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An meinen eigenen Haaren

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Und das Aller-, allerwichtigste:

  • Ich muss meine Neurosen bekämpfen.

Ich habe es heute versucht und dabei erst gemerkt, dass und wie sehr ich mir täglich das Leben so unfassbar unnötig erschwere. Ich hinterfrage mich andauernd, trotzdem scheine ich einen riesigen blinden Fleck an der Stelle (gehabt) zu haben, an der das Alien in meinem Kopf zu Hause ist. Da werde ich ordentlich was rausholen können.

Davon ab: Meine To-Do-Liste für den Tag wird an dessen Ende zwar nicht vollständig abgearbeitet sein, aber ich habe trotzdem keine Sekunde verschwendet. Gegen Mittag (in etwa, als ich in die Uni bin) kam sogar die Sonne mal wieder heraus, fast, als wollten mir die Wolken einen Gefallen tun und hätten sich in voller Absicht verzogen.

Es funktioniert ganz prächtig. Ein paar grundlegende Regeln werde ich mir nicht umhinkommen aufzuerlegen – ich werde die Disziplin aufbringen müssen, zu Hause keine Handyspiele mehr zu zocken, sonst kann ich eh alles Andere vergessen – und der Rest erledigt sich schon irgendwie, solange ich nur nicht in die Lethargie zurückfalle. Ich habe vorhin darüber nachgedacht, während ich (was überfällig war und sogar auf meiner Liste stand) das Altglas zum nahegelegenen Container getragen habe, und kam zu dem Ergebnis, dass ich – so vong Selbsreflezion her – wohl einer der besser für die Selbsttherapie geeigneten Menschen sein dürfte. Also nichts wie angefangen. Und das habe ich heute geschafft.

Also, meine Regeln lege ich noch einmal schriftlich fest wie folgt:

  1. Keine Handyspiele in der Wohnung.
  2. Kein AOE unter der Woche.
  3. Vor elf Uhr aufstehen, auch wenn ich keine Uni habe oder erst später losmuss.
  4. Keinen Alkohol mehr kaufen.
  5. Dinge prinzipiell genau so erledigen, wie es am sinnvollsten ist. Nicht auf das Alien hören.

Das wird Arbeit. Aber sie ist machbar.

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Wir haben Dezember?!

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Das ist komisch. Ich meine, im Grunde war es zu erwarten. Wäre auf den 30. November etwas Anderes gefolgt als Dezember, hätte ich mehr Berechtigung, erstaunt zu sein. Trotzdem ist der Dezemberanfang immer wieder ein erstaunliches Ereignis. Sicher geht es nicht nur mir so.

Ich habe vorhin den Spanischkurs geschwänzt und stattdessen zweimal in Folge den Computer bei AOE besiegt. Offenbar kann ich mich jetzt an die „Extrem schwierig“-Stufe wagen. Noch offensichtlicher bin ich zocksüchtig und werde daher vermutlich die Matura nicht schaffen, meinen Vater zutiefst enttäuschen und mein Leben lang weiterspülen.

Zuerst aber muss mein Bett fertig werden. R und der Brandt haben das gestern nämlich noch nicht geschafft, deshalb ist es heute an mir, mit Brandt zusammen den Rest zu montieren. Was für eine Katastrophe. Ich kann den Mann nicht ausstehen, aber er hilft uns nunmal. R sagt, ich solle das Ganze als eine riesige Komödie betrachten, um da durchzukommen. Das schaffe ich zwar eh nicht, aber ich habe meine eigenen Coping strategies, die gleich zum Einsatz kommen werden. Die und das feste Ziel, heute damit durchzukommen, was beides hilfreich sein dürfte. Wenn R um halb elf dann nach Hause kommt, MUSS es geschafft sein. Brandt bleibt eh nur bis acht. Oh, welch perfektes Chaos. Was bin ich froh, wenn das geschafft ist.

Schon halb neun und nichts getan.

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Es ist schwer, zu entscheiden, was ich tun soll – bloggen, aufs Klo gehen, Caro anschreiben, ob sie Zeit hat zu reden, Abendessen machen. Irgendwann sollte alles noch untergebracht werden heute, in diesem meinem ersten arbeitsfreien Tag seit Wochen.

