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Bagoaz aurrera.

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Ja, den Basken ist ihre Kultur und Nationalität völlig egal.

Was ist das herrlich, ich könnte heulen vor Freude. Es ist ja schon eine ganze Weile her, ein paar Wochen bestimmt, seit den Wahlen in Euskadi, aber die Ergebnisse sind es absolut wert, erwähnt zu werden. Das hier ist Pamplona. Auch hier gab es einen Bürgermeisterwechsel, der sich gewaschen hat. Es wird alles besser, es wird alles gut. Ich könnte heulen. Wie sie strahlen! Wie sie bald abheben! Wie sie singen. UPN agur! – Ciao, UPN. Ein Traum, ein Traum. Das musst du dir ansehen, auch wenn du Spanisch und Baskisch nicht verstehst. Glaub mir, die Bilder verstehst du.

Kepa hat Recht. Bagoaz aurrera.

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Weil die baskische Kultur ein Hirngespinst ist und ich als bedingter Anti-Spe faschistoid… Welcome to politics.

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Erstmal die Arbeit, die ich eh schon habe, effizient ausschöpfen. Wozu habe ich einen 450€-Job und gehe dann nur 20 Stunden im Monat arbeiten, wenn überhaupt. Diese Woche seit Langem wieder zweimal gearbeitet. Sarah ging früh nach Hause, weil sie dieses Wochenende am Umziehen ist (sie zieht mit Pedro in die Altstadt), also musste ich nach 5 Stunden 15 auch schon wieder heim. Aber in diesen fünf Stunden habe ich acht Touren übersetzt, was unglaublich produktiv ist für meine Verhältnisse. Vor allem wenn man bedenkt, dass beim Erstellen der Touren immer mehr zu beachten ist. Anfangs war man nach der Detailseite fast schon fertig, mittlerweile muss der Vouchertext auch noch übersetzt werden, und die Merkmale werden ebenfalls mit ihren deutschen Entsprechungen neu zugeordnet. Das raubt eigentlich am meisten Zeit, dieses ganze Drumherum.

Aber ich übe mich jetzt in Geschwindigkeit und hoffe, mich weiter zu steigern, möglichst natürlich bei gleichbleibender Accuracy (wobei es in dem Saftladen auch niemanden jucken würde, wenn man sich nur halb so viel Mühe gibt. Aber so desillusioniert bin ich noch nicht, even though I’ve already come quite a long way).

Ja, ich gehe also Dienstag wieder arbeiten.

Nebenbei ist Laura auf dem besten Wege, sich in die dritte nutzlose Diskussion der Woche hereinzusteigern. Nach Containern (falsch motiviert) und Antispeziesismus (faschistoid) hat sie es jetzt auf meine Intentionsethik abgesehen. Es ist so anstrengend. Gut, dass ich keine echten Feinde habe, da kommt die gelegentliche Attacke aus dem engsten Freundeskreis nicht ganz so schnell dazu, dich in Verzweiflung zu stürzen. Manche Menschen sind so, die brauchen zum Scheitern verurteilte Diskussionen wie Luft zum Atmen.

Schrieb ich gestern und klappte irgendwann mittendrin einfach den Computer zu, als mir die Unterhaltung mit Laura zu viel wurde. Und machte ihn nicht wieder auf bis jetzt, einen ganzen Tag später.

Jetzt habe ich mich schon wieder in Rage geschrieben, diesmal tatsächlich ausnahmsweise nicht in persönlichen Belangen, sondern in einer Mail an meine Mutter bezüglich eines Artikels aus ihrer geliebten FAZ (woher sonst), den sie mir neulich geschickt hat. Den möchte ich dir nicht vorenthalten.

Beim Fußball hört der Spott auf

Wie sich eine Nation selbst erfunden hat: Ibon Zubiaur kennt die befremdlichen Landschaften der baskischen Identität und weiß, welche wichtige Rolle darin die gemeinsame Schultoilette spielt.

Im Kellerregal, wo die nicht mehr gebrauchten Bücher schlummern, lese ich noch einmal die alten Titel: „Die Geschichte von Eta“. „Führer durch das baskische Labyrinth“. „Die bleiernen Jahre“. „Schrei nach Frieden“. Die fetten Ordner mit der Aufschrift „Eta“, in denen Zeitungsausschnitte aus fast fünfzehn Jahren gesammelt sind, rühre ich lieber nicht an. Es ist gut, dass das Allermeiste davon metaphorisch schon zu Staub zerfallen ist, bevor die materielle Zersetzung beginnt. Denn der baskische Terrorismus ist glücklicherweise aus den Nachrichten verschwunden.

