden Last-Minute-Aktion extra für diese Reise bestellten) guten Stücke erstmal ein paar Wochen am gleichen Fleck hier in der Wohnung, weil ich – vielleicht trauma-, vielleicht lethargiebedingt – mich nicht überwinden konnte, diese Aufgabe erneut zu konfrontieren. (Ich glaube, ein großer Teil dieses Unwillens rührte daher, dass ich nicht genau wusste, wo der Sekundenkleber ist. Taurig, aber wahr – sowas kann durchaus mal dazu führen, dass ich Aufgaben ein paar Jahrhunderte lang unangetastet lasse.)

Bis jetzt. Todesmutig habe ich mich der Herausforderung gestellt und an ganzen zwei verschiedenen Orten in der Wohnung nach dem Superglue gesucht, ihn am zweiten der besagten Orte dann gefunden (es war, wie du siehst, nicht sehr schwierig), Flipflops aufgeklappt, Kleber rein, Flipflops zugeklappt, reingeschlüpft, draufgetreten, festgedrückt. Fertig.

It is finished.

Observations from the Daily Life of a Socially Challenged Person

Standard

Hi, ich bin die Aspi und ich hab‘ Social Anxiety.

Falls du zufällig ebenfalls Social Anxiety hast, wirst du nachvollziehen können, was ich gleich schreibe. Falls nicht, read and learn.

Obschon ich in den letzten paar Jährchen extrem dazugelernt habe und gravierende Meilensteine erreichen konnte, die früher unfassbar weit weg schienen, ist es auch heute noch eine Herausforderung für mich, zum Beispiel einen der Vorträge zu besuchen, die R organisiert. Ich tue das trotzdem gelegentlich, aus den einfachen Gründen, dass 1) mich die Themen interessieren, 2) ich dazulernen möchte und 3) ich die Vortragenden und Organisatoren unterstützen möchte, indem ich durch meine Anwesenheit den Raum (noch) ein kleines bisschen voller mache.

Heute ging es relativ leicht, aber ich hätte weitaus besser sein können.

Herausforderung 1: Ankommen. Ich war mit dem Fahrrad da, fand die Location ziemlich zügig und musste nur den Eingang ausfindig machen. Da ich es hasse, planlos zu wirken (oh nein, alle Anderen sehen, dass ich keine Ahnung habe – Weltuntergang!), zockelte ich gemütlich mit meinem mitgebrachten Energy (ich war hundemüde und wäre vorher beim Arbeiten schon fast eingeschlafen) ums Eck herum und wieder zurück, erspähte unterwegs R’s Fahrrad (was mich schonmal beruhigte) und lachte dem enthusiastischen Italiener entgegen, der neben der benachbarten Pizzeria stand und mich, gute Laune versprühend, auf Italienisch mit irgendwelchen fröhlichen Worten bedachte, während sein Kumpel mit einem Wasserschlauch die Straße vor seinem Lokal berieselte.

Es standen zwei Menschen da herum, die aussahen, als hätten sie dasselbe Ziel wie ich, aber natürlich war das kein Grund, sie anzusprechen, sondern verleitete mich nur dazu, meine ‚Ich hab voll alles im Griff‘-Maske weiter aufzubauschen und voller Zielstrebigkeit auf den einzigen Hauseingang zuzugehen.

Ich hatte Glück. Im Hauseingang stand ein junger Mensch, den ich als denjenigen zu erkennen glaubte, dem R bei der Vortrags-Orga unter die Arme gegriffen hatte. Aus meinem gefaketen Selbstbewusstsein (welches durchaus überzeugend wirkt) heraus war es ganz einfach, ihn anzusprechen und in Erfahrung zu bringen, dass diese Tür mich zum richtigen Ort führen würde. Und wenn ich erst einmal in Schwung bin, läuft auch alles Andere, sodass ich (gerade gegenüber diesem schüchternen Fünfzehnjährigen) mit ein paar lockeren Worten mein Fortbestehen als unerkannter Interaktions-Fail sichern und den Raum betreten konnte. (Sobald ich mich einmal dazu zwinge, eine Interaktion in Angriff zu nehmen, tue ich dies mit einer so epischen schauspielerischen Glanzleistung, dass Jonas vermutlich jetzt denkt, ich sei die selbstsicherste Person unter der Sonne.)