Ich kann gar nicht glauben, wie vollkommen meine Untätigkeit heute war. Hier hänge ich also auf R’s Bett, im Schlafzeug, aus dem ich den ganzen Tag nicht rauskam, nachdem ich dessen erste Hälfte eh verschlafen hatte. Um zwölf schlafen hat dann doch nicht so hingehauen. Ich war so froh, es endlich wieder fertiggebracht zu haben, mich an den Computer zu schwingen und dann noch mein Blögchen aufzurufen, dass ich bestimmt drei Stunden lang mich nicht dazu durchringen konnte, die Seite wieder zu verlassen. Ich habe wieder mal mein halbes Leben durchgelesen gestern Nacht.

Oh, wie mir das gefehlt hat. Ich kann gar nicht glauben, dass es nur ein Monat war, den ich bloglos verbringen musste. Andererseits, was soll man machen, wenn man nicht riskieren will, dass Trudi, die dieses schöne Plätzchen des Internets irgendwann mal erstalkt hat, sich an meinem Umziehchaos erfreut und trotz konsequenter Abwesenheit alles mitbekommt, das im trauten Heim so vor sich geht. Nun, da sie eh im Bilde ist, kann mir das natürlich auch wieder egal sein. Zum Glück auch. Nach dem Treffen mit dem Verwalter gestern meinte sie dann, nochmal mit einem unvergleichlichen Aufgebot an Dreistigkeit beweisen zu müssen, dass sie auch wirklich genau der erbärmliche Mensch ist, als den ich sie letztendlich kennenlernen durfte, wenn nicht nochmal ein Stück erbärmlicher, aber wen wundert’s. Dieses Fass hat ganz offensichtlich bei der Frau keinen Boden. Wie sagte R so zutreffend zu ihrem Auftritt gestern: „In einem Punkt hat sie Recht. Du kannst ein ziemlicher Dickkopf sein.“ Und über meine halbherzigen Proteste hinweg: „Aber andererseits muss man sich schon verdammt viel rausnehmen, um dich gegen sich aufzubringen.“

Nunja. Ihr scheint es noch nicht genug zu sein, mich aus meiner Wohnung herausgeekelt zu haben; da müssen schon noch ein paar mehr verzweifelte Schikaneversuche herhalten – wenn das nicht mal von Charakter zeugt. Oh well.

Dieser eine faule Tag war mir jetzt aber auch wieder genug. R verkündete mir heute aus Heidelberg die frohe Botschaft, einen Lagerraum für unsere (größtenteils meine) Besitztümer klargemacht zu haben; dafür misten er und Arne zeitnah noch einen Keller aus. Schande, dass ich nicht dabei sein kann – als gäbe es etwas Schöneres, als im Gegenzug für ein bisschen Lagerfläche anderer Leute Gerümpel organisieren zu dürfen. (Das Schlimme an dieser Aussage ist wohl, wenn ich das von außen mal so betrachte, das absolute Fehlen jeglicher Ironie.) Ich werde derweil dafür sorgen, dass in der Wohnung schonmal alles zum Streichen fertig ist und der Kleiderschrank abgebaut und in Bastis Wohnung verschleppt werden kann. Außerdem wird das Band-Equipment, das noch bei mir im Keller steht, auf irgendeine Art und Weise da herausgeschafft werden müssen, und auch wenn ich jetzt in Heidelberg schonmal einen Platz für mein Zeug haben sollte, bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob die riesigen Boxen und das monströse Mischpult wirklich darunter sein sollten. Uff. Entscheidungen.

Ezina Ekinez Egina

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So. Ich bin zwar nicht in Syntax, wo ich eigentlich sein sollte, habe aber dafür um vier Uhr nachts den ersten euskarischen Text meines Lebens geschrieben und mich gleich nach dem Aufwachen daran gemacht, ihn zu vertonen. Und weil ich das der Welt nicht vorenthalten kann (vermutlich zu deren Leidwesen), bekommst du jetzt hier die ultimative Roh-Memo des so entstandenen Liedes. Ich plane, das Ganze noch ein Tönchen nach unten zu transponieren (dann muss ich mich da oben nicht so abquälen), es noch irgendwie auf grobe Grammatik- oder sonstige Fehler zu checken (das wird kompliziert; wem soll ich es vorlegen?) und es außerdem vernünftig spielen zu lernen, aber dann wird das super. Hier: Esaidazu (Ezina Ekinez Egina).

Esaidazu Rohmemo

Und ich schwöre, mir ist die alliterative Natur des Titels eben erst aufgefallen. (Eben erst. Oh je.)