Die Terrorgruppe Eta – um nicht spießig und moralisierend zu wirken, benutzten deutsche Medien für sie gern den neutralen Begriff „Separatistenorganisation“ – hat zwar noch nicht die Waffen abgeliefert, im Herbst 2011 aber „das definitive Einstellen der bewaffneten Aktivität“ verkündet. Auch ihre schwerfällig-bürokratische Rhetorik ist damit verweht. Zurück bleiben: eine traumatisierte Gesellschaft; verurteilte Menschen in Gefängnissen, die auf die Chance zur Wiedereingliederung warten; Tausende Angehörige von mehr als achthundert Mordopfern, darunter Politiker, Unternehmer, Militärs, Polizisten, Personenschützer, Journalisten, zufällige Passanten. Wer den Ideologen hinter den Pistoleros das Handwerk legen wollte, musste bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen, wenn nicht durch Tod, dann durch Depression und Exil. Viele alte Bücher, die davon künden, haben sich in nutzlose Erinnerung verwandelt, in Müll, der kaum einen der Heutigen mehr interessiert.

Ibon Zubiaur, Jahrgang 1971 und wohnhaft in Berlin, ehemaliger Direktor des Cervantes-Instituts in München, schafft es, sechzig Seiten lang über seine baskische Heimat und ihre Kuriositäten zu schreiben, ohne den Namen Eta zu erwähnen. Es ist eine bewusste Geste, und sie hat etwas Befreiendes. Wenn einer in seinem Berufsleben nicht zur Propaganda für die eine oder andere Seite zwangsverpflichtet wurde, kann er es sich leisten, die Geschichte aus radikal persönlicher Perspektive zu erzählen: wie es etwa war, in eine Schule zu gehen, in der per Dekret Baskisch gesprochen wurde, obwohl alle – Schüler wie Lehrer – besser Spanisch sprachen und das verordnete Schulfach hinter sich ließen, sobald sie den Fuß wieder nach draußen setzten.

Hintergrund dieser Maßnahme ist der Baskisierungsversuch durch die fast ununterbrochen regierende Baskisch-Nationalistische Partei (PNV), die nach Francos Tod die demokratischen Wahlen in der neuen Autonomen Region gewann und daranging, die Gesellschaft umzukrempeln. In diesem Sinn war der Autor Teilnehmer eines soziologischen Experiments. Seine Eltern fanden, es sei eine gute Idee, der Junge wachse zweisprachig auf. Nur dass er die Sprache nicht wie etwas Natürliches lernen konnte, weil eben kaum jemand sie „natürlich“ sprach.

Denn einen Traditionszusammenhang durch autochthone Literatur gibt es im spanischen Norden bis heute nicht – der erste baskisch geschriebene Roman stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert. Viele Wörter existierten also nicht und mussten neu geprägt werden. Darunter das lustige Wort „komuna“, welches die Toilette bezeichnet, jedoch mit ideologischem Hintersinn: „Statt das Verborgene, das Schamhafte, das Private zu unterstreichen, betont man umgekehrt das Allgemeine, die Tatsache, dass es sich bei einer Schultoilette um einen Ort handelt, den viele besuchen, der gemeinschaftlich ist.“ Der Plural heißt „komunak“.

Auftritt Sabino Arana (1865 bis 1903), der Chefideologe des frühen baskischen Nationalismus, der die Region mit einer eigenen Fahne ausstattete, der die baskischen Wörter für das Baskische („Euskera“) und das Baskenland („Euskadi“) erfand und seinerseits längst nicht perfekt Baskisch sprach. Mit leichter Hand, aber gehörigem Kopfschütteln führt Zubiaur den Leser durch das Absurditätenkabinett eines Nationalismus, der nicht eine verschüttete Geschichte bergen will, sondern sich eine neue Vergangenheit als unabhängige Nation erfindet. Dazu gehören abwegige Etymologien, abenteuerliche Vorschriften zur Bildung „authentisch“ baskisch klingender Namen und eine völkische Propaganda, die nicht weit von der Blut-und-Boden-Mythologie der Nazis entfernt ist. In dieser rückwärtsgewandten Konstruktion zur Sicherung unverfälschten Baskentums sind „Rasse“ und „Geschichte“ Schlüsselbegriffe einer unmissverständlich xenophoben Mission.

Dass Ibon Zubiaur diesen Zusammenhang nicht als schwerleibiges Manifest formuliert, sondern in die Form des entspannten Essays und eines über drei Banden gespielten Kulturvergleichs kleidet, dürfte sich aus seinem Werdegang erklären. Denn einerseits besitzt er den doppelten Blick durch seine spanisch-baskische Identität, andererseits kommen noch seine deutsche Erfahrung und die deutsche Sprache hinzu, in der das Buch geschrieben ist. In Spanien kennt man Zubiaur vor allem als Übersetzer von Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und anderen DDR-Autoren – eine Leidenschaft, die sich nicht mit dem Erledigt-Votum durch den Mauerfall zufriedengibt, sondern den verschwundenen deutschen Staat als Kulturlandschaft neu kartographiert. Dahinter steht der Glaube, es wäre besser um die Zivilkultur bestellt, „wenn wir weniger nationale Ermahnungen und mehr Autobiographien geschrieben hätten“.

