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It’s just those 180 degrees.

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Aaah, Hilfe. Wie kann sich eine Gemütslage an einem einzigen Tag so furchtbar schnell ändern?

Ich sollte mich nicht beschweren, solang sich die Änderung in die Richtung vollzieht, die meine Stimmung heute genommen hat. 14th September all over again. Die körperlose Stimme sitzt mit ihrem Bier und Popcorn da und kommentiert: „Mal schauen, wie lang das jetzt so bleibt.“ Mir aber reicht fürs Erste die wiedergewonnene Gewissheit, dass die eigene Perspektive der alles entscheidende Faktor in der Wahrnehmung und Verarbeitung zwischenmenschlicher wie eben auch aller anderen Geschehnisse ist.

Davon ab: Unglaublich, aber wahr – ein echter, leibhaftiger Euskaldun hat meinen ersten und bislang einzigen Versuch eines baskischen Liedes kommentiert, mehrfach gleich, und das mit einer durchweg positiven Resonanz! Eine kurze Rücksprache mit Kepa erschloss mir noch die Bedeutung des letzten (wohl dialektbedingt merkwürdigen) Hilfsverbs, und schon konnte ich mich Wort für Wort über dieses Wunder freuen. Der Baske sagte mir nämlich nicht nur, das Lied wäre sehr schön, die Zeile „Badakizu: Izkututa ezin da bizi bizitza“ genial und ich hätte eine schöne Stimme, sondern noch dazu, dass es ihm in einem der schwierigen Momente, die er momentan durchlebt, geholfen hätte, das Lied zu hören. (Kepas Reaktion: „Deine Lieder helfen Basken. You should be proud and happy“.) Kein Hinweis auf Fehler, gar nichts! Das hört sich schon weitaus besser an als Kepas Behauptung damals, es würde sich stellenweise nicht wirklich wie Baskisch anhören. Ha! Trauma überwunden. Eskerrik asko, random Baske.

Und jetzt? Mir ist kalt, ich muss um 8.15 Uhr beim Blutabnehmen sein und es wollen noch containerte Schätze versorgt werden, die ich entgegen meiner Beteuerungen, die geliebte Tätigkeit aus Platzmangel bis zum Umzug erstmal einzustellen, vorhin noch an Land gezogen habe. Es ist aber nunmal so, dass meine Hauptquelle gerade brutal am Versiegen ist (klar, da hat sich ein Mal ein Unternehmen angesiedelt, das wirklich noch vergleichsweise nett ist, und nach ein paar Monaten meldet es Insolvenz an. Ja, nee, ist schon fast wieder logisch. Als Unternehmen nett zu sein ist wohl nicht gerade die Strategie, mit der man heutzutage so durchkommt), dementsprechend sah meine Foodsharing-Ausbeute heute mickerig aus und ich brauchte eh einfach ganz dringend Grundnahrungsmittel. Mission erfolgreich: Ich habe Nudeln containert (erstes Mal seit ungefähr einem Dreivierteljahr; eine Packung bloß, aber hey, wer wird sich noch beschweren) und eine ganze Menge wunderschöner Kartoffeln. Und Chips. Und Eier. Eier! Ich kann Pfannkuchen machen! Mit Quark! Oh, wie herrlich ist dieses Leben.

Wäre da nicht das kleine Problemchen, dass ich jetzt viel zu lange wach war und noch länger sein werde, um nachher aus dem Bett zu kommen, wenn ich muss. Ich habe in weiser Voraussicht mein Fahrrad schon so nah wie möglich am Hauseingang abgestellt, statt es in die Garage zu bringen; das schenkt mir morgen ein paar Sekunden. Und jetzt kann ich nur noch dafür sorgen, das zu Erledigende in möglichst überschaubarer Zeit geschafft zu bekommen.