Aber ich finde es unglaublich lustig, dass ich jetzt tatsächlich einen Text auf Euskera geschrieben habe und bis heute noch keinen auf Spanisch, weil ich immer meinte, ich würde mich auf der Sprache noch nicht sicher genug fühlen. Haha, und jetzt komm‘ ich daher mit meinem Stümper-Euskera und schreib‘ einfach nachts um vier nen kompletten Text runter. Ich bin doch gestört. Aber seit wann ist das was Neues.

In vino veritas? In dem Fall bin ich ein Kürbiskopf.

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Was ich vermutlich eh bin, aber gestern wohl ganz besonders.
Den letzten Eintrag lesend:
Okay, Tippfehler vielleicht nicht, aber oha, was ist denn da in mich gefahren. Das klingt ja wie der blanke Neid. Natürlich will ich gar nicht erst bestreiten, dass Neid und Missgunst mich tatsächlich manchmal heimsuchen – mehr als vertretbar ist – aber.. So schlimm?

Dabei hänge ich gerade den zweiten freien Tag in Folge zu Hause und höre Ken Zazpi und bin nur am Grinsen, weil es so schön ist (Haizea! Keine Worte können der Schönheit von Haizea gerecht werden), und denke über das Leben nach und freue mich so tierisch über die Ruhe – mich würden keine zehn Pferde jetzt nach Andorra kriegen. Okay, vermutlich würde mich ein begeisterter und motivierender Mensch, der mir ein Flugticket schenkt und sagt, „lass uns jetzt nach Andorra gehen, ich kenn da jemanden, bei dem wir pennen können, und zeig dir alles und bring dir was Catalán bei, damit du dich verständigen kannst“ ohne Probleme jetzt nach Andorra kriegen, aber jeder weniger stichhaltige Versuch wäre fruchtlos. Außerdem bin ich ja eh verabredet und könnte gar nicht nach Andorra, außer, Sarah und Peruaner-Pedro wären (was nicht unwahrscheinlich wäre, zugegebenermaßen) die treibende Kraft hinter dem Projekt. Sprich, Kepa-Pedro ist sein turbulentes Treiben in allen möglichen Teilen der Welt durchaus neidlos zu gönnen. Und wäre es in jedem Fall.

Was sagt Ken Zazpi dazu? „Dena da polita, desberdina, begi aurreran ikusten ez duguna.“

Gesegnete Gelassenheit

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Da haben wir also wieder mal ein „wtf“-Blogeintrag, der mir so vorkommt, als hätte ich ihn noch nie gelesen, geschweige denn selbst verfasst. Aber ich freu mich drüber; so lernt man sich selbst und seine halb verdrängten, halb unbewussten Gefilde immer wieder stückchenweise kennen. Ich liebe Drogen. Gestern war wundervoll.

Und heute ebenso. Sarah und Lisa waren hier, um zusammen mit Trudi und mir einen Klamottentausch gigantischer Ausmaße zu veranstalten. Ich bin immerhin eine halbe Riesentüte voll Zeug an die drei losgeworden und außerdem jetzt stolze Besitzerin vierer neuer Jeans von Trudi. Unglaublich, wie mir ihre Hosen passen. Als wären sie für mich gemacht.
Und dabei hasse ich eigentlich Jeans. Zu eng und einschnürend und unflexibel. Nicht so aber Trudis Jeans. Sie sind einfach wunderbar bequem. Und da es jetzt, wo meine Haare auch noch bunt sind, eh Zeit wird, dass ich zur gewohnten Rock-über-Leggins-Manier zumindest ab und an eine weniger stoffige, flatternde, farbenfrohe Alternative finde, kamen die wie gerufen.

Jetzt fiel mir gerade auf, ich hätte schon wieder fast mein halbes Medi vergessen. Ich bin schon so sehr daran, mich mental davon abzuspalten, dass ich die Einnahme schon von morgens auf nachmittags verlegt habe und (offensichtlich) manchmal fast vergesse. Es läuft ja auch sehr gut bis jetzt. Wie lange noch, bis ich es absetze? Ha, noch genau einen Monat. Elfter Juni ist Stichtag.