Nur ein Objekt entgeht der Spottlust des Autors, der Fußballverein Athletic Bilbao. Ihm ist die Liebeserklärung des letzten Kapitels gewidmet. Zubiaur entdeckt hinter dem heroischen Entschluss des Klubs, nur Spieler aus dem Baskenland (Navarra und das französische Baskenland jenseits der Pyrenäen eingeschlossen) zu verpflichten und daraus eine erstligataugliche Truppe zu formieren, eine bemerkenswerte Integrationsleistung: „Für Athletic Bilbao konnten sich (zumindest in Biskaia, der bevölkerungsreichsten Provinz) zu jeder Zeit Nationalisten wie Nichtnationalisten, Linke wie Rechte, Bischöfe wie Punks erwärmen.“ Hier darf also mitspielen, wer die entsprechende Leistung bringt und nach Ansässigkeit oder Herkunft Baske ist. Sprache, Rasse oder Gesinnung spielen keine Rolle, eher die weichen Kriterien der Gemeinschaftsfähigkeit. Ein Beweis dafür, dass Fußball dem Nationalismus nicht nur Ausdruck verschafft, sondern ihn manchmal segensreich ersetzt. PAUL INGENDAAY

Der blanke Hohn.

Den Autor dieses Buches, um den es da geht, kann ich übrigens gut nachvollziehen. Problematisch wird es, wenn man die Auffassung dieses Einzelnen (der dazu berechtigt ist, wie jeder zu seiner Meinung berechtigt ist) als die Denkweise eines ganzen Volkes hinstellt. Dass einem einzelnen Basken seine Kultur und Nationalität nichts bedeuten, sollte nicht den Kampf eines ganzen Volkes um Identität und Anerkennung in den Dreck ziehen. Das ist der Grund, aus dem sich der Artikel für mich anfühlte wie ein Schlag ins Gesicht Zigtausender, an allererster Stelle die Angehörigen von achthundert Mordopfern (danke, ETA) und von toten, verurteilten oder untergetauchten ETA-Mitgliedern, die bestimmt auch gern hören, dass das ihre Geliebten für eine Sache ihr Leben gelassen haben, gefoltert, misshandelt und eingesperrt wurden, die eigentlich ja kein Schwein interessiert und eh nur von Politikern dem Volk aufgedrückt wird. ETA ist nicht ohne Grund ein zentraler Aspekt der baskischen Geschichte. Natürlich ist es erfreulich, mal abzuschalten und den Blick vom Terrorismus zu nehmen, aber warum gab es denn die ETA nochmal? Bestimmt, weil jeder Baske es unnötig findet, seine Sprache in der Schule zu lernen, nachdem sie von der Straße schon zu riesigen Teilen verdrängt wurde. Wodurch? Sicher aus freiem Willen und Desinteresse an der eigenen Kultur. Da schreib‘ ich mich schon wieder in Rage, es ist doch nicht zu glauben. Widerlich.

Allein schon der Vergleich „Nazis“. Die Nazis sagen, von ihrer Nationalität, die sie ja haben, ausgehend, „wir sind was Besseres und alle Anderen sollen raus.“ Die Basken sagen, „wir sind gleichwertig, und wir wollen rein [in einen Staat für unsere Nation].“ Inwieweit ist das bitte xenophob? Dahinter steht schlicht und ergreifend die Forderung nach Anerkennung der eigenen, sehr realen und sicher nicht eines schönen Tages aus Lust an der Freud erfundenen Identität.

Schrieb ich übrigens auch Mama – mit ein paar Tagen Verzögerung, weil mich das Ganze zuerst doch ein bisschen zu fertig gemacht hat, um sofort eine Reaktion, die über „das ist harter Tobak“ hinausging (woraufhin mir Mama erstmal freundlich in Erinnerung rief, dass es eigentlich „starker Tobak“ hätte heißen müssen – so entsetzt war ich ob des Artikels, dass ich glatt meine eigene Sprache vergaß darüber), zurückzuschicken.

Kepa sollte ich den Text da oben auch mal zukommen lassen. Wobei, andererseits, wozu ihm das antun, ich vergesse das Ganze jetzt lieber schnell wieder, rege mich ab und beruhige meinen Blutdruck. Zu viele Vergleiche mit Nazis in dieser Woche, zu viele davon. Das machen meine Nerven nicht mit. Haben sie alle nichts Besseres zu tun, als abwegige Vergleiche mit Nazis zu Hilfe zu nehmen, wenn sie einen Punkt rüberbringen wollen?

So. R ist in einer Stunde [mittlerweile 20 Minuten!] schon hier, wenn alles gut geht. Kein Wunder, dass der Mensch so ein cholerisches Nervenbündel ist, wenn man bedenkt, dass er sich sein halbes Leben mit Politik befasst und im Zuge dessen ungefähr das getan hat, was mich nach einer Woche schon an den Rande des Wahnsinns treibt. Basti machte sich gerade aus dem Staub, und jetzt berede ich kurz mit Kepa das oben angeführte Meisterschriftstück. Er sagt, ich solle spanischer Regierungschef werden, es könne nur besser werden. Wo er wohl Recht hat. Ich würde das Land kurzerhand in seine Einzelteile zerlegen und aus den weniger als 50%, die danach von Spanien noch übrigbleiben, ein foodsharendes, recyclendes, in erneuerbare Energien und Cradle-to-Cradle investierendes Öko-Land machen, in dem Containern zur Pflicht (und, so bald es nur geht, ganz überflüssig) wird und Flüchtlinge nicht in Schiffen vor der Küste ertrinken.

