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Cerveza con carne

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Ich war lange nicht mehr so betrunken. Nach drei Bier, wohlgemerkt. Wow. Das ist beachtlich.

Ich habe gerade Mike angeboten, für eine Woche hier zu wohnen. Das ist auch okay, Mike ist schließlich angenehmer als Barbara. Wow, ich bin so durch.

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Das war gestern Abend, als ich nach Hause kam, und ich kann bis jetzt nicht glauben, wie unfassbar das reingehauen hat. Ich habe, wie man sieht, den Eintrag nicht mehr weitergeschrieben, sondern mich lieber einfach auf der Couch zusammengerollt und versucht, den Rausch auszuschlafen, bis R nach Hause kam. Das hat so mäßig funktioniert; ich war gerade aufgewacht, hatte einen Topf Spaghetti gemacht und meine Portion gierig verspeist, als er kam, aber ich war immer noch wie umgehauen. Ich hätte vielleicht einfach doch zwischen dem mickerigen Frühstück, bestehend aus einem Zimtmuffin und einer Quarktasche, und dem spontanen Treffen mit Mike noch was essen sollen.

Oh well, jetzt war es halt so. Dafür bin ich dann heute um kurz vor zwölf aufgestanden und war bis jetzt produktiv, größtenteils durch Unbabeln und dem Korrekturlesen der ersten Seite von Timos Doktorarbeit, welche in einem entsetzlichen Kauderwelsch aus Denglisch und Fachlatein geschrieben ist und bisher sowohl Simone als auch Timos Vater zur Verzweiflung gebracht hat. Aber nicht mich, oh nein. Ich werde mich dieser Herausforderung stellen und muss nur noch ausloten, was für einen Stundenlohn ich dem Guten dafür jetzt abnehme. Wenn ich bedenke, dass mich Seite 1 bereits eine Stunde Lebenszeit gekostet hat, kann ich davon ausgehen, dass selbst bei Niedrigstlohn mir diese Arbeit ein halbes Vermögen einbringt.

Für den Rest des Abends habe ich geplant, mit Malte zu skypen und dabei Chili con Carne für R’s und mein Abendessen zuzubereiten. Es liegen nämlich Geflügelwürstchen von einem meiner und Beccis letzten gemeinsamen Beutezüge in unserem Kühlschrank, Kidneybohnen warten seit Urzeiten in ihrer verdellten Dose auf ihren epischen Einsatz, Zwiebeln und Knoblauch sind zur Genüge vorhanden und die obligatorischen zwei Dosen Mais habe ich in weisester Voraussicht schon letzte Woche beim Pfandwegbringen besorgt. Oh, das wird gut.

Fange ich doch gleich damit an.

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Mystery Food und ganz viele freie Tage

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Jetzt regnet es ja schon wieder. Ich sitze an der einzigen überdachten Bushaltestelle des ganzen Berges und warte auf das Fahrzeug, das mich nach Hause bringt. Trotz Überdachung ist es nicht ganz einfach, wirklich trocken zu bleiben; der leichte Wind macht seine Arbeit gut.

Ich habe meine letzte Arbeitssession für die nächste Zeit hinter mir. Sophi hat nach ihrer Englisch-Kommunikationsprüfung zwei wohlverdiente Wochen Ferien und braucht seit Langem nichts mehr für die Schule machen – es ist so gut wie überstanden. Wir sind uns beide einig, dass sich die zwei Wochen sehr, sehr lang anfühlen werden.

Vor meinen Stunden bei Sophi war ich in meinem neuen Foodsharing-Betrieb Essen holen. Es ist die Kantinenküche einer Privatschule mit Internat (lustigerweise genau diejenige, die Sophi besucht); alles hat reibungslos geklappt, obwohl ich meiner Natur gemäß vor der Abholung die fürchterlichste Panik verspürt hatte, und ich befinde mich nunmehr im Besitz eines halben 5-l-Eimers voll qualitativ hochwertigem Essen. Ich weiß nur immer noch nicht, um was es sich dabei genau handelt, weil ich, wie gesagt, von der Abholung direkt zur Arbeit musste.

Nun sollte gleich aber auch mal der Bus kommen. Ich sterbe vor Hunger und kann es nicht erwarten, zu Hause mit Malte den Mystery-Eimer zu öffnen.