Im Nachhinein erkenne ich viel besser, was ich für Befürchtungen habe im Bezug auf die Medilosigkeit. Bis jetzt hat sich keine davon bewahrheitet: Meine sozialen Fähigkeiten habe ich behalten (und baue weiter daran herum), darum scheine ich umsonst gebangt zu haben. Es sieht auch bis jetzt so aus, als würde sich die Panik in Grenzen halten. Ganz weg war sie ja nie, und das bisschen, was wieder aufkommt manchmal, ist zwar nicht toll, aber harmlos. Ich hab‘ ja den Vergleich. Die Lebensfreude und das innere Strahlen habe ich auch noch.

Eigentlich alles, was damals neu war, scheine ich behalten zu dürfen. Zuversicht. Das Glücklichsein. Das Schreckliche ist, dass ich wieder anfange, Anflüge von Aggression zu merken. Da habe ich erst festgestellt, wie entsetzlich die eigentlich ist. Nach so langer Pause. Jetzt habe ich Angst, dass ich schreckliche Dinge anstellen könnte, wenn ich wieder aggressiv werde. Vorher hatte immer mein Introvertiertsein die überwältigende Mehrheit aller Menschen davor bewahrt, mit meiner Aggression in Berührung zu kommen. Wenn ich jetzt aber so ganz anders mit Menschen umgehe inzwischen, kann ich mich trotzdem soweit kontrollieren, dass ich nicht in den entsprechenden Gegebenheiten diese ekelhafte blinde Zerstörungswut an ihnen auslasse? Falls sie zu dem Ausmaß wiederkommt, was ich nicht hoffe, was ich wirklich nicht hoffe, denn das war immer das abscheulichste Gefühl der Welt.

Ich muss mich wirklich mal in den Griff kriegen jetzt, solange es noch nicht völlig ausgebrochen ist. Vielleicht sollte ich ein paar der wichtigsten Menschen einfach auch vorwarnen. Ich meine, wenn es so wird, wie ich mich erinnere, brauche ich nur ein Mal durchdrehen und kann damit die engsten Freundschaften aufs Leben zerstören. Krass, was für eine Aussicht.

Und wie genau ist so etwas anzukündigen? Wie ich mich benehme in so einem Moment, was ich dann sage oder tue, ist unverzeihlich. Das ist das Absurde – ich beschwere mich am laufenden Bande darüber, nicht bedingungslos geliebt zu werden. Aber liebe du mich mal bedingungslos. In dem Moment, in dem bei mir das Vertrauen da ist, dass – was ich auch mache – man mich nicht als Konsequenz meines Verhaltens aus dem Fenster schmeißt, setzt die Gefahr ein, dass ich mein Durchdrehen nicht mehr kontrolliere. Deswegen haben meine Eltern alles abbekommen. Sie sind (welch zweifelhaftes Privileg) die Einzigen, denen ich dieses Vertrauen entgegenbringe. Falls – das meinte ich eben – ich nicht inzwischen zu viel davon habe und demnächst anfange, random Leuten die volle Dosis Aggression, eventuell stilvoll kombiniert mit ein paar materiellen Gegenständen, ins Gesicht zu knallen. Ich hoffe, es lässt sich vermeiden. Ich hoffe einfach, es kommt gar nicht so stark wieder.

Zumindest habe ich ja inzwischen eine Zeit ohne das Gefühl gelebt und weiß, worauf ich achten muss. Gesegnete Gelassenheit, oh bleibe mir doch erhalten.

So lebt man vor sich hin.

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„Ich dachte, du wolltest noch mehr bunt machen“, meinte Sarah gestern Abend fast schon anklagend, als sie zu meiner Tür hereinkam. Dabei hatte sie sich vorgestern so sehr dagegen geäußert, dass ich noch mehr meiner Haare mit Filzwolle verrubbele. Wie ich in der recht kurzen Zeitspanne zwischen der Probe und unserem Treffen gestern wohl dazu hätte kommen sollen, mich um meine Haare zu kümmern.. Donnerstage sind Unitage, und nachdem ich nach Hause kam, habe ich erstmal Lenas Freundin Johanna ein bisschen grundlegendste Syntax verständlich gemacht, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Sie meinte, es hat ihr wirklich geholfen.