Imkreisschreiben.

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Whoa. Ich komme von See gerade, wo ich mit Susmita und Trudi einen schönen Abend hatte. Ich liebe es hier. Du schnappst dir eine Flasche Sekt und eine Flasche Wein und zwei liebe Menschen und ein paar Snacks und hast alle Schönheit des Lebens direkt vor deiner Nase.

Scream and Shout läuft mal wieder in meinem Kopf.

Morgen kommt Caro her, mit ihrer Freundin aus Portugal. Wenn alles gutgeht, machen wir etwas zusammen mit Ilhan, der aus irgendeinem Grund auch hier ist, und Trudi und Susmita. Sarah ist weg, sonst hätte ich die auch noch dazubeordert.

Ich mache so viele Tippfehler gerade; ich höre jetzt einfach auf, darauf zu achten.

Das ist jetzt unheimlich; ich habe gerade Pedro erzählt, dass ich in FFM bin demnächst, und er fragte, „bei Mr. Uku?“ Nein, vielleicht nicht. Vielleicht eher bei JO, mit der ich zu Against Me! nach Luxembourg gehe. Aber gerade gestern noch habe ich überlegt, dass der Mensch an sich wirklich ein nostalgisch veranlagtes Ding ist; ich bin ja bis heute jedes Mal überzeugt, etwas ganz Grandioses in den Wind geschmissen zu haben, wenn ich das Zeug höre, das wir produziert haben. Und dann muss ich mich zu Tode bemühen, mir den ganzen Krampf drumherum im Gedächtnis wieder lebendigzumachen, das ganze Einfach-Nicht-Genugsein.

Ich meine, Scheiße, ich habe etwas ganz Grandioses in den Wind geschmissen, ich musste mir halt nur überlegen, ob mir nicht mein gesunder Geistezustand vielleicht wichtiger ist. Falls ich den jemals erreiche. Jedenfalls bin ich so auf einem wesentlich erfolgversprechenderen Weg, als wenn ich mich mit dem ganzen Einfach-Nicht-Genugsein herumplage. Herrlich, dass.. keine Ahnung, was ich schreiben wollte. Ich mutte nur kurz klären, dass Pedro sich von Türkisch, aber nicht von Russisch gequält fühlt, und habe indessen vergessen, was ich wollte hier. Mein Zustand ist selig-betrunken. Ich kam nach Hause mit einem Glitzerstreifen in den Haaren, über den Trudi und Susmita lang und breit diskutiert hatten, ob er jetzt Pisse enthält oder nicht. Natürlich tat er es nicht. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher.

Ach, ach, ach, ich schreib‘ so gern mit Kepatto. Jetzt hat er sich beschwert, dass er nichts versteht, wenn ich ihm auf Türkisch schreibe, obwohl alles, was ich ihm geschrieben habe, war, dass ich nichts verstehe, wenn er mir auf Latein schreibt.

Inzwischen lasse ich mich als Blaue Waffel bezeichnen und habe endlich den Text von letztem Mai gefunden, den ich in dem entsetzlichen Ort geschrieben habe, wo Vegetarier wie Menschen fünfter Klasse verköstigt werden. Hm. Gut zu sehen, dass ich inzwischen doch noch ein bisschen was gelernt habe.

Wie’s aussieht, sehe ich morgen Ilhan wieder. Das war lange her. Ich bin unglaublich gespannt. Caro kommt ja.. Ich hab gerade keinen Plan, ob ich das nicht eingangs schonmal erwähnt hatte.

Vielleicht sollte ich dann jetzt mal aufhören, wenn ich schon – eventuell – im Kreis schreibe, ohne es auch nur zu merken.

GNOM.

(Niemand sollte jemals erfahren, wie viele Anläufe ich gebraucht habe, um das zu tippen. OH JE.)

Google niemals Blaue Waffel.

Traumhaft

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Was für ein Werk, La Science des Rêves. Ich liebe, wie sich in dem Film die Sprachen vermischen, zusätzlich noch zu dem ständigen Hin und Her zwischen Traum und Realität. Das Ende überfordert mich mal wieder; es ist so unklar. Was ich von offenen Enden halte, weiß man ja bereits. Aber der Film war gut. Verblüffend, positiv realistisch teilweise – auch wenn ich das Urteil eigentlich genauer ausführen müsste, um nicht bei einem Großteil der anderen seiner Viewers Unverständnis auszulösen.