Essen. Leben. Zukunft.

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Ich bin gerade heilfroh, hier zu sein. Ich hätte auch mit R auf die WG-Einweihungsparty seines Bekannten gehen können oder zu den Nachbarn rüber, die mit ihren Freunden auf der Terrasse grillen. Aber bei Marco im Haus wird geraucht und die Nachbarn amüsieren sich da, soweit ich das überblicke, ganz gut alleine.

Also habe ich mich stattdessen mit Wein auf dem Sofa eingerichtet und mir gerade noch schnell aus dem übrigen Reis von vorgestern, Pilzen und Lauch sowie etwas Blumenkohl ein Abendessen zusammengezimmert, das mich glücklich macht, nicht nur weil ich einen irrsinnigen Hunger habe, sondern einfach durch den Umgang mit den ganzen geretteten Zutaten. Ich mache das mittlerweile seit fünf Jahren, das Essenretten, aber es hört nicht auf, mich zu begeistern. For today’s dinner I used the following ingredients (bold print marks store- or otherwise purchased): Rice, tap water, leek, mushrooms, cauliflour, newborns‘ formula, herbal salt, paprika powder, ground white pepper / caraway / coriander mix, garlic powder, dried oregano, turmeric powder. Das wäre ohne Verwendung der nicht gekauften Zutaten ein ziemlich dulles Dinner geworden. Und das liebe ich so sehr, mir das immer wieder vor Augen zu führen.

Ich hatte heute frei, unerwartet, weil Sophi fast vergessen hätte, dass sie heute keine Zeit hat. Dafür sehe ich sie morgen und Montag und lerne mit ihr für ihre letzte Klausur, Bio, am Dienstag. Ich überlege, die Abi-Vorbereitung zu meinem Hauptstandbein zu machen. Ich mag Abiturstoff. Und ich kann mir keine angenehmeren Schüler vorstellen als Abiturienten. Und die Therapeutin hat Mittwoch gesagt, ich könne so leben, wie ich möchte. (Das fand ich abstrus und ich habe angefangen zu heulen, was mit im Laufe dieser inzwischen ja auch schon wieder halbjährigen Therapie insgesamt genau zweimal passiert ist.) Und sie hat gesagt, ich könnte vermutlich problemlos von Ohrhängern leben, würde ich mich nicht selbst blockieren. Ich muss das nächste Sitzung nochmal abklären, weil ich mich wirklich frage, ob sie als wohlverdienende Eigenheimsbesitzerin (zumindest gehe ich stark davon aus) sich eine Vorstellung von der Situation macht, die Menschen des Bildungspräkariats, die es trotz vorhandener – sogar bescheinigter – Qualifikation nicht gebacken kriegen, einfach arbeiten zu gehen, irgendwann im Alter erwartet. Ich muss sie wirklich mal fragen.

Völler-Ei.

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Selten, äußerst selten kommt es vor, dass ich mich wirklich, wirklich heftig überfresse. Heute ist es passiert: Es war Eiersalat. Ich hatte unendlich Hunger und unendlich Eier. Da passiert so etwas. Ich habe den köstlichsten Eiersalat aller Zeiten gemacht, mit zwei riesigen Knoblauchzehen und so viel Mayo, dass man darin hätte ertrinken können.

Jetzt plagen mich Bauchschmerzen und Schweißausbrüche und die Gewissheit, dass ich in Ohnmacht falle, wenn ich heute noch ein Mal Knoblauch rieche.

Abgesehen davon habe ich keine nennenswerten Probleme, nein.

Im Gegenteil. Morgen und übermorgen werde ich nicht zu Sophi gehen und habe somit seit Ende März erstmals wieder freie Tage. Wirklich, ich habe jeden einzelnen Tag seit Beginn der Osterferien gearbeitet. Zwei Stunden Arbeiten am Tag lässt sich extrem gut aushalten, auch ohne freies Wochenende.

Es hat sich gelohnt; jede der drei Abiklausuren, für die ich verantwortlich war, hat sie mit einem guten Gefühl hinter sich gebracht. Deutsch, Englisch, Spanisch, ich hätte ihr Abi am liebsten selbst mitgeschrieben. Bloß die Matheklausur darf sie übermorgen gern selbst machen.