Nachdem ich am Abend mit meiner Reste-Pizza so ziemlich alles an Gemüsevorräten aufgebraucht hatte, das ich noch besaß, wurde es vorhin, als Sarah wegwar, seit Langem mal wieder Zeit für Nahrungssuche. Während ich mich durch die Container wühlte und ein Päckchen Kuchenglasur nach dem anderen in meinen Beutel stopfte, kamen zwei bedrohlich anmutende Gestalten auf mich zugehumpelt. Für einen Moment war ich schockiert, bis eine der Gestalten mir zurief, „die junge Linguistin, oder nicht? Na, du bist ja ewig nicht mehr gekommen.“

Dass er mich wiedererkannt hat, grenzt an ein Wunder. Ich dagegen hatte es leichter – er war der einzige Mensch, mit dem ich mich bis dato auf meinen Müller-Streifzügen je unterhalten hatte. Als ich ihm Anfang Februar begegnete, war ich gerade dabei, für meine Geburtstagsnachfeier Pintxo-Zutaten zusammenzusammeln. Er konnte sich haargenau an alles erinnern, was ich ihm damals erzählt hatte. Die zweite Gestalt war seine langjährige Freundin Irene, die („das ist gut für meine Gelenke!“) immerwährend am Herumzappeln war und dabei verkündete, ihre Beine würden ihr schmerzen von ihren zwei Jobs, die sie gestern hintereinander hatte. Sie hat Literatur studiert, arbeitet nun als Krankenschwester und nebenher als Seniorenpflegerin. Wenn ich so ende, kann ich mich gleich begraben lassen. (Von den armen alten Menschen, die mir hilflos ausgeliefert sind, mal ganz zu schweigen.)

Ein kurzes Pläuschchen also, wie mittlerweile üblich zwischen der Containertätigkeit und unseren jeweiligen akademischen und beruflichen Richtungen hin- und herpendelnd, dann war ich wieder allein und fand Lauch, einen brauchbaren Joghurt und mehr Kuchenglasur. Auf dem Rückweg fing es an zu regnen. Da regnete es wieder draußen, und die Luft roch ungemein gereinigt. Ich habe mich noch gefragt, wieso sie bei Regen nicht immer gleich riecht, wieso der Regengeruch manchmal kommt und manchmal nicht.

Die Ergebnisse von Sarahs und meiner abendlichen Arbeit anhörend zerschnibbelte ich Paprika, Pilze und Möhren zu einer Tiefkühlmischung. Für Trudi habe ich einen Rettich mitgebracht; die Gurken sahen nicht mehr so toll aus und ich dachte mir, Rettich schmeckt bestimmt auch hervorragend zu ihrem neu entdeckten Couscoussalat mit Joghurt und Roter Bete, Zwiebeln und Kohlrabi.

Jetzt bin ich schon wieder so müde, dass ich nicht mehr denken kann. Aber ich glaube, ich hab‘ auch schon halbwegs alles.

Lyrics

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Eigentlich wollte ich nur kurz über Caros Spanisch-Präsentation drübergucken. Natürlich endete es in einem mehrstündigen Telefonat, in dessen Verlauf mir diesmal nicht nur die (vergleichsweise) unvergleichbare Besserung meiner inneren Einstellung zu ihr wieder auffiel, sondern mir zudem noch Informationen zuteilwurden, mit denen ich mein Lebtag nicht gerechnet hätte. Mal wieder.

Wir hatten uns über das Album von Billie Joe Armstrong und Norah Jones unterhalten. Auf einmal sagt sie, so ziemlich aus heiterem Himmel, sie würde sich so sehr wundern, wie jemand einen Song hören kann und dabei den Text komplett ignorieren. Und dann diese kurze Pause und dieser ganz leicht zögerliche Tonfall – und dann schnüffele ich immer schon wieder ihren inneren Kampf; ich höre es sofort, wenn ihr etwas eingefallen ist und sie mit sich ringt, ob sie ihrem Mitteilungsbedürfnis Folge leisten und es mir erzählen soll, oder aber Rücksicht nehmen und es nicht tun. Sie ist immer noch über-übervorsichtig, wenn sie mit mir redet, was ich unglaublich schätze.

Jedenfalls hat sie sich auf meine Beteuerungen, es mir doch zu sagen, hin dazu entschlossen, es mich wissen zu lassen. -Und dann freut sie sich aber auch, dann platzt es richtig heraus und man merkt dieses erstaunliche Bedürfnis so sehr, in dieses Minenfeld einfach hineinzurennen ohne Rücksicht auf Verluste, aber nein, sie bleibt vorsichtig. Immer vorsichtig. Ich weiß nicht, ob ich es an ihrer Stelle so hinbekommen würde. Ob ich nicht irgendwann die Kontrolle verlieren und einfach drauflosrennen würde mit einem grausamen Wunsch, diese gläserne Person, die sich aus freiem Willen der Gefahr aussetzt, einfach in die Luft zu sprengen. Einfach weil ich kann. Sie hat solche Mittel in der Hand..