Stellt sich heraus, meine Pflegeratten kommen heute um 12, und ich werde die Woche doch nicht ganz unfoodsharend verbringen; da wir ja seit Allerkürzestem mit Alnatura kooperieren und es dort aber meistens nicht so viel zu retten gibt, kann ich auch ohne Fahrrad hin. Also gleich um kurz vor elf Uhr dort anrufen und fragen, ob sie heute etwas haben. Und dann eben eventuell hin. Oder eben nicht, was umso besser wäre.

Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, ob wir heute Bandprobe haben oder nicht, und mich schonmal vorsorglich mit Robert verabredet, um uns mal wieder zusammen bei Skype ein bisschen zu betrinken. Was auch immer mit mir verkehrt ist, dass ich mich auf derartige Unternehmungen so unsagbar freue – auf jeden Fall tue ich es.

Was ich gar nicht erwähnt hatte vorhin, war, dass die lernende Kinesiologin gestern ein ausgesprochen interessanter und sympathischer Mensch war und wir uns gleich für nächste Woche wieder verabredet haben. Ihre Wohnung ist wunderschön eingerichtet, mit ganz vielen verschiedenen, harmonisierenden, warmen Farben und Pflanzen und Details. Sie mag es gern farbig, sagte sie. So wie ich. (Ihre Wohnung passt total gut zu der von Conny, bei der wir letztes Jahr während des Foodsharing-Treffens in Ludwigsburg übernachtet hatten. Auch so ein toller, besonderer Mensch, und eine ganz Liebe.) Und sie hat irgendwie etwas Euskadisches an sich, und sei es nur ihr Haarschnitt. (Was an sich ja nicht unbedingt das euskadische Merkmal ist, auf das man stolz sein müsste, aber 1) ihr steht es und 2) hierzulande erfüllt mich so ein Anblick mit fast schon nostalgischer Freude. Jetzt, wo ich nicht mehr in Vitoria sein muss, ist meine Zuneigung zum Euskal Herria nochmal um eine ganze Ecke gewachsen.)

Jetzt bin ich gerade fasziniert von der Erinnerung an gestern Nachmittag, als ich beim Abspülen ein paar random Zeilen vor mich hingesungen habe, in etwa

„todo lo que ves,
todo lo que sientes,
es todo solo un sueño,
es nada más un sueño..

y me lo puedes contar,
pero igual lo puedes dejar,
que yo también soy sueño,
yo también soy sueño.“

– noch längst nicht ahnend, dass mir meine abzuarbeitende Filmliste am Abend genau diese Produktion ausspucken würde.

Und wenig später nur, allerhöchstens ein paar Minuten später, saß ich doch noch hier und fand in dem mitgebrachten Kästchen mit Papierschnipseln noch diese Postkarte, die ich mir in Rostock gekauft hatte:

„Habe immer mehr Träume, als die Realität zerstören kann.“

Ich hatte angefangen, bereits in Simones Wohnung, das Wort „Träume“ in anderen Sprachen daraufzuschreiben. Gestern erblickte ich die Karte und auf einmal fiel mir auch endlich das euskarische Wort wieder ein, „ametsak“ – wie konnte ich das nur vergessen; in Rostock hatte ich diesbezüglich ein riesiges Blackout. Und mir wurde bewusst, dass ich es auch noch auf Dänisch kannte. Und auf Französisch. Rêves. Das ist doch alles ein Traum von einem Zufall. Har har.

Eine Frohnatur.

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Meine Challenge.. sie funktioniert! Ich muss mir nur, genau wie beim Kampf gegen die anderen nervigen Angewohnheiten, immer bewusst bleiben, was ich mir vorgenommen habe – wenn ich einfach abschalte und die üblichen Verhaltensweisen machen lasse, wie sie wollen, kann es natürlich nie was werden. Und es macht ja nichts, wenn ich es kurz vergesse. „Du wolltest die Leute nicht mehr so anstrahlen. Strahlen kannst du genug, wenn du es auch wirklich meinst. Guck dir ihren Gesuchtsausdruck an; kopiere den. Das muss reichen. Sie mögen dich auch, wenn du nicht ununterbrochen aussiehst wie ein Honigkuchenpferd.“

Georg aus Euskera beschloss schon damals beim Kuchenverkauf vor der Exkursion, dass ich eine Frohnatur bin. Er hatte die Vision, einen Verlag aufzumachen, mit mir als fest angestellte Lektorin, und ihn den Frohnaturenverlag zu nennen, mit meinem Gesicht als Logo. Das Lustige ist, mein Zustand damals entsprach in etwa dem einer Feldmaus, die nach stundenlangem Strampeln, Kämpfen, Fast-Aufgeben und Weiterstrampeln endlich geschafft hat, sich aus einem Eimer Wasser zu befreien. Die Maus hing also halbtot und ziemlich KO am Rande besagten Eimers und fing gerade an, sich ein bisschen nach links und rechts umzusehen, um herauszufinden, wie sie nun vom Eimerrand zurück auf soliden Erdboden kommen sollte, um sich dort zu verkriechen und erstmal schön lange zu schlafen, und ihre Kommilitonen hatten nichts Besseres zu tun, als sie eine Frohnatur zu nennen.