Schon wieder Weihnachten? Hilfe…

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Gleich geht’s also schon wieder hoch zu meinen Eltern. Ich freue mich wie eine Wahnsinnige auf die zwölf Stunden Zugfahrt.. nicht.. aber das wird auch überlebt werden. Wie überhaupt ja letzten Endes immer alles überlebt wird, bis man dann doch irgendwann den Löffel abgibt.

Gestern hatte ich meine alten Bandleute zum Essen hier – Sebi ist für ein Wochenende aus Frankfurt runtergekommen und zu dem Anlass ist sogar Chris aus seiner Versenkung aufgetaucht und hat sich mit ihm zusammen hier bei mir eingefunden. Es war schön. Ich habe zwar immer noch das Gefühl, dass Sebi und ich locker einen Award für die awkwardste Kumpelschaft aller Zeiten gewinnen könnten, aber da kann man offenbar einfach nichts machen. Wir sind einfach nie dazu gekommen, uns vernünftig aufeinander einzulassen. Ist wohl auch ganz gut so; der Mensch ist innendrin ein einziges Chaos. (Weil ich auch absolut diejenige bin, die sich das zu sagen erlauben kann, ich seh’s auch so.) Ich war fasziniert von seinen Erzählungen über seine Freundin, Lili, die einfach genau so zu sein scheint, wie ich vermutlich wäre, würde ich mich nicht der Außenwelt zuliebe verstellen. Umso beachtenswerter, dass er sie trotzdem erträgt.

Wir haben dann nach dem (köstlichen!) Essen noch ein bisschen Musik gemacht. Ich habe ihnen mein neues Lied vorgespielt, Esaidazu, und sie waren davon angemessen beeindruckt (immerhin scheint jeder Andere als der hoffnungslose Fall, für den es geschrieben wurde, mir für mein erstes Lied auf Euskera irgendeine Art Bewunderung entgegenzubringen. Was vielleicht daran liegt, dass sie alle nicht merken, dass es sprachlich grenzwertig ist). Sebi konnte es einfach nicht glauben und fragte mich, ob der Text auch irgendeine Bedeutung hätte. Das fanden dann alle sehr lustig. Hach ja.

Da fällt mir ein, ich habe dir bis heute nicht die aktuelle Version gezeigt, die ich gerade noch so aufgenommen hatte, bevor der Luxemburger kam. Jetzt aber.

Peruaner-Pedro war auch noch da und ich gab ihm und Sarah das Weihnachtsgeschenk, das ich ihnen Anfang der Woche noch spontan bestellt hatte – so Handschuhe für zwei, weißt du, wo einer der Handschuhe zu beiden Seiten eine Öffnung hat und man von jeder Seite eine Hand reinstecken kann. Ich musste es ihnen einfach schenken, auch wenn Sarah vor schlechtem Gewissen bald gestorben ist. Ich hatte es mir schon fast gedacht und habe mein Bestes gegeben, sie zu beruhigen. Ich hatte ja von ihnen auch nichts erwartet. Aber ich musste ihnen diese Handschuhe geben. Meine Mutter hat meinem Vater letztes Jahr solche geschenkt, daher kam ich darauf. (Das war auch lustig; ich rief sie an und sagte, hey, woher hattest du eigentlich diese Handschuhe, die du Papa geschenkt hast? Und sie antwortet knallhart, „aus dem Ikarus-Versand. Es gibt sie in schwarz und in rot, aber du musst dich beeilen, die schwarzen sind meistens ausverkauft. Sie haben 19,99 gekostet.“ Und ich war vollends verblüfft, weil ich von ihr überhaupt nicht gewohnt bin, dass sie sich an solche Details nach einem Jahr noch erinnert (anders als beispielsweise Susmita und ich, oder Laura, da wäre es mir weniger komisch vorgekommen) – bis sich herausstellte, dass der Katalog von genau dem besagten Versandhaus ihr gerade ins Haus geflattert war und sie ihre Erinnerung inzwischen aufgefrischt hatte.)