But I digress. Sie erzählte mir, dass Şahin und sie neulich Songs aus Once gehört hatten (offenbar spielt er Falling Slowly mit der Band, „aber mit einem Typ, also..“) – Hoover Fixer Sucker Guy, Falling Slowly, The Hill. Wo er wohl zum ersten Mal im Leben auf die Lyrics geachtet und sich dann mit einem Ausdruck völliger Erleuchtung im Gesicht zu ihr gewandt hat und sagte, „jetzt verstehe ich, warum es sie so fertiggemacht hat.“

Und sie hat ihn weiter zitiert; „‚und ich wollte noch immer, dass sie’s spielt.. ich hab’s immer wieder gesagt, hier, sing das mal..‘ Ich glaub, in dem Moment hat er sich so richtig selbst gehasst“, sagte sie, um dann weiter zu überlegen, wie abstrus es alles doch war.

Oh, welch Erkenntnis. Ein Song hat Lyrics. They’re there for a reason. Me, personally, I’m a lyrics person. You might not be, but that doesn’t mean they don’t have an effect on others.

Aber wie merkwürdig, oder, mehr als zwei Jahre später. Es geht doch nichts über einen unterhaltsamen Zufall.

Wenn er so weitermacht, wird irgendwann womöglich noch ein halbwegs denkfähiger Mensch aus ihm.

Dass überhaupt so weit zurückgedacht wird, erstaunlich, erstaunlich. Dass ich da überhaupt irgendwo herumschwebe, in dem Nebel. Ich hätte es schon wieder nicht für möglich gehalten. Und habe zu Caro gesagt, „hat er vielleicht Lust, sich den Film nochmal anzuschauen?“ Und sie daraufhin, sie wäre nun wirklich gespannt, um was es in dem Film überhaupt geht. (Ich habe einen Horror, dass sie Once guckt. Wie ich es auch immer schaffe, die letzten Fitzelchen auch noch freiwillig aus den Händen zu geben.)

Oh arme Matrix, was musste sie wieder an Naturgesetzüberschreitungen aushalten. Nicht dass ich es nicht lieben würde, wenn meine Matrix in dieser Weise durchgerüttelt wird. Es gibt so selten wirkliche nicht-negative Überraschungen im Leben.

Eine Nacht den Drogen

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Ich habe es von einem auf den anderen Tag geschafft, wieder normal zu werden? Oder ist das jetzt der Schlafentzug, çiğdem, „die Droge“, deren Wirkung bekanntlich Selbstüberschätzung und übersteigerten Optimismus mit einschließt?
Nicht übel jedenfalls, so oder so.

Ich plane, den halben Tag zu verschlafen (widerwillig), dann die Wohnung zu putzen – nachdem ich letztes Wochenende meine Pflicht zugunsten des Spontanurlaubs vernachlässigt habe, bin ich diese Woche dran und wünschte nur, ich hätte es letzten Samstag noch gemacht, bevor wir gefahren sind – und den Abend mit Essen, Filmen, Charlie und Fine und Saskia in deren Wohnung zu verbringen. Es verspricht der Tag also zumindest schön und gammelig auszuklingen.

Ich sollte mit Susmita reden. Nicht nur haben wir eh viel zu ewig nicht geredet, sondern sie muss als Verkörperung des Songs, für den ich jetzt Wörter suche, vor meinem geistigen Auge präsent sein. Sie und ihr ganzes Wesen. Ihre zeitweise Sehnsucht nach Indien.

Ta non ezkutatzen zinen.. -Das kann doch nicht wahr sein. Jedes Mal, wenn ich das Konzertplakat an meiner Schrankwand angucke, kommt der gleiche herrliche Ohrwurm wieder. (Dabei haben sie es nichtmal gespielt.) Bueltatzen, oh, Bueltatzen, dass ich wirklich so lange gelebt hatte und dieses Lied nicht kannte. Unvorstellbar.

Summer

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Einmal schnell dokumentiert.
Summer

Hab nie was Grundehrlicheres produziert; das ist nochmal eine Ebene tiefer als der Absurde Song und alles in der Richtung. Bin stolz und ein bisschen verblüfft und Offenheit in dem Grad, mir selbst gegenüber in erster Linie, eigentlich gar nicht gewohnt.