Ich hätte nicht anfangen sollen zu schreiben in diesem Zustand. Ich kann mich nicht konzentrieren, solange mein ganzes Inneres aus Eiersalat besteht.

Ich versuche es demnächst nochmal.

Pendlerträume

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Uff. Ich hänge mitten in einem Containerbeutezug der uneleganteren Sorte – Bus in die Stadt hatte Verspätung, Anschlussbahn verpasst, in der Zeit FairTeiler abgeklappert, dann Großhandel (mäßiger Erfolg) und kleiner Edeka (gar nichts), daraufhin eine knappe halbe Stunde Warten auf die Bahn zum neuen Spot, relativ erfolgreich (nicht quantitativ, aber dafür Konserven!). Dann die Bahn zurück um Sekunden verpasst trotz seitenzerstechendem Sprint mit der Ausbeute auf den Schultern. Halbe Stunde warten. Da bin ich gerade noch bei. Alles, was dem Ganzen jetzt noch einen draufsetzen könnte, wäre, den Bus nach Hause auch noch zu verpassen. Selten so ein vereintes Pech gehabt. Kurz vor dem Nervenkasper.

Habe R angerufen, um mich zumindest zu vergewissern, dass ich nicht schmerzlich vermisst werde, sondern er sowieso noch am Lernen ist. Dem war tatsächlich so. Ich habe unser geplantes Käsefondue auf morgen verschoben, denn das muss zelebriert werden und taugt nicht für einen Abend wie diesen, der zum Zeitpunkt meiner Rückkehr faktisch bereits vorbei ist. Zudem sind Wunden in meinem Mund, weil ich mir gestern im betrunkenen Zustand einmal links, einmal rechts auf die Lippe gebissen habe. Das hätte meine Fonduefreude heute zusätzlich gehemmt. Stattdessen habe ich R mit der Vorbereitung einer Topinambur-Möhren-Suppe beauftragt, die ich dann gleich nur noch pürieren und würzen müssen werde. Er rief vorhersehbarerweise ein paar Minuten später nochmal an, um sicherzugehen, dass der Topinambur auch wirklich die braunen Knollen waren, die er dafür hielt – ich wusste, wer mich anruft und warum, in dem Moment, als mein Handy klingelte. Das hat mich glücklich gemacht. Ich mag es, jemanden so gut zu kennen.

Gut. Die Zeit, bis die Bahn kommt, habe ich mir also schonmal erfolgreich verschrieben. Wenn ich gleich den Bus nach Hause bekomme, bin ich bereit, mich mit meinem Schicksal nochmal zu versöhnen.

Nooooooooo!

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The zombies ate my brains! I suck!

Eigentlich habe ich ja überhaupt nur angefangen zu zocken, damit die Seite hier in Ruhe laden konnte. Von demher: Auch gut.

Mit ziemlich viel Bier und einer guten Portion Sozialkompetenz meine ich, diesen Nachmittag ziemlich gut herumbekommen zu haben. Du machst dir keine Vorstellung, wie awkward es teilweise ist, mit Mike rumzuhängen. Einfach, weil wir das nicht wirklich gemacht haben bisher und irgendwie grandios dazwischen schwanken, uns einerseits unsere lebensdefinierendsten Erfahrungen zu erzählen und andererseits einfach nicht die Spur einer Ahnung zu haben, was wir noch so reden könnten. Mein Gefühl sagt, dass das nie wirklich vollkommen entspannt wird. Aber streckenweise war es wirklich gut. R war super als Katalysator und während wir im Wald waren, haben wir über Mitbewohner geredet; nicht unbedingt ein Thema also, bei dem mir der Gesprächsstoff schnell ausgehen würde.

Jetzt habe ich Hunger, was absurd ist, weil R vor zwei Stunden noch einen riesigen Stapel Reibekuchen gemacht und ihn mit allerlei Aufstrich- und Garniermöglichkeiten uns auf dem Wohnzimmertisch präsentiert hat. Es gab unter Anderem Thunfischaufstrich, welchen ich neulich containert hatte, Nutella und veganen Aufschnitt. Und, wahrscheinlich nur, weil ich so verzweifelt danach gejammert habe, sogar mein gutes altes Apfel-Birnen-Mus, welches ich immer noch jeglichen Experimenten vorzog.