Wie herrlich. Ich hab‘ den Wein von gestern Abend eben leergemacht und es geht mir jetzt wunderbar gut. Viel besser als vorher; ich hatte den größten Teil des Tages Panik und bin nichtmal sicher, wieso. Reisefieber, vermutlich. Es ist schon merkwürdig, wie ich jedes Mal in Panik gerate, wenn ich eine Reise mache. Es ist ja nicht so, als hätte ich in diesem Leben noch nie eine Zugfahrt unternommen. Aber nunja, ich bin halt komisch. Damit muss ich leben.

Oh je. Habe ich dir von Kepas und meinem Fail erzählt? Ewww, ich will gar nicht dran denken. Im Endeffekt beläuft es sich darauf, dass er mit meiner Definition von Zuhause nicht vertraut ist und sich daraus ein horroriges Missverständnis ergeben hat, als dessen Konsequenz er jetzt bis zum vierten Januar bei seiner Familie hängt und ich Silvester noch eine Person weniger bei mir habe. Ich kann es nicht glauben – was für ein Riesenfail. Mir wird bald schwummerig, wenn ich nur dran denke. Ich hätte nicht im Traum dran gedacht, dass man „bei mir zu Hause“ irgendwie anders verstehen könnte als „an dem Ort, wo ich lebe“. Das ist ja bei mir allgemein das Problem. Spätestens seit meiner Heimatkrise letztes Jahr und vor allem seit meiner Rückkehr aus Vitoria bin ich hier einfach so fest verwurzelt, dass ich gern mal vergesse, dass der Rest der Welt mit Zuhause auch gern den Wohnhort ihrer Eltern betitelt.

Ich war ein wenig erschreckt, muss ich sagen, davon, wie er damit umging. In erster Linie klang es so, als hätte er Angst, dass ich mich gleich aus dem nächstbesten hochgelegenen Fenster stürze. Was an sich nicht verwunderlich ist; nachdem ich ihm eröffnet habe, dass es mir über längere Zeit nicht so großartig ging, kann ich mir denken, dass man so einer Person mit depressiver Vergangenheit und entsprechenden Tendenzen keine sonderliche Stabilität zutraut. Falls er allerdings wirklich dachte, dass mir das Ganze schlechte Laune bereiten könnte, wäre „geh dich jetzt nicht suizidieren“ vielleicht auch nicht gerade das gewesen, was er hätte von sich geben sollen. Also setzen wir uns auf die Liste „What to Teach your Kumpel Slash Stecher“: Dealing with Depressed People 101.

Es ist viel, viel, viel zu wenig Zeit bis fünf Uhr.

Ezina Ekinez Egina

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So. Ich bin zwar nicht in Syntax, wo ich eigentlich sein sollte, habe aber dafür um vier Uhr nachts den ersten euskarischen Text meines Lebens geschrieben und mich gleich nach dem Aufwachen daran gemacht, ihn zu vertonen. Und weil ich das der Welt nicht vorenthalten kann (vermutlich zu deren Leidwesen), bekommst du jetzt hier die ultimative Roh-Memo des so entstandenen Liedes. Ich plane, das Ganze noch ein Tönchen nach unten zu transponieren (dann muss ich mich da oben nicht so abquälen), es noch irgendwie auf grobe Grammatik- oder sonstige Fehler zu checken (das wird kompliziert; wem soll ich es vorlegen?) und es außerdem vernünftig spielen zu lernen, aber dann wird das super. Hier: Esaidazu (Ezina Ekinez Egina).

Esaidazu Rohmemo

Und ich schwöre, mir ist die alliterative Natur des Titels eben erst aufgefallen. (Eben erst. Oh je.)

Aber ich finde es unglaublich lustig, dass ich jetzt tatsächlich einen Text auf Euskera geschrieben habe und bis heute noch keinen auf Spanisch, weil ich immer meinte, ich würde mich auf der Sprache noch nicht sicher genug fühlen. Haha, und jetzt komm‘ ich daher mit meinem Stümper-Euskera und schreib‘ einfach nachts um vier nen kompletten Text runter. Ich bin doch gestört. Aber seit wann ist das was Neues.