Zeitgleich war Lisa gerade von Liebeskummer geplagt, da sie ein paar Monate mit Marc, ebenfalls aus Euskera, zusammengewesen war, der das Ganze wenige Wochen zuvor beendet hatte. Dass sie beide zusammen an der gleichen Exkursion teilnahmen, war nicht gerade der günstigste Zug des Schicksals; sie verbrachte die meiste Zeit mit Heulen und teilweise damit, zusammenzuklappen. Verständlicherweise war ein Goßteil der Mitmenschen davon weniger begeistert. Auch verständlicherweise habe ich die meiste Zeit damit verbracht, die mir damals fast unbekannte Person zu therapieren und als Zuhörer und Schwamm zum Vollreden zu dienen. Georg war auch manchmal mit von der Partie; er übernahm dann, wenn ich gerade mal eine Pause brauchte. Sie erzählte uns beiden gern und ausführlich von ihrer labilen psychischen Verfassung. Hat auch schon nicht unbedingt wenig durchgemacht, die Gute, was wahrscheinlich einer der Gründe war, wegen derer ich sie auf Anhieb so mochte. Sie hat genau meine Art Unsicherheit und Nervosität, wenn sie redet, nur dass man sie bei ihr viel krasser rausmerkt.
Naja. Jedenfalls war es bei ihr dann Depression hier, Klinik mal hier, mal da. Aufmerksamkeitsmagnet für unser Helfersyndrom.

Und ich war die Frohnatur. Die Immer-Positive. Ich, von allen Leuten. Im Grunde genau wie ich eigentlich sein wollte; Fake it ‚til you make it, meine ewige Devise. Ich lief nebenher und hab‘ sie reden hören und dachte mir, joa, kommt hin – kann ich bestätigen. Aber darum geht’s ja grad nicht, wozu laut drüber sprechen.

Das ist halt das Problem, wenn du Leuten nicht freiwillig deine ganze Innenwelt vor die Füße schüttest. Sie wollen einfach gar nichts davon wissen.

So war das damals. Wie kam ich darauf, wie um alles in der Welt? Oh, natürlich, die Challenge. Aber ich werde auch mal langsam ins Bett gehen. Habe zwar heute den ganzen Tag – den ganzen luxuriösen Tag lang – nichts vor, diesmal mit einer Chance, dass das auch den Tag über so bleibt und sich nicht Millionen schöner Dinge zwischen mich und die Untätigkeit schieben, weil Sarah heute und morgen weg ist und somit kaum noch Möglichkeiten bestehen, dass jemand spontan etwas unternehmen möchte, aber ich freue mich eigentlich über meinen schön nach vorne hin normalisierten Schlafrhythmus.

Esperando

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Eineinhalb Tage.
Hoffentlich findet meine Mutter bis morgen meine Geburtsurkunde. Meine Eltern sind immer noch am Renovieren und offenbar ist das Haus ein einziges Chaos. Da komme ich mit meinem Request genau richtig. Aber ehrlich.. wichtige Dokumente bewahre sogar ich so ordentlich auf, dass ich zu jeder Zeit drankomme. Wenn ich sie nicht gerade unter mysteriösen Umständen verliere. Am besten verlagere ich dieses Jahr mal irgendwann meine ganzen offiziellen Papiere zu mir nach Hause.

Uff. Mein Computer ist nicht mehr der Reaktionsfreudigste. Alle paar Minuten hängt er sich auf, stürzt ab oder veranstaltet sonstige lustige Unternehmungen ohne mich. Wenn ich nicht wüsste, dass in einer Woche Robert zu mir kommt, mit einem linuxbeladenen USB-Stick, würde ich halb verzweifeln. So dagegen ertrage ich es tapfer. Was habe ich letztens noch Schönes gelesen: „Before you marry someone, watch them handle a computer with slow internet to expose the person they really are.“ Da würde ich ausnahmsweise mal richtig gut abschneiden.

Nebenbei spiele ich Snake, schaffe es wie immer nicht einmal ansatzweise, meinen inzwischen knapp siebenjährigen übermenschlichen Rekord aus Kopenhagen zu brechen, und erschrecke mich regelmäßig zu Tode, wenn die Musik nach einem weiteren Schwächeanfall der virusgeplagten Bernadette wieder anfängt zu spielen. Ohne kann ich aber auch nicht; NUFANs Hard Rock Bottom ist mein ständiger Begleiter in dieser Zeit und wird mich ohne jeden Zweifel später in einem Schwall aus Bildern, Gefühlen, Erinnerungen, Assoziationen, Gedankensequenzen und dieser einen, völlig individuellen, jedem Zeitabschnitt des Lebens, egal wie lang oder kurz, irgendwie eigenen ganz bestimmten Atmosphäre zuverlässig wie nichts sonst an meine letzten Wochen in Vitoria erinnern.
Noch eine Zeitkapsel.