Aber das hat sich gerade erledigt, denn offenbar hat R auch wieder Hunger, sodass ich uns jetzt ein paar Brote mache und danach aber schleunigst ins Bett gehe. Bis morgen um viertel vor elf muss ich schon wieder arbeitstüchtig sein.

Die Katze hat auch Hunger. Irgendwie haben wir hier alle Löcher im Magen.

Zwanzig vor zwölf

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Oh, diese Tage, an denen es nie richtig hell wird. An denen das Alleinesein gleich doppelt Spaß macht und man bis mittags schläft, um anschließend den Rest des Tages zu verzocken. An denen der einzige Lichtblick (pun intended) die Sonnenlichtlampe ist und man das Gefühl hat, erst wieder richtig atmen zu können, jetzt, da man das leuchtende Ding vor den Augen hat.

Ein kleines Wunder war es schon fast, dass ich mich abends echt noch richtig gemausert habe, mich aus den stinkenden Klamotten geschält, epiliert und geduscht, mir einen Salat gemacht und somit außer den zwei Scheiben Brot vom „Frühstück“ tatsächlich noch etwas zu mir genommen habe, bevor es acht war. Felix klingelte mich raus und wir fuhren eine beachtliche Ausbeute ein, von Tomaten über Pfifferlinge bis hin zu Tütensaucen und Kondensmilch. Nicht zu vergessen die ‚zig riesigen Behälter mit „Chunky Salsa“ und nicht enden wollende Heerscharen an Margarineportiönchen, Senf- und Remouladetuben, Aufbackbrötchen, Jägersaucenpulver, Suppenflädle, Physalis, Pfirsiche und Salat. Ich bin froh, dass es so gut aussah heute, denn Felix war zum ersten Mal containern und es ist ja immer schön, wenn es dann auch etwas zu finden gibt. Und ein Glück war es, dass wir mit dem Auto dawaren, denn alleine hätte ich allerhöchstens die Hälfte des Zeugs unterbekommen.

Nur zum Verräumen der Sachen fehlt es mir an Motivation. Ich muss die Tüte mit den Pilzen gleich in Sicherheit bringen – die Katze hat gestern ihr Fressen verschmäht und demzufolge heute nichts bekommen und liebt Champignons sowieso über alles, da ist Vorsicht geboten -, der Rest kann warten.

In-Konsequenzen

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Plan für heute:

Unisachen machen (Harslem 1 Seite, Griese Probeklausur & Mail, Nespral 2 Einträge beenden & Mail, obwohl ich Letzteres vergessen hatte zu notieren); Großhandel / Ausflug zur GiveBox; 50 Sachen aufräumen; 1 Wäsche; buntes Kleid nähen (wirklich); Mixer-Deckel präparieren; duschen & epilieren.

Realität:

Schlafen bis elf; gemütlich frühstücken (süßer Hefezopf mit Mandeln, mit Butter und Dulce de leche bestrichen, dazu Instant-Cappuchino) und dabei lesen; gestern gerettetes Essen versorgen (ich hatte gestern nur zwei von drei Taschen geschafft); Küchenarbeit (auch wenn man davon nichts sieht – es ist immer noch / schon wieder das reinste Chaos); Großhandel (es dauerte ewig und drei Tage, dort anzukommen, da wegen des Rollstuhlmarathons, der heute stattfand, die halbe Stadt lahmgelegt war und der Bus natürlich auch im Stau stand); Rückweg vom Großhandel (ich hatte dreißig Kilo eingelegte Champignons 3. Wahl zu schleppen – mein Rücken und auch der Rest von mir fand’s nicht lustig, aber ich hatte keine Wahl, denn es mussten drei Eimer sein. Einer hätte sich nun wirklich nicht gelohnt, zwei hätten mir einen leeren Rucksack und zwei überladene Seitentaschen beschert, also dreimal 10 Kilo. Unterwegs machte ich noch Bekanntschaft mit einem harmlosen Irren aus dem nahegelegenen Altersheim, der gerade an der Bushaltestelle, wo ich umsteigen musste, dabei war, einen selbstgemachten Salat zu verdrücken und dem ich Champignons anbot. Im Gegenzug kann ich nun wann immer ich möchte im Kräutergarten des Altersheims meine Vorräte aufstocken. Dafür habe ich gern in Kauf genommen, dass der Eimer nach dem Entfernen der Schutzfolie natürlich nicht mehr dicht war und meine ganze Ikea-Tasche mit Pilzwasser volllief und sich auch noch auf den Platz im Bus entleerte, den ich mit meiner Fracht beladen hatte); mit schmerzendem Rücken die eine Wäsche in die Maschine werfen und den Weg nach unten für Keller-Erledigungen nutzen; mit schmerzendem Rücken Nudelsalat produzieren und dabei mit Mama telefonieren (ich weiß jetzt schon nicht mehr, ob wir es diesmal geschafft haben, in Frieden auseinanderzugehen, tendiere aber überraschenderweise zu Ja); mit schmerzendem Rücken Champignons aus dem angebrochenen Eimer (sofern nicht für den Nudelsalat verwendet) in ein Arsenal von Gläsern füllen und einkochen und dabei Ken Zazpis Livealbum Gelditu Denbora hören; mit schmerzendem Rücken Katzenklo saubermachen und Müll rausbringen; mich mit schmerzendem Rücken und meiner während der Aktivitäten in der Küche geöffneten Flasche Bier (der letzten im Hause) aufs Sofa pflanzen; Facebook-Posts lesen und dabei über Transgender-Menschen nachdenken und bedauern, keinen persönlich zu kennen (ja, in dem nunmehr durch Bier und eine Cola-Limoncello induzierten Zustand fast anfangen zu heulen, weil ich es so sehr bedauere, niemanden zu kennen, der mir erzählen könnte, wie es ist, transgender zu sein, und somit aus meiner immensen Unfähigkeit, dies nachzufühlen, keinen Ausweg zu sehen); diese ganzen Umwege und Planabweichungen schriftlich festhalten.

Die Probeklausur muss ich allerdings noch machen, wirklich, weil heute Deadline ist und mich das leise Gefühl beschleicht, dieses Semester schon genug in der Pfeife rauchen zu können – ich muss es nicht noch überstrapazieren und auch noch aus dem Kurs fliegen, in dem einem das Bestehen wirklich hinterhergeschmissen wird.

Fun Fact: Die Klausur bei Harslem, zu der ich mich in der ersten Woche meiner hyperemesischen Horrorexistenz noch geschleppt hatte (ich werde es noch ausführlich schildern, ich muss es noch ausführlich schildern, denn so absurd sind Klausuren nicht alle Tage) wurde, wie ich gestern erfuhr, eine 1,0. Ich war so hysterisch, ich habe mich zehn Minuten lang nicht beruhigen können. Ich mag meine Fähigkeit, unter Höllenqualen noch 1,0-Klausuren zustandezubringen. Ich mag sie wirklich.

Every Day is a Fail Day

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Was für ein typischer Tag. Ich gehe in die Uni, wo ich erstmal dem Dozenten über den Weg laufe, für dessen Terminologieprojekt ich mit zwei Einträgen im Rückstand letzten Mittwoch dem Gruppentreffen ferngeblieben war – yes, genau dem Menschen wollte ich begegnen. Nicht. Aber da Juan ein sehr, sehr guter Mensch ist (was den einzigen Grund darstellt, aus dem ich mich freiwillig in sein Projekt begeben habe, kombiniert mit den grottigen Alternativen), wurde das Gespräch nicht zu einem der Sorte Standpauke, sondern fand auf Augenhöhe statt und ließ mich mit dem Gefühl zurück, es gut schaffen zu können, sofern ich mich mal am Riemen reiße.

Solchermaßen beglückt tuckerte ich weiter in den Seminarraum des Kurses, den ich besuchen wollte, nur um mir gewahr zu werden, dass ich die Einzige war. Ich hatte extra noch den Unterrichtsplan konsultiert, auf dem für heute definitiv kein Ausfall vermerkt war, aber wenigstens macht es jetzt Sinn, dass keine Lektüre für heute hochgeladen worden war. Die ich pflichtbewusst gestern noch ausdrucken und lesen wollte, bis ich dann sah: Es gab keine. Hm.