‚Herausforderung‘ sagte ich besonders deshalb, weil ich zu diesen Veranstaltungen allein hingehe. R ist, wie ich mittlerweile weiß, immer äußerst beschäftigt damit, alles Andere zu managen, und sagt höchstens mal kurz hallo. Dann sitze ich da rum und beobachte, wie alle sich unterhalten. Natürlich eröffnet sich mir nicht die Möglichkeit, selbst ein Gespräch mit einem anderen Anwesenden zu führen, denn wenn du dir nichts Schlimmeres vorstellen kannst, als (zumal unbekannten) Leuten in die Augen zu gucken, könntest du genau so gut einen Tarnumhang tragen: niemand spricht dich an. Heute hatte ich mein Buch vergessen, was doof war, denn so musste ich darauf zurückgreifen, stumpf auf dem Handy zu spielen, bis es anfing.

Ich blieb auch nach dem Vortrag noch sitzen, weil ich auf die anschließende Diskussion gespannt war. Es gab eine kurze Pause, in deren Verlauf die Menschen wieder redeten, rausgingen, sich was zu trinken holten etc. Ich saß halt da. Dann wurde diskutiert – oder sowas Ähnliches; ich habe bisher kaum je erlebt, dass nach Vorträgen dieser Art in eine Diskussion mal richtig Schwung gekommen wäre. Dann hatte niemand mehr etwas zu sagen. Außer mir, natürlich, aber da der Raum gerammelt voll war und meine Fähigkeit, in Gruppen einen Ton von mir zu geben, sich bei mehr als vier-fünf-sechs bereits stark erschöpft, behielt ich meinen Senf wie üblich für mich.

Wir waren mehrfach dazu angehalten worden, noch dazubleiben und auf die Leute von der Antifaschistischen Initiative zu warten, aber ich musste nach Hause, da von meinem aktuellen Auftrag noch viel zu viele Seiten übrig sind und ich mir morgen nicht den Stress geben möchte. Außerdem hat mein Welde-Bier (die Deckel dieser Marke sind so konstruiert, dass sie dir Antworten auf Ja-Nein-Fragen geben, die du vor dem Öffnen stellst) mir heute Nachmittag verkündet, ich würde den Auftrag ohne Zeitdruck fertig bekommen, und damit diese Prophezeiung sich erfüllen kann, muss ich halt tatsächlich heute noch was dafür tun. Jedenfalls quetschte ich mich in Richtung Tür; dort stand auch R, dem ich bescheidgab, dass ich nach Hause fahren würde, um zu arbeiten, während zeitgleich eine der Referentinnen ihn rief. Er wünschte mir viel Erfolg und widmete sich Michelle.

Die letzte kleine Herausforderung bestand darin, mich vom Veranstaltungsort zu entfernen: es standen diverse der Leute von drinnen davor, die ich zwar alle nicht kannte, was mir aber dennoch signalisierte, dass man irgendwie anerkennen musste, dass man gerade anderthalb Stunden zusammen im gleichen Raum gehockt hatte. Also verabschiedete ich mich mit einem kurzen Handheben, während ich wegfuhr.

Das sind nun natürlich alles nur ganz kleine Dinge und nichts davon hat mir wirklich Probleme oder extrem unangenehme Gefühle bereitet, aber ich fand es mal interessant, aufzudröseln, wie viel Denkarbeit und/oder Awkwardness in solchen Situationen stecken kann, die zumindest solche Menschen, die weder gesichtsblind noch autistisch veranlagt noch introvertiert noch anderweitig sozial beeinträchtigt sind, tagtäglich als absolute Selbstverständlichkeit erleben – ohne auch nur einen bewussten Gedanken darauf verwenden zu müssen, das eigene Verhalten und das Anderer auszuwerten.