Ich muss zum Gratisladen gleich, um tütenweise Zeug abzugeben (und vermutlich trotz ernstem Platzmangel doch wieder mit neuer Ausbeute zurückzukommen). Außerdem wollten Saskia und ich heute Abend noch einmal zu an dieser Stelle erstmals erwähntem Mushroom place gehen, aka das Verdi – eine erklärte Erasmus-Bar, in der donnerstags – Pintxo-Pote-Zeit* – mit Knoblauchbutter gefüllte Champignons als Pintxos verkauft werden und sich die Menschen, nur allzu zahlreich anwesend, in einem Gewimmel von Plastiktellern, dröhnender schrecklicher Musik und Müll, Müll, Müll irgendwo ein Fleckchen suchen, um diese Köstlichkeiten in der Gesellschaft ihrer Wahl zu verzehren. Aber wenn es nunmal so unschlagbar ist, Champignon-Pintxo und das obligatorische Pote für einen kleinen Euro – für mich Wein, Saskia wählt Kalimotxo, was ich allein aus ökonomischer Sicht unverständlich finde, aber wenn sie es nunmal so mag..

*Um dich kurz mit dem Pintxo-Pote-System vertraut zu machen (ich bin vermutlich eh die einzige bloggende Erasmus-Studentin in Vitoria, die dieses Wort anderthalb Tage vor ihrer geplanten Abreise zum ersten Mal erwähnt). Pintxos sind die baskische Variante von Tapas. Brot als Unterlage, und alles Mögliche drauf – von Fisch über Gemüse bis hin zu Tortilla oder Zeug mit Schinken. Wenn man in Euskadi abends weggeht, funktioniert es folgendermaßen: Du gehst mit deiner Koadrila (oder sagen wir ganz zivilisiert Clique) in eine Bar, isst ein-zwei Pintxos, trinkst ein-zwei Cañas (was nichts mit Zuckerrohr zu tun hat, sondern einfach ist, wie man hier ein Glas Bier nennt), und weiter geht’s zur nächsten Lokalität. Das Pote ist ein genereller Ausdruck für Getränke – Wein, Bier, Kalimotxo (eine überall zu erwerbende Mischung aus Wein, Eiswürfeln und Cola). Und Pintxo-Pote nun ist praktisch die vitorianische Happy Hour der Woche, Donnerstag Abend, wo du in vielen Bars einen Pintxo und ein Pote zusammen für um die 1,50 – 2€ bekommst.

So viel dazu. Was ich aber eigentlich nur sagen wollte, war, dass ich mich ein bisschen krank fühle und noch nicht ganz sicher bin, ob ich ihr nicht eventuell absagen sollte.

Manchmal höre ich Marco reden.
„Tienes mucha suerte.“

Natürlich, dass ich das nicht einfach vergesse. Das wäre ja schon eher untypisch.

„What a good teacher I am.“
„Hah, I wouldn’t say so. I’d say life is.“

Tee trinken

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Wenn man nicht weiß, was zu tun ist, was bleibt einem übrig als Aushalten und Abwarten?

Manchmal frage ich mich, wie ein einzelner Mensch so wenig wissen kann, dass es ihn handlungsunfähig macht.

Wenigstens habe ich mir in Bayonne eine Thermoskanne geholt; so bleibt mein Tee zumindest warm. (Auch wenn irgendein Chaot aus meiner WG dieses Mittelschraubteil verlegt hat, nachdem ich es gerade ein Mal benutzt hatte, und ich die Kanne seit jenem Zeitpunkt nur noch kerzengerade in der Hand gehalten durch die Gegend transportieren kann.) Gerade jetzt im Winter ist warmer Tee doch lebensnotwendig. (Ja, Winter. Siberia-Gasteiz verzeichnete am gestrigen Tage -4°, da sag noch einer, das Baskenland würde zu Spanien gehören.)

Ya – "Normalität".

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Es hat heute zwar mit dem Vertrag schon wieder nicht geklappt, aber wenn ich ihn erstmal habe, kann ich sicher sein, dass in der nächsten Zeit sehr viel mich glücklich machende Arbeit auf mich zukommt. Wie es mich einfach erfüllt. Inzwischen habe ich sogar das Gefühl, zu ihnen durchzudringen. Dass sie einen Teil, zumindest, von dem, was ich ihnen sage, wirklich verstehen. Und wenn ich von der Arbeit komme, laufe ich an den Stufen vor der Kathedrale vorbei, von wo aus die Skater mir zurufen, ob ich diesmal nicht die Ukulele dabeihätte. Langsam lernen Vitoria und ich uns kennen.