Ich war auch um zehn nach Kursanfang noch die Einzige. Also ging ich Katzenfutter holen. Neben dem Tierbedarfsladen ist ein riesiger türkischer Supermarkt, wo man theoretisch auch super containern kann, allerdings schließt der natürlich auch erst, wenn der Katzenfutterladen schon zu hat. Zudem ist das Ganze ewig weit weg von mir daheim, sodass ich nie dort containern gehe.

Jetzt hatte ich mir aber vor Kurzem vorgenommen, es einfach mit dem Containern mal tagsüber zu wagen, sodass man es doch mit dem Katzenfutterholen verbinden kann. Also ging ich frohen Mutes am Supermarkt vorbei und warf von Weitem einen Blick auf die Beladungszone. Wo selbstverständlich gerade Dinge verladen wurden. Ich machte kehrt und holte Katzenfutter, mit dem Vorhaben, es im Anschluss nochmal zu versuchen. Ich kam aus dem Laden, machte ein-zwei Schritte in Richtung des Türkenmarktes und sah meinen Bus in die Gegenrichtung. Angesichts des tiefgefrorenen Fleisches in meinem Besitz entschied ich mich dann doch spontan zum Rennen und erwischte gerade noch so besagten Bus, hatte dann auch beim Umsteigen Glück – der nächste Bus hatte fünf Minuten Verspätung, was es mir ermöglichte, das Fleisch relativ gekühlt zu Hause zu verstauen.

Dann musste natürlich schnell das Material für das Terminologieprojekt an Juan gesendet werden. Ich musste den zweiten Begriff noch fertig machen und verkünstelte mich daran nochmal eine Stunde, dann war es endlich geschafft. Nicht davon zu reden, dass ich meinen allerersten Begriff zur Hälfte nochmal machen darf, weil die Version, die ich letztendlich erarbeitet hatte, durch meine unermessliche Intelligenz mit dem zweiten Begriff überschrieben und unter demselben Namen gespeichert wurde. Das hat mich gestern hart fertiggemacht, vor allem, weil der „Tatentschluss“ derjenige Terminus war, an dem zu arbeiten ich mich über Wochen nur mit der allergrößten Willenskraft zwingen konnte, und dann gehe ich und überschreibe einfach die Endversion. Natürlich. R kommentierte das Desaster lapidar mit „Das wäre mir heute auch fast passiert“ und überließ mich meinem Schicksal. Anteilnahme ist etwas, das man ihm noch beibringen könnte.

Ein kleiner Terrassenrundgang, das letzte Beypazarı – stilvoll zelebriert mit Veilchensirup und einer entsprechenden Nachricht an Becci – dann fiel mir auf, dass meine Wohnung aussah wie Sau, also wurden fünfzig Sachen aufgeräumt und einmal gründlich durchgesaugt. Ich hatte zwar nicht im Entferntesten Lust drauf und bin umso glücklicher, es trotzdem so gründlich gemacht zu haben.

Dann endlich wieder sitzen, mit einer Schüssel des köstlichsten Gratins, das ich jemals fabriziert habe (dürfte an der Menge des verwendeten Käses liegen; Becci und ich haben letztes Wochenende nach dem Flohmarkt noch beim Großhandel vorbeigeschaut und dort den ultimativen Gouda-Fang gemacht), und mit der Katze zusammen auf der Couch die Beine ausstrecken. Fünf Uhr. Mir war selbstredend entfallen, dass ich mich mit JO zum Skypen verabredet hatte. Die wartete indes seit einer Stunde und vertröstete mich dann auf nachher, da sie jetzt erstmal mit ihrem Kumpel in Mexico redet.

Auch gut. Ich könnte mich bis dahin noch ein bisschen auf der Terrasse herumtreiben. Tue ich das doch.

When Awim Makes Dinner

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Halben Tag regelwidrig verzockt (mich mit „es ist langes Wochenende“ rausgeredet), nichts für die Uni getan. Großartig. Ich hab’s so drauf.