Falls jemanden interessiert, was ich gern zur Diskussion beigetragen hätte: eine der Referentinnen hat über die Sarotti-Debatte gesprochen, die sich darum dreht, ob ein gewisses Mannheimer Kino das ‚Mohren‘-Logo (welches bis 2004 Markenzeichen der Firma war, bis die Farbe des abgebildeten Menschen von schwarz zu golden geändert wurde) durch das aktuelle Logo ersetzen soll – weil der ‚Mohr‘ ja rassistisch ist. Sie war voll und ganz dafür. Ich nicht, aus diversen Gründen. Aber niemand im Raum hat sich meiner Ansicht entsprechend geäußert, weshalb ich das theoretisch schon gern übernommen hätte. Ich find’s echt schade, weil mir meine Meinung tatsächlich wertvoll erscheint und ich mir gewünscht hätte, der Referentin diese mitteilen zu können. Aber nicht in dem Rahmen, nicht mit meiner Gruppenphobie.

Dazu kommt, dass ich es mit dem Argumentieren nicht so habe. Für mich fühlen sich Dinge richtig oder falsch an, und entsprechend handele ich, aber wenn es darum geht, fundiert zu argumentieren, bin ich raus. Die Idee, ob fundiert oder nicht, ist die folgende:

Ein Logo umzufärben bringt im Endeffekt nichts, aber auch gar nichts. Keine einzige Person of Color wird dadurch in der Gesellschaft bessergestellt. Niemand bekommt mehr zu essen, fairere Arbeitsbedingungen, eine Wohnung, mehr Geld. Im besten Fall halten ein paar Schreihälse die Klappe, die sich vorher auf den Schlips getreten fühlten, und suchen sich eventuell mal wieder andere Baustellen, an denen sie tatsächlich Menschen helfen können (das hätte ich nicht unbedingt so gesagt; sie war schon während des Vortrags sehr emotional aufgeladen und das wäre nicht, aber auch gar nicht gut angekommen. Es ist natürlich auch verständlich, dass dem so ist, aber trotzdem ist es eine Tatsache, dass bei niemandem die Klappen schneller runtergehen, der sich angegriffen oder beleidigt fühlt – beides war relativ eindeutig bei ihr der Fall). Das Einzige, was du damit bewirkst, ist, dass dem denkenden Konsumenten die Möglichkeit genommen wird, anhand der Symbolik auf dem Logo festzustellen: okay, das will ich nicht unterstützen. So hat sich schon 2004 Sarotti mit dem Goldwashing des Logos letztendlich einfach nur zu mehr und zufriedeneren Kunden verholfen. Die Unternehmensmentalität und -geschichte (ich habe heute gelernt, dass die Firma dreißig Jahre lang durch einen Nazi und Kriegsverbrecher geleitet wurde) hat sich dadurch ganz sicher nicht geändert – nur sieht man die jetzt nicht mehr so deutlich. Als glühende Verfechterin der absoluten Transparenz (der zugunsten ich nicht nur zu rassistischer Symbolik, sondern auch zu Geschichten wie Datenschutz, Geheimnissen, Privatsphäre eher kontroverse Positionen vertrete) geht mir das wesentlich mehr gegen den Strich als das Ignorieren der Befindlichkeiten, die jemanden dazu bewegen können, so vehement das Verschwinden des schwarzen Logos zu fordern, von Seiten der Kinobetreiber – selbst kombiniert mit der Tatsache, dass diese ziemlich eindeutig nicht das Gleiche im Sinn haben wie ich, indem sie das alte Logo hängenlassen. Der Ansatz sollte, finde ich, einfach darin bestehen, die Konsumenten wissen zu lassen, was hinter dem Logo steckt. Das sollte abschreckend genug wirken. Und wenn nicht, ist das ein Zeichen für die Abgestumpftheit und Ignoranz der konsumierenden Bevölkerung, womit das Entfernen des Logos dann vollends als nutzlos enttarnt wäre.

So, jetzt habe ich es ganz glorreich geschafft, bisher nicht ein Wort zu korrigieren, und eben kam R zur Tür herein. Ooh je.