Was ich aber auch nicht zuletzt meinem Besuch zu verdanken habe. Mit Lena und Sarah bin ich in zwei Wochen mehr herumgekommen als in den anderthalb Monaten vorher zusammen. Jetzt will ich versuchen, im Laufe meines restlichen Aufenthaltes hier noch irgendwie nach Biarritz zu kommen, da muss es wunderschön sein, und eigentlich müsste ich den Rest von Euskadi auch noch gewissenhaft abklappern, damit mich Pedro nicht fertigmacht, wenn ich wiederkomme, dass ich viel mehr hätte rumreisen sollen. Beziehungsweise würde ich mich ja selbst fertigmachen, siehe Costa Rica. Irgendwann gehe ich zurück und arbeite meine ganze Liste von Orten ab, die ich dort sehen wollte. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass mein Leben nicht irgendwann erst anfängt, sondern ich mittendrinstecke. Von Ding her weiß ich es ja, aber ganz oft falle ich auch einfach zurück in diesen halb unbewussten Wartemodus, in die „wenn ich erstmal lebe…“-Mentalität. Die sollte ich mir abgewöhnen, ganz schnell.

Do more of what makes you happy

Begitara Begira Pt.2

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Da wird grad einfach mal mein allerliebstes Lied von dieser grandiosen Band namens Vendetta in der Vitoria-Erasmus-Gruppe gepostet. Wie wunderbar, es hier zu hören, Gasteizen, Euskadien – unbeschreiblich, unbeschreiblich.
Jetzt weiß ich auch wieder, warum mir das „dezaten“ auf Pedros Foto und in der Bar gestern so bekannt vorkam – es kommt im Text vor. Und es macht Sinn, oh, wie ich es liebe, wenn etwas Sinn macht!

Oh, und wie ich verstehen kann, dass Musik die machtvollste Form der Propaganda ist.

Jetzt überlege ich – habe ich über Begitara Begira nicht sogar schonmal geschrieben? Ach ja, richtig.

Nothing worse than doing nothing when you could be doing something.

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“When you encounter obstacles, don’t turn your back on them. Face them, confront them and you will see them dissolving in front of your eyes.”

Ich weiß genau, dass es stimmt. Wenig, von dessen Richtigkeit ich so sehr überzeugt bin. Aber.
If only it was a bit easier.

Eine Ankunft in meiner baskischen Wahlheimat fürs nächste halbe Jahr, einen Einzug in eine neue WG, einen Haufen aufwühlender Dinge und eine drei Minuten nach Deadline abgeschickte, unfertige Hausarbeit später sieht es immer noch so aus, als würde ich durchs Leben kommen, ohne es jemals zu lernen.

Auch wenn ich den ersten Tag hier nach zweimonatiger Prokrastination völlig verdient mit Panik und Schreiben, Panik und mehr Panik verbracht habe – am Ende hat es einfach mal nicht gereicht. Da hänge ich eine Stunde und zwanzig Minuten vor Deadline vor dem Wust aus offenen Tabs und zu wenig Seiten und auf einmal wird mir klar, dass ich versagt habe. Dieser eklige Moment der Erkenntnis. Wie konnte das passieren, die ganze Arbeit, umsonst? Ein „Nicht bestanden“ in meinem tadellosen Notenverzeichnis? Hätte ich einfach die Klausur geschrieben.. Hätte ich mich nicht vier Semester lang um Hausarbeiten herumgedrückt, dann hätte diese hier nicht diesen Grad an Wichtigkeit.

Ich bin ein bisschen zusammengeklappt. Ich bin das nicht gewohnt; normalerweise faile ich fast, nicht ganz. Der Unterschied liegt in den Nuancen. Normalerweise werde ich fast nicht mehr rechtzeitig fertig. Normalerweise komme ich trotz aller Unfähigkeit nicht an den Punkt, an dem mir klarwird, dass ich etwas nicht mehr schaffen kann. Fast, ja. Aber nicht ganz.

Ich dachte mir dann nach ein paar Minuten des Zusammenklappens, aber Moment. Es ist ja noch nicht zwölf.
Und dann habe ich weitergearbeitet und war immer wieder hin- und hergerissen zwischen Aufgeben und Weitermachen und Aufgeben. Und habe endlich aufgehört, an jedem Wort drei Jahre zu feilen, und habe es aufgegeben, eine perfekte Bibliographie erstellen zu wollen, und habe an allen Stellen, in denen ich eigentlich vorgehabt hatte, die Quellen in den Fließtext einzubinden, plump „véase [Quelle]“ eingesetzt und habe mit fliegenden Fingern zwischen den tausend Tabs hin- und hergeklickt, und irgendwann war es drei nach zwölf und ich habe die Mail an Enara abgeschickt mit dem zerstümperten Ding im Anhang und den Worten „ando tarde..“ und der Hoffnung, dass sie es trotzdem noch annimmt.

Was ich gedacht habe, war, es ist ja nunmal alles besser, als würde ich nichts abgeben.
Und dann war mir auf einmal auch egal, dass es niemals fertigwerden konnte, dann hat mich nur noch interessiert, es so fertig wie möglich zu machen. Wenn ich mir überlege, dass ich an dem einen Punkt wirklich aufgegeben hatte. Als würde man einen Multiple Choice-Test vor die Nase gesetzt bekommen und am Ende ein leeres Blatt abgeben. Aber was für eine Willenskraft das war, die bringe ich auch nicht alle Tage auf.

Nun bin ich todmüde.