Wobei ich ja schon glücklich darüber bin, den Rest des Tages zumindest pseudoaktiv gewesen zu sein; wie gestern schon hatte die Terrasse meine volle Aufmerksamkeit und oh ja, man sieht es. Ich bin tatsächlich zufrieden. Jetzt muss nur noch alles ein bisschen wachsen und ich kann die nächsten vier Monate ein richtiges Paradies mein Zuhause nennen. Jeden Tag treibe ich mich stundenlang dort herum und begutachte die Fortschritte. Und ab und an klaue ich mir Erde aus dem Garten, den eh niemand nutzt, und schaffe so noch ein bisschen mehr Platz für die hungrigsten unter meinen Zöglingen. Außerdem konnte ich es am Ende doch nicht lassen und habe mit einem Monat Verspätung noch ein paar Melonen gesät, welche dann später in einer riesigen Tüte voller Erde wohnen dürfen.

R macht Essen. Er wollte unbedingt etwas mit den restlichen grünen Bohnen machen, die ich in dem epischen Bohnen-Kartoffel-Käse-Sahne-Gemisch von neulich nicht mehr unterbekommen hatte. Ich bin drauf gespannt und kann mich kaum auf das Schreiben konzentrieren, weil es so unfassbar gut nach Kichererbsen riecht. Was für eine Hülsenfruchtbombe.

Wofür ich sehr dankbar bin, übrigens: mein Immunsystem scheint mal wirklich top in Form zu sein. Becci war letztes Wochenende hier und hat eigentlich bis auf Samstag, als wir den Flohmarktstand hatten, nur flachgelegen mit einer Monstererkältung. Die ich natürlich zwei Tage nach ihrer Abfahrt dann ebenfalls ausgebrütet hatte, aber bis auf Halsschmerzen, ein fiebriges Gefühl und eine verstopfte Nase habe ich es souverän überstanden. R war auch kurz krank, hat sich aber schnell wieder berappelt, und Becci hängt wahrscheinlich immer noch zu Hause rum und freut sich ihres kofschmerz- und grippegeplagten Daseins. Die Arme. Jedenfalls war ich einfach überglücklich, dass ich gerade am Dienstag davor einen ordentlichen Beutel Zitronen eingestrichen hatte. Und während die eindrückliche Warnung meiner Mutter, um Himmels Willen keinen Honig mehr in meinen Tee zu machen (denn wie ayurvedisch versierten Menschen bekannt ist, verändert sich die Stuktur des Honigs beim Erwärmen bis zur Ungenießbarkeit: „das ist Gift!“), überraschenderweise tatsächlich den gewünschten Effekt hatte und ich diese Angewohnheit praktisch komplett aufgegeben habe, musste er diese Woche wieder als Süßungsmittel für all die heißen Zitronen herhalten, die ich in deren Verlaufe so zubereitet habe. Es geht einfach nicht anders. Was soll denn eine heiße Zitrone ohne Honig.

Jetzt ist mein stolzer Vorrat an Zitronen wieder auf zwei geschrumpft (eine fiel dem Schimmel zum Opfer und ich bin bei aller Liebe noch nicht soweit, mir aus Zitronenschimmel selbst Penicillin herstellen zu wollen) und ein gesunder Zustand wieder in Sichtweite. Das war knapp!

So. R fragt mich alle drei Minuten nach einer neuen Zutat. „Haben wir noch Mais?“ (I wish. Ich habe so lange keinen Mais mehr gegessen, dass ich schon fast verdrängt hatte, dass es sowas gibt.) „…ein ganz kleines Glas Tomatensauce?“ (Nein, sie waren ihm alle zu groß.) „Erbsen?“ (Hättest du mal was gesagt – ich hätte sie dir zusammen mit den von dir requesteten Kichererbsen eingeweicht.) „Kidneybohnen?“ (Ja, eine ganze Dose, aber die möchte ich ungern deinen experimentellen Anwandlungen opfern, sondern warte lieber religiös auf den Tag, an dem dann doch mal wieder Mais da ist, um meinen weltepischsten Salat daraus zu machen. Natürlich hätte ich trockene Kidneybohnen dagehabt, aber… siehe Erbsen.) „Nudeln?“ (Ja, tatsächlich, aber nur noch eine Portion…)

Es ist schon nicht leicht, in diesem Haushalt zu kochen. Für Awim – anyone who isn’t me.

Jetzt befand er seine Kreation gerade mit dem vielversprechenden Ausruf „Oh mein Gott, es ist so komisch!“ für großartig und verschwand daraufhin in den unendlichen Tiefen der Wohnung. Komm wieder. Ich habe so einen Hunger.